Canton Vento 830.2 – Sturm in der Lautsprecher-Kompaktklasse Canton Vento 830.2 – Sturm in der Lautsprecher-Kompaktklasse

von

Redakteur

Mit den Boxen der Vento-Serie entfacht der deutsche Lautsprecher-Hersteller Canton unterhalb der hauseigenen Referenzklasse einiges an Wind. Dass die kompakte Vento 830.2 alles andere als ein kleines Lüftchen ist, hat sie in unserem Test bewiesen.

HiFi-Technik, die sich sehen lassen kann: Die Canton Veto 830.2

HiFi-Technik, die sich sehen lassen kann: Die Canton Vento 830.2.

Die Firma Canton gehört quasi zum alten Adel der deutschen Lautsprecher-Branche. 1972 gegründet, hat die Marke in der goldenen Ära der Hifi-Stereofonie, den 1970er und -80er Jahren, die Lautsprecher-Szene in Deutschland geprägt wie kaum eine zweite. Egal ob man die Boxen nun mochte, vorbei kam man als HiFi Begeisterter an den jeweils aktuellen Modellen aus dem hessischen Weilrod nicht. Eine kleine Delle erhielt das Image der Marke in den 1990er Jahren, als Canton-Produkte aufgrund ihres damals recht biederen Designs als spießig galten. Nun ist ja das Aussehen zum einen Geschmackssache, zum anderen ist heute vieles für die einen schon „Retro“ und damit „in“, was für andere niemals „out“ war. Bei Canton hat man einen souveränen Umgang damit gefunden und führt die Ergo-Serie, die dieses Design verkörpert, bis heute weiter. So finden gestandene HiFi-Enthusiasten und Liebhaber von Retro-Design hier gleichermaßen Lautsprecher, die aussehen wie Lautsprecher nun mal aussehen oder aussahen – je nach Standpunkt. Wobei Canton die Lautsprecher der Ergo-Serie immer auf dem technisch und klanglich neusten Stand gehalten hat und hält. Aktuell gibt es die Ergo-Serie in der 7. Generation! Doch nun zurück zu unseren Testprobanden:

Optional bietet Canton die passenden Lautsprecherständer namens LS850.2.

Optional bietet Canton die passenden Lautsprecherständer namens LS850.2.

Canton Vento 830.2: Technisch auf Höhe der Zeit

Was die eingesetzte Technik betrifft, ist man bei Canton also immer up to date. Das sieht man auch an unseren Testkandidaten, den Vento 830.2, deutlich. Die Vento-Reihe ist innerhalb der Produkthierarche von Canton unmittelbar unter den Flaggschiffen der Reference K-Serie angesiedelt. Wobei die Vento-Lautsprecher der Punkt-2-Versionen stark vom Technologie-Transfer von „oben“ profitiert haben und damit den Referenz-Modellen, was die eigesetzte Technologie betrifft, kaum nachstehen. So findet man hier die gleichen aufwändig gerundeten Seitenwände wie bei der Reference-Serie. Diese „Bugform“ sorgt dafür, dass die Seitenwände nirgends parallel verlaufen. Dadurch können sich zwischen den Seiten keine sogenannten „stehenden Wellen“ aufbauen, die sich unangenehm als Dröhnfrequenzen der Gehäuse bemerkbar machen könnten. Neben den klanglichen Vorteilen sieht die Sache übrigens auch verdammt gut aus. Hier verbindet Canton gekonnt Technik und modernes Design.
Weitere technische Highlights sind etwa die Keramik-Kalottenhochtöner – Keramik ist so ziemlich das angesagteste Material, das man für Hochtönermembranen zurzeit verwenden kann. Oder die Tief- und Mitteltöner mit ihrer äußeren Gummieinfassung in Wellenform. Durch diese Form der äußeren Membranaufhängung, der sogenannten Sicke, soll die Membran deutlich größere Hubbewegungen ausführen können als mit einer üblichen, einfach gewölbten Sicke. Für 650 Euro pro Lautsprecher, 1.300 das Paar, erhält man also einiges an innovativer Lautsprechertechnik. Woanders, auch bei den kleineren Serien von Canton, bekommt man für dieses Geld allerdings schon ausgewachsene Standboxen. Bei den Vento 830.2 handelt es sich dagegen um Kompaktboxen. Auch wenn die 830.2 als Regalbox eingestuft wird, ist diese Klassifizierung hier fast unangemessen. Denn zum einen eignet sie sich nur bedingt für die Aufstellung im Regal – aufgrund ihrer gebogenen Seitenwände kann man sie nicht gut zwischen Bücher quetschen; zum anderen spielt ein Lautsprecher dieser Preisklasse seine Talente frei, im Idealfall auf den passenden Lautsprecherständern aufgestellt, am besten aus. Die von Canton angebotenen passenden Lautsprecherständer LS 850.2 schlagen allerdings nochmal mit rund 500 Euro das Paar zu Buche.

Für die bestmögliche Hochtonwiedergabe setzt Canton auf das derzeit angesagteste Material: Keramik!

Für die bestmögliche Hochtonwiedergabe setzt Canton auf das derzeit angesagteste Material: Keramik!

Im Tiefmitteltonbereich schwört Canton auf Altbewährtes: Aluminium!

Im Tiefmitteltonbereich schwört Canton auf Altbewährtes: Aluminium!

Vorteil Kompaktlautsprecher

Und warum sollte man Kompaktlautsprecher samt Ständern kaufen, wenn man für das gleiche Geld auch Standboxen bekommen könnte, die genauso viel Stellplatz benötigen würden? Weil Kompaktboxen in kleinen bis mittleren Räumen oft besser klingen, als große Standmodelle. Da Hochtöner und Tiefmitteltöner bei einem Kompaktlautsprecher recht dicht beieinander sitzen, kommt der Schall, den die beiden Chassis erzeugen, auch bei geringen Abständen zwischen Lautsprechern und Hörer gemeinsam an. Bei Standboxen, bei denen sich die Chassis nicht selten über die ganze Höhe der Lautsprecherfront verteilen, ist das nicht der Fall – hier ist ein größerer Abstand zwischen Hörer und Lautsprechern erforderlich, damit die Ohren den Klang als „aus einem Guss“ wahrnehmen. Darüber hinaus machen sich Lautsprechergehäuse auch immer akustisch bemerkbar. Entweder durch stehende Wellen – was im Falle der Vento ja größtenteils durch die Bugform verhindert wird – aber auch durch mitschwingende Gehäusewände oder die Beugung des Schalls um die Lautsprechergehäuse herum. Lautsprechergehäuse sind fast immer bewusst oder unbewusst hörbar. Je kleiner sie sind, desto geringer fallen solche Einflüsse allerdings aus. Nachteile muss man dagegen kaum in Kauf nehmen. Dank leistungsfähiger Tiefmitteltöner, die zum Erzeugen tiefer Bässe und größerer Lautstärken richtig Hub machen können, muss man im Bass kaum noch Einschränkungen gegenüber Standmodellen hinnehmen. Es sprechen also viele Gründe dafür, in kleinen bis mittleren Räumen Kompaktlautsprecher einzusetzen. Und falls nun wirklich überhaupt kein Platz für die freie Aufstellung auf Lautsprecherständern da ist: Ja, man kann diese Lautsprecher auch auf ein Möbel, etwa ein Sideboard stellen. Zu diesem Zweck liegen den Vento 830.2 sogar extra Klebefüßchen bei.
Tipp: Wichtig ist darauf zu achten, dass die Lautsprecher, wenn man vor ihnen sitzt, etwa auf Ohrhöhe zu stehen kommen. Und die Fronten der Lautsprecher sollten im Idealfall bündig mit der Front des darunter stehenden Möbels abschließen, damit es möglichst wenig Kanten gibt, an denen es zu unerwünschten Schallreflexionen kommen kann, die das Klangbild beeinträchtigen könnten.

Draufsicht: Die schicke 830.2 basiert auf Canton sogenannter Bugform. D.h.: das leicht gerundete Gehäuse verjüngt sich hin zur Rückseite.

Draufsicht: Die schicke 830.2 basiert der sogenannten Bugform. D.h.: das leicht gerundete Gehäuse verjüngt sich hin zur Rückseite.

Große Bühne, überragende Feindynamik

Kommen wir zum Hörcheck. Der Preis und die aufwändige Technik lassen klanglich einiges erwarten. So testen wir die Canton 830.2 vornehmlich in einem HiFi-Setup. In der Vento-Reihe bietet Canton übrigens neben Standboxen auch zwei Center, einen On-Wall Lautsprecher und einen Subwoofer an, sodass man sich auch eine absolut anspruchsvolle Surround-Anlage aufbauen kann.
Auf passenden Ständern in unserem 18-Quadratmeter-Hörraum aufgestellt, fühlen sich die Vento 830.2 auf Anhieb wohl und machen sofort klar, dass man nicht die Spur eines Gedenkens an Standlautsprecher zu verschwenden braucht. Im Gegenteil: Das erste, was uns auffällt, ist die ungeheure Souveränität, mit der die Lautsprecher den Raum mit Musik füllen. Bei vergleichsweise freier Aufstellung und mit größerem Abstand zu Rück- und Seitenwänden überzeugt zunächst der Bass mit ernst zunehmendem Tiefgang und ordentlichem Punch. Zu den gaaanz tiefen Frequenzen hin klinken sich die Vento dann langsam aus dem Geschehen aus. Wer hier noch etwas Tiefgang herausholen möchte, kann die Lautsprecher einfach näher an die Wand heranrücken. Das verstärkt die untersten Lagen, kostet im Regelfall aber ein bisschen Kontrolle. So kann jeder die Aufstellung finden, bei der der Bass seinem persönlichem Geschmack oder seiner bevorzugten Musikrichtung entgegen kommt. Unsere Empfehlung ist, bei klassischer Musik eine wandnähere Aufstellung zu wählen, bei Rock und Pop dagegen etwas mehr Abstand zur Rückwand zu lassen.
Die Mittenwiedergabe bleibt von der Aufstellung weitgehend unbeeinflusst. Hier zeigen die Vento 830.2 eine mustergültige Ausgewogenheit. Die tonale Balance ist neutral, sodass sie sich mit sämtlichem gehörten Musikmaterial ideal vertragen. Darüber hinaus überzeugen sie mit einer überragenden Feindynamik und einem phänomenalen Auflösungsvermögen. Was diese Lautsprecher an Details wiedergeben sucht seines Gleichen. Erfreulicherweise bleiben diese Talente auch bestehen, wenn man sehr leise hört. Die eingesetzten Wandler sprechen sehr fein an, sodass man seine Musik bei geringen Lautstärken in vollem Umfang genießen kann – perfekte Voraussetzungen für geruhsame, nach-mitternächtliche Hörsitzungen also. Doch auch laut können die Vento 830.2, und zwar richtig. Wenn man sieht, welche Hübe die Tiefmitteltöner bei hohen Lautstärken ausführen, wird es wird einem fast Angst und Bange. Bei Pegeln deutlich oberhalb der gehobenen Zimmerlautstärke verlieren die Lautsprecher allerdings etwas an Souveränität und klingen leicht angestrengt. Zum Beschallen größerer Partys sind die Cantons somit weniger zu empfehlen. Kaputt kriegt man sie damit aber wohl kaum.

Rückseitig findet sich das hochwertige Single-Wird-Anschlussterminal.

Rückseitig findet sich das hochwertige Single-Wire-Anschlussterminal.

Authentisch & flexibel

Im Hochton könnte man die Vento 830.2 beinahe unterschätzen. Hier geben sie sich eher progressiv-zurückhaltend. Was sich letztendlich als eine vortreffliche Abstimmung entpuppt. Der Keramikhochtöner hat es nämlich überhaupt nicht nötig, sich in den Vordergrund zu spielen. Sein phantastisches Auflösungsvermögen offenbart sich beim Hinhören nämlich quasi von allein. Er dröselt die feinsten Hochtonstrukturen auf, verzichtet aber völlig darauf, in irgendeiner Form zu nerven. Damit sind die Canton wunderbar langzeithörtauglich. Außerdem dürften sie sich mit unterschiedlichsten Hörumgebungen – sei es nun ein eher heller, halliger Raum oder ein klanglich dunkler, bedämpfer, bestens verstehen.
Bei der räumlichen Darstellung machen die Vento 830.2 gerne die Große Bühne auf. Der virtuell wahrgenommene Raum ist deutlich größer als der Hörraum und geht an den Seiten weit über die Standorte der Lautsprecher hinaus. Damit heben sie akustisch die Grenzen des Hörraums auf und versetzen den Zuhörer authentisch ins Rockkonzert, den Jazzclub oder die Philharmonie. Dabei überzeugen sie mit einer stabilen Lokalisierbarkeit, verzichten aber darauf, einzelne Akteure dreidimensional aus dem Gesamtgeschehen herauszuschälen und freizustellen. Sie bieten somit eine wunderbare „Wall of Sound“, was in vielen Fällen dem Live-Erlebnis sehr nahe kommt. Die teilweise artifizielle Kulisse einiger Studioproduktionen, die meist am Computer des Toningenieurs entsteht, setzen die Canton gekonnt in eine authentisch wirkende Räumlichkeit um.

Leicht auf den Hörplatz ausgerichtet, lieferte die 830.2 in unserem Hörtest beste Klangergebnisse.

Leicht auf den Hörplatz ausgerichtet, lieferte die 830.2 in unserem Hörtest beste Klangergebnisse.

Fazit

Die Canton Vento 830.2 beweisen eindrucksvoll, dass „Spitzenklasse“ und „Kompaktlautsprecher“ keine Wiedersprüche sein müssen. Im Gegenteil: Bei kleinen bis mittleren Raumgrößen und sorgfältiger Aufstellung klingen die kompakten Canton absolut souverän und lassen nie den Wunsch nach größeren Lautsprechern aufkommen. Nicht ohne Grund, denn große Lautsprecher tun sich vielfach deutlich schwerer, ihre Talente in kleineren Hörumgebungen auszuspielen. Und die Option, die Lautsprecher zur Not auch mal auf ein Sideboard zu stellen, bieten Standboxen sowieso nicht. Damit sind die Canton Vento 830.2 eine dicke Empfehlung für alle, die wirklich großen Klang in kleinen Räumen genießen wollen.

Test & Text: Martin Mertens

Fotos: www.lite-magazin.de, Herstellerbilder

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

95 %

95 %

85 %

150617.Canton-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Canton
Vento 830.2
Produktkategorie:Regallautsprecher
Preis:649,00 Euro / Stück
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- Lack schwarz "high gloss"
- Lack weiss "high gloss"
- Lack kirsch "high gloss"
Vertrieb:Canton, Weilrod
Tel.: 06083 2870
www.canton.de
Abmessungen (HBT):360 x 220 x 315 mm
Gewicht:8,7 Kg
Hochtöner:25 mm (Keramik-Kalotte)
Tiefmitteltöner:180 mm (Aluminium-Membran)
Frequenzbereich:27 Hz - 40 kHz (Herstellerangabe)
Trennfrequenz:3000 Hertz
Lieferumfang:- Vento 830.2
- magnetisch haftende Stoffabdeckungen
- Poliertuch
- Klebefüsschen
- Bedienungsanleitung
Besonderes:- tiefer Bass mit gutem Punch
- sehr dynamisch
- hohes Auflösungsvermögen
- beeindruckende Räumlichkeit
- vergoldetes Bi-Wire-Anschlussfeld
- sehr gute Verarbeitung
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,2
Gesamtnote:1,0
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungsehr gut

lite - DAS LIFESTYLE & TECHNIK MAGAZIN Über uns | Impressum | Datenschutz | Kontakt