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Redakteur

Wer viel am Schreibtisch arbeitet, möchte auch dort nicht dauerhaft auf Musik verzichten. Über integrierte PC-Lautsprecher klingt Musik oder ein TV-Livestream aber immer etwas dünn. Da sind kompakte Aktivlautsprecher wie die Tune 4 von XTZ genau das Richtige, um Musik und Livestreams in adäquater Sound-Atmosphäre genießen zu können.

Die Tune 4 sind blitzschnell spielbereit und daher sehr gut für den Schreibtisch geeignet.

Die Tune 4 sind blitzschnell spielbereit und daher sehr gut für den Schreibtisch geeignet.

 

Das Schöne bei Aktivlautsprechern ist nämlich, dass sie meistens auch weitere Anschlussmöglichkeiten als nur das Ankoppeln an den PC bieten. So auch das Stereo-Pärchen aus schwedischem Hause, das Mobilgeräten kabellos via Bluetooth den Anschluss ermöglicht und das daher auch problemlos als „klassischer“ Regallautsprecher verwendet werden kann.

Vorbildliche Verarbeitung

Die beiden Tune 4 sind aus mehrfach verstärktem MDF gefertigt und in mattem Weiß lackiert. Alternativ gibt es auch das klassische Schwarz, ebenfalls in mattem Schleiflack. Die Kanten sind leicht abgerundet, was sich extrem sauber anfühlt und den Eindruck erweckt, dass die Tune 4 aus nur einem Stück besteht. Sichtbare Schrauben gibt es folglich nicht, daher können die Tune 4 auch auf eine Frontabdeckung verzichten. Eine extrem gute und schöne Verarbeitung also, die selbst aus der Riege erstklassig gefertigter Aktivlautsprecher hervorsticht.

Optisch lässt sich die Aktivbox direkt durch den kreisrunden, schwarzen LED-Rahmen unten rechts erkennen. Hier wird mit unterschiedlichen Farben die aktuell gewählte Quelle angezeigt: Grün steht für den analogen Miniklinkeneingang, Rot für den optischen Digitaleingang und Blau natürlich für Bluetooth. Im aktiven Zustand leuchten die LED heller als im Standby – das mag ein wenig verwirren, man gewöhnt sich aber dann doch recht schnell daran.

Die Verarbeitung der Tune 4 ist herausragend gut, nicht zuletzt dank perfekter Kanten und hochwertiger Lackierung.

Die Verarbeitung der Tune 4 ist herausragend gut, nicht zuletzt dank perfekter Kanten und hochwertiger Lackierung.

Der Aktivlautsprecher des Duos ist im Setup übrigens links zu platzieren, die Passivbox dementsprechend rechts. Das signalisiert auch die Position des Hochtöners, der sitzt nämlich jeweils versetzt auf der nach außen zeigenden Seite. Das hat allerdings nicht nur optische Gründe, sondern dient auch der Verringerung von Kantendispersionen und damit einem präziseren und schlicht besseren Klang, wozu auch der Wave-Guide beiträgt. Bei letzteren handelt es sich um die leichten Vertiefungen, in denen die beiden Chassis sitzen und die den Schall gezielt führen. Der Tiefmitteltöner hingegen ist jeweils zentral in der Schallwand platziert (wie auch das Herstellerlogo am unteren Rand), was auch angesichts eines Durchmessers von stattlichen 120 Millimetern auch gar nicht anders ginge.

Die Hochtöner sind jeweils außen platziert und mit Wave-Guide ausgestattet.

Die Hochtöner sind jeweils außen platziert und mit Wave-Guide ausgestattet.

Die Schallwand der Tune 4 ist übrigens leicht nach hinten geneigt, so dass der Klang leicht aufwärts gerichtet abgestrahlt wird – optimal für die Nutzung am Schreibtisch also. Aber keine Sorge, falls die beiden Lautsprecher irgendwo auf der Kommode oder im Regal eingesetzt werden: Durch jeweils einen beiliegenden Standfuß pro Box kann die Neigung an den jeweiligen Einsatzzweck angeglichen werden. Warum nur ein Standfuß pro Box? Ganz einfach, die beiden Tune 4 verfügen jeweils nur über drei Füße, zwei vorn und einer hinten in der Mitte. Ungewöhnlich, aber kein großer Nachteil. Wie sagt das alte Sprichwort? „Was drei Beine hat, kann nicht wackeln“! Man sollte im Betrieb natürlich nicht heftig am Schreibtisch rütteln oder sich auf die Lautsprecher stützen – dann nämlich könnten sie kurzzeitig vielleicht doch ins Wanken geraten.

Die Neigung der Schallwand lässt sich durch einen beiligenden Standfuß ausgleichen.

Die Neigung der Schallwand lässt sich durch einen beiligenden Standfuß ausgleichen.

Startklar in vier Handgriffen

Der linke der beiden Tune 4 ist, wie eingangs erwähnt, der aktive Part dieses Sound-Duos, der rechte wird lediglich per Lautsprecherkabel an den Kollegen gekoppelt. Das dafür mitgelieferte Kabel kann mit großzügigem Querschnitt aufwarten und ist sogar mit Bananensteckern ausgerüstet. Das ist keineswegs selbstverständlich und daher auf jeden Fall lobend zu erwähnen. Das Verbinden der beiden Tune 4 geht daher leicht und locker von der Hand, das fummelige Einfädeln von abisolierten Kabelenden ist hier nicht nötig (wenn auch theoretisch möglich). Abgesehen vom verbindenden Lautsprecherkabel wird übrigens alles weitere über den linken Lautsprecher angekoppelt. Hier ist nämlich auch der Class-D-Digitalverstärker untergebracht, der mit 2 x 50 Watt auch für mittelgroße Räume genügend Kraftreserven mitbringt.

Die Passivbox wird per Lautsprecherkabel mit Bananensteckern an den Master gekoppelt.

Die Passivbox wird per Lautsprecherkabel mit Bananensteckern an den Master gekoppelt.

Anschlüsse gibt es hier neben dem Stromkabel für ein analoges 3,5-Millimeter-Miniklinkenkabel, das zum Beispiel in die Kopfhörerbuchse am Laptop oder auch am Smartphone oder Tablet eingesteckt werden kann. Auf digitalem Wege ist der Anschluss über ein optisches Digitalkabel möglich, allerdings wird das entsprechende Gegenstück an Laptops (im Gegensatz zu TV-Geräten, für die das Pärchen daher auch eingesetzt werden kann) wahrscheinlich nur in Ausnahmefällen vorhanden sein. Besser wäre da eine Möglichkeit via USB gewesen, die bieten die Tune 4 aber leider nicht. Schade. Zwar gibt es einen USB-Port auf der Rückseite des linken Lautsprechers, der eignet sich aber ausschließlich zum Laden von Mobilgeräten (dafür muss dann auch das zu diesem Gerät gehörende Ladekabel verwendet werden). Für Freunde von basslastigem Sound gibt es darüber hinaus sogar noch einen Subwoofer-Ausgang, über den ein externer Aktiv-Woofer angeschlossen werden kann. Eine schöne Sache, wirklich nötig haben die beiden Tune 4 diese Unterstützung aber nicht. Schließlich verbergen sich auf der Rückseite der Lautsprecher auch noch zwei schmale Bassreflexöffnungen, die für zusätzlichen Punch im Tieftonbereich sorgen.

Das Anschlussfeld ist aufgeräumt und übersichtlich - ein USB-Anschluss fehlt aber leider.

Das Anschlussfeld ist aufgeräumt und übersichtlich – ein USB-Anschluss fehlt aber leider.

Sound-Feintuning per App und Software

Um das Maximum an Klang aus den beiden Tune 4 herauszuholen, arbeitet XTZ mit DSP-Software, für die es eine Lizenz im Lieferumfang gibt. Alternativ funktioniert das aber auch über die kostenlose App, die kostenlos im App-Store für iOS und Android heruntergeladen werden kann. Damit lassen sich dann diverse Einstellungen vornehmen und aus sechs Presets eine passende Voreinstellung auswählen. Die möglichen Optionen lauten „Reference“ (REF.), „Boost 1“ und „Boost 2“ sowie „Bright 2.1“, „On Wall“ und „On Desk“. „REF.“ ist quasi die Standardeinstellung, die uns schon sehr gut gefallen hat. Über das Preset „On Desk“ werden die durch die Position auf der Tischplatte hervorgerufenen Reflexionen und Interferenzen kompensiert und ein neutraler Klang ermöglicht. Das geht einher mit einem etwas heruntergeregelten Pegel, weil hier die Wahrscheinlichkeit, dass der Hörer in unmittelbarer Nähe zu den Lautsprechern am Schreibtisch sitzt, natürlich hoch ist. Wer etwas mehr Abstand hat oder die Tune 4 zur Beschallung eines Raumes einsetzt, kann dem Duo mit „Boost 1“ noch einmal deutlich kräftigeren Bass entlocken – bei „Boost 2“ klingt der Tiefton fast schon übertrieben und sollte (wenn überhaupt) nur bei hochqualitativen Musikdateien eingesetzt werden, damit es nicht unschön knarzt und dröhnt.

Per Smartphone-App lassen sich Presets wählen und der Sound anpassen.

Per Smartphone-App lassen sich Presets wählen und der Sound anpassen.

Zur Steuerung via App (Achtung, es gibt hier immer eine minimale Verzögerung!) muss übrigens eine Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Tune 4 hergestellt werden, was über die Fernbedienung und die Taste „Pair“ geschieht. Prinzipiell funktioniert das problemlos, wir haben allerdings zwei Anläufe gebraucht, um beide Geräte miteinander zu verbinden. Dann steht die Verbindung aber auch äußerst stabil. Über die App lassen sich die auf dem genutzten Gerät gespeicherte Musiktitel dann direkt an die Tune 4 streamen. Auch in diesem Einsatz zeigt sich die App als intuitiv und selbsterklärend. Ein sehr schönes und leider (bei anderen Herstellern) allzu selten gebotenes Detail ist die Möglichkeit, die App in einem hellen oder dunklen Theme zu nutzen.

Die extrem schicke Fernbedienung wird u.a. zum Bluetooth-Pairing gebraucht.

Die extrem schicke Fernbedienung wird u.a. zum Bluetooth-Pairing gebraucht.

Breite Bühne, perfekte Präzision

Angeschlossen und eingerichtet ist das schwedische Duo, kommen wir also zum Hörtest. In erster Linie geht es uns natürlich um Musik, aber wir wagen trotzdem erstmal einen kleinen Abstecher in die Videowelt und schalten den Twitch-Stream der „Rocket Beans“ an. Der klingt dann auch gleich deutlich voluminöser, als wir ihn in Erinnerung hatten und prompt wirkt das manchmal etwas chaotisch anmutende Programm des Hamburger Internetsenders deutlich professioneller und die Vorfreude auf die am Abend der Testveröffentlichung stattfindende Live-Sendung von der Oscar-Verleihung steigt sofort. Beeindruckend ist auch die Darstellung der Spielsounds aus den „Let’s Play“-Videos, die die mittlerweile erstaunlich realistische Klangkulisse von Videospielen extrem echt wirken lässt. Bei einer Zwischensequenz aus „GTA V“ denken wir tatsächlich für einen Moment, dass es draußen angefangen hat zu regnen, obwohl der Wetterumschwung nur virtuell ins Zimmer strömt.

Im Falle einer Wandmontage oder wandnaher Aufstellung lassen sich die Bassreflexports mit mitgelieferten "Stopfen" versehen.

Im Falle einer Wandmontage oder wandnaher Aufstellung lassen sich die Bassreflexports mit mitgelieferten „Stopfen“ versehen.

Aber wir wollten ja ohnehin noch nicht vor die Tür, sondern erst noch etwas Musik hören. Mit „Worry“ von Jack Garratt stellen wir die Tune 4 direkt vor die Aufgabe etwas chaotisch anmutende Musik aufzubereiten, was weit besser als erwartet gelingt. Zunächst einmal fällt die breite, virtuelle Bühne auf, die die beiden XTZ-Lautsprecher trotz gerade einmal 80 Zentimetern Abstand zueinander generieren. Auch die Staffelung und Platzierung der einzelnen Instrumente gelingt herausragend gut und der Gesang steht felsenfest und glasklar genau in der Mitte. Ganz egal, ob man direkt am Schreibtisch sitzt oder sich ein paar Meter entfernt entspannt zurücklehnt – der Klang ist überall ganz große Klasse! Auch weil die Tune 4 es perfekt verstehen, eine Balance zwischen wuchtigem, druckvollen Bass und den melodiösen Synthies und Gitarren in höheren Frequenzen zu schaffen. So präsentiert sich jedes Detail kristallklar und individuell, ohne aus dem Gesamtbild auszubrechen. Selbst für jemanden, der schon diverse Desktop-Lautsprecher gehört hat, ist das beeindruckend – für diejenigen, die bislang billige oder gar keine externen Lautsprecher für Laptop oder PC verwendet haben, dürfte es geradezu eine Offenbarung sein.

Die Farben stehen für die gewählte Quelle (Grün = analog, Rot = digital, Blau = Bluetooth), die Leuchtstärke informiert über An oder Aus.

Die Farben stehen für die gewählte Quelle (Grün = analog, Rot = digital, Blau = Bluetooth), die Leuchtstärke informiert über An oder Aus.

Den direkten Vergleich von melodiöser und harter Musik schieben wir wenig später mit dem Titel „A Deathless Song“ von Parkway Drive nach. Hier kommen zunächst die fast schon nach Flamenco klingenden Akustikgitarren sehr schön, voluminös und sanft zur Geltung, bis dann Schlagzeug, E-Gitarren und Bass mit Wucht und Dynamik für einen schnellen Wechsel sorgen. Die Präzision geht dabei aber nicht verloren, auch im folgenden, vielschichtigen und krachenden Refrain beweisen die Tune 4 gleichermaßen Überblick und Ordnungssinn und lassen sogar manch ausgewachsenes Setup klanglich ziemlich alt aussehen. Und wir stellen uns noch einmal die Frage, warum man hier noch Bedarf für einen externen Subwoofer sieht …

Der hintere Standfuß lässt sich austauschen.

Der hintere Standfuß lässt sich austauschen.

Fazit

Klanglich ganz große Klasse und in Sachen Design fast schon konkurrenzlos gut machen die Tune 4 von XTZ nicht nur auf dem Schreibtisch eine herausragend gute Figur. Einziger Kritikpunkt ist die fehlende Option, ein Laptop via USB anzuschließen. Wer darauf verzichten kann oder über einen optischen Digitalausgang am PC verfügt, bekommt mit den Tune 4 ein erstklassig klingendes und flexibel einsetzbares Aktiv-Pärchen zu einem sehr fairen Preis.

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

96 %

93 %

87 %

160228.XTZ-Testsiegel

Technische Daten

Modell:XTZ Tune 4
Produktkategorie:2-Wege-Aktivlautsprecher
Preis:480,00 Euro / Paar
Garantie: Chassis: 5 Jahre
Elektronik 2 Jahre
Ausführungen:- Schleiflack Weiß
- Schleiflack Schwarz
Vertrieb:XTZ Deutschland, Malsch
Tel.: 07246 / 9131483
www.xtz-deutschland.de
Abmessungen (HBT):252 x 140 x 180 mm
Gewicht:6,6 kg / Paar
Hochtöner:25 mm Mehrschicht-Kalottenhochtöner als Waveguide-Ausführung
Tiefmitteltöner:120 mm C-Cone Mehrschicht-Tiefmitteltöner
Frequenzgang:52 - 30.000 Hz (+/- 3dB, Herstellerangabe)
Lieferumfang:- 2,5-mm²-Lautsprecherkabel mit Bananensteckern (3 m)
- optisches Kabel (2 m)
- 3,5-mm-Klinkenkabel (1 m)
- Netzkabel (1,5 m)
- Vollaluminium-Fernbedienung
- Bedienungsanleitung
- alternative Standfüße
empf. Raumgröße:- bis 25 Quadratmeter
Besonderes:- exzellenter Tiefton
- enorme Präzision und Räumlichkeit
- Klanganpassungen via App oder Software
- herausragende Verarbeitung
- Bluetooth
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,1
Ausstattung (20%):1,2
Gesamtnote:1,0
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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