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Redakteur
Seit Jahrhunderten schwelt ein Konflikt zwischen den Templern und den Assassinen. Während erstere die Unterdrückung der gesamten Menschheit anstreben, setzen letztere alles daran, dies... Assassin’s Creed – Auf des Messers Schneide

Seit Jahrhunderten schwelt ein Konflikt zwischen den Templern und den Assassinen. Während erstere die Unterdrückung der gesamten Menschheit anstreben, setzen letztere alles daran, dies zu verhindern…

Callum Lynch (Michael Fassbender) ist ein in den USA zum Tode verurteilter Mörder. (© 20th Century Fox)

Callum Lynch (Michael Fassbender) ist ein in den USA zum Tode verurteilter Mörder. (© 20th Century Fox)

Callum Lynch (Michael Fassbender) hat das erlebt, was man gemeinhin als „schwere Kindheit“ bezeichnet. Als er als Kind eines Tages nach Hause kam, fand er seine tote Mutter vor, ermordet vom eigenen Vater. Doch dieser befahl Callum zu fliehen, als plötzlich eine ganze Flotte schwarzer Geländewagen mit zwielichtigen Gestalten an Bord auftauchte. Jahre später ist auch Callum zum Mörder geworden und wartet auf seine Hinrichtung. Doch am Ende der Prozedur ist er nicht etwa tot, sondern findet sich in einer Forschungseinrichtung von Abstergo Industries wieder. Bei ihm ist Wissenschaftlerin Sofia Rikkin (Marion Cotillard), die ihm sogleich erklärt, dass Callum der Schlüssel zur Ausrottung von Gewalt ist. Und als wäre das nicht unbegreiflich genug, soll er zu diesem Zweck mittels einer Maschine namens Animus seine genetische Erinnerung durchleben – nämlich die Erlebnisse seines Vorfahrens Aguilar de Nerha (ebenfalls Michael Fassbender), einem Assassinen in Zeiten der Spanischen Inquisition im Jahre 1492.

Plötzlich kämpft Callum an der Seite der Assassinin Maria (Ariane Labed) gegen die Templer, die auf der Suche nach dem Apfel von Eden sind, mit dem sich der freie Wille unterdrücken lässt. Ein mächtiges Werkzeug, um sich die Menschheit untertan zu machen. Sofia Rikkin und ihr Vater Alan Rikkin (Jeremy Irons), der Geschäftsführer von Abstergo Industries, haben herausgefunden, dass Aguilar als Letzter im Besitz des Apfels war und wollen durch Callum herausfinden, wo er ihn versteckt hat. Callum taucht immer tiefer in die Erinnerung seiner Vorfahren ein und mit jeder neuen Information verändert sich sein eigenes Ich. Doch bevor er den entsprechenden Abschnitt der Erinnerung erreicht hat, kollabiert er und benötigt Zeit zur Regeneration. Zeit, die Alan Rikkin ihm nicht zugestehen will, hat er doch ein ganz eigenes Interesse am Apfel von Eden – und mächtigen Leute bereits ein Versprechen gegeben…

Nach siner Hinrichtung ist er allerdings keineswegs tot, sondern findet sich in einer Forschungseinrichtung von Dr. Sofia Rikkin (Marion Cotillard) wieder. (© 20th Century Fox)

Nach siner Hinrichtung ist er allerdings keineswegs tot, sondern findet sich in einer Forschungseinrichtung von Dr. Sofia Rikkin (Marion Cotillard) wieder. (© 20th Century Fox)

Unerfüllbare Erwartungen?

Es hat einige Jahre gedauert, bis die lang erwartete Verfilmung der bei Erscheinen extrem spektakulären Videospielreihe Assassin’s Creed endlich den Sprung auf die Leinwand geschafft hat. Unterschiedliche Gründe waren ausschlaggebend, unter anderem auch die Frage, wie ein Videospiel als Film umzusetzen ist. Eine bloße Nacherzählung des Spiels kommt logischerweise nicht in Frage, allzu frei darf man die Handlung jedoch auch nicht interpretieren. Und so ist die Mischung aus Action, Science-Fiction und Historienfilm auch ein alles in allem sehr guter Kompromiss geworden. Das Problem dabei: So richtig überzeugt kann man wohl weder als Fan der Spiele noch als unbedarfter Kinogänger sein. Zwar greift der Film eine ganze Reihe wichtiger Details vor allem aus dem ersten Teil des Spiele-Franchise auf, verlegt dabei aber den Fokus ziemlich deutlich auf den gegenwärtigen Protagonisten Callum und nicht auf den Assassinen Aguilar – im Spiel stand eindeutig Altaїr im Zentrum des Geschehens, während sein Nachfahre Desmond Miles ganz bewusst auf die Rahmenhandlung limitiert wurde. Dadurch konnte man sich völlig mit dem Assassinen identifizieren, was im Falle von Aguilar leider viel zu kurz kommt. Es gibt kaum Informationen zu seiner Herkunft oder seinen Beweggründen, die teilweise auch bei Callum etwas überstürzt erzählt werden.

Der Grund: Lynch ist ein direkter Nachfahre des Assassinen Aguilar, der den Apfel von Eden versteckt haben soll. (© 20th Century Fox)

Der Grund: Lynch ist ein direkter Nachfahre des Assassinen Aguilar, der den Apfel von Eden versteckt haben soll. (© 20th Century Fox)

Dadurch könnten auch diejenigen Zuschauer, die das Spiel nicht kennen, etwas überfordert sein. Vor allem aber dürften viele Anspielungen auf die Spieldetails etwas seltsam wirken, wenn man sie nicht schon von PC oder Konsole kennt. So findet sich Callum bei einem Fluchtversuch aus dem Abstergo-Komplex in einem paradiesisch anmutenden Garten wieder, der im modernen Madrid völlig deplatziert und fast etwas lächerlich wirkt. Natürlich greift dieses Detail einen Nebenstrang aus dem Videospiel auf, der erklärt, dass angehende Assassinen betäubt in einen Garten voller Luxus und schöner Frauen gebracht wurden, um sie später nach erneuter Narkose davon zu überzeugen, nur durch den Tod wieder dorthin zurückkehren zu können. Auch der jede Erinnerung einleitende Flug eines Adlers ist eine direkte, aber nie erklärte Bezugnahme auf eine relevante Fähigkeit der Assassinen, die im Spiel regelmäßig zum Einsatz kommt, im Film jedoch keine Rolle spielt. Dabei ist sie die einzige Fähigkeit seines Vorfahren, die sich Desmond Miles durch den Animus aneignet, während Callum Lynch auf einen Schlag das volle Potenzial Aguilars entfaltet.

Um den Apfel von Eden zu finden, soll Lynch via "Animus" in die genetische Erinnerung Aguilars eintauchen. (© 20th Century Fox)

Um den Apfel von Eden zu finden, soll Lynch via „Animus“ in die genetische Erinnerung Aguilars eintauchen. (© 20th Century Fox)

Das lässt sich immerhin logisch darauf zurückzuführen, dass der Animus in Assassin’s Creed eine weitaus komplexere Maschine darstellt als der Liegestuhl im Videospiel. Das sieht natürlich nicht nur wesentlich spektakulärer aus, sondern macht das Konzept des Durchlebens fremder Erinnerungen sehr viel greifbarer. Nicht zuletzt deshalb wird es überhaupt erst möglich, so große Teile des Films in der Gegenwart spielen zu lassen und die Erinnerungssequenzen eben nicht komplett in der Vergangenheit darzustellen. Oft springt Regisseur Justin Kurzel während der Erlebnisse Aguilars zu Callum Lynch, der in einer besonders authentischen Form der Virtual Reality Wände erklimmt und Gegner ausschaltet, während Sofia Rikkin die realistisch projizierte Erinnerung aus nächster Nähe beobachten kann.

Ohne Kompromisse geht es nicht

Dass Marion Cotillard dabei immer etwas kühl und distanziert wirkt, stellt ebenfalls einen starken Kontrast zur mitfühlenden Wissenschaftlerin aus dem Spiel dar. Allerdings verkörpert Cotillard ebenso wie Jeremy Irons in Assassin’s Creed eine Figur, die es so in der Vorlage gar nicht gibt. Zwar ist eine ähnliche Konstellation auch dort vorhanden, die sich allerdings abgesehen von der groben Basis deutlich vom Film unterscheidet. Und obwohl sowohl Cotillard als auch Irons Routine genug haben, um die recht simpel angelegten Figuren darzustellen, will der Funke nicht so recht überspringen – was allerdings vor allem daran liegen dürfte, dass die eigens für den Film erschaffenen Charaktere sich auch nicht richtig konsequent verhalten.
Der Einzige, der bei seiner Rolle tatsächlich recht strikte Vorgaben durch das Spiel befolgen muss, ist Michael Fassbender, der diese Aufgabe allerdings hervorragend meistert. Zwar hat auch seine moderne Figur ein paar kleinere Schwächen, als Assassine tritt Fassbender aber genau so auf, wie man es sich auf Basis des Spiels gewünscht hat. Selbst die eingebauten Parkour-Elemente wirken keinesfalls übertrieben oder deplatziert, obwohl sich anhand des Trailers zunächst der Eindruck ergeben konnte, dass hier zugunsten möglichst spektakulärer Action die eigentlich als effiziente Fortbewegungsweise eingesetzte Athletik übertrieben dargestellt werden könnte. Das ist jedoch nicht der Fall und so gelingt dieser Aspekt definitiv vortrefflich.

Auf diese Weise erlebt Lynch die Erinnerung seines Vorfahrs selbst noch einmal. (© 20th Century Fox)

Auf diese Weise erlebt Lynch die Erinnerung seines Vorfahrs selbst noch einmal. (© 20th Century Fox)

Ebenfalls sehr gut umgesetzt ist die Atmosphäre des Spiels, die sich vor allem im Bild der Blu-ray äußert. Die technologische, moderne Gegenwart ist in beiden Medientypen von Assassin’s Creed sehr kühl und in Blautönen inszeniert, während in der Vergangenheit die Sepiapalette und kräftige Farben dominieren. Details kommen trotz des stimmungsvoll eingesetzten Filmkorns immer gut zur Geltung, selbst die rasanten Actionszenen wirken stets scharf und gut ausbalanciert. In den zum Großteil ruhigeren Szenen der Gegenwart wird eine hohe Bildruhe demonstriert und etwas ausgiebiger mit sinnvoll eingesetztem Fokus gespielt.
Klanglich zieht Assassin’s Creed alle Register und nutzt bei jeder noch so kleinen Möglichkeit die Chance auf den umfänglichen Einsatz des Surround-Sets. Dialoge sind immer klar und direktionale Effekte ebenso hervorragend platziert wie die reichhaltigen Umgebungsgeräusche , die jederzeit für eine besondere Atmosphäre sorgen und die jeweilige Stimmung der Szenen perfekt untermalen. Als Krönung der technischen Ausstattung der Blu-ray ist das umfangreiche Bonusmaterial zu nennen, das die im Film manchmal fehlenden Brücken zur Videospiel-Vorlage schlägt und allgemein interessante Blicke hinter die Kulissen erlaubt.

Doch je mehr er über seine Herkunft erfährt, desto misstrauischer wird er - insbesondere Sofias Vater Alan Rikkin (Jeremy Irons) gegenüber... (© 20th Century Fox)

Doch je mehr er über seine Herkunft erfährt, desto misstrauischer wird er – insbesondere Sofias Vater Alan Rikkin (Jeremy Irons) gegenüber… (© 20th Century Fox)

Fazit

Als die ersten Gerüchte über eine Verfilmung des Videospiels Assassin’s Creed die Runde machten, stiegen Ungeduld und Erwartungen fast schlagartig in unerreichbare Sphären. Voraussetzungen, die eigentlich nur in einer vernichtenden Kritik enden konnten. Doch damit würde man der Adaption nicht gerecht, schließlich ist Assassin’s Creed ein absolut empfehlenswerter Actionfilm, der zudem im Sinne der Fans viele Details der Vorlage berücksichtigt. Dass die Hollywood-typischen Kompromisse nicht immer funktionieren, schmälert den Unterhaltungswert nur in geringem Ausmaß und Hauptdarsteller Michael Fassbender allein ist im Zweifel Grund genug, der technisch auf hohem Niveau angesiedelten Blu-ray eine Chance zu geben.

„Assassin’s Creed“ ist als DVD und Blu-ray im Vertrieb von 20th Century Fox erhältlich.

Genre
Action/Science-Fiction

Altersfreigabe
ab 16 Jahren

Laufzeit
ca. 115 Minuten

Regie
Justin Kurzel

Cast
Michael Fassbender, Marion Cotillard, Ariane Labed, Michael K. Williams, Jeremy Irons, Brendan Gleeson

80 %

95 %

90 %

80 %

90 %

87 %

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