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Redakteur

Der Königsweg in Sachen Musikwiedergabe ist nach wie vor das Stereosystem. Das liegt zum einen ganz einfach daran, dass mit Abstand das meiste Musikmaterial in diesem Format vorliegt und zum anderen sicher auch daran, dass der Mensch nunmal zwei Ohren hat. Zwei Ohren und zwei Lautsprecher – das macht nicht nur auf den ersten Blick Sinn. Ein alter Bekannter unter den Lautsprecherherstellern überlies uns für diesen Test ein Paar Standlautsprecher, die zu einem erschwinglichen Preis in erster Linie eins tun sollen: Spaß machen!

In schwarzer und weisser Ausführung lieferbar. Die in ihrer Klasse ungewöhnliche Sockelkonstruktion sorgt für die nötige akustische Bodenfreiheit und unterstreicht den selbstbewussten Anspruch, alles für den optimalen Klang zu tun.

In schwarzer und weisser Ausführung lieferbar. Die in ihrer Klasse ungewöhnliche Sockelkonstruktion sorgt für die nötige akustische Bodenfreiheit und unterstreicht Cantons selbstbewussten Anspruch, alles für den optimalen Klang zu tun.

 

 

Über Canton
Wer schonmal mit dem Thema HiFi in Berührung gekommen ist, dem ist ganz sicher auch der Name Canton ein Begriff. Kein Wunder, denn schließlich handelt es sich bei dem Unternehmen aus dem Taunus um den größten Lautsprecherhersteller in Deutschland, der seit seiner Gründung im Jahr 1972 eine beachtliche Entwicklung durchgemacht hat. Den Anfang machten vier HiFi-Enthusiasten die es sich zum Ziel gesetzt hatten, die besten Schallwandler in ihrer Klasse zu entwickeln. Da Lautsprecher klassischer Weise im Wohnzimmer zuhause sind, wurden sie, zumindest in den Anfangstagen des Unternehmens, auch gleich dort entwickelt. Produziert wurde ab dem Jahr 1973 in der Ehemaligen Dorfschule in Niederlauken, einem Ortsteil der Stadt Weilrod in der Nähe von Frankfurt am Main. Mittlerweile entwickelt das Team um Frank Göbl zwar nicht mehr im heimischen Wohnzimmer, dem Firmensitz im Örtchen Weilrod ist man jedoch treu geblieben um von dort aus Lautsprecher in die ganze Welt zu verschicken.

 

 

Technik & Optik
Die Canton Chrono 509.2 DC entstammt der vor gut sechs Jahren eingeführten Chrono-Serie, die 2013 komplett überarbeitet und auf den neuesten Entwicklungsstand gebracht wurde. Als Nachfolger der zu fast schon legendärem Ruhm gelangten Karat-Serie tritt sie damit kein leichtes Erbe an, immerhin war die Vorgängerserie fast 25 Jahre in Produktion und hat in der HiFi-Welt immer wieder für Furore gesorgt.
Zumindest optisch ist die Chrono 509.2 ihren Wurzeln aber treu geblieben, technisch hingegen hat sich einiges getan. So greift der schicke Standlautsprecher, der in schwarzem oder weißem Holzfurnier mit passender Hochglanzfront lieferbar ist, auf einige Komponenten der größeren Chrono SL-Serie zurück. Aber nicht nur die Technik hat es in sich, schon optisch macht die 509.2 richtig was her. Mit einer Höhe von gut 105 Zentimetern und einem Gewicht von über 20 Kilo kann man das Topmodell der Chrono-Serie durchaus zu den großen Lautsprechern zählen. Dank der schmalen Bauform von unter 20 Zentimetern Breite wirkt der Schallwandler dennoch zierlich und elegant. Unterstrichen wird die elegante Anmutung auch von der Sockelkonstruktion unseres Testprobanden. Die Standlautsprecher der Chrono-Serie stehen nämlich nicht einfach platt auf dem Boden, sondern sind über vier Schockabsorber aus Silikon auf einer Bodenplatte befestigt, die für eine Entkopplung und einen jederzeit definierten Abstand zum Untergrund sorgen. Das hat nicht nur optische Gründe, sondern dient auch einem wichtigen klanglichen Zweck: Bei der Chrono 509.2 DC handelt es sich nämlich um eine sogenannte Bassreflexkonstruktion. Das heißt, das Lautsprechergehäuse hat eine Öffnung, durch die zusätzliche Tieftonenergie aus dem inneren des Lautsprechers nach aussen entlassen wird und sich so zu dem direkt abgestrahlten Schall der Chassis hinzu addiert. Damit das immer optimal funktioniert und möglichst unauffällig geschieht, haben die Konstrukteure diese Öffnung auf die Unterseite des Lautsprechers verbannt und mit der Sockelkonstruktion optimale Arbeitsbedingungen gesorgt.

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Was sind Bi-Wire und Bi-Amping?
Auf der Rückseite des Lautsprechers befindet sich somit nur noch das hochwertige Anschlussterminal, das über vier Anschlüsse verfügt die an ihren soliden Schraubklemmen sämtliche Arten von Lautsprecherkabeln aufnehmen. Vier Anschlüsse deshalb, weil die Modelle der Chrono-Serie für den Bi-Amping- und Bi-Wiring-Betrieb ausgelegt sind. Bi-Wiring heißt so viel wie Doppelverdrahtung und bedeutet, dass schon vom Verstärker zwei Kabel zu jedem Lautsprechern geführt werden. Eines für den Tiefton- und eines für den Mittel- und Hochton-Zweig des Lautsprechers. Beim Bi-Amping wird dieses Konzept auf die Spitze getrieben, so dass jeweils eine eigene Endstufe für die beiden Frequenzbereiche eingesetzt wird. Sollte ihr Verstärker über mehrere Endstufen verfügen, probieren sie das ruhig mal aus, schließlich ergeben sich dadurch ein paar nicht von der Hand zu weisende Vorteile: So wird zum Beispiel die dem Lautsprecher zu Verfügung stehende Leistung verdoppelt. Ausserdem verringert sich die Anzahl der passiven Filterkomponenten in der Frequenzweiche, über die die Endstufen des Verstärkers zusätzlich belastet werden. Und zu guter Letzt wird der Leistungshungrige Tieftonbereich vom eher filigranen Mittel- und Hochtonzweig entkoppelt, was zu einer saubereren und verzerrungsärmeren Wiedergabe führen kann.
Wo wir schon bei der Frequenzweiche sind: Die übernimmt in den beiden Topmodellen der Chrono-Serie nämlich nicht nur die Aufteilung des ankommenden Signals auf die drei Frequenzbereiche, sondern auch die Displacement Control (dafür steht das DC in der Modellbezeichnung). Dabei handelt es sich um einen subsonischen Filter, eine Schaltung, die dafür sorgt, dass die Tieftonmembranen des Lautsprechers nicht mit Infraschallsignalen belastet werden. Als Infraschall werden alle Frequenzen unterhalb von 20 Hertz bezeichnet. Diese sind für das Menschliche Ohr nicht mehr hörbar, verursachen aber eine durchaus sichtbare Auslenkung der Lautsprechermembranen und dadurch ungewollte, hohe Verzerrungen die dann wiederum hörbar werden. Hat das Musiksignal die Frequenzweiche passiert, steht es auf die drei Frequenzbereiche aufgeteilt und optimal aufbereitet den vier Membranen zu Verfügung, die es in Hörschall wandeln. Dabei kümmern sie die beiden unteren Membranen um den Tieftonbereich bis 300 Hertz, die obere um den wichtigen Mitteltonbereich von 300 bis 3000 Hertz, in dem sich zum Beispiel die menschliche Stimme befindet. Der zwischen Bass- und Mittelton-Treibern sitzende Tweeter steuert den Hochton ab drei Kilohertz bei und rundet den Klang damit nach oben hin ab. Sämtliche Chassis entstammen übrigens der größeren Chrono SL-Serie. Sie sind aus einer besonders leichten aber dennoch stabilen Aluminiumlegierung gefertigt. Das sieht nicht nur gut aus, sondern soll auch ebenso klingen. Und genau das mussten die Cantons natürlich in unserem ausführlichen Hörtest unter Beweis stellen.

Das grosszügig dimensionierte Anschlussfeld der Chrono 509.2 DC ist für den Bi-Wire-/Bi-Amping-Betrieg vorbereitet und nimmt auch Kabel grösseren Querschnitts locker auf.

Das grosszügig dimensionierte Anschlussfeld der Chrono 509.2 DC ist für den Bi-Wire-/Bi-Amping-Betrieg vorbereitet und nimmt auch Kabel grösseren Querschnitts locker auf.

 

 

Warum einspielen?
Wie für alle HiFi-Komponenten gilt es natürlich auch – nein, insbesondere für Lautsprecher, eine gewisse Einspielzeit zu beachten und nicht gleich von Beginn an mit Höchstleistungen der Komponenten zu rechnen. Im besonderen für Lautsprecher deshalb, da die mechanischen Bauteile des Schallwandlers sich erst einarbeiten müssen. Das heißt die Sicken, durch die die Lautsprechermembranen beweglich werden und die Zentrierspinnen, die für eine möglichst kolbenförmige Auslenkung und Rückstellung der Membran verantwortlich sind, müssen beweglich gemacht werden. Das kann während des normalen Musikbetriebs geschehen oder durch einen Trick beschleunigt werden: Dabei werden die Lautsprecher Gesicht an Gesicht zueinander gestellt und mit einem Rauschen angesteuert, wie es zum Beispiel zwischen zwei Radiosendern vorkommt. Ändert man nun an einem der beiden Lautsprecher die Polarität, tauscht also den Plus und Minuspol des Kabels, arbeiten beide gegenphasig und das Rauschen wird ausgelöscht. Das heißt obwohl die Lautsprecher eigentlich mächtig Krach machen sollten, hört man davon fast nichts. Nach einigen Stunden hat sich der Großteil der Einspielarbeit so ganz von alleine erledigt.

Dank formoptimierten Alu-Mangan-Hochtönern mit Transmission Front-Plate sowie Tief- und Mitteltönern mit Canton-patentierter Wave-Sicken-Technologie gehen die 590.2 DC klanglich ausgesprochen warm und ausgewogen zur Sache.

Dank des Einsatzes formoptimierter Alu-Mangan-Hochtönen (unten) mit Transmission Front-Plate sowie Tief- und Mitteltönern mit Canton-patentierter Wave-Sicken-Technologie gehen die 509.2 DC klanglich ausgesprochen warm und ausgewogen zur Sache.

 

 

Klangtest
Vor dem Einspielen gingen die Cantons noch leicht aggressiv und grob zu Werke. Nach ein paar Stunden im Betrieb hat sich diese Eigenschaft jedoch komplett gelegt und die Chrono 509.2 glänzt mit einer ausgewogenen und harmonischen Musikwiedergabe. Die zwei Tieftonchassis liefern ein sattes Bassfundament, das in Sachen Tiefgang und Nachdruck keine Wünsche offen lässt. Im Mittelton gibt sich die Canton ebenfalls ausgewogen und neutral. Einzig tiefe Männerstimmen scheinen ein bisschen heller zu klingen als gewohnt, das ist aber eher eine tonale Einfärbung als eine echte Verfärbung. Besonders begeistert haben mich Canton-Lautsprecher bisher immer durch ihren fein aufgelösten und detaillierten Hochtonbereich und so tun es auch die großen Canton Chronos. Durch die feine Auflösung und die besonders detaillierte Spielweise ergibt sich eine breite Bühnendarstellung die Instrumente und Sänger wie festgenagelt präzise über die ganze Breite des Hörfelds verteilen. Tatsächlich muss ich mich zu Beginn des Tests das eine oder andere Mal versichern, dass da kein Center mitspielt. Ein besonderer Anspieltipp ist dabei der Erfolgshit „Stolen Dance“ des Duos „Milky Chance“. Der Song scheint den Cantons mit ihrer beeindruckenden Räumlichkeit wie auf den Leib geschneidert und überrascht jedes Mal wieder mit allerhand teils recht surrealen Effekten, die den Zuhörer zu umhüllen scheinen und ihn so tief in ihren Bann ziehen, so dass man die Wirklichkeit um sich herum für einen kurzen Moment völlig aus den Augen bzw. Ohren verliert.

Die hier eingesetzte Technik ist viel zu schön, um sie zu verstecken. Entnimmt man die schwärze Stoffbespannung, kommen die hochglänzende Schallwand wie die silbrig-schimmernden Alu-Chassis perfekt zur Geltung.

Die hier eingesetzte Technik ist viel zu schön, um sie zu verstecken. Entnimmt man die schwärze Stoffbespannung, kommen die hochglänzende Schallwand wie die silbrig-schimmernden Alu-Chassis perfekt zur Geltung.

 

 

Fazit
Mission accomplished! Mit der überarbeiteten Chrono 509.2 DC hat Canton auf jeden Fall einen der besten Lautsprecher seiner Klasse geschaffen. Zum Paarpreis von gut 1400 Euro (Preisempfehlung) bietet das Topmodell der Chrono-Serie sehr ausgewogen-klangliche Eigenschaften, die unabhängig vom Musikgeschmack richtig Spaß machen und eine schicke Optik, die sicher so manches Wohnzimmer stilvoll aufwertet. Mit dem passenden Center 505.2DC und diversen kompakten Modellen sowie dem Subwoofer der Chrono-Serie lässt sich das Stereo-Paar zudem bei Bedarf zu einem kompletten Surroundset für anspruchsvolle Heimkinofeunde ausbauen.

 

Test & Text: Jonas Bednarz

 

Modell:Canton
Chrono 509.2 DC
Produktkategorie:Standlautsprecher
Preis:709,00 Euro / Stück
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:Schwarz/Schwarz "high gloss"
Weiss/Weiss "high gloss"
Vertrieb:Canton, Weilrod
Tel.: 06083 2870
www.canton.de
Abmessungen (HBT):1050 x 190 x 300 mm
Gewicht:20,4 Kg
Hochtöner:25 mm (Alu-Mangan-Kalotte)
Tieftöner:2 x 180 mm (Aluminium-Membran)
Mitteltöner:1 x 180 mm (Aluminium-Membran)
Trennfrequenz:300 / 3000 Hertz
Besonderes:- sehr gute Materialqualität
- High-Gloss-Schallwand
- sehr gutes Rundstrahlverhalten
- vergoldetes Bi-Wire-Anschlussfeld
Benotung:
Klang (60%):1,1
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1,0
Klasse:Oberklasse
Preis-/Leistungsehr gut

 

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