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Chefredakteur

Auch wenn kompakte Audiosysteme den klassischen HiFi-Turm in den meisten Haushalten bereits abgelöst haben, setzen eingefleischte Musikfreunde nach wie vor auf den Einsatz separater HiFi-Bausteine. Der Vollverstärker gilt dabei als Chef der Anlage. Mit dem L-550AX bietet die Edelmarke Luxman einen solchen, bereits auf den ersten Blick beeindruckenden Stereo-Hünen. Den vielleicht Besten, der bislang in unserem Hörraum aufspielte …

Moderne Technik im klassischen Design: Die mittig platzierten VU-Meter erinnern an die guten alten HiFi-Hochzeiten und lassen die Herzen anspruchsvoller Musikliebhaber höher schlagen.

Moderne Technik im klassischen Design: Die mittig platzierten VU-Meter erinnern an die guten alten HiFi-Hochzeiten und lassen die Herzen anspruchsvoller Musikliebhaber höher schlagen.

 

 

Hersteller, die ihre Produkte selbst als „Highend“, „Outstanding“ oder „Innovation“ bezeichnen, gibt es viele. Jene, die solche Produkte tatsächlich anbieten, dies aber nicht laut hinaus posaunen, sondern vorzüglich Taten sprechen lassen, gibt es hingegen wenige. Luxman ist einer dieser Hersteller. Eine Marke, um die es in den letzten Jahren in Europa zwar etwas ruhiger geworden ist, die hierzulande aber weiterhin auf eine riesige Fangemeinde zählen kann. Aus gutem Grund, denn seit Jahrzehnten steht der Name Luxman weltweit für beste Material-, Verarbeitungs- und Klangqualität. So ist es auch nicht verwunderlich, dass wir gleich zuschlugen, als sich die Gelegenheit bot, mit dem L-550AX, einen Stereo-Vollverstärker – aus der fast schon als legendär zu bezeichnenden 550er-Baureihe – testen zu können.

Selektierte Bauteile, beste Technik, sauberer Aufbau: So etwas nennt man wohl Highend!

Ein Blick ins Innere des Luxman L-550AX: Selektierte Bauteile, beste Technik, sauberer Aufbau – so etwas nennt man wohl Highend!

 

 

Über Luxman

Im Jahre 1925 von den Brüdern Hayakawa und Yoshikawa als Hersteller hochwertiger Radiogeräte gegründet, machte sich die bis in die 30er-Jahre noch unter „Lux“ bekannte Marke mit dem aufkommenden Radioboom in Japan schnell einen Namen. Mit dem enormen Erfolg erweiterte das – bereits 1935 in eine Aktiengesellschaft umfirmierte und 1943 und 1961 erneut umstrukturierte – Unternehmen stetig sein Produktportfolio. Weltweite Beachtung fand Luxman dann Mitte der 70er-Jahre, als in Japan entwickelte und hergestellte HiFi-Bausteine den weltweiten Markt revolutionierten und eroberten. Aufgrund ihrer hervorragenden Verarbeitungs- und Klangqualität stachen Luxman-Produkte hier schnell aus der Masse heraus, was dafür sorgte, dass die Marke Luxman unter Musik-Enthusiasten schnell zum Inbegriff für hochqualitative Klangqualität wurde und somit höchstes Ansehen und teilweise sogar Kultstatus erlangte. Mit Testlorbeeren überschüttet, wurden vor allem die solide gefertigten und zeitlos designeten Röhrenverstärker und Vor-/Endstufen-Kombinationen zum Objekt der Begierde anspruchsvollster HiFi- und Highend-Freunde. Obwohl die Marke weiterhin einen sehr guten Ruf genoss, zog sich Luxman in Folge fragwürdiger Managemententscheidungen in den 90er-Jahren aus nahezu allen ausländischen Märkten zurück. Mit der Übernahme durch die International Audio Group (IAG) im Jahre 2009 wurde die Marke dann nach und nach „wiederbelebt“ und ist seit einigen Monaten auch wieder vielerorts im stationären Fachhandel in Deutschland erhältlich.

Zum Lieferumfang unseres Testprobanden gehört natürlich auch eine entsprechende Fernbedienung. Diese mutet wertig an, liegt gut in der Hand und ist übersichtlich und intuitiv aufgebaut.

Zum Lieferumfang unseres Testprobanden gehört natürlich auch eine entsprechende Fernbedienung. Diese mutet wertig an, liegt gut in der Hand und ist übersichtlich und intuitiv aufgebaut.

 

 

Luxman L-550AX: Das Statement

Eines steht fest: Der L-550AX ist kein Duckmäuser. Kein Produkt, das sich leicht im Regal unterbringen oder gar verstecken lässt. Kein abgespeckter Baustein, dessen oberstes Ziel es ist, im Hintergrund zu agieren. Und erst Recht kein Gerät, das zu Gunsten kompakter Abmessungen oder moderner Designvorgaben klangliche Kompromisse eingehen will. Nein, das alles ist unser Testproband nicht. Vielmehr ist der L-550AX ein Hüne, ein Big-Block oder treffender: ein Statement. Ein Stereo-Verstärker, dessen 44 Zentimeter Gehäusebreite und knapp 18 Zentimeter Höhe bereits erahnen lassen, dass hier klangliche Höchstleistungen zu erwarten sind. Ein kurzer Blick auf die Front lässt diese Erwartungen dann weiter in die Höhe schnellen. Der Grund: zwei grosse, sehr gut ablesbare und gelblich hinterleuchtete VU-Meter. Relikte aus guten alten HiFi-Zeiten, die Auskunft über die Aussteuerung der Verstärkers geben, und gerade unter Highendern für einen erhöhten Pulsschlag sorgen. Unter und neben den genannten Anzeigern finden sich dann eine ganze Armada verschiedener Knöpfe, über die sich der Verstärker vollständig justieren und befehligen lässt. In Luxman-Manier natürlich übersichtlich geordnet und sinnvoll platziert. Neben den grossen Reglern, die die erwähnten Displays flankieren und die Quellauswahl (links) und Lautstärkejustage (rechts) erlauben, sind hier in erster Linie die sechs unter den VU-Metern platzierten Schalter zu nennen. Diese dienen der Wahl des Phonovorverstärkers (MM/MC), der Aktivierung des Aufnahmeausganges (Rec-Out), der Lautsprecherausgänge (A/B) und der Klangregelung (Bass, Treble, Balance). Rechts daneben finden sich zwei kleinere, deshalb aber keinesfalls unwichtige Knöpfe. Ist der „Line Straight“ genannte Taster gedrückt, wird die gesamte Klangregelung ausgeschaltet und das eingehende Audiosignal unverändert an die Endstufensektion weitergeleitet. Der mit „Separate“ beschriftete nebenan befindliche Taster erlaubt hingegen die Nutzung des L-550AX im Verbund mit einem Mehrkanalsystem. Und das das Thema „Kopfhörer“ ja gerade eine wahre Renaissance erlebt, darf natürlich auch ein entsprechender Ausgang nicht fehlen, welcher seinen Platz rechts unterhalb des griffigen Lautstärkereglers findet.

Die grossen VU-Meter dominieren die Optik des 44 Zentimeter breiten Stereo-Boliden. Über die riesigen Drehregler lässt sich Quellwahl bzw. die Lautstärkejustage vornehmen.

Die grossen VU-Meter dominieren die Optik des 44 Zentimeter breiten Stereo-Boliden. Über die riesigen Drehregler lässt sich Quellwahl bzw. die Lautstärkejustage vornehmen.

 

 

Auch von hinten vielversprechend

Frontseitig lässt der 550er keine Wünsche offen. Ähnliches lässt sich dann auch über das rückseitig platzierte Anschlussfeld unseres Gastes aus Japan sagen. Neben dem ganz links platzierten Phono-Eingang inkl. Massebrücke bietet seine Eingangssektion gleich vier Paar analoger Cinchbuchsen sowie einen symmetrischen (XLR) Zugang an. Wie es sich für einen hochwertigen Vollverstärker gehört, offeriert der Luxman obendrein mit den sogenannten „Rec-Out“ und „Monitor“ beschrifteten Cinch-Buchsen zwei analoge Ausgänge. Über den rechts nebenan befindlichen „Pre Out“ lässt sich der L-550AX zudem als Vorverstärker an einer externen Endstufeneinheit platzieren, während sich unser Testproband über den mit „Main In“ bezeichneten Eingang alternativ auch als reiner Endverstärker nutzen lässt. Das direkt darunter befindliche Ausgangsboard bietet dann gleich acht massive Lautsprecher-Schraubklemmen auf. Das macht Sinn, denn so lässt sich zwischen zwei angeschlossenen Lautsprecherpaaren hin- und herschalten. Alternativ können auch vier Boxen zeitgleich betrieben. Jedoch ist hier zu beachten, ausschliesslich Lautsprecher mit einer Impedanz von je 8 oder 16 Ohm genutzt werden sollten, um die Endstufensektion nicht zu überlasten.

Kann sich auch von hinten sehen lassen: Der L-550AX ist mit insgesamt 9 sehr hochwertigen Clinch-Buchsen und einem Paar symmetrischer Eingänge (XLR) bestückt.

Kann sich auch von hinten sehen lassen: Der L-550AX ist mit insgesamt 9 sehr hochwertigen Clinch-Buchsen und einem Paar symmetrischer Eingänge (XLR) bestückt.

 

 

Sanfter Riese

So, nun aber genug der Worte und ab in den Praxistest! Diesen startet der Luxman dann im Verbund mit seinem Markengenossen D-30u als Quelle und den kürzlich von uns getesteten Zwei-Wege-Schallwandlern Xavian Piccola. Ein Paket der Extraklasse, wie sich bereits nach wenigen Augenblicken herausstellen soll. Die Erklärung dafür folgt auf dem Fuße, denn kaum lassen wir unser Setup im HiFi-Test zu Wort kommen, wird unser Hörraum vollständig mit Musik geflutet. Diesmal mit „Blues For Klook“ des französischen Jazz-Pianisten Eddy Louiss. Einem etwas eigenwilligen Titel, zu dessen Beginn zunächst vereinzelte Synthi-Sounds für einen ungewöhnlichen Start in die Testsession sorgen. Für uns eine sehr gute Gelegenheit, uns ein Bild von der vielzitierten Präzision zu machen, die man Luxman-Geräten immer wieder nachsagt. Und ja, diese Aussagen bestätigen sich auch in unserem Testmodell. Und zwar in imponierender Manier, denn die simpel aber keineswegs langweilig loslegenden und sich im weiteren Verlauf immer komplexer aufbauenden Synthi-Sounds werden perfekt akzentuiert in den Raum gestellt. Dabei fällt erst bei ganz genauem Hinhören auf, wie präzise der L-550AX sämtliche Klanganteile voneinander trennt und platziert und wie selbst kleinste Rauminformationen hervor geholt werden, um ihren Teil zu einem durchweg authentischen Gesamtbild beitragen. Das wiederum mit einer solch körperhaften Art, dass es schnell den Eindruck hat, der Luxman würde jede einzelne Elektrospur separat annehmen, analysieren, verarbeiten und und wie ein Puzzlestück an der einzig richtigen Stelle auslegen.
Wow! Das macht einfach Spass und lässt uns diesen Song irgendwie neuer – oder besser gesagt – einfach richtiger erleben. Und zwar nicht nur diesen, sondern viele weitere, im Verlauf unserer mehrtägigen Hörsession ausgewählte Tracks, von denen hier unbedingt der Bliss-Titel „A Quiet Conversation“ exemplarisch Erwähnung finden muss. Ein Stück, das ebenfalls von Sekunde von Sekunde an Volumen gewinnt und dabei eine orientalisch anmutende Atmosphäre ausströmt. Eine Atmosphäre, die den ureigenen Charakter dieser Aufnahme zu beschreiben und zu transportieren weiss, ohne es an schmeichelndem Charme noch an packendem Biss vermissen zu lassen. Im Gegenteil, denn neben der dominierenden, zugleich aber sehr sanften Darstellung der hier eingesetzten Streichinstrumente überzeugt der L-550AX durch ein überraschende Auflösungsvermögen. Im Verbund spielende Instrumente wie Rasseln, Flöten, das immer wieder einsetzende Piano, oder die gelegentlichen Geigen-Einsätze lassen sich einzeln problemlos verfolgen, während sie als komplettes Ensemble nahezu perfekt miteinander harmonisieren. Das wiederum ergibt ein Klangbild, dem man sich nur schwer entziehen kann. Mit Daft Punks „Doin` It Right“ wollen wir zum Testabschluss dann noch wissen, wie sich der Luxman schlägt, wenn es etwas komplexer, tiefer und mit mehr Tempo zur Sache geht. Ein Song, der vor Leben und Agilität nur so sprüht. Eigenschaften, die dann auch schnell in unserem Hörraum zum Tragen kommen und die Testjury unweigerlich zu einer deutlichen Lautstärkeerhöhung – an dieser Stelle sei noch die massive und extrem wertig anmutende Fernbedienung erwähnt, die natürlich zum Lieferumfang gehört – und zum Mitwippen animiert. Das hat mannigfaltige Gründe, denn neben seiner überraschenden Impulskraft weiss der Luxman hier in erster Linie durch seine staubtrockene Grundtonwiedergabe und eine erstaunlich tiefe Bassdarstellung zu imponieren, die ihn zugleich zu einer echten Autorität in unteren Frequenzlagen machen. Doch damit nicht genug, denn auch in Sachen Schnelligkeit spielt der Stereo-Bolide ganz weit vorn mit und beeindruckt durch einen Oberbass-Punch und seine saftig-kraftvolle Spielweise, die das Auditorium schnell fesselt. Besser gesagt, die einfach mitreisst, dabei aber nicht den kleinsten Hauch von Aufdickung zeigt. Das hat weitreichende Folgen, denn die beschriebene Schnelligkeit und Agilität gepaart mit der enormen Breitbandigkeit und der aussergewöhnlichen Auflösung ergeben auch hier ein weiteres, sehr vorteilhaftes Spezifikum: Präzision! Eine Eigenschaft, dank derer es der Luxman im Nu versteht ein Bühnenbild zu kreieren, das innerhalb weniger Sekunden jeden Winkel unseres Hörraumes auszuleuchten scheint.

An alles gedacht: Jede der sehr aufwändig gestalteten Buchsen wird von einer Kunststoffkappe geschützt. Jede der hier eingesetzten Kappen trägt sogar das Luxman-Logo.

An alles gedacht: Jede der sehr aufwändig gestalteten Buchsen wird von einer Kunststoffkappe geschützt. Letztere tragen sogar sogar das Luxman-Logo.

 

 

Fazit

Was für ein Comeback! Mit dem L-550AX bietet die nun endlich wieder flächendeckend in Deutschland erhältliche Edelmarke Luxman einen Stereo-Verstärker der Referenzklasse. Einen, der es versteht auf allen (musikalischen) Hochzeiten zu tanzen und dabei Feuer, Glut und Leidenschaft zu versprühen und zugleich präzise wie ein Schweizer Uhrwerk zur Sache zu gehen. Die fantastische Material- und Verarbeitungsqualität sowie seine üppige Ausstattung runden das gelungene Gesamtpaket perfekt ab. Ambitionierte Audio-Enthusiasten, die nach einem neuen Vollverstärker mit Highend-Ambitionen Ausschau halten, der auch optisch ein Statement abgibt, werden daher nicht umher kommen, den L-550AX in ihre engere Auswahl zu nehmen.

 

Test & Text: Roman Maier

Fotos: www.lite-magazin.de, Herstellerbilder

 

Modell:Luxman
L-550AX
Produktkategorie:Stereo-Vollverstärker
Preis:5.100,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:Silber
Vertrieb:IAD, Korschenbroich
Tel.: 02161 / 617830
www.luxman-deutschland.de
Abmessungen (HBT):178 x 440 x 454 mm
Gewicht:24,3 Kg
Eingänge:- 5 x Analog Audio (Cinch)
- 1 x symmetrisch (XLR)
Ausgänge:- 2 x Analog Audio
- Kopfhörer (Front)
Leistung:- 2 x 40 Watt / 8 Ohm
- 2 x 80 Watt / 4 Ohm
Besonderes:- hervorragende Verarbeitung
- VU-Meter
- XLR-Eingänge
- zeitloses Design
- massive Fernbedienung
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,1
Gesamtnote:1,0
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungsehr gut
150102.Luxman_TestSiegel

 

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