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Redakteur

Wie Retro ist das denn? Nur ein Blick auf diesen Verstärker, und schon beginnt die gedankliche Zeitreise in die glorreichen HiFi-Dekaden des vergangenen Jahrhunderts. Aber schon beim zweiten Blick wird klar: In diesem rückwärtsorientierten Gehäuse steckt vorwärtsgewandte Technik. Für die Verbindung von Gestern, Heute und Morgen gibt es auch einen guten Grund.

Retro trifft Moderne: Wir haben uns den Marantz HD-AMP1 einmal genauer angesehen.

Retro trifft Moderne: Wir haben uns den Marantz HD-AMP1 einmal genauer angesehen.

Um die Daseinsberechtigung für diesen außergewöhnlichen Amp zu verstehen, schauen wir zurück auf das Jahr 1988: Damals startete Marantz seine „Music Link“-Serie, eine hochwertige Produktlinie mit einem klaren Profil: Feine Technik, kleine Gehäuse – und ein sehr geschmackvolles, dezent-reduziertes Design. In den kommenden fünf Jahren entwickelte Marantz für diese Serie dann rund 20 Komponenten. Angefangen beim Phono-Verstärker bis zur Mono-Endstufe. Allerdings in Zeiten einer eher unruhigen Firmen- und Produktpolitik, wodurch der maximale Erfolg versagt blieb und auch das Profil dieser Linie verloren ging. Hernach dominierte wieder das übliche breite 43-Zentimeter-Gehäusemaß das Produktdesign. Die Komponenten der „Music Link“-Serie sind hingegen nicht verloren gegangen, sie werden bis heute auf dem Gebrauchtmarkt gehandelt, und einige Modelle erzielen hier sehr beachtliche Preise. Das zeigt: Die Idee dieser Linie ist immer noch gut. Deshalb hat Marantz seine „Music Link“-Serie wiederbelebt. Die Konzeption hat – wie beim ersten Mal – Ken Ishiwata übernommen. Der Japaner arbeitet seit fast vier Jahrzehnten für Marantz, er ist hier zum Klang-Guru aufgestiegen und seit Jahren Haupt-Sounddesigner des HiFi-Herstellers. Den Start der neuen „Music Link“-Serie hat Ken Ishiwata mit dem Kopfhörerverstärker HD-DAC1 gemacht, nun folgt der Vollverstärker HD-AMP1, der nicht nur mit analogen Quellen arbeitet, sondern durch seine umfassende Digitalsektion samt eigenem D/A-Wandler auch den Musikgenuss mit hochauflösenden Formaten möglich macht.

Legendäres Auge

Dieses kompakte Kraftwerk führt die ästhetischen Maximen fort, die beim Relaunch der „Music Link“-Reihe maßgeblich sind: schlank im Maß, retro im Design. Die Front des Verstärkers ist gerade mal 30 Zentimeter breit, auch in der Tiefe nimmt das reine Gehäuse kaum mehr Platz ein. Groß ist hingegen das Vergangenheits-Flair, da lässt Marantz nichts aus: Die seitlichen Kunststoff-Wangen haben den Look von lackiertem Wurzelholz, sie rahmen ein Alu-Gehäuse, dessen Farbe zwischen silbergoldenen und champagnerfarben changiert; die aufgesetzte Front ist sanft gebürstet, ebenso die beiden großen, massiven Stellräder zur Quellenwahl und Lautstärkebestimmung. Und im Zentrum des Amps thront das Bullauge – jene markante Anzeige, die Marantz erstmals 1960 in seine legendäre Röhrenendstufe „Model 9“ eigesetzt hat. Dieses Auge sorgt bis heute für den hohen Wiedererkennungswert von Marantz-Produkten – natürlich nur, wenn es überhaupt designerisch berücksichtigt wurde; bei der ursprünglichen „Music Link“-Serie etwa spielte das Auge kaum eine Rolle. Und natürlich zeigt dieses Auge heute nicht mehr wie einst die Arbeitspunkt-Einstellung der Röhren an, anno 2016 liefert die Anzeige doch etwas andere und weitaus mehr Informationen. Dazu gleich mehr, denn im ausgeschalteten Zustand fällt das natürlich erst mal nicht auf. Stattdessen genießt man das Wesen und die Wirkung dieses Verstärkers im Ganzen: Sein Ebenmaß, die harmonisch aufgebaute und wohlproportionierte Front, auf der nur noch wenige weitere Elemente dezent platziert sind. Das gesamte Design wirkt sehr geschmackvoll, der AMP1 besitzt eine hochwertige, gediegene Anmutung, die durch die sehr gute Verarbeitungsqualität untermauert wird. Dieser Amp erinnert an eine entschleunigte Zeit, in der Musikhören und Muße selbstverständlich Hand in Hand gingen. Marantz hat hier eine clevere Illusion kreiert, denn natürlich arbeitet hinter dieser klassischen Verkleidung ein hochmoderner Verstärker. Das verrät der AMP1 direkt mit dem Zugang zum Stromnetzt.

Anmutend: Die beiden Seiten des HD-AMP1 sind mit Kunststoffwangen im Wurzelholz-Design verkleidet.

Anmutend: Die beiden Seiten des HD-AMP1 sind mit Kunststoffwangen im Wurzelholz-Design verkleidet.

Auskunftsfreudige Anzeige

Mit dem Einstecken des Netzkabels hat man den Verstärker quasi auch schon eingeschaltet, einen echten Netzschalter besitzt der Marantz nicht. Er geht also direkt in den Standby-Modus, das wird uns durch eine kleine rote LED im Bullauge signalisiert. Ein sanfter Druck auf den frontseitigen An/Aus-Schalter erweckt nun das Display zur Auskunftsfreude: Die rote LED erlischt, dafür erzählt uns der AMP1, welche Quelle gerade angewählt ist, und nach kurzer Zeit verkündet er, dass diese Quelle nun „unlocked“ ist, also freigeschaltet, wovon ebenso ein hörbares, sattes Relais-Klicken kündet. Auch andere Zustände seines Befindens erfahren wir auf Wunsch, dafür braucht man aber schon ein scharfes Auge, die Lettern des zweizeiligen Displays sind nicht gerade riesig. Dazu kommt eine begrenze Anzahl angezeigter Zeichen. Das ist spätestens dann ein Thema, wenn man einen USB-Stick oder eine externe Festplatte anschließt und nun mit diesem Display durch die Pfade des Datenspeichers pflügen möchte. Die Ordnernamen und Einzeltitel bekommt man dann oft in Laufschrift zu sehen, ein abstraktes Denkvermögen ist nun von Vorteil: Der AMP1 kann sich durch bis zu acht Ordner-Ebenen zur gewünschten Musikdatei vorarbeiten.

Das Marantz-typische Runddisplay, auch gern Bullauge genannt, gibt u.a. Auskunft über die gerade gewählte Quelle und die Abtastrate eingehender Audiofiles.

Das Marantz-typische Runddisplay, auch gern Bullauge genannt, gibt u.a. Auskunft über die gerade gewählte Quelle und die Abtastrate eingehender Audiofiles.

Anschlussfreudiger Amp

Damit sind wir schon bei der Anschlussvielfalt, die der AMP1 bietet: Für traditionelle Quellen stehen zwei analoge Line-Eingänge bereit, alle anderen Inputs dienen der Zufuhr digitaler Daten. Direkt auf der Front finden wir zudem eine USB-A-Buchse. Mit ihr beweist der AMP1 seine Tauglichkeit für den aktuellen Alltag: Musik ist mobil geworden, wir haben sie auf Handys, USB-Sticks oder Wechselfestplatten bei uns. Diesen Datenspeichern bietet der Marantz Anschluss – allerdings nicht ausnahmslos. Wechseldatenträger müssen das Format FAT 16 oder FAT 32 haben, NTFS-Festplatten akzeptiert er nicht. Beim Handy und bei den dezidierten mobilen Musikspeichern wird es noch exklusiver: Marantz hat den vorderen USB-Port für Apple iOS-Geräte vorgesehen und weist ihn ausdrücklich als Eingang für iPhone und iPod aus. Welche Geräte aus welcher Generation gehen, verrät die Bedienungsanleitung – oder diese Seite der Marantz-Homepage.
Die weiteren digitalen Schnittstellen des AMP sind auf der Rückseite platziert, hier offeriert er vier Eingänge. Zum einen sind es die zwei optischen TOSLink-Inputs sowie der elektrische Koaxial-Eingang. Über diese Anschlüsse verarbeitet der AMP1 ausschließlich PCM-kodierte Kost bis zu einer Qualität von 192 kHz/24 Bit. Wer mehr will, wählt stattdessen die USB-B-Schnittstelle für den Anschluss eines Computers. Um den Verstärker mit dem Rechner kompatibel zu machen, müssen Mac-Besitzer nichts unternehmen: Der Marantz ist von Werk aus auf Apple ausgerichtet und mit der integrierten Treibersoftware sofort startklar. PC-Besitzer hingegen müssen sich auf der Hersteller-Homepage erst den notwendigen Treiber runterladen und installieren. Das ist kein großer Akt, und die Bedienungsanleitung beschreibt vorbildlich, was zu tun ist, damit Verstärker und PC sich verstehen.
Und nun zeigt der AMP1, dass er mit seiner Format-Verarbeitungsfähigkeit bestens für die Gegenwart gerüstet ist – und auch für die Zukunft: Er akzeptiert nicht nur PCM-Dateien bis 384 kHz/32 Bit, sondern ebenso DSD-Files bis 11.2 MHz.
Das klingt verwirrend? Kein Problem: Wir unternehmen einen kurzen Ausflug ins Reich der Digitalformate.

Trotz seiner eher kompakten Abmessungen bietet der Marantz-Amp eine erstaunliche Anschlussvielfalt.

Trotz seiner eher kompakten Abmessungen bietet der Marantz-Amp eine erstaunliche Anschlussvielfalt.

Exkurs: Die Digitalformate PCM und DSD

Auf die Frage, wie ein analoges Musiksignal in eine digitale Information umgewandelt wird, gibt es heute zwei Antworten: PCM (Puls-Code-Modulation) und DSD (Direct Stream Digital). Das erste Verfahren ist für die CD (Compact Disc) verwendet worden, das andere für die SACD (Super Audio CD). Seit Musik aber nicht mehr nur auf Silberscheiben gespeichert wird, sondern zunehmend auf Festplatten und Servern, und seit hochwertige Musikdateien als Download im Internet angeboten werden, konkurrieren PCM und DSD nun auch hier um die Format-Vorherrschaft bei den Files. So verschieden beide Verfahren sind: Sie haben das gleiche Darstellungs-Problem. Aus dem kontinuierlichen Analogsignal wird im Reich der Nullen und Einsen eine sogenannte „diskrete“ Beschreibung – entweder, wie das Signal zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt ausgesehen hat (PCM), oder welche Veränderung sich bei dem Signal gerade ergeben hat (DSD). Diese Beschreibung von „Momentaufnahmen“ oder von „Änderungsanzeigen“ muss sehr häufig stattfinden, damit die Veränderungen des analogen Signals digital nachvollzogen werden kann und eine Kontinuität entsteht. Es ist wie beim Daumenkino: Je kleiner die Veränderungen von Einzelbild zu Einzelbild sind, desto besser ist die Illusion von einem sich konstant bewegenden Ablauf.
Eine Beschreibung ist also umso genauer und besser, je mehr Informationen und Details man zu der Darstellung liefert – und mit der technischen Machbarkeit und dem billiger werdenden Speicherplatz steigen bei den digitalen Datenformaten die Verarbeitungsgeschwindigkeit und die Menge der Informationen. Die sogenannte „Auflösung“ der Musikdateien wird also immer besser, und dies dokumentiert auch der Name: High-Resolution-Files, kurz: HiRes-Files. Diese Musikdateien sind mit merkwürdigen Zahlenangaben versehen, sie drücken die Qualität des Files aus: Bei PCM benennen die Zahlen zum einen die Abtastfrequenz, also die Häufigkeit, mit der das ursprüngliche analoge Signal pro Sekunde vermessen worden ist, und zum zweiten die eigentliche Auflösung, also die Genauigkeit, mit der die Vermessung stattgefunden hat. Bei PCM hat sich die Signalgüte seit CD-Tagen (44,1 kHz Abtastfrequenz/16 Bit Auflösung) auf bis zu 384 kHz/32 Bit gesteigert. Bei DSD sieht es anders aus: Hier wird keine Auflösung angegeben, denn in diesem Verfahren werden Signalveränderungen stets als Ein-Bit-Information weitergegeben, diese Informationsübermittlung findet dafür aber mit sehr hoher Frequenz statt. Hier fließt quasi ein „Datenstrom“, das drückt sich als Ideal im Namen des Kodierungsverfahrens „Direct Stream Digital“ aus – und als Zahl in der Sampling-Rate. Diese Abtastfrequenz hat zu SACD-Zeiten bei 2,8224 MHz gelegen, das entspricht dem 64-fachen Sampling im Vergleich zur CD, weshalb dieses Format auch „DSD64“ heißt; mittlerweile ist mit 22.5792 MHz das Achtfache möglich, dies nennt deshalb man auch „DSD 512“.
Was möglich ist, wird aber nicht immer genutzt – oder noch nicht: Wer sich auf dem Markt der HiRes-Files umsieht, wird feststellen, dass PCM- und DSD-Files mit solcher Maximal-Qualität noch in die Kategorie „Zukunftsmusik“ gehören.

Entscheidet man sich für die digitale Zustellung, werden sämtliche Eingangssignale über den internen Digital/Analog-Wandler des HD-AMP1 verarbeitet.

Entscheidet man sich für die digitale Zustellung, werden sämtliche Eingangssignale über den internen Digital/Analog-Wandler des HD-AMP1 verarbeitet.

HD-AMP1 mit zwei Herzen in der Brust: DAC und AMP

Zu solcher „Zukunftsmusik“ ist der Marantz dank seines bordeigenen DAC also fähig. Die Integration eines hochwertigen Digital/Analog-Wandlers ist sinnvoll: Der Zugang zu HiRes-Files via Computer mag für die meisten kein Thema sein, die angemessene Wiedergabe sehr wohl: Der Durchschnittsbenutzer von MAC, PC und Laptop hat in seinem Rechner selten eine erstklassige Soundkarte, hier gehen also der audiophile Anspruch der Files und das Können des Computers auseinander. Deshalb haben externe DAC-Lösungen Konjunktur, deshalb hat Marantz die richtige Entscheidung getroffen, ein hochwertiges Wandler-Modul einzubauen. Und deshalb ist es fast unfair, dieses Gerät immer nur als Verstärker zu bezeichnen, denn es hat mit dem Amp und dem DAC eigentlich zwei Herzen in der Brust. Die Digitalsektion beherrscht die große Palette der unkomprimierten und komprimierten File-Formen von WAV über FLAC bis eben DSD, sie übernimmt aber noch eine weitere Aufgabe: Marantz hat eine eigene Filtertechnologie entwickelt, die bei der Behandlung des Digitalsignals zum Zuge kommt. Dieses „Music Digital Filtering“ war bislang der Referenzklasse von Marantz vorbehalten, der AMP1 profitiert also vom firmeneigenen Technologie-Transfer. Damit stehen dem Hörer nun zwei verschiedene Filterarten zur Verfügung – und somit zwei verschiedene grundsätzliche Klangcharakteristiken des AMP, sie entstehen durch die verschiedenartige Abtastung und Siebung des Signals. Diese Filter bearbeiten aber allein die Signale der digitalen Eingänge. Für alle Eingänge arbeitet hingegen die Höhen-, Bass- und Balance-Anpassung, diese Sektion kann aber komplett abgeschaltet werden. Bei guten Musikaufnahmen sollte man auf solches Klang-Tuning verzichten können, denn auch die Verstärkersektion des AMP1 bewegt sich auf audiophilem Niveau. Marantz setzt auf seine 1992 selbstentwickelten und seither weiterentwickelten „Hyper Dynamic Amplifier“ Verstärker. Es handelt sich hierbei um diskret ausgeführte, separate Baugruppen, Marantz hält ihnen eine größere Rausch- und Verzerrungsfreiheit zugute im Vergleich zu jenen Operationsverstärkern, die in integrierte Schaltungen verpackt sind. Diese Module gehen ebenso in die Schaltungstopologie ein wie die Hypex UcD (Universal Class D)-Verstärkerplatine, insgesamt ergibt das einen topmodernen, hochqualitativ bestückten Schaltverstärker. Klasse-D-Verstärker können wegen ihrer enormen Effizienz auf große, gewichtige Ringkerntransformatoren verzichten und kommen ohne massige Kühlkörper aus, das erklärt das verhältnismäßig geringe Gewicht des AMP1 von knapp sechs Kilo. Trotzdem bringt dieser Verstärker Leistung satt, er liefert 70 Watt an 4 Ohm-Boxen.
Die selbstentwickelten „Hyper Dynamic Amplifier“ setzt Marantz noch an anderer Stelle ein, nämlich in der hochwertigen Kopfhörerstufe. Sie bietet einen außergewöhnlichen Komfort: Der Verstärkungsfaktor lässt sich in drei Stufen an unterschiedliche Kopfhörertypen anpassen – prima, so können neben niederohmigen Modellen auch hochohmige Typen angeschlossen werden, die dem Verstärker eine etwas größere Leistung abverlangen. Für den Anschluss bietet der Verstärker dankenswerterweise eine 6,3 Millimeter-Buchse für große Klinkenstecker.

Selbstverständlich nimmt der Marantz aber auch Signale analoger Natur entgegen. Zu diesem Zweck stellt er zwei Eingänge zu Verfügung.

Selbstverständlich nimmt der Marantz aber auch Signale analoger Natur entgegen. Zu diesem Zweck stellt er zwei Eingänge zu Verfügung.

Klemmen für die Ewigkeit

So hochwertig der Kopfhörer-Ausgang auf der Front, so exquisit sind die Lautsprecheranschlüsse auf der Rückseite. Marantz hat dem AMP1 seine selbstentwickelten SPKT-1-Klemmen spendiert, noch vor wenigen Jahren war das den großen Marantz-Modellen vorbehalten. Es sind megamassive Klemmen für die Ewigkeit, das Anschließen der Boxenkabel wird da schon zum Erlebnis: Das gesamte Kabel verschwindet samt Isolierung in einer schützenden Kunststoff-Wandung, in ihr liegt die eigentliche Kabelaufnahme, sie ist, wie alle Kontaktflächen, vergoldet. Hier haben auch kräftige Adern Platz, die Aufnahmen kommen mit Querschnitten bis fast 5 Millimeter klar. Eine freilaufende Andruckscheibe, die die eingeführte Litze schont, ist bei diesem Qualitätslevel selbstverständlich, und so ist das Anziehen der gewichtigen Muttern ein haptisches Vergnügen. Natürlich finden an diesen Anschlüssen auch Kabelschuhe ihre Aufnahme, ebenso Bananenstecker, dafür muss man allerdings erst die schwarzen Schutzkappen entfernen. Insgesamt stehen vier Klemmen zur Verfügung, das erlaubt den konventionellen Betrieb eines Boxenpaares, Bi-Wiring oder Bi-Amping ist also nicht möglich.
Dafür bietet der Verstärker die Option, über den Sub Out einen zusätzlichen Subwoofer anzuschließen, um den Bass noch bässer zu machen. Auch dieser Cinch-Anschluss hat vergoldete Kontaktflächen, wie alle Audio-Anschlüsse des Verstärkers. Die Gehäuseschrauben hingegen sind samt und sonders aus Kupfer, diese auffälligen Fixierungselemente sind fast schon ein weiteres Marantz-Markenzeichen.

Besser geht es kaum: Anschlussquellen dieser Qualität sucht man bei HiFi-Verstärkern der mittleren Preisklasse sonst vergeblich.

Besser geht es kaum: Anschlussquellen dieser Qualität sucht man bei HiFi-Verstärkern der mittleren Preisklasse sonst vergeblich.

Vollbedienung aus der Ferne

Marantz liefert zu dem AMP1 eine Fernbedienung, die leicht in der Hand liegt, übersichtlich strukturiert ist und über Tasten verfügt, die einen gut definierten Druckpunkt bieten. Der größte Vorzug: Dieser Befehlsgeber ist allgewaltig, mit ihm können sämtliche Funktionen des HD-AMP1 ausgeführt werden. Neben der An/Aus-Funktion des Displays ist das Wichtigste natürlich die Anwahl der sieben verschiedenen Eingänge und die Volume-Einstellung. Während die Lautstärke über das Stellrad am Verstärker kontinuierlich veränderbar ist, wird sie über die Fernbedienung in Stufen gehoben oder gesenkt, diese Stufen sind leider etwas zu grob, die Lautstärkesprünge dürften gern etwas kleiner ausfallen. Ansonsten ist dieser Ferngeber gerade bei der Auswahl der Musikstücke von angeschlossenen Speichermedien ein echtes Komfortplus des Verstärkers, mit der Info-Taste kann man dann auch die Angaben zu Interpret, Titel, Tracknummer, Album sowie die File-Qualität aus der Ferne aufrufen. Und damit sind wir schon bei der ersten Test-Musik.

Über die zum Lieferumfang gehörige und übersichtlich gestaltete IR-Fernbedienung lässt sich der Marantz bequem vom Sofa aus bedienen.

Über die zum Lieferumfang gehörige und übersichtlich gestaltete IR-Fernbedienung lässt sich der Marantz bequem vom Sofa aus bedienen.

Knackig und klar: Der HD-AMP1 im Klangtest

Zum Start füttern wir den Verstärker mit dem 96kHz/24 Bit-HiRes-File „Redbud Tree“, dem leicht nach Folk und Country klingende Eröffnungssong von Mark Knopflers siebtem Solo-Album „Privateering“. Das erste, was auffällt ist nicht die Musik an sich, sondern die Ruhe, die diese Aufnahme ausstrahlt, auch ihre große Räumlichkeit – der AMP1 gibt das sehr schön wieder! Die kleine Besetzung, bestehend aus Western-Gitarre, Pedal-Steel-Gitarre, Bass, Schlagzeug, ist akkurat aufgestellt, Knopflers Gesang besitzt eine phänomenale Präsenz, bei dem traumhaften Gitarrensolo sind die feinsten Veränderungen seines Fingerspiels zu hören – ein tolles Erlebnis! Den Track hören wir uns gleich noch einmal an – und dabei probieren wir mal die beiden Filter aus, die bei den digitalen Quellen den Grundklang des HD-AMP1 bestimmen. Das erste Filter wirkt etwas dezenter, das zweite Filter hingegen ein wenig brillanter, direkter, zupackender. Dieser Eindruck ergibt sich sowohl beim Hören über Lautsprecherboxen als auch beim Genuss über den Kopfhörer, hier ist mit dem Dharma D1000 von EnigmAcoustics ein Edel-Modell zum Zuge gekommen. Mit einem preiswerten Knopf-im-Ohr hingegen sind die Unterschiede fast eingeebnet. Das zeigt uns mal wieder, dass mit gutem Equipment der Spaß am Musikhören größer ist und die akustischen Entdeckungsreisen eindrucksvoller sind. Zurück zu den Filtern: Mag das Filter 2 auf Anhieb mehr beeindrucken, so ist bei längerem Hören das Filter 1 doch angenehmer, die Musik klingt einfach eine Spur entspannter. Wo wir schon beim Soundtuning sind: Als nächstes haben wir mit der Klangregelung experimentiert – und festgestellt, dass der Klang noch etwas frischer ist, wenn man die Höhen- und Bassbearbeitung schlicht abschaltet und damit aus dem Signalweg nimmt. Das wirkt sich natürlich nur bei guten Aufnahmen aus, wir haben uns dafür eine Einspielung aus der exzellent klingenden Laiszhalle in Hamburg ausgesucht: Das Concergebouworkest Amsterdam, eines der besten Orchester der Welt, spielt das „Heldenleben“, das Richard Strauss seinem Lieblingsorchester auch gewidmet hat. Und hier klingen die Amsterdamer toll: Gleich die markante Eröffnung durch die Streicher holt uns in die Halle. Der Marantz liefert ein helles, frisches, sehr sauberes Klangbild, das die akustischen Verhältnisse des Saals herausarbeitet, der AMP1 gibt uns eine hochpräzise Ortsbeschreibung. Ebenso präzise bildet er aber auch die Rauheit im Klangbild ab – eine Facette, für die das Concergebouworkest weniger bekannt ist, die aber definitiv in dieser Aufnahme steckt. Natürlich kriegen wir auch das zu hören, wofür das Orchester steht: geradezu vergoldetes Blech und einen insgesamt vollen Orchesterklang.
Der Marantz mag eher hell und schlank sein, das heißt natürlich nicht, dass er blass im Bass ist. Der HD-AMP1 gibt den Tiefton schön knackig wieder und treibt ihn mit kontrollierter Kraft auch über große Standboxen in den Raum – auch bei hohen Pegeln. Diese Präzision zahlt sich gerade bei perkussiver Jazz-Musik aus: Dennis Chambers, Großmeister der hochkomplexen Kesselbehandlung, sorgt unter Beteiligung einer All-Star-Besetzung auf seiner CD „Outbreak“ für offene Münder, gleich mit „Roll Call“ fragt man sich, wie dieser Drummer das alles mit zwei Händen und zwei Beinen koordinieren kann – und der AMP1 lässt uns tief in Chambers Schlagwerk-Finessen eintauchen, mit einem tollen Punch der Bass-Drum. Bassist Will Lee liefert dazu einen vital-groovenden Teppich, der mit nicht minder frickeligen Tricks versehen ist, und hier verpassen wir keine Feinheit, weil der AMP1 das Geschehen gut gestaffelt und konturiert in den Hörraum stellt und auch die tiefen Register nicht vernachlässigt. Bei aller Musik gilt: Man sollte den AMP1 nach Möglichkeit über die USB B-Schnittstelle füttern, auch wenn man nicht-hochauflösende Files hören möchte, denn über den bordeigenen, audiophilen Digital/Analog-Wandler liefert der AMP1 schlichtweg die beste Performance.

Pfiffiges Detail: Die kleine Kerbe im Lautstärkeregler gibt Auskunft über den momentanen Pegelstatus.

Pfiffiges Detail: Die kleine Kerbe im Lautstärkeregler gibt Auskunft über den momentanen Pegelstatus.

Fazit

Der HD-AMP1 ist ein Zukunfts-Amp im Retro-Pelz. Dank seines eigenen DAC kann er HiRes-Files bis PCM 384 kHz / DSD 11,2 MHz abspielen, damit ist er seiner Zeit und den meisten Konkurrenten voraus. Mit seinen sieben Anschlüssen für analoge und digitale Quellen richtet sich dieser Verstärker an alle, die von den traditionellen Quellen wie CD noch nicht lassen mögen, ihre Musik aber auch in den heutigen hochauflösenden Formaten und über moderne Medien genießen wollen. Den Genuss macht der AMP1 leicht: Er spielt präzise, äußerst klar und knackig, und er bildet auch die großen Bühnen sehr räumlich ab. Diesen Genuss bekommt man, gerade auch mit Blick auf die amtliche Kopfhörerstufe, für einen wirklich sehr guten Preis. Wer jetzt noch auf den angesagten Retro-Style des Verstärkers steht, kann mit diesem kleinen Kraftwerk lange glücklich werden.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

90 %

95 %

100 %

160302.Marantz-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Marantz
HD-AMP1
Produktkategorie:Stereo-Vollverstärker mit D/A-Wandler
Preis:1099,00 Euro
Garantie:3 Jahre (bei Erwerb bei einem autorisierten Marantz-Händler)
Ausführungen:- schwarz
- silbergold
Vertrieb:Marantz, Osnabrück
Tel.: 0541- 404660
www.marantz.de
Abmessungen (HBT):107 x 304 x 352 mm
Gewicht:5,8 Kg
Eingänge:- 2 x audio analog Line-Level (Cinch)
- 1 x audio digital elektrisch (koaxial, Cinch, bis 192 kHz/24 bit)
- 2 x audio digital optisch (TOSLink, bis 192 kHz/24 bit)
- 1 x audio digital USB B, bis 384kHz/32 bit PCM und 11,2 MHz DSD)
- 1 x digital USB A (nur für Apple iOS-Geräte und USB-Sticks/Wechseldatenträger im Format FAT 16/FAT 32)
- 1 x Remote-In (Cinch)
Ausgänge:- Kopfhörer (Klinke, 6,35 mm)
- 1 x Subwoofer-Out (Cinch)
- 1 x Remote-Out (Cinch)
- Lautsprecher
Ausgangsleistung:2 x 70 W (4 Ohm) (Herstellerangabe)
DAC:- ja (384kHz/32 bit PCM und 11,2 MHz DSD)
Lieferumfang:- Marantz HD-AMP1
- Fernbedienung RC002HD
- 2 Batterien (AAA)
- 1 Netzkabel
- 1 USB-Kabel (USB A auf USB B)
- Bedienungsanleitung (Quickstart-Guide als Handbuch, komplette Bediengsanleitung als CD-ROM)
Besonderes:- integrierter D/A-Wandler
- kann HiRes-Files bis PCM 384 kHz / DSD 11,2 MHz abspielen
- USB A-Schnittstelle auf der Front
- hochwertiger Kopfhörerverstärker mit einstellbarer Impedanz
- exzellente Lautsprecherklemmen
- Remote Control-Anschlüsse für externe IR-Empfänger oder zur Fernsteuerung weiterer Marantz-Komponenten
Benotung:
Klang (60%):1,1
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1+
Gesamtnote:1,0
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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