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Redakteur
Eine Rettungsmission wird für den erfahrenen Scharfschützen Jake und seinen Spotter Rich zur Falle und ihr Team muss ohne sie den Rückzug antreten. Doch... Sniper: Special Ops – Seagal wird langsam sesshaft

Eine Rettungsmission wird für den erfahrenen Scharfschützen Jake und seinen Spotter Rich zur Falle und ihr Team muss ohne sie den Rückzug antreten. Doch Einsatzleiter Mosby setzt alles daran, seine Männer zu retten.

Den erfahrenen Scharfschützen Jack (Steven Seagal) kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen. (© EuroVideo Medien GmbH)

Den erfahrenen Scharfschützen Jack (Steven Seagal) kann so schnell nichts aus der Ruhe bringen. (© EuroVideo Medien GmbH)

Scharfschütze Jake Chandler (Steven Seagal) ist ein erfahrener Soldat, der daher gemeinsam mit dem jungen Spotter Rich (Daniel Booko) die Rettung des amerikanischen Kongressabgeordneten Cooper (John Henry Richardson) aus der Hand der Taliban absichern soll. Die haben sich mit ihrer Geisel in einem abgelegenen afghanischen Dorf verschanzt. Zumindest ist das die ursprüngliche Annahme, doch vor Ort treffen die Marines unter Führung von Sergeant Vic Mosby (Tim Abell) neben einem Haufen Leichen nur den Abgeordneten an. Und obwohl die Männer die Falle ahnen, geraten sie trotzdem in einen Hinterhalt, als sie mit der geretteten Geisel den Rückzug antreten. Dabei werden nicht nur zwei Soldaten getötet und ein weiterer verletzt, sondern auch Jake und Rich vom restlichen Team getrennt, als Rich im Gefecht angeschossen wird. Das Team ist dadurch gezwungen, den Rückzug ohne das Scharfschützen-Duo anzutreten. Während Jake sich mit Rich im Dorf versteckt, sucht Mosby im Stützpunkt sofort seinen Vorgesetzen Jackson (Dale Dye) auf, um eine Rückkehr ins Dorf zur Rettung von Jake und Rich durchzusetzen. Jackson will davon aber nichts wissen, da es an Munition, Benzin und Soldaten mangelt und sich angeblich eine große Zahl von Talibankämpfern in ihre Richtung bewegt.

Mosby und Vasquez (Rob Van Dam) sollen deshalb zunächst einen liegen gebliebenen Truck mit Ausrüstung bergen. Sehr zum Unmut von Mosby, der zudem von der NATO-Korrespondentin Janet Conrad (Charlene Amoia) genervt ist und dem Befehl nur widerwillig folgt. Als sie den Truck mit einem weiteren Fahrzeug erreichen, muss er nicht nur feststellen, dass Janet sich trotz deutlicher Ansagen an Bord geschmuggelt hat, sondern dass sich auf der Ladefläche des Trucks neben der Ausrüstung auch eine afghanische Frau samt Baby befindet. Doch Zeit für lange Diskussionen über das weitere Vorgehen bleibt nicht, denn die Taliban sind bereits näher als gedacht und nehmen die Gruppe unter Beschuss. Im Chaos erweist sich Janet allerdings als unerwartet hilfreich und als Mosby mit Hilfe des Dolmetschers Bashir (Anthony Batarse) herausfindet, dass die fremde Frau die Schwiegertochter eines Talibankommandanten ist, fasst er einen riskanten Plan…

Bei einer Rettungsmission gerät sein Team um Sergeant Mosby (Tim Abell, l.) und Vasquez (Rob Van Dam) allerdings unter schweren Beschuss. (© EuroVideo Medien GmbH)

Bei einer Rettungsmission gerät sein Team um Sergeant Mosby (Tim Abell, l.) und Vasquez (Rob Van Dam) allerdings unter schweren Beschuss. (© EuroVideo Medien GmbH)

Licht und Schatten

Manche Low-Budget-Filme sind wahre Perlen, anderen merkt man die begrenzten Mittel an. Sniper: Special Ops bewegt sich irgendwo dazwischen. Es gibt einige sehr schöne Ansätze, insgesamt wirkt der Actionfilm aber unausgereift. Das beginnt bei der sehr übersichtlichen Story, die zwar durchaus Potenzial besitzt, das aber trotz mehreren Anläufen nicht wirklich abrufen kann und viele Fragen offen lässt. Dazu kommen simple Logikfehler, die sich vor allem beim militärischen Vorgehen und in der durcheinander gewürfelten Rangordnung der Soldaten bemerkbar machen. Auch wäre es angesichts des Alters der Darsteller eventuell besser gewesen, diese nicht als aktive Marines, sondern als Contractors im Stile der „Expendables“ zu inszenieren. Die zugegeben sehr kurze Drehzeit von nicht einmal drei Wochen kann auch nicht als Erklärung dafür dienen, dass einige Darsteller offenbar bereits in der Vorbereitung auf die Rolle kaum Zeit investiert haben und nun weder die nötige körperliche Fitness aufweisen noch Schusswaffen richtig halten können.

Das Team ist geradewegs in einen Hinterhalt geraten - beim notwendigen Rückzug bleiben Jake und sein verletzter Spotter Rich zurück. (© EuroVideo Medien GmbH)

Das Team ist geradewegs in einen Hinterhalt geraten – beim notwendigen Rückzug bleiben Jake und sein verletzter Spotter Rich zurück. (© EuroVideo Medien GmbH)

Letzteres gilt vor allem für die einzige nennenswerte weibliche Rolle der Janet Conrad, die als gute Schützin angepriesen wird, allerdings konsequent sämtliche Zielvorrichtungen ihrer Schusswaffen ignoriert. Davon abgesehen sorgt Darstellerin Charlene Amoia (Serien-Fans vermutlich als „Wendy the Waitress“ aus „How I met your Mother“ bekannt) allerdings durchaus für frischen Wind in einem stark männerdominierten Genre. Positiv fällt dabei auf, dass sie sich von der nervigen Korrespondentin zur verlässlichen Mitstreiterin wandelt, ohne dass sie ein einziges Mal trotz ihres guten Aussehens klischeehaft inszeniert wird. Hier sammelt auch Regisseur Fred Olen Ray also durchaus Pluspunkte, die er mit der Besetzung von Tim Abell verstärkt. Denn auch wenn der Name Steven Seagal in den Vordergrund gerückt wird, ist Abell der eigentliche Hauptdarsteller von Sniper: Special Ops. Er gehört zu denjenigen, die das Maximum aus dem dünnen Drehbuch herausholen und weiß durchaus zu gefallen – der großen Erfahrung als Darsteller von verschiedensten Soldaten sei Dank.

Mosby und Vasquez drängen zwar auf eine sofortige Rückkehr, müssen sich allerdings zunächst mit ihrem Vorgesetzten und der aufdringlichen Kriegsreporterin Janet (Charlene Amoia) auseinandersetzen. (© EuroVideo Medien GmbH)

Mosby und Vasquez drängen zwar auf eine sofortige Rückkehr, müssen sich allerdings zunächst mit ihrem Vorgesetzten und der aufdringlichen Kriegsreporterin Janet (Charlene Amoia) auseinandersetzen. (© EuroVideo Medien GmbH)

Seagal wird erneut zum Sniper

Wer sich allerdings als Seagal-Fan für Sniper: Special Ops interessiert, muss sich auf eine Erfahrung ähnlich wie bei „Einsame Entscheidung“ gefasst machen. Der Martial-Arts-Altstar ist nun mal nicht mehr der Jüngste und verzichtet deshalb zunehmend auf die Art von Action, die ihn bekannt machte. Das ist schon in „Code of Honor“ aufgefallen, dieses Mal kommt Seagal aber sogar komplett ohne das einst obligatorische Nahkampfduell aus. Erstaunlicherweise gilt das auch für den Wrestler Rob Van Dam, der von allen Darstellern dafür natürlich prädestiniert gewesen wäre. Andererseits sorgen Kampfszenen mit Wrestlern ja auch meist dafür, dass ihre Trademark-Manöver gezeigt werden und der „Five Star Frogsplash“ wäre in dieser Umgebung doch wirklich arg deplatziert… für Van Dams Fans sei allerdings gesagt, dass dessen „RVD“-Geste es natürlich trotzdem (und sogar einigermaßen passend) in den Film geschafft hat.

Als sie allerdings zufällig auf die Schwiegertochter eines Talibankommandanten stoßen, sehen sie ihre Chance zur Rettung von Jake und Rich gekommen. (© EuroVideo Medien GmbH)

Als sie allerdings zufällig auf die Schwiegertochter eines Talibankommandanten stoßen, sehen sie ihre Chance zur Rettung von Jake und Rich gekommen. (© EuroVideo Medien GmbH)

Bild und Ton haben übrigens zunächst hohe Erwartungen geweckt, denn diese sind für einen Film dieser Größenordnung sehr respektabel. Ganz im Stile der Sniper-Perspektive sind die Bilder im Fokus gestochen scharf mit zunehmender Unschärfe Richtung äußeren Rändern. Das darf dann auch durchaus als Stilmittel gewertet werden. Klanglich gibt es auch keinen Grund zur Klage, hier geht es teilweise richtig rund. Allerdings sind die Actionszenen insgesamt recht statisch choreographiert, so dass hier kein Spektakel zu erwarten ist. Das gilt erst recht für das Bonusmaterial, denn bis auf Trailer und ein paar Programmtipps im Vorlauf des Hauptfilms hat die Blu-ray nichts zu bieten. Schade eigentlich, gerade ein kleiner Einblick in die kurze Drehzeit mit ziemlich sicher großen Herausforderungen hätte durchaus dazu beitragen können, das Endergebnis noch besser einordnen zu können.

Fazit

Kleines Budget und wenig Zeit sind auch mit gutem Hauptdarsteller kaum aufzuwiegen. Der heißt übrigens nicht Steven Seagal, sondern Tim Abell. Und auch wenn er gemeinsam mit Charlene Amoia das Maximum aus der leider recht dünnen Story von Sniper: Special Ops herausholt, kann das Duo nicht alle Lecks stopfen. So bleibt letztlich „nur“ ein netter Actionfilm, der nicht unnötig an den Nerven zerrt und der trotz der sparsamen Auftritte Seagals für dessen Fans natürlich trotzdem Pflicht ist.

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„Sniper: Special Ops“ ist als DVD und Blu-ray im Vertrieb der EuroVideo Medien GmbH erhältlich.

Genre
Action

Altersfreigabe
ab 16 Jahren

Laufzeit
ca. 86 Minuten

Regie
Fred Olen Ray

Cast
Steven Seagal, Tim Abell, Rob Van Dam, Charlene Amoia, Daniel Booko, Dale Dye

65 %

90 %

90 %

70 %

45 %

75 %

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