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Redakteur
Als Prototyp ihrer Art kämpft die Cyborg Mira Killian gegen Cyber-Terroristen, die in der nahen Zukunft eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Doch auch Killian selbst... Ghost in the Shell – Adaption mit eigenem Charakter

 

Als Prototyp ihrer Art kämpft die Cyborg Mira Killian gegen Cyber-Terroristen, die in der nahen Zukunft eine ernsthafte Bedrohung darstellen. Doch auch Killian selbst trägt Gefahrenpotenzial in sich…

Mira Killian (Scarlett Johansson) ist Teil einer Eliteeinheit gegen Cyber-Terrorismus. (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Mira Killian (Scarlett Johansson) ist Teil einer Eliteeinheit gegen Cyber-Terrorismus. (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Der technische Fortschritt sorgt in naher Zukunft dafür, dass immer öfter Menschen durch mechanische Bauteile in ihrem Körper mehr oder weniger zu Cyborgs werden. Auch Major Mira Killian (Scarlett Johansson) ist eine von ihnen, sie besitzt allerdings sogar einen komplett künstlichen Körper. In dieser „Shell“ ist nur noch ihr Gehirn, ihr „Ghost“, menschlicher Natur. Als einzige Überlebende eines cyberterroristischen Anschlags wurde sie vom Konzern Hanka Robotics unter der Leitung von Dr. Ouélet (Juliette Binoche) durch diese Transplantation vor dem Tod gerettet und zudem mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattet, die ihr nun als Soldatin der Eliteeinheit Sektion 9 im Kampf gegen Cyber-Terroristen wertvolle Dienste leisten.

Doch als Hanka Robotics ins Visier eines Anschlags gerät und ein Wissenschaftler durch eine mechanische Geisha getötet wird, begibt sich Killian in Gefahr. Denn während sie in den digitalen Überresten der Geisha nach Informationen sucht, trifft sie auf ein Wesen namens Kuze (Michael Pitt), das sie an ihrer eigenen Identität zweifeln lässt. Denn Killian hat keine Erinnerungen an ihr Leben vor dem Anschlag, der sie zum Cyborg werden ließ. Als sie auf der Suche nach Antworten Dr. Ouélet zur Rede stellt, erfährt sie eine ungeheure Wahrheit, die sie selbst zur Gejagten macht…

Das Besondere an Killian: Sie ist ein Cyborg, ihr menschlicher Geist steckt in einem künstlichen Körper. (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Das Besondere an Killian: Sie ist ein Cyborg, ihr menschlicher Geist steckt in einem künstlichen Körper. (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Action statt Anime

Hätten Sie gewusst, dass Ghost in the Shell ursprünglich ein Manga ist, der nun in einer Realverfilmung umgesetzt wurde? Wenn nicht, ignorieren Sie diese Vorlage am Besten und betrachten die Science-Fiction-Adaption aus Hollywood als eigenständige Geschichte. Denn tatsächlich weicht der Film in weiten Teilen von der zu Grunde liegenden Handlung und auch den existierenden Anime-Werken ab, um dem typischen Mainstream westlicher Produktionen gerecht zu werden. Was prinzipiell gar nicht mal so schlecht ist, an und für sich ist Ghost in the Shell nämlich ein durchaus gelungener Mix aus Science-Fiction und Action. Ein bisschen „Blade Runner“ hier, etwas „Robocop“ da und dazu immer wieder ein Hauch von „Mad Max“ ergeben ein an sich sehr interessantes Cyberpunk-Gesamtbild, das eine sehr ansehnliche und kohärent dargestellte Welt präsentiert. Die Bildgewalt ist stellenweise fast schon etwas zu futuristisch, um als nahe Zukunft durchzugehen, verfehlt ihre Wirkung aber ganz und gar nicht. Wer nicht dazu neigt, nach Filmende noch etwas über das Gesehene nachzudenken, wird mit Sicherheit sehr zufrieden sein und sehr gut unterhalten.

Als ein mysteriöser Angreifer einen Anschlag auf das Unternehmen, das Killian "gebaut" hat, verübt, trifft sie auf ein Wesen namens Kuze. (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Als ein mysteriöser Angreifer einen Anschlag auf das Unternehmen, das Killian “gebaut” hat, verübt, trifft sie auf ein Wesen namens Kuze. (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Problematisch wird es allerdings, wenn man sich tiefer mit der Story auseinandersetzt oder sogar die angesprochene Vorlage des Originals kennt. Hier wurden nämlich ganz bewusst Einschnitte vorgenommen, die vor allem den philosophischen Aspekt stark einschränken. Nicht nur weil die Handlung deutlich an den aktuellen Massengeschmack angepasst wurde und auf bewährte, leider wenig individuelle Muster setzt, sondern vor allem weil die ursprünglich diskutierten Motive von Ghost in the Shell in der von Rupert Sanders dirigierten Version nur noch schüchtern angekratzt werden (allerdings lohnt sich diesbezüglich der Blick ins Bonusmaterial). Sehr schade, zumal Filme wie zum Beispiel der Klassiker „Blade Runner“ oder auch „Surrogates“, „Vice“ oder „Selfless“ durchaus Mut machende Ansätze in dieser Richtung darstellen. Immerhin werden einige der sehr früh geäußerten Vorwürfe (insbesondere das „Whitewashing“ durch die Besetzung mit amerikanischen und europäischen Darstellern) in sich geschlossen und deshalb gut erklärt, obschon dies natürlich auch nur der abgewandelten Handlung zu verdanken ist.

Killian beginnt, ihre eigene Identität und Geschichte in Frage zu stellen. (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Killian beginnt, ihre eigene Identität und Geschichte in Frage zu stellen. (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Schwierige Story gut gespielt

Unabhängig vom inhaltlichen Hintergrund ist die Leistung der Darsteller in Ghost in the Shell positiv hervorzuheben. Im wie erwähnt eng gesteckten Rahmen tun sie ihr Mögliches, den Originalfiguren gerecht zu werden, wobei sich vor allem Pilou Asbæk („Game of Thrones“) als Killians Vertrauter Batou und Takeshi Kitano (ja, der Takeshi aus „Takeshi’s Castle“) als Daisuke Aramaki, Chef der  Sektion 9, hervortun. Zwangsläufig weniger originalgetreu aber nicht minder überzeugend verkörpert Scarlett Johansson („Captain America“, „Hail, Caesar!“) die Hauptfigur – worüber sich auch Sanders freuen dürfte, hat er damit doch in seinem zweiten Langfilm auch mal eine gute Hauptdarstellerin erwischt. Auch Michael Pitt – in „Das Jerico Projekt“ bereits thematisch ähnlich unterwegs – trägt als Antagonist dazu bei, dass die Balance im Cast absolut passt und Ghost in the Shell seine eigene Dynamik entwickeln kann.

Die besondere Atmosphäre hängt natürlich auch mit der Bildgewalt zusammen, die vor allem in der Blu-ray-Version sehr gut zur Geltung kommt. Wo man den inhaltlichen Aspekten Oberflächlichkeit vorwerfen kann, ist die Inszenierung des Settings mit extremer Sorgfalt bedacht worden. Das äußert sich in einem trotz aller dystopischer Details absolut begeisternden Schauplatz, der zwar nicht mit realistischen Zukunftsprognosen übereinstimmt, diese aber definitiv nicht scheuen muss. Insbesondere die Actionszenen wissen zu begeistern und auch die Effekte sind extrem gut gelungen. Ähnliches gilt auch für die klangliche Qualität von Ghost in the Shell, obwohl die Filmmusik trotz aller Vorzüge die Stimmung des Originals nicht erreicht. Das ist allerdings nur dann ein potenzieller Minuspunkt, wenn man den direkten Vergleich ziehen kann. Im Bonusmaterial wird dies durch Hintergrundinformationen etwas erleichtert, insbesondere das Making-Of und das Featurette „Mensch & Maschine“ geben hier Einblicke.

Als sie schließlich beginnt, Fragen zu stellen, gerät sie mehr denn je in Gefahr... (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Als sie schließlich beginnt, Fragen zu stellen, gerät sie mehr denn je in Gefahr… (© Paramount Pictures. Alle Rechte vorbehalten.)

Fazit

Wie so viele Adaptionen und Remakes birgt auch Ghost in the Shell Potenzial für Kritik, kann diese aber durchaus elegant entkräften. Als eigenständige Umsetzung mit loser Orientierung am Original gelingt Rupert Sanders ein stimmungsvoller und bildgewaltiger Science-Fiction-Film, der in sich geschlossen und spannungsgeladen viel Spaß macht. Wer aufgrund des Titels stur auf eine bis ins kleinste Detail originaltreue Umsetzung hofft, wird allerdings dennoch enttäuscht werden – und auch der Standpunkt ist dann trotz aller Qualität absolut nachvollziehbar.

„Ghost in the Shell“ ist als DVD und Blu-ray im Vertrieb von Paramount Pictures erhältlich.

Genre
Science-Fiction

Altersfreigabe
ab 16 Jahren

Laufzeit
ca. 107 Minuten

Regie
Rupert Sanders

Cast
Scarlett Johansson, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael Pitt, Pilou Asbæk

80 %

90 %

90 %

80 %

75 %

86 %

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