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Redakteur

Für eingefleischte Musikliebhaber gibt es kaum eine Alternative zur Schallplatte. Das Stöbern nach alten Schätzen, das Ritual die Platte aufzulegen und der analoge Klang machen das Musikhören von Vinyl jedes Mal zu einem Erlebnis. Auch von Elac gibt es inzwischen wieder einen Plattenspieler. Der neue Miracord knüpft an alte Traditionen an, richtet sich aber auch an Musikliebhaber, die auf Klang und Design gleichermaßen höheren Wert legen.

Zum Test hat uns Elac die silberfarbene Version seines Miracord 90n überlassen. Eine passende Haube bietet Elac für seinen Miracord 90 übrigens optional an.

Seit einigen Jahren ist die gute alte Schallplatte wieder in aller Munde. Musste man noch vor zehn Jahren nach den letzten verbliebenen Plattenläden suchen, gibt es sie heute wieder in nahezu jeder größeren Stadt. Der Zahl an verfügbarer Software und jeder Menge coolem Zubehör sei es gedankt, inzwischen gibt es kaum noch Künstler die nicht auch auf Vinyl veröffentlichen. Ähnlich verhält es sich bei den passenden Abspielgeräten. Noch vor wenigen Jahren war die Zahl der Hersteller von Plattenspielern eng begrenzt oder zumeist auf die professionelle Anwendung oder das oberste High-End-Segment zugeschnitten. Heute ist das nicht mehr so, Plattenspieler gibt es wieder in Hülle und Fülle. Dabei drängen nicht nur neue Anbieter in den Fokus, sondern auch der eine oder andere alte Hase hat in den Markt zurückgefunden. Unter anderem auch der traditionsreiche HiFi-Spezialist Elac, der sich mit dem Miracord 90 Anniversary (den wir in unserer High-End-Berichterstattung bereits vorstellten) gleich mal selbst ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gemacht hat.

Elacs aktuelles Plattenspieler-Flaggschiff ist auch in anderen Farbvarianten verfügbar.

Rückbesinnung auf alte Traditionen

Auch wenn man einige Jahre lang keine Vinyl-Dreher im Portfolio hatte, Elac gehörte auch in den vergangenen Jahren immer zur ersten Adresse, wenn es um die hochwertige Audiowiedergabe ging. Lautsprecher produzierte das Unternehmen auch in den vergangen 30 Jahren weiter, während man sich Mitte der 1980er Jahre aus dem Geschäft mit Plattenspielern und Tonabnehmern zurückzog. Dabei gehörten die Kieler bis dahin zur Riege der Top-Produzenten in diesem Produktsegment. Ein Stellenwert, der sich bis heute hält, was sich an der enormen Nachfrage nach in gutem Zustand befindlicher Gebrauchtgeräte bestätigt. Mit der Fokussierung auf den Lautsprecherbau wandelte sich die Kernkompetenz der Marke aus der nördlichsten Großstadt Deutschlands, ohne jedoch an Qualität einzubüßen. Bestes Beispiel dafür ist der vor gut 20 Jahren eingeführte JET-Hochtöner, der in den Top-End-Lautsprecherserien für glasklaren und filigranen Hochton sorgt und um den Elac aus Reihen des Mitbewerbs bis heute beneidet wird. Das Wissen über den Bau von Plattenspielern geriet darunter allerdings ein wenig in Vergessenheit. Bis kurz vor dem 90. Firmenjubiläum, als man sich bei Elac dazu entschloss wieder aufleben zu lassen, womit man einst groß geworden war: Die Entwicklung von Plattenspielern. Was liegt also näher, als sich zum anstehenden, runden Geburtstag selbst ein Denkmal zu setzen? Eines, das die eigene Vergangenheit ehrt und perfekt in die heutige HiFi-Welt passt. Dem Projekt stand allerdings ein Hindernis im Wege: die teilweise fehlende Entwicklungskompetenz, die ehemaligen Ingenieure für diesen Bereich befand sich nämlich bereits im Ruhestand. Zwar verfügt Elac auch heute über eine kompetentes, junges und motiviertes Entwicklerteam, dennoch hätte die Markteinführung eines Plattenspielers fast schon „Betreten von Neuland“ bedeutet. Es wäre also ideal, auf das Wissen vergangener Tage zurückgreifen zu können. Dieses fand man schließlich bei einem inzwischen im Ruhestand befindlichen ehemaligen Mitarbeiter, der sich sofort für die Idee begeisterte und sein profundes Knowhow bei der Erschaffung des Jubiläumsmodells beisteuerte. So entstand ein „buntes“ Entwicklerteam, das altersmäßig wohl kaum weiter auseinanderliegen könnte. Das Ergebnis der generationsübergreifenden Zusammenarbeit stellt schließlich der in diesem Jahr präsentierte Miracord 90 Anniversary. Ein Modell, das Tradition und Moderne perfekt vereint und sich auf den ersten Blick weder vor der Konkurrenz von heute, noch vor seinen Ahnen verstecken muss.

Um den Einfluss des Motor auf ein Minimum zu reduzieren, stattet Elac seinen Miracord 90 mit einem Gleichstrom-Antrieb aus, der den Teller über einen Riemen antreibt.

Masse & Klasse

Das Ergebnis der intergenerationellen Zusammenarbeit ist ein schicker, in diversen Farbvariationen angebotener Plattenspieler, der optisch höchsten Ansprüchen gerecht wird und obendrein ein paar interessante technische Lösungen mitbringt. Form und Funktion gehen bei den allermeisten Plattenspielern traditionell Hand in Hand, jedes Teil hat seine spezielle Funktion, die maßgeblich zum Klang beiträgt. Das ist selbstverständlich auch beim wunderbar aufgeräumten und zurückhaltend gestylten Miracord 90 so, bei dem man überflüssige Teile vergeblich sucht. Zugleich ist der Elac ein ausgewachsener Plattenspieler, mit einer Grundfläche von 47 x 36 Zentimetern toppt er die klassischen HiFi-Abmessungen locker. Zu massiv ist er aber auch nicht, auf dem beliebten schwedischen Schallplattenmöbel findet auch er einen festen Platz. Freunde reduzierter Wohnumgebungen dürfen sich freuen, die moderne Formensprache des 90ers passt ganz hervorragend zum Trend der modernen Möblierung. Alternativ lässt sich der Elac aber auch ganz hervorragend in klassisch eingerichteten Wohnzimmern integrieren oder in einer knalligen Farbvariante als gezielter Blickfang nutzen.
Grundbaustein des Miracord 90, den man mit einem Gesamtgewicht von gut 17 Kilogramm durchaus zu den Masselaufwerken zählen kann, ist Holz. Genauer gesagt: eine MDF-Platte von üppiger Stärke, die allein schon über fünf Kilogramm auf die Waage bringt. Sie bildet, mit ihrer hohen Stabilität und inneren Dämpfung, den zentralen Baustein des Chassis, den die weiteren Komponenten zu einem vollständigen Plattenspieler ergänzen. Die Basisplatte ist auf Vorder- und Rückseite durch ein Aluminium-Band verstärkt, das man auf den ersten Blick für stylische Standfüße halten könnte. Ein genauer Blick offenbart dann aber, dass die Aluminiumelemente ein paar Millimeter in der Luft schweben. Tatsächlich dienen sie ausschließlich dazu dem Plattenspieler ein modernes Outfit zu verleihen, die eigentlichen Füße verbergen sich direkt dahinter. Aus Silikon gefertigt, sorgen sie dafür, dass das Chassis effektiv vom Untergrund entkoppelt wird. Auf der Standfläche entstehende Vibrationen werden so daran gehindert auf den Plattenspieler überzugehen.

Der Elac wird komplett bestückt, also mit Tonarm und Abtastsystem geliefert.

Mehr aus der Rille

Die äußeren Einflüsse sind also minimiert, jedoch lauert im Innern eines Plattenspielers ein weiterer Störenfried; der Motor. Dieser ist zwar zwingend erforderlich, um den Plattenteller auf seiner Nenndrehzahl zu halten, trägt zugleich jedoch durch seine Bewegung zu einer Verunreinigung des Klangbilds bei. Um den Einfluss des Motors zu umgehen, stellen ihn manche Hersteller kurzerhand in eine separate Motordose neben den Plattenspieler. Um den Miracord 90 aber in möglichst jede Wohnumgebung integrieren zu können, kam ein solcher Aufbau für das Elac-Entwicklerteam jedoch nicht in Frage. Damit der Einfluss des Motors aber dennoch möglichst gering ausfällt, setzen die Kieler Designer auf einen besonders laufruhigen Gleichstrom-Motor, der den Teller über einen Riemen abtreibt. Um zugleich auch die letzten Einflüsse auszuschalten, wurde der Antrieb nicht starr mit dem Holz verschraubt, sondern gleich doppelt entkoppelt. Hier griffen die Entwickler auf bekannte Technologien aus dem Lautsprecherbereich zurück, die sich auch optisch als solche identifizieren lassen. Schaut man nämlich einmal genauer hin, erinnert die Aufhängung doch stark an die Lagerung von Lautsprechermembranen. Die Kraftübertragung besorgt indes ein ziemlich schwerer und breiter Riemen, der motorseitig auf einem bauchigen Pulley läuft und den Plattenteller von außen antreibt. Ein weiterer Vorteil dieses Aufbaus: Durch die große Übersetzung benötigt der Motor nur wenig Kraft, um den immerhin sechseinhalb Kilo schweren Teller in Bewegung zu halten. Letztgenannter besteht ebenfalls aus Aluminium und ist schwarz eloxiert. Die silberfarbig eingefrästen Fase an der Oberseite stellt den Übergang zur Platte dar. Um ihn vollständig vom Chassis zu entkoppeln, liegt der Teller auf einem Subteller, beziehungsweise auf vier kleinen Dämpfungselementen, die in den Subteller eingelassen sind. Ein cleverer Aufbau, so werden etwaige Lagergeräusche zugleich von der Platte ferngehalten. Als zentralem Bestandteil wurde dem Lager ebenfalls besondere Sorgfalt gewidmet. Vertikal ruht sein gesamtes Gewicht auf einer acht Millimeter durchmessenden Rubinkugel. Der Aufbau ist bewusst gewählt, so werden Kontaktfläche und Reibung auf ein Minimum reduziert. Damit der Teller auf der Kugel nicht ins Taumeln gerät, wird er in der Horizontalen von einer Stahlachse stabilisiert, die in einer Buchse aus Sinterbronze steckt. Die bewährte Materialpaarung ist extrem reibungsarm und damit langlebig und weitestgehend nebengeräuschfrei. Lässt man Teller des Miracord 90 nun frei laufen, bestätigt sich die Vermutung eines erstaunlich laufruhigen Lagers. Stoppt man den Motorantrieb dann, dauert es noch eine ganze Weile, bis der Teller zum Stehen kommt. Eine auf der Oberseite platzierte Filzmatte bildet den Abschluss des Plattentellers, auf ihr liegt die Schallplatte. Abgetastet wird sie von einem vormontierten „Elac D 90 E 18“ Tonabnehmer in Moving Magnet Bauweise. Da die Zeit für die Entwicklung eines neuen Tonabnehmers wohl zu knapp war, entschied man sich für den Einsatz dieses Systems, welches in Zusammenarbeit mit dem japanischen Unternehmen Audio-Technica entstand. Audio-Technica selbst gehört übrigens zu den weltweit renommiertesten Herstellern von Tonabnehmern. Besagter Abtaster verfügt über einen Diamanten im MicroLine-Schliff, der an Schneidstichel aus der Schallplattenproduktion angelehnt ist und durch seine große Kontaktfläche jede Menge Informationen aus der Rille holt.

Vier im Subteller eingelassene Dämpfungselemente dienen dem massiven Plattenteller als perfekte Basis.

An alles gedacht

Die dafür notwendige, ruhige Führung des Tonabnehmers besorgt ein passend-vormontierter Tonarm aus Aluminium und Carbon. Dabei scheint es sich um ein recht leichtes Exemplar zu handeln, das durch seine hochwertigen Materialen sämtlichen Anforderungen an Stabilität und Steifigkeit gerecht wird. Das Headshell ist mit lediglich einer Schraube am Tonarmrohr befestigt. Somit genießt es absolute Freiheit für die Feinjustage diverser Tonabnehmer und unterschiedlichster Bauformen, falls mal ein anderer Tonabnehmer montiert werden soll. Somit wäre der Miracord 90 also auch gleich updatefähig. Besonders gut hat mir das andere Ende des Tonarms, genauer die Einstellung der Auflagekraft, gefallen. Sie lässt sich über das Gegengewicht besonders feinfühlig verändern. Das Antiskating wird von einem kleinen Gewicht besorgt, das an einem Faden befestigt ist und den Tonarm durch seine Lage durchgehend nach außen treibt. Mit diesem kleinen Trick wird die Skatingkraft kompensiert, die durch die Reibung des Diamanten in der Plattenrille entsteht und den Tonarm zur Plattenmitte zieht. Ein tatsächlich sehr wichtiger Punkt, denn ohne die Kompensation dieser Kraft können ungewollte Verzerrungen entstehen, während sich der Diamant einseitig abnutzt. Zu stramm eingestellte Tonarm-Lager, wie sie schonmal in anderen Tests bemängelt wurden, konnte ich bei unserem Testexemplar nicht feststellen. Nach der Abtastung wird das Signal dann auf die Rückseite des Plattenspielers geschickt, wo es an zwei hochwertigen Cinch-Buchsen des Essener Stecker-Spezialisten WBT anliegt. Ein passendes Kabel zur Phonostufe gehört selbstverständlich ebenso zum Lieferumfang des Miracord 90. Bleibt noch der letzte Teil des Plattenspielers zu begutachten: Die ziemlich aufwändige Steuerung. Der sichtbare Teil besteht aus einem runden Knopf, der von einem Ring mit eingelassener mehrfarbiger LED umschlossen ist. Über den äußeren Ring wird der Motor eingeschaltet und die Drehzahl gewählt. Die klassischen Geschwindigkeiten 45 und 33 Umdrehungen pro Minute für Singles und Langspielplatten stehen dabei zur Wahl. Der innere Knopf ist drehbar und dient zur Feineinstellung der Drehzahl, in Fachkreisen Pitch genannt, die damit im Rahmen von +/- fünf Prozent angepasst werden kann. Das ist möglich, da der erwähnte Gleichstrommotor über eine aufwändige Regelung verfügt, wobei wir beim nicht sichtbaren Teil der Motorelektronik wären. Sie hält die Tellerdrehzahl permanent im Blick und regelt nach, falls notwendig. Die mehrfarbige LED gibt im Betrieb Auskunft über den aktuellen Zustand der Drehzahl: Grün bedeutet zu langsam, Rot zu schnell. Weiß hingegen steht für die Einhaltung der Toleranz, also für die Nenndrehzahl. Ein Masselaufwerk – also einen Plattenspieler, der mittels Gewicht für Laufruhe sorgt – mit aktiver Regelung der Drehzahl ist tatsächlich eher untypisch. Gebräuchlicher ist es, die Schwungmasse des Tellers zur passiven Drehzahlstabilisation zu benutzen oder einen leichten Plattenteller aktiv zu regeln. Elac versucht mit seinem Aufbau hingegen die hohe Laufruhe eines schweren Tellers mit der genauen Einhaltung der Drehzahl zu verbinden und so gewissermaßen das Beste aus beiden Welten zu vereinen. In der Theorie perfekt, ob das in der Praxis so gut funktioniert wie erhofft, klären wir nun.

Rückseitig am Miracord 90 finden sich die obligatorischen Cinchausgänge, sowie ein Masseanschluss. Mehr Anschlüsse braucht es nicht.

Energie, Kontrolle und Feinauflösung

Die Inbetriebnahme des Miracord 90 Anniversary könnte einfacher kaum sein, der Plattenspieler wird in einem riesigen Karton fast Spielfertig geliefert. Ist eine feste, ebene und vibrationsarme Stellfläche für ihn gefunden, müssen rückseitig nur noch Netzteil und Phonostufe angeschlossen werden. Die passenden Kabel liegen natürlich bei. Im nächsten Schritt wird der schwere Plattenteller samt Filzmatte nun vorsichtig auf den Subteller aufgelegt. Fehlt noch der Riemen, der in einem edel anmutenden Schächtelchen auf seinen Einsatz wartet. Ist er seiner Behausung entnommen, wird er vorsichtig um den Teller gelegt und anschließend rüber zum Pulley gespannt. Anschließend wird noch das kleine Antiskating-Gewicht am Tonarm montiert. Das ist eine recht filigrane Angelegenheit, die aber dank bebilderter Anleitung selbst für ungeübte HiFi-Freunde zu bewerkstelligen sein sollte. Zu guter Letzt wird noch kurz die Auflagekraft des Tonabnehmers kontrolliert. Ist das geschehen, steht dem Hörvergnügen nichts mehr im Wege.
Der Test startet nun am Magnat MR 780 Stereo-Receiver und Cantons Standlautsprechern Chrono 509 mit gänzlich unaudiophiler Musik: „Jagt und Hund“ von Love A. Kaum aufgelegt, stellt der Miracord 90 gleich klar, dass er voller Energie und Zug imstande ist mitreißenden, energiegeladenen Post-Punk (oder so) abzuliefern. Nennenswerte Schwächen leistet er sich dabei nicht, vor allem nicht klanglich. Lediglich die Stabilisierung auf Nenndrehzahl dauert einen Moment, das kennt man aber auch von sehr vielen anderen Plattenspielern. Bevor man also den ölgedämpften Tonarmlift betätig, um den Abnehmer auf die Platte zu senken, sollte die LED dauerhaft weiß leuchten. Hat sich die Drehzahl einmal stabilisiert, so gibt es in Sachen Gleichlauf absolut nichts zu beklagen. Der Elac 90 Anniversary wird jetzt zu einem regelrechten Feingeist, die Implementierung der Drehzahlregelung ins Masselaufwerk scheint also geglückt. Der elliptische Diamant des Abtasters holt dabei offensichtlich tatsächlich mehr aus der Rille. So präsentiert sich die Wiedergabe besonders im Hochton feiner aufgelöst und detailliert. Erkauft wird die gute Auflösung allerdings mit einer relativen Empfindlichkeit gegenüber Staub und anderen Verunreinigungen der Platte, auch sie werden jetzt ungefiltert hörbar. Einen echten Vorwurf kann man dem Miracord 90 diesbezüglich jedoch nicht machen, fehlerfreie Platten vorausgesetzt, ist die feine Auflösung ein Segen, kein Fluch.

Der tief ins Gehäuse eingelassene Drehregler erlaubt die Wahl der Drehgeschwindigkeit (33,3, 45 upm) und das Pitch-Control.

In meinem Test scheint am ehesten die im MR 780 integrierte Phonostufe hier eine Grenze zu setzen, an einem dedizierten und hochwertigeren Röhrenphonoverstärker – auf den ich kurz darauf wechsele – legt der Klang nämlich nochmal merklich zu. Was dem einen Freud ist des anderen Leid, dank der beeindruckenden Performance des Elac kommen nun auch meine Nachbarn in den Genuss das grandiose Bob-Dylan-Weihnachtsalbum „Christmas in the Heart“ in voller länge zu genießen. Die Musik auf dieser sehr gut produzierten LP passt mit ihrer klassischen Instrumentierung hervorragend zur liebevoll detaillierten Spielweise des Miracord 90. Das Klanggeschehen wird sorgsam arrangiert und auch das letzte Krächzen aus Bob Dylans Kehle zelebriert. Ein knisternder Kamin, etwas Schnee und die Weihnachtsidylle wäre perfekt. Der ultimative Test für meinen Testgast ist aber natürlich eine Schallplatte aus dem Hause Elac. Ein Exemplar, das ich zufällig ebenfalls besitze. Mit „Red Meat“ von Otis Taylor beginnt diese dann gleich mit einer echten Blues-Größe. Sofort fällt auf: die in Verbindung mit In-Akustik besonders audiophil produzierte Platte hält auf 45 Umdrehungen pro Minute deutlich mehr Informationen bereit als eine Standard-LP. Der Miracord 90 nimmt die Qualitätssteigerung dankbar an und reicht einen ausgewogenen, detaillierten und durchhörbaren Klang an seine Spielpartner weiter. Auf der zweiten Seite folgt ein anderer Taylor, Vorname Allan, mit dem Titel „All Is One“: Gitarren, Percussion, eine Stimme und ein in alle Richtungen scheinbar endloser Raum. Auch wenn es sich bei dem Song vielleicht um typische HiFi-Vorführmusik handelt, macht es unbestreitbar Spaß ein paar Minuten vollständig in diese Klangwelt abzutauchen und zu genießen. Der Miracord 90 Anniversary macht das definitiv möglich.

Am hinteren Teil des Tonarms lässt sich die Auflagekraft in feinen Schritten optimal justieren.

Fazit

Mit dem Miracord 90 Anniversary hat sich der deutsche Lautsprecherhersteller Elac selbst ein würdiges Geschenk zum Neunzigsten gemacht. Das generationsübergreifende Projekt des ehemaligen Plattenspieler-Spezialisten ist tatsächlich ein voller Erfolg. Der hochwertige Vinyldreher überzeugt durch ein modernes Design, eine geradlinige Formensprache und einen umfangreichen Lieferumfang. Dank komplett vormontierter Einheit aus Tonarm und Tonabnehmer ist die Inbetriebnahme zudem kinderleicht und auch von technisch unerfahrenen HiFi-Fans schnell durchgeführt. Der Klang steht der schicken Erscheinung und hervorragenden Handhabung in nichts nach – er überzeugt durch Detailreichtum, eine tolle Bühnendarstellung und Stimmigkeit. Alles in allem ein rundum gelungenes Gesamtpaket, das zu Listenpreis von 2500 Euro kaum Wünsche offen lässt.

Test & Text: Jonas Bednarz
Fotos: www.lite-magazin.de, Herstellerbilder

Gesamtnote: 1+
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

98 %

94 %

98 %

171208.Elac-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Elac
Miracord 90 Anniversary
Produktkategorie:Plattenspieler
Preis:2.499,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Schwarz Lack Hochglanz
- Weiss Lack Hochglanz
- Nussbaum geölt
Vertrieb:Elac, Kiel
0431/647740
www.elac.de
Abmessungen (HBT):170 x 470 x 360 mm mm
Gewicht:17,1 kg
Antrieb:Riemenantrieb
Geschwindigkeiten:- 33 ⅓ Upm
- 45 Upm
Ausgang (analog)1 x Cinch
- Line-Level: 155 mV (–16 dB)
- Phono-Level: 3,5 mV (+/–3 dB)
Pitch:+/- 5 Prozent
Lieferumfang:- Miracord 90 Anniversary
- Kabel
- Tonarm
- Abtastsystem
Besonderes:- modernes Design
- Lieferung mit MM-System (Audio-Techica/Elac)
- Systemträger ab Werk montiert und justiert
- hervorragende Verarbeitung
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1+
Gesamtnote:1+
Klasse:Oberklasse
Preis-/Leistung:hervorragend

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