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Redakteur

Plattenspieler im High End-Bereich – wer hier klobige Boliden mit gewichtigen Mühlsteinen im Kopf hat, darf umdenken: Die britischen Analog-Spezialisten von Avid HiFi kreieren luftige Subchassis-Laufwerke, die ästhetische Anmutung mit höchster Klangqualität kombinieren. Dafür bürgen neben der kunstvollen Federung die konsequente Auslagerung des Motors und der Stromversorgung sowie die Bestückung mit ausgesuchten Armen und Abtastern. Mit dem Avid Sequel SP demonstrieren die Engländer, wie man frei von störenden Schwingungen die reine Musik aus der Rille holt.

Der Avid Sequel SP ist mit seiner ästhetischen, leichten Erscheinung überaus wohnzimmerfreundlich.

Subchassis? Wer sich zu diesem Begriff schlau macht, ist gleich mittendrin im Meinungsstreit der Vinylisten: Hier die Verfechter das Masse-Laufwerks, die störende Schwingungsenergie vom Gerät ableiten und dabei gerne auch mit massivem Materialeinsatz für Ruhe sorgen, dort die Advokaten des Subchassis-Laufwerks, die unerwünschte Vibrationen im wahrsten Sinne des Wortes abfedern. Ein solcher Subchassis-Plattenspieler besteht aus einem äußeren Gehäuse und einem inneren Gehäuse, dem Subchassis. Auf diesem Subchassis sind der Plattenteller und der Tonarm montiert – also die Teile des Plattenspielers, die empfindlich auf mechanische Schwingungen reagieren. Um sie vor Vibrationen zu schützen, ist das Subchassis auf Federn gelagert, dies sind grundsätzlich die einzigen Kontakte zum äußeren Gehäuse. Dadurch werden externe Einflüsse wie Trittschall absorbiert, aber auch feine interne Schwingungen, die durch den Abspielvorgang vom Plattenspieler selbst erzeugt werden. Diese Fremdschwingungen werden nun nicht mehr von der Nadel registriert, sie fallen als ungewollte Klang-Additive weg. Das System überträgt also allein das Musiksignal. Das Resultat: ein unverfälschtes, stabiles und ruhiges Klangbild. Soweit die Theorie, schauen wir mal, wie das beim Avid Sequel SP realisiert ist.

Das Subchassis ist auf drei Federn gelagert, sie werden durch den Aufsatz nicht etwa gestaucht, sondern auseinandergezogen.

Mechanisches Meisterwerk

Äußeres Gehäuse, inneres Gehäuse – das hört sich nach einem Bollwerk an. Doch hier erleben wir so ziemlich das Gegenteil: Avid demonstriert mit dem Sequel SP, wie ästhetisch, luftig und filigran ein solches Subchassis-Laufwerk konstruiert sein kann – trotz eines ordentlichen Gesamtgewichts von über 12 Kilogramm. Das ist kein Wunder, denn Conrad Mas, Entwickler und Chef von Avid HiFi, hat sich zu jeder Schraube dieses Plattenspielers intensive Gedanken gemacht und den Sequel SP stetig optimiert. Fangen wir unten an, mit dem Außengehäuse. Es besteht aus einer massiven, 24 Millimeter dicken Grundplatte. Abgesehen von einer Ausbuchtung ist sie wie ein elegant tailliertes Dreieck geformt. Diese Grundplatte thront auf drei Füßen. Sie sind höhenverstellbar, so kann man den Avid Sequel SP absolut waagerecht ausrichten. Von dem Boden ragen nun vier Zylinder in die Höhe. Drei davon sind die Behausungen für die Federn, auf ihnen ruht das Subchassis. Die Spannung dieser Federn lässt sich justieren, so bekommt man auch das komplette Subchassis exakt in die Horizontale. Diese Drei-Punkt-Federlagerung sorgt nun für ein kontrolliertes Schwingen des Subchassis nach oben und unten. Doch was ist mit den seitlichen Bewegungen? Um diese lateralen Auslenkungen in den Griff zu kriegen, wendet Avid ein einfaches, aber effektives Mittel an: Von jedem federführenden Zylinder des äußeren Gehäuses ist ein Gummiring zum Subchassis gezogen, diese dreifache definierte Verspannung unterbindet jeglichen seitlichen Swing. Nun zum vierten Zylinder: Dies ist der Motor, der den Plattenteller über Riemen antreibt – nicht über einen, sondern gleich über zwei Rundringe. Durch die Verdopplung ändern sich die Kräfteverhältnisse, die Zugkraft steigt. Dies bewirkt auch klanglich eine Veränderung, es führt zu einem leichten Mehr an Bass und einem Plus bei der Dynamik. Motor und Plattenteller stehen nur über diese beiden Riemen in Kontakt, Antrieb und Subchassis sind somit ebenfalls mechanisch entkoppelt, die Vibrationen des Motors werden also nicht zur Plattennadel übertragen.

Der kräftige Motor treibt den Plattenteller über gleich zwei Rundriemen an.

Edel-Etage mit Subchassis, Arm und Abtaster

Nun zum Subchassis selbst. Es ist quasi wie eine erste Etage auf die Federlagerung des Außengehäuse aufgesetzt: Dabei entdecken wir ein Aluminium-Guss-Gebilde der ganz eigenen Art: Die grundsätzlich dreieckige Formung ist durch Vertiefungen und Verstrebungen stabilisiert und klanglich neutralisiert. Hier schwingt nun wirklich gar nichts. An der linken Seite sorgt eine Aussparung dafür, dass das Subchassis keine Berührung mit dem direkt benachbarten Motor hat, und an der hinteren Seite führt ein Ausleger zur Basis, auf die der Tonarm montiert wird. Der Avid Sequel SP ist ausschließlich für Neun-Zoll-Arme ausgelegt, die Aufnahme ist standardmäßig für Modell des britischen Top-Herstellers SME gefräst. Sie ist aber auch für alle Konkurrenzprodukte geeignet, die sich an die SME-Maße als Quasi-Norm halten. Avid bietet für verschiedene Arme verschiedene Adapter an. Unser Testmodell ist mit dem SME 309 ausgestattet, einem High End-Tonarm mit einem Magnesiumrohr aus einem Stück, der allein schon fast ein Drittel des Avid-Laufwerks kostet. Der Tonarm ist mit dem MP-150 von Nagaoka bestückt, dies ist ein sogenanntes Moving Iron-System, hier schwingt ein mit dem Nadelträger verbundener Weicheisenstreifen. Er kann durch sein geringes Gewicht äußerst flott vibrieren. Magneten und Spulen sind hingegen fest verankert und dürfen deshalb etwas größer dimensioniert sein. Dadurch liefert dieses System eine höhere Ausgangsspannung. Die Abtastung selbst geschieht mit einem elliptisch geschliffenen Diamanten. Avid setzt also sowohl bei Tonarmen als auch bei Abtastsystemen bislang gerne auf renommierte Hersteller, doch Conrad Mas arbeitet mit Hochdruck an der Vollendung eigener Arme und Abtaster. Zur nächsten High End sollen sie perfekt sein und dann natürlich auch die eigenen Laufwerke schmücken.

Das Subchassis ist aus spezialbeschichtetem Alu-Druckguss gefertigt. Dies ermöglicht die komplexe Pfeilform mit Vertiefungen und Verstrebungen.

Alles bestens auf Lager

Neben Gehäuse und Antrieb, Arm und Abtastsystem sind der Plattenteller und sein Lager zwei einflussreiche Bestandteile eines Vinyldrehers. Avid setzt auch beim Sequel SP auf ein Inverslager. Das heißt: Die Lagerachse ist in das Laufwerk eingebaut und ragt hier nach oben heraus, der Plattenteller wird auf diese Spindel aufgesetzt. Conrad Mas hat hier viel Know-how und Material eingebracht, um die Kontaktflächen und damit die Reibung möglichst gering zu halten. Deshalb ist die Edelstahlspindel konisch geformt, durch diese leichte Verjüngung nach oben hat sie nur wenig Berührungsfläche zu den Seiten der übergestülpten Trägerhülse, auf der der Teller ruht. Die wichtigste Kontaktstelle ist aber der Übergang von der Spitze der Spindel zum Kanalende der Hülse: Dieser Übergang bestimmt, wie leicht der Plattenteller sich drehen kann. Avid hat diese Kontaktfläche zu einem Punkt verkleinert. In den Boden der Hülse ist ein kleiner Saphir eingelassen. Auf der Spindelspitze wiederum thront eine Kugel aus Wolframcarbid.

Die konische Spindel des Inverslagers beherbergt eine ultraharte Kugel aus Wolframcarbid.

Dieses Material ist extrem hart, deshalb hält es sowohl dem Saphir als Gegenstück als auch der punktuellen Belastung stand. Durch diese aufwändige Punkt-Lagerung kann der Plattenteller fast reibungsfrei rotieren. Die Masse der Trägerhülse – sie wiegt 732 Gramm – befördert hierbei die Stabilität der Drehung. Auch der Plattenteller liefert hier mit fast sieben Kilogramm seinen Beitrag. Damit das spezialbeschichtete Metall nicht in Schwingung geraten kann, ist der Teller von einem dicken Gummiring umspannt, eine fest aufgebracht Korkmatte als Tellerauflage bedämpft ebenfalls unerwünsche Resonanzen. Doch Avid geht noch ein Stück weiter: Zum Sequel SP gehört serienmäßig eine 400 Gramm wiegende Plattenklemme. Sie wird nach Auflegen des Vinyls auf den Gewindedorn der Trägerhülse aufgeschraubt, sie presst so die Platte an und sorgt damit für eine feste Verbindung von Tonträger, Teller und Lager. Damit das Plattenlabel nicht leidet, ist die Klemme mit einer freilaufenden Andruckscheibe versehen.

Das Gegenstück: Am Boden der Lagerbuchse ist ein kleiner Saphir eingelassen – nur er hat Kontakt mit der Wolframcarbid-Kugel.

Starker Antrieb mit externem Netzteil

Zum ruhigen und stabilen Lauf eines Plattenspielers gehört ein erstklassiger Antrieb. Qualitätsmerkmale sind die konstruktive Abkopplung durch Auslagerung des Motors und seine mechanische Entkopplung durch das Riemenantriebsprinzip. Zur Güte trägt weiterhin die Kraft des Motors und sein Gleichlauf bei. Avid verwendet einen handgefertigten, besonders starken 24 Volt-Motor. Er wird von einem externen Netzteil mit Strom versorgt. Hier wird aus dem elektrisch gesehen schmutzigen Steckdosenstrom die nötige schwankungsfreie und reine Wechselspannung für den Motor generiert. Zugleich bringt eine elektronische Steuerung den Antrieb auf eine ultragenaue und vollkommen stabile Drehzahl. Diese Sequel Power Supply ist dem Plattenspieler in punkto Solidität und Verarbeitung absolut ebenbürtig. Durch die aufwändig gestaltete Front aus gebürstetem Aluminium ist sie auch optisch sehr präsentabel. Die Verbindung zum Motor entsteht über ein robustes, stoffgemanteltes und 140 Zentimeter langes Kabel. Das ermöglicht es, das Netzteil entfernt vom Plattenspieler aufzustellen. Dies hat allein schon akustisch Vorzüge, weil Netzteile elektromagnetische Einstreuungen bescheren können, für die gerade Plattenspieler empfänglich sind. Auch für Freiheiten bei der Aufstellung ist diese lange Leitung vorteilhaft. Für eine sichere Verbindung sorgt beidseitig jeweils ein DIN-Stecker, der mit seiner Überwurfmutter an die zugehörige Buchse angeschraubt wird. Die Positionierung des Netzschalters an der Stromquelle ist dann very british: Er befindet sich vorn auf der Geräteunterseite. Die Sequel Power Supply erlaubt mit zwei Tastern für 33 1/3 und 45 Umdrehungen pro Minute die beiden gängigen Geschwindigkeiten. Sehr schön: Wer beide Tasten zugleich und über eine längere Zeit drückt, kann dann die Geschwindigkeit kalibrieren. Für diese Feineinstellung ist allerdings zusätzlich ein Stroboskop nötig.

Das externe Netzteil versorgt den Plattenspieler nicht nur mit hochreinem Strom, sondern bürgt durch eine Steuerungselektronik auch für absolut stabilen Gleichlauf. Per Knopfdruck wählt man hier die richtige Umdrehungszahl.

Aufstellung und Einrichtung

Der Avid Sequel SP erreicht unser Redaktion schon vormontiert und eingestellt. Wir brauchen also die eigentlich nötigen Arbeiten nicht leisten: abstandsrichtige Montage des Tonarms, Anschließen und Anschrauben des Abtastsystems unter die Headshell, längenrichtige und absolut waagerechte Fixierung dieser Kopfplatte, Einstellen der Auflagekraft und der Antiskating-Kraft. Wer möchte, bekommt den Avid Sequel SP vom Vertrieb schon vormontiert geliefert, der restliche Aufbau ist mit der Bedienungsanleitung wirklich auch für Ungeübtere gut zu bewältigen, sofern man über Englisch-Kenntnisse verfügt. Für die Einstellarbeiten darf man bei dieser Preisliga aber gerne den Händler konsultieren und in Anspruch nehmen, zumal der Plattenspieler ja auch mit einem anderen Tonarm und einem alternativen System bestückt werden kann. Der Avid Sequel SP an sich besteht allein aus dem Laufwerk – also: Außengehäuse, Subchassis, Motor samt Stromversorgung und Plattenteller samt Lager. Apropos Lager: Hier ist beim Zusammenbau Obacht geboten, wenn man die Hülse überstülpt. Der Saphir im Buchsenboden ist schlagempfindlich, wer die Hülse einfach auf die Spindel fallen lässt, zersplittert mal eben 150 Euro. Bei der Aufstellung des Avid Sequel SP hat man durch das Subchassis-Prinzip mit seiner exzellenten Entkopplung viele Freiheiten: Es reicht eigentlich eine ebene, stabile Fläche. Wer aber noch die letzten Prozent herausholen will, ist mit einem Audio-Rack oder einer eigenen Wandhalterung sicher gut beraten. So oder so: Das Netzteil sollte ein wenig Platz um sich haben, da das Metallgehäuse der Stromversorgung zur Wärmeableitung genutzt wird.

Der Avid Sequel ist für Neun-Zoll-Tonarme ausgelegt, die Basis für Modelle des renommierten britischen Herstellers SME vorgefräst – und dessen-Arm SME 309 adelt unser Testmodell. Als Tonabnehmer ist unter die Headshell das Nagaoka MP-150 geschraubt.

Nun noch die Verkabelung: Zur Stromversorgung hin bietet das lange Kabel Flexibilität, zum Verstärker hin ist man mit der 110 Zentimeter messenden Signalleitung ebenfalls ziemlich frei. Sehr gut: Zur etwaigen Rettung des Kabels ist die Grundplatte des Avid Sequel SP mit einer Zugentlastung ausgerüstet. Beim Signalstrang kommt ein edles Kabel zum Zuge, das van den Hul D-501 Hybrid. Um Brummen zu verhindern, ist das Kabel mit gleich drei Erdungsleitungen ausgestattet: Eine Erdung begleitet das Kabel über seinen gesamten Weg vom Plattenspieler zum Verstärker, zwei weitere sind mit den verstärkerseitigen Cinch-Steckern verbunden. Mehr Erdung geht nicht. Kommen wir zum Aufziehen des Doppelriemens, das ist ein wenig Filigranarbeit. Die beiden O-Ringe werden über die erhabene innere Scheibe der Plattenteller-Unterseite gelegt und dann über einen steckbaren Führungsstift am Rand des Tellers gespannt. Nun wird der Teller sanft auf die Aufnahme gelegt, und zwar und so, dass sich der Führungsstift des Plattenspielers zwischen Motorpulley und der Federaufnahme vorne links befindet. Jetzt kommt der anspruchsvolle Part: Der Teller muss ein wenig gedreht werden, bis die beiden Riemen in den zwei Nuten des Antriebsrads liegen. Hier ist mitunter ein wenig händische Nachhilfe geboten – ohne dass der Riemen vom Plattenteller abrutscht. Wenn’s geklappt hat: Stift abziehen. Wenn’s nicht geglückt ist: zurück auf Los. Nach zwei „Ehrenrunden“ haben wir es geschafft, nun kommt das Vinyl auf den Teller und wird mit der Klemme ordentlich fixiert. Die Platte bitte vor dem Abspielen von etwaigem Staub reinigen, auch die Plattenspielernadel dankt einem die Befreiung von Flusen und Fusseln. Die dafür geeigneten Bürsten und Reinigungsflüssigkeiten gibt’s beim Fachhändler oder in Online-Shops, etwa bei Protected, hier bekommt man sämtliches Zubehör für HiFi und Heimkino.

Die Unterseite des Plattentellers: Hier werden die beiden Rundriemen aufgespannt. Der zwischenzeitlich eingesetzte silberne Führungsstift hilft, die Riemen nun auch über das Antriebsrad des Motors zu lupfen.

So klingt der Avid Sequel SP

Wir haben den Avid Sequel SP an einen würdigen Spielpartner angeschlossen, den Gold Note IS-1000 mit seinem dedizierten, exquisiten Phono-Vorverstärker. Als Schallwandler wirken die kraftvollen Canton Vento 890.2. Die erste Musik, die wir auflegen ist Tom Pettys LP „Highway Companion“ – und hier der Opener von Seite eins: „Saving Grace“. Ein grandioser Song, der uns gleich mit den ersten Tönen fesselt: Was für eine tolle, crispe Crunch-Gitarre! Tom Petty stoppt jeden Saiten-Anschlag sofort wieder mit dem Ballen seiner rechten Hand ab, dieses charakteristische Palm Mute-Geräusch besitzt eine derartige Präsenz, dass wir sofort den Kopf in die Mitte richten: Etwa ein Meter vor den Boxen scheint Petty mit seiner Gitarre leibhaftig zu stehen! Eine exzellent gelungene plastische Illusion! Die Wiedergabe seines Gesang ist nicht weniger beeindruckend: Pettys leicht nasales und brüchiges Organ war nie der pure Wohlklang, aber seine Stimme ist immer charakteristisch und charismatisch, und da er jetzt ja direkt vor uns steht und sich zweifelsfrei an uns wendet, können wir gar nicht anders: Wir folgen fasziniert seinem erzählten amerikanischen Road-Trip auf der Suche nach Erlösung. Das nun folgenden Händeklatschen rechts hinten eröffnen wunderbar die räumliche Tiefe dieser Produktion – aber richtig ins Staunen versetzt uns der Einsatz der kompletten Band: Was für ein Druck vom Schlagzeug, was für ein Schub vom Bass! Der gerade noch so staubtrockene Track hat auf einmal eine fulminante Fülle und Opulenz! Trotz dieses Schubs hat der Avid Sequel SP alles unter Kontrolle, das zeigt sich auch bei späteren Dynamiksprüngen.

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https://www.youtube.com/watch?v=RaoLIOE9tYA

Generell lässt sich dieser Plattenspieler nicht aus der Ruhe bringen – auch nicht durch äußere Vibrationen, selbst bei deutlichen Anstößen. Was wir in unserer obigen Video-Preview schon demonstriert haben, hält auch der akustischen Überprüfung stand. Wir legen Musik von einem Klangzauberer auf: Das Album „Up The Downstair“ von Porcupine Tree. Steven Wilson ist der Kopf dieser Prog-Rock-Band – als Sänger und Multi-Instrumentalist, aber ebenso als Mann an den Knöpfen und Reglern. Wilsons Produktionen sind klanglich schlicht premium. Wir wählen von der LP das epische Elf-Minuten-Opus „Burning Sky“ – und schweben mit einem Mal in Wilsons Klangkosmos. Der besteht aus rockigen Episoden, die aber immer wieder von ätherischen Keyboard-Passagen und Geräuscheinspielungen eingeleitet, unterbrochen und überlagert werden. Wir testen nun an verschiedensten Stellen des Songs, wie der Avid Sequel SP auf Berührung und Bewegung des Subchassis reagiert – mensch, bleibt der unbeeindruckt! Selbst größere Auslenkungen gleicht er aus, ohne das die Klangkontinuität und -qualität leidet: Die Nadel bleibt stoisch in der Rille. Ohne Anstöße können wir dann einfach die Gelassenheit genießen, mit der der Avid Sequel SP die Musik aus dieser Rille holt. Der Klang ist frei von jeglicher Härte oder Harschheit, rund, warm, klar und voll – und wir erleben eine Wiedergabe, die unabhängig vom aktuellen musikalischen Geschehen mit großer Entspannung und Ruhe vonstatten geht. Grandios! Das ist eine gute Nachricht für alle, die das Gefühl haben, dass selbst ihre guten Platten zu stark knistern und rauschen, dass das Klangbild zu dünn ist oder dass die gesamte Wiedergabe von einer gewissen Getriebenheit und Anspannung geprägt ist: Es geht auch ganz anders!

Federn sorgen für die vertikale Lagerung, gegen seitliche Bewegungen hingegen wirken drei Gummiringe, sie halten das Subchassis in Position.

Uns treibt nun die Neugier: Was passiert, wenn wir mal die Gummis reduzieren? Als erstes nehmen wir die O-Ringe ab, die das Subchassis in Position halten und seitliche Bewegungen vermeiden sollen. Subchassis ohne eine solche Stabilisierung stehen im Ruf, aufgrund dieser schwimmenden Lagerung ein schwammigeres Klangbild zu liefern. Und wirklich: Die Fokussierung, die Präzision und Klarheit und damit die Präsenz der Musik ist nun merklich geringer! Das hätten wir in diesem Deutlichkeit nicht erwartet. Also: Halteringe wieder drauf. Was passiert nun, wenn wir einen der beiden Antriebsriemen abnehmen? Dadurch verändert sich ja das Kräfteverhältnis: Die Zugkraft wird geringer, dadurch sinkt die Belastung der Motorachse. Wir testen die Auswirkung mit anderer Musik: mit der Sechsten Sinfonie von Gustav Mahler in der Aufnahme mit dem Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks unter Rafael Kubelik, aufgenommen 1968, wieder neu aufgelegt von dem audiophilen Label audite. Mit zwei Riemen erleben wir eine packende Darbietung mit einem wunderbar gestaffelten Orchester. Es hat viel Raumtiefe, ist transparent abgebildet und hat bei den vielfachen Tempo- und Dynamik-Steigerungen im eröffnenden „Allegro energico“ ordentlich Schmackes – Wumms wäre bei dieser eher schlanken Aufnahme doch übertrieben. Nehmen wir einen Riemen ab, ist der Schmackes doch eine Nuance geringer, das gesamte Orchester hat ein wenig an Volumen eingebüßt, gerade in den Bass-Registern. Erstaunlich! Auch beim Quercheck mit den anderen gehörten Langspielplatten bestätigt sich dieser Eindruck: Das Optimum an Bass und Dynamik erreichen wir mit zwei Riemen – so wird auch bei Tom Petty der grandiose Einstige der gesamten Band wieder zu diesem herrlichen Erlebnis, das uns beim ersten Mal überrascht hat – und nun für Gänsehaut sorgt.

Der Avid Sequel SP ist ein wohnzimmerfreundlicher Plattenspieler: Sein Subchassis ermöglicht eine unkomplizierte Aufstellung, durch die langen Kabel kann das Netzteil auch weniger präsent positioniert werden.

Fazit

Der Avid Sequel SP zeigt, wie gut ein Subchassis-Laufwerk sein kann: Er glänzt mit herausragender Transparenz und Klarheit, mit herrlicher Dynamik und Sensibilität, mit außerordentlicher Ruhe und Kraft in der Darstellung. Für diese Exzellenz sorgt neben der amtlichen Drei-Punkt-Federlagerung mit seitlicher Stabilisierung ein aufwändiges, extrem reibungsarmes Inverslager, ein ausgelagerter kraftvoller Motor, der den Plattenteller durch eine externe Spannungsversorgung samt Drehzahlsteuerung exakt und stabil antreibt, und ebenso eine Kraftübertragung durch gleich zwei Antriebsriemen. Der Avid Sequel SP ist von unten bis oben auf Resonanz- und Schwingungsarmut getrimmt, die Plattenklemme ist dabei die sichtbare Krönung. Das Laufwerk wird bei unserem Testmodell durch einen großartigen Tonarm, den SME 309, und ein sehr gutes Abtastsystem, das Nagaoka MP-150, geadelt. Diese Bestückung ist kein Muss, auch mit anderen passenden Kombinationen wird der Avid Sequel SP für das sorgen, worum sich doch alles dreht: Spaß an der Musik durch eine herausragende Vinyl-Wiedergabe.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen

94 %

92 %

90 %

180328.Avid-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Avid
Sequel SP
Produktkategorie:Plattenspieler
Preis:Testmodell-Ausstattung:
- Avid Sequel SP: 8.900,00 Euro
- SME 309: auf Anfrage
- Nagaoka MP-150: 379,00 Euro
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:Schwarz
Vertrieb:IDC Klaassen, Lünen
Tel.: +49 231 / 9 86 02 85
www.idc-klaassen.com
Abmessungen (HBT):- Laufwerk (Aufstellfläche): 375 x 325 mm (B x T)
- Laufwerk (über alles): 205 x 425 x 370 mm
- Netzteil: 95 x 250 x 215 mm
Gewicht:- Teller: 6,7 kg
- Laufwerk komplett: 12,3 kg
- Netzteil: 3,5 kg
Prinzip:- Laufwerk: Subchassis-Prinzip (Drei-Punkt-Federlagerung)
- Lager: Inverslager (Spindel: Edelstahl, Lagerdorn: Wolframcarbit / Saphir)
- Anrtrieb: Riemenantrieb (Doppelriemen)
Tonarmbasis:standardgefräst für SME (Adapter auf Bestellung)
Tonarm (optional):SME 309 oder anderer 9-Zoll-Tonarm
Tonabnehmer (optional):- Nagaoka MP-150 o.a.
Geschwindigkeiten:33 ⅓ und 45 UpM
Lieferumfang:- Avid Sequel SP
- externes Netzteil inklusive Steuerelektronik
- Netzkabel (1,40 m)
- Signalkabel (DIN-Stecker, 1,10 m)
- 2 Antriebsriemen, rund
- 3 Fixierungsringe
- Korkmatte (fest mit dem Plattenteller verbunden)
- Plattenklemme
- Bedienungsanleitung (Englisch)
Besonderes:- exzellenter Klang
- leichte Anmutung
- ausgezeichnete Verarbeitung
- aufwändiges Motorkonzept mit externem Netzteil und kalibrierbarer Geschwindigkeitssteuerung
- Doppelriemen-Antrieb
- höhenverstellbare Füße für den Niveauausgleich
- Tonarmbasis standardgefräst für SME (Adapter auf Bestellung)
- Plattenspieler ab Werk vormontiert
- passende Abdeckungen als Zubehör erhältlich
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,1
Gesamtnote:1,0
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungangemessen

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