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Redakteur

Bei dem Namen Artera Solus liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei diesem HiFi-System von Quad um einen Einzelgänger handelt. Damit würde man dem All-in-One-Receiver mit CD-Player, D/A-Wandler, leistungsstarker Verstärker-Sektion und diversen Anschlussoptionen inklusive Bluetooth allerdings eine Menge Qualität absprechen. Tatsächlich ist der umfangreich ausgestattete Artera Solus nämlich ein sehr vielseitiger Teamplayer, der zudem bei Bedarf auch ganz wunderbar alleine klarkommt.

Verstärker, Wandler, CD-Player, Bluetooth-Modul etc. Der Quad Artera Solus nimmt all diese Funktionen in sich auf.

Diese Vielfalt ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer konsequenten Weiterentwicklung der Artera-Serie. Der Solus kann auf einen durchaus beliebten Familienkreis verweisen, die in Form der Verstärker/DAC/CD-Kombination Artera Play und Artera Stereo in dem einen oder anderen Haushalt zu finden sein dürfte. Schließlich gehört Quad schon länger zu den hochgeschätzten HiFi-Marken aus Großbritannien, was nicht zuletzt an der immer wiederhervorragenden Kombination aus leistungsstarker, moderner Technologie und einem von klarer Ästhetik geprägten Design liegt. So auch im Falle der ersten Artera-Mitglieder, die allerdings relativ viel Platz beanspruchen. Noch lange nicht zu vergleichen mit klassischen HiFi-Türmen des 20. Jahrhunderts, aber eben auch nicht unbedingt dem gegenwärtigen Trend entsprechend. So folgte der konsequente nächste Schritt in Form des Artera Solus, der quasi eine noch kompaktere Verschmelzung der beiden Einzelkomponenten verkörpert. Das geht natürlich mit ein paar Anpassungen und Kompromissen technischer Natur einher (dazu später mehr), optisch muss man allerdings keine Einschnitte hinnehmen.

Die zum Lieferumfang gehörige Fernbedienung ist übersichtlich gestaltet und liegt gut in der Hand.

Bewährtes Industrie-Design von Quad

Im Prinzip sieht der Artera Solus sogar genauso aus wie der Artera Play, schließlich teilen sich die beiden Geräte ein Gehäuse-Design. Man muss das Rad ja nicht neu erfinden. Insbesondere dann, wenn der vorhandene Entwurf mit dem minimalistischen Ansatz so gut gelungen ist. Ausgehend von einer quadratischen Grundfläche und schlichter Kastenform setzt der gerade einmal 10,5 Zentimeter hohe Receiver sehr effektive Akzente. Da wäre zunächst der im Verhältnis zum restlichen Gehäuse etwas kompaktere Gehäuseboden, der für einen schicken Stufeneffekt sorgt. Umgekehrt ist die Oberseite (sprich: der „Deckel“) des Solus etwas abgesenkt, sodass Platz für eine Glasplatte bleibt, die das Hersteller-Emblem raffiniert in Szene setzt. Das sieht man so definitiv nicht allzu oft und dementsprechend positiv fällt dieser visuelle Effekt auf. Damit aber nicht genug, insbesondere die Artera-Serie hat ja neben ihrer schlichten Ästhetik durchaus eine Vorliebe für praxisorientierte optische Spielereien. Das gilt insbesondere für die sehr aufgeräumte Aluminium-Frontplatte, die gerade einmal vier Elemente aufweist: das runde Display, den CD-Schlitz und zwei längliche Tasten.

Der Quad Artera Solus ist wohlproportioniert, zeitlos gestylt und ein echter Hingucker.

Die silberne Variante rückt diese vier Bestandteile etwas prominenter in Szene als die schwarze Ausführung, was vor allem beim Display zu sehen ist. Das ist in beiden Versionen pechschwarz und zeigt erst beim Einschalten, dass auch hier mehr zu entdecken ist als der erste Blick verrät. Hinter der kreisrunden Glasfläche verbirgt sich nämlich nicht nur die kontrastreiche und deshalb gut lesbare LED-Anzeige, hier sind auch zwei berührungsempfindliche Tasten versteckt. Die obere dient der Steuerung von Wiedergabe und Pause, die untere der Quellenwahl. Fast nahtlos geht diese Kombination in den Schlitz des CD-Laufwerks über, an dessen rechter Seite eine kleine Taste zum Öffnen beziehungsweise Schließen platziert ist. Zu guter Letzt findet sich der etwas isoliertere Standby-Button in der Front, der auch etwas großzügiger dimensioniert ist als die erste der beiden Tasten. Unterhalb der Frontplatte wird auf Bedienelemente komplett verzichtet, stattdessen sind hier der Kopfhöreranschluss sowie zwei LED zur Anzeige des Netzwerk-Status und der Stromzufuhr untergebracht.

Cleane Optik: Auffälligstes Merkmal in der Front des Quad Artera Solus ist das berührungsempfindliche Display.

Reichhaltiges Angebot für externe Spielpartner

Das Netzkabel wird hingegen selbstredend auf der Rückseite des Artera Solus angedockt, die ein sehr umfangreiches Anschlussfeld bereithält. Neben den außen platzierten Schraubklemmen für die Lautsprecherkabel gibt es jeweils fein säuberlich getrennte Bereiche für die analogen und die digitalen Ein- beziehungsweise Ausgänge. Im erstgenannten Segment umfasst das Feld zwei Stereo-Cinch-Eingänge sowie jeweils einen Vorverstärker-Ausgang (Cinch) und ein Paar symmetrischer XLR-Ausgänge. Im digitalen Bereich sind zwei koaxiale und zwei optische Eingänge vorhanden, dazu gesellt sich jeweils ein Ausgang dieser beiden Varianten. Darüber hinaus findet sich ein USB-B-Anschluss neben dem zentral positionierten Netzschalter, über den zum Beispiel Computer oder Laptops angeschlossen werden können. Der zweite USB-Anschluss dient hingegen lediglich zum Aufspielen von Updates – anderweitig wird er aber auch gar nicht benötigt. Schließlich nimmt der Artera Solus auch per Bluetooth Signale entgegen, was selbstverständlich dank Version 4.0 mit aptX auf höchstem Niveau geschieht.

Alles dran: Der Artera Solus bietet diverse analoge wie digitale Eingänge.

So schön das schon ist, geht der USB-Anschluss noch einen Schritt weiter. Auf diesem Wege unterstützt der Artera Solus nämlich auch HiRes-Signale. Verantwortlich dafür ist der Wandler-Chip ESS ES9018, der sogar bis zu 32 Bit verarbeitet (normalerweise ist die Bit-Tiefe auf 24 beschränkt) und generell als Indikator hochklassiger Komponenten herangezogen werden darf. Durchaus zu Recht, da er ziemlich beeindruckende Werte vorweist. PCM-Signale werden bis zu einer Abtastrate von 384 kHz unterstützt, die allerdings noch nicht unbedingt den Standard darstellen – Zukunftssicherheit hat aber noch keinem geschadet. Kein Problem für den Solus, der neben den Standardformaten von MP3, WAV, ALAC, FLAC und AIFF auch – jetzt wird es interessant – DSD64, DSD128 und DSD256 unterstützt. Um in den Genuss dieser Fähigkeiten zu kommen, muss man den Solus zwingend per USB-Eingang mit Signalen füttern, was angesichts digitaler Mediatheken eine naheliegende Entwicklung darstellt. Insbesondere der Anschluss von Computern und Laptops wie zum Beispiel einem ausrangierten MacBook als HiRes-Streamer bietet sich hierfür an. Wie genau dabei (oder bei Windows-Rechnern) vorzugehen ist, erklärt die deutschsprachige Bedienungsanleitung des Solus sehr gut nachvollziehbar Schritt für Schritt und mit einigen Screenshots.

Über seinen USB-B-Anschluss nimmt der Quad digitale Audio-Signale bis zu einer Abtastrate von 384 Kilohertz entgegen und wandelt sie auf die analoge Ebene.

Wer den Solus ohne externe Zuspielgeräte einsetzen möchte, kann dies natürlich auch tun und auf das integrierte CD-Laufwerk zurückgreifen – derlei Optionen gehen angesichts der Anschlussvielfalt ja gerne mal etwas unter. Für Freunde der kleinen Silberscheiben bietet der unscheinbare Slot in der Front allerdings eine simple und leichte Nostalgie versprühende Alternative zu den moderneren Zuspiel-Möglichkeiten. Unabhängig von der gewählten Quelle wandeln die Signale irgendwann sowieso auf demselben Pfad, nämlich während sie die Endstufe des Solus passieren. Im Gegensatz zum Play+ ist der Verstärker beim jüngeren Familienmitglied bereits integriert und damit kommen wir auch wieder zu den eingangs erwähnten Kompromissen, die dieser Schritt mit sich bringt. Das geringere Platzangebot des Solus bedeutet zwangsläufig auch eine verringerte Leistungsfähigkeit der Endstufe – die allerdings mit Blick auf den primären Einsatzzweck absolut zu verschmerzen ist. Die Leistung von 75 Watt pro Kanal (bei 8 Ohm) liegt zwar nur leicht über der Hälfte derer des Artera Stereo, treibt allerdings im Normalfall auch lediglich kompakte Regallautsprecher an – der Artera Solus ist ja sozusagen als moderne Reinkarnation der klassischen Stereo-Anlage konzipiert und die zeichnet sich nun mal durch schlanke Abmessungen aller Bestandteile aus. Davon einmal abgesehen muss man sich bezüglich der Kraftreserven keine großen Gedanken machen. Der Solus produziert problemlos einen Pegel jenseits der Zimmerlautstärke, was man jedoch nur in Ausnahmefällen nutzen sollte. Zumal man bei Bedarf ja prinzipiell auch die entsprechenden Ausgänge zum Anschluss eines externen Verstärkers nutzen kann. So gesehen sind die Kompromisse des Solus überschaubar und abgesehen von der verringerten Leistung unterscheidet sich die Endstufe im Aufbau kaum vom größeren Gegenstück im Artera Stereo und liefert einen hervorragenden, sauberen Klang.

Insgesamt bietet der Quad fünf digitale Eingänge und entsprechende Ausgänge.

Große Bühne für ein riesiges Detailreichtum

Seine klangliche Qualität spielt der Artera Solus unabhängig von der gewählten Quelle aus – alle ihm überlassenen Signale münden in ein überdurchschnittliches Ergebnis. Der Quad-Receiver spielt durchweg voluminös und detailreich auf, was sich schon bei der CD-Wiedergabe positiv bemerkbar macht. Mit „Turn Off The Light“ von Nelly Furtado bekommt er für den Anfang eine ziemlich harte Nuss, die ihn mit vielen Synthie-Effekten und der relativ hohen Stimme der Kanadierin gleich mal richtig fordern soll – doch der Solus scheint völlig unbeeindruckt zu bleiben. Der Bass spielt kräftig und voluminös auf, im mittleren Frequenzbereich herrscht eine wunderbare Ausgewogenheit und in den Höhen präsentiert er ein agiles und detailliertes Wiedergabeprofil. Selbst bei steigendem Pegel lässt der integrierte Verstärker nicht nach und liefert auch in höheren Lautstärkesphären einen außerordentlich natürlichen Klang.

Perfekte Spaltmaße, saubere Abschlüsse: Die Verarbeitung des Artera Solus ist erstklassig.

Das gilt auch bei mindestens ebenso unkonventionell anmutenden Stücken wie dem noch etwas aggressiveren „The Man“ von The Killers. Der hymnische Charakter des Rocksongs kommt dank der sehr großen und offenen Bühnendarstellung des Artera Solus besonders gut und voluminös zur Geltung. Unterstützt von der sehr hohen Agilität des Quad-Receivers führt das zu einer ausgesprochen sauberen und sehr natürlichen Wiedergabe, die keine Wünsche offen lässt. Insbesondere bei höherer Auflösung spielt der Solus diese Stärken ohne zu geizen aus. Vor allem HiRes-Files genießen eine besonders ausgeprägte Feindynamik und lassen die Musik förmlich aufblühen. Alle Frequenzbereiche kommen dadurch herausragend zur Geltung, ohne sich gegenseitig das Wasser abzugraben oder zu überschneiden. Vielmehr ergänzen sie sich so perfekt, dass ein nahtlos zusammengesetztes und vollkommen in sich geschlossenes Klangbild entsteht.

Die oben aufliegende Glasplatte lässt sich abnehmen.

Selbst stilistisch variable Titel wie „Good On You Son“ von Mark Knopfler, die Vorab-Single des neuen Albums „Down The Road Wherever“, bringt den Solus nicht an seine Grenzen, obwohl der Brite hier gleich mehrfach mit Harmonien und konventionellem Songwriting bricht. Das liest sich möglicherweise etwas gewöhnungsbedürftig, klingt über den Solus aber erfreulich angenehm und absolut stimmig. Die sanften Melodien, der knackige Beat und das besondere Timbre in Knopflers Stimme scheinen förmlich beweisen zu wollen, dass britische Musik über britische HiFi-Komponenten ganz besonders gut klingt – obwohl es spätestens zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt keiner weiteren Beweise mehr bedurft hätte…

Einen Kopfhörerausgang hat Quad seinem Artera Solus ebenfalls spendiert.

Fazit

Der Artera Solus von Quad verbindet die Stärken der früheren Serien-Mitglieder in einem einzigen All-in-One-Gerät. Dabei geht er lediglich minimale Kompromisse ein und entpuppt sich als geniale Lösung für anspruchsvolle Musikfans auf der Suche nach einem kompakten HiFi-System. Hochwertige Technologie und ein modernes Industrie-Design haben zwar ihren Preis, zahlen sich aber in Form eines hervorragenden Klangs in allen Belangen aus. Sogar für zukünftige Qualitätsstandards ist mit der Unterstützung auch sehr hoch aufgelöster Dateien gesorgt, was viele Jahre voller Hörgenuss verspricht.

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

97 %

96 %

94 %

Technische Daten

Modell:Quad Artera Solus
Produktkategorie:HiFi-System
Preis:1.799 Euro (UVP)
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Schwarz
- Silber
Vertrieb:IAD GmbH, Korschenbroich
Tel.: 02161 / 617830
www.audiolust.de
Abmessungen:105 x 320 x 320 mm
Gewicht:11,84 kg
D/A Wandler:ESS ES9018 32 Bit DAC
Nennleistung:2x 75 W an 8 Ohm
Eingänge:- 2x Analogeingang (Cinch)
- 2x optischer Digitaleingang
- 2x digitaler Koaxial-Eingang
- 1x USB-B
- Bluetooth 4.0 mit aptX
Ausgänge:- 1 Paar XLR-Ausgang
- 1x Pre-Out (Cinch)
- 1x optischer Digitalausgang
- 1x digitaler Koaxial-Ausgang
- 6,3-mm-Kopfhörerausgang
- 2 Paar Schraubklemmen für Lautsprecherkabel
Dateiformate:- ALAC
- WAV
- FLAC
- AIFF
- WMA
- MP3
- AAC
- AAC-HE
- AAC+
- DSD64
- DSD128
- DSD256
Lieferumfang:- Artera Solus
- Bedienungsanleitung
- Glasabdeckung
- Netzkabel
- Fernbedienung inkl.Batterien
- Treiber-CD
Besonderes:- sehr sorgfältige Verarbeitung
- robustes Design, vibrationsreduzierend
- Gehäuse mit Glasplatte
- CD-Laufwerk
- leistungsstarker Wandler-Chip
- HiRes-Unterstützung
- Soft-Touch-Display
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1,0
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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