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Chefredakteur

Der Kennerton Magister Pro ist ein ausgezeichneter Kopfhörer. Der geschlossene Over-Ear ist für den stationären Einsatz gedacht und superbequem. Dazu klingt er auch noch richtig gut. Das edle Holz-Design unterstreicht den hohen Anspruch und macht den Magister Pro Exklusiv und fast schon einzigartig.

Der Magister Pro von Kennerton vereint Design und Klanganspruch und Exklusivität.

Lautsprecher werden gemeinhin aus Holz gefertigt. Das macht Sinn, denn dank spezifischer Eigenschaften eignet sich Holz als idealer Korpus für Schallwandler. Warum also nicht auch Kopfhörer aus Holz? Zu schwer, zu klobig, nicht schön? Mitnichten! Die endlich wieder in Deutschland verfügbare Audiomarke Kennerton bietet da eine gezielt mit Edelholz-Bauteilen bestückte Over-Ear-Linie, die sich optisch zurückhaltend elegant gibt, zugleich aber beste Verarbeitungseigenschaften zur Schau stellt. Nachdem ich mich vor Jahren bereits mit dem Modell Magister beschäftigt habe, ist es nun der Magister Pro, der mich neugierig macht. Mit seiner unverbindlichen Preisempfehlung von 799 Euro ist dieser Archetyp ganz sicher nichts für Knauser. Dafür offeriert dieses Full-Size-Modell aber puren Luxus, Noblesse, Exklusivität und verspricht obendrein beste Klangqualität.

Jeder Kennerton Magister Pro wird in Handarbeit gefertigt. Entsprechende Dokumentationen liegen dem Kopfhörer in einem versiegelten Umschlag (rechts) bei.

Wer ist Kennerton?

Mit dem vorrangigen Ziel, seinen Kunden ausschliesslich das klanglich Beste zu bieten, wurde Kennerton als Luxusbrand der russischen Handelsmarke Fischer Audio gegründet. Das aus triftigem Grund, denn nach eigener Aussage fiel den Fischer-Audio-Ingenieuren auf, dass wirklich gut klingende Modelle im boomenden Kopfhörersegment einen immer kleineren Anteil ausmachen. Eine Tendenz konträr dem eigenen Selbstverständnis, sprich: dem Streben nach besten Klang. Ausserdem Grund genug, weshalb man einige der besten Audiospezialisten damit beauftragte, eine völlig neue Marke zu kreieren. Eine selbstbewusste Marke, deren oberstes Ziel – frei von modischen Trends und anderweitigen Limitierungen – die Entwicklung in Handarbeit gefertigter, bestklingender Audioprodukte ist. Von Audiophilen für Audiophile sozusagen! Kennerton offeriert heute ein kleines aber sehr feines Sortiment hochwertig anmutender Kopfhörermodelle. Ein Portfolio, mit dem die Luxusmarke nicht primär auf die mobile Nutzung, sondern auf die Paarung mit dem heimischen HiFi-Equipment abzielt und beweisen will, dass auch Kopfhörer hervorragend verarbeitet sein und audiophil klingen können. Dass man dabei stets auf streng selektierte Bausteine und hochwertigste Materialien setzt, ist für die russische Klangschmiede ebenso selbstverständlich, wie ein wertig anmutendes Äusseres. Das Kopfhörer-Flaggschiff Magister Pro soll nach Herstellerangaben all diese Vorzüge vereinen.

Kennerton liefert seinem Over-Ear-Modell mit gleich zwei Kabeltypen aus. Eines für den stationären Einsatz und eines für unterwegs.

Spitzensound auf Lehramt

Ins Englische übersetzt, bedeutet es Master. Im deutschen Sprachgebrauch bezeichnet die aus dem Latein kommende Titulierung „Magister“ einen akademischen Grad, während die freie Übersetzung einen Meister oder Lehrer beschreibt. Ein Fachmann also, der sich in bestimmten Spezialbereichen bestens auskennt, dem Hintergründe bekannt sind und der weiss, was er tut. Der Namenszusatz „Pro“ setzt dem Ganzen dann noch einen drauf. Eine hochgestochene Bezeichnung für ein Elektronik-Produkt! Vor dem Hintergrund der eingangs beschriebenen Herstellerphilosophie und nach einen kurzen Blick auf meinen Testprobanden ist schnell nachvollziehbar, wie Kennerton auf die Namensgebung kam. Die junge, zugleich aber bereits sehr erfahrene Audioschmiede offeriert hier nämlich bereits in Sachen Verarbeitung ein echtes Vorbild. In erster Linie sind dabei die dunkelbraunen, unglaublich edel anmutenden Ohrmuscheln zu nennen, die in ihrer Materialqualität und Beschaffenheit wohl einzigartig sein dürften. Sie entstehen in durchgängiger Handarbeit aus miteinander verklebten und perfekt geschliffenen Eichenholz-Elementen. Das schaut richtig gut aus, bietet aber auch weitere Vorteile: Durch einen speziellen Klebeprozess soll das Holz zudem stabiler und langlebiger sein, was sich auch auf den Klang auswirken soll. Zudem versprüht die hölzerne Oberfläche puren Luxus und demonstriert eine klare Designsprache. Ein echtes Männerprodukt, das aus optischer Sicht auch exzellent ins Umfeld hochwertiger Whiskeys und Zigarren passt. Allein das lässt meine bereits hohen Erwartungen an einen aussergewöhnlichen Klanggenuss noch ein Stückchen weiter anwachsen.

Holz und (Kunst-)Leder: Der Magister Pro ist optisch anspruchsvoll gestylt.

Noblesse und fortschrittliche Technik

Der äußere Eindruck ist das eine, die inneren Werte etwas ganz anders. An denen mangelt es dem Magister Pro erwartungsgemäß aber ebenso nicht. Auch für das Innere der hölzernen Schale war den Russen – in Form ungewöhnlich grosser und leistungsfähiger 42-Millimeter-Treiber mit titanbeschichteter Mylar-Membran – das Beste gerade gut genug. Tatsächlich setzt Kennerton auf ein speziell für dieses Modell entworfenes Treibersystem. Eines, das in seiner Art und Güte neue Massstäbe im Bereich hochwertiger Over-Ears setzen soll. Ein ziemlich aufwändiger und kostenintensiver Ausstattungspunkt, aber der Magister Pro ist ja eben auch kein Kopfhörer von der Stange. Spule und Membran wiegen laut Herstelleraussage übrigens nur etwa ein Sechstel im Vergleich zu herkömmlichen Varianten. Das wiederum schlägt sich positiv auf den Tragekomfort des Magister Pro nieder. Der ist für einen Kopfhörer nämlich mindestens ebenso wichtig wie hervorragender Sound. Ein Punkt, dem man bei Kennerton offenbar ebenso grosse Beachtung zukommen ließ, schliesslich soll der mobile Schallwandler im Extremfall ja über mehrere Stunden hinweg für anspruchsvollsten Musikgenuss sorgen. Und zwar ohne zu drücken oder in anderer Form unangenehm aufzufallen.

Sieht man nicht aller Tage: Der Magister Pro ist mit 42 Millimeter durchmessenden und titaniumbeschichteten Mylar-Membranen ausgestattet.

Komfortzone

Ohne zuviel vorweg nehmen zu wollen: Auch das ist dem Entwickler-Team offensichtlich gelungen, wie sich in meinem Test schnell herausstellt. Selbst nach zwei Stunden intensiven Hörens wird der Magister Pro nicht lästig oder erdrückend. Das Schlüsselmerkmal stellen dabei die ultraweichen, mit Kunstwildleder überzogenen Ohrpolster. Kennerton bietet seinen Magister Pro in klassischer Echtleder-Variante und als „Non-Leather-Edition“ an. Letztgenannte ist an Veganer und Tierliebhaber gerichtet. Im Test habe ich die „Non-Leather-Edition“, deshalb Kunstwildleder. Egal, für welche Variante man sich entscheidet, beide werden in Handarbeit gefertigt. Seine Fortführung findet das Streben nach maximalem Tragekomfort in der satten Polsterung, die den ergonomisch gebogenen Bügel überzieht. Er fängt die 330 Gramm Gewicht des Magister Pro locker auf. Ganz nebenbei sorgt er aber auch für einen festen Halt auf dem Haupt seines Trägers. Als sehr praktisch erweist sich das beidseitig geführte Kabel. Diese bevorzugt in stationär einsetzbaren Kopfhörern anzutreffende Variante bietet zwei nicht zu unterschätzende Merkmale: Zum einen muss das Gewicht des zwei Meter langen Signalkabels so nicht nur von einer Ohrseite aufgefangen werden. Zum anderen werden via Kabel transportierte Signale beiden Ohrmuscheln direkt zugeliefert. Der verlustbehaftete Weg durch den Kopfbügel entfällt also. Noch ein Wort zum Kabel: Dank seines gewebten Mantels ist es unempfindlich gegen „Kabelsalat“. Leider überträgt das Kabel bei Körperbewegung aber auch Geräusche auf den Kopfhörer. Im Heim-Einsatz, dafür wurde der Kennerton auch entwickelt, stellt das kein Problem dar, unterwegs könnte das aber zu ungewollter Geräuschentwicklung führen. Will man seinen Magister Pro unterwegs nutzen, nutzt man dann am besten das zweite, zum Lieferumfang gehörige Kabel. Dieses ist leichter, flexibler und immun gegen die Übertragung von Bewegungsgeräuschen.

Das komplette Zubehörprogramm im Überblick: Begleitdokumentation, zwei Kabel, ein edles Staubtuch und zwei Satz Ohrpolster.

Intensiv und drahtig

Kaum aufgesetzt, stellen sich ein bequemer Sitz, ein fester Halt und ein schönes Tragegefühl ein. Die 330 Gramm sind tatsächlich kaum spürbar. Das Gefühl auf den Kopf ist angenehm. Die erste Hörsession kann also losgehen. Als mit „My Diamond Mine“ von Mckinley Black der erste Song aus meiner Playlist gewählt und gestartet ist, folgt die nächste positive Überraschung: Das jetzt erlebte Klangbild ist breit und tief aufgezogen. Zwar nicht so intensiv, als lausche man einem Pärchen sehr guter Lautsprecher, aber immerhin ist eine echte Klangbühne auszumachen. Die Bühne ist akustisch schön ausgeleuchtet. Der Sound ist sauber und druckvoll. Zugleich aber nicht die Spur extravagant, spektakulär oder überzogen. Statt auf Effekthascherei zu setzen, spielt der Magister Pro unglaublich ausgewogen, ehrlich und luftig auf. Der Track wird sauber, unaufgeregt und ganz einfach nur richtig reproduziert. So wünschen sich das Künstler und Tonmeister. Ein Klangbild, das eindeutig auf die unglaublich neutrale Abstimmung des Kennerton zurückzuführen ist. Mindestens ebenso imposant ist seine Impulstreue, die ich im anschließend angespielten „Morph The Cat“ von Donald Fagen erlebe. Jetzt ist es der Grundtonbereich, der beeindruckt. Bassdrums kommen schnell, schwingen sofort aus und sind ebenso fix wieder weg, wie sie gekommen sind. Hinzu kommt die Präzision in tieferen Frequenzlagen. Die macht sich insofern bemerkbar, dass der über so manch Konkurrenzmodell zu voluminös dargestellte Bass hier auf Originalformat „schrumpft“. Statt übertrieben rumzuwummern liefert der Kennerton drahtige Bässe und straffe Sounds.

Die bequemen Ohrpolster lassen sich zum Reinigen abnehmen. Zum Lieferumfang gehört zudem noch ein zweites Set, gemacht aus künstlichem Velours-Leder.

Magister Pro mit Langzeitwirkung

Was in diesem Zusammenhang unbedingt erwähnt werden sollte, ist die völlige Abwesenheit von Eigen- oder Markenklang. Der Kennerton agiert stets neutral und unparteiisch. Ein wichtiger Punkt, der den Besitzer auch während längerer Hörsessions weder anstrengt, noch ermüdet. Auch nach knapp drei Stunden ununterbrochenem Musikgenuss macht mir das Musikhören weiterhin großen Spaß. Bestätigt wird mir dieser Eindruck dann nach erneuten Song-Wechsel. Diesmal auf Kari Bremnes` mit “A Lover in Berlin“. Ein Stück, das eindeutig von der leicht verträumten Atmosphäre und der wunderbaren Stimme der Norwegerin lebt. Die ersten Passagen kommen eher ruhig. Als dann der Gesang einsetzt, scheint sie sofort inmitten der sie umgebenden Bass- und Pianoklänge zu schwimmen. Obwohl ich „nur“ in CD-Qualität zuspiele, bedient sich der Magister höchster Detailfülle. Die Stimme hat eine ungeheure Autorität und Authentizität. Der Facettenreichtum ist enorm, der Eindruck warm und wohlig. Genau der richtige Song für Herbst und Winter. Was noch auffällt: Dem Magister Pro fehlt es an tiefsten Bässen. Das ist aber überhaupt nicht als Kritik zu verstehen. Statt nämlich im allertiefsten Basskeller herumzupoltern, zeigt sich der Kennerton im Bass straff und konturiert. So baut er eine homogene Audiobühne auf – beginnend im Tiefton und hinein bis in den spitzesten Hochton. Homogen ist dabei übrigens nicht gleichbedeutend mit undifferenziert. Nein, über diesen Kopfhörer wiedergegeben, wird „A Lover In Berlin“ auch unter niedrigerem Lautstärkepegel seiner Ausstrahlung und Stimmung nicht beraubt. Stattdessen erlebe ich Zug, unerwartete Dynamik und Atmosphäre.

Selbstverständlich lässt sich der Kennerton auch in der Größe verstellen. Das funktioniert hier über ein mehrstufig rastendes Metallband.

Rockt laut

Mit dem Wechsel in meine Hard-Rock-Playlist will ich anschließend noch wissen, wie sich der Magister Pro in härteren Gefilden zu behaupten weiss. „Killing In The Name Of“ ist der erwählte Titel. Kaum angespielt, fetzt der Kennerton auch sogleich los. Der Sound prescht nach vorn. Schnell, lebendig, dynamisch. Wow, ehrlich gesagt hatte ich nun eine eher flache Interpretation der Rage-Against-The-Machine-Hymne erwartet. Weit gefehlt, denn auch dieses Futter verarbeitet der Magister Pro zuverlässig und mühelos. Dabei weiß er die recht voluminösen Basspassagen zu bändigen, dank hoher Impulstreue zugleich aber auch dem Rhythmus des Songs zu folgen. So liefert mir der bequeme Over-Ear ein volles, erstaunlich straffes Klangbild. Mit ansteckender Agilität und einer Dynamik, die mich kurz darauf zu einer deutlichen Lautstärkeerhöhung verleitet. Für den Kennerton stellt dies jedoch keinerlei Problem dar. Er entgegnet dieser Veränderung durch eine schnelle, staubtrockene und substanzvolle Grundtonperformance. Künstliche Klangfärbung: Fehlanzeige! Instrumente und Zack de la Rochas Stimme klingen hart, zugleich aber auch echt und organisch. Der Sound reisst einfach mit. Im Takt der Bassdrums nicke ich mit dem Kopf und wippe ich unweigerlich mit den Füssen. Überflüssig zu erwähnen, dass sich der Magister also auch dieser Herausforderung gewachsen zeigt und selbst bei – nennen wir es mal – „grösseren Gefühlsausbrüchen“ stets unverrückbar auf meinem Haupt sitzt. Übrigens: Um dem highendig anmutenden Over-Ear auch beim Transport oder für die Lagerung eine adäquate Behausung zu bieten, wird er in einer hochwertigen und strapazierfähigen Tasche geliefert. Sanft in einem auf seine Form angepassten Schaumstoffwürfel gebettet, ist der Magister Pro jederzeit rundum geschützt.

Rock on: Der Magister Pro ist in erster Linie für den stationären Einsatz gedacht. Er eignet sich aber auch für unterwegs.

Fazit

Highendig klingend, verarbeitet wie eine Luxusuhr, ein Auftreten wie ein britischer Adeliger und bequem wie das Lieblingssofa. Diese Attribute fallen mir beim Kennerton Magister Pro ein. Zugegeben: Mit seiner Preisempfehlung von 799,00 Euro ist der Over-Ear zwar nicht ganz günstig. Aufgrund seiner hohen Materialqualität, seiner hervorragenden Verarbeitung und seines exzellenten Klanges ist er allerdings jeden Cent wert. Der Kennerton ist eher nicht für unterwegs gemacht. Wer aber nach einem exklusiven Kopfhörer für den Einsatz an seinem hochwertigen HiFi-Setup sucht, wird im Magister Pro ein echtes Klang-Highlight finden. Tipp: Unbedingt ansehen und vor allem anhören!

Test & Text: Roman Maier
Fotos: www.lite-magazin.de, Herstellerbilder

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

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181104.Kennerton-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Kennerton
Magister Pro Non-Leather Edition
Produktkategorie:Kopfhörer
Preis:799,00 Euro
Garantie:3 Jahre
Ausführungen:div. Holzausführungen
Vertrieb:Hörzone GmbH, München
Tel.: +49 89 721 10 06
www.hoerzone.de
Einsatzzweck:stationär/mobil
Gewicht:0,330 Kg
Treiber:42 mm (titanbeschichtete Mylar-Membran)
Impedanz:64 Ohm
Anschluss:Kabel
Zubehör:1 Kabel (2,00m)
1 Kabel (3,00m)
1 6,35mm-Adapter
1 Transport-Tasche
Besonderes:+ Echtholzmuscheln
+ neutraler Klang
+ enorme Impulstreue
+ hoher Tragekomfort
+ exzellente Verarbeitung
+ 2,00 Meter Kabel
+ hochwertige Transporttasche
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,1
Ausstattung (20%):1,1
Gesamtnote:1,0
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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