Sie sind im Straßenverkehr umstritten wie beliebt. Die Rede ist von Dashcams.
Ihre Aufgabe scheint klar vorgegeben zu sein: einen Unfallhergang aufzuklären ohne dabei massenhaft Daten Dritter zu sammeln. Diesbezüglich habe ich mir die DRV-830 von Kenwood einmal genauer angesehen. Diese Dashcam verspricht neben einem Loop-Modus, der angelegte Daten automatisch überschreibt (solange kein Unfall passiert), auch eine Unfallerkennung, GPS-Aufzeichnung und verschiedene Fahrassistenten.

Im Straßenverkehr immer aufnahmebereit: Die Kenwood DRV-830.

Bei Unfällen im Straßenverkehr ist die Frage nach der Schuld oft nicht eindeutig zu klären. Häufig steht Aussage gegen Aussage, was die Aufklärung des Unfallhergangs schwierig gestaltet. In diesem Zusammenhang werden kleine Kameras, die im Auto installiert werden können, immer beliebter. Diese sogenannten „Dashcams“ werden auf dem Armaturenbrett oder an der Windschutzscheibe befestigt und nehmen den vorderseitigen Verkehr auf. So lässt sich also auch ein Unfall als Bewegtbild festhalten. Darüber hinaus nimmt die Kamera auch dann auf, wenn man an Unfällen nicht beteiligt ist. Für die meisten Autofahrer ist das nahezu die komplette Fahrzeit. Das wiederum ruft Datenschützer auf den Plan. Sie wollen verhindern, dass wahllos und massenweise Daten festgehalten werden und pochen auf das Recht zur eigenen persönlichen Bestimmung. Ein Thema auf das ich später noch näher eingehe. Zunächst mal geht es um die DRV-830.

Über den gut erreichbaren, mittig platzierten Knopf an der Kameraunterseite wird die manuelle Aufnahme gestartet.

DRV-830: Praktisches vom Auto-Experten

Kenwood ist in der Car-Hifi Szene bereits seit vielen Jahren eine bekannte Größe. Neben Autoradios, Endstufen und Lautsprechern hat der japanische Hersteller auch Dashcams im Programm. Die DRV-830 ist neben den Schwestermodellen DRV-330 und DRV-430 das größte aktuelle Modell. Das bedeutet aber nicht, dass man sich einen riesigen Klotz in die Windschutzscheibe hängen muss. Mit knapp neun Zentimetern Breite und nur fünfeinhalb Zentimetern Höhe passt die Kenwood bequem hinter oder neben jeden Rückspiegel. Die gerundeten Kanten sorgen dafür, dass die Cam dabei nicht klobig wirkt. Im Vergleich mit handelsüblichen Navigationsgeräten, die oft an den Scheiben hängen, erscheint die DRV-830 hochwertig und sogar eine Spur elegant. Die Bedienung erfolgt über kleine Buttons in der Gehäuseaußenseite. An der Unterseite befindet sich mittig und sehr gut erreichbar ein großer Knopf, über den man während der Fahrt eine Aufnahme manuell starten kann.

Im sehr umfangreichen Handbuch gibt Kenwood Hilfestellung bei der Positionierung

Die beste Position

Bei der Installation sollte darauf geachtet werden, dass die Dashcam das Sichtfeld des Fahrers nicht stört. Am Besten eignen sich die Stellen hinter oder neben dem Rückspiegel. Mir gefällt die Position hinter dem Spiegel besser, weil sie einige Vorteile bietet: Der Bildeindruck wird besser, je mittiger die Kamera hängt. Das liegt vor allem an dem verwendeten Weitwinkelobjektiv. Durch den sehr großen Bildwinkel, der verwendet wird, um möglichst viel von der Fahrbahn abzubilden, verzeichnet das Bild zu den Rändern hin stärker. Wird die Kamera außerhalb der Fahrzeugmitte positioniert (z.B. etwas neben dem Rückspiegel, der ja mittig angebracht ist) ergeben sich unterschiedliche Längen zwischen der linken und rechten A-Säule. Das Videobild wirkt dadurch leicht verzerrt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Position hinter dem Spiegel meistens in dem Bereich liegt, der von den Scheibenwischern erfasst wird. Befindet sich die Kamera außerhalb dieses Bereichs, kann sie bei Regen oder verdreckter Scheibe eigentlich kein verwertbares Bild aufnehmen.
Hat man sich für eine Position entschieden, klebt man die DRV-830 vorsichtig an diese Stelle. Dafür ist die Halterung der Dashcam mit einem sehr starken Kleber ausgestattet. Wenn ich sehr stark sage, dann meine ich eher sehr, sehr, sehr stark. Einmal angeklebt hält er die DRV-830 nahezu bombenfest und der Windschutzscheibe. Deshalb empfehle ich vor dem Ablösen der Klebeschutzfolie durch „vorhalten“ die gewünschte Position zu prüfen. Bedenken, die Kamera könnte sich lösen, wie man es von vielen Saugnapfhaltern von Navigationsgeräten kennt, muss man hier nicht haben.

Die Klebevorrichtung mit Kugelgelenk hält superfest an der Windschutzscheibe. Über eine Schiebeaufnahme kann die Kamera hier mit der Halterung befestigt werden.

Ist die Kamera nicht korrekt positioniert, zeigt sie einen roten Cursor.

Optimale Ausrichtung durch einen Positionssensor

Die Kenwood DRV-830 ist mit einer Kugelaufnahme mit der Halterung verbunden. Hierüber lässt sie sich noch drehen und neigen, um richtig ausgerichtet zu werden. Das geht etwas schwerfällig, da die Dashcam bei der Fahrt fest fixiert sein sollte. Schließlich soll das Bild auch auf schlechteren Straßen nicht hin und her wackeln. Für die korrekte Ausrichtung hat Kenwood der DRV-830 ein eigenes Menü spendiert. Vor der Einstellung sollte man sich versichern, dass das eigene Fahrzeug in einer ebenen Position steht. Über einen Sensor erkennt die Kamera nämlich ihre Position und Ausrichtung. Das Einstellmenü zeigt eine Zentrierungsmatrix und einen beweglichen Cursor. Der Cursor stellt hierbei die optimale Position dar. Es gilt also, ihn mit der Matrix in eine übereinstimmende Position zu bringen. So lange der Cursor nicht in einem optimalen Bereich liegt, wird er Rot dargestellt. Bewegt man ihn in eine zentrierte Position, die der Sensor der DRV-830 als geeignet betrachtet, wechselt seine Farbe zu Grün. Das ist wirklich gut gemacht, beim ersten Mal aber auch etwas knifflig.

Bringt man den Cursor in die Kameramitte, ist die richtige Position gefunden. Der Cursor wird nun Grün dargestellt.

Die Stromversorgung

Die Einrichtung kann – wie die restliche Bedienung der DRV-830 übrigens auch – nur mit „Zündung“ oder bei angeschaltetem Motor vorgenommen werden. Einen eingebauten Akku hat die DRV-830 nicht. Sie bezieht ihren Strom deshalb ausschließlich über ein Kabel. Im Lieferumfang erhalten ist ein vier Meter langes Kabel mit einem 12-Volt Zigarettenanzünder-Anschluss. Mit dieser beachtlichen Länge kann man das Kabel bequem hinter die Decken- und Seitenabdeckungen im Auto verlegen. Es ist sogar ausreichend lang, um einen Anschluss im Kofferraum zu nutzen. So kann man sich die vorderen Anschlüsse für andere Anwendungen freihalten. Möchte man seine Anschlüsse dagegen generell lieber freilassen, hat man mit dem optional erhältlichen Anschlusskabel CA-DR100 die Möglichkeit die Kamera fest an die Autoelektronik anzuschließen.
Kameraseitig ist das Kabel mit einem dreipoligen Anschluss aus dem Autobereich versehen. Er wird mit einer Feder in die Kameraoberseite gesteckt und zusätzlich mit einer Arretierungsklappe fixiert. Einmal eingesteckt bewegt sich hier nichts mehr. Das macht einen sicheren Eindruck.
Unabhängig von der Wahl des Kabels oder Einsteckposition sollte man aber dafür sorgen, das Kabel unauffällig an den Scheibenrändern oder unter der Abdeckung zu verlegen. So hat man keine Kabel herabbaumeln, die eventuell störend in den Alltag eingreifen könnten.
Auch wenn es sicherlich sinnvoll ist eine Kamera im Auto auch mit Auto-typischer Elektronik auszustatten, stellt sich die Frage, ob die Stromzufuhr über einen USB-Anschluss nicht besser wäre. So könnte man Einstellungen, Firmwareupdates und Datenzugriffe auch per Direktanschluss an einem Rechner durchführen. Ansonsten bekommt man von der Verkabelung nach der Installation eigentlich nichts mehr mit.

Das Stromkabel ist sehr lang und wird direkt in einen 12-Volt Zigarettenanzünder-Anschluss gesteckt.

Großes Display bei kleinem Gehäuse

Die Rückseite der Dashcam ist fast vollflächig mit einem drei Zoll großen TFT-Display ausgestattet. Werkseitig ist es dauerhaft eingeschaltet. Wählt man die Position der DRV-830 so, dass man sie während der Fahrt sehen kann, empfiehlt es sich, das Display auszuschalten. Die Versuchung beim Fahren auf die Kamera zu schauen ist meiner Meinung nach einfach vorhanden. Das Display zeigt das Kamerabild und diverse kleine Bildschirmsymbole an. Sie geben Auskunft über Aufnahmemodus, Aufnahmerestzeit (einer laufenden Aufnahme), Auflösung, Framerate, GPS Empfangstatus, Uhrzeit, Mikrofon, Standbildaufnahme, Dateilimits und SD-Karten. Alle Symbole liegen am Rande des Bildschirms, sodass sie die Sicht auf das Kamerabild nicht sonderlich stören. Einstellungen oder Wiedergabe von aufgenommenen Dateien werden ebenfalls über das Display angezeigt.

Das Display nimmt fast die gesamte Fläche der Rückseite ein. Sämtliche Menüsymbole sind übersichtlich angeordnet.

Gleich zwei microSD Karten-Slots sind vorhanden. Jeder von ihnen kann Karten mit einem Fassungsvermögen von bis zu 128GB aufnehmen.

Vierfache HD-Auflösung

Das Herzstück der Kenwood DRV-830 ist der ein drittel Zoll große CMOS Sensor mit 3,7 Megapixeln. Er ermöglicht Videoaufnahmen in Wide Quad HD mit bis zu 2560 mal 1440 Pixel. Wide Quad bedeutet: Es sind Aufnahmen mit der vierfachen Auflösung von HD (720p). Vereinfacht kann man sagen: je höher die Auflösung, desto mehr Bilddetails sind auf der Aufnahme zu sehen. Für eine Kamera in der Windschutzscheibe kann das schon essentiell sein. Durch das Weitwinkelobjektiv wirken entferntere Objekte schnell klein. Möchte man zum Beispiel ein Kennzeichen oder sonstige Schrift noch klar lesen können, benötigt es eine hohe Auflösung. Das Bild der DRV-830 bei voller Auflösung ist überraschend detailreich und macht einen super Eindruck. Es wirkt scharf und ansprechend. Eine Verwendung für die Aufnahme von Landschaften auf Urlaubsreisen kann ich mir sofort vorstellen.

Vorbildlich: Auch bei Gegenlicht zeigt die Kamera Zeichnung im Asphalt und auf den Straßenschildern im Schatten.

Riesen Dynamik

Zusätzlich nimmt die DRV-830 ihre Videos in HDR auf. Vereinfacht gesagt bedeutet das, besonders helle und besonders dunkle Bildbereiche können detailreicher dargestellt werden. Fährt man mit dem Auto bei Tag, stellt man Kameras sehr häufig vor Situationen, die einem normalen Sensor Probleme bereiten. Sonneneinstrahlung auf dem Asphalt frisst schnell aus und kann häufig nur als weiße Fläche und ohne Details dargestellt werden. Das Gleiche gilt für den Himmel an hellen Tagen. Stellt sich eine Kamera ohne HDR auf diese Situationen um, versumpfen die Bereiche die im Schatten liegen. Das kann zum Beispiel die Sonnen abgewandte Seite eines LKW sein. Eigentlich jede Fläche, die nicht direkt im Licht liegt. Mit dem HDR-Modus überbrückt die Kamera einen großen Bereich dieser „Dynamik“ der Lichtunterschiede. Das Bild wirkt so noch einmal detailreicher und natürlicher.

Auch bei strahlendem Sonnenschein stellt die DRV-830 Details im Himmel und im Schattenbereich spielend dar.

Nach meinen ersten Testfahrten war ich dagegen erstaunt, wie gut die DRV-830 mit schwierigen Lichtsituationen umgeht. Auch bei direkter und seitlicher Sonneneinstrahlung gibt die kleine Kamera noch ein super Bild aus. Versumpfende Schwarzflächen sind kaum zu finden, so richtig grob ausfressende Flächen konnte ich auch nicht ausmachen. Was mich wirklich erstaunt, ist wie gut die Kenwood Dashcam mit Situationswechseln umgeht. Fährt man durch den Schatten eines LKW merkt man dem Bild nicht wirklich an, dass dies für die Kamera eine erschwerte Situation sein könnte. Auch beim Einfahren in einen längeren Tunnel schlägt sich die DRV-830 sehr gut.
Plötzlich deutlich geringer ausfallende Lichtanteile gleicht sie spielend aus und zeigt ein helles Bild. Nach einigen Sekunden passt sie sogar die Lichttemperatur an. Zugegeben, der Tunnel hatte ein sehr warm orangenes Licht, welches die Dashcam dann fälschlicherweise anglich und fast neutral Weiß darstellte. Dennoch beeindruckend, dass die kleine Kenwood zu einer solchen Anpassung fähig ist. Beim der Sichtung meiner Aufnahmen für diesen Test am Rechner blieben auch die Kollegen in der Redaktion des öfteren erstaunt stehen und waren begeistert von der Abbildungsgenauigkeit der „kleinen“ DRV-830. Auf unserem YouTube-Kanal habe ich euch mal ein Video mit einigen Aufnahmen aus meinem Test hochgeladen.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://www.youtube.com/watch?v=qOm-OwRlYwk

Die Crash-Erkennung

Bis hierhin könnte das bisher Gesagte auch auf eine normale Kamera zutreffen. Die DRV-830 hat allerdings auch einige Fähigkeiten erhalten, die sie zu einer waschechten Dashcam machen. Die Auffallendste ist dabei der eingebaute G-Sensor. Dieser Sensor erkennt Erschütterungen oder Unfälle vollautomatisch. Dabei misst er sowohl die Richtung der einwirkenden Erschütterung und dessen Stärke in drei Achsen. Ein Unfall wird über diese Werte erkannt und die Aufnahme dann in einen gesonderten Ereignis-Ordner gespeichert. Hier ist sie dann gegen Überschreiben geschützt. Dabei speichert die DRV-830 zehn Sekunden vor und wahlweise 15, 30 oder 60 Sekunden nach einer Kollision. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert übrigens auch die manuelle Aufnahme, die über den großen Knopf an der Kameraunterseite gestartet wird.
Die gemessenen G-Sensor Werte werden permanent in die Videodateien geschrieben. Ein eingebauter GPS-Baustein liefert zusätzlich Informationen zu Position und Geschwindigkeit. Bei einer Kollision kann also genau nachvollzogen werden, wie sich das Auto wann wohin bewegt hat und welche Kräfte dabei wirkten. Um einen Unfall noch besser nachvollziehen zu können, müsste man wohl schon dabei gewesen sein.

Der G-Sensor ist so feinfühlig, dass er selbst die Veränderungen auf einer ruckeligen Straße im Graphen darstellt.

Ist das erlaubt?

Das bringt uns auch zu dem anfangs angedeuteten Problem: Die Rechtslage.
Bedenken bezüglich Datenschutzes stehen der Aufklärung im Falle eines Unfalls gegenüber. Problematisch sind vor allem zwei Dinge. Was darf ich aufnehmen und worin liegen die Ausnahmen?
Der Bundesgerichtshof hat im Mai 2018 in einem Verfahren (VI ZR 233/17) die Verwertung einer Dashcam in einem Fall zugelassen. Dabei führe „Unzulässigkeit oder Rechtwidrigkeit einer Beweiserhebung […] nicht ohne Weiteres zu einem Beweisverwertungsverbot“. Verkehrsteilnehmer setzten sich allerdings durch die „Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr selbst der Wahrnehmung und Beobachtung durch andere Verkehrsteilnehmer“ aus. Trotzdem sei „eine permanente, anlasslose Aufzeichnung zur Wahrnehmung der Beweissicherungsinteressen nicht erforderlich“ und verstoße daher gegen den Datenschutz. Vereinfacht formuliert: Findet eine Löschung der Daten in kurzen Abständen statt und werden diese nicht für bestimmte Anlässe aufgezeichnet, wird es zumindest geduldet. Den Sheriff spielen und andere Verkehrsteilnehmer mit solchen Aufnahmen anschwärzen ist damit auch vom Tisch. Allerdings verstoßen die Aufnahmen nach wie vor gegen das Datenschutzrecht (unzulässige Videoüberwachung § 6b BDSG). Grundsätzlich sollte man sich vor der Fahrt informieren, was wo erlaubt oder verboten ist.

Auch Mischlichtsituationen sind für die DRV-830 kein Problem. Sogar die dunklen Stellen in Wäldern werden an die hellen Sonnenflecken angeglichen.

Overwrite und Loop-Modus

Das Daten-Sammel-Problem löst die DRV-830 mit ihrem Loop-Modus. Je nach Einstellung werden die Aufnahmen in 1-Minuten-, 3- Minuten- oder 5-Minuten-Dateien geschrieben. Ist die Speicherkarte voll, werden die Daten von vorne (also die Ältesten zuerst) überschrieben. Wie lange man aufnehmen kann, hängt also von der Speichergröße ab. Hier ist die DRV-830 richtig gut ausgestattet. Gleich zwei microSD-Karten-Slots stehen zur Verfügung und können beispielsweise mit jeweils 128 GB Karten bestückt werden. Wie schnell die Karten befüllt werden, hängt aber auch von der Aufnahmequalität ab. Je höher die Auflösung, desto größer die Datei. Logisch. Heißt aber auch: Je niedriger die Auflösung, desto länger kann ich aufnehmen. Neben der bereits erwähnten maximalen Auflösung von 2560×1440 Pixeln stehen noch die Modi 2304x1296p, 1920x1080p und 1280x720p zur Verfügung. Mir persönlich würde auch Full HD, also 1920x1080p noch reichen. Allerdings sehe ich keinerlei Notwendigkeit den Speicher so zu verlängern. Große microSD-Karten kosten heute nicht mehr die Welt und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, so hofft man doch eher die Dashcam nicht allzu häufig brauchen zu müssen.

Kenwood liefert zur Orientierung eine Tabelle mit. Über sie lassen sich die maximal möglichen Aufnahmezeiten abgleichen.

Mit Low-FPS zu kleinen Datenmengen

Für Speicher-Sparfüchse hat Kenwood seiner DRV-830 einen Low-FPS-Modus spendiert. Hier kann man statt der als Standard eingestellten 27 fps (fps = frames per second) zwischen neun und drei Frames pro Sekunde wählen. Das Ergebnis sind dann deutlich kleinere Dateigrößen. Kenwood verspricht sogar bis zu drei mal längere Aufnahmezeiten. Das hat aber auch seinen Preis. Die Aufnahmen werden nun nicht mehr flüssig aufgenommen bzw. wiedergegeben. Logischerweise fehlen nun Informationen, ein Auto kann sich beispielsweise im Bild zwischen zwei Frames ein ganzes Stück bewegt haben. Die abgespielten Videos ruckeln stark. Ob solche Videos dann noch wirklich aussagekräftig sind wage ich zu bezweifeln. Ich würde in diesem Modus nicht aufnehmen. Und dabei spreche ich immer noch vom 9-Frames-Modus. Man möge es mir nachsehen, aber die drei fps habe ich gar nicht erst ausprobiert. Muss man aber auch gar nicht. Wie gesagt, die DRV-830 bietet ja andere Modi, die ein knackscharfes, flüssiges Bild liefern.

Selbst in Tunneln mit wenig Licht hat die Kenwood DRV-830 keinerlei Probleme mit der Helligkeitswiedergabe. Sie passt ihre Inhalte sogar in der Bildtemperatur an.

Drei Fahrassistenten sind dabei

Dass die DRV-830 eine waschechte Dashcam ist, beweisen auch die drei integrierten Fahrassistenten. Diese warnen durch akustische Signale bei Spurwechseln, bei zu geringem Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug oder sobald das vor einem stehende Auto im stehenden Verkehr losfährt. Eigentlich prinzipiell eine gute Idee. Allerdings wirken die Systeme nicht ganz ausgereift. Da keine Verbindung zur Autotelemetrie besteht, fehlen dem System einfach einige Informationen. Beim Fahrspurwechsel sind es beispielsweise die des Blinkers, beim „Collision Warning“ sind es fundierte Infos zum Abstand. Zeitweise springen die Assistenten wahllos an, etwa in Baustellen, wo nicht zwischen den Linien unterschieden wird, oder an Ampeln verwirren querende PKW die Abstandssysteme. So wird der Warnton der Systeme schnell nervig. Solche Assistenten überlasse ich lieber den Autoherstellern und habe diese Systeme der DRV-830 im Alltag deaktiviert.

Mit eigener Software unabhängig durch die Videos gehen

Um die aufgenommenen Daten auswerten zu können, gibt Kenwood dem Nutzer eine eigens entwickelte Software mit: den KENWOOD Drive Reviewer (http://www.kenwood.com/car/app/kenwood_drive_reviewer/eng).
Sie bildet die GPS-Koordinaten der aufgenommenen Dateien auf einer Karte und in der Videodatei unten im Bild ab. Für den G-Sensor wird ein eigenes Diagramm für die drei Achsen angezeigt. Auch die Geschwindigkeit wird dargestellt. Neben einer Zoomfunktion hat der Nutzer außerdem die Möglichkeit, seine Videoaufnahmen Frame für Frame durchzugehen. Das erlaubt sehr präzises Durchgehen der Videos. Ein solches Feature bieten die meisten herkömmliche Wiedergabetools nicht. Mit der Kenwood-Software kann man seine Videos sichten, ohne weitere oder teure Videoprogramme besitzen zu müssen.

Die Kartendarstellung in der Software stellt verschiedene Aufnahmerouten in unterschiedlichen Farben dar. Die Roten Pins markieren die Startpunkte der einzelnen Aufnahmen.

Fazit

Die Kenwood DRV-830 ist eine Bereicherung für jeden Autofahrer. Mit ihrem klaren Bild und der guten Wiedergabe, auch in schwierigen Lichtsituationen, liefert sie tolle Ergebnisse. Die hohe Auflösung ermöglicht aus dem PKW heraus detailreiche Aufnahmen. Der G-Sensor sorgt dafür, dass die DRV-830 Unfallsituationen selbstständig erkennt und die angelegten Videos vor Überschreibung schützt. Durch den Loop-Modus geht die Kenwood-Dashcam auch dem Datenschutz-Problem aus dem Weg. Mit der eigenen Software hat man zudem die volle Kontrolle über angelegte Videos. Durch die einfache Installation und Bedienbarkeit bringt sich die Kenwood DRV-830 gut in jedes Personen-Kraftfahrzeug ein – und meiner Meinung gehören Dashcams in jedes Auto. Gerade für Pendler und Vielfahrer ist diese Dashcam besonders geeignet.

Test, Text und Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: Empfehlung
Preis-/Leistung: sehr gut

97 %

96 %

181123.Kenwood-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Kenwood
DRV-830
Produktkategorie:Dashcams
Preis:199,00 Euro
Ausführungen:schwarz
Vertrieb:JVC Kenwood, Bad Vilbel
Tel.: 06101 / 4988 500
www.kenwood.de
Abmessungen (HxBxT):55x x87 x 35 mm
Gewicht:110 g
Objektiv:- F2.0
Bildsensor:1/3" CMOS
Aufnahmewinkel:144 Grad Weitwinkel (diagonal)
Auflösungen:- 2560x1440p
- 2304x1296p
- 1920x1080p
- 1280x720p
Bildwiederholfrequenz:- 27 Bilder/Sek
- 9 Bilder/Sek
- 3 Bilder/Sek
Dateiformat:- MPEG-4 AVC
Videocodec:- H.264
Speichermedium:- micro SDXC/SDHC Karte Klasse 10 (bis 128 GB)
Speicherplätze:2x micro SD
Audioeingang:- eingebautes Mikrofon
Aufnahmemodi:- Endlosschleife
- Daueraufzeichnung
- manuelle Aufnahme (15/30/60 Sekunden)
- Eventaufnahme (bei G-Sensor Aktivität)
Aufnahmezeiten:- Kontinuierlich:
- 1 Minute
- 3 Minuten
- 5 Minuten
- Event oder Manuell:
- 10 Sekunden vor Aufnahme
- 15 Sekunden
- 30 Sekunden
- 60 Sekunden
Lieferumfang:- Kenwood DRV830
- Befestigungskonsole
- Zigarettenanzünder-Kabel (4m)
Besonderheiten:+ G-Sensor zur Unfallerkennung
+ GPS Sensor
+ HDR-Modus für bessere Dynamik
+ 3,0“ Farbdisplay (TFT)
+ 144 Grad Weitwinkelobjektiv
+ Fahrassistenten
+ eigene Software
Benotung:
Gesamtnote:Empfehlung
Preis-/Leistungsehr gut

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