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Redakteur

Wer HiRes-Files in höchster Qualität und mit bestem Bedienkomfort genießen will, braucht einen amtlichen Brückenbauer, der zwischen dem Speicherort und dem Abspielort vermittelt und den Datentransfer managt. Der Auralic Aries G1 ist dafür ein Spezialist: Dieser Wireless Streaming Transporter schickt die Daten über alle Wege, kabellos über WLAN, AirPlay, Bluetooth und Songcast, kabelgebunden über LAN, USB und sämtliche S/PDIF-Schnittstellen. Dabei streamt er PCM bis 384 Kilohertz/32 Bit und DSD bis DSD512, er beherrscht die Online-Dienste Spotify Connect, Tidal sowie Qobuz und punktet optisch mit einem exzellenten Farb-Display, in der Bedienung hingegen mit der erstklassigen „Lightning DS“-App. Diesen audiophilen Musik-Manager schauen wir uns näher an.

Der Auralic Aries G1 punktet optisch mit seinem edlen Design und einem Echtfarben-Display.

Streaming Bridge? Wireless Streaming Transporter? Das klingt nach Science Fiction, ist aber reale Gegenwart – und beschreibt das, was der Auralic Aries G1 leistet, ziemlich genau: Der Aries G1 ist ein Logistiker, der digitale Audio-Daten von A nach B bringt – kabelfrei und leitergebunden, präzise, in höchstmöglicher Auflösung. Der Aries G1 beschränkt sich dabei auf den Transport, er übernimmt hingegen nicht die Wandlung dieser Daten ins Analoge. Das ist vergleichbar mit einem reinen CD-Laufwerk, das ebenfalls nur die Nullen und Einsen des Quellmediums ausliest und dann an einen DAC weiterleitet. Warum leistet der Aries G1 die Konvertierung nicht selbst ? Auralic argumentiert so: Viele Musikhörer besitzen heutzutage schon einen DAC oder haben einen Verstärker, in den ein solcher Digital-Analog-Umsetzer bereits integriert ist. Ein zweiter DAC ist dann überflüssig. Und wer noch keinen DAC besitzt, hat dann die freie Wahl. Natürlich hat Auralic da gleich das passende Pendant in petto: den Vega G1. Das ist ein dezidierter DAC. Er stellt in punkto Optik und Audio-Qualität den perfekten Partner dar. Mit ihm haben wir den Aries G1 auch getestet. Der Wireless Streaming Transporter leistet über die Logistik hinaus übrigens doch deutlich mehr. Es beherrscht auch das Musik-Management – besser: Er macht es dem Musikhörer mit einer erstklassigen Steuerungsapplikation möglich. Mit „Lightning DS“ erledigt man alle Geräte- und Wiedergabeeinstellungen, navigiert durch die eigene digitale Musikbibliothek oder streamt Songs von verschiedenen Online-Diensten. Zeit, diesen Vielkönner genauer unter die Lupe zu nehmen – und schon die erste Betrachtung sorgt für eine Überraschung.

Das Gehäuse aus mattschwarzem eloxiertem Aluminium und die sanfte Rundung der Front sorgen für die noble Anmutung und eine hohe haptische Qualität.

Modern, cool, hochwertig: das Design

Wer den Aries G1 mit den Ur-Modellen von Auralic vergleicht, wird sich mächtig wundern: Hier gibt es überhaupt keine Ähnlichkeit mehr! Auralic hat sich mit der letztjährigen Einführung der „G-Series“ im Design völlig neu erfunden. Beim Aries sind die Unterschiede besonders frappierend: Die alten Modell-Varianten, etwa der von uns bereits getestete Auralic Aries LE, bestanden aus einem verspieltem Sandwich-Aufbau mit einem schwarzen kubischen Gerätekern, den zwei silberne, in alle Richtungen geschwungene Platten einfassen. Diese Formgebung war sicher ein Blickfang, doch so passte der Aries zu keiner anderen HiFi-Komponente – dabei ist der Aries als Streaming-Bridge, also als „Daten-Brücke“, eben kein Stand-Alone-Gerät, sondern Team-Player. Außerdem war der alte Aries durch und durch in Kunststoff gekleidet, was ihn zu einem Leichtgewicht von 800 Gramm machte. Was für ein Unterschied zum neuen Aries G1: Sein Gehäuse ist aus einem Stück stranggepresstem Aluminium gefertigt, nur der Boden und die fünf Millimeter starke Rückseitenblende sind angeschraubt. Mit diesem massiven, mattschwarz eloxierten Metall-Gehäuse bringt der Aries G1 satte 7,2 Kilogramm auf die Waage. Trotzdem wirkt er nicht wie ein Trumm: Auralic lässt das alte Standard-HiFi-Maß von 43 Zentimetern Frontbreite hinter sich und setzt hier auf schlanke 34 Zentimeter. Da der Aries G1 sich nun noch acht Zentimeter in die Höhe und 32 Zentimeter in die Tiefe erstreckt, wirkt er eher wie ein kompakt-schlanker Quader. Die eingefrästen horizontalen und vertikalen Linien verleihen ihm dabei eine gewisse Leichtigkeit. Zur Formschönheit trägt zudem die Frontgestaltung bei: Auralic setzt hier auf eine sanfte konvexe Wölbung. Sie hebt das Kubisch-kantige ebenso auf wie die Zurücksetzung des mittleren Areals der Stirnseite. Hier ist nun das optische Prunkstück des Aries G1 eingelassen: das Display.

Das Display ist ein Hingucker und unterstreicht die hochwertige Anmutung des Aries G1. Der Echtfarben-Bildschirm zeigt neben dem Cover-Artwork alle wichtigen Informationen gestochen scharf an.

Top-Display für farbiges Cover-Artwork

Der Aries G1 verfügt über einen Bildschirm, der mit rund neun mal fünf Zentimetern eine überaus komfortable Anzeige zulässt. Zudem handelt es sich um ein OLED-Display – und zwar um eines der besonderen Art: ein Echtfarben-Retina-Display, wie es auch in Smartphones zum Einsatz kommt. Es besitzt also eine Auflösung, die dem des menschlichen Auges entspricht: Es kann 326 Pixel pro Quadratzoll verarbeiten. So eine Anzeige erlaubt eine feinere, schärfere und kontrastreichere Darstellung als die alten LED-Displays. So sind sehr gute farbige Abbildungen des Cover-Artworks oder anderer Bilder möglich, wenn ein entsprechendes Thumbnail hinterlegt ist. Auralic reizt die Darstellungsmöglichkeiten des Displays allerdings in jeder Hinsicht aus: Sind im Grundmenü die sechs anwählbaren Menü-Punkte noch gut les- und erkennbar, so ist in den Untermenüs eine Schriftgröße gewählt, die das Sehvermögen auf eine harte Probe stellt. Dafür wird hier aber auch jeder Menüpunkt mit einem nebenstehenden Text vorbildlich erklärt. In gut lesbarer Größe sind hingegen die Titelanzeigen in der „Queue“, also der aktuellen Playlist, gehalten. Richtig komfortabel und hochattraktiv ist nun die Darstellung bei „Playing“, also bei der Anzeige des aktuell laufenden Stückes: Hier brilliert der Aries G1 mit einer gestochen scharfen, farbigen Anzeige des Covers. Das sieht mal so richtig schick und edel aus! Ein absoluter Hingucker!

Spotify Connect ist neben Tidal und Qobuz bereits implementiert. Wer ein entsprechendes Abo hat, streamt die Musik von diesen Online-Diensten.

Reichhaltiges Info-Angebot, reduzierter Tastenbedarf

Drumherum sind die wichtigen Informationen platziert: Im oberen Bereich erscheinen Interpret und Titel als Laufschrift, so kann diese Information einzeilig bleiben. Links vom Cover zeigt uns dann ein Piktogramm an, ob der Track gerade läuft oder pausiert. Die darunter aufgeführte Zahl ist die Nummer des Tracks in der Queue-Liste. Rechts vom Cover-Bild sehen wir ein Lautsprecher-Piktogramm, darunter die aktuelle Lautstärke. Die unterste Zeile des Display zeigt uns nun rechts die Gesamtlänge des Tracks, links die bereits verstrichene Zeit und in der Mitte einen Fortschrittsbalken als Visualisierung dieser Zeitangaben. Ein sehr beeindruckende optische Darstellung! Man ist wegen der modernen Anmutung des Aries G1 schon versucht, das Display als Touchscreen zu benutzen, doch die Bedienung funktioniert allein über die fünf silbernen Taster auf der Front. Rechts sitzt der An/Standby-Taster, er hält auch im Ruhemodus einige grundlegende Funktionen in Betrieb – etwa die Femto-Clock, auf die wir noch zu sprechen kommen, wodurch der Aries G1 sein beste Klang-Performance liefern soll. Ein echter An/Aus-Wippschalter ist auf der Geräterückseite zu finden. Ansonsten benötigt man nur vier Taster, um intuitiv durch das reichhaltige Menü-Angebot zu navigieren. Damit sind wir schon bei der Vielfalt der Möglichkeiten.

Mit vier Funktionstastern lässt sich der Aries G1 intuitiv bedienen.

Der Aries G1 bietet eingangsseitig neben den zahltreichen kabelfreien streaming-Möglichkeiten zwei physische Schnittstellen: LAN über eine Ethernet/RJ45-Buchse und einen mit „HDD“ bezeichneten USB-A-Port für eine externe Festplatte. Die „DAC“ benannte USB-Buchse dient dem Anschluss des Digital/Analog-Konverters, hier gibt der Aries G1 die beste HiRes-Qualität aus.

Premium-Prozessor vom Flaggschiff-Modell

Unter „Prozessor“ ist alles einstellbar, was der Aries mit den verschiedenen Datenformaten machen soll, die ihm zugespielt werden: Er kann automatisch die beste PCM-Qualität herstellen, die ein nachfolgender DAC, der am USB-Port angeschlossen wird, verarbeiten kann. Übersteigt die File-Qualität das Wandlungsvermögen des DAC, rechnet der Aries G1 das File in die bestmögliche Qualität um. So konvertiert der Aries G1 auch DSD-Files nach PCM, wenn der empfangende DAC DSD nicht beherrscht. Das geht allerdings nur mit DSD64. Überdies kann man für jede Abtastfrequenz festlegen, ob der Aries G1 sie unverändert ausgeben soll oder per Resampling verändern soll – so kann er beispielsweise 192 Kilohertz-Files auf 96 oder 48 Kilohertz runterrechnen oder auf 384 oder sogar 768 hochrechnen. Finaler und audiophiler Leckerbissen: Man kann dabei zwischen vier verschiedene Filter-Arten des Prozessors wählen. Mit diesen Filtern bewahrt der Aries G1 die Signale vor unerwünschten Nebeneffekten der Datenverarbeitung – in verschiedenen Weisen, die auch zu jeweils anderen klanglichen Ergebnissen führen. Das Spektrum reicht vom messtechnisch tadellosen „Präzise“-Filter bis zum „Smooth“-Modus, der das beste subjektiv empfundene Musikerlebnis liefern soll. All dieses Können geht weit über das hinaus, was der alte Aries konnte. Dieser Leistungssprung ist nur möglich, weil im Aries G1 viel Technik des Flaggschiff-Modells Aries G2 steckt. Dazu gehört der leistungsstarke Premium-Prozessor und die um ihn herum alle Abläufe steuernde, deutlich schnellere Tesla G2-Plattform, aber auch die duale Femto-Clock: Im Aries G1 arbeiten zwei separate, extrem präzise Taktgeber, sie schwingen mit der Genauigkeit von einer billiardstel Sekunde. So werden Verarbeitungsungenauigkeiten, die den Klang verschlechtern, minimiert. Für die Frequenzen, die im Audiobereich für die Taktung wichtig sind – also 44,1 Kilohertz und Vielfache dieser Frequenz sowie 48 Kilohertz und Mehrfache dieser Schwingungszahl – kommen getrennte Oszillatoren zum Zuge. So wird jegliche Umrechnung vermieden, auch dies trägt zur Genauigkeit und damit zur Klanggüte bei. Eine der beiden Femto-Clocks ist nun allein für den USB-Ausgang zuständig, die zweite hingegen kümmert sich ausschließlich um die anderen digitalen Schnittstellen. Die gucken wir uns nun an.

Neben dem USB-A-Port stellt der Aries G1 die Musik-Daten auch über die anderen digitalen Schnittstellen-Arten zur Verfügung: über die elektrische koaxiale Cinch-Buchse, über die optische Toslink-Buchse und sogar über die im Pofi-Bereich verwendete AES/EBU-Schnittstelle.

Feinkost-Schnittstellen: die Ein- und Ausgänge

Wer auf die Rückseite des Aries G1 schaut, bekommt als Anschlussmöglichkeiten sechs Buchsen und zwei Antennen geboten. Die Antennen sind Ausdruck der gleich dreifachen kabellosen Streaming-Fähigkeit: zum einen über Bluetooth, zum zweiten über Airplay, zum dritten über WLAN. WiFi ist dabei der Königsweg: Hier ist das Signal im satten HiRes-Umfang kabellos verfügbar. Das gilt auch kabelgebunden für die LAN-Buchse und den USB-A-Port, an den eine externe Festplatte angeschlossen wird. Das File-Streaming ist ja die Kernkompetenz des Aries G1, darum ist er für amtliche hochauflösende Qualitäten ausgelegt: PCM geht bis 384 Kilohertz/32 Bit, DSD bis DSD512 – sogar im nativen, unbelassenen Zustand sowie im DoP-Format, bei dem das DSD-Signal zur leichteren internen Verarbeitung in einen PCM-Container eingepackt wird, daher der Name „DSD over PCM“ (DoP). Natürlich arbeitet der Aries G1 auch mit allen anderen gängigen Formaten und von FLAC bis MP3. Bei der Datenausgabe differenziert der Aries G1: Über die elektrische Koax-Buchse und den optischen Toslink-Ausgang liefert er PCM bis maximal 192 Kilohertz/24 Bit, damit sind die Möglichkeiten dieser beiden S/PDIF-Schnittstellen schlichtweg ausgereizt. Dasselbe gilt auch für den AES/EBU-Ausgang, über den der Aries G1 ebenfalls verfügt. Diese Schnittstellen-Norm wird vor allem im professionellen Tonstudio-Bereich verwendet, damit zeigt der Aries seinen High End-Anspruch. Die volle HiRes-Qualität liefert er hingegen über die USB-A-Buchse, die mit „DAC“ bezeichnet ist. Wer über diesen Port seinen Digital/Analog-Konverter anschließt, macht ihm den Empfang von Files bis zur Güte PCM 384 Kilohertz/32 Bit und DSD512 möglich. Solche Files muss man erst einmal finden. Der Aries G1 ist damit absolut zukunftsfest. Wie steht es nun mit seiner Bedienbarkeit?

Die Einrichtung des Auralic Aries G1 ist mit der Lightning DS-App kinderleicht, ein Assistent führt einen Schritt für Schritt zum Ziel.

Lightning DS – Auralics App für den Bedienkomfort

Die Bedienung des Aries G1 über die Hardware ist natürlich nicht das Ende der Komfort-Fahnenstange. Als erste Alternative bietet Auralic an, eine beliebige vorhandene Infrarot-Fernbedienung zu verwenden, die mit der „Smart-IR Fernbedienung“-Funktion des Aries G1 angelernt wird. Die Erstellung der Tastenzuordnung nimmt natürlich etwas Zeit in Anspruch, immerhin: So sind alle Funktionen wie Wiedergabe/Pause, Lautstärkeregelung oder Titelauswahl auch aus der Ferne verfügbar. Wesentlich bequemer und umfangreicher geht das Handling natürlich mit der App. Auralic bietet hier mit „Lightning DS“ eine eigene Software-Plattform, über die alle Auralic-Geräte eingebunden, verwaltet und bedient werden können. So ist auch ein Multiroom-Betrieb möglich. Diese App ist leider nur für Apple-Produkte verfügbar, sie funktioniert ab iPad 2, iPhone 4S und iPod touch 5G. Die von Auralic bereits entwickelte Android-Variante wurde aufgegeben, weil die Hardware-Spezifikationen und Hersteller-Anpassungen schlicht zu vielfältig waren. Gut oder gar nicht – das ist konsequent. Wer eine funktionierende App-Alternative für Android sucht, wird von Auralic auf BubbleUPnP, BubbleDS, Linn Kazoo und Lumin verwiesen. Mit diesen Apps ist aber nicht immer der volle Funktionsumfang garantiert. Den bietet allein Lightning DS für iOS – und hier zeigt Auralic, wie umfangreich eine solches Musikmanagement sein kann. Man darf nach Belieben Musikbibliotheken anlegen und hinzufügen, abonnierte Streaming-Acounts wie Tidal und Qobuz aktivieren, die Internet-Radiostationen der gesamten Welt ausprobieren, Playlists erstellen und abspeichern, die Inhalte der Musikbibliotheken in verschiedensten Cover- und Textausrichtungs-Ansichten anzeigen lassen, Tracks in die aktuelle Warteschlange stellen und und und. Natürlich lassen sich hier auch sämtliche Netzwerk-, Hardware- und Prozessor-Einstellungen vornehmen. Lightning DS erweist sich als ausgereifte App für das heimische Musik-Management. Mit dem fangen wir jetzt mal an.

Wer die Songcast-Software installiert, kann seine Musik auch auf diesem Weg kabellos vom Computer zum Aries G1 streamen. Hier haben wir ein MacBook eingebunden, auf dem der HiRes-Player Audivana+ läuft, Songcast gibt es aber auch für Windows-Rechner.

Easy: die Einrichtung

Um den Aries G1 ins heimische Netzwerk zu integrieren und einzurichten, sei es kabelgebunden oder über WiFi, stehen uns drei Wege offen: Wir können die Einbindung über das Display auf der Gerätefront vornehmen, über die Lightning DS-App oder die Lightning Web-Control-Schnittstelle. Der letzte Weg geht über Laptop, Smartphone oder Desktop-Computer. Im Internet-Browser tippt man die IP-Adresse des Auralic-Geräts in die Adressleiste ein, schon hat man das komplette Menü auf dem Schirm. Der zweite Weg, also die Einrichtung am Aries G1 selbst, ist wegen der geringen Schriftgröße im Gerätedisplay nicht zu empfehlen. Über den dritten Weg, die App, ist die Installation hingegen ein Traum: Ein Assistent führt uns zielsicher durch den Einrichtungsprozess und durch die Einbindung unserer Musikbibliothek – mit wohltuend aufklärenden Informationen und animierter Bebilderung. So einfach kann auch komplexe Technik sein. Wer in diesem Zug gleich den Gerätenamen ändert, tut sich einen Gefallen, sonst taucht der Aries G1 bei der Bluetooth- oder AirPlay-Kopplung unter kryptischen Bezeichnung wie „4B4Y2PYH“ auf. Wir haben ihn darum auf den Namen „Aries G1 lite-Magazin“ getauft. Unter „Streaming Account“ ist direkt schon unser Favorit Tidal zu finden – prima! Jetzt klemmen wir die Peripherie an: Als DAC schließen wir den Auralic Vega G1 an, von da geht’s über den symmetrischen Ausgang in den Referenz-Verstärker Hegel H590, den wir letzte Woche getestet haben. Als Boxen klemmen wir die ausgezeichneten Spendor D9 an. Die Klangkette ist also von vorn bis hinten exzellent. Jetzt kann es losgehen.

Die Kopplung von Mac und Aries G1 via Apple AirPlay geht nicht über das AirPlay-Symbol in der Statusleiste, sondern ausschließlich über iTunes. Hier wählt man den Aries an – fertig ist die Einrichtung.

Der Auralic Aries G1 in der Praxis

Zum Warmspielen testen wir die verschiedenen kabellosen und kabelgebundenen Möglichkeiten und beginnen mit dem WiFi-Weg – schon spielt der Aries G1 James Taylors „Today Today Today“ in HiRes-Qualität via WLAN von unserem Server. Der Funkverkehr funktioniert dabei ohne das kleinste Stottern oder Aussetzen. Eine solche Hochstabilität haben wir selten erlebt. Top! Auch AirPlay und Spotify Connect gehen absolut reibungsfrei, alles andere hätte uns jetzt auch echt überrascht. Darüber hinaus klappt auch Songcast: Nach der Installation der Software von der Auralic-Seite (hier geht es zum Download) und der Einrichtung in drei Schritten können wir über den Songcast-Weg sogar vom Laptop Musik über den audiophilen Player Audirvana+ ausspielen. Genauso prima funktioniert die Musikübermittlung per Strippe: Wir stellen in der Lightning-App von „Drahtlos“ auf „Kabelgebunden“ um – und schon klappt’s auch über LAN. Wir schließen alternativ nun unsere externe Festplatte an den HDD-USB-Eingang an und erstellen aus dem Festplatteninhalt eine neue Musikbibliothek. Das geht einfach, reibungslos und ziemlich fix – schon können wir aus diesem reichhaltigen Fundus schöpfen. Beim Trackstarten müssen wir uns allerdings einen Moment gedulden, bis die Musik beginnt. Das hat einen Grund: Der Aries G1 lädt alle eingehenden Daten von Computer, NAS und Co. erst mal in seinen Zwischenspeicher. Erst danach beginnt er mit der Signal-Verarbeitung und Weiterleitung. Mit dieser Maßnahme kompensiert der Aries G1 kurzfristige Störungen und Lieferengpässe im Netzwerk, und tatsächlich: Damit klappt der Musikgenuss ohne Ruckeln und Aussetzer. Prima! Zum Test schalten wir die Zuspielung von der Quelle einfach mal ab, trotzdem läuft die Musik verblüffend lange weiter.

Die Erstellung einer Musikbibliothek geht über die Lightning DS-App Dank der Text- und Bild-Anleitung schnell und reibungslos.

Das Knacken des Klaviers

Richtig faszinierend ist aber die Musik: Die Pianistin Sa Chen spielt mit dem Orquestra Gulbenkian unter Lawrence Foster die Romanze aus Frédéric Chopins erstem Klavierkonzert. Eine Aufnahme in SACD-Qualität – und was wir hier hören, lässt uns den Atem anhalten. Die Geigen beginnen im Pianissimo, steigern ganz zart ihre Lautstärke und Intensität, dann setzt der gesamte Streicherapparat ein, bis nach dem Thema eine kurze Generalpause für Stille sorgt. Stille? Nein! In diesen fragilen ersten Sekunden hören wir den Konzertsaal, das Grande Auitório der Calouste Gulbenkian Foundation in Lissabon. Jeder Raum hat seine ganz eigene Akustik und Geräuschkulisse, das gehört dazu, und darum vermittelt diese Aufnahme echtes Leben, besser: Miterleben! Wir haben selten eine Musikpause gehört, die so spannend ist, so sehr die Erwartung auf den Fortgang der Musik steigert – und dieser Fortgang ist wunderschön. Das Gulbenkian Orchestra spielt mit einer Erhabenheit, die einen nun tief durchatmen lässt, und durch die Güte dieser Aufnahme, die immerhin schon zehn Jahre auf dem Buckel hat, entgeht uns nichts, aber auch gar nichts. Dank der Detailtreue, die der Aries G1 bewahrt, wird auch Sa Chens Klavier-Antwort ein Erlebnis: Wir hören jedes leise Knacken und Geräusch des Flügels – auch das hölzerne Instrument spielt mit. Und wie registrieren bei Chens zartem Solopart ebenso die Versuche der Orchestermusiker, leise die eigenen Noten und Füße zu sortieren. So klingt ein echtes Konzert mit Menschen aus Fleisch und Blut. Im Verbund mit dem Vega G1 deckt der Aries G1 aber auch gnadenlos die Limitierungen der Aufnahme und der Produktion auf. So klingt das Klavier an zwei drei Stellen leicht komprimiert und geringfügig verzerrt. Das ist nun wirklich Klagen auf allerhöchstem Niveau – aber in dieser Liga spielt der Aries G1. Wir überprüfen das nun mit dem Hegel H590: Der Vega G1 als DAC kommt raus, dafür koppeln wir den Aries G1 jetzt mit dem USB-Eingang des H590 und nehmen so dessen Wandler in Anspruch. Auch hier das gleiche Ergebnis. Allerdings fallen schon die klanglichen Unterschiede auf: Mit dem Vega G1 war es ein wenig direkter, analytischer.

Ultra-massiv: Das Gehäuse besteht bis auf Boden und Rückseitenblende aus einem einzigen Stück Aluminium.

Reinheit und Ruhe

Wie verhält sich das bei gehobenster HiRes-Qualität? Dafür wählen wir eine Aufnahme der TrondheimSolistene. Das norwegische Kammerensemble musiziert die Romanze aus den „Variations on a Theme of Frank Bridge“ von Benjamin Britten. Der Track liegt uns als DSD256-File vor – also in 256facher Abtastrate der CD. Was für ein Unterschied: Die Aufnahme klingt so sauber, als hätte Meister Propper persönlich Pate gestanden. Es gibt hier aber auch nicht das allergeringste Fitzelchen eines Rauschens. Wahnsinn! Auflösung und Transparenz dieser Produktion sind einfach fantastisch. Dazu hat Abbildung des Orchesters eine ungemeine Räumlichkeit und Tiefe, scheinbar ohne Begrenzung, in diesem sich herrlich frei entfaltenden Klang können wir wunderbar versinken. Zur Reinheit gesellt sich eine ungemeine Ruhe. Sie ist die Folge einer erstklassigen Produktion und einer exzellenten Signalverarbeitung. So liegt der Genuss dieser kurzen, unbeschwerten Romanze nicht nur in der Schönheit der Musik und der Interpretationskraft des Orchesters, sondern auch in der vollendeten Wiedergabe, die nach wenigen Takten für eine ungemeine Entspannung sorgt. Nichts lenkt uns von der puren, reinen Musik ab. Dabei sind Dynamik und Bassvermögen im Verbund mit dem Vega G1 noch eine Spur ausgeprägter als mit dem DAC des Hegel H590. Allerdings ist der Vergleich nicht ganz fair: Weil der Hegel DSD ausschließlich über das DoP-Format zulässt, muss der Aries G1 die originale Datei nämlich zuerst entsprechend umwandeln. Das kann man in seinem Menü ja einstellen, diese Konvertierungsfähigkeit des Aries G1 ist super! Und nun klappt es auch mit dem DAC des Hegel H590.

Die Verwaltung der Musik ist mit der Bedienoberfläche Lightning DS übersichtlich und komfortabel – sei es durchstöbern des Tidal-Angebots (Bild 1), sei es beim Abspielen eines kompletten Albums, dessen Tracks automatisch aufgelistet werden (Bild 2), sei es in der Darstellung des aktuellen Tracks mit größeren Schiebereglern für Lautstärke und Positionsanwahl im laufenden Musiktitel (Bild 3).

Genuss mit Gänsehaut

Solche klanglichen Unterschiede können auf der Filterung bei der Datenkonvertierung beruhen. Die Filter sorgen dafür, dass keine Artefakte der digitalen Signalverarbeitung das Audio-Material verunreinigen. Es gibt verschiedenen Filtermöglichkeiten – und die kann man beim Aries G1 einstellen für den Fall, dass er Files umwandeln muss, weil ein nachfolgender DAC das ursprüngliche File-Format nicht verarbeiten kann. Auch ein Klasse-Feature! Wir betreiben dieses Resampling mit „Liberty“ von Anette Askvik. Bei dieser exzellent produzierten Nummer hören wir über wunderbar flächige Keyboard-Klänge und Sound-Samples den elfenhaften Gesang der Norwegerin, sie wird zum Schluss hin von einem fantastisch klingenden Saxophon abgelöst. Sowohl Askviks Stimme als auch das Saxophon mit den Anblasgeräuschen samt vibrierendem Rohrblatt sind in ihrer Plastizität fast schon schon unheimlich. Ein Lied zum innigen Staunen und zum Versinken, weil auch hier wieder die absolut saubere Verarbeitung für einen puren Genuss und Gänsehaut sorgt. Die Nummer rechnet der Aries G1 nun von 384 Kilohertz auf 192 Kilohertz runter. Dabei büßt die Aufnahme etwas an Präsenz ein – jajaja, das ist wieder Jammern auf höchstem Niveau. Nun spielen ein wenig wir mit den vier angebotenen Filtern des Aries G1. Gehen wir von dem voreingestellten „sanft“ auf „präzise“, ist die Präsenz des Gesamtklangs wieder da. Das ist unser Filter-Favorit, gefolgt von „dynamisch“, wo gerade Stimme und Saxophon etwas weiter hervorzutreten scheinen und noch greifbarer wirken. Puh, wir reden hier von Klangunterschieden digitaler Filter – unglaublich!

Bei der Musiksuche (Bild 1) bietet die Lightning DS-App diverse Filteroptionen: Neben Album, Interpret und Genregehören dazu auch die Abtastrate oder der Dateityp. So behält man den Überblick über seine Musiksammlung. Über den Menüpunkt „Optionen“ (Bild 2) erledigt man das Setup für die Bibliothek, den Prozessor, die Hardware und ,wie hier, den Streamer. So hat man die Optionen schnell überblickt. Im Prozessor-Setup kann man für das Resampling die Filterungsart einstellen (Bild 3). Das verändert durchaus den Klang des vom Aries G1 umgerechneten Files.

Hörspaß auch ohne HiRes

Man kriegt aber auch abseits dieser höchsten Verfeinerung und jenseits von HiRes-Sphären Spaß. Das haben wir über AirPlay und Spotify gleich zu Anfang gemerkt, auch reine CD-Qualität liefert Hörgenuss – die Musik muss nur ordentlich aufgenommen sein. Den Rest erledigt dann eine gute Datenvermittlung und -verarbeitung. Und so lassen wir es am Schluss mit „Rock’n’Roll Train“ von AD/DC in 441,1 Kilohertz/16 Bit ordentlich krachen. Die Klangkette gibt’s ja her, und hier glänzt der Aries G1 gerade mit dem Vega G1 als DAC. Das ist richtig fett und trotzdem reich an Details, wir hören am Ende sogar Angus Youngs Marshall-Verstärker rauschen. Bei diesem ganzen Test haben wir viel ausprobiert und umkonfiguriert, das alles ging sehr gut mit der schnell reagierenden, übersichtlichen Lightning DS-App – auch eine so reibungsfreie Bedienfähigkeit gehört in heutiger Zeit zum unbeschwerten Musikgenuss dazu. Der Aries G1 macht ihn auf höchstem Niveau möglich.

Der Aries G1 mit seinem perfekten Spielpartner, dem DAC Vega G1.

Fazit

Der Auralic Aries G1 ist ein Logistik-As für HiRes-Files: Der Wireless Streaming Transporter bringt Musikdateien in exzellenter Qualität von ihrem Speicherort zum verarbeitenden DAC. Über diese Streaming Bridge sausen PCM-Files bis 384 Kilohertz/32 Bit und DSD-Files bis DSD512, darüber hinaus aber auch alle anderen gängigen Formate von AIFF bis MP3. Dieser Datentransport geht ohne Kabel via WiFi, AirPlay, Songcast und Bluetooth oder alternativ über Signalleiter per LAN, USB, AES/EBU, Toslink und Coax. Wer mehr als die eigenen Files hören möchte, kann mit entsprechendem Abo Musik über Spotify Connect, Tidal und Qobuz oder per Internetradio hören. Das komplette Management der Musik, aber auch die Einrichtung und Konfiguration des Aries G1 und weiterer Auralic Geräte – Stichwort: Multiroom – geht prima mit der ausgereiften, intuitiven Bedien-App Lighning DS. Mit seiner Funktionsvielfalt sorgt diese exzellent verarbeitete Streaming Bridge, die auch noch durch ein Echtfarben-Display glänzt, für Musikgenuss auf auf höchstem Niveau.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen

95 %

90 %

95 %

181129.Auralic-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Auralic
Aries G1
Produktkategorie:Wireless Streaming Transporter / Streaming-Bridge / Netzwerk-Streamer
Preis:2.199,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:Mattschwarz
Vertrieb:Audionext, Essen
Tel.: 0201 / 507 3950
www.audionext.de
Abmessungen (HxBxT):80 x 340 x 320 mm
Gewicht:7,2 kg
Eingänge (digital):- LAN (Ethernet, RJ45)
- WLAN (802.11b/g/n/ac Tri-Band-WiFi)
- AirPlay
- Bluetooth
- Songcast
1 x HDD (USB-A, für externe Festplatten/USB-Sticks)
Ausgänge (digital):1 x AES/EBU
1 x elektrisch (Cinch, koaxial, SPDIF)
1 x optisch (TOSLink, SPDIF)
1 x DAC (USB-A)
Unterstützte Audio-Dateiformate- PCM bis 384 kHz / 32 bit
- DSD bis DSD512 (DoP und nativ), DXD
- AIFF, ALAC, APE, DIFF, DSF, FLAC, OGG, WAV, AAC, M4A, MP3, WV, WMA
Maximale Samplingrate/
Auflösung (Ausgänge):
- PCM 384 kHz / 32 bit (USB)
- PCM 192 kHz / 24 bit (AES/EBU, Toslink, Coax)
- DSD256 (USB)
Unterstützte Dienste/Plattformen:- Tidal, Qobuz, Spotify Connect
- Internetradio
- Roon Ready
Kompatibilität und Mindest-Systemanforderungen:- mit Lightning DS-App: iPad 2, iPhone 4S oder iPod touch 5G
Speicherkapazität:- 2 GB Systemspeicher
- 8 GB Datenspeicher
- 1 GB Zwischenspeicher (Cache)
Lieferumfang:- Auralic Aries G1
- 2 Antennen
- Netzkabel
- Bedienungsanleitung (Englisch)
Besonderheiten:- Streaming per WLAN und LAN in HiRes-Qualität sowohl von PCM- als auch von DSD-Files
- Streaming per AirPlay, UPnP, Bluetooth, Songcast
- Integration von TIDAL und Qobuz
- Zugang zu Internet-Radiostationen
- komfortable Bedienung über Lightning DS-App (nur für iOS)
- Resampling sowie DSD-zu-PCM-Konvertierung
- exzellentes Farb-Display
- Roon Ready
- hervorragende Verarbeitung
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,1
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1,0
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungangemessen

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