Viele Besitzer in die Jahre gekommener Laptop-PCs entscheiden sich gerne für ein brandneues Modell. Kein Wunder, vergleicht man seinen staubigen, langsam gewordenen und technisch nicht mehr auf der Höhe befindlichen Rechenknecht mit der Parade der Ausstellungsstücke beim Technikhändler, wirkt „der Alte“ nochmals älter. Allerdings ist Wegwerfen und Neukaufen nicht nur die teuerste Lösung. Faktisch ist es auch ein Umweltproblem, nicht nur der Alt-Rechner muss entsorgt, sondern auch ein neuer hergestellt werden. Das schlagkräftigste Argument ist jedoch folgendes: Selbst wenn der Rechner vielleicht aus den späten 00er- oder frühen 10er Jahren stammt, ist er noch für viele Anwendungen zwischen Internetsurfen und normalen Büroaufgaben absolut brauchbar und lässt sich durch Aufrüsten auch noch an die Leistungsbedürfnisse der ausgehenden 2010er anpassen. Für alle, die jetzt auf den Geschmack gekommen sind, zeigen wir eine Schritt-für-Schritt Restaurationsanleitung, mit der technisch verständige Laien ihren Alt-Laptop wieder fit machen können.

Es muss nicht immer ein neues sein. Das alte Laptop lässt sich mit ein paar Tricks fast wieder auf den alten Stand zurückversetzen (Bild: pixabay.com/annca).

1. Erdung ist oberste Restauratorenpflicht

Bei jeder Bewegung, die wir machen, entsteht statische Elektrizität. Was bei elektrostatischen Lautsprechern gewollt ist, kann, wenn man an einem offenen Computer arbeitet, u.U. dazu führen, dass die Elektronikbauteile beschädigt werden. Bevor man also loslegt, muss man sich erden, dazu hat man zwei Optionen:

– Die sicherste, wenngleich etwas teure Maßnahme ist es, sich eine Erdungsmatte und ein Erdungsarmband zu besorgen. Diese werden per Stecker mit den außenliegenden Erdungskontakten einer Steckdose verbunden und sorgen so dafür, dass jegliche statische Elektrizität sofort abgeleitet wird

– Die Selbermacherlösung besteht darin, sich unmittelbar vor Arbeitsbeginn sowie zwischendurch durch einen Griff an einen Heizkörper oder einen Wasserhahn (beide sind mit der Gebäude-Erdung verbunden) zu entladen. Zudem sollte man nur Naturfasersocken tragen (weil die Reibung von Gummisohlen an Teppichböden wiederum statische Elektrizität erzeugt) und idealerweise hauchdünne Wegwerf-Gummihandschuhe.

2. Frühjahrsputz

In einem langen Notebook-Leben hat sich daran und darin eine enorme Menge Schmutz angesammelt. Am offensichtlichsten ist der Staub. Meistens kommt, je nach Haushalt (Stichwort Raucher), auch noch eine recht dicke Schicht „Dunst“ hinzu. Der erste Schritt besteht also darin, den PC grundlegend zu reinigen.

1. Bei vollständig heruntergefahrenem System wird zunächst der Akku entnommen, dann werden alle verschraubten Klappen an der Unterseite geöffnet.

2. Mithilfe einer Druckluft-Sprühdose und eines weichen Naturfaser-Pinsels wird der auf der Technik befindliche Staub zunächst gelöst und dann weggeblasen. Dabei bitte in Richtung der Lüftungsschlitze arbeiten und die Lüfterräder nach Möglichkeit festhalten.

3. Über die Öffnung eines Staubsaugerschlauchs stülpt man eine Damen-Feinstrumpfhose. Das ist wichtig, denn nun wird die Tastatur abgesaugt. Löst sich dabei eine Taste, bleibt sie einfach in der Strumpfhose hängen.

4. Das Gehäuse sowie der Bildschirm selbst benötigen einen sanften Reiniger, etwa solchen, der speziell für Computermonitore gedacht ist. Diesen Reiniger appliziert man auf ein fusselfreies Tuch (niemals direkt auf den Rechner) und dann heißt es „Schrubben“. Dabei sollte man zur Vermeidung von Feuchtigkeitsschäden das Papier häufiger wechseln und es nur leicht anfeuchten, statt es regelrecht zu tränken. Raucher werden jetzt schnell feststellen, welche „Hinterlassenschaften“ ihr Laster produziert.

5. Abermals mit dem Staubsauger widmet man sich nun den Anschlüssen. Vor allem USB-Slots sind, weil sie häufig benutzt werden, ein Problemfall. Das liegt daran, dass darin befindlicher Staub durch das ständige Ein- und Ausstecken verdichtet wird. Häufig hilft da abermals nur der Pinsel.

6. Falls das Gehäuse weiterhin Flecken oder gar Kratzer aufweist, kann man diese vorsichtig mit einem Microfasertuch und etwas Autopolitur herauspolieren.

Danach wird das Notebook zumindest optisch schon wieder frisch aussehen. Doch das war nur der Anfang.

Beschäftigt man sich mit dem Innern des Rechners, ist höchste Vorsicht geboten (Bild: pixabay.com/2725881).

3. Frische Technik

Ganz gleich, ob man seinen Akku jedes Mal, wenn er voll war, vom Netz getrennt und ihn erst wieder verbunden hat, wenn er leer war oder ob er 24/7 an der Steckdose hing: Nach einigen Jahren wird er erheblich an Standzeit eingebüßt haben. Das gilt besonders für klassische Akkus, aber auch moderrne Lithium-Ionen-Stromspeicher sind nicht frei vom Memory-Effekt. Unsere Empfehlung lautet daher, sich in den Weiten des Netzes nach einem originalen oder Aftermarket-Akku umzusehen.
Wenn dessen Bestellung getätigt wurde, widmet man sich der Laptop-Unterseite, genauer den RAM-Bausteinen. Auf diesen findet sich ein Aufkleber, um welches System es sich handelt (Höchstwahrscheinlich DDR-2 oder -3 RAM). Ausgehend vom Betriebssystem kann man nun aufrüsten. Doch Vorsicht: Jede Windows-Version hat Arbeitsspeicher-Grenzen:

– Win Vista, 32 Bit, generell 4GB, bei 64 Bit zwischen 8 (Home Basic) und 192GB (Ultimate/Enterprise/Business)
– Win 7, 32 Bit, generell 4GB, bei 64 Bit zwischen 8 (Home Basic) und 192GB (Ultimate/Enterprise)
– Win 8, 32 Bit generell 4GB, bei 64 Bit zwischen 192 und 512GB (Enterprise)
– Win 8.1, 32 Bit generell 4GB, bei 64 Bit zwischen 192 und 512GB (Enterprise)

Und ganz gleich, was die restliche Technik leistet, hier sollte man klotzen. Zwar ist Leistung beim PC immer ein Duett zwischen Arbeitsspeicher und Prozessor. Aber da ersterer ungleich günstiger und leichter auszutauschen ist als letzterer, sollte man zugreifen und darf sich so über ein generell flüssigeres Arbeiten freuen.

4. Frisch auch innen

Sobald der neue Akku eingetrudelt ist, wird es Zeit, alle Klappen zu schließen, das Notebook wieder mit dem Strom zu verbinden und es hochzufahren. Jetzt steht der, was den Zeitaufwand anbelangt, langwierigste Schritt an: Die digitale Restaurierung. Natürlich wäre es an diesem Punkt möglich, einfach seine Windows-Installation wieder auf Werkseinstellungen zu setzen. Aber da das sämtliche Daten vernichten würde, zeigen wir nun eine Alternative auf:

1. Man lädt sich ein Festplatten-Check-Tool herunter. Dies bewertet die generelle Gesundheit der Platte. Gibt das Programm grünes Licht, kann man weitermachen.

2. Bevor man etwas löscht, erstellt man am besten ein komplettes Abbild der Festplatte inklusiver aller Partitionen auf einen voluminösen USB-Stick oder einer externen Festplatte. Falls beim Löschen irgendwas schiefgeht, kann man so die Reißleine ziehen und wieder zum ursprünglichen Zustand zurückkehren.

3. Dann werden zunächst die grundlegenden Aufräumarbeiten angegangen. Sprich, es werden doppelte und/oder überflüssige Programme deinstalliert, die temporären Dateien werden entfernt und die Registrierungsdatei gesäubert.

4. Anschließend lässt man die bei Windows immer in den Bordmitteln vorhandenen Tools namens Datenträgerbereinigung und Defragmentierung laufen – das kann recht lange dauern.

5. Internet-Vielnutzer sollten am besten ihre Lesezeichen und gespeicherten Passwörter des Browsers sichern und diesen dann komplett neu installieren. So bekommt man einen frischen, unverbrauchten Browser ohne digitale Altlasten, die sich bei der regelmäßigen Benutzung gern ansammeln.

6. Alle verwendeten Programme, besonders Firewall/Virenscanner, sollten manuell auf Updates geprüft werden. In den meisten Tools sind dafür Mittel und Wege vorgesehen. Falls diese Maßnahme es notwendig macht, ein Programm völlig neu zu installieren, sollte man es tun. Dies vor allem, weil veraltete Versionen gähnend offene Sicherheitslücken darstellen.

7. Das Office-Paket wird ebenfalls auf Updates durchleuchtet.

8. Im letzten Schritt begibt man sich in die Systemsteuerung (Kategorie System und Sicherheit) und prüft dort, inwieweit sich Windows auf dem neuesten Stand befindet. Auch hier gilt: Falls Systemupdates und/oder ganze Service Packs möglich sind, die man noch nicht appliziert hat, sollte man dies aus Gründen der Sicherheit (und der Kompatibilität mit modernen Programmen) jetzt ebenfalls nachholen.

Manche Bauteile lassen sich austauschen. Dazu gehören in der Regel Akkus und Arbeitsspeicher. Manchmal aber auch Mainboards oder ganze Platinen (Bild: pixabay.com/stux).

Anschließend sollte der PC ein letztes Mal neu gebootet werden. Damit ist die Arbeit beendet. Der Laptop ist nun wieder so gut wie neu. Er wird je nach RAM-Update und Gründlichkeit beim Deinstallieren ein gutes Stück schneller laufen und ist dank des neuen Akkus für viele weitere Jahre gut. Und das vielleicht Beste: Das alles wird einen nur einen Bruchteil dessen gekostet haben, was Sie für ein völlig neues Notebook hingeblättert hätten. Und selbst die Umwelt hat noch etwas davon.

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