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Redakteur
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Adam Audio kennt man eigentlich als Hersteller von Abhör-Monitoren für den Studiobereich. Doch genau diese Profi-Beschallung möchten viele Musikfans gerne zuhause erleben – mitunter auch in einem quadratmeterreichen Ambiente. Dafür ist der ADAM Audio S5V gemacht: Der aktive Drei-Wege-Monitor ist speziell für größere Gemächer ausgelegt und bietet einen cleveren Soundprozessor zur Anpassung an den Raum – oder an den persönlichen Geschmack.

Der ADAM Audio S5V ist als kraftvoller Farfield-Monitor auch für den Privateinsatz in großen Räumen geeignet.

Wer durch Sendeanstalten oder Tonstudios geht, trifft immer wieder auf Abhören von ADAM. Das ist kein Wunder, denn die Berliner fertigen seit nunmehr zwanzig Jahren amtliche Lautsprecher für den professionelle Studiobetrieb. Beim Mischen und Mastern ist eine völlige Klangneutralität der Schallwandler die wichtigste Voraussetzung. Meist hören die Tontechniker auf kurze Distanz in kleinen Regieräumen, doch mitunter ist das Abhör-Ambiente doch etwas größer. Hierfür sind Midfileld-Monitore wie der von uns bereits getestete ADAM Audio S3V gemacht, die sich auch für den privaten Bereich eignen – denn wer Musik zur Entspannung und zum Genuss hört, möchte dabei ja nicht direkt vor den Boxen sitzen. Wenn das Ambiente nun noch geräumiger ist, empfiehlt sich ein dahingehend optimierter Farfield-Monitor wie der ADAM Audio S5V. Dies ist das größte Modell der S-Serie: Er ist noch kräftiger, er ermöglicht zudem einen erweiterten Hörbereich, in dem der Klang für den Hörer optimal ist – und er bietet wie alle Schallwandler der S-Serie gleich mehrere pfiffige Lösungen, um den Einfluss des Raums auf den Klang in den Griff zu kriegen. Wie das beim S5V funktioniert, schauen wir uns jetzt an.

Der massive Korpus verhindert durch seine Dickewandigkeit Vibrationen – und durch die Abrundungen der Front klangschädliche Reflexionen des Schalls an den Kanten.

Imposante Erscheinung

Schon dem S3V haben wir eine stattliche Statur bescheinigt, beim S5V ist die Vorstellung, dass ein Monitor eine klein-kompakte Box ist, umso abstruser. Mit einem Platzanspruch von 70 x 39 x 52 Zentimetern bietet der S5V eine überaus imposante Erscheinung. Da er aber kein Standlautsprecher ist, führen wir ihn trotzdem in der irreführenden Kategorie „Kompaktlautsprecher“. Das ausgewiesene Gewicht von 52 Kilogramm pro Box stellt bei dieser Erscheinung niemand infrage, der S5V strahlt genau jene Massivität aus, die das Gehäuse durch seine dickwandige Konstruktion einlöst. Der Korpus ist dadurch resistent gegen Vibrationen. Zur Minimierung von klangbeeinflussenden Kantenbeugungen des Schalls sind die Ränder der Front abgerundet. Auch bei den vorderseitigen Bassreflex-Öffnungen wurden Kanten vermieden, dadurch werden Geräusche der hier ein- und ausströmenden Luft vermindert. Bassreflex-Ports auf der Front sind vielleicht nicht die attraktivste Lösung, das erlaubt jedoch eine wandnahe Aufstellung der Monitore. Hier steht, wie bei allen Features des S5V, der praktische Nutzen im Vordergrund. Deshalb ist das Gehäuse auch mit einem strapazierfähigen, sich rau anfühlenden Strukturlack überzogen, der ausschließlich in seidenmattem Schwarz ausgeführt wird, auch die Chassis sind fast ausschließlich in dieser Farbe gehalten. So verströmt der S5V jenes nüchtern-praktikable Flair von professionellen Beschallungskomponenten: Sie sollen nur akustisch glänzen, optisch hingegen nicht auffällig sein. Im Studio, wo die Raumausleuchtung oft auf den Mischpult-Bereich ausgerichtet ist, funktioniert das prima. Im privaten Ambiente ist der S5V hingegen ein Statement, zumal man ihn erst einmal auf einen geeigneten Ständer stellen muss, damit der Monitor optimal abstrahlen kann. Dies ist der Fall, wenn der Hochtöner auf Ohrhöhe ist und der S5V vertikal aufgestellt ist. Diese Positionierung deutet sowohl das „V“ im Modellnamen an als auch die Formung der Waveguides, die den Hoch- und Mitteltöner einfassen: Diese aus dem vollen Aluminiumblock gefrästen Schallführungen befördern eine homogene Abstrahlung in der Breite und vermindern die Emission nach oben und unten – im Studio sind da nämlich als störende reflektierende Flächen die Decke und das Mischpult. Auch im heimischen Ambiente werden die Schallreflexionen von unten und oben gerne reduziert, um das saubere Wandlungswerk der Speaker nicht zu verunklaren.

Eine Air Motion Transformer-Weiterentwicklung liefert den Hochton. Die gelbe Membran dieses S-ART ist wie eine Ziehharmonika gefaltet. Die dezente LED über dem Tweeter zeigt an, dass der ADAM Audio S5V in Betrieb ist.

Spezial-Chassis: AMT als Tweeter,…

Bei den Speakern kommen durchweg Speziallösungen zum Einsatz. Das beginnt gleich beim Hochtöner. ADAM Audio favorisiert hier stets den sogenannten Air Motion Transformer (AMT). Dies ist ein besonderer „Bändchen“-Lautsprecher, denn die zwischen Magneten gespannte, dünne und von Leiterbahnen durchzogene Membran ist hier Akkordeon-artig gefaltet. Wenn nun durch die Leiterbahnen ein Musiksignal in Form von elektrischem Strom fließt, agiert die Membran wie eine Ziehharmonika: Sie zieht sich zusammen und geht dann wieder auseinander. Die Luft zwischen den Membran-Lamellen wird dabei in Richtung des Hörers gepresst. Dies geschieht wesentlich flotter als bei einem konventionellen, kolbenförmig vor- und zurückschwingenden Schallwandler – nämlich mit einer Geschwindigkeitsübersetzung von 1:4. Im Zusammenspiel mit der geringen Membranmasse bewirkt das eine überaus impulstreue und exakte Wandlung. Klanglich sorgt der AMT somit in den Höhen für ein transparentes, frisches und hochauflösendes Klangbild. ADAM Audio hat diese Hochtöner-Bauart beständig weiterentwickelt. Nach dem ART (Accelerating Ribbon Technology) und dem X-ART ist nun der S-ART die neueste Version. ADAM verspricht hier einen höheren Präzisionsstandard und hat den S-ART zudem mit einer modifizierten Schallführung ausgestattet.

Spezieller Speaker: Der Mitteltöner hat eine hybride Membran, die eine Mischform aus Kalotte und Konus ist. Wie beim Hochtöner sorgt ein ausgeprägter Waveguide für die Schallführung.

… Kalotten-Konus-Kreuzung als Mitteltöner …

Ähnlich eingebettet strahlt der direkt darunter positionierte Mitteltöner ab, der ab drei Kilohertz übernimmt. Hier kommt ein neu entwickeltes DHC-Chassis zum Zuge: Der Zehn-Zentimeter-Speaker ist eine ziemlich ungewöhnliche Mischform aus Kalotten- und Konustreiber, die Abkürzung DCH steht für „Dome Cone Hybrid“. Die spezielle Geometrie der Membran verleiht der schwingende Fläche eine hohe Stabilität, hinzu kommt ein Materialmix aus einem speziell laminierten Kohlefaser-Verbundwerkstoff, der für eine Steifigkeit der Membran sorgt: So widersteht sie Verformungen, und so werden auch unerwünschte klangverfälschende Materialschwingungen vermieden.

Der 32 Zentimeter messende Woofer für den Tiefton besitzt eine mit Kevlar beschichtete HexaCone-Membran. Die darunter verborgene, aber optisch erahnbare Wabenstruktur erhöht die Stabilität der schwingenden Fläche.

… und Waben-Woofer als Tieftöner

Die Bässe unterhalb von 250 Hertz wandelt ein ebenfalls neu entwickelter Woofer: Das 32-Zentimeter-Chassis ist mit einer HexaCone-Konusmembran bestückt. Sie besteht aus einer Wabenstruktur aus Nomex-Kunststoff, die beidseitig mit einer Kevlar-Beschichtung versehen ist. Diese Sandwich-Konstruktion ergibt eine hochsteife und zugleich leichte Membran. Der Tieftöner ist als Langhub-Chassis ausgelegt, was sich bei ADAM Audio in der Bezeichnung „Extended-Linear-Excursion“.(ELE) ausdrückt. Die Membran kann wegen der speziellen Auslegung des Antriebs weit nach vorn und nach hinten auslenken, durch die spezielle Aufhängung in Form einer starken Sicke schwingt sie dabei trotzdem sehr gleichmäßig und deshalb verzerrungsarm. In Summe ergibt das einen flächenreichen, kräftigen und präzisen Woofer, der runter bis zu richtig tiefen 25 Hertz wandelt.

Mit dem dreh- und drückbare Bedienknopf und dem kleinen, aber sehr gut lesbaren OLED-Display nimmt man die Klang-, Pegel- und Delay-Einstellungen vor.

Integrierte Verstärker

Amtlich angetrieben werden diese Chassis durch interne Kraftwerke. Der ADAM Audio S5V ist nämlich ein Aktiv-Monitor, das heißt: Die Audio-Verstärker sind schon integriert. Bei Studio-Lautsprecher ist das üblich. Die Vorteile dieser Lösung gelten aber auch im privaten Wohnzimmer: Durch die Integration ist kein externer Amp nötig, der weiteren Platzbedarf anmeldet. Noch wichtiger: Die Verstärkersektion harmoniert optimal mit den Chassis. So bleibt einem die mitunter geld- zeit- und nervenintensive Suche nach dem perfekt passenden Amp erspart. Die integrierte Lösung erlaubt sogar eine Spezialisierung: Im S5V arbeiten drei verschiedene Class-D-Endstufen. Diese PWM-Verstärker (PWM steht für Pulsweitenmodulation) oder auch Schaltverstärker genannten Amps funktionieren mit raffinierter Digitaltechnik und erreichen einen großen Wirkungsgrad. So lässt bei vergleichsweise geringem Energieeinsatz eine große Verstärkung bei kompakter Bauweise erzielen. Dadurch sind imposante Leistungswerte möglich: Der Bass wird mit einem 700 Watt-Verstärker betrieben, der Mittelton mit einem 300 Watt-Amp, der Hochtöner mit einem immer noch stattlichen 100 Watt-Modul. Macht in Summe satte 1.100 Watt. Alle Verstärker sind im S5V isoliert in einer eigenen Gehäusekammer untergebracht, damit sich Amps und Chassis nicht in die Quere kommen. Damit sie klanglich perfekt zusammenspielen, werden sie von einer elaborierten Elektronik orchestriert.

Mit der Volume- und Delay-Einstellung lassen sich Lautstärke- und Laufzeitunterschiede ausgleichen, falls die Boxen verschieden weit vom Hörplatz entfernt stehen.

Soundprozessor für Raumanpassung und Klangoptimierung

Dafür ist der S5V mit einem digitalen Soundprozessor ausgerüstet. Er erledigt gleich zwei Aufgaben. Zum einen arbeitet er als Frequenzweiche, er entscheidet also, welche Frequenzbereiche von welchem Chassis schallgewandelt werden. Diesen Job übernehmen in einem konventionellen Lautsprecher passive Bauteile, die aber nicht so präzise arbeiten wie eine aktive Steuerung. Mit dem DSP fällt der resultierende Frequenzgang des gesamten Lautsprechers daher gleichmäßiger aus. Zum anderen ermöglicht der Soundprozessor eine Veränderung des Klangs und eine Anpassung an den Raum. Das Zimmer, in dem ein Schallwandler spielt, hat einen immensen Einfluss auf den resultierenden Klang – und dieser Einfluss erweist sich als umso größer, je weiter die Entfernung zwischen Boxen und Hörplatz ist. Um unerwünschte Klangveränderungen durch den Raum zu nivellieren, hat der DSP verschiedene Anpassungswerkzeuge in petto. Zu ihnen gelangt man, wenn man den S5V umdreht: Hier finden wir ein kleines, aber gestochen scharfes OLED-Display und einen Bedienknopf, der Drucktaster und Drehgeber in einem ist. Mit Anzeige und Bedienknopf erreichen wir die verschiedenen Einstellmöglichkeiten. Als erstes können wir den Gesamtpegel festlegen, also die Grundlautstärke. Die wird bei beiden Monitoren unterschiedlich sein, wenn sie in verschieden großem Abstand zum Hörplatz stehen. Damit die Signale beider Boxen dort trotzdem gleichzeitig ankommen, kann man für jeden Monitor ein Delay einstellen, also eine Verzögerung. Dies ist in sehr feinen 0,1-Millisekunden-Schritten möglich. So lassen sich Laufzeitunterschiede bis fünf Millisekunden ausgleichen. Eine sehr gute Lösung!

Klanganpassung: Mit den Filtern “Hi-Shelf” (hier abgebildet) und “Lo-Shelf” verändert man die Höhen und Bässe über einen breiten Frequenzbereich.

Equalizer-Vielfalt

Zur Klangveränderung stehen nun eine Reihe von Equalizern zur Verfügung. Zum einen bietet der S5V zwei sogenannte Shelving-Filter. Sie dienen der breitbandigen Anhebung oder Absenkung der Höhen sowie der Bässe im Bereich von -12 bis +12 Dezibel. Ab wo diese Filter ansetzen, kann man mit der einstellbaren Eckfrequenz zwischen 20 und 20.000 Hertz festlegen. Mit sechs weiteren Equalizern erreicht man alternativ oder zusätzlich gezieltere Klangveränderungen. Diese Equalizer arbeiten nämlich vollparametrisch, das heißt: Jeder einzelne EQ ermöglicht die Einstellung der Einsatzfrequenz, der Bandbreite (also der Größe des Frequenzbereichs, auf den der EQ wirken soll) und der Verstärkung. So lässt sich beispielsweise ein raumbedingtes Wummern im Bassbereich zielgenau ausgleichen. Man kann mit den Equalizern aber ebenso seinen Klangvorlieben freien Lauf lassen und einen Wunschsound kreieren. Drei individuelle Klang-Profile können im S5V abgespeichert werden. Hinzu kommen zwei vorgegebene und unveränderliche Werks-Presets: „Pure“ bedeutet, dass der S5V ohne Frequenzgang-Veränderung arbeitet, im Modus „UNR“ (Uniform Natural Response) hingegen schallwandelt der S5V laut ADAM gemäß einer dynamischen, natürlich klingenden Frequenzkennlinie. Wie das klingt, werden wir gleich im Hörtest herausfinden.

Mit der Remote-Software „S Control“ lässt sich der Monitor über die USB-Schnittstelle per Computer einstellen. Das ist deutlich komfortabler als mit der Ein-Knopf-Menüführung und -Eingabe an der Monitor-Rückseite.

Professionelle Ein- und Ausgänge

Direkt unterhalb der Klangreglung finden wir die Anschlüsse des S5V – und hier bietet der Monitor besten Studio-Standard. Analogseitig besitzt jede Box eine XLR-Buchse für die Einspeisung eines symmetrischen Audio-Signals. Die symmetrische Signalübertragung ist die beste Art, Musik von A nach B zu transportieren, denn durch die Übermittlung via zweier Signalleiter – einmal original und einmal invertiert – können elektromagnetische Einstreuungen, die das Signal auf seinem Weg durch das Kabel mit Sirren oder Brummen anreichern, unschädlich gemacht werden. Für die symmetrische Übertragung muss natürlich das Quellgerät einen entsprechenden Ausgang bieten. Falls hier nur ein unsymmetrischer Ausgang in Form zweier Cinch-Buchsen zur Verfügung steht, behilft man sich mit einem XLR/Cinch-Adapter. Den gibt es im Fachhandel für kleines Geld. Digitalseitig offeriert der S5V einen AES3-Eingang. Hinter diesem von der Audio Engineering Society genormten Anschluss steckt der Standard AES/EBU, über ihn können digitale Stereo-, Zweikanal- oder Mono-Audiosignale bis 192 Kilohertz/24 Bit übertragen werden. Diese serielle, selbstsynchronisierende und unidirektionale Schnittstelle ist ebenfalls Standard im Studio, doch auch manch hochwertige Audiokomponenten des Consumer-Bereichs weist diese Schnittstelle auf. Unter den analogen und digitalen XLR-Buchsen des S5V finden wir nun noch einen USB-Port. Er ist aber einzig für die Zuspielung von Software-Updates vorgesehen sowie für die komfortable Konfiguration des Monitors: Schließt man hier einen PC oder Mac an, auf dem die Editor-Software von ADAM aufgespielt ist, kann man die Lautsprechereinstellungen bequem über den Rechner vornehmen. Die Software steht registrierten Kunden auf der Hersteller-Webseite zum Download bereit (hier geht es zum Link). Diese Möglichkeit ist ein Segen für alle, die den S5V fest verbauen, so dass die Rückseite des Monitors unzugänglich ist.

Professionelle Ein- und Ausgänge: Analog bietet der S5V einen symmetrischen XLR-Eingang, digital offeriert er eine AES3-Schnittstelle in Form zweier XLR-Buchsen. Über den „Out“-Anschluss wird das Signal des zweiten Stereo-Kanal an die andere Box weitergegeben.

So klingt der ADAM Audio S5V

Damit wir den symmetrischen Audio-Eingang des S5V nutzen können, verwenden wir als Vorverstärker und Wandler den in Studiokreisen überaus beliebten und von uns bereits getesteten RME ADI-2 DAC. Die Musik stammt von unserem Laptop, auf dem die aktuelle Version des audiophilen HiRes-Player Audirvana installiert ist. So kommen wir in den Genuss einer sehr schönen HiRes-Aufnahme in 384 Kilohertz/32 Bit: „A Trace Of Grace“, die Monteverdi-Hommage von Michel Godard, der mit ausgesuchten Mitmusikern eine Annäherung von Alter Musik und Jazz unternimmt. Gleich der Anfang zieht uns in den Bann: Bruno Helstroffer gibt auf der Theorbe, einer historischen Langhals-Laute mit zwei Wirbelkästen, das Bassmotiv von Monteverdi vor und spielt dazu eine wunderschöne Improvisation. Die metallumsponnenen Saiten für die tiefen Begleittöne haben eine tolle Drahtigkeit, die knurrenden Basstöne bilden einen schönen Kontrast zu den weich und warm klingenden Darmsaiten des Diskants. Egal ob Bass oder Melodie: Wir hören jeden Fingeranschlag von Helstroffer, der etwa zwei Meter von uns entfernt zu sitzen scheint. Wir erfahren aber ebenso den Raum, in dem die Aufnahme stattgefunden hat: Schließen wir die Augen, dann ist die Illusion, dass wir uns in der Abteikirche des französischen Klosters Noirlac befinden, perfekt. Dabei haben wir uns für diesen Test extra in unseren großen, eigentlich nicht zum Testen gedachten Redaktionsraum begeben, um die Farfield-Fähigkeit des S5V prüfen zu können. Deshalb sitzen wir locker fünf Meter von den Monitoren entfernt – und rotzdem ist der Klang außerordentlich definiert. Die Schallführungen der Monitore erledigen ihre Aufgabe ausgezeichnet und vermeiden zu starke Reflexionseinflüsse des Redaktionsraums.

Die charakteristischen Bassreflex-Öffnungen, die bei ADAM-Lautsprechern fast eine Art Markenzeichen sind, wurden für die S-Serie komplett überarbeitet.

Breite Hörzone

Zudem halten sie, was Adam verspricht: Die Musik klingt nicht nur in einem kleinen Sweet Spot ausgezeichnet, sondern auch in einer breiten Hörzone. Die exzellente Definition des S5V zahlt sich besonders aus, als schließlich alle Musiker in der Abtei mitspielen: Zum Theorbist Helstroffers stoßen die Geigerin Fanny Paccoud, der Saxophonist Gavino Murgia, der Saxofonist Steve Swallow und der Serpent-Spieler Michel Godard. Äh… Serpent? Ja, das ist ein altes, exotisches Blechblasinstrument mit schlangenförmig gewundenem Rohr, ein Vorläufer der Tuba, und mit ihm steht Godard vor uns, wir registrieren jedes kleine Anblas- und Atemgeräusch von Godard. Die Klarheit und Feinauflösung, mit der wir dies hören, ist klasse! Godars Frontstellung und die Positionierung seiner Musiker bildet der S5V großartig ab, die Plastizität und die Tiefenstaffelung ist schlicht fantastisch! Dabei ist jedes Detail der Instrumente selbst im Zusammenspiel erfassbar. Wer als interessierter Hörer genau wissen will, wer was spielt, liegt mit diesem analysefähigen Monitor genau richtig. Dabei zerfasert die musikalische Darbietung aber nicht, das Ensemble und der Kirchenraum ergeben ein homogenes Ganzes.

Im Pure-Modus läuft der Monitor ohne jeglichen Equalizer-Beeinflussung.

Live in der Oper

Die Transparenz des S5V zahlt sich dann insbesonders bei orchestraler Musik aus. Wir wählen die mehrfach ausgezeichnete Aufnahme von Thomas Arnes Oper „Artaxerxes“ und hieraus die Arie „The soldier, tir’d of war’s alarms“. Sie beginnt mit einer Einleitung der Classical Opera Company, das Barockorchester besitzt eine phänomenale Körperhaftigkeit, wir können mit Leichtigkeit die einzelnen Instrumentengruppen verorten und selnbst aus diesen Gruppen einzelne Instrumente heraushöre- etwa beim leicht divergierenden Strich innerhalb der Geigen oder beim leichten Klacken der Oboen-Klappen. Beim Cembalo, das bei einer Barock-Oper nicht fehlen darf, ist uns der Klang aber etwas zu scharf. Das ist unserem Redaktionsraum geschuldet, der durch seine Geometrie und Geräumigkeit auch zu einer Betonung der Höhen neigt. Deshalb wechseln wir beim S5V vom „Pure“-Modus in den UNR-Preset. Der betont ein wenig die Bässe und erscheint uns insgesamt ein wenig harmonischer. ADAM verspricht mit dieser Frequenzkennlinie eine natürlichere Wiedergabe – ja, das trifft es. Jetzt hat auch das Cembalo, das in keiner Barockoper fehlen darf, die richtige Mischung aus Silbrigkeit und straffer Akzentuierung. Aber da geht noch mehr: Jetzt setzen wir mal den Hi Shelf-Filter ein und senken leicht den Höhenbereich ab 3,2 Kilohertz um ein halbes Dezibel ab. Das wirkt Wunder, vor allem beim nun einsetzenden Gesang: Die britische Sopranistin Elisabeth Watts, die in der Rolle der Xerxes-Tochter Mandane diese Arie singt, hat nun genau das richtige Maß an Präsenz, ohne scharf zu klingen. Dabei legt sie in diesem Bravourstück mit ihrer agilen Stimme eine atemberaubende Achterbahn an Koloraturen und Oktavsprüngen hin – grandios! Die Wiedergabe klingt frisch, und der S5V zeigt uns eindrucksvoll, mit welcher Dynamik und physischen Kraft eine Sopranistin wie Elisabeth Watts singt. So klingt es live in der Oper.

Im Modus „UNR“ (Uniform Natural Response) hingegen schallwandelt der S5Vgemäß einer dynamischen, natürlich klingenden Frequenzkennlinie.

Entspannte Wiedergabe

Welchen Druck und welche Kraft der S5V bietet, erfahren wir abschließend mit „Trashbox“ von DePhazz. Die Heidelberger Band hat den Song 2014 live im Berliner A-Trane gespielt, es ist ein toller Mix aus Lounge, Trip-Hop, Latin, Soul und Jazz. Abgesehen davon, dass Sängerin Pat Appleton mit ihrem stimmlichen Sex-Appeal die Nummer eh schon zum Hochgenuss macht, beeindruckt uns, wie mächtig und trotzdem kontrolliert die Monitore liefern. Der Bass entwickelt einen unglaublichen Schub, was den Song so richtig zum Grooven bringt, auch das Schlagzeug hat richtig Wumms und Volumen. Trotzdem klingt die Wiedergabe völlig entspannt. Hier zahlt sich die immense Leistungsstärke des S5V aus. Der vorgeschaltete RME ADI-2 DAC ist als Vorverstärker nicht unbedingt ein Pegelwunder, wir hatten schon Aktivlautsprecher, bei denen wir dann deutlich zulegen mussten. Beim S5V hingegen haben wir die mögliche Pegelanhebung noch nicht mal in Erwägung gezogen. Es ist schon satt laut, obwohl der RME noch längst nicht im Maximalbereich arbeitet – und obwohl die Monitore einen ziemlich großen Raum beschallen. Wie selbstverständlich und entspannt die Wiedergabe ist, merken wir dann auch, als wir die Musik wieder leiser machen und uns mit den Kollegen an der Redaktionsinsel unterhalten wollen, die diesen Test nun schon seit geraumer Zeit mitmachen: Wir müssen für jedes Wort mächtig unsere Stimme erheben, weil der S5V selbst bei vermeintlich leiser Wiedergabe immer noch ordentlich Pegel hat. Diese Anstrengungslosigkeit beeindruckt auch die Kollegen, deshalb sorgt der S5V auch nach dem Test noch im Redaktionsraum für Musik.

Der ADAM Audio S5V liefert in unserem großen Redaktionsraum eine beeindruckende Vorstellung.

Fazit

Der ADAM Audio S5V liefert mit Exzellenz auch im Wohnzimmer, was man von einem Studio-Monitor erwartet: Ein neutral-präzises, holografisches und toll auflösendes Klangbild, das aus dem Gesamten jede Feinheit herausarbeitet und alle Details hörbar macht. Das gelingt dem S5V aufgrund seiner Auslegung als Farfield-Monitor auch in einem großen Raum – zum einen aufgrund der Schallführung, die eine begrenzte vertikale und eine optimale horizontale Abstrahlung des Tief- und Mitteltöners bewirken und dadurch sowohl die Reflexionen im Zaum halten als auch für einen breiten Sweet Spot sorgen; zum anderen wegen der eingebauten kraftvollen Verstärker, die in Summe satte 1.100 Watt liefern und damit auch über größere Distanz audiophile Power liefern. Hinzu kommen die Möglichkeiten, den Einfluss des Raums auf den Klang mit verschiedenen Filtern und Equalizern zu nivellieren und aufstellungsbedingte Laufzeitverzögerungen sowie Lautstärkeunterschiede der Schallwandler auszugleichen. So kann man mit dem S5V Musik wie im Tonstudio erleben – zumal dieser aktiven Drei-Wege-Lautsprecher ein entspanntes, ermüdungsfreies Hören ermöglicht.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen, Herstellerbild

Gesamtnote: 97/100
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: gut

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191108.Adam Audio-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Adam Audio S5V
Produktkategorie:Kompaktlautsprecher, Farfield-Monitor
Preis:7.199,00 Euro / Stück
Garantie:5 Jahre (2 Jahre + 3 Jahre optional bei Produktregistrierung)
Ausführungen:Schwarz
Vertrieb:Hörzone GmbH, München
Tel.: +49 89 721 10 06
www.hoerzone.de
Abmessungen (HBT):698 x 390 x 520 mm
Gewicht:52,0 kg / Stück
Prinzip:aktiv, 3-Wege, Bassreflex
Hochtöner:1 x 2420 mm² (S-ART, weiterentwickelter AMT mit Waveguide)
Mitteltöner:1 x 100 mm (Konus-/Kalotten-Hybrid aus laminiertem Kohlefaser-Verbundwerkstoff)
Tieftöner:1 x 320 mm (Hexacone-Konusmembran)
Frequenzbereich:25 Hz - 50 kHz (Herstellerangabe)
Übergangsfrequenzen:250 Hz / 3 kHz
Verstärkerleistungen:- Hochton: 100 W
- Mittelton: 300 W
- Tiefton: 700 W
(Nennleistung der integrierten Verstärker; Herstellerangabe)
Eingänge:1 x analog (symmetrisch, XLR)
1 x digital (AES3, XLR)
1 x USB (für Software-Aktualisierung und für den Einsatz einer computergestützten Fernsteuerungssoftware)
Ausgänge:1 x digital (AES3, XLR)
Maximale Samplingrate:192 kHz
Lieferumfang:- Adam Audio S5V
- Netzkabel
- Bedienungsanleitung
Pros und Kontras:+ natürlicher, räumlicher, sehr detailreicher Klang
+ exzellente Beschallung größerer Räume
+ Klangkorrektur/Anpassungsmöglichkeit mit 2 parametrischen Shelving-Filtern (Bass, Höhen) und 6 parametrischen Equalizern
+ Delay (0-5 ms) zum Ausgleich von Laufzeitunterschieden
+ symmetrischer Audio-Eingang (XLR)
+ digitaler AES3-Eingang + Ausgang
+
+ Eingangsempfindlichkeit regelbar

- hohes Gewicht
- nur AES/EBU-Digitaleingang mit Standard-bedingter begrenzter HiRes-Fähigheit
- unkomfortabler Einstell-und Abspeicher-Vorgang
Benotung:
Klang (60%):97/100
Praxis (20%):96/100
Ausstattung (20%):98/100
Gesamtnote:97/100
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistunggut

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