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Cayin präsentiert mit dem HA-6A einen Kopfhörer-Verstärker, der voll und ganz auf die Magie der Röhre setzt und mit einer erstaunlichen Vielseitigkeit punktet: Ein dreistufiger Impedanzschalter ermöglicht den Anschluss aller Kopfhörer, Eingänge wie Ausgänge bietet er sowohl symmetrisch als auch unsymmetrisch – und klanglich erlaubt der Verstärker eine doppelte Abstimmung auf den eigenen Geschmack: einerseits durch die Umschaltung zwischen Trioden- und Ultralinear-Betrieb, andererseits durch die Entscheidung für die bevorzugte Endstufenröhre: lieber die zupackende KT88 oder doch die weichere EL34? Der Cayin HA-6A beherrscht beide – und wir haben den Amp in seiner ganzen Vielfalt getestet und gehört.

Wohliges Glimmen: Der Cayin HA-6A ist ein Kopfhörerverstärker in reiner Röhrenschaltung.

„Pass auf, der ist richtig schwer“ – der Hinweis der Kollegen kommt zurecht: Bei dem vor uns stehenden und gar nicht mal so großen Karton, in dem der Cayin HA-6A verpackt ist, hätten wir ein Gewicht von 20 Kilo nicht vermutet. Die zweite Überraschung gibt es beim Auspacken: Statt eines massigen Verstärker-Trumms steht schließlich ein schlank anmutender Amp vor uns, der mit einem überaus attraktiven Design aufwartet. Der Blickfang sind natürlich die Röhren: Zwei kleine Vorstufenröhren, zwei mittelgroße Gleichrichter-Tuben und zwei mächtige Endstufen-Glimmkolben sorgen im Betrieb für die faszinierende optische Erleuchtung und die akustische Amplifizierung. Die Röhren thronen auf der Decke des Verstärkers. Hinter ihnen sitzen die Übertrager, die die Hauptverantwortlichen für das stattliche Gewicht des HA-6A sind: links der stattliche Netztransformator, daran anschließend die beiden etwas kleineren Ausgangsübertrager für den linken und rechten Stereo-Kanal. Hier kommen hochwertige und selektierte Transformatoren zum Einsatz. Das ist gut so, denn die Übertrager gelten als die eigentlich qualitätsbestimmenden Bauteile eines Röhrenverstärkers. Sehen kann man davon nichts, denn alle drei Trafos sind unter die Haube gekommen. Die Abdeckungen dienen zum einen als Abschirmung, damit die elektromagnetischen Felder, die jeder Trafo beim Betrieb aufbaut, nicht die empfindlichen Röhren stören. Zum anderen runden die Abdeckungen die optische Erscheinung ab. Die Haubenseiten sind in dem gleichen wunderschönen Lack gehalten, mit dem das Gros des Gehäuses überzogen ist. Es ist ein dunkelblauer Hochglanzlack mit eingearbeiteten goldglänzenden Partikeln, je nach Lichteinfall gesellt sich zum Glanz ein feines Funkeln, was der Lackierung eine schöne Tiefe verleiht. Die Haubenbedeckungen sind hingegen zentimeterdicke Platten aus eloxiertem, gebürstetem und an den Rändern leicht gefastem Aluminium. Sie bilden damit das optische Pendant zu der vorgesetzten metallenen Front.

Der große Netztrafo und die beiden Ausgangsübertrager sind durch die Hauben gut geschirmt und attraktiv in den Verstärker integriert.

Vielseitigkeit und Flexibilität

Auf dieser massiven Front spielt sich nun das Bedienungsgeschehen ab. Es startet links mit dem An/Aus-Schalter. Auch er strahlt mit seiner Größe und seiner metallenen Ausführung eine angenehme Solidität aus. Wird er gedrückt und damit der HA-6A ans Stromnetz angeschlossen, hören wir auch das schöne Klacken von Relais – das ist immer ein gutes Zeichen, dass die Signalwege elektrisch sauber getrennt oder verbunden werden. Nun folgen die Ausgänge. An ihnen stellt der HA-6A sein Verstärkungswerk für einen angeschlossenen Kopfhörer bereit. Mit diesen drei Buchsen beweist der Amp schon seine Vielseitigkeit: Es gibt jeweils einen eigenen Ausgang für Kopfhörer mit unsymmetrischem dreipoligem Klinkenstecker, symmetrischem vierpoligem Mini-Klinkenstecker und symmetrischem vierpoligen XLR-Stecker. Mit einem kleinen Kippschalter, der über den Buchsen positioniert ist, wählt man den entsprechenden Ausgang aus. Damit werden zugleich die anderen Ausgänge stummgeschaltet. Auch hier ist im Betrieb wieder das Klacken von Relais zu hören.

Konnektiv und flexibel: Mit gleich drei Ausgängen ermöglicht der HA-6A den Anschluss von unsymmetrischen und symmetrischen Kopfhörern, mit dem Impedanz-Wahlschalter passt sich der Verstärker an alle gängigen Modelle und Typen an.

Großer Impedanzbereich für alle Fälle und Modelle

So vielfältig die Modellauswahl an Kopfhörern ist, so unterschiedlich ist ihre Impedanz. Dieser Widerstandswert hängt vom Wandlungsprinzip, von der Bauart und dem Anwendungszweck ab. So sind Kopfhörer für den mobilen Einsatz auf niedrige Impedanz getrimmt. Dadurch können sie mit einem leistungsschwächeren kleinen Zuspielern betrieben werden. Im professionellen und im High End-Bereich hingegen kommen hochohmige Modell zum Einsatz. Sie bieten einen feiner aufgelösten Klang, verlangen dem davor arbeitenden Verstärker aber auch deutlich mehr Leistung ab. Der HA-6A kann hier (mit Ausnahme der ganz speziellen Elektrostaten) das gesamte Spektrum bedienen. Er arbeitet in einem breiten Impedanzbereich, der von 6 Ohm bis 600 Ohm reicht. Dabei wird die Kopfhörerimpedanz zur stimmigen Anpassung in drei Bereiche unterteilt: L (Low) gilt für Kopfhörer von 6 bis 64 Ohm, M (Mid) für Typen zwischen 65 und 250 Ohm und H (High) für Modelle ab 251 bis 600 Ohm. Den passenden Impedanzbereich stellt man mit dem zweiten Kippschalter ein, den der HA-6A oberhalb der Ausgangsbuchsen bietet. Für jeden Bereich liefert der Verstärker eine andere Leistung. Diese Leistung differiert auch je nach Betriebsart der Röhren (zu diesem schönen Feature kommen wir im nächsten Abschnitt) und je nach gewähltem Ausgang: Die symmetrischen Buchsen werden mit etwas höher Leistung beliefert als der unsymmetrische Output. So oder so: Die Quittung erhält man prompt von den sich rechts anschließenden zwei VU-Metern: Sie geben mit ihrem Zeigerausschlag Auskunft über den aktuellen Pegel. Diese analogen, in warmem Orange beleuchteten und im Bullaugen-Design gehaltenen Anzeigen sind mit ihren sanft zuckenden Zeigern ein weiterer Hingucker. Sie runden die Erscheinung des HA-6A stilsicher ab. In Kontrast dazu steht die weiße LED-Beleuchtung, die den An/Aus-Schalter umgibt und beim rechts sitzenden Lautstärkeknopf als Strich den eingestellten Pegel markiert. Dieses Volumenstellrad besitzt eine angenehme Größe, es betont durch seine massive metallene Ausführung die Hochwertigkeit dieses Verstärkers und setzt durch die frontal eingelassene schwarze Scheibe einen weiteren optischen Akzent. Mit deutlich definierten Rastungen und mit dem dahinter sitzenden Präzisions-Potentiometer ermöglicht es in 24 Stufen die Lautstärkeveränderung der Musik. Die wiederum lässt sich über zwei verschiedene Eingänge auf der Rückseite des HA-6A zuspielen: Der Verstärker bietet über den üblichen unsymmetrischen Eingang hinaus nämlich auch einen symmetrischen Eingang. Das ist top – wie auch die Qualität dieser Buchsen. Durch einen frontseitigen Kippschalter wird der verwendete Eingang gewählt, und damit zugleich der andere Eingang stummgeschaltet – ja, genau, durch eine Relaisschaltung.

Die VU-Meter sind neben dem Röhren-Ensemble der Blickfang des HA-6A.

Wunschklang durch Wahl des der Betriebsart …

Wir haben auf der Front ein Bedienelement unterschlagen: Es ist ein kleiner Taster, der mit „TR“ und „UL“ beschriftet ist. Zwei darüber sitzende LED in grün und rot tragen dieselbe Beschriftung. Die Kürzel stehen für „Trioden-Modus“ und „Ultralinear-Modus“ – und die wiederum stehen für zwei Betriebsarten, mit denen man die Leistung, aber auch den Klangcharakter des Verstärkers verändern kann. Dafür werden die beiden großen Röhren in der Schaltung jeweils anders verwendet. Diese Röhren sind sogenannte Pentoden. Sie sind leistungsstark, haben einen hohen Verstärkungsfaktor und werden deshalb typischerweise in Endstufen verwendet. Der hohe Wirkungsgrad hat aber auch eine stärkere Verzerrung zu Folge. Die verhindert man, indem diese Röhren so einsetzt, als wären sie Trioden. Trioden-Röhren bieten zwar einen geringeren Verstärkungsfaktor und eine geringere Leistung, dafür verstärken sie sehr linear, also mit deutlich weniger Verzerrungen, was zu einem klareren Klang führt. Viele Klanggourmets favorisieren diesen Trioden-Modus der Pentoden-Röhre. Um nun ein Plus an Leistung ohne eine deutliche Zunahme an Verzerrungen zu erzielen, gibt es einen zweiten pfiffigen Schaltungs-Kniff: Man betreibt die Pentoden-Röhre im sogenannten „Ultralinear-Modus“. Das ergibt einen guten Kompromiss: Die Power nähert sich wieder dem echten Pentoden-Betrieb, so bietet der HA-6A in diesem Modus auch eine höhere Leistung an den Ausgängen. Der Klang hingegen geht in seiner Reinheit in Richtung Trioden-Modus. Cayin beschreibt den Klang des Trioden-Betriebs als weicher, obertonreicher, holografischer und empfiehlt ihn insbesondere für Musik mit Stimmen oder Streichern. Der kraftvollere, reservenreichere Ultralinear-Betrieb punktet dagegen mit mehr Druck und Kontrolle, er bietet sich somit für großformatige Ensembles und hochdynamische Musik an. Das Umschalten zwischen Trioden-Modus und Ultralinear-Betrieb gelingt am HA-6A mit einem Tasterdruck. Der Verstärker merkt sich übrigens die aktuell verwendete Einstellung. So ist man auch bei der nächsten Hörsession automatisch im gleichen Betriebsmodus.

Mit dem TR/UL-Taster wechselt man vom Trioden-Modus in den Ultralinear-Betrieb. So lässt sich der Klangcharakter des Verstärkers verändern.

… und Wunschklang durch Röhrentausch

Der HA-6A bietet aber noch eine zweite Veränderungsmöglichkeit des Klangcharakters. Im Lieferzustand ist der Verstärker mit Endstufenröhren des Typs KT 88 bestückt. Ihre Klangcharakteristik ist eher zupackend-straff. Doch es gibt noch etliche andere Leistungspentoden. Röhrenfreunde tauschen sich da in entsprechenden Foren rege aus. Häufig wird als Alternative die ebenfalls sehr beliebte EL34 genannt. Sie ist für ihren warm-entspannten Klang bekannt. Der HA-6A ermöglicht es nun, die Vorzüge beider Klangcharakteristika kennenzulernen. Auf der Rückseite besitzt er einen Schiebeschalter, mit dem man von KT88 auf EL34 umschalten kann, im Zubehör befindet sich, wunderschön und wertig verpackt in einer kleinen Holzkiste, ein entsprechendes Paar EL34 für den Austausch. Prima! Es ist sogar noch mehr drin: Der Verstärker besitzt eine Auto-Bias-Funktion. Das heißt: Er leistet selbsttätig eine Optimierung des Arbeitspunktes, damit die Röhren jedes Kanals eine identische Performanz liefern. Trotzdem sind die Röhren, die mitgeliefert werden, bereits paarweise selektiert, also getestet und dann nach gleichen Leistungsdaten zusammengestellt. Dieses sogenannte „Matching“ sorgt per se für gleiche Arbeitsbedingungen jeder Verstärkerseite. Jetzt kommt der „Da ist mehr drin“-Clou: Diese Auto-Bias-Funktion erlaubt auch den Einsatz anderer Röhrentypen, sofern sie vergleichbare Leistungswerte haben. Das gilt auch für die Vorstufe. Die Bedienungsanleitung nennt hier mögliche Austauschtypen, bei einem beabsichtigten Röhrentausch empfiehlt es sich aber trotzdem, vorher den Vertrieb zu konsultieren. Thomas Deyerling und sein Team helfen hier gern mit ihren Erfahrungen weiter.

Im Auslieferungszustand ist der HA-6A mit den Endstufenröhren des Typs KT88 bestückt. Hier kommt eine Neuauflage der legendären Genalex Gold Lion zum Zuge.

Durch und durch Röhre: die Schaltung und ihre Glimmkolben

Bei den Röhren kommen bestens beleumundete Marken und Modelle zum Zuge. Die beiden KT88 sind Neuauflagen der Genalex Gold Lion. Sie besitzen in Röhrenkreisen einen geradezu legendären Ruf, mit ihnen sind Klassiker wie der McIntosh MC275 oder der Dynaco Mark III bestückt. Der Hersteller Marconi-Osram stoppte die Genalex-Röhrenproduktion in den 1980ern, seither sind Originale gesucht und teuer. Der russische Hersteller Sovtek macht diese Edel-Röhre nun wieder verfügbar. Sovtek gehört zur New Sensor Corporation – wie auch Electro-Harmonix. Von dieser ebenfalls hochangesehenen Marke stammen die alternativen Endstufenröhren EL34, aber auch die beiden in der Vorstufe eingesetzten 12AU7. Diese Trioden dienen der Spannungsverstärkung des Signals und werden wegen ihrer geringen Geräuschentwicklung gerne in Audio-Vorstufen eingesetzt. Nun bietet der HA-6A auf seinem Deck noch zwei weitere Röhren vom Typ RCA 22DE4 an. Sie sind als Gleichrichter-Röhren bekannt – und diese Aufgabe übernehmen sie auch beim HA-6A. Die Spannungsgleichrichtung über Röhren kommt nur bei Class-A-Verstärkern infrage, hier ist sie unter Audioliebhabern aber gerne gesehen. Sie ermöglicht ein schonendes „Anfahren“ des Amps, sämtliche Röhren der Schaltung erreichen quasi im Gleichschritt die Betriebswärme. Der HA-6A arbeitet also durch und durch mit Röhren. Die RCA 22DE4 sind sogenanntes „NOS, das Kürzel steht für „New Old Stock“ und bedeutet „neu aus altem Lagerbestand“. Bei solchen Röhren handelt es sich oft um Exemplare aus militärischen Beständen, die wegen ihres besonderen Qualitätsstandards begehrt sind. Gleichrichter-Röhren benötigen eine eigene Heizwicklung vom Netztransformator. Deshalb ist der im HA-6A verbaute Trafo größer, teurer und schwerer. Die Stromversorgung ist mehrteilig aufgebaut, das Power-Management soll Störungen durch den Ripple-Effekt vermeiden, also durch Welligkeiten im Strom, die für Härten im Klang einbrocken können. Cayin hat hier also einigen Aufwand betrieben. Das gilt auch für die Verdrahtung der Audioschaltung, die komplette in Handarbeit vorgenommen wird – mit silberbeschichteten Kabeln, die für eine gute Abschirmung des Signals bürgen. Soweit das Innenleben des HA-6A – nähern wir uns nun endlich der Praxis.

Das komplette Röhrenensemble: Zu den hinten positionierten großen KT88 der Endstufe gesellen sich zwei 12AU7 für die Vorstufe und zwei 22DE4 für die Gleichrichtung.

Aufstellung und Einrichtung

Weil Röhren im Betrieb Wärme erzeugen, muss der HA-6A an seinem Aufstellungsort genug Platz haben, um seine Wärme abführen zu können. Das Röhrengitter sollte dabei zum eigenen Schutz aufgesteckt bleiben. Weil Röhren und auch die mechanisch massiven Übertrager empfindliche Bauteile sind, verkabeln wir vor dem Anschalten den Verstärker komplett. Dabei ist zur Vermeidung von Brummeinstreuungen ein Qualitätskabel Pflicht, der HA-6A dankt ebenfalls die Verwendung eines höherwertigen Netzkabels. Auch die Verlegung des Audiokabels fern von Stromstrippen erweist sich als vorteilhaft. Ebenfalls vor dem Anschalten bringen wir die Kippschalter für die Ein- und Ausgänge in die zutreffende Position. Wir spielen von unserem CD-Player unsymmetrisch über Cinch zu, bei „Source“ kommt der Schalter also in die Position „RCA“. Als Kopfhörer schließen wir als erstes den Ultrasone 5 unlimited an, dessen Kabel mit einem Klinkenstecker konfektioniert ist. Also kommt der Ausgangswahlschalter in die Stellung „STD“, was für „Standard“ steht. Wegen seiner Impedanz von 32 Ohm stellen wir den Widerstands-Wahlschalter am Verstärker auf „Low“. Jetzt erst schalten wir den HA-6A ein und hören das schöne Klacken der Relais, die die Ausgänge beim Startvorgang erst einmal samt und sonders stummschalten. Zugleich blinkt der Markierungsstrich, der im Volume-Regler eingelassen ist. Dies zeigt uns an, dass die Softstart-Funktion einen sanften Betriebsbeginn beschert: Die Röhren bekommen Zeit, um sich langsam aufzuheizen. Dieser Softstart schont die Röhren und erhöht so ihre Betriebsstundenzahl. Nach knapp einer Minute leuchtet die LED am Lautstärkerad konstant – der HA-6A ist startklar.

Auch eingangsseitig ist der Verstärker bestens ausgerüstet: Er ermöglicht die Zuspielung sowohl symmetrisch per XLR als auch unsymmetrisch via Cinch.

So klingt der Cayin HA-6A

Als erstes legen wir herrliche Kammermusik auf: Das gefragte Schumann Quartett spielt Ludwig van Beethovens Streichquartett G-Dur op. 18,2. Die Interpretation wie auch die SACD-Qualität der Aufnahme sind ausgezeichnet – und mit dem HA-6A ein echter Genuss. Den ersten Satz „Allegro“ hören wir erst mal im Trioden-Modus, und sofort fallen die sehr gute räumliche Staffelung und die Offenheit auf, die der Verstärker liefert. Ein kurzer Abstecher zu einem Spitzenklasse-Vollverstärker mit Kopfhörer-Anschluss zeigt uns gleich den Qualitäts-Unterschied. Also: Schnell zurück zum HA-6A. Seine Wiedergabe erlaubt die genaue Nachverfolgung genau jenes „Gesprächs unter vier vernünftigen Leuten“, als das Goethe das Streichquartett einst charkterisierte. Die miteinander verwobenen Passagen, die musikalischen Für- und Gegenargumente – all das hören wir mit einer wunderbaren Klarheit, Präzision und Präsenz. Wir wechseln nun mal den Kopfhörer: Statt des Ultrasone 5 unlimited kommt jetzt der Focal Utopia Beryllium zum Zuge. Wir staunen nicht schlecht: Dieser Kopfhörer beschert uns eine noch bessere Auflösung. Das heißt zugleich: Erst jetzt schöpfen wir das Klangpotenzial des HA-6A richtig aus. So sind nun auch die feindynamischen Abstufungen, mit denen das Schumann Quartett diesen Satz gestaltet, merklich differenzierter.

Der HA-6A kann auch mit anderen Endstufenröhren als der KT88 betrieben werden. Cayin liefert dafür als Alternative ein Paar der EL34, bestens aufbewahrt in einer schicken Holzkiste.

Schmelz und Dynamik

Zugleich fällt uns an der Wiedergabe die Sonorität auf. Das Allegro ist für Beethoven unerwartet zart-lyrisch, man merkt dem Frühwerk deutlich den Einfluss von Josef Haydn an. Den zarten Schmelz, der den Noten innewohnt, hat das Schumann Quartett bravourös und innig musiziert – und dieser schöne Schmelz wird im Trioden-Modus so auch transportiert. Der Ton hat eine wunderbare Fülle und Wärme. Wechseln wir nun mal in den Ultralinear-Betrieb. Hier erleben wir sofort, dass mehr Leistung zur Verfügung steht, die Wiedergabe ist gleich vernehmlich lauter. Wir gleichen deshalb mit dem Pegelsteller die Lautstärke an – und trotzdem erleben wir einen anderen Klangcharakter: Der Schmelz ist etwas geringer, der Klang ist ein wenig kühler, dafür haben die Streicher schlicht mehr Schneid. Die Wiedergabe wirkt agiler, aber auch analytischer. So sind die Feinheiten noch besser herauszuhören – seien es Phrasierungen, seien es Strich-Varianten, seien es kleinste Spielgeräusche. Wie sind die Unterschiede bei einem großformatigen Klangkörper? Dafür legen wir George Gershwins Klavierkonzert auf, Kirill Gerstein spielt es mit dem St. Louis Symphony Orchestra in der Powell Hall von St. Louis. Die herausragende Aufnahme zeigt so richtig den perkussiven Charakter des finalen „Allegro Agitato“: Es ist ein rasanter Satz, mit mächtigen Pauken und Trompeten, mit jagenden Streicherpassagen, pegelstarken Tutti-Schlägen des gesamten Orchesters, und selbst das Klavier wirkt über weite Strecken eher wie ein Schlaginstrument. Dieser packende Satz macht im Ultralinear-Betrieb des HA-6A deutlich mehr Spaß, die Power und das Plus an Reserven zeigen sich in einer größeren Spritzigkeit und einer potenteren Dynamik – gerade, wenn es mal deftiger zur Sache geht.

Zur Anpassung an den eingesetzten Endstufen-Röhrentyp besitzt der HA-6A auf der Rückseite einen Schiebeschalter.

Vokale Verführung

Wie sieht es nun bei Musik mit Gesang aus? Wir testen es mithilfe der norwegischen Sängerin Kari Bremnes und dem Song „Kanskje“ von ihrem aktuellen Album „Det Vi Har“. Bremnes bietet hier poetischen Elektro-Pop mit Folk-Anleihen. Der Song ist für seine exzellente Produktion bekannt, schon die kurze instrumentale Einleitung entführt uns in andere Sphären: Durch die vorzügliche Wiedergabe mit dem HA-6A und dem Focal Beryllium erfahren wir eine atemberaubende Offenheit, Transparenz und Tiefe. Doch gerade der Gesang ist es, der uns fasziniert: Kari Bremnes besitzt von Natur aus eine wunderbar klare und betörende Stimme, doch in dieser Wiedergabe hat sie eine besondere Anziehungskraft. Wir verstehen zwar kein Wort, weil Bremnes in ihrer Muttersprache singt, doch der verführerische Klang der Silben, die von ihren Lippen perlen, genügt, um uns schwelgend und mit geschlossenen Augen diese vokale Verführung genießen zu lassen. Mit dem Umschalten in den Ultralinear-Modus gibt sich Frau Bremnes etwas kühler und distanzierter. Dafür werden wir instrumental von einem Tiefbass entschädigt, dessen Morsecode-artiges Motiv jetzt fetter, knackiger und härter als im Trioden-Modus ist. Da fällt die Wahl echt schwer. Wir entziehen uns der Entscheidung durch einen Röhrenwechsel: Statt der KT88 setzen wir nun, nachdem der Verstärker ausgeschaltet und abgekühlt ist, die EL34 als Endstufen-Pentoden ein und stellen entsprechend den Wahlschalter auf der Rückseite um. Im Trioden-Modus hat die Musik nun die größte Geschmeidigkeit und Stimmigkeit – sowohl bei Kari Bremnes Gesangals auch beim orchestralen Gershwin und beim kammermusikalischen Beethoven. Der Unterschied zum Ultralinear-Betrieb ist mit der EL34 nicht mehr derartig ausgeprägt. Mit der zupackenderen KT88 ist die Straffheit und Stringenz größer. Wir haben die Qual der Wahl … Letztendlich müssen wir uns aber gar nicht entscheiden. Durch den ziemlich zügigen Röhren-Wechsel und den prompten Betriebsmodus-Umschalter können wir den Wunsch-Klang, je nach Musik, Vorliebe oder momentaner Stimmung, schnell erreichen.

Der Cayin HA-6A fügt sich mit seinem attraktiven Design in so gut wie jedes Wohnambiente ein.

Fazit

Der Cayin HA-6A erweist sich als exzellenter Kopfhörer-Verstärker, der komplett in Röhrentechnik realisiert ist und mit einer tollen Vielseitigkeit trumpft. Durch die dreistufige Impedanzschaltung können Kopfhörer zwischen 6 und 600 Ohm angeschlossen werden – also so gut wie alle Modelle auf dem Markt. Dafür stehen sowohl ein unsymmetrischer als auch zwei symmetrischen Ausgänge zur Verfügung. Auch eingangsseitig ermöglicht der HA-6A die symmetrische und unsymmetrische Zuspielung. Mit der Umschaltung zwischen Trioden-Modus und Ultralinear-Betrieb erlaubt der HA-6A ebenso wie mit der Wechselmöglichkeit der Endstufenröhren die Abstimmung auf den eigenen Geschmack oder die Anforderung der Musik: So liefert der HA-6A den sanften Schmelz für Streicher uns Stimmen, aber auch den straffen Klang für hochdynamische Orchestermusik oder andere großformatige Besetzungen. Konstanten des Klangs sind dabei die ausgezeichnete Transparenz und wunderbare Räumlichkeit und Tiefe der Abbildung. Zusammen mit der attraktiven Röhren-Optik und dem gelungenen Design ist der Cayin HA-6A ein Fest für Augen und Ohren.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 98/100
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: gut

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200605.Cayin-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Cayin
HA-6A
Produktkategorie:Kopfhörerverstärker
Preise:3.600,00 Euro
Garantie:3 Jahre (nach Registrierung)
Ausführung:- Front/Übertragerabdeckungen: Aluminium
- Gehäuse: Dunkelblau-Metallic
Vertrieb:Cayin Audio Distribution GmbH, Glashütten-Schlossborn
Tel.: +49 6174 9554412
www.cayin.de
Abmessungen (HBT):197 x 360 x 322 mm
Gewicht:19,5 kg
Eingänge (analog):1 x Line symmetrisch (XLR)
1 x Line unsymmetrisch (Cinch)
Ausgänge (analog):1 x Kopfhörer symmetrisch (XLR, 4-polig)
1 x Kopfhörer symmetrisch (Miniklinke, 4,4 mm)
1 x Kopfhörer unsymmetrisch (Klinke, 6,35 mm)
Wählbare Kopfhörerimpedanzen:- L (Low): 6 - 64 Ω,
- M (Mid): 65 - 250 Ω
- H (High): 251 - 600 Ω
Röhren:- Gleichrichtung: 2 x RCA 22DE4
- Vorstufe: 2 x Electro-Harmonix 12AU7 EH
- Endstufe: 2 x Genalex Gold Lion KT88 bzw. 2 x Electro-Harmonix EL34EH
Ausgangsleistung KT88:Kopfhörer unsymmetrisch:
- Trioden-Modus: 2 x 0,8 W (L), 2 x 1,6 W (M), 2 x 2,5 W (H)
- Utralinear-Modus: 2 x 1,2 W (L); 2 x 2,2 W (M), 2 x 3,6 W (H)

Kopfhörer symmetrisch:
- Trioden-Modus: 2 x 1,2 W (L), 2 x 2,0 W (M), 2 x 3,2 W (H)
- Utralinear-Modus: 2 x 1,9 W (L); 2 x 3,0 W (M), 2 x 4.5 W (H)
Ausgangsleistung EL34:Kopfhörer unsymmetrisch:
- Trioden-Modus: 2 x 0,75 W (L), 2 x 1,4 W (M), 2 x 2,2 W (H)
- Utralinear-Modus: 2 x 1,0 W (L); 2 x 2,0 W (M), 2 x 3,3 W (H)

Kopfhörer symmetrisch:
- Trioden-Modus: 2 x 1,0 W (L), 2 x 1,8 W (M), 2 x 2,9 W (H)
- Utralinear-Modus: 2 x 1,6 W (L); 2 x 2,8 W (M), 2 x 4,2 W (H)
Frequenzgang:10 Hz - 26 kHz (-3dB) (Herstellerangabe)
Lieferumfang:- Cayin HA-6A
- Gitterkorb (aufsteckbar)
- Netzkabel
- 2 alternative EL 34-Endstufenröhren
- Holzkiste für Röhrenaufbewahrung
- 2 Ersatzsicherungen
- Handschuhe
- Bedienungsanleitung (Englisch)
- Garantiekarte
Pros und Kontras:+ ausgezeichnete Klangqualität
+ symmetrische und unsymmetrische Eingänge
+ symmetrische und unsymmetrische Ausgänge
+ Umschalter zur Anpassung an hoch- und niederohmige Kopfhörer von 8 Ω bis 600 Ω
+ Umschalter für Betrieb im Trioden -oder Ultralinear-Modus
+ Umschalter für Betrieb mit KT88- oder EL34-Endstufenröhren
+ alternative EL34-Röhren im Lieferumfang
+ Softstart-Funktion zur Röhrenschonung
+ VU-Meter zur Pegelkontrolle
+ automatische Bias-Funktion erlaubt Einsatz der gängigsten Endstufenröhren-Typen
+ attraktives Design
+ sehr gute Verarbeitung

- reagiert sensibel auf Qualität der verwendeten Signal- und Netzkabel
Benotung:
Klang (60%):98/100
Praxis (20%):98/100
Ausstattung (20%):99/100
Gesamtnote:98/100
Klasse:Referenzklasse
Preis/Leistung:gut

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