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Redakteur
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Ein Lautsprecher ohne Gehäuse? Ja! Das funktioniert bestens, weil alle negativen Einflüsse einer begrenzenden Box entfallen. Welch exzellente Wiedergabe mit einer solchen offenen Schallwand möglich ist, zeigt die Omnes Audio InStyle L. Eine entscheidende Rolle spielt dabei eine zweite Spezialität: das außergewöhnliche Breitband-Chassis mit seinem Schwirrkonus.

Die Omnes Audio InStyle L hat einen außergewöhnlich-attraktiven Auftritt.

Als normal ambitionierter HiFi-Hörer unterliegt man einem fast pawlowschen Reflex: Kaum sagt jemand „Lautsprecher“, denken wir automatisch „Box“ dazu. Unsere Vorstellung ist geprägt von dem Groß der Lautsprecher, die wir beim HiFi-Händler, auf den Hersteller-Websites oder in den Fachmagazinen sehen: schwingende Chassis sitzen in einem quaderförmigen Korpus. Dabei geht es auch anders: Ein Schallwandler kommt durchaus ohne Gehäuse allein mit einer Front aus. Dieses als „offene Schallwand“ oder „offener Dipol“ bekannte Prinzip ist bekannt und bewährt, eine gewisse Popularität hat es vor allem im Bereich des Lautsprecher-Selbstbaus erreicht. Hier ist Blue Planet Acoustic eine erste Adresse als Lieferant von hochwertigen Chassis, von selbstentwickelten Bausätzen – und neuerdings auch von Fertig-Lautsprechern. Letztere werden unter dem Markennamen „Omnes Audio“ präsentiert. Den Auftakt stellt der dezent designte Monitor Nr. 5 dar, den wir vor kurzem im Test hatten. Nun legen die Hessen mit der Omnes Audio InStyle L nach – und dieser Lautsprecher ist allein schon mit seinem optischen Auftritt eine Attraktion.

Im Profil wird die Luftigkeit des L-förmigen Lautsprechers deutlich.

Außergewöhnliche Erscheinung

Das liegt zuallererst an der weitgehenden Befreiung vom Gehäuse: Die InStyle L besteht im Prinzip nur aus einer Platte, auf der die Chassis montiert sind, und einem Sockel für den sicheren Stand. Diese L-artige Formgebung vermittelt eine ungemeine Luftigkeit, gerade im Vergleich mit einer konventionellen Quader-Box. Auch rückseitig ist alles frei, offen und einsichtig, so dass mancher vielleicht zum ersten Mal ein Lautsprecherchassis von hinten sieht. Bei der InStyle L sind es gleich drei: ein Breitbänder und zwei imposante Tieftöner. Dementsprechend großflächig ist auch die Schallwand: Sie misst stattliche 45 Zentimeter in der Breite bei einer Gesamthöhe von 117 Zentimetern. Die Front und der Sockel sind bei unserem Testmodell in echter Eiche ausgeführt. Das fast drei Zentimeter starke Vollholz ist aus vier perfekt verleimten Streifen zusammengesetzt und dunkel geölt und gebeizt. Im Zusammenspiel mit der wunderschönen Maserung des Holzes verleiht diese Front der InStyle L eine markante Attraktivität. Die Fasung der Kanten sorgt, bei aller Prominenz der Erscheinung, für eine sanfte Geschmeidigkeit. Die InStyle L ist aber auch in anderen Wunsch-Ausführungen erhältlich, dazu später mehr. Zuerst interessiert uns eins: Wie kann das funktionieren? Wen das nicht interessiert, der überspringt einfach den nächsten Abschnitt.

Die Schallwand aus echter Eiche bietet mit ihrer Maserung und dem geölt-gebeizten dunklen Finish eine markante Optik.

Exkurs: Warum kein Gehäuse?

Die Frage in der Überschrift sollte man eigentlich umkehren: Warum denn überhaupt ein Gehäuse? Die Antwort: Es verhindert den akustischen Kurzschluss. Ein Lautsprecher setzt ja durch das Schwingen seiner Membran Luft in Bewegung: Schwingt sie etwa nach vorn, erzeugt sie vor sich einen leichten Überdruck, auf ihrer Rückseite entsteht hingegen ein leichter Unterdruck. Wenn das Chassis nun weder in eine Schallwand noch in ein Gehäuse eingebaut ist, findet über die Umgebungsluft ungehindert ein Druckausgleich statt. Ohne Druckunterschied gibt es aber keinen Ton. Das erlebt man, wenn man ein ausgebautes Chassis spielen lässt, wo allein die Membranfläche dem akustischen Kurzschluss entgegensteht: Es klingt total dünn, weil nur die hohen Frequenzen mit kurzer Wellenlänge den Druckausgleich nicht schaffen. In der Theorie hilft gegen den akustischen Kurzschluss eine unendliche Schallwand. In der Realität hat man natürlich nach einer praktikablen, möglichst kompakten Lösung gesucht – und so kam man zum teilgeschlossenen Gehäuse und zur komplett geschlossenen Box. Zudem wurde zwecks Wohnraumfreundlichkeit das Gehäuse immer kleiner. Weniger Volumen bedeutet aber weniger Bass. Deshalb werden zur Kräftigung der tiefen Töne diverse konstruktive Kniffe eingesetzt. Bekannt und beliebt ist hier die Bassreflexabstimmung. Diese Kniffe haben aber alle einen Nachteil: Sie verschlechtern das Impulsverhalten der Chassis, die in der Box schallwandeln. Dieses Minus an Präzision, Knackigkeit und Dynamik wird auch durch das Gehäuse selbst befördert: Ein geschlossener Korpus ist ein Resonanzraum, der mitschwingt und mit seinen Vibrationen den Klang weiter verschlechtert. Ein Lautsprecher mit bloßer Schallwand vermeidet all diese Nachteile. Doch warum funktioniert die Wiedergabe – gerade der Bässe? Es klappt, weil auch hier ein Kniff angewendet wird: Die Schallanteile, die die Membranen nach hinten abstrahlen, werden von den Wänden des Raums reflektiert und gelangen von hier zum Hörplatz, wo sie sich mit den Schallanteilen addieren, die von der Membran nach vorne abstrahlt. So kommt auch ein satter Bass zustande. Dafür bedarf es aber einer sehr potenten Tiefton-Fraktion.

Die Open-Baffle-Bauart erlaubt auch die rückseitige Ansicht der Chassis.

Mächtige Woofer

Zwei mächtige Tieftöner arbeiten als Team dafür, dass die InStyle L auch im Bassbereich beeindruckt. Das ist bei einem Lautsprecher mit offener Schallwand prinzipbedingt schwieriger als bei einem Schallwandler mit geschlossenem Gehäuse. Deshalb muss hier ordentlich Membranfläche her, und darum beanspruchen zwei 15-Zoll-Woofer einen Großteil der Front. Sie besitzen eine Papiermembran mit Kunststoffbeschichtung. Dieser Polypropylen-Überzug erhöht die Steifigkeit und unterbindet die Entstehung von Resonanzen auf der Membran. Solche klangverfälschenden Partialschwingungen verhindert auch die leicht exponentielle Öffnung der Membran. Sie ist also nicht als Konus geformt, sondern besitzt zum Zentrum hin eine zunehmende Krümmung. Diese Formung finden wir übrigens auch beim Breitbänder. Neben viel Fläche erhöht auch viel Hub die Bassfähigkeit, deshalb hat Omnes Audio den Antrieb der Chassis modifizieren lassen. So verhelfen diese Woofer der InStyle L zu einem Tiefgang bis circa 35 Hertz. Für eine kontrollierte Auslenkung der Membran sorgt dabei eine straffe Spezial-Einfassung: Die Sicke ist dreifaltig und besteht aus Leinen, das ebenfalls beschichtet ist – hier aber zur Verlängerung der Lebensdauer. Die beiden Woofer arbeiten bis etwa 450 Hertz, ab dann übernimmt die Schallwandlung ein Chassis aus der Spezialitäten-Abteilung: der Breitbänder.

Die beiden großen 15-Zoll-Tieftöner sind die Voraussetzung für eine voluminöse Basswiedergabe.

Breitband-Chassis in besonderer Bauart

Für den Hochton und den Mittenbereich kommt ein sogenannter Breitbänder zum Einsatz. Breitbänder sollen ja eigentlich allein agieren, denn sie erfüllen das Ideal einer Einpunkt-Schallquelel: Der Schall kommt wie in der Realität von einem Punkt, nämlich vom Entstehungsort des Schallereignisses, und auch die Ausbreitung des Schalls geht wie in der Natur vonstatten. Der Schall kann sich damit als homogene Kugelwelle im Raum ausbreiten. So wird der Hörbereich gleichmäßig von einem natürlichen Klangfeld beschallt. Das sind Vorteile gegenüber einem Mehrweg-System, bei dem etwa drei verschiedene und eben nicht von einem Punkt aus abstrahlende Speaker für Höhen, Mitten und Bässe koordiniert werden müssen. In der Omnes Audio InStyle L kann der Breitbänder allerdings nicht als Generalist arbeiten, weil ihm durch die offene Schallwand doch die Power im Bass fehlt. Deshalb bekommt er tatkräftige Unterstützung durch die Woofer, zusammen ergibt das also ein Zwei-Wege-System. Der Breitbänder ist ein Spitzenmodell des bestens beleumundeten chinesischen Spezialisten Tang Band. Blue Planet Acoustic, die ja hinter Omnes Audio stehen, haben mit diesem Chassis mehrjährige Erfahrung und betrachten ihn als Referenz.

Der Breitbänder für die Mitten und Höhen fällt gleich doppelt ins Auge: Einerseits wegen seiner ungewöhnlichen Farbgebung, andererseits wegen des zusätzlichen trichterförmigen Schwirrkonus.

Hingucker mit Retro-Touch

Dieses Spezial-Chassis ist zudem ein staunenswerter Hingucker mit Retro-Touch. Das liegt zum einen an der beigefarbenen Konus-Membran. Sie besteht aus luftgetrocknetem Papier und bietet ein sehr gutes Verhältnis von großer Steifigkeit, geringem Gewicht und hoher innerer Dämpfung. Dazu kommt nun ein Trichter, der aus feinem gewalztem Papier in gleicher Kolorierung besteht. Dies ist ein sogenannter Schwirrkonus. Er unterstützt die Membran bei hohen Frequenzen, für die sie eigentlich schon zu träge ist. So gelingt dem Breitbänder eine gleichmäßige Wiedergabe der Höhen bis 20 Kilohertz, was bei einem Modell dieser Größe selten ist. Im Zentrum thront nun noch ein gülden beschichteter Aluminium-Phase Plug. Er unterstützt einerseits die Schallführung, andererseits die Wärmeabfuhr. Das ist bei dem starken Antrieb, der auf der Rückseite ja frei zu besichtigen ist, eine gebotene Maßnahme.

Der Breitbänder aus der Nähe: Der mit Schwirrkonus und Phase Plug optimierte Generalist im Retro-Look gehört zu den Top-Modellen des Breitbänder-Spezialisten Tang Band.

Multifunktions-Sockel mit Premium-Anschluss

Nun geht’s nach ganz unten: zum Sockel, der zugunsten größter Stimmigkeit im gleichen Holz und mit der selben Materialstärke realisiert ist. Er hat gleich mehrere Aufgaben. Zum ersten sorgt er natürlich für die Standhaftigkeit der Schallwand. Zum zweiten nimmt der Sockel die Frequenzweiche auf, also jene bauteilbestückte Platine, die dem Breitbänder und dem Tiefton-Duo die Signalanteile zuweist, die sie schallwandeln sollen. Diese Frequenzweiche sitzt, für das Auge verborgen, unter einer schwarzen Abdeckeckplatte. Auf ihr und damit sichtbar ragen die Lautsprecheranschlüsse empor. Hier setzt Omnes Audio auf Premium-Polklemmen von WBT. Diese „nextgen“ getauften Anschlüsse bestehen weitestgehend aus Kunststoff. Die Minimierung der Metallmasse soll für weniger Klangbeeinflussung sorgen. Daher sind nur die notwendigen Kontaktflächen in Kupfer ausgeführt. Um diese Kontaktflächen, aber ebenso die blanke Litze oder die Kabelschuhe des Lautsprecherkabels zu schonen, haben die Klemmen einen Drehmoment-Indikator: Sie erzeugen ein Ratschen-Geräusch und bieten einen leichten Widerstand, wenn man beim Anziehen den optimalen Anpressdruck bereits erreicht hat. Zum dritten sorgt der Sockel mit drei weichen Gummifüßen dafür, dass der gesamte Schallwandler quasi schwimmend gelagert ist. Der Grund: Bei der Schallwandlung wird auch die hölzerne Schallwand geringfügig in Schwingung versetzt. Auch Trittschall vom Boden verursacht ein zartes Zittern. Diese feinen, aber klangschädlichen Vibrationen werden nun durch die weichen Gummifüße absorbiert. Sie verwandeln die mechanische Energie letztlich in Wärme.

Die InStyle L ist mit nextgen-Anschlüssen von WBT bestückt. Ihr minimierter Metallanteil soll weniger Klangbeeinflussung bewirken. Der Drehmoment-Indikator signalisiert, wenn beim Anziehen der Klemmen der optimale Anpressdruck erreicht ist. Für Kabel mit Bananen-Steckern wie dem hier verwendeten Supra Cables Quadrax spielt das freilich keine Rolle.

Aufstellung und Ausrichtung

Zurück zu unserem Testmodell. Es ist für Räume ab 30 Quadratmeter ausgelegt. Wer weniger Platz hat, kann die InStyle auch in einer kleineren Variante erwerben. Sie besitzt dann nur einen Tieftöner und ist für Räume bis 20 Quadratmeter ausgelegt. Soviel Platz zur Klangentfaltung sollte ihr aber schon gegönnt sein. Wir ziehen mit unserem L-Modell also in den großen Hörraum. Oft ist zu lesen, dass Dipol-Lautsprecher einen großen Abstand zur Wand haben müssen. Niklas Baur, Chef von Blue Planet Acoustic und Entwickler der Omnes Audio-Schallwandler, gibt da Entwarnung und Tipps: Ein auch für „normale“ Lautsprecher üblicher Abstand von ein Meter zur Wand reicht meist aus, maximal nötig sind 1,5 Meter. Durch Ausprobieren merkt man, wo der optimale Standort ist. Nur eine Ecke sollte es nicht sein, da reagiert der Lautsprecher empfindlich. Für die beste Abbildung empfiehlt sich dann eine leichte Einwinklung hin zum Hörplatz. Es gibt nicht den typischen und bei konventionellen Boxen oft üblichen „Sweet Spot“, also den einen, perfekten Platz, um den herum es schon schlechter klingt. Die InStyle L sorgt mit ihrem Breitbänder für eine breitere beste Hörzone.

Die Füße unter dem Sockel bestehen aus weichem Gummi. Sie absorbieren Vibrationen des Lautsprechers sowie Erschütterungen des Bodens.

Die Omnes Audio InStyle L in der Praxis

Das alles probieren wir nun mal aus. Wir schließen die InStyle L erst mal mit dem Supra Cables Quadrax an unseren Vollverstärker Hegel H360 an, als Zuspieler kommt der SACD-Player Oppo UPD-203 zum Einsatz. Die Lautsprecher haben für den Einstieg einen Wandabstand von gut einem Meter und stehen etwa einen Meter voneinander entfernt, die Distanz zum Hörplatz beträgt rund zweieinhalb Meter. Zum Aufstellen und Ausrichten wählen wir einen gut bekannten Song, von dem wir wissen, wie er klingen kann und soll: „Hey Now“ von London Grammar. Diese atmosphärische Nummer des britischen Trip Hop-Trios ist phantastisch produziert und bietet alles, was wir brauchen. Das ist zuallererst der Gesang von Hannah Reid, mit ihrer Stimme sorgen wir für eine stimmige Wiedergabe, Die Sängerin soll in der Mitte stehen – und das tut sie bereits, obwohl wir noch gar nicht viel Feinarbeit in die Ausrichtung investiert haben. Die Stimmabbildung ist sofort ausgezeichnet, Hannah Reid rückt uns auch nicht zu nah, wie wir es von manch anderen Boxen gehört haben. Das sorgt für eine realistische Abbildung, trotzdem agiert die Sängerin deutlich vor ihren instrumentalen Mitstreitern. Das ist bei dieser wunderschönen Stimme, mit der Hannah Reid den Song melancholisch interpretiert, ein echter Genuss: Wir hören, wie sie mit ihrer eigentlich warmen, manchmal aber auch angerauten Stimme zwischen Wünschen und Leiden, Sehnen und Flehen changiert, dabei in kleinen Nuancen die Intensität steigert, die Atmer werden tiefer, das Vibrato bei ausgehaltenen Tönen betonter. Dieser Frau könnten wir ewig zuhören, weil ihre Stimme so betörend ist, aber auch, weil sie selbst bei den leidenschaftlichsten Passagen natürlich und selbstverständlich bleibt. Der Breitbänder der InStyle L, der hier maßgeblich ist, macht seinen Job exzellent.

Die Einfassung eines Tieftöners: Hier sorgt eine Dreifach-Sicke aus beschichtetem Leinen für eine straffe Einspannung der Membran.

Offenheit, Freiheit und Dynamik

Dadurch wirkt die Wiedergabe selbstverständlich und natürlich. Hierzu trägt ebenso bei, dass die Abbildung selbst abseits vom zentralen Hörplatz plastisch und stimmig bleibt. Wir haben uns auch mal auf die Außenseiten des Sofas gesetzt, trotzdem bewahrt die Wiedergabe ihrer exzellente Homogenität. Wo bei anderen Schallwandlern mitunter schon wenige Zentimeter Kopfbewegung reichen, um das Realitätsgefühl zu schmälern, bleiben bei der InStyle L die Auflösung, die Räumlichkeit und die Plastizität erhalten und damit die perfekte Illusion. Mit diesen Fähigkeiten werden besonders Live-Aufnahmen zum Erlebnis: Das erfahren wir bei Eva Cassidys Interpretation von „Bridge Over Troubled Water“, die sie mit ihrer vierköpfigen Begleitcombo im Washingtoner „Blues Alley“ gespielt hat. Tolle Version, exzellente Produktion – und eine herrliche Wiedergabe über die InStyle L, weil hier alles völlig real klingt: Die perfekt eingefangene Atmosphäre im legendären Club, wo anfänglich sogar das Gemurmel der Gäste und das Klirren von abservierten Gläsern zu hören ist, die Darbietung auf der Bühne, wo, die Musiker in schöner Tiefenstaffelung auf dem Podium agieren – das alles bleibt livehaftig, selbst wenn man bei der entspannten Wiedergabe etwas tiefer ins Sofa rutscht.

Die Fasung der Kanten sorgt für sanftere Übergänge und verleiht der Frontplatte eine leichte Geschmeidigkeit.

Voller Bass mit verblüffender Leichtigkeit

Nun haben wir noch keinen Ton über den Tiefton verloren, dabei ist die Bassfähigkeit doch die eigentlich vordringlichste Frage bei diesem speziellen Schallwandler. Die Antwort ist spannend: Die InStyle L bietet einen Bass, der so ganz anders auftritt als bei Boxen mit konventionellem Gehäuse: Der Tiefton hat eine Selbstverständlichkeit und erschallt mit einer Anstrengungslosigkeit, die uns echt verblüfft zuhören lässt. Es dauert vielleicht einen Moment, bis man mit dieser ungewohnten Leichtigkeit und dieser Freiheit von Kompressionen umgehen kann, wenn Hörerfahrungen und -gewohnheiten allein durch herkömmliche Lautsprecher geprägt sind. Wer aber schon mal Musik mit großformatigen Hornlautsprechern wie der Adeus Elysium SL MKII oder gar dem Acapella Sphäron Excalibur hören durfte, kennt diese Selbstverständlichkeit und diese Verschonung vor künstlicher Andickung. Ohne Mühe liefern die beiden Woofer im Zusammenspiel mit dem Raum einen feinen, aber vollen und tiefen Bass, der schon bei überaus moderaten Lautstärken eine Kraft hat, die wir nicht erwartet hätten. Das klappt bei dem anfänglich gewählten Wandabstand noch nicht vollkommen, aber schon mit zehn Zentimetern mehr Distanz zum Gemäuer ist die Basswiedergabe amtlich. Wir haben auch entgegen der Empfehlung des Herstellers mal den Abstand auf 70 Zentimeter verkleinert. Das funktioniert bei geringeren Pegeln durchaus gut, ist für Hören auf höheren Lautstärken hingegen weniger ratsam. Hier lohnt sich also wirklich das Ausprobieren, auch mit dem Abstand der Schallwandler zum Hörplatz und dessen Abstand zur rückseitigen Wand. Wo wir gerade von hohen Pegeln sprechen: Auch die meistert die InStyle L absolut souverän. Das beweist sie ebenfalls im Zusammenspiel mit Denons Jubiläums-Kombination SACD-Spieler Denon DCD-A110/Vollverstärker Denon PMA-A110: Ohne das Volumenrad allzu weit nach rechts zu drehen, hören wir dank des hohen Wirkungsgrades der InStyle L bereits auf überaus satter Lautstärke bei wunderbarer klanglicher Balance. Diese Ausgewogenheit pflegt die InStyle L auch bei höheren Pegeln – und ebenso bewahrt sie die offene, natürliche und entspannte Wiedergabe.

Die InStyle L von vorn und von hinten. Wer die Verkabelung kaschiert haben möchte, bekommt den Lautsprecher auch mit doppelter Schallwand gebaut.

Fazit

Die Omnes Audio InStyle L erweist sich optisch wie akustisch als außergewöhnlicher Schallwandler: Durch ihre Open-Baffle-Bauart mit schlanker L-Form und breiter Front hebt sie sich deutlich von konventionellen Lautsprechern mit Gehäuse ab. Auch das markante Vollholz-Design macht diesen Zwei-Wege-Lautsprecher zu einem echten Hingucker. Die offene Schallwand zeitigt auch einen offenen Klang: Ohne negative Gehäuseeinflüsse liefert die InStyle L mit ihrem Breitbänder und den beiden Tieftönern eine natürliche und selbstverständliche Wiedergabe. Sie zeichnet sich durch räumliche Freiheit aus, bietet dank der hohen Impulstreue eine wunderbare Dynamik und verblüfft insbesondere durch die Leichtigkeit der Basswiedergabe: Der Tiefton ist ist frei von jeglicher Verdickung, doch trotzdem kräftig und tiefreichend. Dafür bedarf es aber einer Sorgfalt bei der Aufstellung. Das Klangbild der InStyle L ist, wenn man bislang nur über konventionelle Boxen gehört hat, ungewohnt – aber wer diese Erfahrung gemacht hat, weiß, welche Unbegrenztheit und Agilität ohne Gehäuse möglich ist.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 96/100
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: sehr gut
101018.Omnes Audio InStyle L-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Omnes Audio
InStyle L
Produktkategorie:Standlautsprecher
Preis:ab 2.500 Euro / Stück
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Holz unlackiert/behandelt (Holzsorte wählbar)
- Lackierung in sämtlichen RAL-Farben (gegen Aufpreis)
Vertrieb:blue planet acoustic, Oberursel
Tel. +49 6172 / 593 929 3
www.oaudio.de
Abmessungen (HBT):1165 x 450 x 290 mm (mit Sockel)
Gewicht:17,4 kg / Stück
Bauart:Zwei-Wege, passiv, offene Schallwand, offener Dipol-Lautsprecher, Breitband-System
Breitbänder:1 x 200 mm (Papier-Membran mit Papier-Schwirrkonus)
Tieftöner:2 x 380 mm (beschichtete Papier-Membran)
Frequenzbereich:ca. 35 Hz - 20 kHz (Herstellerangabe)
Trennfrequenz:450 Hz (Herstellerangabe)
Impedanz:4 Ω (Herstellerangabe)
Wirkungsgrad:94 dB (Herstellerangabe)
Lieferumfang:Omnes Audio InStyle L

Achtung: nur Selbstabholung
Pros und Kontras:+ außergewöhnliches Design
+ offene, natürliche, homogene Wiedergabe
+ Dynamik und Präzision dank hoher Impulstreue
+ plastische und realistische Abbildung in einer breiten Hörzone
+ feiner, tiefer und kraftvoller Bass ohne Kompressionseffekte
+ Manufaktur-Fertigung nach Wunsch

- Aufstellung für optimale Basswiedergabe bedarf des Ausprobierens
Benotung:
Klang (60%):96/100
Praxis (20%):96/100
Ausstattung (20%):96/100
Gesamtnote:96/100
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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