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Die bulligen Orbid-Sound-Gehäuse erinnern an die guten alten HiFi-Zeiten. Zwei wuchtige Bassmembranen zieren die Front. Selbst das Mitteltonchassis misst so viel, wie bei anderen Herstellern der Basstreiber. Trotz des üppigen Volumens und der riesigen Treiber weist die Jupiter von Orbid Sound vorn noch eine Bassreflex-Öffnung auf und lässt erahnen, dass sie ein echtes Powerhouse ist. Wir haben sie uns mal ganz genau angehört.

Agile Kraftentfaltung im Retro-Design: Die Orbid Sound Jupiter.

Musikfreunde und Kenner der Marke Orbid Sound sind natürlich mit der Geschichte des Unternehmens vertraut. Sie wissen das robuste Design der Klangmanufaktur von Daniel Beyersdorffer und Thomas Feil zu schätzen. Seit über 50 Jahren werden in Baden-Württemberg Lautsprecher gefertigt. Jeder hier bestellte Lautsprecher hat eine Lieferzeit von etwa zwei Wochen, weil er erst nach Auftragserteilung von Hand gefertigt wird. Hierbei legen die Handwerker aus Balingen großen Wert darauf, nur Einzelteile von deutschen und spanischen Lieferanten zu verbauen. Das Orbid-Hauptquartier hat man in einer alten Tankstelle gefunden. Hier kann man das Orbid Sound-Portfolio auch live bestaunen. Erhältlich ist besagtes Portfolio ausschließlich per Direktversand oder bei einigen auserwählten Fachhändlern in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin. Im Gegenzug erhält der Kunde ein wirklich einzigartiges Exemplar, das nur für ihn angefertigt wurde. Hierbei kann er aus dem RAL-Farbenkatalog wählen und seinen Schallwandler in Strukturlack oder seidenmatter Ausführung ordern.

Die Jupiter ist gradlinig. Die Fase zwischen Schall- und Seitenwand ist eines der ganz wenigen Details dieses Lautsprechers.

Die Jupiter zeigt sich im kraftvollen Gewand

Ein Lautsprecher von Orbid Sound zeichnet sich nicht durch ein extravagantes Design aus. Extravaganz ist nicht das Ding der Balinger Soundspezialisten. Wer dagegen auf robustes Understatement steht, ist hier allerdings bestens aufgehoben. Mich erinnern die Lautsprecher – und die Jupiter im Besonderen – an die Zeit, in der das Systemradio im Auto gegen eins von Apline, Pioneer oder Kenwood getauscht wurde. Im Laufe zahlreicher Wochenenden wurde die Heckablage immer wieder umgestaltet, bis Verstärker, Weiche und die zahlreichen Chassis die perfekte Anordnung fanden. Rufen diese Worte Bilder aus der Jugend in Erinnerung? Dann sind die Jupiter vielleicht genau richtig. Da sie in allen beliebigen Farben von zartem Weiß, über knalliges Pink bis hin zu unauffälligem Schwarz erhältlich sind, passt sich die Jupiter in jedes Wohnambiente ein. Mit den optional erhältlichen Zierringen aus Aluminium rücken die Chassis dann sogar noch weiter in den Vordergrund.

Geballte Technik im Retro Design: Die Jupiter ist klassisch gestylt und massiv ausgestattet.

Testmuster mit Lebenserfahrung

Dass die Orbid Sound Jupiter handgefertigt sind, zeigt sich an unserem Testexemplar an diversen Stellen. Allerdings auch, dass es sich um ein Testmuster handelt. Die Kanten des Lautsprechers sind nicht gleichmäßig abgerundet. Die Spaltmaße der eingesetzten Chassis stimmen nicht überall perfekt überein und an einer Stelle ist der Lack nicht ordentlich aufgetragen. Das sind Kleinigkeiten, die vermutlich daher rühren, dass wir Testmuster erhalten, die ständig unterwegs auf Messen und den verschiedenen Redaktionen sind. Hier erhält natürlich auch nicht jeder Tester sein ureigenes Exemplar. Dieses hier hat sicher schon ein paar Tests vor unserem über sich ergehen lassen und es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Tester mal einen Blick hineingeworfen hat, was die Unterschiede in den Spaltmaßen erklären würde. Auf den Klang wirken sich diese Kleinigkeiten glücklicherweise nicht aus. Hier kann mein Testgast nämlich aus dem Vollen schöpfen. Doch dazu gleich mehr …

Technische Details der Jupiter

Bei der Jupiter handelt es sich um einen klassischen Drei-Wege-Bassreflex-Standlautsprecher. Im Lieferumfang ist in der Standardausführung nur der reine Lautsprecher ohne Standfüße oder Abdeckung enthalten. Beides ist optional erhältlich und Orbid bohrt nur dann Löcher in den Lautsprecher, wenn die Abdeckung auch wirklich gewünscht wird. Mir gefällt die Idee, so muss der Kunde auch nur das zahlen, was er auch tatsächlich braucht. Abdeckgitter gehören meist nicht dazu. In der Front befinden sind die beiden monströsen Basschassis mit einem Durchmesser von 10 Zoll (25,6 Zentimeter) unübersehbar. Der Mitteltöner misst 6,5 Zoll (circa 16,5 Zentimeter), der Hochtöner riesige 1,5 Zoll (3,8 Zentimeter). Im unteren Abteil der etwa 110 Zentimeter hohen Schallwand liegt die Bassreflexöffnung. Drehe ich den Koloss mit seinem Gewicht von 30 Kilogramm um, werden die 33 Zentimeter in der Tiefe deutlich. Rückseitig befindet sich ansonsten nur noch das Anschlussfeld, in das die Typenbezeichnung integriert ist.

Auf den großen Hochtöner ist man bei Orbid Sound besonders stolz.

Anschluss und Aufstellung

Die Anschlüsse nehmen Bananenstecker und Litzen bis zu einem Querschnitt von sechs Quadratmillimetern auf. Zeitgleich verarbeiten die Membranen bis zu 400 Watt Musikleistung oder 200 Watt Dauerbelastung an vier Ohm Impedanz. Die Lautsprecher werden in meinem Test zunächst von einem unserer Testgäste angetrieben. Zunächst stelle ich sie, ob der monströsen Membranen ziemlich weit in den Raum auf etwa drei Metern Abstand zu mir auf. Ich staune nicht schlecht, als sich die Bässe trotz der eher martialischen Anmutung der Lautsprecher, eher zurückhaltend geben. Erst als ich die Jupiter bis auf etwa 30 Zentimeter an die Wand positioniert habe, gefällt mir die druckvolle, voluminösere Wiedergabe im Bassbereich. Aber nicht nur hier zeigt sich die Orbid Sound von ihrer wählerischen Seite. Bei der Aufstellung und zur optischen Begutachtung lasse ich gern eine wilde Playlist auf Lautsprecher und Verstärker los, bevor ich mich ernsthaft mit dem Klang auseinandersetze.

Kein Schnickschnack: Das großzügig dimensionierte Anschlussfeld ist mit massiven Schraubklemmen ausgerüstet.

Probehören am eigenen Verstärker ist Pflicht

Für einen ersten neutralen Eindruck nehme ich gern „Tom’s Diner“ von Suzanne Vega als Vorlage. Was ich jetzt wahrnehme, gefällt mir allerdings nicht so richtig. Die Hochtöner agieren eher aggressiv. Tatsächlich höre ich ein leichtes Echo der Kopfhörer, die Suzanne Vega wohl beim Einsingen dieses Tracks auf den Ohren hatte. Diese starke Überbetonung in den Höhen fühlt sich sonderbar verkehrt an. Da dies nicht die ersten Orbids sind, die ich teste, probiere ich einen alten Bekannten aus. Und siehe da, am Hegel H360 klingt alles gleich viel entspannter und natürlicher. Auch die Palum wurden uns mit einem Verstärker von WBE geliefert, der optimal mit dem Lautsprecher harmonierte. Die Kombination aus Hegel und Jupiter jedenfalls liefert einen exzellenten Klang. Die Sängerin kommt nicht mehr überspitzt daher, erhält Kraft in Mitten und Höhen und auch der Anteil der Tieftonabteilung überzeugt mich nun absolut.

Wie in der Kirche

Nachdem nun die generelle Einrichtung abgeschlossen ist, rufe ich diverse Genres ab. Schließlich will ich mich von der Qualität des Aufbaus überzeugen. Bislang bin ich nur in den Genuss der Air Motion Transformer der hochpreisigen Lautsprecher aus dem Hause Orbid Sound gekommen. Aber auch die großen Hochtöner in der Jupiter zeigen ein ausgesprochen gutes Ansprechverhalten. Die fetzigen Höhen in „No Sanctuary Here“ im Remix von Martin Herzog zeigen eine ausgezeichnete Auflösung und beweisen, dass sich diese Membranen nicht hinter dem AMT verstecken müssen. Die Stimme von Chris Jones offenbart unglaublich viele Nuancen, die Gitarre wirkt sehr brillant und die Ortung der Instrumente ist tadellos. Als die Toccata in D-Moll von Johann Sebastian Bach anschließend den Raum erfüllt, sitze ich mitten in einer riesigen Kirche. Der Hall wird von allen Wänden zurückgeworfen und die hölzernen und metallenen Flöten der Orgel erlangen eine unglaubliche Fülle.

Mit je 25 Zentimetern Durchmesser sorgen die beiden Basstreiber für mächtig Druck im Tieftonbereich.

Als sich die ersten CDs drehten

Selbst die Töne, die von der Pedalerie aufgerufen werden, erhalten ein Volumen, das sich über den gesamten Raum verteilt. Schließe ich die Augen, verschwinden die Wände um mich herum und weichen den Steinwänden einer Kathedrale. Die Decke wird weit nach oben gezogen. Vor meinen Augen manifestieren sich Deckengemälde alter Meister. Für die perfekte Glaubwürdigkeit ist allerdings mein Sofa zu weich und es fehlt das Husten und Räuspern der anderen Zuhörer im unterkühlten Bau des 11. Jahrhunderts. Anschließend wechsle in die Zeit, aus der die Lautsprecher eigentlich zu entspringen scheinen. Im Sommer 1984 kaufte sich mein Vater seinen ersten CD-Spieler und ich mir von meinen Taschengeld meine allererste CD. Auf dieser CD, auf der nur Bandname, Titel und zahlreiche Bauklötze prangen, befindet sich „Mama“ von Genesis. Abgesehen von der emotionalen Bindung an diese Silberscheibe, zählt sie auch zu denen, die ich am besten kenne.

Auch in der Jupiter setzt Orbid Sound auf einen riesigen Mitteltöner.

Riesige und doch feinfühlige Membranen

Unzählige Male habe ich diese CD bereits gehört, aber noch nie gefiel sie mir so gut, wie über die Orbid Sound Jupiter. Besonders gut sagt mir die feine Aufteilung der Instrumente im Raum zu. Durch die warme Abstimmung erhält Phil Collins eine angenehme Präsenz auf der Bühne, die seinesgleichen sucht. Einzig der satte Bass, an den man sich bei heutigen Aufnahmen gewöhnt hat, ist in dieser Mischung noch nicht präsent. Dann reise ich weiter in Richtung Gegenwart und mache einen Stopp bei Yello. Es waren zwar keine „30000 Days“ wie bei Boris Blank sondern nur knapp 10000. Klanglich hat sich in der Zeit allerdings einiges verändert. Der moderne Mensch hört nun Musik per Streaming-Dienst. Der Dynamikumfang ist deutlich gewachsen, Aufnahmen werden druckvoller und mit Kompressoren abgemischt, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen.

Im Abstand von etwa 30 Zentimetern zur Rückwand haben wir in unserem Test das beste Klangergebnis erzielt.

“Etwas Kraft ist nötig, was sich dann aber entfaltet, macht einfach Spaß”

Boris Blank hat sich immer gern auch mit der aktuellen Technik auseinandergesetzt und liefert in Zusammenarbeit mit bekannten Künstlern immer wieder atemberaubende Alben ab. Das vorletzte, „Toy“ erschien 2016 und es kitzelt alles aus den Jupiter-Boxen heraus. Erneut glänzt der spielfreudige Hochtöner und bereitet eine breite Bühne vor mir aus. Die beiden Bassmembranen überzeugen bei jedweder Lautstärke durch ihre Impulsfreude und ihre Zurückhaltung. Und doch spielen sie in den tiefen Frequenzen ihre ganze Stärke aus. In den tiefen Frequenzen reicht bei Untermalungslautstärke der elektrische Antrieb einfach nicht mehr aus, um den monströsen Membranen noch einen satten bass zu entlocken. Dafür ist ihre Masse dann schlicht zu hoch. Doch schon bei Zimmerlautstärke zaubern die Orbid Sound Jupiter einen eindrucksvollen Bassteppich in den Raum.

Harmonisch abgestimmt

Am Beispiel von „Back to the River“ von Susan Tedeshi zeigt sich die gut gelungene Abmischung zwischen den Chassis dann eindrucksvoll. Gitarren erhalten einen angenehm warmen und natürlichen Klang. Das Schlagzeug wird druckvoll und mit saftigen Becken abgebildet. Die Bassgitarre kann sich auf den riesigen Membranen ordentlich austoben. Das alles wirkt sauber und harmonisch. Angesichts der voluminösen Boxen und der großflächigen Membranen erwartet man insgesamt vielleicht ein viel übertriebeneres Aufspiel. Das ist aber nicht die Art der Jupiter. Die Orbids sind keine Bumm-Boxen, sondern wirklich fein abgestimmte Lautsprecher. Auch wenn sie jede Menge Volumen aufbieten, neigen sie nie zu Übertreibungen. Stattdessen folgen sie der vorgegebenen musikalischen Spur. Dabei halten sie sich angenehm zurück. Und zwar ohne auch nur ein Stückchen der Musik zu vernachlässigen. Geht es dann aber agiler und voluminöser zur Sache, nutzen die Drei-Wege-Standlautsprecher ihr Volumen aber auch gern, um die Wände beben zu lassen.

Die Bassreflex-Öffnung sitzt in der Jupiter im unteren Abteil in der Front. So ist der Lautsprecher flexibler in seiner Aufstellung.

Fazit

Die Optik der Jupiter polarisiert. Sie spricht den Zuhörer wahlweise an oder schreckt ihn ab. Letzteres trifft allerdings nicht auf den Sound zu. Die Jupiter überzeugt im richtigen Setup mit einem leicht warmen, ausgewogenen Klang, filigranen Höhen und dezent abgestimmtem Bass mit dem richtigen Drive. Unter Volllast können sie in atemberaubender Qualität auch große Räume mit ohrenbetäubenden Sounds füllen. Hier leisten sie sich auch unter Zimmerlautstärke keine Patzer. Wie alle Orbid Sound-Lautsprecher sind sie eher wählerisch bei der Wahl des Verstärkers. Der Hegel steht ihnen jedoch sehr gut. Durch das sanfte Vorgehen im Bassbereich kann man ihnen stundenlang unangestrengt zuzuhören. Wenn man Freund des Retro-Designs ist, sind diese Lautsprecher absolut empfehlenswert.

Test & Text: Dieter Pfeil
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 88/90
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: gut - sehr gut

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Technische Daten

Modell:Orbid Sound
Jupiter
Produktkategorie:Standlautsprecher
Preis:ab 1265 Euro / Stück
Garantie:Lautsprecher: 5 Jahre
Ausführung:- Seidenmatt
- Strukturlack
- In allen RAL-Farben nach Kundenwunsch
Vertrieb:Orbid Sound, Balingen
Tel.: 07433/39 10 122
www.orbid-sound.de
Abmessungen (HBT):1100 x 290 x 330 mm
Gewicht:ca. 30 Kilo/Stück
Bauart:Drei-Wege, Bassreflex
Hochtöner:38 mm
Mitteltöner:165 mm
Tieftöner:2 x 250 mm
Frequenzgang:25 Hz – 22 kHz
Lieferumfang:- Jupiter Standlautsprecher
Pros und Contras:+ Customizing-Konzept
+ ausgezeichneter Klang
+ individuelles Design
+ Farbe nach Kundenwunsch
+ sehr schöne Bühnendarstellung
+ präzise Hochtonauflösung

- nur Single-Wire
Benotung:
Klang (60%):89/90
Praxis (20%):88/90
Ausstattung (20%):87/90
Gesamtnote:88/90
Klasse:Oberklasse
Preis-/Leistunggut - sehr gut

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