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Redakteur

 

Seit dem Aufkommen von Streaming und digitalen Mediatheken sind spezialisierte Digital-Analog-Wandler immer öfter gefragte Komponenten einer modernen HiFi-Kette. Folglich hat nahezu jeder Hersteller inzwischen mindestens ein Modell auf den Markt gebracht. Der für den Einsatz am Computer prädestinierte USB DAC 128 Mark 3 von Henry Audio ist allerdings ein ziemlich außergewöhnliches Exemplar – er ist ein Open-Source-Projekt.

Schlichtes Design und hervorragende Verarbeitung - man sieht dem D/A-Wandler von Henry Audio an, dass er norwegische und deutsche Wurzeln hat.

Schlichtes Design und hervorragende Verarbeitung – man sieht dem D/A-Wandler von Henry Audio an, dass er norwegische und deutsche Wurzeln hat.

Open Source bedeutet grob gesagt, dass es keine Geheimnisse gibt. Bauteile und/oder Quellcodes sind frei zugänglich und können theoretisch von jedermann genutzt und weiterentwickelt werden. Ein gewisses Know-How ist natürlich Voraussetzung dafür und längst nicht jede Änderung wird letztendlich auch im finalen Produkt implementiert – wenn man es allerdings mit der inzwischen dritten Generation zu tun hat, zeigt das, dass der eigentlich eher aus der Software-Branche bekannte Ansatz durchaus auch im HiFi-Bereich funktioniert. Hinter dieser Entscheidung steht das kleine norwegische Unternehmen Henry Audio aus Hvalstad unweit der Hauptstadt Oslo, das natürlich auch selbst aktiv die Entwicklung vorantreibt. Der gern gesehene Input des Kundenkreises steht also primär unter dem Motto „Sagt uns, was ihr gerne hättet“ und dient nicht wie bei manchen Open-Source-Projekten als kostenlose Erledigung der eigenen Arbeit. Allerdings nutzt man auch bei Henry Audio gelegentlich gerne externe Kompetenz und hat deshalb Deutschland als Fertigungsstandort für den Mark 3 gewählt. Ein zusätzliches Beispiel für die stetige Weiterentwicklung, die ein Open-Source-Projekt grundsätzlich auszeichnet. Im Prinzip wird ständig hier und da etwas justiert, angepasst oder verbessert – nur manche Dinge sind gut so, wie sie sind. Das betrifft bei USB-DAC Mark 3 vor allem optische Aspekte.

Nordisch schlicht

Die mittlerweile dritte Version des Henry-Audio-Wandlers bleibt dem gewohnt puren und minimalistischen Stil ihrer Vorgänger treu. Gerade einmal rund 11,4 mal 12,2 Zentimeter misst das schlanke Aluminium-Gehäuse des DACs, bei einer Höhe von nur 3,4 Zentimetern. Kein Wunder eigentlich, die norwegischen Wurzeln des Mark 3 sprechen schließlich für die Wahl des typisch skandinavischen Designs ohne große Schnörkel und mit schlichter Formensprache. So ist der sehr ordentlich verarbeitete Wandler ein zeitloses Schmuckstück, das mit seinen aufgesetzten Sechskantschrauben allerdings auch Freunden der eher rustikalen Bauweise gefallen dürfte. Ansonsten verzichtet der DAC auf Verzierungen, sogar das Logo im Zentrum der Front ist zwar verhältnismäßig groß, aber unauffällig gehalten. Rechts leuchtet eine winzige LED fast schon schüchtern auf. Sogar die kleinen durchsichtigen Gummifüße unter dem Gehäuseboden, die den Mark 3 vor dem Verrutschen schützen, reihen sich nahtlos in das zurückhaltende Design ein. Bereits optisch ist der Henry-Audio-Wandler also ein sehr unkomplizierter Spielpartner, der auch dank seiner Ausstattung mit so ziemlich jedem halbwegs modernen Computer kompatibel ist.

Das schlanke und leichte Aluminium-Gehäuse macht den USB-DAC zum perfekten Spielpartner für Laptops und Computer.

Das schlanke und leichte Aluminium-Gehäuse macht den USB-DAC zum perfekten Spielpartner für Laptops und Computer.

Ohne großen Aufwand flexibel einsetzbar

Beim Mark 3 handelt es sich wie erwähnt um einen sehr kompakten Zeitgenossen und auch seine Verpackung ist kaum größer als ihr Inhalt. Das liegt vor allem daran, dass sich tatsächlich nur der DAC selbst darin befindet. Keine Kabel, keine Anleitung – aus gutem Grund. Je nachdem, wo der flexibel einsetzbare Henry Audio zum Einsatz kommt, werden nämlich zusätzliche Adapter benötigt (im Prinzip bei allen Mobilgeräten) und selbst am Computer dürfte ein mitgeliefertes Kabel im Normalfall entweder zu lang oder zu kurz sein. Zudem zeigt die Erfahrung, dass selbst passende Kabel aus dem Lieferumfang vom geneigten HiRes-Musikfreund sowieso lieber durch einen eigenen Signalleiter ersetzt werden. Abgesehen davon dürfte vermutlich jeder Besitzer eines Computers irgendwann mal ein USB-Kabel mit einem USB-B-Anschluss (die „dicke“ Variante) auf der einen und einem USB-A-Anschluss (sprich: der klassische USB-Stecker) auf der anderen Seite erworben haben, beispielsweise beim Kauf eines Druckers oder Scanners. Genau dieses Verbindungsstück braucht auch der Mark 3 für den Anschluss am Laptop – als Eingang besitzt er nämlich lediglich einen USB-B-Port, der von einem Paar Cinch-Stecker als analoges Gegenstück ergänzt wird.

Am USB-B-Eingang beginnt die Arbeit des Henry-Audio-Wandlers.

Am USB-B-Eingang beginnt die Arbeit des Henry-Audio-Wandlers.

Zwischen diesen beiden Schnittstellen übernimmt der bewährte Wandler-Chip AKM 4430 die Arbeit und wandelt die eingehenden, digitalen in analoge Signale um. Dabei unterstützt er Abtastraten bis zu 192 kHz bei 24 Bit und eignet sich demzufolge auch für hochauflösende Musikdateien. Eine heutzutage bekanntlich nicht unwichtige Kompetenz, die beim Henry Audio nicht fehlen darf.  Daher kann er folgerichtig auch in den beiden USB-Audioklassen UAC1 und UAC2 arbeiten. Nur letztere ist nämlich für die Wiedergabe hochauflösender Signale geeignet, wird aber nicht von allen Betriebssystemen nativ unterstützt. Für Windows 10, OS X, Linux, iOS und Android stellt sie kein Problem dar, Windows 8 und früher allerdings benötigt zusätzliche Treiber, die der geneigte User aber problemlos von der Henry-Audio-Website herunterladen und installieren kann.

Eine Sache von Minuten – maximal!

Diese beiden USB-Klassen sind übrigens auch der Grund für die beiden kleinen Tasten „Prog“ und „Reset“ auf der Rückseite des DACs. Die Druckknöpfe dienen dem Umschalten auf UAC2 (beziehungsweise dem Zurücksetzen auf UAC1), da der Mark 3 ab Werk auf UAC1 eingestellt ist (erkennbar an der grünen Front-LED). So ist gewährleistet, dass er sofort an jedem Computer funktioniert. Wer stattdessen auf die UAC2 umschalten möchte, drückt einfach die Taste „Prog“, bis die Front-LED rot leuchtet. Darauf sollte man keinesfalls verzichten, wenn man das Potenzial des Mark 3 ausschöpfen möchte.
Zunächst aber sollte der DAC über ein Stereo-Cinch-Kabel (wichtig: ebenfalls nicht im Lieferumfang enthalten!) mit der Stereoanlage oder einem Aktiv-Lautsprecher werden. Auch der Anschluss an den Computer darf nicht fehlen – der versorgt ihn per USB-Kabel nämlich neben Signalen zugleich mit Strom. Eventuell notwendige Treiber sollte man bei Bedarf im Idealfall aber vorab auf dem Rechner installieren.

Je nach Betriebssystem (hier Windows 8) muss der Henry-Audio-DAC manuell als Wiedergabegerät festgelegt werden.

Je nach Betriebssystem (hier Windows 8) muss der Henry-Audio-DAC manuell als Wiedergabegerät festgelegt werden.

Falls das Betriebssystem den externen DAC am USB-Port nicht automatisch erkennt, muss die Audio-Ausgabe gegebenenfalls noch manuell umgestellt werden – hier hilft im Zweifel die PDF-Bedienungsanleitung auf der Website von Henry Audio mit diversen, gut erklärten Szenarien (allerdings nur auf Englisch, dafür mit ausreichend Screenshots) weiter. Das ist alles kein Hexenwerk und die primäre Zielgruppe des DACs dürfte ohnehin Computer-affin genug sein, um den Mark 3 innerhalb weniger Minuten oder gar Sekunden einsetzen zu können.

Wenn der Sound erstrahlt

Selbst wenn es bei der Inbetriebnahme wider Erwarten mal etwas länger dauern sollte: Der Aufwand lohnt sich! Wie es sich für einen vernünftigen D/A-Wandler gehört, stellt der Henry Audio DAC auch die kleinen Details des Klangs auf die Bühne, die ein nicht auf die Musikwiedergabe ausgerichteter Chip (beispielsweise im Laptop) vernachlässigt. Was ohne ihn grundsätzlich eher etwas gedrungen klingt, entfaltet sich mithilfe des Mark 3 plötzlich zu einem prachtvollen Spektakel, das nicht nur wesentlich räumlicher und klarer daherkommt, sondern vor allem auch detaillierter und präziser klingt. Das sorgt sogar beim sehr hohen Gesang in „Feel It Still“ von „Portugal. The Man“ für einen sehr angenehmen Höreindruck – nimmt man dasselbe Stück einfach so vom Laptop ab, neigt der Song schon leicht zu einem eher aggressiven Hochton. Diese Hürde wird vom Mark 3 hervorragend entschärft und in sanfte Gefilde geführt, ohne das druckvolle Tieftonfundament seiner kraftvollen Performance zu berauben. Zudem treten zurückhaltende Gesangsstimmen im Hintergrund viel greifbarer hervor, ohne aber dominanter zu wirken oder gar andere Aspekte des Klangbilds zu überdecken. Das lässt sich beispielsweise bei „The Man“ von Aloe Blacc feststellen, der nach anfänglichen Solo-Parts Unterstützung eines vielstimmigen Gospel-Chors bekommt. Der macht dem Protagonisten die Bühne allerdings nicht einmal ansatzweise streitig, sondern sorgt „nur“ dafür, dass Blacc umso eindrucksvoller zur Geltung kommt.

Aus digital mach analog - der D/A-Wandler gibt das "Endprodukt" über ein Paar Cinch-Anschlüsse weiter.

Aus digital mach analog – der D/A-Wandler gibt das “Endprodukt” über ein Paar Cinch-Anschlüsse weiter.

Auch instrumentale Sequenzen bestätigen diesen Eindruck, wie wir bei „Good On You Son“ von Mark Knopfler feststellen. Wie immer sehr opulent mit verschiedensten Musikern besetzt, präsentiert sich auch die neue Single des Briten als komplexes und vielschichtiges Stück. Da könnte man schon mal den Überblick verlieren, der DAC mit norwegischen Wurzeln bewahrt sich allerdings seine nordische Gelassenheit und geht die Aufgabe ebenso entspannt an wie die Routiniers aus Knopflers Truppe. Dazu gehört natürlich auch eine breite und sauber gestaffelte Bühne, die ausreichend Platz zur Entfaltung bietet. Selbst stilistische Experimente und abrupte Wechsel bringen den Mark 3 dadurch nicht aus der Balance und der Sound präsentiert sich stets ausgewogen und klar. Sanfte Gitarrenmelodien oder wilde Saxofon-Soli, entspanntes Intro oder vergleichsweise opulenter Refrain, die Grenzen des kleinen Kästchens von Henry Audio werden hier noch lange nicht erreicht.

Der sauber verarbeitete DAC kommt fast gänzlich ohne Schnörkel aus. Lediglich die kleinen Schraubenköpfe sorgen für kleine Verzierungen.

Viel Dynamik und noch mehr Groove

Daher legen wir gerne noch einen Gang zu. Spätestens mit „If Your Prayers Donʼt Get To Heaven“ von Brian Fallon stellt der DAC nun endgültig seine Qualitäten in Sachen Dynamik und Groove unter Beweis. Perfekt gestaffelt breitet sich der Rhythmus gleichmäßig im ganzen Raum aus und die ungeschliffene Gesangsstimme des US-Amerikaners lässt auf einmal einige Details erkennen, die man Fallon eigentlich gar nicht zutraut. Dabei legt sich der Sänger von The Gaslight Anthem wie immer sehr ins Zeug und zeigt mit den eingängigen Gitarrenmelodien und einem knackig-druckvollen Rhythmus-Fundament, dass sich die musikalische (und geografische) Nähe zu Bruce Springsteen immer stärker und gewinnbringender in seinen Kompositionen niederschlägt.

Diese Verbindung zum „Boss“ hat der Engländer Jack Garratt zwar nicht unbedingt aufzuweisen, doch auch sein deutlich Richtung elektronischer Musik tendierende R’n’B-Stil braucht sich in Sachen Tiefton und Agilität nicht verstecken. Der schlanke DAC knüpft den effektgeladenen Parts einen wunderbaren Klangteppich aus den tieferen Frequenzen. Vor allem der plötzliche Wechsel von ruhigen Passagen in den Strophen zum voluminösen Refrain klingt über den Mark 3 wesentlich explosiver und umfangreicher, als wenn man bloß ein Audiokabel zwischen Laptop und Lautsprecher klemmt. Ein Umweg also, der alles andere als kräftezehrend ist, sondern ganz im Gegenteil ungeahntes Potenzial freisetzt und sich deshalb definitiv lohnt.

Dem Open-Source-Gedanken folgend sind alle Bestandteile des Henry Audio einsehbar.

Dem Open-Source-Gedanken folgend sind alle Bestandteile des Henry Audio einsehbar.

Fazit

Musik vom Laptop muss nicht dünn und blass klingen – sofern man die anspruchsvolle Digital-Analog-Wandlung einem Experten wie dem Henry Audio DAC Mark 3 überlässt. Die mittlerweile dritte Generation des flexiblen Open-Source-Wandlers überzeugt mit räumlichem und detailliertem Klang, dem es trotz der kompakten Abmessungen des DACs keineswegs an Ausdrucksstärke und Dynamik mangelt. Das sorgt in Verbindung mit dem Verkaufspreis von 249 Euro für ein respektables Preis-Leistungs-Verhältnis, bei dem nur wenige Konkurrenten mitziehen können. Kein Wunder, dass Henry Audio mit diesem unkonventionellen Ansatz aus der Masse heraussticht.

Text: Martin Sowa
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

94 %

91 %

93 %

Technische Daten

Modell:Henry Audio USB DAC 128 Mark 3
Produktkategorie:USB-DAC
Preis:249 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:Silbergrau
Vertrieb:Henry Audio, Hvalstad (NOR)
Tel.: +47 90 63 99 18
www.henryaudio.com/de
Abmessungen (HBT):34 x 114 x 122 mm
Anschlüsse:Eingang: USB Type-B
Ausgang: Stereo-Cinch
Mikrocontroller:Atmel AVR32
D/A-Konverter:AKM 4430
Audioklassen- UAC1
- UAC2
Auflösung:bis 24-bit / 192 kHz
Lieferumfang:- USB-DAC 128 Mark 3
Besonderes:- Open-Source-Produkt
- schlankes und leichtes Aluminium-Gehäuse
- made in Germany
- keine zusätzliche Stromversorgung nötig
- räumlicher Klang
- präzise Detaildarstellung
- HiRes-kompatibel
- ggf. notwendige Treiber kostenlos verfügbar
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,1
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1,0
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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