„The Sound of Nature“ – eine Wiedergabe, die echt wirkt und die Bühne nach Hause holt: Das ist der Anspruch von B.M.C. Audio. Um das Ziel zu erreichen, geht die renommierte Berliner High End-Schmiede seit jeher ihren eigenen Weg – mit selbstentwickelten Technologien und Innovationen, die das Produktportfolio vom Player bis zum Lautsprecher prägen. Um die einzigartigen Lösungen und den kreativen Kopf dahinter kennenzulernen, ist das lite-Magazin in die Hauptstadt zum Hauptquartier von B.M.C. gereist.

Exzellentes High End, imposantes Ambiente: Der große Hörraum des Berliner Showrooms von B.M.C. Audio.

Es gibt Firmen, die haben wenig Profil, und es gibt Marken, die haben ein Gesicht. Zu der zweiten Kategorie gehört B.M.C. Audio: Hinter dem bestens beleumundeten Klangkomponenten-Hersteller steht mit Carlos Candeias ein Vollblut-Ingenieur, der seit Dekaden im internationalen HiFi/High End-Segment arbeitet, sich mit seinen Innovationen einen erstklassigen Ruf erworben hat und heute zu den führenden Köpfen der Branche zählt. Seit 2009 konzentriert Candeias seine Ideen und Lösungen auf das „Balanced Music Concept“, kurz B.M.C., das Know-How von heute hat seinen Ursprung allerdings in einer atemberaubenden Vergangenheit.

Der B.M.C. BDCD2 ist die aktuellste Version des legendären Toplader-CD-Players mit Riemen-Antrieb …

Erfolgsfirma während des Studiums

Es hätte auch alles anders kommen können: Carlos Candeias, Sohn einer kinderreichen portugiesisch-spanischen Einwandererfamilie, wäre um ein Haar klassischer Sänger geworden, er trat sogar schon unter dem Dirigenten Herbert von Karajan in der Berliner Philharmonie auf – doch dann traten die Eltern auf die Bremse. Mit Musik ging es aber trotzdem weiter: Ein alter Nachbar, einerseits Cellist, andererseits Siemens-Ingenieur, weckte in Candeias die Begeisterung für Elektrotechnik. So startete Candeias schon früh mit eigenen Entwicklungen, begann mit der Modifikation von CD-Spielern. Die Weiterentwicklungen und Verbesserungslösungen waren so erfolgreich, dass Candeias noch während des Elektrotechnik-Studiums in Berlin seine erste eigene Firma gründete. Ab 1986 kreierte er mit Candeias Engineering eine komplette Produktlinie von der Quelle bis zum Lautsprecher. Dieser umfassende Ketten-Gedanke hat sich bis in heutige B.M.C. Audio-Zeiten gehalten. Neben Entwicklungen unter eigenem Namen standen schnell Fertigungsdienste für andere Firmen und Marken im Mittelpunkt – erst als ODM (Original Design Maker), der die Entwicklung macht, später als OEM (Original Equipment Manufacturer) der darüber hinaus auch die Realisation bis hin zur Produktion übernimmt. Zu den Kunden und Kooperationspartnern gehörten internationale namhafte Firmen und Marken aus dem High End-Segment, dazu zählen Firmen wie Teac, Aqvox und vor allem C.E.C., die Japaner waren damals der größte Plattenspieler-Hersteller, weil sie ihrerseits für hierzulande bekannte Marken produzierten. Durch die Kooperation mit Candeias reüssierte C.E.C. nun auch mit einem riemengetriebenen CD-Spieler. Welch legendären Ruf diese Geräte und die von Candeias unter eigenem Namen produzierten Komponenten selbst noch heute haben, belegen die Fan-Foren im Internet.

… doch auch ein früher CD-Spieler aus der eigenen Candeias-Modelo-Serie von 1994 war schon von der Fachpresse hochgelobtes High End.

Auswanderung nach Asien

Für sein erfolgreiches ODM-Geschäft hatte Candeias aber Deutschland längst hinter sich gelassen: 2001 war er mit einem 20-Fuß-Container und einem One Way-Ticket nach China ausgewandert, weil er früh sah, welche Chancen ihm das Land bot. Die rosigen Aussichten mündeten erst einmal in realer Ernüchterung: Zusagen und Vereinbarungen erwiesen sich als nicht belastbar, sodass Candeias das Geschäft mit seiner Frau in eigener Regie aufziehen musste – von der Planung bis zur Produktion. Erst in der Provinz Guangdong, dann in Shanghai. 2004 hatte die Firma 50 Beschäftigte und fertigte 10.000 Geräte pro Jahr: CD-Spieler, Verstärker, D/A-Wandler, symmetrischen Kopfhörerverstärker, dazu betrieb Candeias seit 2002 auch die Chassis- und Gehäuse-Entwicklung für Lautsprecher. Candeias hatte sich damit eine einzigartige Position im High End-Segment erarbeitet: Die komplette Geräteentwicklung vom ersten Gedanken über den ersten Ingenieursstrich bis hin zum fertig verpackten Gerät. Doch Carlos Candeias war klar: Da ist noch mehr möglich.

Die Gehäuseform mit dem mittleren Rund und den flankierenden Seitenflügeln ist unverwechselbar. Dieses markante Design prägt auch im Firmenlogo von B.M.C. Audio.

High End unter eigener Flagge: B.M.C. Audio

Muss das eigene Know-how unter fremdem Namen erscheinen? Candeias überlegte – und stellte fest: Er hatte eigentlich alles. Er besaß die Fertigungsmöglichkeiten, er verfügte über das Zuliefer-Netz, und er wusste, dass er technologisch sogar überall noch was drauflegen konnte. Es fehlte nur die eigene Marke und ein Marketing-Department. Zugleich diskutierte er mit zwei anderen Größen der HiFi-Brache, dem Restek-Gründer Bernd Hugo und dem Lautsprecher-Experten Manfred Penning, eine Kooperation. Die beabsichtigten Bündelung der Kräfte mündete 2009 in die Gründung von B.M.C. Audio. Die Koalition währte allerdings nur zwei Jahre, ab dann führte Carlos Candeias die Firma allein fort – als Familienunternehmen.

Der Showroom von B.M.C. Audio liegt im Zentrum von Berlin.

Am aufgebauten Produkt-Portfolio änderte das freilich nichts: Candeias hatte Dank seines Know-hows, seiner Produktionserfahrung und seiner diversen Patente eine in jeder Hinsicht ausgezeichnete Produktpalette. Die Aufgabenverteilung ergibt sich aus Candeias’ Vita: Entwicklungsarbeit und Qualitätskontrolle obliegt Deutschland, die Produktionsstätte liegt in China. Candeias nutzt hier natürlich die von ihm selbst aufgebauten Strukturen.

Die Arcadia mit ausgelagerter Frequenzweiche ist der Flaggschiff-Schallwandler von B.M.C. Audio.

Den Anfang der B.M.C.-Produktlinie machten der Belt Drive-CD-Player, ein Toplader mit dem hochgeschätzten riemengetriebenen Laufwerk von C.E.C. Dann folgten der gefeierte, Laborrekorde brechende Phono-Vorverstärker und der erste D/A-Wandler. Mit etwas Abstand folgten die größeren Verstärkermodelle. Mit diesen Modellen war dann auch das Markenzeichen von B.M.C. Audio geschaffen: Die Front mit den auffälligen VU-Metern und den den hinterleuchteten Displays sowie das klare Design mit leichtem Retro-Touch sind ebenso unverwechselbar wie die grundsätzliche Gehäuseanmutung mit einem markanten mittleren Rund, das von zwei flachen Seitenflügeln flankiert wird. Diese Geometrie findet sich im Firmenlogo. Mit diesen Produkten begann auch 2012 der Reigen an Prämierungen: B.M.C. Audio erhielt Auszeichnungen für technologische Innovationen, für das Design, für das Preis-/Leistungsverhältnis – und für besten Klang, sowohl in der Preisklasse als auch absolut betrachtet.

Einzigartig: Die VU-Meter und Anzeigen (hier das Display des CS3 Stereo-Vollverstärkers) werden speziell für B.M.C. gefertigt – wie auch die Aluminium-Gehäuse.

Patent-Rezepte für den Klasse-Klang

Die klangliche Exzellenz von B.M.C.-Produkten beruht auf zahlreichen Innovationen. Ein Ausgangspunkt ist dabei eine frühe Studienarbeit, mit der Carlos Candeias die Probleme von gegengekoppelten Verstärkern untersuchte, um die Defizite dann abstellen zu können. Candeias kam jedoch zu der Erkenntnis, dass die weitverbreitete Gegenkopplung, die dem Verstärker ein stabileres, verzerrungsärmeres Arbeiten ermöglichen soll, eine Sackgasse darstellt: Die Nachteile sind nicht zu beheben, weil die Gegenkopplung immer auch vom Lautsprecher beeinflusst wird, dessen Widerstand, die sogenannte Last, frequenzabhängig ist. Candeias hat daraufhin den lasteffektfreien Verstärker entwickelt, der keine Gegenkopplung braucht und dadurch strom-, spannungs- und phasenunabhängig stabil arbeitet – und deshalb eine überlegene Lautsprecherkontrolle besitzt. Dieses Konzept des lasteffektfreien Verstärkers ist Basis jedes B.M.C. Verstärkers – wie auch die Current Injection-Schaltungsmethode, mit der Signalwege radikal verkürzt werden können, oder das diskrete Gain-Management, mit dem die Lautstärkeeinstellung des analogen Signals digital und deshalb nun verlustfrei geregelt wird. Das alles zahlt sich – wie auch die grundlegende symmetrische Signalführung im Schaltungsaufbau – schon bei einem der ersten B.M.C.-Produkte aus, dem B.M.C. Phono MCCI, der zu den besten Phono-Vorverstärker der Welt gehörte und mittlerweile vom Nachfolger MCCI Signature abgelöst worden ist.

Drei in einem: Mit dem UltraDac bietet B.M.C. einen symmetrischen DAC mit Kopfhörer- und Vorverstärker.

Von diesen Innovationen profitiert aber ebenso der B.M.C. UltraDAC, dessen exzellente Dreifaltigkeit aus Wandler, Vorverstärker und Kopfhörer-Amp wir bereits in unserem Test erlebt haben. Innovationen kennzeichnen auch den Lautsprecherbau von B.M.C. Audio: Hier setzt Candeias auf die bipolare Beschallung, die Boxen sind also nicht nur vorne mit Lautsprecher-Chassis bestückt, sondern auch rückseitig. Dadurch besitzt die Wiedergabe eine ausgezeichnete Räumlichkeit und Natürlichkeit, die Boxen liefern dazu einen homogenen Klang auf weitem Raum, während sie selbst akustisch unsichtbar sind. Auch beim Boxenbau kommt keine Lösung von der Stange, auch hier ist alles Eigenentwicklung. Das beginnt bei der Konzeption des Chassis und reicht bis zur Konstruktion des Gehäuses. So besteht der Korpus der B.M.C. PureVox aus purem Metall, er wird aus einem resonanzoptimierten, hochspeziell geformten Aluminium-Strangguss-Profil gefertigt.

Speziallösungen: Auch bei der PureVox setzt B.M.C. auf das bipolare Prinzip mit vorder- und rückseitigen Schallwandlern. Das Gehäuse und ist aus Aluminium und wird in einem Stück gegossen.

Dieser komplizierte Fertigungsprozess wird bei dem Lautsprecher-Flaggschiff, der B.M.C. Arcadia, noch übertroffen: Ihr Gehäuse besteht aus einem selbstentwickelten keramischen Verbundmaterial, bei dem drei verschiedene Keramik-Körnungen von verschiedener Härte und Korngröße mitsamt einem acrylischen Binder im Vakuum gegossen werden. Die Fertigung wird im Berliner Umfeld realisiert – hier zahlt sich aus, das „Custom Made“ seit jeher eine Stärke der Manufaktur ist: Wenn es etwas nicht gibt, macht B.M.C. Audio es selbst – oder weiß, wo die gesuchte Qualität zu kriegen ist. So werden etwa die Aluminium-Gehäuse und die VU-Meter der Elektronik-Komponenten von Spezialisten in Taiwan gefertigt, während das halbverspiegelte Glas für die Fronten nur aus Japan zu bekommen ist.

Universellen Medienquelle: Mit dem PureMedia MK 3 bietet B.M.C. eine Komplettlösung zur Verwaltung und Wiedergabe aller Bild- und Ton-Formate.

Hin zu neuen High-End-Ufern

Die Gründung von B.M.C. Audio läutete für Carlos Candeias einen neuen Lebensabschnitt ein: Zurück nach Berlin, wo die Liebe zur Musik und die Begeisterung für Technik ihren Anfang hatte, zurück zu kleineren Strukturen für ausgesuchte eigene Produkte in Stückzahlen jenseits der Massenfertigung des OEM-Segments. So besteht die Manufaktur heute nur noch aus zehn Mitarbeitern, die aktuelle Produktpalette umfasst ein feines Sortiment, das von CD-Spielern und D/A-Wandlern über Phonoverstärker, Stereo-Amps und Mono-Endstufen bis hin zu Lautsprechern reicht. Das Portfolio wird von Signal- und Stromkabeln sowie einem aktiven USB-Audio-Kabel zur Minimierung von Übertragungsverlusten und Störungen abgerundet. Neben diesen reinen Audio-Komponenten bietet B.M.C. Audio als frischestes Highlight nun auch einen Medien-Server, der eine komplette All-in-one-Lösung für Bild und Ton darstellt. All diese Komponenten kann man in den beiden repräsentativen Vorführräumen des Berliner Showrooms erleben – nach Terminabsprache. „Einfach anrufen“, sagt Carlos Candeias, „und wer hierher kommt, kann sicherlich etwas mitnehmen, was es nirgendwo anders in dieser Form gibt. Einfach etwas, was das Hobby bereichert. Mir macht es so einen Spaß, mit ganz normalen Leuten hier zu sitzen, die einfach Freude haben, und für die wir das alles ja bauen. Und da nehme ich mir gerne Zeit.“

B.M.C.-Gründer und Entwickler Carlos Candeias (r.) im Gespräch mit lite-Redakteur Volker Frech.

Neben der Beratung und dem Verkauf kümmert sich Candeias und nun auch wieder verstärkt um seine ursprüngliche Kernkompetenz: Innovation und Entwicklung. Candeias macht es Spaß, Grenzen zu durchbrechen und High End weiterzutreiben. Aktuell arbeitet er intensiv an einem Schallwandler der Superlative, die Pläne liegen im Büro schon auf dem Tisch: „Ein richtig abgefahrenen Lautsprecher, fast schon eine Skulptur, und auch technisch unglaublich anspruchsvoll – das ist natürlich alles andere als ein kommerzielles Produkt, das man einfach so jeden Tag unter die Leute bringt.“ Von derartigen Ideen hat Carlos Candeias noch einige im Kopf, nur zur Realisierung ist er wegen des Tagesgeschäfts bislang nicht gekommen. „Das möchte ich ändern – und das kann ich mir jetzt auch gönnen.“

Test & Text: Volker Frech
Fotos: www.lite-magazin.de

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