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In Köln greift das Ausländeramt unter Leitung von Dr. Ludwig Sarheimer zu gnadenlosen Methoden, um möglichst viele Migranten wieder loszuwerden. Einzige Chance zur Rettung:... 300 Worte Deutsch – Generationenkonflikt statt reiner Culture Clash

In Köln greift das Ausländeramt unter Leitung von Dr. Ludwig Sarheimer zu gnadenlosen Methoden, um möglichst viele Migranten wieder loszuwerden. Einzige Chance zur Rettung: ein bestandener Deutsch-Test, in dem unter anderem 300 Worte Deutsch beherrscht werden müssen. Für Moschee-Vorsteher Cengiz Demirkan eine schlechte Nachricht, schließlich vermittelt er junge Türkinnen als Braut an in Deutschland lebende Landsleute – was allerdings nicht nur dem Ausländeramt, sondern auch der eigenen Tochter Lale nicht passt.

Lale (Pegah Ferydoni) lebt als Studentin mit ihrem Vater in Köln und kämpft gegen das traditionelle und veraltete Frauenbild. (© Universum Film)

Lale (Pegah Ferydoni) lebt als Studentin mit ihrem Vater in Köln und kämpft gegen das traditionelle und veraltete Frauenbild. (© Universum Film)

 

Lale (Pegah Ferydoni) steht nämlich als Germanistik-Studentin kurz vor dem Abschluss und fürchtet, anschließend gemäß des unzeitgemäßen Traditionsverständnisses ihres Vaters gegen ihren Willen verheiratet zu werden. Dank ihrer Selbstverteidigungskünste schüchtert sie zwar einen Bewerber nach dem anderen ein, doch ewig kann das so natürlich nicht weitergehen. Zumal sie auch noch die Bekanntschaft von Marc Rehmann (Christoph Letkowski) macht. Der ist zwar der Neffe des verhassten Dr. Sarheimer (Christoph Maria Herbst) und ebenfalls Mitarbeiter beim Ausländeramt, dennoch findet Lale ihn durchaus sympathisch – was auch auf Gegenseitigkeit beruht. Denn Marc wiederum ist mit den knallharten und nur allzu bürokratischen Methoden seines Onkels alles andere als einverstanden und bemüht sich stattdessen um eine Zusammenarbeit mit den Migranten.

Als Lales Vater (Vedat Erincin) allerdings die Ergebnisse eines Deutsch-Tests, der ausschlaggebend für die Aufenthaltserlaubnis der „importierten“ Frauen ist, gegen Bestechungsgeld fälschen lässt, steigt das Spannungspotenzial der Situation. Das Amt fordert neue Tests und Lale versucht, den neu angekommenen Frauen, die nötigen Sprachkenntnisse zu vermitteln. Gleichzeitig kommt sie Marc näher, was aufgrund ihres Vaters und seines Onkels aber ebenfalls nicht problemlos vonstattengeht. Und Dr. Sarheimer ist selbst an seinem Rückzugsort – einem Bordell – nicht mehr vor unliebsamen Überraschungen sicher…

Dr. Ludwig Sarheimer (Christoph Maria Herbst) vom Ausländeramt will am liebsten alle Migranten umgehend wieder abschieben. (© Universum Film)

Dr. Ludwig Sarheimer (Christoph Maria Herbst) vom Ausländeramt will am liebsten alle Migranten umgehend wieder abschieben. (© Universum Film)

 

So richtig neu ist das Thema von 300 Worte Deutsch natürlich nicht, insbesondere der Aspekt der Zwangsheirat bzw. das klischeehafte Frauenbild der türkischen Kultur und der dagegen geführte Kampf der jungen, in Deutschland aufgewachsenen Frauen ist schon des Öfteren Aufhänger von „Multi-Kulti-Komödien“ gewesen. Das ist natürlich alles überspitzt und reichlich schwarz-weiß gezeichnet dargestellt, macht es aber auch möglich, sich schnell in den Film hineinzufinden, ohne sich erst einmal über die kulturellen Unterschiede und vor allem Gemeinsamkeiten informieren zu müssen. Primär geht es auch in 300 Worte Deutsch natürlich vor allem um den Unterhaltungsfaktor und die sich trotz aller Stolpersteine anbahnende Romanze zwischen Lale und Marc.

Diese beiden Figuren sind dementsprechend auch als Hauptcharaktere der Story einzustufen, wobei Pegah Ferydoni als Lale noch etwas mehr im Mittelpunkt steht als Christoph Letkowski als männlicher Protagonist. Ferydoni dürfte ihre bisher bekannteste Rolle als Yağmur Öztürk in „Türkisch für Anfänger“ (TV-Serie und Kinofilm) gehabt haben, ist allerdings selbst gar nicht türkischer Abstammung sondern in Irans Hauptstadt Teheran geboren. Allerdings ist sie seit frühester Kindheit in Berlin aufgewachsen und war wie die von ihr verkörperte Figur Lale als Studentin eingeschrieben. Anders als Yağmur ist Lale allerdings wesentlich resoluter und „westlicher“ orientiert, was man auch Ferydoni anmerkt, die trotz der eher übersichtlich angelegten Rolle eine vielfältige Darbietung abliefert und ungewollt zwischen den eigenen Träumen und der Umsetzung der Wünsche ihres Vaters pendelt.

Dadurch gerät Sarheimer in Konflikt mit Cengiz Demirkan (Vedat Erincin). (© Universum Film)

Dadurch gerät Sarheimer in Konflikt mit Cengiz Demirkan (Vedat Erincin). (© Universum Film)

 

Ähnliches gilt für Marc, der den Job im Ausländeramt eigentlich nur seinem Onkel zuliebe angenommen hat und für Integration denn für Abschiebung steht. Zwar wird sein „Schicksal“ nur oberflächlich beleuchtet, macht aber klar, dass es auch im kulturellen Verständnis der Deutschen durchaus traditionell dominierte Sichtweisen gibt, die sich eben nicht der modernen Wirklichkeit angepasst haben. Allerdings geht das möglicherweise ein wenig unter, weil mit Christoph Maria Herbst einer der wohl bekanntesten deutschen Komödien-Schauspieler für die Rolle des fiesen Dr. Sarheimer besetzt wurde – der erinnert dann des Öfteren an einen gewissen Stromberg, was einen die Thematik nach dem Motto „der ist ja eigentlich gar nicht so“ möglicherweise etwas zu locker nehmen lässt. Andererseits darf man den bereits 2013 entstandenen Film natürlich auch nicht vor dem heutigen Hintergrund der massiv geführten Flüchtlingsdebatte betrachten – einerseits konnte das damals eben noch kein Thema sein, andererseits geht es in 300 Worte Deutsch eben auch nicht um die generelle Aufnahme von Migranten, sondern primär um die unterschiedlichen Ansichten der jüngeren, „moderneren“ und der älteren, „traditionellen“ Generation und der damit verbundenen Hürden im Alltag.

Währenddessen kommen sich Lale und Sarheimers Neffe Marc (Christoph Letkowski) näher. (© Universum Film)

Währenddessen kommen sich Lale und Sarheimers Neffe Marc (Christoph Letkowski) näher. (© Universum Film)

 

Da uns „nur“ ein Presse-DVD-Screener zur Rezension vorlag, lässt sich über die Qualität und Ausstattung der Blu-ray beziehungsweise der Verkaufs-DVD wenig sagen. Bonusmaterial gab es auf dem Screener keins, das Bild und der Ton machten allerdings gemessen an den für Presse-DVDs üblichen Standards einen guten Eindruck. Details waren relativ gut zu erkennen und die Bildkomposition wirkte generell sehr lebhaft. Der Ton wird wie bei Komödien üblich natürlich selten richtig gefordert, legt den Fokus aber auch ganz klar auf die Dialoge, die stets klar und deutlich sind. Wer Blu-rays abspielen kann, sollte natürlich auf dieses Format zurückgreifen – die DVD dürfte dem Filmspaß an sich aber auch keinen Abbruch tun.

Die Romanze seines Neffen ist allerdings nicht die einzige böse Überraschung für Sarheimer (mit Arzu Bazman)... (© Universum Film)

Die Romanze seines Neffen ist allerdings nicht die einzige böse Überraschung für Sarheimer (mit Arzu Bazman)… (© Universum Film)

 

Fazit

Mit 300 Worte Deutsch kommt einmal mehr eine Multi-Kulti-Komödie ins Heimkino, die vor allem auf den Generationenkonflikt eingeht und dabei nicht nur kulturelle Unterschiede berücksichtigt. Hauptdarstellerin Pegah Ferydoni zeigt, dass sie nicht nur als Ensemblemitglied sondern eben auch als tragende Rolle überzeugen kann und Christoph Maria Herbst schüttelt den fiesen Dr. Sarheimer gekonnt lässig aus dem Ärmel.

„300 Worte Deutsch“ ist ab dem 28. August 2015 als DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film erhältlich.

Genre
Komödie

Laufzeit
ca. 96 Minuten

Altersfreigabe
ab 12 Jahren

Regie
Züli Aladag

Cast
Pegah Ferydoni, Christoph Letkowski, Christoph Maria Herbst, Vedat Erincin, Nadja Uhl, Arzu Bazman,

75 of 100

85 of 100

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