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Einst war Robert Axle der König des TV-Shoppings – brillante Produktideen und überzeugendes Auftreten sorgten für reißenden Absatz. Doch nach einem unausgereiften Produkt landete... Selfmade-Dad – Ideen muss man haben

Einst war Robert Axle der König des TV-Shoppings – brillante Produktideen und überzeugendes Auftreten sorgten für reißenden Absatz. Doch nach einem unausgereiften Produkt landete Axle im Knast und verlor Vermögen, Frau und Karriere. Aufgeben kommt allerdings nicht in Frage!

Robert Axle (Kevin Spacey) war einst dank brillanter Erfindungen erfolgreicher Unternehmer - nun muss er nach einem Gefängnisaufenthalt ganz unten anfangen. (© Concorde Home Entertainment)

Robert Axle (Kevin Spacey) war einst dank brillanter Erfindungen erfolgreicher Unternehmer – nun muss er nach einem Gefängnisaufenthalt ganz unten anfangen. (© Concorde Home Entertainment)

 

Robert Axle (Kevin Spacey) hatte oft den richtigen Riecher. Zwei Produkte zu einer unwiderstehlichen Neuerfindung zu verbinden, das war sein großes Talent. Auf diese Weise baute er sich ein wahres TV-Shopping-Imperium auf und verdiente Millionen von Dollars. Alles möglich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo allerdings auch dreiste Dummheit weit verbreitet ist. Und so sah sich Axle plötzlich mit einer Reihe von Anzeigen konfrontiert, nachdem die Käufer seines Fernbedienungs-Bauchtrainers ihre Finger bei der unsachgemäßen Bedienung einklemmten. Die Folge: Axle verlor die Hälfte seines Vermögens als Schadenersatz und landete zudem für acht Jahre im Gefängnis. Und viel schlimmer noch: Auch der Kontakt zu seiner Frau Lorraine (Virginia Madsen) und Tochter Claire (Camilla Belle) brach ab.

 

Frisch aus dem Knast entlassen muss Axle nun wieder ganz von vorn anfangen. Haus und Geld gehören seiner Frau und deren neuem Mann Jerry (Craig Robinson ), die Firma seinem einstigen Mitstreiter Steven Leslie (John Stamos) und seine Tochter ist alles andere als froh, ihren Vater wiederzusehen. Kein Wunder, steht dieser schließlich reichlich verlottert mit langen, wirren Haaren und zu weitem Anzug plötzlich vor dem Haus, das Claire sich mit ihren Mitbewohnerinnen und Freundinnen Phoebe (Heather Graham) und Donna (Anna Anissimova) teilt. Letztere tritt Axle gegenüber immerhin wohlgesonnen auf, während er sich nur langsam wieder an das Leben in Freiheit gewöhnt. Doch nicht nur sein neuer Job im Supermarkt samt des abweisenden Chefs Troy Coangelo ( Johnny Knoxville) macht Axle zu schaffen, auch der Kampf um eine zweite Chance zehrt an seinen Kräften. Und so macht er den schlimmsten Fehler seines Lebens fast zum zweiten Mal…

Von seinem alten Leben ist wenig geblieben - seine Frau Lorraine (Virginia Madsen) hat sogar schon einen neuen Mann (Craig Robinson). (© Concorde Home Entertainment)

Von seinem alten Leben ist wenig geblieben – seine Frau Lorraine (Virginia Madsen) hat sogar schon einen neuen Mann (Craig Robinson). (© Concorde Home Entertainment)

Gütesiegel Spacey

Kevin Spacey („Sieben“, „American Beauty“, „House of Cards“) hat in seiner Karriere schon viele Rollen gespielt, vielseitige und anspruchsvolle sowieso. Manche ernteten nur großes Lob, andere brachten ihm sogar Oscars ein. Und auch die Hauptrolle in Selfmade-Dad zeigt (womöglich sogar etwas unerwartet), dass er ein grandioser Schauspieler ist. Spacey spult in knapp eineinhalb Stunden (denn bis auf wenige Szenen ist er tatsächlich immer zu sehen) ein wahnsinniges Repertoire vom selbstbewussten bis leicht arroganten Geschäftsmann über den tollpatschigen älteren Mann bis hin zum geläuterten Vater ab. Und zwar immer absolut auf den Punkt, nie wirkt er aufgesetzt oder übertrieben. Sei es nun bei der Anpreisung völlig absurder Produktideen oder beim Einsammeln der Utensilien für ein Videospiel am Rande eines ebenso kurzen wie schlagkräftigen Beziehungsdramas, Spacey hat innerhalb eines einzigen Films vermutlich so viele verschiedene Facetten abrufen müssen, die man ihm je nach Kenntnisstand seiner bisherigen Karriere wahrscheinlich gar nicht unbedingt zugetraut hätte.

Roberts ehemaliges Unternehmen wird nun vom einstigen Kollegen Steven Leslie (John Stamos) geführt. (© Concorde Home Entertainment)

Roberts ehemaliges Unternehmen wird nun vom einstigen Kollegen Steven Leslie (John Stamos) geführt. (© Concorde Home Entertainment)

Allerdings scheint bei der Besetzung von Selfmade-Dad ohnehin Experimentierfreunde geherrscht zu haben. Anders ist es kaum zu erklären, dass Johnny Knoxville („Jackass“, „Bad Grandpa“) als stocksteifer Supermarktchef oder John Stamos („Full House“) als schleimig-verlogener Ex-Geschäftspartner auftreten. Beiden gelingt die ziemlich gegenteilige Ausrichtung ihrer bekannteren Rollen allerdings ebenfalls sehr gut, wenngleich sie gegenüber Spacey in ihren eingeschränkten Rollen natürlich nicht mithalten können. Ähnliches gilt für die sehr geradlinigen Figuren von Camilla Belle („10.000 B.C.“) als Tochter Claire und Heather Graham (u.a. „Hangover 3“, „Californication“) als deren stets auf Konfrontation ausgerichtete Mitbewohnerin. Ebenfalls mit limitierter Rolle ausgestattet sorgt vor allem Craig Robinson als neuer Ehemann an der Seite von Axles Frau für Lacher. Hier ist den Filmemachern übrigens hoch anzurechnen, dass sie die Unmengen an platten Witzen aus der absoluten Gegensätzlichkeit bei der Auswahl der Gatten bewusst ignorieren und stattdessen völlig unerwartet eine ganz andere Komik kreieren.

Rückhalt findet Robert nur noch bei seiner Tochter Claire (Camilla Belle) - und das auch nur in begrenztem Maße. (© Concorde Home Entertainment)

Rückhalt findet Robert nur noch bei seiner Tochter Claire (Camilla Belle) – und das auch nur in begrenztem Maße. (© Concorde Home Entertainment)

Auch grundlos lustig

Dennoch sind große Teile der Story relativ unausgereift, was dank der herausragenden Leistung Spaceys allerdings zu verschmerzen ist. Seltsam wirkt nur der Beginn, weil über die Gründe für Axles Knastaufenthalt kaum etwas zu erfahren ist und dieser trotz Verurteilung als einzige sympathische Figur angeboten wird, während alle anderen erst einmal wie vorurteilsbehaftete Fieslinge wirken. Das sorgt immerhin für Mitgefühl für Axle beim Versuch, sein Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Die vielen Baustellen machen es hier zwischendurch allerdings auch schwer, seine teilweise von Verzweiflung motivierten Entscheidungen nachzuvollziehen, wodurch Selfmade-Dad mehr als nur eine Wendung nimmt.

Nicht ganz unschuldig daran: Claires streitbare Mitbewohnerin Phoebe (Heather Graham). (© Concorde Home Entertainment)

Nicht ganz unschuldig daran: Claires streitbare Mitbewohnerin Phoebe (Heather Graham). (© Concorde Home Entertainment)

Acht Jahre verbrachte Robert Axle in Selfmade-Dad im Knast, sechs Jahre lagen zwischen Fertigstellung und deutscher Veröffentlichung des Films. Das kann man konsequent nennen, vor allem in Hinblick auf die von Axle verpasste Technisierung der Welt. Denn so wirkt auch der Film technisch leicht veraltet, was Bild und vor allem Ton angeht. Zwar sind Farben und Kontraste gut gelungen, allerdings wirkt die DVD immer leicht unscharf und hat vor allem in dunklen Szenen doch recht deutliche Schwächen. Besitzer eines Surround-Systems werden das zudem kaum benötigen, fast alles spielt sich über die Frontlautsprecher ab. Das ist angesichts der sehr wenigen „Action“-Szenen zwar völlig im Rahmen, ein bisschen mehr hätte es aber doch sein dürfen. Sei’s drum, das Bonusmaterial bietet dafür wieder einige lustige Outtakes sowie interessante Einblicke in die Entstehung des Films, der glücklicherweise noch seinen Weg auf den deutschen Markt gefunden hat.

Roberts einzige Chance: Eine weitere brillante Idee muss her... (© Concorde Home Entertainment)

Roberts einzige Chance: Eine weitere brillante Idee muss her… (© Concorde Home Entertainment)

Fazit

Kevin Spacey kann bekanntermaßen problemlos einen Film tragen und tut dies in Selfmade-Dad souverän und unterhaltsam. Die Nebendarsteller bringen ebenfalls viel Spielfreude in teilweise ungewohnten Rollen mit. Deshalb und wegen der guten Dosierung sentimentaler Momente macht die manchmal etwas undurchsichtige Story auch jede Menge Spaß.

„Selfmade-Dad“ ist als DVD und Blu-ray im Vertrieb von Concorde Home Entertainment erhältlich.

Genre
Tragikkomödie

Altersfreigabe
ab 12 Jahren

Laufzeit
ca. 93 Minuten

Regie
Trent Cooper

Cast
Kevin Spacey, Camilla Belle, Johnny Knoxville, Heather Graham, Craig Robinson, Virginia Madsen, John Stamos, Anna Anissimova

75 %

85 %

80 %

85 %

75 %

81 %

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