Home » Tests » JVC HA-NP50T – Sportliche, offene „Nearphones“ für den aktiven Lifestyle
2. April 2024
von Dominik Schirach
Statt den Hörer von der Umwelt abzukoppeln, erlauben Open-Ear Kopfhörer die Umgebung akustisch wahrzunehmen und dabei trotzdem Musik zu hören. Mit den HA-NP50T will JVC dabei neue Bestmarken in Sachen Soundqualität und Laufzeit aufstellen. Ob das gelingt und für welche Anwendungen sich die Nearphones sonst noch empfehlen, klären wir im Test.

Gerade für Sport bieten sich die offenen JVC HA-NP50T an. Doch auch überall sonst, wo man seine Umgebung beim Musikhören nicht völlig ausblenden möchte, sollen die Kopfhörer sich bezahlt machen.
Offene Kopfhörer für unterwegs kennt so mancher sicher als Knochenschallkopfhörer. Diese kommen in der Regel als Bügel daher und lassen das Ohr offen in dem der Klang direkt an den Knochen im Schädel abgegeben wird. Akustisch und technisch sind hier Limits und besonders sexy ist der Name sowieso nicht. Eine Alternative sind offene Systeme bei denen der Sound ganz klassisch von Treibern erzeugt wird. Die Ohrhörer werden dann aber nicht im, sondern vor oder über dem Gehörgang platziert. Dadurch bleibt dieser ebenfalls offen und die Hersteller sind bei der Auswahl von Bauform und Bauteilen viel flexibler. So setzen die Elektronik-Pioniere von JVC für den Testkandidaten auf einzelne Hörer für jedes Ohr, die mit einem Bügel festgeklemmt werden. Das verspricht Stabilität und eine Fixierung für ein gleichbleibendes Hörerlebnis auch bei intensiver Bewegung. Und Spritzwassergeschützt nach IPX4 sind sie auch. Für schweisstreibende Tätigkeiten oder überraschende Wetterwechsel also bestens gewappnet.
Der erste Eindruck
Der Inhalt der handlichen Schachtel ist übersichtlich. Neben einer Anleitung und Garantiekarte befinden sich ein USB-C Ladekabel und natürlich das Ladecase mit den JVC HA-NP50T, oder wesentlich handlicher „Nearphones“ darin. Gefertigt sind die Buds komplett aus Kunststoff. Die Bügel sind leicht biegsam und das Gewicht scheint mir okay ums sie längere Zeit auf dem Ohr zu tragen. Insgesamt ist das Design eher nüchtern, wirkt durch die geschwungene Form aber sportlich und modern. Kleine optische Highlights setzen die versilberten Steuerungstasten und der JVC-Schriftzug auf der Seite. Probieren wir die guten Stücke doch gleich mal an. Wie aufgrund der Bauweise leicht zu erahnen, werden sie übers Ohr gehängt und hinter dem Ohr leicht angedrückt. Der vordere Teil sollte dann sanft gegen die Ohrmuschel drücken und so fixiert werden. Ich bin positiv überrascht wie gut die JVCs am Ohr sitzen und die Chassis in den Gehörgang abstrahlen.

Anstatt wie In-Ears in den Gehörgang gesteckt zu werden, hängen die Nearphones mit etwas Abstand vor dem Ohr.
Einrichtung und Kopplung mit Multipoint
Auf den Nearphones findet sich, wie für Earbuds üblich, keine Taste zum ein und ausschalten. Sobald man sie aus dem Ladecase nimmt, werden sie automatisch aktiviert. Beim erstmaligen Entnehmen schalten die Kopfhörer automatisch in den Pairing-Mode und können auf dem Smartphone ausgewählt werden. Die Kopplung eines zweiten Gerätes via Bluetooth-Multipoint wird ebenfalls unterstützt, doch hier schweigt die beiliegende Anleitung darüber, wie man diese herstellt. Die ausführlichere Online-Anleitung bringt Erleuchtung. Und zwar muss, wenn die Verbindung mit dem ersten Gerät steht, Bluetooth dort ausgeschaltet werden. Dann gehen die HA-NP50T wieder in den Kopplungs-Modus. Signalisiert durch ein schnelles Blinken der Kontroll-LEDs. Sobald das zweite Gerät gekoppelt ist, kann das erste auch wieder verbunden werden. Ich für meinen Fall habe iPhone und Tablet gekoppelt. Nun kann ich auf einem Gerät Musik hören und nahtlos für einen Anruf aufs Phone wechseln.
Innere und Äußere Werte
Technisch haben die JVC HA-NP50T alles was man sich von einem Kopfhörer dieser Art wünschen kann. Mit Bluetooth 5.3 ist die aktuellste Version des verlässlichen Drahtlos-Standards an Bord. Das bedeutet eine ordentliche Reichweite von bis zu 10 Metern und weniger Energieverbrauch als in den Vorgängerversionen. Und was die Energie angeht, gibt es hier einige schöne Kennzahlen zu berichten. Sehr amtliche neuneinhalb Stunden Kapazität bieten die Lithium-Ionen Akkus der Kopfhörer. Weitere achtundzwanzig Stunden Energie kann das Case liefern und somit die Gesamtlaufzeit, bevor man ans Ladekabel muss, auf amtliche 38 Stunden bringen. Die Vollladung von Case und Nearphones beläuft sich auf zweieinhalb Stunden. Wer es eilig hat kann in zehn Minuten immerhin etwas mehr als eine Stunde Laufzeit aufladen. In Anbetracht des Gewichts von acht Gram pro Ohrhörer und keinen fünfzig Gramm und ausgesprochen handlichen Maßen des Etuis, sind das schon beachtliche Zahlen.

Das Ladecase ist angenehm flach und erfreulich leicht. So können die Kopfhörer stets problemlos mitgenommen werden.
Steuerung und App
Gesteuert werden kann die Wiedergabe natürlich am Smartphone und mittels tippen an den Kopfhörern. Die silbernen Buttons sind die Tasten zur Steuerung. Wischgesten gibt es nicht, ausschließlich die Anzahl der Berührungen löst den jeweiligen Befehl aus. Die voreingestellte Standardbelegung, kann in der App allerdings nach persönlichen Vorlieben geändert werden. Aus diesem und weiteren Gründen sollte die App auf jeden Fall heruntergeladen werden. Diese ist schnell installiert und JVC ist hier auch ausgesprochen Nutzerfreundlich. Nutzungsvereinbarung bestätigen, Kopfhörer auswählen und los gehts. Die App ist als One-Pager gestaltet und somit ausgesprochen übersichtlich. Herzstück ist sicherlich die Einstellung der Steuerung. Hier können für den linken und rechten Hörer jeweils Befehle für ein bis fünfmaliges oder dauerhaftes tippen angelegt werden. So lässt sich zum Beispiel rechts das Skippen und Links die Lautstärkesteuerung gut unterbringen. Ansonsten finden wir noch Regler für die Lautstärken von Musik und Telefonie und drei voreingestellte Soundmodi.

Durch einfaches oder mehrfaches Antippen lassen sich verschiedene Funktionen aktivieren. Welche das genau sind, lässt sich per App individuell einstellen.
Soundeinstellungen und erster Höreindruck
Mit den drei voreingestellten Equalizing-Optionen lassen sich die JVC HA-NP50T klanglich „Normal“, mit Bass- oder Höhenboost betreiben. Die Unterschiede sind deutlich. Der Bass Modus senkt die Höhen ab und boostet das Low-End. Dadurch wird die wahrgenommene Lautstärke etwas verringert, aber es wird ein voluminöserer Sound erreicht. Der High-Modus ist das Gegenteil. Die Anhebung der höheren Frequenzen bewirkt vor allem für Stimmen eine deutliche Steigerung der Wahrnehmbarkeit. Damit empfiehlt er sich vor allem für Hörbücher oder auch Telefongespräche. In den Hörmuscheln der Nearphones arbeitet ein sechzehn Millimeter großer Treiber mit Neodym-Antrieb. Bei den ersten Klängen bekannter Musik erzeugt dieser allerdings erstmal ein wenig Verwunderung. Vor allem im Tief- und Hochtonbereich kann ein offener Earbud nicht den selben Klang liefern wie ein In-Ear. Aber verglichen mit Knochenschall- Kopfhörern empfinde ich den Sound als einen klaren Fortschritt und habe mich nach kurzer Einhörzeit daran gewöhnt.

Die App ist sehr übersichtlich gestaltet und stellt alle Optionen in einem einzigen Bildschirm dar. So lassen sich Lautstärken, Tastenbelegung und Klangmodi leicht bedienen.
Entspannt telefonieren mit den JVC HA-NP50T
Als Headset zum telefonieren macht der Testkandidat sich ebenfalls ziemlich gut. Die Verständlichkeit des Gegenübers ist klar und deutlich und das offene Design sorgt für eine natürliche Wahrnehmung der eigenen Stimme. Bei geschlossenen In-Ears tendiere ich dazu, laut zu sprechen um zu kompensieren, dass ich meine Stimme weniger gut wahrnehme. Das ist bei den Nearphones wesentlich angenehmer. Einziger Wermutstropfen: Mein Gegenüber meint, meine Stimme klinge teils wie aus einem alten Radio. Das Mikro scheint also nicht ganz mit der Wiedergabequalität mithalten zu können. Verstanden wird trotzdem jedes Wort. In lauteren Umgebungen wie stark befahrenen Straßen taugt der Proband aber weniger, da das herausfiltern von Störgeräuschen im Mikro weniger gut funktioniert und man aufgrund der offenen Hörer irgendwann auch zu sehr von Außengeräuschen gestört wird. Für ein entspanntes Telefonat bei einem gemütlichen Spaziergang oder ein langes Meeting im Home Office aber die volle Punktzahl.
Musikalischer Begleiter
Ich packe mir das jüngste Album von Blink-182 in den Player und starte eine kleine Laufrunde durch die Auen. Hervorheben möchte ich auf jeden Fall wie gut die Bügel sitzen. Selbst beim Hüpfen und Stretchen bleiben die Ohrhörer immer an Ort und Stelle. Beim Joggen selbst ist ein weiterer Vorteil gegenüber In-Ears dass man keinerlei Trittschall in den Ohren hat. Und auch sonst raschelt oder reibt hier nichts. Selbst wenn ich, ob der doch noch etwas frischeren Luft, ein Beanie überziehe. Sehr schön. Auch musikalisch gibt es keinen Grund zur Klage. Die Wiedergabe der Musik ist dynamisch und voluminös. Die Drums von von Travis Barker schießen transiententreu in den Gehörgang und treiben ordentlich nach vorne. Toms Gesang und Gitarren sind breit und reichlich. Anthem Part 3 macht da weiter, wo Part 2 endete. Nur der Bass hat etwas das nachsehen und verschwimmt im Klangbild ein wenig.

In jedem Ohrhörer arbeitet ein 16-Millimeter-Breitbandtreiber, der von einem kräftigen Neodym-Magneten angetrieben wird.
Filmreife Inszenierung und Low Fidelity
Wesentlich wohliger wird das Hörerlebnis bei Musik, die mehr in der Mitte des Klangspektrums statt findet, wie beispielsweise Filmmusik. So ein Gang durch den Wald kriegt richtig Flair mit der Musik aus Herr der Ringe auf den Ohren. Zusammen mit dem Zwitschern der Vögel, Rascheln der Bäume und Rauschen des Windes kommt eine Kulisse zusammen, die man so mit ANC-Kopfhörern nicht erlebt. Und ich bemerke auch den Radfahrer hinter mir, bevor dieser klingeln muss. Auch sehr angenehm zu hören ist LoFi-Musik. Da diese von Haus aus relativ früh in den Höhen abrollt gibt es hier auch wenig zu vermissen. Eine Empfehlung für lange Radfahrten. Für Umgebungen wie Wälder und Parks, wo man doch gerne noch etwas von der Umgebung mitbekommen möchte, oder im Falle von Radfahrten, sind die JVC HA-NP50T wirklich ein hervorragender Begleiter und eine ausgezeichnete Alternative isolierenden Kopfhörern.
Podcasts und Hörbücher
Beim telefonieren haben wir ja bereits festgestellt, dass Stimmen beim Testkandidaten sehr angenehm zu hören sind. Da es langsam dunkel wird und selbst die Weseler Rheinauen dann ein kleines bisschen gruselig werden, ist es Zeit für was Lustiges. Also höre ich den hobbylosen Blödelexperten Rezo und Julien Bam eine Weile zu und schalte dafür den Höhenmodus an. Dadurch kann ich die Gesamtlautsärke etwas absenken und verstehe trotzdem jedes Wort und kriege alles in meiner Umgebung mit. Vor allem bei solchen Laberpodcasts mit mehreren Leuten kriegt man ein natürliches Gefühl mitten im Gespräch zu sein, weil die Umwelt eben auch immer da ist. Inzwischen trage ich die Nearphones mehrere Stunden und ein bisschen Druck über den Ohren bauen sie mit der Zeit schon auf. Was die Lüftung des Gehörgangs angeht, sind sie aber absolut unschlagbar und bei der nächsten Laufrunde oder Spaziergang, sind die JVCs wieder dabei.

Mit langer Laufzeit, Spitzwasserschutz und tollem Sound sind die JVC HA-NP50T nicht nur beim Sport ein guter Begleiter.
Fazit
Das Hören mit Nearbuds mag zunächst ungewohnt sein, doch recht schnell weiß man die Vorteile der offenen Kopfhörer zu schätzen. Die JVC HA-NP50T bieten Musik und Podcasts mit tollem Sound, während man seine Umwelt dabei trotzdem immer voll auf dem Schirm hat. Beim telefonieren ist das natürliche Gefühl die eigene Stimme im Raum zu hören ebenfalls ein großer Pluspunkt. Dazu überzeugen die JVCs mit gutem Tragekomfort, der die Kopfhörer lange auf den Ohren verweilen lässt. Dank der enormen Laufzeit von bis zu 38 Stunden kommt einem dabei auch kein leerer Akku in die Quere. Das schlanke Ladecase passt dann in jede Tasche und es spricht nichts dagegen die Kopfhörer mit auf den Weg zu nehmen und bei Bedarf zu tragen. Ob beim Fahrradfahren in der City oder einem Spaziergang im Wald, die JVC HA-NP50T sind ein toller Begleiter, die einen Musik und die Umgebung gleichzeitig erleben lassen.
Test & Text: Dominik Schirach
Fotos: Simone Maier
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: sehr gut
89 of 90
90 of 90
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Technische Daten
| Modell: | JVC HA-NP50T |
|---|---|
| Produktkategorie: | Open-Ear Bluetooth-Kopfhörer |
| Preis: | um 130 Euro |
| Garantie: | 2 Jahre |
| Ausführungen: | - Schwarz - Grün - Beige |
| Vertrieb: | JVCKenwood, Bad Vilbel 06101 4988120 de.jvc.com |
| Abmessungen: | Ladecase: 24 x 86 x 57 mm |
| Gewicht: | Ohrhörer: je 8g Ladecase: 47g |
| Akku-Laufzeit: | etwa 9,5 Stunden (38 Stunden mit Ladebox) |
| Bluetooth: | - SBC - AAC |
| Treiber: | Treiber: 1 x 16-mm Breitbänder |
| Bedienung: | - Taster auf beiden Ohrhörern - App (iOS/ Android) |
| Spritzwasserschutz: | IPX4 |
| Lieferumfang: | 1 x HA-NP50T 1 x Ladecase 1 x USB-C-Kabel 1 x Kurzanleitung |
| Pro & Contra: | + sehr guter Klang + angenehmes Tragegefühl + lange Akkulaufzeit + praktische, übersichtliche App + einfache, anpassbare Bedienung + effektive Soundmodi + Low Latency Modus + gute Stimmwiedergabe - für Brillenträger eventuell nicht geeignet |
| Benotung: | |
| Klang (60%): | 89/90 |
| Praxis (20%): | 90/90 |
| Ausstattung (20%): | 89/90 |
| Gesamtnote: | 89/90 |
| Klasse: | Oberklasse |
| Preis-/Leistung | sehr gut |
















































