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Redakteur

Vor ein paar Tagen hat sich mein Vater für ein neues Motorrad entschieden, eine sehr schöne Maschine aus dem traditionsreichen Hause Royal Enfield. Ein schlichtes, aber hervorragend umgesetztes Design, hohe Qualität in allen Bereichen und nicht zuletzt ein toller Sound. Für ihn war die erste Fahrt damit vermutlich dasselbe Erlebnis wie für mich zwei Tage später der Test der Canton Chrono SL 596. Zwei Standlautsprecher, die in allen Belangen genau das verkörpern, was man sich fürs Musikhören erträumt – und man muss nicht mal einen Helm dabei tragen.

Das edel verarbeitete Design der Chrono SL 596 in Monocoque-Optik macht die Standlautsprecher zu wahren Schmuckstücken.

Das edel verarbeitete Design der Chrono SL 596 in Monocoque-Optik macht die Standlautsprecher zu wahren Schmuckstücken.

Aber nicht nur deshalb freut mich der Testbesuch der Chrono SL 596 DC besonders. Denn nachdem ich mich zuletzt hauptsächlich mit Produkten aus den Bereichen Heimkino und Multiroom befasst habe, stehen nun mal wieder echte HiFi-Künstler auf dem Programm. Eine willkommene Abwechslung, die vor allem bedeutet, dass man sich ganz entspannt zurücklehnen und auch ohne Smartphone in der Hand Musik hören kann. Das ist heutzutage ja beileibe keine Selbstverständlichkeit mehr, der Begriff „Digital Detox“ erfreut sich ja nicht völlig grundlos einer zweifelhaften Beliebtheit. Statt aber – wie die Mehrheit der sich des Begriffs bedienenden User – nur vom Smartphone zum Tablet zu wechseln und weiterhin gedankenlos durch die oberflächliche Welt von Instagram und Co zu torkeln, wenden wir uns lieber echter, handgemachter Musik zu. Dafür sind richtige Lautsprecher schließlich gemacht, mit mindestens ebenso viel Kreativität, Raffinesse, Qualitätsbewusstsein und handwerklichen Fähigkeiten. Und dann kommt am Ende auch so ein grandioses Gesamtpaket wie die Chrono SL 596 DC dabei heraus.

Grenzenlose Lackierung

Bereits des Öfteren durften wir Canton-Lautsprecher zum Test begrüßen und immer wieder sind wir aufs Neue von deren Erscheinungsbild begeistert. Ganz egal, ob es sich dabei um die schlanken Säulen oder Soundbars der „Digital Movie“-Familie handelt oder um die voluminöseren Vertreter aus der Chrono- beziehungsweise (wie bei unseren aktuellen Testkandidaten) der Chrono-SL-Serie. Letztere repräsentieren mit den Flaggschiffen 596 DC auch das gehobene Preisniveau, das beim Stückpreis von ca. 1200 Euro einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis ganz und gar nicht widerspricht. Und Vorteile hat solch ein finanzielles Niveau natürlich auch, das rein optische Auftreten fällt enorm edel aus. Anders als bei den günstigeren Vertretern wird hier nicht auf einen Mix, sondern auf ein vollkommen nahtlos verarbeitetes Gehäuse gesetzt. In hochglänzendem Schwarz (oder alternativ in Weiß) erstrahlen die beiden Chrono SL 596 DC, die ihre Strahlkraft einem mit hohem Aufwand verbundenen Mehrschichtverfahren verdanken, in dessen Verlauf Lackierung und Versiegelung in einem Guss aufgetragen werden.

Perfekte Verarbeitung: Das im Mehrschichtverfahren aufgetragene Lackkleid erweist sich als veritabler Spiegel.

Perfekte Verarbeitung: Das im Mehrschichtverfahren aufgetragene Lackkleid erweist sich als veritabler Spiegel.

Auch die Schallwand (die aber auch zum Beispiel bei der Chrono 517 hochglänzend daherkommt) weist keine Kontraste zum restlichen Gehäuse auf, leicht gebrochene Kanten unterstützen den fließenden Übergang zusätzlich. Abgesehen der unauffälligen Befestigung der Treiber gibt es zudem keinerlei Schrauben zu sehen, die abnehmbaren Stoffblenden haften nämlich magnetisch. So hebt sich das Herstellerlogo im unteren Bereich der Schallwand als genau richtig gewichteter Akzent angenehm vom übrigen Lautsprecher ab – der primäre Blick wird allerdings zunächst einmal auf die Diamond-Cut-Aluminiumringe fallen, die alle Treiber einrahmen. Auch die Titanium-Chassis der Mittel- und Tieftöner stechen durch ihr silbriges Schimmern optisch hervor. Bei genauerem Hinsehen stellt man zudem fest, dass das Gehäuse scheinbar keine Bassreflexöffnung aufweist – bis man die kegelförmigen Spacer zwischen Korpus und dem massiven Sockel bemerkt. Der Bassreflexport sitzt nämlich im Gehäuseboden und strahlt nach unten in den von den Spacern ermöglichten Zwischenraum ab.

Großartige Akzente brauchen die Chrono SL 596 eigentlich nicht, das Herstellerlogo wird aber natürlich trotzdem prominent präsentiert.

Großartige Akzente brauchen die Chrono SL 596 eigentlich nicht, das Herstellerlogo wird aber natürlich trotzdem prominent präsentiert.

Nur das Beste

Bei der Chrono SL 596 DC handelt es sich um einen Lautsprecher im Drei-Wege-Prinzip, hier kommen also ein Hochtöner, ein Mitteltöner und gleich zwei Tieftöner zum Einsatz. Für die oberen Frequenzen setzt Canton auf sein bewährtes Alu-Mangan-Hochtonsystem, das Signale bis zu 40.000 Hertz überträgt. Selbstverständlich kommt auch hier die Transmission Front Plate aus Aluminium zum Einsatz, die als Wave-Guide für ein optimiertes Abstrahlverhalten sorgt. Auch in den unteren Frequenzen gibt es zusätzliche Klangverbesserungen, indem Canton hier die neueste Generation der bereits bekannten Wave-Sicke verwendet. Das nun dreifach gefaltete Modell ermöglicht als ein Faktor ein kontrolliertes Schwingverhalten bis zum Maximalhub, ohne dass der Klang im Grenzbereich verfälscht wird. Ebenfalls dafür verantwortlich ist das für den Mittel- und die Tieftöner eingesetzte Membranmaterial: Bei den Chrono SL 596 DC kommt hier Titanium zum Einsatz – das klingt doch in jeder Hinsicht hervorragend.

Der Alu-Mangan-Hochtöner ist in Canton-Lautsprechern ein bewährtes System.

Der Alu-Mangan-Hochtöner ist in Canton-Lautsprechern ein bewährtes System.

Auf der Rückseite sind die Standlautsprecher zwar etwas übersichtlicher gestaltet, aber nicht minder hochwertig ausgestattet. Hier findet sich nämlich das Anschlussfeld, mit dem die stolzen Besitzer auch die Anschlussoptionen via Bi-Wiring oder Bi-Amping nutzen können. Auf diesen Wegen können Signale für Hoch- und Mittelton einerseits und den Tiefton andererseits getrennt übertragen werden, wodurch Interferenzen vermieden werden. Eingefleischte HiFi-Freunde schwören auf diese Variante des Signaltransfers. Aber auch per Single-Wiring sind die Chrono SL 596 DC sehr ordentlich aufgestellt, da die sehr stabilen und vergoldeten Schraubklemmen generell eine optimale Signalübertragung ermöglichen.

Beim Mittel- und den Tieftönern kommt Titanium als Membranmaterial zum Einsatz.

Beim Mittel- und den Tieftönern kommt Titanium als Membranmaterial zum Einsatz.

Ehrlichkeit und Vielfalt vereint

Die von der Ausstattungsliste versprochene Qualität wollen wir uns dann natürlich nicht länger nur vorstellen und schreiten zum Praxistest der Canton-Lautsprecher. Kaum mit Musik versorgt, zeigen die Chrono SL 596 DC auch schon, was in ihnen steckt – vor allem eine sehr gute Räumlichkeit, die einen sofort in ihren Bann zieht. Die extrem präzise Positionierung der einzelnen Instrumente und Stimmen ist verblüffend realistisch und authentisch – mit geschlossenen Augen wähnt man sich tatsächlich in direkter Nähe zu den Künstlern. Nicht zuletzt deshalb, weil die Chrono SL 596 den Ton nicht einmal ansatzweise verfälschen oder künstlich zu optimieren versuchen. Bei Titeln wie „Time“ von Pink Floyd macht sich das besonders bemerkbar, hier wird die virtuelle Bühne bis in den letzten Winkel ausgiebig genutzt. Dynamik und Agilität erreichen spielend das Maximum der ihnen eingeräumten Möglichkeiten und auch noch das letzte noch so kleine Detail erfährt besondere Beachtung.

Der nach unten abstrahlende Bassreflexport bekommt dank der Spacer genug Raum zum Arbeiten.

Der nach unten abstrahlende Bassreflexport bekommt dank der Spacer genug Raum zum Arbeiten.

Anschließend wechseln wir erwartungsfroh zum Bluesrock von Joe Bonamassa und dem Song „Mountain Climbing“ von seinem aktuellen Album „Blues Of Desperation“. Sofort passen sich die Standlautsprecher den neuen Anforderungen an und insbesondere der Alu-Mangan-Hochtöner wetzt die Messer. Mit scharfer Klinge stellt er die schneidenden E-Gitarren-Soli ins Zentrum der Wiedergabe und erweist sich damit quasi sogar der berühmten Sense von Tod aus Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romanen ebenbürtig. An Präzision und Detailtreue büßt er dabei nicht im Geringsten ein und die Tieftöner legen sogar noch ein wenig zu. Somit runden die Chrono SL 596 DC ihr Klangbild perfekt ab, der kraftvolle Tiefton erweist sich als äußerst knackig und antriebsfreudig.

Die vergoldeten Schraubklemmen der Anschlussterminals ermöglichen auch Bi-Wiring und Bi-Amping.

Die vergoldeten Schraubklemmen der Anschlussterminals ermöglichen auch Bi-Wiring und Bi-Amping.

Das Fundament ist allerdings nicht ausschließlich auf heftige Performance abonniert, der Bass kann durchaus gefühlvoll auftreten. Wo dynamische Titel mit der nötigen Aggressivität daherkommen, schlagen die Canton-Lautsprecher bei ruhigeren Songs wesentlich sensiblere Töne an und verpassen ihrem Tiefton eine voluminösere Note, die sich wohlig im Zimmer ausbreitet. Besonders das entspannte Gitarrenspiel in Mark Knopflers „Go, Love“ kommt in dieser Atmosphäre herausragend gut zur Geltung – was natürlich auch Joe Bonamassa gelingt. Der dem wesentlich agileren „Mountain Climbing“ folgende Titel „Drive“ strömt in bester – an Chris Rea erinnernden – Melancholie aus den Chrono SL 596 DC und macht den ohnehin schon hervorragenden Eindruck endgültig zum wahrgewordenen Traum.

Wer den Blick auf die Technik nicht wünscht, darf gern zu den magnetisch haftenden Frontabdeckungen greifen.

Wer den Blick auf die Technik nicht wünscht, darf gern zu den magnetisch haftenden Frontabdeckungen greifen.

Fazit

Über die Qualität von Lautsprechern entscheidet – natürlich – in erster Linie der Klang. Der wiederrum ist logischerweise eng mit Ausstattung, Design beziehungsweise Konstruktion und Verarbeitungsqualität verknüpft. Umso schöner, wenn einfach alles auf einem gleichsam hohen Niveau angesiedelt ist, wie es bei den Canton Chrono SL 596 DC der Fall ist. Noch schöner: Die Lautsprecher können dazu auch noch ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis vorweisen. Das klingt nur wie ein schöner Traum? Dann kneifen Sie sich doch jetzt einfach mal…

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

98 %

95 %

97 %

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Technische Daten

Modell:Canton Chrono SL 596 DC
Produktkategorie:Standlautsprecher
Preis:1.199,00 € / Stück (UVP)
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Schwarz (hochglanz)
- Weiß (hochglanz)
Vertrieb:Canton, Weilrod
Tel.: 06083 2870
www.canton.de
Abmessungen (HBT):105 x 25 x 30 cm
Gewicht:22 kg
Hochtöner:1 x 25 mm, Alu-Mangan
Mitteltöner:1 x 180 mm, Titanium (Wave-Sicke)
Tieftöner:2 x 180 mm, Titanium (Wave-Sicke)
Prinzip:3-Wege, Bassreflex
Übertragungsbereich:20 bis 40.000 Hz (Herstellerangabe)
Besonderes:- Stoffabdeckung mit Magnetbefestigung
- Vergoldetes Anschlussfeld
- Bi-Wiring/Bi-Amping
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1,0
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistunghervorragend

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