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Redakteur

Der kleine AudioQuest USB-Köpfhörerverstärker/DAC namens DragonFly Red verspricht mobilen Musikgenuss auf höchstem Niveau. Mit hohem Klanganspruch, seinen kompakten Abmessungen und dem fairen Preis will er die Brücke zwischen absolutem High-End und Alltagsqualitäten schlagen. Wir haben es ausprobiert.

Macht Computer-HiFi salonfähig: der AudioQuest DragonFly Red.

Wer regelmäßig mit Zug oder Flugzeug unterwegs ist, der weiß wie schön es ist, nervige Umgebungsgeräusche durch gute Musik zu ersetzen. Egal, ob hochwertiger Over-Ear-Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling oder kompakte In-Ears: Spielt die eigene Lieblingsmusik, hat die Umwelt Pause. Für das klangliche Vergnügen der mobilen Musikwiedergabe ist selbstverständlich auf das Quellgerät verantwortlich: Der Einstieg ist das Smartphone, hochwertiger geht es mit einem speziellen Musicplayer, der klangliche Overkill ist aber wohl das Notebook bzw. das um externem DAC und Kopfhörerverstärker gepimpte Smartphone. Exakt das offeriert der kompakte AudioQuest DragonFly Red: Er wandelt eingehende Daten auf höchstem Niveau in analoge Musiksignale und verstärkt diese vor der Weitergabe an den Kopfhörer. So verspricht er aus jedem Notebook und/oder dem Smartphone einen High-End-Musicplayer für zuhause oder unterwegs zu machen.

Der kleine Kopfhörerverstärker/DAc ist gerade einmal so groß wie ein handelsüblicher USB-Stick.

Trendsetter AudioQuest

AudioQuest ist den meisten audiophilen Musikfreunden wohl in erster Linie als Hersteller besonders edler und mitunter hochpreisiger Kabel bekannt, die besonders in der High-End-Klasse regelmäßig Maßstäbe setzen. 1980 im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien gegründet, bietet die Marke inzwischen aber auch einige hochwertige Audio-Geräte, darunter Kopfhörer, Stromversorgungen und eben Digital-to-Anaog-Converter (DACs) wie den DragonFly Red, um den es hier gehen soll. Genau wie die Kabel der Amerikaner schlug auch die Urversion des DragonFly bei ihrer Markteinführung im Jahr 2012 extrem hohe Wellen in der HiFi-Welt. Man kann fast sagen, er veränderte die Welt des Computer-Audio nachhaltig, in dem er für ein Produkt seiner Größe in ungeahnte Klangdimensionen vordrang. Mit der Verknüpfung unterschiedlichster Eigenschaften baute er zudem die Brücke zwischen der abgehobenen Welt des High-End-Audio und der lebensnäheren, massenkompatiblen Unterhaltungselektronik, der Wiedergabe über NAS-Festplatten oder den Heim-Computer. Dieser Anspruch ist bis heute geblieben, man könnte den DragonFly also auch durchaus als Einstieg in die High-End-Audio-Welt betrachten. Das erste Modell war klanglich bereits ein absolutes Highlight und eröffnete einer völlig neuen Zielgruppe die Möglichkeit ihre Musik in ungeahnter Klangqualität zu erleben. Ein tolles Produkt, das erste seiner Art, das sich der Wiedergabe sogenannter HiRes-Files widmete. Dieses hatte aber auch einen kleinen Nachteil: die im Ur-Dragonfly implantierten Chips benötigten so viel Energie, dass dem Handy innerhalb kurzer Zeit „der Saft ausging“. AudioQuest entschied sich also zu einer Neuauflage und präsentierte mit dem bereits von uns getesteten Einstiegsmodell DragonFly Black und der High-End-Version „Red“ gleich zwei würdige Nachfolger. Das Beste daran: Beide sind günstiger als ihr gemeinsamer Vorgänger, haben zugleich aber sogar noch mehr zu bieten. Der DragonFly Red kostet offiziell ca. 200 Euro, während sein kleiner Bruder mit dem Namenszusatz „Black“ mit der Hälfte zu Buche schlägt.

Altes Design, neuer Kern

Äußerlich sind die beiden neuen DragonFlys ziemlich unverändert geblieben, lediglich die Farbe des Roten unterscheidet ihn offensichtlich von beschriebenem Vorgänger. In seinem Innern ist jedoch kein Stein auf dem anderen geblieben, beispielsweise konnte der Stromverbrauch auf ein Viertel gesenkt werden. Damit wurde der einzige echte Nachteil des Vorgängers bereits eliminiert. Ermöglicht wird dieser Umstand durch den Einsatz modernerer Edel-Chips aus der ESS-Sabre-Serie. Chips des kalifornischen Unternehmens ESS werden seit Jahren in den hochwertigsten und teuersten Audiogeräte der ganzen Welt eingesetzt, so auch in die beiden DragonFlys. Im Red arbeitet der fortschrittlichere Sabre 9016, der Daten mit einer Auflösung von 32 Bit verarbeiten könnte, im DragonFly jedoch auf 24 Bit limitiert wird. So eingesetzt kommt der Chip ohne zusätzlicher Treiber aus, die ansonsten im Quellgerät notwendig wären, so dass der kompakte DAC an jedem kompatiblen Gerät per Plug & Play in Betrieb genommen werden kann. Übrigens entsprechen 24 Bit Samplingtiefe noch immer einem Vielfachen der üblichen CD-Auflösung, so dass diese Beschränkung auch klanglich kein Problem darstellt, zumal entsprechende Software, also Musikstücke, in 32 Bit ohnehin nicht verfügbar ist. Die mögliche Abtastrate ist aus dem gleichen Grund auf 96 Kilohertz beschränkt. Zwar gibt es regelmäßig auch Musik in Auflösungen bis 192 oder 384 Kilohertz, über deren Sinn streiten sich, besonders angesichts der anfallenden Datenmengen, jedoch selbst eingefleischte Highender. Für unterwegs sind solche Dateien, mit um die 40 Megabyte pro Minute, in der Regel jedenfalls zu groß, schließlich kommt ein einzelnes Album so mal schnell auf knapp zwei Gigabyte Speicherplatzbedarf.
Das Problem der zu speichernden Datenmengen kann man alternativ aber natürlich auch via Streaming lösen. Das ist zwar im Fall der meisten Dienste verlustbehaftet, einige Anbieter, zum Beispiel Tidal, bieten jedoch auch verlustfreie Audiostreams. Mehr als CD-Qualität lässt sich dann beispielsweise mittels MQA-Dateien erreichen, dem von Meridian entwickelten Wiedergabeverfahren, das sich ausgeschrieben „Master Quality Authenticated“ nennt. Hierbei handelt es sich um ein kompliziertes Kompressionsverfahren, das dem Studioklang näher kommen soll als alle anderen hochauflösenden Formate. Die MQA-Wiedergabe erfordert allerdings kompatible Geräte, die beiden DragonFly DACs gehören beispielsweise zu diesem erlauchten Kreis, sie sind in der neuesten Softwareversion MQA-zertifiziert.

Optisch hat sich am DragonFly nicht viel verändert. Technisch zeigt er sich komplett neu designet.

Apropos Softwareversion

Der DragonFly ist updatefähig und damit bestens für die Zukunft gerüstet. Über den kostenlos auf der Herstellerhomepage erhältlichen „Device Manager“ ist das Updaten genau so einfach, wie die sonstige Handhabung des DragonFly. Ist das Programm geöffnet, sucht es selbstständig nach angeschlossenen Geräten und checkt die darauf installierte Software. Mit einem Klick auf „Update“, kann die neuere Software anschließend aufgespielt werden, falls vorhanden. Dieser Vorgang dauert wenige Augenblicke, ist selbst von unerfahrenen Technikeinsteigern durchzuführen und funktioniert im Test absolut reibungslos. Mit der neuesten Software auf dem DragonFly benötigt es zur MQA-Wiedergabe dann nur noch einen Tidal HiFi-Account und die entsprechende Desktop-Anwendung. Die Möglichkeit dieser HiRes-Musikwiedergabe beschränkt sich dann auf den Einsatz am Notebook. Sind die zugespielten Dateien im „Red“ dekodiert, folgt auf digitaler Ebene (anders als beim Vorgänger und dem kleineren „Black“) die „bitperfekte“ Lautstärkereglung im ebenfalls von ESS stammendem Kopfhörerverstärker-Chip. Durch diese bitperfekte, digitale Lautstärkestellung soll die Wiedergabe hier ohne Dynamikeinbußen vonstatten gehen und obendrein besonders rauscharm bleiben. Die diesbezügliche Einstellung erfolgt auf gewohnte Weise direkt am Notebook oder Smartphone. Anschließend wird das Signal auf den Ausgangspegel verstärkt. Die maximal benötigten 2,1 Volt des DragonFly Red genügt sowohl nahezu allen Kopfhörern wie dem Anschluss am Line-Eingang üblicher HiFi-Verstärker. Das bedeutet: der DragonFly Red eignet sich auch für die Wiedergabe zuhause und macht das an die Anlage angeschlossene Notebook zum hochwertigen Mediacenter.

DragonFlay in den USB-Port am Laptop und Kopfhörer an den Dragonfly – schon kann die Musikwiedergabe starten. Statt eines Kopfhörers lässt sich alternativ aber auch ein Pärchen aktiver Lautsprecher anschließen.

Kinderleichte Inbetriebnahme

Neben dem DragonFly Red samt Transporttäschchen und USB-Abdeckung findet sich in der schicken, kompakten Verpackung des AudioQuest auch eine Anleitung, die trotz des knappen Umfangs alle wichtigen Punkte recht einfach erklärt. Viel gibt es dank Plug & Play-Funktionalität ohnehin nicht zu beachten. Ein Adapterkabel für den Anschluss ans Smartphone liegt dem DragonFly übrigens nicht bei. Das ist tatsächlich sinnvoll, schließlich gibt es hier die unterschiedlichsten Standards. Die Lieferung sämtlicher Zubehörkabel würde den Preis des DACs dann nur unnötig in die Höhe treiben, diesen Umstand wollte man bei AudioQuest allerdings unbedingt vermeiden. Welches Kabel Sie an Ihrem Laptop dann auch immer benötigen, der DragonFly Red ist kompatibel mit allen OS:X-, iOS- und Windows-Geräten. Wollen Sie den AudioQuest mit einem Android-Device paaren, ist die Version des Betriebssystems entscheidend. Um die Kompatibilität zu prüfen, bietet sich ein kleines Programm namens „USB Host Check“ an, das zum kostenlosen Download im PlayStore bereitsteht. Sind Sie Besitzer eines Apple-Laptops, geht die Sache allerdings schneller. In meinem Test betreibe ich den kleinen Kopfhörerverstärker an meinem Macbook, an dem die Einrichtung mit Einstecken in den USB-Port und einen anschließenden Klick auf den DragonFly im Audio-Menü abgeschlossen ist. Nun noch den Kopfhörer (alternativ funktioniert das selbstverständlich auch mit Aktiv-Lautsprechern) in die 3,5-Millimeter-Klinkenbuchse stecken und das Hörvergnügen kann beginnen.

Der DragonFly wird einfach in einen freien USB-Port ans Laptop gesteckt und im Menü als Wiedergabequelle ausgewählt – schon ist die Installation abgeschlossen.

Feingeist mit Gefühl, Detail und Zugriff

Ganz bodenständig beginne ich meinen Test diesmal mit der Wiedergabe via Spotify. Die Libelle auf der Oberseite des DragonFly leuchtet grün und signalisiert, dass das Notebook ein Signal mit einer Abtastrate von 44.1 Kilohertz zuspielt. By the way: Die grüne Libelle auf dem roten Hintergrund sieht schon ziemlich cool aus und wechselt – je nach zugespielter Datenrate – ihre Farbe. Die anderen Farbcodes lauten: Blau für 48 kHz, Orange für 88.2 kHz und Magenta für das Maximum von 96 Kilohertz. Leuchtet die Libelle rot, befindet sich der DragonFly im Standby. Das kommt aber garantiert nicht so häufig vor, selbst mit datenreduziertem Material des Streamingdiensts klingt die Musikwiedergabe über meinen angeschlossenen AKG K171 nämlich bereits hervorragend. Von der ersten Sekunde an ist klar: der DragonFly ist ein Feingeist. Die Wiedergabe wirkt insgesamt erstaunlich stimmig und besonders detailliert, der AudioQuest legt seinen Fokus definitiv auf Brillanz und Klarheit. Mit anderen Worten: Der Klang ist vergleichsweise schlank (nicht dünn!!) und tendiert eher in die analytische Richtung moderner High-End-Geräte statt übertrieben warm zu erscheinen. Dabei gelingt dem kompakten DAC der Spagat zwischen detailreicher Wiedergabe und stimmigem Sound. Will sagen: das Klangbild bricht nicht auseinander, es bleibt jederzeit füllig, angenehm und sortiert sämtliche Details sauber ins Geschehen. Der Wechsel zurück auf den integrierten Ausgang des MacBooks macht jetzt jedenfalls keinen Spaß mehr. Zwar scheint der Bass hier etwas voluminöser, er ist definitiv aber auch unpräziser. Wenig überraschend lässt die Hochtonauflösung eklatant nach, gleichzeitig klingen Höhen spitzer als am DragonFly. Dem Macbook gelingt der oben beschriebene Spagat eben nicht. Erstaunlicherweise lässt sich das Klangverhalten mit einem preisgünstigen Pioneer Kopfhörer ziemlich exakt replizieren, so dass der Einfluss des DragonFly sofort und deutlich zuzuordnen ist. Die Wiedergabe in CD-Qualität – aus iTunes wiedergegeben – setzt sich zunächst nicht so deutlich ab, wie ich erwartet hätte. Erst der adaptive Einsatz des kleinen Zubehörprogramms BitPerfect, das es für ein paar Euro im Appstore gibt, verbessert die Wiedergabe merklich. Das Programm übernimmt die Wiedergabefunktion von iTunes und überlässt dem Apple Programm lediglich die Benutzeroberfläche – iTunes dient jetzt sozusagen nur noch als Fernbedienung. Für die eigentliche Wiedergabe lädt BitPerfect den gesamten Song in den Arbeitsspeicher und spielt ihn von dort aus ab – ohne an ihm herumzudoktern, wie es iTunes macht. Das Beste kommt aber noch: Der DragonFly Red honoriert die größere Sorgfalt nämlich bei der Bereitstellung mit einem weiteren Schritt in Richtung Stimmigkeit im Timbre und Präzision im Grundton- und Bassbereich. Zudem integriert er Details noch besser ins Klangbild. Je höher die Auflösung des Ausgangsmaterials, desto deutlicher der Unterschied. Das Musikhören macht mehr Spaß, je besser die Aufnahme bzw. Produktion ist. Entsprechend am MacBook eingebunden, verhilft der Red dem Hörer beispielsweise zu großartigen Erlebnissen mit sorgfältig produzierter elektronischer Musik, wie beispielsweise der des britischen Trios Massive Attack, The XX oder anderen hochwertigen audiophilen Produktionen. In solchen Aufnahmen lässt es sich nun regelrecht abtauchen, man macht sich sich auf die Suche nach verborgenen Details und Klangnuancen, die man bisher nicht wahrgenommen hat. Der DragonFly Red arbeitet, in Verbindung mit einem hochwertigen Kopfhörer, nun wie eine akustische Lupe. Andererseits deckt er dadurch mitunter aber auch die schwächen weniger sorgfältig produzierter Musik deutlich auf. Aber wo Licht ist, da ist eben auch Schatten. Mit weniger analytischen Kopfhörern als dem AKG kombiniert, wie beispielsweise dem erwähnten Pioneer, oder den Porsche Design Motion One gibt sich diese Tendenz dann etwas. An dieser Stelle kommt es eben auf das passende Zusammenspiel aus Musik, Verstärker, Kopfhörer und dem eigenen Hörgeschmack an. Stimmt die Mischung, ist das Ergebnis einfach großartig!

Die verschiedenen Farbcodes des DragonFly Red im Überblick.

Fazit

Mit dem DragonFly Red beweist AudioQuest, dass man Gutes noch besser machen kann. Der verbesserte Kopfhörer-DAC im USB-Stick-Style benötigt drei Viertel weniger Strom als sein Vorgänger und klingt hervorragend. Er wandelt Signale bis zu Auflösungen von 24 Bit/96 Kilohertz und hat ganz nebenbei auch noch genug Leistungsreserven um auch wirkungsgradschwächeren Kopfhörern ausreichende Lautstärke zu entlocken. Der DragonFly benötigt keine Treiber und funktioniert an einer Vielzahl mobiler Geräte wie Smartphones, Tablets und Notebooks. Zu guter Letzt ist er auch noch preiswerter als sein mit Testlorbeeren überschütteter Vorgänger und so für alle eine absolute Empfehlung, die ihre Musik bevorzugt über das Laptop oder andere mobile Devices wiedergeben!

Test & Text: Jonas Bednarz
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

94 %

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98 %

180403.AudioQuest-Testsiegel

Technische Daten

Modell:AudioQuest
DragonFly Red
Produktkategorie:USB-DAC
USB-Vorverstärker
USB-Kopfhörerverstärker
Preis:199 Euro (UVP)
Garantie:1 Jahr
Ausführungen:Rot
Vertrieb:AudioQuest, Roosendaal (NL)
Tel.: +31 165 / 54 14 04
www.audioquest.de
Abmessungen (HBT):12 x 62 x 19 mm
Gewicht:ca. 23 g
Anschlüsse:- USB Type-A Male
- 3,5-mm-Miniklinke
Mikrocontroller:Microchip PIC32MX
D/A-Konverter:32-bit ESS 9016
Lautstärkeregelung:- digital
- analog
Ausgangsleistung:2,1 Volt
Auflösung:bis 24-bit / 96kHz
Lieferumfang:- DragonFly Red
- Transport-Etui
- Bedienungsanleitung
- Garantiekarte
Besonderes:- superkompakt
- kompatibel zu Windows, iOS und Android
- geringe Leistungsaufnahme
- hohe Dynamik
- präzise Detaildarstellung
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1+
Gesamtnote:1,0
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistunghervorragend

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