Hebt Facebook Virtual Reality auf ein neues Level? Die Entwicklerkonferenz des Internetgiganten lässt einiges erahnen, auf der F8 stellte die hauseigene High-Tech-Schmiede das neue Headset Oculus Go vor. Das externe Tracking hat sich mit diesem Gerät erledigt, die Auflösung erreicht WQHD-Standard. Der Release: 1. Mai 2018 – das gute Stück ist also schon am Markt!

Neue Räume erobern – mit Virtual Reality.

 

Die neue Oculus Go vorgestellt
Aktuell ist die 32-GB-Version zu einem Preis von 219 Euro zu haben, das 64-GB-Modell kostet stolze 269 Euro. Die größere Speicherkarte dient allein dazu, mehr Daten gleichzeitig zu laden und zu speichern, der Betrieb lässt sich dadurch nicht beeinflussen. Das Vorgängermodell, die Oculus Rift, verkaufte sich zwar recht gut, blieb aber insgesamt hinter den hohen Erwartungen zurück. Der VR-Hype eroberte damals eher die Medien als die tatsächlichen Spiel- und Wohnzimmer der Konsumenten. Mit der Oculus Go brechen vielleicht neue Zeiten an, Virtual Reality erhält eine frische Chance. Der Tragekomfort hat sich mit dem neuen Produkt deutlich verbessert und auch die Bildschirmauflösung erreicht ein höheres Level. Was vielleicht noch wichtiger ist: Es ist kein hochkarätiger PC oder eine störende Verkabelung vonnöten, um das Gerät zu nutzen. So vereint die Go insgesamt drei von sechs möglichen Freiheitsgraden in sich.
Snapdragon 821 SoC treibt die Engine an, allerdings ausgerüstet mit neuen Funktionen, die zum Beispiel ein verbessertes Rendering bieten. Hinzu kommt ein Joystick mit Kailbrierknopf. Er dient dazu, das Sichtfeld entsprechend der eigenen Körperlage zu justieren. Schließlich soll das Gerät nicht nur im Stehen, sondern auch im Liegen perfekt angepasste Bilder liefern. Clever: der Ton gelangt über zwei Luftkanäle im Haltegurt an die Ohren: Wem das zu wenig ist, der kann aber selbstverständlich auch einen externen Kopfhörer anschließen. Die Oculus Go wiegt nur etwa ein halbes Kilo und verfügt über einen Akku mit satten zweieinhalb Stunden Laufzeit. Ein gut abgerundetes Paket, dass, so scheint es, ein recht großes Potenzial birgt. Bislang standen die hohen Preise und der oftmals aufwendige technische Aufwand vielen Nutzern noch im Weg, sich näher mit dem Thema VR zu beschäftigen. Samsungs an das Smartphone koppelbare Gear VR war von allen Virtual-Reality-Produkten noch am erfolgreichsten. Die Oculus Go knüpft recht stark an dieses Gerät an, ohne jedoch das Handydisplay mit einzubeziehen.

Von VR-Demos zu Apps und Games
Während der F8 gelangte zudem eine Demo-App mit dem Namen »Point Cloud« ins Rampenlicht. Die Software wurde eigens für die Oculus Rift entwickelt, sie konstruiert begehbare Räume, dekoriert mit Videos und Bildern aus Facebook-Profilen. Was zunächst wie eine eher schlichte Idee klingt, entfaltet seine Anziehungskraft, sobald der erste Spaziergang beginnt. Die Reise geht nun durch seltsam pointillistisch gestaltete Gänge und Kammern, die einem Gemälde aus alten Zeiten ähneln. Während der User von einem integrierten FB-Bild zum nächsten wandert, entsteht der atmosphärische Eindruck, als handele es sich um eine märchenhafte Schatzsuche.
Die App »Oculus Rooms« hingegen ist auf die Oculus Go zugeschnitten. Das Programm simuliert eine gemütliche Lounge, die dazu einlädt, entspannt auf einem Big Screen Filme zu schauen oder Freunde zu einer kleinen Partie Schach einzuladen. Auch das Teilen von Fotos und anderen Medien ist möglich, jede reale Person ist in Form ihres persönlichen Avatars zugegen. Per Mikro entsteht eine Unterhaltung zwischen den Anwesenden, eben so, als wäre man tatsächlich an einem realen Ort versammelt. Dabei kann der eine durchaus in Japan weilen, während der andere in seiner Berliner Studentenbude hockt.
Natürlich gibt es auch jede Menge Games auf dem aktuellen Markt, sowohl für die Oculus Rift als auch für die Go. In »Coaster Combat« nimmt der User beispielsweise in einer Achterbahn Platz, um auf bewegliche Ziele entlang des Weges zu schießen: ein 3D-Erlebnis, das empfindlichen Seelen glatt den Magen umdreht! Respawn Entertainment hat aktuell einen neuen VR-Shooter in der Mache, dessen Release für 2019 angekündigt ist. Dieses Spiel, das bislang keinen Namen trägt, könnte als adäquates Lockmittel für die Hardcore-Gaming-Szene dienen! Die digitale Casinowelt wird sich ebenfalls noch entscheidend durch die VR-Einflüsse ändern. Mit dieser Technologie besteht die Möglichkeit, sich zu jeder Zeit in irgendeine Luxus-Spielbank zu versetzen – selbst wenn der User gerade im Pyjama auf seinem Bett sitzt. Darüber hinaus ist zu vermuten, dass mehr und mehr Videospiel-Elemente in die Casino-Spiele integriert werden, wodurch sich ganze Geschäftszweige tiefgehend verändern und miteinander verknüpfen. Selbst die berühmten „Siedler von Catan“ haben es auf das VR-Display geschafft; die VR-Version erinnert sehr an das Ursprungsspiel, nur dass die Teilnehmer nicht mehr am selben Tisch sitzen müssen.

Die Siedler von Catan gibt es nun auch im VR-Format.

Mit „Melody VR“ erhält der Oculus-Go-Nutzer auch die Möglichkeit, live und in Farbe an Konzerten prominenter Künstler teilzunehmen – oder archivierte Events noch einmal zu erleben. Der Blick geht 360 Grad in die Runde, verschiedene Jump-Spots bieten immer wieder neue Ausblicke. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, sich selbst direkt auf die Bühne zu befördern, um den Weltstars hautnah auf die Pelle zu rücken. „Netflix VR“ katapultiert seine User in ein komfortables virtuelles Wohnzimmer inklusive Mega-TV, wo er mit sich und seinem Lieblingsfilm ganz allein sein kann.
Reisen in weit entfernte Länder müssen schon bald nicht mehr mit dem Flugzeug angetreten werden: Ein VR-Gerät wird reichen, um die Kirschblüte in Japan zu erleben, die Freiheitsstatue zu erklimmen oder durch Bangkoks Straßen zu wandeln. Die Zukunftsaussichten lassen sich als ereignisreich und spannend beschreiben, darum müsste es schon mit einer Art Hexenwerk einhergehen, wenn die Virtual Reality nicht doch noch ihren weltweiten Siegeszug antreten würde.

Weitere VR-Anwendungen entscheiden über den Erfolg
Ein breitgefächertes Angebot an Nutzungsmöglichkeiten stellt die Grundlage dafür, möglichst viele Menschen ins bereitstehende VR-Boot zu holen. Das Oculus-Software-Sortiment ist diesbezüglich auf einem guten Weg, und für dieses Jahr sind noch viele weitere hochwertige Apps angekündigt. Drittentwickler fühlen sich inzwischen bereit – auch ohne Facebooks Unterstützung – Inhalte zu programmieren, die sich wirklich sehen lassen können. Mit steigendem Erfolg der VR-Welle ergeben sich auf diesem Gebiet auch für Software-Spezialisten immer neue Möglichkeiten. Neue, spannende Apps wiederum steigern den Verkauf der Geräte: Daraus könnte bald schon ein dynamischer Domino-Effekt entstehen, der sich schließlich zum (für die Branche und Fans) lang erwarteten Tsunami entwickelt.
Aktuell besitzt Virtual Reality in großen Teilen der Bevölkerung noch so etwas wie einen Zukunfts-Status: Nur wenige haben ein entsprechendes Gerät zu Hause, doch die meisten von uns wissen immerhin, worum es geht. Und ja, viele können sich auch heute schon vorstellen, einmal selbst ein VR-Gerät zu besitzen. Doch taugen die Dinger überhaupt schon etwas?
Ein Szenario, das ein wenig die Zeiten erinnert, als VHS-Videokameras allmählich im Kommen waren. Nur wirklich technikbegeisterte Leute legten sich im frühen Stadium der Entwicklungen ein entsprechendes Gerät zu, die anderen verharrten im Abwarte-Modus. Preise sanken, die Technik gelangte immer mehr zur Reife und bald schon kannte beinahe jeder Mensch eine Person mit Videokamera. Zeit also, selbst nach dem passenden Modell Ausschau zu halten! Die Dinge kommen immer erst langsam in Schwung, bis plötzlich klar ist, dass die Zukunft längst vor der Haustür steht.

Auch auf die Gadgets kommt es an

Etwas Starthilfe geben die teils wirklich gut nutzbaren Gadgets, wie zum Beispiel Oculus Touch. Die Tracking-Controller mit zugehörigem Kamera-Sensor sorgen für eine stärkere Präsenz innerhalb der VR-Welt, sie ermöglichen eine ergonomische Gestensteuerung und das Abstecken eines frei begehbaren Spielbereichs. Oculus Rift Earphones intensivieren das Hörererlebnis und blenden Umgebungsgeräusche bestmöglich aus, um den Spieler noch ein Stückchen tiefer ins Geschehen zu ziehen. Wenn derweil jemand an der Haustür klingelt, muss er eben draußen warten!
Der TPCast Wireless-Adapter sorgt dafür, dass der Nutzer sich nicht im Kabel der Rift verheddert: Es handelt sich um einen wahrlich befreienden Drahtlosadapter, der auch als HTC-Vive-Modell erhältlich ist. Stolze Oculus-Besitzer, die von ihren Erlebnissen in der VR-Welt erzählen und den einen oder anderen Neugierigen auch einmal ins frisch eroberte Hobby hineinschnuppern lassen, tragen den Samen hinaus aufs fruchtbare Feld. Ebenso wie die ersten VHS-Kamera-Inhaber, die begeistert ihre selbstgedrehten Filme präsentierten und dadurch andere zum Nachmachen anregten!
Auch wenn die Dinge sich bislang noch nicht ganz so schnell entwickelt haben, besteht für die VR-Anbieter und -Fans jede Menge Anlass zur Hoffnung. Das bekannte Sprichwort »Gut Ding will Weile haben« lässt sich auf diesen Umstand hervorragend adaptieren, schließlich steckt Virtual Reality noch mitten in ihrer Evolution. Die ersten, unbeholfenen Anfänge sind längst überwunden, die frisch präsentierten Vorteile der Oculus Go lassen erahnen, dass ein echter Quantensprung der Technik bevorstehen könnte.

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