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Redakteur

 

Gegen die klanglichen Vorteile klassischer HiFi-Komponenten hat niemand etwas einzuwenden. Lediglich ihr meist ausladendes Äußere will nicht mehr so recht in moderne Einrichtungen passen. Diesen Malus umgeht Advance Paris mit sehr eleganten und vor allem kompakten Komponenten im Halbformat-Gehäuse. Der Stereo-Verstärker AX1 macht da keine Ausnahme. Bleibt nur noch die Frage, ob er auch klanglich allen Ansprüchen gerecht wird …

Der Advance Paris AX1 ist ein Vollverstärker im Halbformat.

Der Advance Paris AX1 ist ein Vollverstärker im Halbformat.

 

Grundsätzlich kann man getrost davon ausgehen, dass Advance Acoustic bei den Ansprüchen an die eigenen Produkte mindestens auf derselben Wellenlänge wie die potenziellen Käufer liegt. Im Falle des AX1 sogar ganz besonders, der Verstärker ist schließlich Teil der Smart Line von Advance Acoustic. Diese wiederrum gehört zum Portfolio der Marke Advance Paris, die stellvertretend für die Premium-Produkte des französischen Herstellers steht. Mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Entwicklung hochwertiger HiFi-Komponenten münden hier in moderne und kompakte Geräte, die der gesamten Palette der Medienwiedergabe gewachsen sind. Da verwundert es auch nicht, dass die französische Hauptstadt als Namensgeberin für das Portfolio Pate steht.

Zum Glück blockiert diese ausgeprägte Heimatliebe bei der Taufe den Blick auf die negativen Klischees, die Paris umgeben. So bleibt nur das Positive, allen voran der typische Chic und der Hang zum Exquisiten. An den hohen Preisen der Straßencafés hingegen orientiert sich Advance Acoustic nicht so gerne – sehr zum Vorteil des Kundenkreises. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 699 Euro liegt der AX1 gerade einmal im oberen Mittelfeld seiner Preisklasse. Dafür hat er allerdings deutlich mehr als den Durchschnitt zu bieten. Schon der erste Blick verrät, dass die Zuordnung zum High-End-Bereich nicht von ungefähr kommt.

High-End im Stil der Haute Couture

Optisch wird der AX1 dem Ruf der Advance-Paris-Produkte absolut gerecht. Die typische Acrylglas-Front sorgt für einen edlen Look und rückt das darunterliegende Metallgehäuse ins rechte Licht. Farblich ist der AX1 übrigens in den klassischen Varianten Weiß und Schwarz zu haben und ähnelt unter anderem dem bereits getesteten PX1. Die beiden hübsch illuminierten Bedienelemente der aufgeräumten Front sind in beiden Fällen aus gebürstetem Aluminium gefertigt und setzen daher silberne Akzente. Neben dem Standby-Button links unten zieht vor allem der große und hochwertige Drehregler im Zentrum die Blicke auf sich. Er dient der Lautstärke-Justierung und der Navigation im Menü, bei der auch das unter dem Regler platzierte Display hilft. Primär dient es der Anzeige des gewählten Lautstärke-Pegels, gibt allerdings auch Aufschluss über die aktive Quelle oder diverse Klangeinstellungen.

Die für Advance Paris typische Acrylglas-Front verleiht dem AX1 einen edlen Look.

Die für Advance Paris typische Acrylglas-Front verleiht dem AX1 einen edlen Look.

Selbstverständlich lassen sich die Einstellungen auch ganz bequem per Fernbedienung vornehmen. Hier legt Advance Paris übrigens Wert auf einen Signalgeber, der in Sachen Design und Anfassqualität mit dem AX1 mithalten. Das ist gerade bei modernen Geräten aus unterschiedlichen Gründen ja nicht immer der Fall. Die Franzosen lassen sich hier aber keineswegs auf Kompromisse ein und verpassen der Fernbedienung nicht nur dieselbe glänzende Hauptfarbe wie dem zugehörigen Verstärker, sondern schmücken den handlichen Begleiter auch noch mit zwei chromfarbenen Rahmen. Diese fassen sowohl das gesamte Bedienfeld an sich als auch das zentrale Steuerkreuz ein. Das komplette Paket hat also ein sehr homogenes Gesamtbild zu bieten, das sich auch unter der geschmackvollen Außenhaut des Verstärkers fortsetzt.

Premium-Auswahl en masse

Ebenso wie beim Design ist Advance Paris beim AX1 auch in Sachen Ausstattung nicht zu Kompromissen bereit. Kompakter als viele seiner Artgenossen ist der Vollverstärker zwar, anmerken soll man ihm das klanglich aber nicht. Natürlich bewegt sich der AX1 nicht in der Liga der klassischen Verstärker, liefert aber pro Kanal immerhin 45 Watt (an acht Ohm bzw. 65 Watt an vier Ohm). Falls das nicht ausreicht, kann unser Test-Kandidat ja immer noch durch die Leistungsendstufe BX1 ergänzt werden. Aber es ist ja auch gar nicht so unwahrscheinlich, dass man daheim im Wohnzimmer schon mit der bewusst limitierten Ausgangsleistung des AX1 wunderbar klar kommt.

Das Anschlussfeld des AX1 zeigt sich als sehr umfangreich.

Das Anschlussfeld des AX1 zeigt sich als sehr umfangreich.

Für den reibungslosen Betrieb sorgt nämlich neben der Endstufe auch ein kompakter Ringkern-Transformator, der sich insbesondere in so knapp bemessenen Gehäusen wie dem des AX1 sehr gut macht. Der Wirkungsgrad leidet darunter allerdings überhaupt nicht, was für das Konzept von Advance Paris spricht. Zu diesen Argumenten zählt auch der integrierte Digital-Analog-Wandler  Wolfson WM8740, der uns u.a. schon im Test des Streaming-Verstärkers MyConnect 50 begegnet ist. In Kombination mit der Empfänger-Schnittstelle Asahi Kasei AK4111 ist der AX1 dadurch in der Lage, Signale mit bis zu 24 Bit/192 kHz zu verarbeiten. Damit nehmen wir auch schon vorweg, dass der Verstärker über eine digitale Anschluss-Sektion verfügt, die allerdings längst nicht alles ist, was unser Test-Kandidat zu bieten hat.

Digitale und analoge Anschlussoptionen

Angesichts des Halbformat-Gehäuses ist die Rückseite des AX1 fast so dicht besiedelt wie das Zentrum von Paris. Ein Anschluss reiht sich an den anderen, die zur Verfügung stehende Fläche wird sehr effizient genutzt. Das Digital-Segment stellt drei Schnittstellen für optische Digitalkabel und einen Anschluss für ein Koaxialkabel bereit, außerdem sind hier gleich zwei Trigger-Ausgänge zu finden. Das darunter liegende, analoge Anschlussfeld kann mit gleich sechs Ein- und drei Ausgängen aufwarten, die übrigens auch schön übersichtlich beschriftet sind. Genug Optionen also für Zuspielgeräte wie zum Beispiel den ebenfalls schon getesteten Streamer/Multimedia-Player UX1, der als Familienmitglied der Smart Line auch optisch ganz hervorragend zum AX1 passt.
Mit Ausnahme des Subwoofer-Ausgangs für ein Mono-Cinch-Kabel sind die übrigen analogen Anschlüsse allesamt für Stereo-Cinch-Stecker ausgelegt. Die Front hält zudem gleich zwei Kopfhörer-Ausgänge für 3,5-Millimeter-Klinkenkabel bereit, einen Eingang dieses Formats (etwa für Smartphones) gibt es allerdings nicht.

Der AX1 hält in seiner Front gleich zwei Kopfhörer-Anschlüsse bereit.

Der AX1 hält in seiner Front gleich zwei Kopfhörer-Anschlüsse bereit.

Auch drahtlos ist der AX1 nur auf Umwegen einsetzbar – das optional erhältliche Bluetooth-Modul X-FTB01 (ca. 99 Euro) kann bei Bedarf an der dafür vorgesehenen Schnittstelle eingesetzt werden. Dann ist auch die kabellose Übertragung auf aptX-Standard möglich. Der Anschluss der Lautsprecher erfolgt natürlich auf klassischem Wege. Der AX1 bietet mit seinen hochwertigen Schraubklemmen allerdings genügend Optionen – von blanken Litzen bis hin zum Bananenstecker. Alternativ kann der AX1 auch als Vorverstärker eingesetzt werden, indem der XLR-Ausgang zum Anschluss an eine weitere Endstufe genutzt wird. Auch ein entsprechender Eingang steht zur Verfügung, sofern der kompakte Franzose nicht als Einzelkämpfer eingesetzt wird – letzteres haben wir an dieser Stelle allerdings vor.

Das Metallgehäuse des AX1 ist - passend zur hochwertigen Acrylglas-Front - mit Hochglanzlack veredelt.

Das Metallgehäuse des AX1 ist – passend zur hochwertigen Acrylglas-Front – mit Hochglanzlack veredelt.

Ein Energiebündel mit Sinn für die sanften Klänge

Aufbau und Anschluss des AX1 sind also in wenigen Handgriffen erledigt, der Hörtest kann beginnen. Zum Auftakt wählen wir erst einmal sanfte Klänge und starten mit „Heartbeats“ von José González. Die Cover-Version des Originals von The Knife präsentiert der französische Verstärker sehr harmonisch und mit perfekter Balance. Viel Abwechslung hat der Titel eigentlich gar nicht zu bieten, allerdings klingt er auch nie langweilig oder monoton. Das gelingt dem AX1 deshalb so gut, weil er auch kleine Details sehr sauber herausarbeitet und die einzelnen Klänge der fast pausenlos gezupften Saiten trotz der ständigen Überlagerung gut zu identifizieren sind. Dazu kommt eine formidable Stimmwiedergabe, die sich räumlich von den Lautsprechern löst und trotzdem wunderbar ins homogene Gesamtbild einfügt.

Hübsch illuminiert: Der AX1 weiß mit dezenten Hinguckern zu beeindrucken.

Hübsch illuminiert: Der AX1 weiß mit dezenten Hinguckern zu beeindrucken.

Unter den Voraussetzungen übergeben wir das Zepter anschließend erwartungsvoll an Lewis Capaldi. Der Schotte führt uns mit „Fade“ aus zurückhaltenden Sphären auf eine wesentlich emotionalere Ebene. Nach dem noch recht schüchternen Anfang steigert Capaldi langsam die Intensität des Titels und stellt die Bandbreite seiner Stimme unter Beweis. Da will der AX1 nicht hinten anstehen und legt sich auch seinerseits voll ins Zeug. Vor allem die kristallklare Wiedergabe des Klaviers weiß zu überzeugen, wobei die sehr detailgetreu klingende Gitarre nicht unerwähnt bleiben soll. Beides steht allerdings noch ein wenig im Schatten des dominanten Gesangs, mit dem Sänger und Verstärker eindrucksvoll ihre Ausdrucksstärke demonstrieren. Insbesondere zum Ende des Titels sorgt der Einsatz der Backing Vocals dann auch für einen ersten und sehr vielversprechenden Eindruck der Tiefenstaffelung des AX1.

Auf breiter Front sauber gestaffelt

Folgerichtig gehen wir beim nächsten Titel noch einen Schritt weiter, wenngleich wir in „The Whistler“ von The White Buffalo (alias Jake Smith) einen ganz ähnlichen Aufbau wie in „Fade“ vorfinden. Der Kalifornier verpasst seinem Titel allerdings noch einmal deutlich mehr Power als der Schotte zuvor. Schon das Pfeifen im Intro kommt durch den lebendigen und nuancierten Grundcharakter des AX1 hervorragend zur Geltung, während die begleitende Akustik-Gitarre fast schon schwermütig daherkommt. Die Kombination klingt allerdings wie gehabt souverän und homogen, obwohl der Verstärker hier noch lange nicht an seine Grenzen stößt. Kontinuierlich ergänzt er das perfekt gestaffelte Klangbild um weitere Instrumente und Melodien, zudem steigert er das Charisma des Gesangs in fließenden Schritten. Aber sogar abrupte Dynamiksprünge bringen den AX1 dabei nicht aus dem Konzept, obwohl die durchdringende Stimme von Smith durchaus Potenzial zum Überrumpeln besitzt.

Die aufgeräumte Front des AX1 passt gut in jedes Einrichtungskonzept.

Die aufgeräumte Front des AX1 passt gut in jedes Einrichtungskonzept.

Das gilt natürlich auch und in besonderem Maße für seinen Landsmann Mike Patton, der allerdings in etwas anderen Genres unterwegs ist. Mit Faith No More und „Ashes to Ashes“ spielt der AX1 dann auch endgültig seine bemerkenswerte Räumlichkeit aus, die dem kompakten Verstärker auf den ersten Blick gar nicht zuzutrauen ist. Noch erstaunlicher als seine voluminöse Wiedergabe ist aber, dass diese virtuelle Bühne trotz der kompakten Abmessungen des AX1 absolut authentisch wirkt. Advance Acoustic hat also nicht zu viel versprochen.

Insbesondere im Pre-Chorus und im Refrain wächst der Verstärker wie auch die bemerkenswerte Mike Pattons Stimme gleich mehrfach über sich hinaus und präsentiert neben der enormen Ausdehnung auch noch eine respektable räumliche Tiefe. Zugleich erweist sich der AX1 als außerordentlich stabil, selbst höhere Pegel setzen ihn kaum unter Druck. Für selbigen sorgt – in positiver Form – lediglich das Tieftonfundament, das ordentlich Energie freisetzt. In Kombination mit den knackigen Drums kommt hier eine ordentliche Portion Dynamik ins Spiel, zugleich bleibt aber auch der Detailgrad der Gitarren und Synthies beeindruckend hoch.

Homogenes Gesamtbild: Die Fernbedienung des AX1 glänzt mit chromfarbenen Akzenten.

Homogenes Gesamtbild: Die Fernbedienung des AX1 glänzt mit chromfarbenen Akzenten.

Fazit

Der AX1 liefert High-End-HiFi ganz ohne Nebenwirkungen. Sein modernes Design macht den kompakten Verstärker absolut wohnraumtauglich, während die hochwertige Ausstattung keinerlei Kompromisse klanglicher Natur erfordert. Die (kabelgebundene) Anschlussvielfalt auch für digitale Quellen lässt keinerlei Wünsche wünschen und in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis steht der günstige Franzose voll und ganz in der zu Recht hochgelobten Tradition von Advance Paris.

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: Simone Maier

Gesamtnote: 78/80
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

79

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Technische Daten

Modell:Advance Paris AX1
Produktkategorie:Vollverstärker
Preis:699,00 Euro (UVP)
Ausführungen:- Weiß
- Schwarz
Vertrieb:quadral GmbH & Co. KG, Hannover
Tel.: 0511 / 7 90 40
www.advance-acoustic.com
Abmessungen (HxBxT):133 x 230 x 325 mm
Gewicht:6,1 kg
Verstärker:- 2 x 65 Watt (an 4 Ohm)
- 2 x 45 Watt (an 8 Ohm)
D/A-Wandler:Wolfson WM8740
Eingänge:- 6x Cinch
- 1x XLR-In
- 3x digital optisch
- 1x digital koaxial
- 1x Bluetooth-Vorbereitung (für aptX Dongle X-FTB01)
Ausgänge:- 2x Lautsprecheranschluss
- 1x XLR Out
- 2x Cinch Pre Out/ Rec Out
- 1x Sub Out
- 2x 3,5-mm-Klinke (Kopfhörer)
Lieferumfang:- Advance Paris AX1
- Fernbedienung
- Netzkabel
- Bedienungsanleitung
Pro und Kontra:+ edles Design
+ durchdachte Konstruktion
+ erstklassige Verarbeitung
+ hervorragender Klang
+ intuitive Bedienung
+ zwei Kopfhörer-Ausgänge
+ XLR-Ein- und Ausgang

- Tasten der Fernbedienung teilweise etwas schwer lesbar beschriftet
- Bluetooth-Unterstützung nur mit zusätzlichem Modul
- kein USB-Anschluss
Benotung:
Klang (60%):79/80
Praxis (20%):78/80
Ausstattung (20%):78/80
Gesamtnote:78/80
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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