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Redakteur

 

Wenn ein Lautsprecher den Namen „Classic“ trägt, vermutet man zunächst unweigerlich einen eher altbacken wirkenden Schallwandler. Nicht aber, wenn dieser aus dem Hause Audio Physic kommt. Mit der Classic 3 ist den Sauerländern eine unkonventionelle Regalbox gelungen, die höchsten Ansprüchen genügen soll. Ein gewagtes Unterfangen …

Auch wenn der Name es vermuten lässt, kommt die Classic 3 optisch alles andere als altbacken daher.

Auch wenn der Name es vermuten lässt, kommt die Classic 3 optisch alles andere als altbacken daher.

 

Das Sauerland ist ja eigentlich eher für Schützenvereine als für den Lautsprecher-Bau bekannt, aber Ausnahmen bestätigen eben die Regel. Im Fall von Audio Physic gilt das sogar schon seit über drei Jahrzehnten, in denen sich die detailverliebte und innovative Entwicklungsarbeit manifestiert hat. Ergebnis dieses Schaffens des Unternehmens aus Brilon ist ein breites Spektrum diverser Lautsprecher für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke.

Ganz vorne mit dabei ist natürlich immer das klassische HiFi-Setup in Form eines einzelnen Lautsprecher-Paars. Auch in diesem bewährten Segment darf es aber gerne mal modern und innovativ zugehen. Was liegt also näher, als die Regalbox Classic 3 zum Test einzuladen. Schließlich soll es auch kleine Lautsprecher mit großem Klang geben und da erscheint die Classic 3 als vielversprechende Kandidatin. Schon der Paarpreis von 1.190 Euro weckt in Verbindung mit dem guten Ruf ihres Schöpfers positive Erwartungen – die ihr Anblick noch einmal deutlich verstärkt.

Gleich vier Ausführungen hat die Classic 3 zu bieten, die mit einer schwarzen Frontblende kombiniert werden.

Gleich vier Ausführungen hat die Classic 3 zu bieten, die mit einer schwarzen Frontblende kombiniert werden.

Die ganz schlanke Linie

Die Classic 3 erscheint schon auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich, was an ihren unkonventionellen Proportionen liegt. Mit einer Tiefe von 28,5 Zentimetern reicht die Regalbox weiter nach hinten als die meisten anderen Kompakt-Lautsprecher. Umgekehrt ist die Classic 3 allerdings auch extrem schlank und gerade einmal 17 Zentimeter breit. Dadurch erstreckt sich der Mitteltieftöner fast über die komplette Front – eine markante und durchaus hübsch anzusehende Variante, die uns auch schon im Test der Standbox Classic 8 positiv aufgefallen ist. Der visuelle Vorteil wirkt sich sogar wirkungsvoll auf den Klang aus: unerwünschte Reflektionen werden reduziert, wenn das Chassis nicht von der Schallwand umfasst wird.

Letztere ist optisch wie die restlichen Gehäuseflächen gehalten und in vier Ausführungen verfügbar. Neben den klassischen Varianten Weiß und Esche Schwarz ist die Classic 3 auch in den sehr exklusiv wirkenden Optionen Kirsche und Walnuss zu haben. Wer mag, kann das Gesicht der Regalbox auch hinter der schwarzen Stoffblende verstecken – was aber irgendwie verschenktes Potenzial wäre. Schließlich macht die Classic 3 dank ihrer Charakteristika einen ziemlich einzigartigen Eindruck, der unkonventionelle Form mit edler Optik verbindet. Die Verarbeitung ist selbstverständlich makellos und die solide gebaute Regalbox bringt trotz ihrer schlanken Linie satte sieben Kilogramm auf die Waage.

Die Verarbeitung der Classic 3 lässt keine Wünsche offen.

Die Verarbeitung der Classic 3 lässt keine Wünsche offen.

Konstruktion mit klarem Plan

Das Gewicht der Classic 3 ist natürlich primär auf das robuste Gehäuse und nicht auf die beiden verwendeten Treiber zurückzuführen. Im Hochtonbereich kommt eine Seidenkalotte zum Einsatz, die leicht vertieft platziert ist und deshalb ein optimiertes Abstrahlverhalten genießt. Audio Physic möchte dadurch eine offene, aber dennoch präzise Abbildung erreichen und den Bereich des Sweetspots etwas vergrößern. Ergänzend liefert der Mitteltieftöner ein solides Fundament. Die leichte, aber steife Membran besteht aus gewebter Glasfaser, die stabil und mit hoher Impulstreue agiert. Dabei hilft auch der zentral positionierte Phase Plug, der Interferenzen effektiv reduziert.

Im Hochtöner der Classic 3 kommt eine Seidenkalotte zum Einsatz.

Im Hochtöner der Classic 3 kommt eine Seidenkalotte zum Einsatz.

Das Zusammenspiel der beiden Treiber wird von der hochwertigen Frequenzweiche moderiert, die auch in der größeren Classic 5 problemlos allen Aufgaben gewachsen ist. Kompromisse sind bei Audio Physic eben nicht gern gesehen und dementsprechend fallen eben auch die Auswahl des Materials und die Konstruktion der einzelnen Bauteile aus. Das gilt ebenfalls für den Bassreflex-Port auf der Rückseite der Classic 3, die zudem das Anschluss-Terminal beherbergt.

Hier kommen massive und hochwertige Vollmetall-Schraubklemmen zum Einsatz, die allerdings etwas kurz ausfallen. Beim Anschluss könnte sich das etwas umständlich gestalten – was aber im schlimmsten Fall kurzzeitig etwas Geduld erfordert. Deutlich interessanter ist da schon die Entscheidung, das Anschluss-Terminal in Single-Wiring-Ausführung zu halten. Der Grund dafür liegt schlichtweg im Kundenverhalten. Audio Physic hat laut eigener Aussage festgestellt, dass Bi-Wiring kaum gefragt ist und man deshalb die Fertigungskosten nicht unnötig in die Höhe treiben muss. Das klingt doch gut – in mehrfacher Hinsicht.

Der Mitteltieftöner mit seiner Membran aus gewebter Glasfaser agiert stabil und mit hoher Impulstreue.

Der Mitteltieftöner mit seiner Membran aus gewebter Glasfaser agiert stabil und mit hoher Impulstreue.

Harmonie pur

Um den Klang der Kompakt-Lautsprecher wie vorgesehen zu genießen, sollte man die Classic 3 bevorzugt in kleinen oder maximal mittelgroßen Räumen einsetzen. Ein Blick in die Bedienungsanleitung ist vorab übrigens zu empfehlen, hier gibt es wertvolle und leicht umzusetzende Tipps zur perfekten Aufstellung der Lautsprecher. Grundsätzlich hat die Classic 3 aber keine besonderen Wünsche und ruft zuverlässig ihr Können ab. Beeindruckend ist dabei vor allem die akustische Bühne, die losgelöst vom Standort der Lautsprecher mit sauberer Staffelung punktet.

Das dürfen zum Auftakt gleich die Broilers mit „Ihr da oben“ demonstrieren. Die räumliche Abbildung funktioniert sowohl bei Studio- als auch bei Live-Aufnahmen ganz hervorragend. Letztere klingen sogar noch etwas intensiver und atmosphärischer, obwohl die Steigerung vom ruhigen Intro hin zu den deutlicher in Richtung Punk orientierten Passagen generell sehr gut funktioniert. Von abrupten Wechseln lässt sich die Classic 3 überhaupt nicht aus der Bahn werfen, ihre harmonische Abstimmung ist auf alles gefasst.

Zusätzliche Unterstützung für ein kraftvolles Klangfundament liefert der rückseitige Bassreflexport der Classic 3.

Zusätzliche Unterstützung für ein kraftvolles Klangfundament liefert der rückseitige Bassreflexport der Classic 3.

Das gilt auch für das sehr dynamische Intro in „No Roots“ von Alice Merton, mit dem es anschließend nicht minder rasant weiter geht. Allerdings ist die Grundstimmung jetzt nicht mehr so melancholisch. Das äußert sich unter anderem im kräftigen Punch des Tieftons, der schon im Intro mit sattem Sound deutlich auf sich aufmerksam macht. Zudem stellt die Classic 3 auch ihre Qualitäten in der Stimmwiedergabe eindrucksvoll unter Beweis. Mertons Gesang liegt dem Regal-Lautsprecher ganz hervorragend und die komplette Bandbreite klingt wunderbar agil. Die Staffelung stimmt dabei auch, die Sängerin lässt sich stets gut im Zentrum der Wiedergabe verorten, ohne dass die nuancierte Darbietung in irgendeiner Form Abstriche machen muss. Vor allem der hohe Detailgrad im letzten Teil des Titels begeistert mit einer sehr voluminösen und lebhaften Bühne.

Das Anschluss-Terminal der Classic 3 ist bewusst in Single-Wiring-Ausführung gehalten.

Das Anschluss-Terminal der Classic 3 ist bewusst in Single-Wiring-Ausführung gehalten.

Stark auch bei sanften Klängen

Die Classic 3 ist aber nicht ausschließlich auf eine hohe Dynamik und möglichst komplexe Stücke angewiesen, um gut zu klingen. Ihre Stärken kann sie auch bei sehr übersichtlichen Arrangements ausspielen. Das zeigt sich bei „Lost Without You“ von Freya Ridings. Nur ein Klavier und die Stimme der Britin genügen der Sauerländer Box für eine extrem plastische Darbietung. Jedes noch so sanft gehauchte Wort und jeder aus voller Kehle angestimmte Ton entfalten sich auf den Punkt genau. Völlig egal, in welchen Oktaven sich Instrument und Sängerin bewegen, die Classic 3 meistert jede Herausforderung mit absoluter Perfektion und Gänsehaut-Garantie.

Die Schallwand wird nicht vollständig von der Frontblende bedeckt und das Herstellerlogo am unteren Rand bleibt stets sichtbar.

Die Schallwand wird nicht vollständig von der Frontblende bedeckt und das Herstellerlogo am unteren Rand bleibt stets sichtbar.

Fazit

Erfahrung ist bekanntlich Gold wert und die Classic 3 steht exemplarisch für diese Weisheit. Die bei Audio Physic über Jahrzehnte verfeinerte Lautsprecher-Entwicklung äußert sich hier in hochwertiger Ausstattung und exzellenter Verarbeitungsqualität. Die einzelnen Komponenten des schlanken Zwei-Wege-Schallwandlers sind optimal aufeinander abgestimmt, was ein perfekt harmonisches und ungemein plastisches Klangbild bewirkt. So real klingt eigentlich nur die Realität selbst – sie sieht dabei allerdings oft nicht einmal ansatzweise so vielversprechend aus.

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: Simone Maier

Gesamtnote: 89/90
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

89

88

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Technische Daten

Modell:Audio Physic Classic 3
Produktkategorie:Kompakt-Lautsprecher
Preis:1.190,00 Euro / Paar
Garantie:- 5 Jahre ohne Registrierung
- 10 Jahre mit Registrierung
Ausführungen:- Satinweiß
- Esche schwarz (Echtholzfurnier)
- Walnuss (Echtholzfurnier)
- Kirsche (Echtholzfurnier)
Vertrieb:Audio Physic GmbH, Brilon
Tel.: +49 2961 961 70
www.audiophysic.com
Abmessungen (HBT):350 x 170 x 285 mm
Gewicht:ca. 7 kg / Stück
Bauart:2-Wege, Bassreflex
Impedanz:4 Ohm
Hochtöner:1 x 22 mm Kalotte (Kunstseide)
Mitteltieftöner:1 x 168 mm Konus (Glasfaser-Gewebe)
Frequenzbereich:45 Hz - 30 kHz (Herstellerangabe)
Wirkungsgrad:89 dB (Herstellerangabe)
Empfohlene Verstärkerleistung:20 - 120 W
Lieferumfang:- Audio Physic Classic 3
- Schaumstoff-Unterleger
- Dosenlibelle (Wasserwaage)
- Urkunde mit Bestätigung der Fertigungskontrolle
und der akustischen Prüfung
- Bedienungsanleitung
Pro und Kontra:+ offener, präziser Klang
+ sehr gute räumliche Abbildung
+ schlankes Design
+ hervorragende Optik
+ makellose Verarbeitung
+ Echtholz-Furnier

- Terminal mit kurzen Anschlussklemmen
- nur Single-Wiring möglich
Benotung:
Klang (60%):89/90
Praxis (20%):88/90
Ausstattung (20%):88/90
Gesamtnote:89/90
Klasse:Oberklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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