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Es ist ja schon faszinierend, was Cayin mittlerweile alles baut. Verstärker gab’s schon immer, natürlich vorzugsweise mit Röhren. Heute gesellen sich Digital Audio Player, In-Ear-Kopfhörer und digitale Audio-Player dazu. Ein echter Vollsortimenter, der preisklassenübergreifend eine stattliche Anzahl an Produkten bietet. Und Cayin weiß auch, die verschiedenen Technologien sinnvoll zu mixen.

Optisch versprüht der MT-35MK2 bereits eine tolle Atmosphäre.

In diesem Test haben wir es mit einem im unteren Cayin-Preissegment angesiedelten Vollverstärker zu tun. Er hört auf den Namen MT-35MK2 und ist optisch ein unverkennbarer Vertreter der Marke. Zwei doch recht üppig wirkende Verstärkerröhren vom Typ EL34 übernehmen für jede Seite die Verstärkung. Sie wirken ganz prächtig neben kleineren Vakuum-Kolben, die für den Wohlklang der Eingangsstufe verwendet wurden. Das hat natürlich klangliche Gründe, ergibt aber einfach ein tolles Bild, wenn dieser Amp auf dem Sideboard oder im Rack steht und die Röhren so langsam Fahrt aufnehmen und warm glimmen.

Wer sich sicher sein kann, dass keine Katzen oder Kleinkinder drankommen, lässt natürlich das Schutzgitter weg. So ist die Sicht auf die Röhren frei.

Bis dahin ist es erstmal ein bisschen Arbeit

Man bekommt bereits den ersten Respekt vor diesem Vollverstärker, wenn es ans Herausheben aus der Verpackung geht. Der “Kleine” bringt nämlich ein ordentliches Gewicht auf die Waage. Über 13 Kilo wiegt dieses doch recht kompakte Gerät. Das schafft Vertrauen und zeigt dem Kunden, dass er für sein Geld auch was bekommt. Die bestätigt sich schnell, wenn man mal den Klopftest bemüht: Stabil, fest wie ein Stein präsentiert sich der MT-35MK2. Einen nennenswerten Teil des Gesamtgewichts verschulden natürlich der üppige Netztrafo und die beiden ihn flankierenden Ausgangsübertrager. Die haben separate Abgriffe für 4- und 8-Ohm-Lautsprecher, was die insgesamt sechs statt vier Lautsprecherbuchsen auf der Rückseite erklärt. Man sollte sich vorher schlau machen, welche Impedanz der angeschlossene Lautsprecher hat. Es kann zwar nichts kaputtgehen, aber klanglich ist es schon entscheidend, das korrekte Klemmenpaar zu verwenden.

Drei analoge Eingänge bietet der MT-35MK2 BT. Daneben befinden sich die Bluetooth-Antenne und die getrennten Abgriffe für 4- und 8-Ohm-Lautsprecher.

Technische Finessen – analog und digital

Neben diesen Lautsprecherquellen findet der neugierige Betrachter auch eine kleine Koaxial-Buchse. Sie ist nach Durchstöbern der Packung für eine kleine Antenne gedacht. Ja, auch wenn es ein sehr “analog” wirkender Amp ist, hier ist für den modernen Menschen auch eine Bluetooth-Funktion eingebaut worden. Und die ist keine “Notlösung”. Wer Bluetooth als ernsthafte HiFi-Quelle in Erwägung zieht und ein entsprechendes Android-Telefon sein eigen nennt, wird sich darüber freuen, dass neben den “Standards” SBC und AAC auch LDAC unterstützt wird. Damit geht dann auch richtiges HiFi. Dieser Übertragungsstandard ermöglicht es mit knapp einem Megabit pro Sekunde, nahezu verlustfrei Musik zu übertragen. Zumindest für CD-Qualität ist verlustfreier Sound nahezu gesichert. LDAC war lange den Besitzern von Sony-Smartphones vorbehalten, mit Einführung von Android 8.0 Oreo können das aber auch Smartphones anderer Hersteller – wenn die Hardware mitmacht. Eine Übersicht kompatibler Smartphones und Tablets ist leider an dieser Stelle unmöglich. Um aber die vorherrschende Verwirrung bezüglich Bluetooth-Fähigkeiten zu “entwirren”, habe ich mal folgende Tabelle zusammengestellt. Hier sieht man recht übersichtlich die Abtastraten und Bittiefen und die mögliche Übertragungsrate der einzelnen Bluetooth-Protokolle. So können Sie die Kompatibilität ihres Smartphones selbst recherchieren.

 AACSBCaptXaptHDLDACUAT
mögliche Bandbreite:250kBit/s345kBit/s354kBit/s576kBit/s990kBit/s1200kBit/s
mögliche Qualität:48kHz/16Bit48kHz/16Bit48kHz/16Bit48kHz/24Bit96kHz/24Bit192kHz/24Bit

Sieht man nicht oft an einem Röhrenverstärker: Neben drei analogen Eingängen ist auch Bluetooth als möglicher Eingang auswählbar.

High-End-Bluetooth

Für alle, die es mit Bluetooth ganz besonders ernst meinen: Der Cayin MT-35MK2 unterstützt sogar das von Herstellern hochwertiger portabler Audio-Player entwickelte Bluetooth-Protokoll UAT. Das schafft es sogar, bis zu 1.2 Megabit pro Sekunde zu übertragen. Damit wird es dann in Sachen Audio-Qualität auch langsam richtig ernst. Dazu benötigt man zwar auch ein modernes Smartphone mit mindestens Bluetooth 4.2 (besser 5.0). Für die volle Kompatibilität empfiehlt sich auch die Hiby-Musik-App. Sie ist ein sehr guter, kostenloser Audio-Player, den man mal ausprobiert haben sollte.

Mittels der App “Hiby Blue” hat man einen guten Überblick, welcher Bluetooth-Codec aktuell verwendet wird und kann sogar Zusatzfunktionen (wie hier das An- und Ausschalten der blauen Status-LED am Cayin) ausführen.

Die Hiby-App ist eine dicke Empfehlung für die Wiedergabe von Musikdateien am Android-Smartphone. Zudem ermöglicht die App, HiRes-Dateien in LDAC- und UAT-Qualität zu übertragen.

iOS-Besitzer müssen sich über derlei Dinge keine großen Gedanken machen – Dinge wie aptX oder LDAC sind in weiter Ferne, bei Apple begnügt man sich noch mit AAC.
Aber der ambitionierte Besitzers eines Röhrenverstärkers dieser Klasse hat sicher noch andere Quellen parat. Drei analoge Quellgeräte können am MT-35MK2 direkt angeschlossen werden. Der Quellenschalter schaltet schön satt und mit einem vertrautenerweckenden haptischen Feedback um. Die Ausstattung ist also auf das Nötigste reduziert, aber was man bei Cayin gemacht hat, hat man richtig gemacht. Das steht außer Frage. Das gilt natürlich auch für den schön sanft und mit genau dem richtigen Widerstand sahnig drehenden Lautstärkeregler. Ich habe ihm jedenfalls gern verziehen, dass er nicht fernbedienbar ist, denn das Drehen an dem Alu-Knopf belohnt einen für das Aufstehen vom Sofa. Hinsichtlich Leistung gibt es in diesem Fall gleiche Werte für den Betrieb an 4- und 8-Ohm-Lautsprechern, aber dennoch zwei verschiedene Angaben dank zweier möglicher Betriebsarten: 35 Watt pro Kanal stemmt er im “Ultralinear”-Betrieb. 18 Watt bleiben im Triodenbetrieb noch übrig. Zu diesen Leistungsangaben komme ich aber noch.

Der Lautstärkeregler ist aus Aluminium und fasst sich wunderbar an. Das Drehen geht absolut sahnig von Hand.

Das etwas andere Klangtuning

Die scheinbar einzigen beiden Bedienelemente des MT-35MK2 sind die beiden Drehknöpfe für Quellenwahl und Lautstärke. Bei der genauen Betrachtung findet man auf der Oberseite des Geräts aber noch Drehknöpfe, die das Einstellen des Ruhestroms ermöglichen. Wenn man das richtig tut, kann man den Klang auf schön puristische Weise optimieren, weil man die Röhren dann im idealen Arbeitspunkt betreibt. Bei der Einstellung hilft das Bias-Instrument an der Vorderseite, das also mehr als nur einen optisch Zweck erfüllt.

Zwei Betriebsarten können gewählt werden, die sich klanglich und hinsichtlich Ausgangsleistung unterscheiden und sich jeweils für verschiedene Geschmäcker eignen.

Ein zweiter Schalter sorgt für die Änderung der Betriebsart der beiden EL34-Röhren vom Ultralinear-Pentoden- in den Triodenbetrieb. Beide Betriebsarten haben jeweils eigene Klangcharakteristik. Im Triodenbetrieb muss man allerdings damit leben, nur noch halb so viel Leistung zur Verfügung zu haben. Ich finde es aber toll, dass ein so puristischer Verstärker trotzdem Möglichkeiten bietet, ihn hinsichtlich Klang (und natürlich auch zur Anpassung an verschiedene Lautsprecher) seinen persönlichen Empfindungen anzupassen.

Die Einstellung des Ruhestroms wird für jede Leistungspentode einzeln ganz bequem mittels Schräubchen auf der Gehäuseoberseite erledigt …

Satter, warmer Klang

Ein Problem hatte ich, als ich den MT-35MK2 dem finalen Klangtest unterzog: So oft, wenn es um die Klangbeschreibung eines Röhren-Vollverstärkers geht, fallen Attribute wie “warm”, “analog” und so weiter. Auch wenn es mir widerstrebt das zu schreiben, muss ich ihm doch exakt diese Eigenschaften attestieren. Zunächst durfte er sich im “Ultralinear-Betrieb” behaupten, in dem er etwas mehr Leistung herausgibt.
Mit seinem kräftigen Antritt straft der MT-35MK2 hier schnell all die Ketzer ab, die Röhrenverstärker in die heimelige, bassarme Ecke schieben. Er spielt tatsächlich zackig und sehr kontrolliert. Das gefällt mir nicht nur, weil ich diesen Klangcharakter mag, sondern auch, weil es ein Beispiel dafür ist, dass manche alte Legende in der heutigen Zeit nicht mehr gilt. Für manch einen mag es ja Hindernisse geben, sich vollends auf einen Röhrenverstärker einzulassen. Oft sind es übertrieben spitzfindige und von Vorurteilen geprägte Hindernisse, die auch mal aufgeräumt werden dürfen.
Erstens: Man liest so oft, dass man an einem Röhrenverstärker nur Lautsprecher anschließen darf, die einen hohen Wirkungsgrad haben. Und jetzt komme ich und sage, dass ich sehr erfolgreich kleine Kompaktboxen mit wenig Wirkungsgrad am MT-35MK2 betrieben habe. Hier habe ich eine bessere Performance erlebt, als an einem vermeintlich viel besser geeigneten Transistor.
Zweitens: Wenig Dämpfungsfaktor und damit wenig Basskontrolle, wird auch gern gegen Röhren ins Feld geworfen. Hier: Kein Thema, der Cayin war immer Herr der Lage. Pegel? Aber gern doch. Und nicht zu knapp. Die 35 Watt hören sich nicht gerade nach einem Leistungsmonster an, aber meine Regallautsprecher haben früher aufgegeben als er.

… das Instrument an der Front hilft dabei.

Flüssig und souverän

Sehr interessant war es, die Entwicklung des Klangcharakters zu erleben. Frisch aus der Packung, die vorher stundenlang (im zu dieser Jahreszeit kalten) Kofferraum lag, konnte der MT-35MK2 natürlich nicht vom Stand weg seine volle Performance zeigen. Es war aber toll zu erleben, wie man sofort erleben konnte, wie die ungewohnt saubere Räumlichkeit aufgebaut wurde. Die Separation der Stimmen gelingt ihm ganz nebenbei auch noch sehr sauber. Sehr früh wird hier klar, wo die Reise mal hingehen wird. Die Start-Eigenschaften behält der Cayin. Nach seiner Warmlaufphase (die übrigens erst nach ein paar Tagen voll und ganz abgeschlossen ist, während dieser Zeit tut sich nämlich noch einiges) spielt er dann noch flüssiger, noch souveräner. Selbst das letzte bisschen Unruhe an den virtuellen Rändern der Instrumente verschwindet. Die Kontrolle nimmt dafür deutlich zu. Der Cayin baut ein sehr, sehr erwachsenes Klangbild auf, das selbst im vermeintlich leitungsschwachen Triodenbetrieb noch bleibt. Hier geht es für meinen Geschmack sogar noch einen Deut musikalischer und eingängiger ab.

Der MT35-MK2 kann seinen Dienst problemlos in anspruchsvollen Anlagen mit Standboxen aufnehmen. Die Vorstellung, ihm einen Plattenspieler zur Seite zu Stellen und so eine feine Analogkette mit modernster Bluetooth-Anbindung zu haben, ist verführerisch.

Keine Angst vor großen Boxen

Ich habe, obwohl ich ja schon irgendwie darauf gefasst war, etwas verdutzt dreingeschaut, was dieser Verstärker in diesem nur 18 Watt starken Betrieb leistet. Das wird auch hinsichtlich Bassperformance und Maximallautstärke mit Sicherheit für mindestens 95 Prozent aller HiFi-Freunde reichen. Hier klingt er absolut geschmeidig und super räumlich.
Und von wegen, so ein EL34-bestückter Amp kann nur Hornlautsprecher betreiben. Der Cayin MT-35MK2 gibt einem das gute Gefühl, eine sichere Verstärker-Bank für alle erdenklichen Arten von Lautsprechern zu sein. Zugegeben, ich würde jetzt keinen Riesen-Lautsprecher mit dicken Langhub-Bässen der 12-Zoll-Klasse und niedriger Impedanz anschließen. Aber Kompaktboxen und Standlautsprecher mit gern auch Doppel-17er-Bestückung sind jetzt nicht das, wovor sich der Chinese fürchten muss. Ganz im Gegenteil.

Glimmende Röhren: Einmal warmgelaufen, versprüht der MT-35MK2 BT echten Röhren-Charme.

Fazit

Der Cayin MT-35MK2 versprüht einen Charme, dem man sich schwer entziehen kann. Er ist ein fein gefertigter, klanglich exzellenter Vollverstärker, der an einer breiten Palette von Lautsprechern voll überzeugt. Ganz nebenbei holt er dabei die ganz besondere Atmosphäre eines Röhrenverstärkers ins Wohnzimmer. Das für einen überraschend niedrigen Preis. Das komplette Paket stimmt einfach. Klasse Verarbeitung, moderne Features, röhren-bedingt tolle Optik und der imposant feine, räumliche Klang machen aus ihm einen richtig heißen Tipp. Einen für Musikfreunde, die mit einem Verstärker dieser Art schon länger liebäugeln, sich aber bisher nicht getraut haben. Mit dem MT-35MK2 bekommt man ein hochqualitatives Produkt, das sich schnell ins Herz des Hörers spielt. Hinzu kommt eine bemerkenswerte Bluetooth-Performance. Eine die zeigt, dass Cayin an kleinster Stelle Kompromisse eingeht, auch wenn es mal nicht nur um Röhren-Technik geht.

Test & Text: Christian Rechenbach
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 88/90
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: gut - sehr gut

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Technische Daten

Modell:Cayin
MT-35MK2 BT
Produktkategorie:Stereo-Vollverstärker (Röhre)
Preis:1.498 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:Silber
Vertrieb:Cayin Audio Distribution,
Tel.: 06174 / 955 4412,
www.cayin.com
Abmessungen (HBT):326 × 272 × 184 mm
Gewicht:13,0 kg
Leistung:- 2x 35 W RMS (4+8Ω Ultralinear)
- 2x 18 W RMS (4+8Ω Triodenbetrieb)
Maximale Samplingrate/
Auflösung:
- USB: PCM 384 kHz/24 Bit bzw. 352,8 kHz/24 Bit, DSD128
- S/PDIF: PCM 96 kHz/24 Bit
Eingänge analog:3 x Stereo-Cinch
Eingänge digital:1 x Bluetooth 5.0 (UAT, LDAC, AAC, SBC)
Ausgänge analog:1 x Lautsprecher (4 Ohm, 8 Ohm)
Lieferumfang:- MT-35MK2 BT
- Schutzgitter
- Netzkabel
- BT-Antenne
- Anleitung
Pros und Contras:+ Top-Verarbeitung
+ Klangtuning durch Ruhestrom-Einstellung
+ Klangtuning durch Wechsel der Betriebsart
+ Bluetooth-Fähigkeiten

- keine Fernbedienung
Benotung:
Klang (60%):89/90
Praxis (20%):88/90
Ausstattung (20%):85/90
Gesamtnote:88/90
Klasse:Oberklasse
Preis-/Leistungsverhältins:gut - sehr gut

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