Home » Tests » Stieb-Audio Pikulo – Horn-Breitbänder für phänomenale Feinauflösung
24. März 2026
von Volker Frech
RedakteurDie Pikulo zeigt das Credo von Stieb-Audio im kompakten Format: weniger ist mehr. Darum agiert auch der kleinste Lautsprecher der hessischen Schallwandler-Manufaktur mit einem einzigen Breitband-Chassis und ohne Frequenzweiche in einer ausgefeilten Hornkonstruktion. Zu welcher Klasse dies in puncto Auflösung und Authentizität führt, zeigt die Pikulo in unserem Test.

Die Stieb-Audio Pikulo präsentiert sich als Kompaktlautsprecher im stattlichem Format.
Vom Paradoxon der Einfachheit kann Thomas Stieb ein Lied singen: Fünf Jahre hat der Odenwälder vergebens nach Lautsprechern gesucht, die seinem Klanganspruch genügen – und dann sechs Jahre damit zugebracht, einen eigenen Schallwandler zu entwickeln, der reine Musik liefert: ungefiltert und natürlich, echt und mit Emotionen. Dieser Lautsprecher sollte die Technik dahinter vergessen lassen und quasi ein Musikinstrument sein. Zur Erreichung seines Ziels hat Stieb verschiedenste Ansätze und Konzepte verfolgt und wieder verworfen, bis er auf den Klavierbauer und Tontechniker Martin Dernbach stieß, der mit seiner konstruktiven Kompetenz und seinem geschulten Gehör Stiebs Know-How ergänzte. Das war die Geburt von Stieb-Audio – und der entscheidende Schritt hin zu der Erkenntnis, dass der selbst gestellte Anspruch nur durch einen radikal puristischen Ansatz zu erreichen ist: allein mit einer Punktschallquelle, also einem Breitbänder, der unverfälscht von den elektrischen Einflüssen und akustischen Phasenverschiebungen einer Frequenzweiche agiert und sein Wandel-Werk in einem Korpus in Hornbauweise vollführt.

Der Hingucker der Pikulo ist natürlich der Breitbänder: Der Vollbereichslautsprecher ziert als einziges Chassis die Schallwand.
Komplexe Einfachheit
Das klingt simpel, ist in Wirklichkeit aber komplex: Wer sich auf das Wesentliche beschränkt, muss alles richtig machen, weil es kaum Möglichkeiten zur Korrektur gibt. Zumal Stieb bei der Korpuskonstruktion auf jegliche Dämpfungsmaßnahmen verzichten wollte, um die Schallwandlung des Musiksignals nicht nur elektrisch, sondern auch akustisch frei von Verlusten zu halten. So nahm das Rechnen und Konstruieren, Messen und Hören – nun allerdings schon in eigenen Werkstatt- und Hörräumen statt im heimischen Wohnzimmer – nochmals zwei Jahre in Anspruch. Ein Horn, so Stieb, lässt sich nämlich nur bedingt berechnen und muss zur konkreten Abstimmung immer wieder einem Hörtest unterzogen werden. Auch diese zeitintensive Fertigungsweise erinnert an die Herstellung eines Musikinstruments – und wie bei einem Instrumentenbauer steht am Ende ein Unikat. Letztes Jahr konnte Stieb dann endlich der Öffentlichkeit sein Schallwandler-Portfolio präsentieren: das Flaggschiff Naggusi, den kleineren Standlautsprecher Patos – und unseren Test-Gast, den Kompaktschallwandler Pikulo.

Die Abrundung aller Ecken und Kanten des Korpus erhöht die Geschmeidigkeit der Optik. Die Radien dieser Rundungen kann Stieb-Audio auf Wunsch größer oder kleiner realisieren.
Kompakter Lautsprecher für kleinere Ambiente
Die Pikulo lässt schon mit der phonetischen Anlehnung an das italienische Wort „piccolo“ erahnen, dass sie der Lautsprecher für kleinere Räume ist: Sie beschallt ein Ambiente bis etwa 30 Quadratmeter. Sie selbst tritt dabei mit den Maßen 49 mal 23 mal 35 Zentimeter eher imposant auf. Da empfiehlt sich ihre Positionierung auf dem mitgelieferten sandbefüllten Stativ. Das ist auch akustisch die Top-Lösung – obwohl die Pikulo, wie Stieb-Audio attestiert, ebenso stehend oder sogar liegend im Regal betrieben werden kann. Das sollte dann aber tragkräftig sein: Die Pikulo wiegt beachtliche 13 Kilo. Ihr Korpus und das Gros der innseitigen Hornkonstruktion bestehen aus dickwandigem MDF. Für eine geschmeidige Optik sorgen die sanfte Abrundung aller Ecken und Kanten sowie das matte Finish: Unser Testmodell ist in wohnraumfreundlich-warmem Weiß gehalten. Als Alternative ist jede RAL-Farbe möglich. Selbst Sonderwünsche bis hin zur Airbrush-Motivik oder zum Echtholz-Furnier können erfüllt werden. Schließlich ist Stieb-Audio ja eine Manufaktur.

Der besondere Blickfang ist der Schwirrkonus: Dieser Kegel, der auf die Hauptmembran aufgesetzt ist, befördert die Wiedergabe der Höhen. Ihre Abstrahlung ist auch durch den zentralen Phase Plug veränderbar. Hier ist er in seiner natürlichen Holzoptik belassen, er kann aber in jeder gewünschten Farbe lackiert werden.
Vollbereichs-Chassis für natürliche Wiedergabe
In diesem Korpus thront nun auf der Front ein einziges Chassis: Es ist ein sogenannter Breitbänder, der sämtliche Frequenzen des Musiksignals abstrahlt. Das hat mehrere Vorteile gegenüber herkömmlichen Mehrwege-Lautsprechern: Bei ihnen teilen sich meist zwei oder drei übereinander sitzende Chassis die Arbeit. Die Schallanteile werden also von verschiedenen räumlichen Stellen abgestrahlt und müssen erst wieder zu einer Einheit zusammenfinden. Beim Breitbänder hingegen kommen alle zusammengehörigen Schallereignisse unzerteilt von einem Ort – also so, wie es auch in der Natur geschieht. Ein Vollbereichs-Chassis kommt somit dem Ideal der Einpunkt-Schallquelle nahe, bei der sich die akustischen Informationen homogen im Raum ausbreiten. Dadurch wird der Hörplatz gleichmäßig von einem natürlichen Klangfeld beschallt. Ein Breitbänder kommt zudem ohne Frequenzweiche aus, welche bei herkömmlichen Mehrwege-Lösungen nötig sind: Die Weiche muss hier das Musiksignal aufteilen und Höhen, Mitten sowie Bässe den Chassis zuweisen. Dafür sind Bauteile nötig, die das Musiksignal verfälschen, abschwächen und Phasenverschiebungen verursachen.

Die Pikulo wird mit Stativen geliefert. Das Rohr ist zugunsten maximaler Vibrationsresistenz mit Quarzsand gefüllt.
Spezial-Breitbänder für optimale Abstrahlung
Davon ist der Breitbänder frei. Doch er hat widersprüchliche Anforderungen zu erfüllen: Einerseits muss er zur Schallwandlung hoher Frequenzen und kurzer Impulse leicht und klein sein, um agil und schnell schwingen zu können. Andererseits muss die Membran zur Wiedergabe tiefer Frequenzen eine große Robustheit besitzen und eine gewisse Größe mit genügend Membranfläche aufweisen. Deshalb kommt bei der Pikulo ein 17-Zentimeter-Chasis zum Einsatz, dessen Membran aus einer speziellen Kokosfaser-Papier-Mischung besteht. Sie ist überaus steif und belastbar – und mit einem Gewicht von knapp 15 Gramm zugleich ultraleicht. Hierbei sind schon die rückseitig angesetzte Schwingspule und der vorderseitig aufgesetzte Hochtonkegel eingerechnet. Dieser Schwirrkonus verhindert bei der Abstrahlung die Schallbündelung hin zu höheren Frequenzen. In seinem Zentrum sitzt ein hölzerner Phase Plug: Er bewirkt ebenfalls ein präziseres Abstrahlverhalten und ermöglich über seine Dimensionierung eine Einflussnahme auf die Höhenwiedergabe. Dieses Spezial-Chassis bezieht Stieb von einer ungarischen Manufaktur, über deren Name er Stillschweigen bewahrt.

Die Membraneinfassung besteht aus einer mehrfach gefalteten Gewebesicke. Sie ermöglicht der immens leichten Membran ein schnelles und präzises Schwingen.
Klasse-Kombi: Breitband-Chassis und Backloaded Horn
Um die Agilität und Beweglichkeit der Membran zu bewahren, besteht die Sicke aus mehrfach gefaltetem Gewebe. Dies ermöglicht der Schwingfläche einen Hub von etwa drei Millimetern. Um nun der Wiedergabe auch noch zu einem hohen Wirkungsgrad und vor allem zu einem profunden Bass zu verhelfen, agiert dieses Breitband-Chassis in einer Backloaded Horn-Konstruktion. Das ist eine beliebte Kombination, um den rückseitig abgestrahlten Schall des Breitband-Chassis zu nutzen. Dabei muss das Design dieses Horns aber so gestaltet sein, dass der Treiber über die Austrittsöffnung des Horns effektiv an die Umgebung angekoppelt ist. Für die Pikulo hat Stieb eine Grund-Konstruktion entwickelt, die der Schreiner seines Vertrauens fertigt. Doch Stieb möchte ja ohne energiefressende Dämmung oder anderweitige Materialien zur Resonanz- und Vibrationsvermeidung auskommen. Deshalb liefert ihm der Schreiner ein Gehäuse mit offener Seite, weil Stieb den Korpus nun präzise auf das eingesetzte Chassis abstimmen und zudem auf den Raum des Kunden hin optimieren kann.

Die große frontseitige Öffnung ist der Mund des Horns: Bei der Pikulo agiert, wie bei allen Stieb-Lautsprechern, eine Kombination aus Breitband-Chassis und Backloaded Horn.
Individuelle Feinabstimmung
Dafür leimt Stieb Leisten ein, welche die Kanalgeometrie und damit den Klang des Lautsprechers verändern, aber auch als Diffusor wirken können. So stimmt Stieb quasi sein Musikinstrument – ein aufwändig-zeitintensiver Vorgang, mit dem er allein nach Gehör die Konstruktion solange modifiziert, bis eine für ihn perfekte tonale Balance erreicht ist und der Lautsprecher sich „richtig“ anhört. Dabei bezieht Stieb die Hörsituation des Kunden ein: Er lotet bei einem Ortstermin die Akustik jenes Ambientes aus, in dem die Pikulo demnächst schallwandeln wird, und kann dies in einem begrenzten Maß bei der Optimierung des Lautsprechers berücksichtigen. Erst nach Abschluss dieser Feinabstimmung geht die Pikulo zurück zum Schreiner und anschließend zum Lackierer, der das Wunsch-Finish des Kunden appliziert. Nun ist der Lautsprecher vollendet – doch über den dahinter steckenden Aufwand möchte Stieb eigentlich gar nicht reden: Die Technik soll man vergessen, es geht ihm allein darum, Musik mit Emotionen zu hören. Aus diesem Grund hat Stieb ja überhaupt erst den Lautsprecherbau begonnen.
Die Stieb-Audio Pikulo in der Praxis
Vor dem Hören mit Emotionen steht aber erst mal ein Anschließen mit Bedacht: Weil die Pikulo ohne elektrische Filterung und akustische Dämpfung das Signal 1:1 umwandelt, sei sie laut Thomas Stieb ein Sensibelchen – im besten Sinne: Sie gebe schlicht alles wieder und mache alles wahrnehmbar. So sollten Vinylisten bei ihrem Phono-Vorverstärker tunlichst das Subsonic-Filter aktivieren. Ansonsten harmoniere die Pikulo bestens mit Röhrenverstärkern, auch mit Single-Ended-Modellen. Dank des hohen Wirkungsgrades von etwa 94 Dezibel lasse sich der Lautsprecher sogar mit einer Kopfhörer-Vorstufe auf Zimmerlautstärke betreiben. Aber auch ein hochwertiger Class-D-Verstärker soll für die Pikulo ein perfekter Partner sein. Das prüfen wir nun mit dem NAD M33, der als Streaming-Vollverstärker im Verbund mit Qobuz auch gleich unser Musiklieferant ist. Wir starten mit Cassandra Wilsons superb produziertem Song „Strange Fruit“ und begeben uns auf die Suche nach der optimalen Aufstellung. Hier beeindruckt uns die Pikulo gleich mit ihrer Sensibilität, denn …

Auf dem Stativ fügt sich die Pikulo gut in den Raum ein, hat die passende Höhe und lässt sich gut auf den Hörplatz ausrichten.
Phänomenale Feinauflösung
… dieser Lautsprecher macht wirklich jede noch so kleine Positionsveränderung hörbar – sei es der Grad der Einwinklung, sei es der Abstand zur Wand, sei es die Distanz zum Sofa oder die generelle Aufstellungsgeometrie. Selbst geringe Unterschiede bewirken Verschiebungen im Stereo-Panorama und kleine Entfernungsveränderungen wirken sich auf den Klang aus, denn der Raum ist immer Teil der Klangkette, was dieser Lautsprecher eindrücklich in Erinnerung ruft. Die Pikulo ist also ein echtes Präzisionsinstrument, darum lohnt es sich außerordentlich, die Aufstellung gewissenhaft vorzunehmen. Wir sind schließlich mit dieser Aufstellung glücklich: 31 Zentimeter Entfernung von der Wand, 2,21 Meter Abstand zwischen den Lautsprechern, 2,43 Meter Hördistanz. Bei der Einwinklung wählen wir eine genaue Ausrichtung hin zum Hörplatz. So wird „Strange Fruit“ nun quasi zur „Sweet Fruit“, denn so sensibel die Pikulo auf die Positionierung reagiert, so detailliert bildet sie die Musik ab: Wir erleben eine Wiedergabe mit phänomenaler Feinauflösung!

Die Bodenplatte bürgt für den sicheren Stand der Pikulo. Dank eingelassener Gewindebuchsen kann die bodenseitige Ankopplung auch über vier einschraubbare Spikes erfolgen.
Lebendig und echt
Das beginnt gleich mit dem Einsatz des Basses: Lonnie Plaxico startet den Song mit einem kurzen Zweiton-Motiv, bei dem er die erste Note sogar noch mit einem Bending versieht, dann legt er erst die Finger der Spielhand auf die Saite, um den Ton zu stoppen und eine Pause zu erzeugen, um dann mit der ganzen Hand noch einen abgestoppten Schlag nachzusetzen, um diese Pause mit einem wirkungsvoll perkussiven und Groove-erzeugenden Effekt zu versehen. Warum wissen wir das alles? Weil die Pikulo so hochauflösend wiedergibt, dass wir jedes Detail wahrnehmen können – und das sind, über die rein gespielten Töne hinaus, eben auch auch alle Spielgeräusche. Sie sind immens wichtig, denn nur durch sie wirkt eine Wiedergabe lebendig und echt – und wenn sie vollendet wiedergegeben werden, hat man den Eindruck, den Musiker förmlich vor sich stehen zu sehen. So geht es uns mit Lonnie Plaxico und seinem Kontrabass.
Anspringende Dynamik
Durch die ausgezeichnete Wiedergabe erleben wir ebenso eine akustisch Materialkunde: Wir hören den brillanten Stahl der Saiten und erkennen an den Rutschgeräuschen, dass diese Saiten metallumsponnen sind. Wir registrieren durch das Aufschlagen dieser Saiten auf das Griffbrett das Holz des Halses und erfahren durch die sonore Tonentwicklung, dass ein Holzkorpus diesen Tönen Tragkraft und Volumen gibt. Vor allem hören wir, dass dies ein akustischer Bass ist, weil der charakteristische Ton unverkennbar von einem Kontrabass stammt. Die Pikulo liefert diesen Bass überaus schlank und konturiert, hier geht Aufgeräumtheit vor Tiefgang. Die herausragende Gegenwärtigkeit der Wiedergabe gelingen aber nur, wenn die Dynamik stimmt. Auch hier glänzt die Pikulo. Die Töne und gerade die Slaps, die Plaxico in sein Spiel einflicht, haben eine anspringende Perkussivität. Auch die Feindynamik ist famos, so sind kleinste Intensitäts-Abstufungen im Spiel und Variationen der Lautstärke wahrnehmbar. Dieses Dynamikvermögen ist der Schlüssel für ein vitale, frische und lebendige Wiedergabe.

Lautsprecher und Stativ sind miteinander verschraubt, so ist die Pikulo gegen jegliches Verrutschen gesichert.
Superbe Durchhörbarkeit
Zum mittig platzierten Bass gesellt sich nun ein links positioniertes Kornett, auch hier erkennen wir sofort an der Weichheit des Tons, das es eben keine Trompete ist. Rechts vorne setzt nun die Gitarre ein – und hier müssen wir gleich mehrfach grinsen: Zum einen haben wir ihren Einsatz schon fast schon ahnen können, denn die Aufnahme und Wiedergabe ist so hochauflösend, dass wir Chris Whitley bereits vor dem ersten Ton wahrgenommen haben, weil seine physische Präsenz und seine Körperbewegungen von den empfindlichen Mikrofonen aufgezeichnet worden sind. Trotzdem zucken wir beim Gitarreneinsatz zusammen, weil Whitley unerwartet mit einem Hieb auf seine Resonator-Gitarre diesem ungewöhnlichen Instrument ein ebenso ungewöhnliches Kuhglocken-artiges Geräusch entlockt. Hier zeigen sich die superbe Durchhörbarkeit und abermals die exzellente Dynamik der Pikulo. Auch im weiteren Verlauf des Stückes verblüfft uns diese Gitarre, die zur Klangverstärkung einen Metallkegel statt einer Holzdecke besitzt, mit ihrem drahtigen und zugleich bluesigen Sound.

Die Pikulo ist mit Single-Wire-Anschlüssen ausgestattet. Sie erlauben den Einsatz von Kabeln, die mit Bananensteckern oder Gabelschuhen konfektioniert sind. Auch blanke Litze kann eingeführt werden. Stieb bevorzugt Vollmetall-Ausführungen, auf Wunsch kann der Lautsprecher aber auch mit anderen Klemmen ausgestattet werden.
Atemberaubende Präsenz, hervorragende Räumlichkeit
Schließlich setzt Cassandra Wilson ein – und haben sich schon Kontrabass, Kornett und Gitarre durch eine tolle Gegenwärtigkeit ausgezeichnet, so ist die physische Präsenz der Sängerin geradezu atemberaubend: Mit ihrem dunkel timbrierten Alt, mit dem Volumen und der Wärme ihrer Stimme, aber auch mit der Ausgestaltung ihres Vortrags zieht uns die Weltklasse-Sängerin gleich in ihren Bann. Wir können jede noch so kleine Veränderung ihrer Stimme, jedes feine Vibrato und jeden zarten Atmer zwischen den Gesangsphrasen wahrnehmen – als stünde Wilson leibhaftig vor uns. Auch die Natürlichkeit der Wiedergabe trägt hierzu bei: Hier profitiert gerade der Gesang von den Meriten des Breitbänders, weil die Wiedergabe eben nicht auf zwei Chassis verteilt ist. Der Breitbänder sorgt zudem für eine hervorragende Räumlichkeit der Wiedergabe: Die Pikulo präsentiert uns die Musiker mit herrlicher Offenheit und Luftigkeit auf einer großzügigen Bühne – besser: in einem großzügigen Studio. Die Abbildung ist nämlich so gelungen, …

Auch wenn kompakte Schallwandler allgemein als Regallautsprecher bezeichnet werden: Ihre beste Performance liefern Lautsprecher wie die Pikulo bei der Platzierung auf einem Stativ, das keinen Einfluss auf den Klang nimmt.
Harmonisch, natürlich, stimmig
… dass sie unseren realen Raum vergessen macht und wir mit den Musikern im Scheunen-artigen Studio C der berühmten New Yorker Bearsville Studios zu stehen scheinen. Diese immersive Räumlichkeitsabbildung gelingt so gut, weil die Pikulo auch die Schallreflexionen und den grundlegenden Rauschteppich dieses Studios, die bei der Aufnahme von den empfindlichen Mikrofone eingefangen worden sind, hörbar macht. Bei aller Auflösungsfähigkeit seziert die Pikolo aber nicht die Musik: Wir erleben eine harmonische, kohärente und natürliche Wiedergabe. Nach geraumer Zeit merken wir deshalb auch, wie entspannt das Musikhören mit der Pikulo ist. Dabei haben wir auf durchaus gehobenem Pegel gehört, trotzdem wirkt die Beschallung nicht laut. Diese Anstrengungslosigkeit und Ermüdungsfreiheit ist immer ein Zeichen für eine stimmige Wiedergabe. Um in ihren Genuss zu kommen, sollte man aber genau im Sweet Spot sitzen – auch wenn man die Lautsprecher nur mit geringerer Einwinklung betreiben möchte.
Faszinierende Klangexpedition
Das alles erleben wir auch beim Hören anderer Musiken verschiedenster Genres. So wird das Duett „Scherzano sul tuo volto“ aus Händels „Rinaldo“ zur Opern-Gala – weil Cecilia Bartoli als Almirena und David Daniels als Rinaldo die Arie direkt vor uns zum Dahinschmelzen schön singen, aber auch, weil die begleitende Academy of Ancient Music auf authentischen Instrumenten musiziert und wir den außergewöhnlichen Klang alter Cremoneser Geigen und die exotische Silbrigkeit eines Cembalos bestaunen können. Durch die plastische Darstellung der Sänger und Instrumente sowie durch die dreidimensionale Abbildung von Solisten und Orchester im Raum erleben wir eine vorzügliche Vorführung in der Londoner Henry Wood Hall. Auch hier gilt für den Bass: Aufgeräumtheit geht vor Tiefgang. Dies erfahren wir ebenso bei Yellos „Kiss in Blue“: Auf Basis des schlanken Fundaments erleben wir dank des großen Detailreichtums, der Akkuratesse und der Klarheit der Pikulo die komplexen Synthesizer-Schichten und die unzähligen Soundsamples als faszinierende Klangexpedition.

Die Stieb-Audio Pikulo beschallt als Kompaktlautsprecher Räume bis etwa 30 Quadratmeter.
Fazit
Die Stieb-Audio Pikulo ist ein wahres Präzisionsinstrument: Sie macht jedes noch so kleine Detail hörbar. Zu dieser phänomenalen Feinauflösung kommt eine anspringende Dynamik. So gelingt der Pikulo eine wunderbar frische, lebendige und herrlich plastische Darstellung von Stimmen und Instrumenten. Zudem glänzt sie mit einer ausgezeichneten räumlichen Abbildung. Dies alles ermöglicht die Schallwandlung mit einem einzigen Breitband-Chassis, dem ein Backloaded Horn-Gehäuse zu einem amtlichen Wirkungsgrad verhilft. Der Breitbänder sorgt durch seine Vollbereichs-Abstrahlung zudem für eine hochgradig homogene und stimmige Wiedergabe. Sie punktet durch den Verzicht auf jegliche klangverfälschende und bremsende Frequenzweiche mit umso größerer Natürlichkeit und Direktheit. Zur ausgezeichneten Durchhörbarkeit trägt auch der überaus schlanke, straffe und konturierte Bass bei. Wer hier mehr Tiefgang wünscht, kann die Pikulo von Stieb-Audio in begrenztem Umfang tonal anpassen lassen – oder entscheidet sich für ein großes Standlautsprecher-Modell der Odenwälder Manufaktur. Die Pikulo empfiehl sich somit nachdrücklich für alle Freunde einer knackigen Performance.
Test & Text: Volker Frech
Fotos: Simone Maier
Klasse: Referenzklasse
Preis/Leistung: angemessen
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Technische Daten
| Modell | Stieb-Audio Pikulo |
|---|---|
| Produktkategorie: | Kompaktlautsprecher, Regallautsprecher |
| Preise: | - 13.500,00 € (incl. Anpassung vor Ort + Lieferung) - 12.825,00 € (bei Selbstabholung) - Aufpreis für Sonderlackierungen oder individuelle Gestaltungswünsche auf Anfrage |
| Garantie: | 2 Jahre |
| Ausführungen: | - Lackierung in allen RAL-Farben - andere Ausführungen (Airbrush-Motive, Sonderlackierungen, Furnier, individuelle Gestaltungswünsche) auf Anfrage |
| Vertrieb: | Stieb-Audio, Otzberg Tel.: +49 1511 5547 100 www.stieb-audio.de |
| Abmessungen (HBT): | - Lautsprecher: 490 x 230 x 350 mm - mit Stativ: 997 x 230 x 350 mm |
| Gewicht: | - Lautsprecher: 12,6 kg - Stativ: 8,9 kg |
| Bauart: | passiv, Ein-Weg-Lautsprecher, Breitbänder, Backloaded Horn |
| Chassis: | 1 x 170 mm Breitband-Chassis (Kokosfaser/Papier-Konus mit Schwirrkonus) |
| Frequenzbereich: | N.N. |
| Impedanz: | 8 Ω (Herstellerangabe) |
| Empfindlichkeit: | ca. 94 dB @1W/1m (Herstellerangabe) |
| Empfohlene Raumgröße: | bis ca. 30 m2 |
| Lieferumfang: | - Stieb-Audio Pikulo - Stativ - individuelle Anpassung + Lieferung (zwei Termine vor Ort) |
| Optionales Zubehör: | Hochständer (295,00 € / Paar) |
| Pros und Contras: | + phänomenale Feinauflösung + superber Detailreichtum + ausgezeichnete räumliche Abbildung + überaus plastische Darstellung von Stimmen und Instrumenten + anspringende Dynamik + hochgradige Präzision und Akkuratesse + ausgezeichnete Natürlichkeit, Homogenität und Stimmigkeit + individuelle Abstimmung auf den Raum des Kunden + Manufaktur-Fertigung - enger Sweet Spot - sehr schlanker Bass in der Kontra- und Subkontra-Oktave |
| Benotung: | |
| Klang (60%): | 97/100 |
| Praxis (20%): | 97/100 |
| Ausstattung (20%): | 97/100 |
| Gesamtnote: | 97/100 |
| Klasse: | Referenzklasse |
| Preis-/Leistung: | angemessen |
| Getestet mit: | - Verstärker: NAD M33, Hegel H360 - Lautsprecherkabel: Audioquest Rocket 88 - Netzkabel: Audioquest Monsoon - Streaming-Dienst: Qobuz |















































