JBL Studio 230 – Spassmacher, Basskracher & Preishammer JBL Studio 230 – Spassmacher, Basskracher & Preishammer

von

Chefredakteur

Lautsprecher für Männer! Lautsprecher, die nicht dem aktuellsten Design- oder Modetrend folgen, sondern gross klingen, Spaß machen und erschwinglich sind. Geht es um die Entwicklung eines neuen JBL-Schallwandlers, ist genau das die Devise der amerikanischen Boxenschmiede – und zwar seit jeher. Für für einen HiFi- und Heimkino-Fan wie mich, dem es einfach nicht „erwachsen“ genug zur Sache gehen kann, also genau die richtigen Voraussetzungen und Grund genug einmal das grösste Modell der aktuellen Regallautsprecher-Baureihe, die Studio 230 für einen ausführlichen Test zu ordern.

Der Name ist Programm: JBL Studio 230 - Monitorabmessungen, Studio-Optik.

Der Name ist Programm: JBL Studio 230 – Monitorabmessungen, Studio-Optik.

 

 

Wer ist JBL?
Wenn es um die professionelle Bühnen- und Konzertbeschallung oder den Einsatz leistungsfähiger Kinosysteme geht, gehört JBL seit mehr als 50 Jahren zu den weltweit ersten Adressen in Sachen Lautsprechertechnik. Durch den enormen Erfahrungsschatz, den das 1946 von James Bullough Lansing gegründete Unternehmen in den genannten Einsatzmärkten sammeln konnte, stellten sich dann auch schnell die ersten Erfolge im Heimbereich ein, die JBL zwischenzeitlich schnell bis an die Spitzen im amerikanischen Lautsprechermarkt katapultierte. Der steten Nachfrage nach hervorragend klingenden Endgeräten für den mobilen Einsatz folgend, hat sich die Modellstruktur der Kalifornier bis zum heutigen Tag neu entwickelt, was die Ausdünnung des hauseigenen Boxen-Produktportfolios zur Folge hatte. Das ist aber keinesfalls schlecht, denn da sich die Entwicklungsabteilung heute auf wenige Modelle konzentriert, müssen weder Kompromisse in Sachen Design oder Größe eingegangen werden. Neben der Tatsache, dass jeder JBL-Lautsprecher somit vom geballten Technik-Know-How seiner Ingenieure profitiert, erweist sich die Entwicklung und Herstellung eines jeden Schallwandlers mit den drei berühmten Buchstaben ganz nebenbei als deutlich kostenneutraler. Und das hört jeder HiFi-Fan gern, denn dieser Punkt schlägt sich letztlich positiv auf den Verkaufspreis nieder.

 

 

Studio 230: Ausstattung & Leistung
Wie gesagt, Designlautsprecher oder optisch dem Modetrend entsprechend kreierte Boxen anzubieten, ist nicht das Ding der amerikanischen Traditionsmarke. Nein, so war es nie und so wird es wohl auch nie sein! Im Gegenteil, denn ein JBL-Lautsprecher wurde und wird der bestmöglichen Klangperformance folgend entworfen. Ein JBL-Lautsprecher ist markant. Ein JBL-Lautsprecher hat ein Gesicht. Zugleich bleibt er jederzeit wohnraumtauglich, denn kleinere kosmetische Eingriffe sind natürlich erlaubt. Eine Klangbeeinflussung zu Gunsten des Designs ist dagegen keine Option, weshalb sich die kosmetischen Eingriffe in der Studio 230 auf sanft gerundeten Gehäusekanten und hochglänzende Deckelplatten beschränken. Diese kleinen Änderungen wirken sich optisch allerdings schon sehr deutlich aus und lassen unser immerhin mehr als 20 Liter fassendes Testmodell deutlich kompakter erscheinen, als es tatsächlich ist. Ebenfalls keine Kompromisse ging man bei der Wahl der hier eingesetzten Technik ein, die vom steten Technologietransfer der der Amerikaner und somit u.a. von der wohl begehrtesten Kino-Lautsprecherserie der Welt, der JBL Synthesis, profitiert. Dabei setzt man auch in der Studio 230 auf die altbewährte Horn-Technologie im Hochtonbereich. Auch das macht Sinn, denn aufgrund der gezielten Schallführung wird ein höherer Wirkungsgrad bei geringerem Leistungsaufwand benötigt. Das ist eine gute Nachricht für Musikfans, denen es einfach nicht laut genug sein kann, denn somit geht unser Zwei-Wege-Modell in höheren Pegellagen einfach gelassener und verzerrungsärmer zur Sache, als ähnlich dimensionierte Mitbewerbsmodelle. Direkt unterhalb dieser immerhin knapp 14 Zentimeter breiten Austrittsöffnung kommt die 165 Millimeter durchmessende Mittel-/Tieftoneinheit zum Vorschein. Und die verspricht viel, denn aufgrund der sie umgebenden, breiten und sehr flexiblen Gummisicke (der schwarze Ring, der die Membran einrahmt), sind hier grosse Auslenkungen und somit ein enormes Basspotential zu erwarten. Wer die eben beschriebene Technik lieber im Hintergrund verschwinden lassen möchte, der findet in der schwarzen Gewebeabdeckung die ideale Lösung, denn diese ist so konstruiert, dass sie die gesamte Schallwand verdeckt

Vielversprechend: Der gesamte Hornausgang ist etwa 14 Zentimeter breit.

Vielversprechend: Der gesamte Hornausgang ist etwa 14 Zentimeter breit.

 

 

Tipps & Tricks zum besten Klang



Um die beste Klangperformance aus Ihrem neuen Paar Studio 230 zu kitzeln, gilt es noch einige einfach durchzuführende Grundlagen zu beachten. Diese kosten weder Geld, noch benötigen sie technisches Know-How, sondern nehmen lediglich ein paar Minuten Ihrer Zeit in Anspruch. Nehmen Sie sich einfach diese Zeit, es lohnt sich!

Einspielzeit: Wie jedem unserer Testmodelle sei natürlich auch der Studio 230 die obligatorische Einspielzeit von 48 Stunden gegönnt. Ein wichtiger Punkt, den man bei JEDEM Lautsprecher beachten sollte, denn erst nach einer adäquaten Warmspielzeit, die bei manchen Modellen auch weit über 100 Stunden betragen kann, sind die Voraussetzungen für die beste Klangqualität gegeben. Der Grund dafür sind u.a. die anfangs hohe Steifigkeit der mechanischen Bauteile (z.B. Sicke, Zentrierspinne), die sich erst nach längerem Gebrauch „lockern“ und ihren Dienst in gewollter Manier ausführen. Ein Punkt, den Sie auf keinen Fall vernachlässigen sollten, bevor Sie sich an die weiteren Tuningmaßnahmen Ihrer neuen Lautsprecher machen.

Aufstellung/Positionierung: Ist die Einspielzeit beendet, gilt es, sich der Ausrichtung und Aufstellung der Lautsprecher zu widmen: Idealerweise platzieren sie die Studio 230 in einer Höhe von etwa 75 Zentimetern. Das entspricht in etwa der Position eines sitzenden Zuhörers. Passende Lautsprecherständer zu Ihren neuen Schallwandlern finden Sie im gut sortierten HiFi-Fachhandel. Hier müssten Sie dann auf ein Fremdfabrikat zurückgreifen, denn leider bietet JBL keine passenden Boxenstative an. Ist der endgültige Platz letztlich gefunden, probieren Sie die direkte Ausrichtung der Studio 230 auf Ihren Referenzplatz. Drehen Sie die Lautsprecher anschließend in kleinen Zentimeterschritten nach Aussen. Die beste Ausrichtung ist gefunden, sobald Stimmen und Instrumente „einrasten“ und der Klang nicht mehr von den Lautsprechern zu kommen scheint, sondern im Raum steht. Bei vielen Titeln scheint die Stimme nun aus der Mitte, statt von rechts und links zu kommen. In meinem Test erweis sich die vom Hörplatz aus leicht nach aussen gerichtete Positionierung als ideal. Ist auch dieser Punkt erledigt, gilt es nur noch darauf zu achten, dass jede Box einen festen, geraden Stand hat und nicht wackelt.

Das rückseitig platzierte Reflexport hilf der Studio 230 noch eine Etage tiefer in den Basskeller zu steigen.

Das rückseitig platzierte Reflexport hilf der Studio 230 noch eine Etage tiefer in den Basskeller zu steigen.

 

 

Was kann die Studio 230?
Genug der Theorie und technischen Beschreibung, denn jetzt will ich endlich wissen, wie es um die klanglichen Eigenschaften meines Testduos bestellt ist. Dazu wähle ich mit Eddie Berchams „Riot In Thunder Alley“ einen vor Agilität nur so strotzenden Titel, der schon so manchen Schallwandler alt aussehen lassen hat. Nicht aber die beiden 230er, denn hier sind es in erster Linie die von rauhen Gitarrenriffs hinterlegten Drumsoli, die den aus Tarantinos „Deadproof“ bekannten Song von der ersten Sekunde an unverkennbar machen und richtig „Spaß in die Bude“ bringen. Dass dieses Stück einen höheren Pegel benötigt, um beim Auditorium gut anzukommen, scheint meine Testprobanden wenig zu stören. Im Gegenteil, denn mit jedem Rechtsdreh am Lautstärkeregler wird der Song impulsiver und von einer Grundtondynamik geprägt, die einfach mitreisst. Dabei scheinen Verzerrungen oder Kompressionseffekte den beiden JBLs vollkommen fremd zu sein. Wow, das ist mehr als beeindruckend und macht neugierig auf den nächsten Testabschnitt. Mit dem Dire-Straits-Titel „Ride Across The River“ wähle ich dann ein etwas fülligeres Stück, welches vom gemeinen Tiefbass bis in die höchsten Hochtonspitzen nahezu jede mögliche Frequenz belegt. Und genau das wird mir nun auch zu Gehör geliefert, denn das, was ich nun erlebe, sind höchste Agilität und uneingeschränkte Spielfreude. Eine Tatsache, die eindeutig auf das sehr gute Zusammenspiel des hier eingesetzten Zwei-Wege-Systems zurückzuführen ist. So habe ich es nun ohne jegliche Einschränkung mit einer Darbietung zu tun, die sich in ihrer Preisklasse auf allerhöchstem Niveau befindet. Zur Info, die Studio 230 kostet gerade einmal 349,00 Euro – für das Paar wohlgemerkt!
Würde ich die beiden gerade einmal 38,5 Zentimeter hohen Regallinge nicht direkt vor mir stehen sehen, würde ich eher vermuten mittelgrossen Standboxen zu lauschen. So erlebe ich eine absolut rhythmische und direkte Wiedergabe sämtlicher Instrumente und durchgängig ausdrucksstark reproduzierte Stimmanteile. Dabei verheimlicht mein Testduo nichts, sondern stellt fast jedes Detail direkt in den Fokus, ohne eine Frequenzlage über- oder unterzubetonen. Für Oberbassjunkies wie mich, ist die zugleich dargestellte Grundtondynamik sogar noch beeindruckender, mit der die beiden JBLs hier zu Werke gehen und die sie weiterhin verblüffend erwachsen klingen lässt. Selbiges gilt in gleichem Maße für den Bassbereich. Ganz besonders sogar, denn dieser schiebt mit erstaunlicher Gewalt, allerdings ohne dabei unkontrolliert, sumpfig oder matt zu klingen – und das alles souverän auf einem Pegel weit oberhalb der Zimmerlautstärke. Eines ist klar: die 230er gehören ganz sicher nicht zur Fraktion überangenehmer sich anbiedernder Lautsprecher. Nein, ganz und gar nicht, denn diese Boxen gehen unentwegt nach vorn, fordern Pegel und haben Charakter. Einen Charakter, der sicher nichts für Jedermann ist. Feingeister werden vermutlich nicht mit ihr klar kommen. Rockfans, Freunde ultradynamischer Elektronikmusik und Musikliebhaber, denen es nicht laut genug sein kann, werden sie hingegen lieben!

Das in der Front befindliche Zwei-Wege-System lässt sich vollständig hinter der schwarzen Gewebeabdeckung verbergen.

Das in der Front befindliche Zwei-Wege-System lässt sich vollständig hinter der schwarzen Gewebeabdeckung verbergen.

 

 

Fazit
Dieses Gesamtpaket stimmt einfach: So bietet JBL mit seiner Studio 230 eine sehr gut verarbeitete, hervorragend bestückte und überraschend preisgünstige Allroundbox, die mit der richtigen Musikauswahl und mit entsprechendem Antrieb zur absoluten Höchstform aufläuft. Wer also auf der Suche nach kompakten Lautsprechern ist, die ein sattes Bassfundament, eine mitreissende Spritzigkeit und eine satte Gruntonperformance liefern, der sollte diese Box unbedingt ausgiebig zur Probe hören.

 

Test & Text: Roman Maier

Fotos: www.lite-magazin.de

 

 

Modell:JBL
Studio 230
Preis:346,00 Euro / Paar
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Espresso Braun
- Schwarz
Vertrieb:Harman Deutschland, Heilbronn
Tel.: 07248 711132
www.jbl.com
Abmessungen (HBT):381 x 237 x 265 mm
Gewicht:7,9 Kg / Stück
Hochtöner:25 mm
Tief-/Mitteltöner:165 mm
Besonderes:- Bi-Wire-Anschlussfeld
- exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis
- sehr gute Bestückung
- enorme Grundtondynamik
- Pegelfest
Empfohlene Raumgröße:20 - 35 Quadratmeter
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1+
Klasse:Einstigsklasse
Preis-/Leistungsehr gut

 

 

lite - DAS LIFESTYLE & TECHNIK MAGAZIN Über uns | Impressum | Datenschutz | Kontakt