Home » Tests » Palma Audio DHS-1 – Offen wie geschlossen eine Offenbarung
14. April 2026
von Volker Frech
RedakteurOffen oder geschlossen? Für zuhause oder unterwegs? Der Palma Audio DHS-1 erspart diese Entweder-oder-Entscheidungen und ermöglicht das Sowohl-als-auch: Der im Handumdrehen wandelbare High End-Kopfhörer bietet beide Wiedergabe-Welten – und verspricht, beim Wechsel allein das akustische Abbild zu verändern, nicht jedoch den Klang. Kann das funktionieren?

Der Palma DHS-1 beeindruckt mit herrlichem Design und exzellenter Material- und Fertigungsqualität.
Palma Audio? Nie gehört? Kein Wunder: Der DHS-1 ist das erste Produkt der Spanier – richtiger: Sie haben Palma gegründet, um genau diesen Kopfhörer zu erfinden und zu realisieren. Der Ausgangspunkt war eine Mangelerscheinung: Mario, leidenschaftlicher Musikhörer mit Drang zur audiophilen Perfektion, suchte einen neuen Kopfhörer und stand vor dem alten Problem: Im High End-Bereich muss man sich zwischen offenen oder geschlossenen Modellen entscheiden. Es gibt keinen Kopfhörer, der beide Bauprinzipien vereint. Um das zu ändern, gründete Mario mit seinem ebenfalls musikbegeisterten Freund Pascual Palma Audio. Damit aus dem Einfall kein Reinfall wird, holten die beiden Mallorquiner zwei Top-Experten ins Team: den langjährigen Sony-Manager Delfin Marcos und den seit Dekaden im Audiotechnik-Segment tätigen Ingenieur Jaume Fresquet. Ihm oblag es auch, Idee und Anspruch in Einklang zu bringen: Ein Kopfhörer, der konvertibel ist – aber kompromisslos in beiden Betriebsarten einen reinen, präzisen und definierten Klang liefert.

Der Hingucker sind die attraktiv angeordneten Durchbrüche der Abdeckungen und das kupferfarben leuchtende Logo. Es zeigt den stilisierten Kopf einer Ziege, sie ist das typische Tier von Mallorca, der Herkunft der mallorquinischen Manufaktur Palma Audio.
Der DHS-1 hat den Dreh raus
Drei Jahre hat es letztlich gedauert, diese Vision kompromisslos zu realisieren. Die Idee eines sowohl offen als auch geschlossen betreibbaren Kopfhörers hat ja schon vor zehn Jahren der Hersteller Hifiman mit dem Edition S umgesetzt. Allerdings muss man dafür die Muschelabdeckungen entfernen, der Klang der beiden Modi differiert deutlich und die abdichtende Wirkung im geschlossenen Betrieb ist mäßig. Der Modus-Wechsel muss also anders gelingen. Hier hat das Palma-Team eine ebenso einfach wie geniale Lösung gefunden: Die Muscheln besitzen drehbare Blenden, mit denen eine Reihe von Durchbrüchen durchlässig oder blockiert werden. Allein durch eine leichte Drehung dieser Abdeckungen verwandelt sich der DHS-1 von einem offenen in einen geschlossenen Kopfhörer. Dieses Verschluss-System ist exzellent realisiert: Die attraktiven Abdeckungen der Muscheln bestehen aus perfekt planen, sanft gefasten und in edlem Schwarz eloxierten Aluminiumscheiben. Auch die Perforation dieser Verschlussblenden ist überaus dekorativ: Die punktförmigen Durchlässe sind konzentrisch angeordnet und verjüngen sich hin zum Muschel-Mittelpunkt.

Die Abdeckungen der Muscheln sind drehbar. So wechselt man schnell und einfach zwischen geschlossenem und – wie hier eingestellt – offenem Betrieb.
Vorzügliche Verschluss-Lösung
Im offenen Betrieb können durch diese Lüftungsöffnungen die Schallwellen aus den Muschelkammern ungehindert austreten. Dreht man die Verschlussblenden nun um 14 Grad, wird der DHS-1 zum geschlossenen Kopfhörer: Die Schallkanäle sind blockiert und die Kammervolumina der Muscheln nahezu hermetisch verschlossen. Durch die Durchbrüche sieht man nun ein hellgraues Filzmaterial: Es ist Bestandteil der akustischen Abdichtung, ermöglicht aber ebenso das sanfte Gleiten der Abdeckungen. Die Entwicklung dieses einfach bedienbaren, akustisch wirkungsvollen und mechanisch zuverlässigen Verschluss-Systems war die eine große Herausforderung. Die noch größere Kniffligkeit bestand darin, trotz zwei verschiedener Betriebsarten einen konsistenten Klang zu erreichen. Deshalb hat Palma sich zuallererst um die Konstruktion der Muschel gekümmert, genauer: um das Design des akustischen Innenraums. Ein Großteil des Geheimnisses liegt laut Palma in eben diesem Gehäusedesign: Es orientiert sich am Lautsprecherbau, setzt auf eine abgestimmte Einheit von Chassis und Korpus und nutzt das Gehäuse als akustischen Resonanzkörper, der maßgeblich zum Klangbild beiträgt.

Im geschlossenen Betrieb sind die Durchbrüche der Muscheln blockiert. Der Kopfhörer schottet nun gegen Umweltgeräusche ab.
Klang-Optimierung durch Muschel-Material und Korpus-Konstruktion
Deshalb wurde als Gehäusematerial bewusst Sapeli gewählt: Das afrikanische Edelholz, das Instrumentenbauern wegen seiner klanglichen Eigenschaften schätzen, biete, so Palma, die gewünschte Musikalität und verleihe dem ansonsten analytischen Klang eine musikalische Wärme. Das Holz absorbiert nämlich einen Teil jenes Schalls, der im geschlossenen Betrieb von der Muschel zum Ohr zurückgeworfenen wird. Neben diesem akustischen Vorteil ist das Mahagoni-ähnliche Sapeli auch optisch und haptisch hochattraktiv: Das dekorativ gemaserte, perfekt glatte Holzgehäuse intensiviert die edle Erscheinung des DHS-1. Auch konstruktiv hat Palma das Muscheldesign so ausgelegt, dass das grundlegende Problem der geschlossenen Betriebsart, nämlich der zurückgeworfene Schall, möglichst wenig Einfluss hat. Kurz zum Problem: Der Treiber, der in der Muschel installiert ist, strahlt seinen Schall ja in zwei Richtungen ab: hin zum Ohr und hin zur Muschelwand. Beim offenen Kopfhörer entweicht dieser rückwärtige Schallanteil über die Muscheldurchbrüche ins Freie. Beim DHS-1 verschwinden laut Palma so rund 80 Prozent der unerwünschte Wellen.

Der Muschelkorpus besteht aus Sapeli: Das afrikanische Edelholz hat Palma wegen seiner akustischen Vorzüge gewählt – und optisch trägt es zur Attraktivität des DHS-1 bei.
Konstante Klangsignatur
Beim geschlossenen Kopfhörer hingegen werden die missliebigen rückwärtigen Schallanteile von der Muschelwand reflektiert und Richtung Ohr geschickt. Sie treffen hier mit leichter Verzögerung gegenüber den direkten Schallanteilen ein. Dieser Zeitversatz verfälscht das Klangbild, vermindert die Präzision und verringert die Auflösung. Je größer die Verzögerung ausfällt, desto drastischer ist der Effekt – und desto größer ist der Unterschied zwischen geschlossener und offener Betriebsart. Darum ist die Muschel so konzipiert, dass die Verzögerung laut Palma weniger als 0,1 Millisekunden beträgt und damit deutlich unterhalb der menschlichen Wahrnehmungsschwelle liegt. So sorgen das Gehäusedesign und das Korpusmaterial dafür, dass der DHS-1 in beiden Betriebsarten die gleiche Klangsignatur bieten kann. Allen das akustische Abbild soll differieren: Die offene Betriebsart ermögliche eine weiträumigeres Musikerleben. Mit seiner Klang-Konstanz empfiehlt sich der DHS-1 also für alle Hörsituationen – egal, ob man ihn zuhause offen an der heimischen Klangkette betreibt oder unterwegs geschlossen verwendet, um Störgeräusche der Außenwelt fernzuhalten.

Der Wechsel zwischen offenem und geschlossenem Betrieb gelingt durch das Drehen der Abdeckungen um 14 Grad. Dies ermöglicht ein Filzmaterial: Es sorgt für ein sauberes Gleiten der Abdeckungen und befördert die abdichtende Wirkung im geschlossenen Modus.
Starke Treiber, satter Schalldruck
Jetzt fehlen nur noch die passenden Schallwandler. Palma setzt hier pro Seite einen 50 Millimeter durchmessenden Treiber ein, dessen Membran aus einem Verbund mehrerer Materialien besteht. Im Zentrum agiert eine überaus leichte, sehr steife und hochgradig verformungsresistente Kalotte aus Zellulose. Die Aufhängung besteht aus ultradünnem und hochflexiblen Polyamid, was eine weite Auslenkung gestattet. Dieser Materialmix ermöglicht dem Treiber ein agil-impulstreues Schwingen mit großer Beweglichkeit und geringen Verzerrungen – und bürgt zugleich für eine hohe mechanische Belastbarkeit und Ermüdungsfreiheit. Für den amtlichen Antrieb sorgen dann eine 26-Millimeter-Schwingspule und ein stattlicher Neodym-Magnet. Dank dieser Treiber besitzt der DHS-1 eine geringe Induktivität und eine niedrige Impedanz von 32 Ohm. So gelingt auch der stationäre Betrieb an Verstärkern mit geringem Dämpfungsfaktor und der Unterwegs-Einsatz des Kopfhörers mit leistungsschwachen mobilen Playern – zumal der DHS-1 laut Datenblatt einen hohen Schalldruckpegel von 102 Dezibel (offener Betrieb) beziehungsweise 104 Dezibel (geschlossener Modus) liefert.

Die Polster der Ohrmuscheln sind ebenfalls in feinem Lammleder gehalten. Zusammen mit der weichen Memory Foam-Füllung der Kissen schmiegen sich diese Polster geschmeidig an den Kopf an.
Hoher Tragekomfort
Über die Pegel-Potenz hinaus beeindrucken die Spezifikationen des DHS-1 mit Verzerrungsarmut und Bass-Fähigkeit: Im offenen Modus sind die ausgewiesenen minimalen Verzerrungen sogar noch geringer (0,06 statt 0,08 Prozent) und der attestierte Tiefgang im Bass noch etwas größer (fünf statt zehn Hertz). Palma liefert zu jedem DHS-1 auch ein Messprotokoll, dass den ausgezeichneten Frequenzgang bescheinigt. Die Kurven dieses Diagramms zeigen insbesondere, wie gering der Unterschied zwischen offenem und geschlossenem Betrieb ist. Apropos Betrieb: Damit der DHS-1 nicht nur akustisch glänzt, sondern auch praktisch punktet, bietet dieser ohrumschließende Kopfhörer einen hohen Tragekomfort. Die anschmiegsamen Ohrpolster und der geschmeidig auf dem Kopf liegende flexible Bügel sind mit feinem, wunderbar weichem Lammleder bezogen. Die Muscheln sind dank ihrer Zweipunkt-Aufhängung zudem vertikal beweglich und können sich so dem Kopf anpassen. Die Größenverstellung gelingt über die Kopfband-Endstücke. Sie fixieren nicht nur die stabilisierenden Metalldrähte des Bügels, sondern ermöglichen auch ein Verschieben des verchromen Stahlgestänges der Muschelaufhängung.

Das Kopfband ist mit wunderbar weichem, feinen Lammleder überzogen. Im Verbund mit der Flexibilität des Bügels ermöglicht er ein komfortables Tragen des Kopfhörers.
Edles Design, noble Materialien, ausgezeichnete Fertigungsgüte
Die Zweipunkt-Aufhängung der Muscheln ist über schwarze Metallringe realisiert. Sie harmonieren mit der Anmutung der Abdeckungen. Diese Metallringe sind quasi die Chassis des Kopfhörers, denn sie tragen sowohl das Muschel-Holzgehäuse als auch die Ohrpolster. Diese Kissen sind komplett wechselbar. Allerdings ist das Aufziehen neuer Polster samt Einführen ihres Lederrands in die Nut der Halterung eine etwas fummelige Arbeit. In die Metallringe sind auch die 2,5-Millmeter-Klinkenbuchsen eingelassen. Zum Anschluss liefert Palma nun gleich drei hochwertige Kabel: zwei unsymmetrische mit 6,35-Milimeter-Klinke beziehungsweise 3,5-Millimeter-Klinke sowie ein symmetrisches Kabel mit Pentaconn-Stecker. Die flexiblen Kabel sind mit einem Stoffmantel überzogen, der gegen mikrofonische Effekte, also Rutsch- und Berührungsgeräusche, hilfreich ist. Die Kabel sind, wie der Kopfhörer, in einem eigenen Stoffbeutel verstaut, und liegen mit ihm gemeinsam in einem hochwertigen Transportkoffer. So beeindruckt der in Handarbeit hergestellte DHS-1 in jedem Detail und bis hin zum Zubehör mit durchdachten Lösungen, edlem Design, noblen Materialien und ausgezeichneter Fertigungsqualität.

Edelholz und Lammleder, Aluminium und Stahl: Der DHS-1 besteht durchweg aus hochwertigen Materialien. Deshalb bringt er auch knapp 500 Gramm auf die Waage. Dank des hohen Tragekomforts macht sich dieses Gewicht auf dem Kopf aber nicht bemerkbar.
Der Palma Audio DHS-1 in der Praxis
Ziehen wir den DHS-1 endlich über. Beim Aufsetzen, Einstellen und Verkabeln sammelt er gleich die ersten Pluspunkte. Der Kopfhörer liegt trotz seines Gewichts angenehm auf dem Kopf. Die Größenanpassung ist eher schwer- als leichtgängig realisiert – gut so, denn das bürgt dafür, dass die Einstellung auch bei vermehrter Bewegung sicher und dauerhaft in der gewählten Position bleibt. Die Ohrpolster schmiegen sich nach dem Aufziehen des DHS-1 dann geschmeidig an den Kopf an. Dieser Tragekomfort macht, wie wir im Laufe des Tages feststellen, auch ein mehrstündiges Musikhören angenehm: Dass wir den DHS-1 auf dem Kopf und über den Ohren haben, ist bereits nach kurzer Zeit vergessen. Die Kabel verhalten sich bei Reibung und Berührung akustisch weitgehend unauffällig, wie wir im Trockentest ohne Musik feststellen. Dazu trägt bei, dass die Buchsen so positioniert sind, dass die Kabel vom Körper weggeführt werden und deshalb nicht großflächig auf der Brust aufliegen.

Dank ihrer Zwei-Punkt-Aufhängung können sich die Muscheln in vertikaler Richtung an den Kopf anpassen.
Abschottungs-Effekt im Closed-Back-Betrieb
Ebenfalls ohne Musik stellen wir den ersten Vergleich zwischen offenem und geschlossenem Betrieb an: Die akustische Abschottungswirkung im geschlossenen Zustand ist moderat, der Unterschied zum geöffneten Modus dann auch gar nicht mal so groß. Mit Musik sieht die Sache dann aber anders aus. Wir starten mit Cassandra Wilsons superb produziertem Song „Strange Fruit“, den wir via Qobuz über unseren Streamer Lumin P1 Mini und den Kopfhörer-Verstärker SPL Phonitor xe zuspielen: Auch bei sehr gemäßigter Lautstärke sind wir selbst im offenen Modus so gut abgeschirmt, dass wir von unserer Redaktionsumgebung kaum noch etwas mitbekommen. Umgekehrt werden die Kollegen im offenen Modus vollumfänglich mitbeschallt, während im geschlossenen Betrieb etwa der Gesang gar nicht mehr nach außen dringt. Mit dem DHS-1 und dem mobilen Kopfhörerverstärker/DAC Cayin RU7 sind wir nach Feierabend dann auch im öffentlichen Nahverkehr unterwegs: Das funktioniert ebenfalls gut, unsere alternativ eingesetzten In-Ears haben uns nicht wesentlich besser gegen Außengeräusche abgeschottet.

Der DHS-1 wird in einem hochwertigen Transport-Case geliefert.
Mobileinsatz-Pluspunkte: hohe Schalldruckpegel, geringe Impedanz
Am stationären wie auch am mobilen Kopfhörerverstärker machen sich der hohe Schalldruckpegel und die geringe Impedanz des DHS-1 positiv bemerkbar: Wir können bei der Volume-Regelung jeweils im niedrigen Bereich bleiben, um bereits eine normale Hörlautstärke zu erreichen. Hier erleben wir einen krassen Unterschied zu dem von uns sehr geschätzten, prinzipbedingt aber wirkungsgradschwachen Magnetostat-Kopfhörer Dan Clark E3. So empfiehlt sich der DHS-1 auch aufgrund seines geringen Leistungshungers für den mobilen Einsatz. Um nun das klangliche Können in Ruhe auszuloten zu können, testen wir ihn aber stationär und starten mit der geschlossenen Betriebsweise. Hier verblüfft uns der DHS-1 auf Anhieb: Er klingt wunderbar offen! So ist gleich der Bass, der den Song eröffnet ein mehrfacher Hochgenuss. Lonnie Plaxico spielt ein abfallendes Terz-Motiv mit abgestopptem zweitem Ton – und dieses tiefe Kontra-Oktav-E auf der untersten Saite hat volles Volumen und reichlich Schub. Hier beweist der DHS-1 gleich mal seine Tieftonfähigkeit und Basskraft.

Palma liefert zum Kopfhörer gleich drei Kabel, die hin zum Verstärker mit verschiedenen Steckern konfektioniert sind: ein unsymmetrisches 1,2 Meter langes Kabel mit kleinem Klinkenstecker, ein unsymmetrisches 2,8 Meter langes Kabel mit großem Klinkenstecker und ein symmetrisches 1,2 Meter langes Kabel mit Pentaconn-Stecker. Auch dieser Zubehörreichtum unterstreicht die Hochwertigkeit des Kopfhörers.
Offene Wiedergabe trotz geschlossener Betriebsart
Dabei bleibt aber trotzdem die Drahtigkeit erhalten, die einen Kontrabass auszeichnet: Der Bass ist frei von jenem Verdichtungseffekt, den geschlossene Kopfhörer oft erzeugen. Statt dessen entfaltet sich der Bass wunderbar frei im Raum. Diesen großzügig dimensionierten Raum lernen wir durch das abgestoppte Bass-Motiv ebenfalls sofort kennen: Der Song wurde im Scheunen-artigen Studio C der berühmten New Yorker Bearsville Studios eingespielt – und die Abbildung dieser Ambientes gelingt dem DHS-1 großartig. Er macht die Schallreflexionen und den grundlegenden Rauschteppich dieses Studios, der bei der Aufnahme ebenfalls von den empfindlichen Mikrofone eingefangen worden sind, hörbar. So entsteht bereits jetzt eine immersive Raumwirkung mit einer herrlichen Offenheit und Luftigkeit. Dank der exzellenten Auflösungsfähigkeit hören wir auch jedes Detail von Lonnie Plaxicos Bass-Spiel: das Saiten-Bending, das Finger-auf-die-Saite-Legen zur Tonabdämpfung, der Saiten-Slap mit der Anschlaghand für zusätzlichen perkussiven Groove – wir können regelrecht sehen, wie Lonnie Plaxico seinen Kontrabass bearbeitet.
Wie-echt-Imagination dank superber Dynamik und Detailfülle
Zu dieser Wie-echt-Imagination trägt auch die superbe Dynamik bei: Erst durch die gelungene Lautstärke-Abstufung der Klang- und Geräuschereignisse wirkt eine Wiedergabe lebhaft und lebendig. So entfaltet das links postierte, verhalten einsetzende und dann immer stärker geblasene Kornett seine Wirkung – und so zucken wir zusammen, als nun rechts Chris Whitley mit einem plötzlichen Hieb auf seine Resonator-Gitarre diesem ungewöhnlichen Instrument ein ebenso ungewöhnliches Kuhglocken-artiges Geräusch entlockt. Dabei haben wir seine Gegenwart schon vor seinem ersten Musikton registrieren können: Die empfindlichen Aufnahme-Mikrofonen haben seine Körper- und Gitarrenbewegungsgeräusche aufgezeichnet. Diese Resonator-Gitarre, die zur Klangverstärkung einen Metallkegel statt einer Holzdecke besitzt, fasziniert uns ab nun im gesamten Verlauf des Stückes mit ihrem außergewöhnlich metallischen und trotzdem bluesigen Sound. Schließlich setzt Cassandra Wilson ein: Mit ihrem sonoren, attraktiven und dunkel timbrierten Alt hat sie eine geradezu atemberaubende Präsenz – auch, weil wir jeden noch so zarten Atemhauch und jedes noch so sanfte Stimmvibrato wahrnehmen.

Die Größeneinstellung gelingt über ein Verschieben des Aufhängungs-Gestells.
Klar und transparent, stimmig und homogen
All das erleben wir ohne die bei geschlossenen Kopfhörern ausgeprägtere In-Kopf-Lokalisation. Die fünf Musiker agieren also nicht in unserem Schädel, das Scheunenstudio-Szenario spielt sich vor unserem Kopf ab. Dem DHS-1 gelingen somit gleich mehrere Kunststücke: Er klingt geschlossen wie ein offener Kopfhörer und liefert mit seiner klar-transparenten, hochauflösenden Wiedergabe eine mitreißende Performance – und zwar ohne Überzeichnung: Er ist bei aller dynamischen Spritzigkeit und trotz des brillanten Detailreichtums nicht aggressiv, trotz des kraftvollen Basses nicht Tiefton-überzeichnend, sondern stimmig und homogen. Trotzdem verhält er sich nicht so nüchtern, distanziert und kühl wie der ähnlich Impuls- und Dynamik-freudige Dan Clark-Magnetostat, den wir auch jetzt mal zum Vergleich herangezogen haben. Der DHS-1 verströmt mehr Wärme und Rundheit im Klang, wirkt insgesamt musikalischer – und macht dadurch den Song, der durch die Vielzahl an wahrnehmbaren Ton- und Geräuschereignissen im Grunde ein akustisches Hörspiel ist, schlichtweg spannender und noch unterhaltsamer.
Anderer Modus, gleiche Klangsignatur
Kommen wir nun endlich zur große Frage, die sich seit Beginn des Test stellt: Was passiert, wenn wir den DHS-1 von einem geschlossenen in einen offenen Kopfhörer verwandeln? Zur Beantwortung drehen wir die Verschlussblenden, starten nochmals „Strange Fruit“ – und es passiert: wenig. Wirklich wenig. Palma hält hier Wort: Die Klangsignatur des Kopfhörers bleibt grundsätzlich die gleiche – eben weil der DHS-1 die üblichen tonalen Effekte und Einflüsse des geschlossenen Betriebs vermeidet. Wenn wir genau hinhören, bemerken wir doch kleine Veränderungen: Die Wiedergabe gewinnt abermals an Luftigkeit, auch die Räumlichkeitsabbildung ist großzügiger, die Musiker bekommen noch ein wenig mehr Platz zur Entfaltung. Das ist die von Palma versprochene Veränderung des akustischen Abbild. Das intensivere 3D-Wahrnehmung beruht auch auf einer geringfügig größeren Brillanz. Darüber hinaus wirkt die Wiedergabe noch ein Quäntchen klarer, bis hinein in den Bass, der den letzten Rest an pastelliger Gedämpfheit abgelegt hat und nun noch lebendiger wirkt.

Schneller und einfacher geht’s nicht: Mit einem Dreh an jeder Muschel verwandelt sich der DHS-1 von einem geschlossenen in einen offenen Kopfhörer.
Feine Unterschiede, variierende Wirkung
Wie sieht der Modus-Unterschied bei anderen Musikgenres aus? Im Ganzen bleibt es bei der Klangsignatur-Konstanz, im Einzelnen variiert das Für und Wider – und ist auch Geschmackssache. Bei Trentemøllers Electro-Nummer „Evil Dub“ genießen wir den geringfügig größeren Schub samt druckvollerem Tiefbass im geschlossenen Modus. Doch die unendlichen Weiten der Synthie-Layer und die unzähligen, überall im Raum aufploppenden Sound-Samples sind im offenen Modus beeindruckender. Bei klassischer Orchestermusik ist klar der offener Modus unser Favorit: Bei der Arie „Ove t’aggiri“ aus Pacinis „Stella di Napoli“ hat zwar der Tutti-Einsatz des Orchesters mit satten Pauken im geschlossenen Modus mehr Durchschlagskraft, die Durchhörbarkeit des Klangkörpers genießen wir aber lieber in offener Betriebsweise. Auch die Star-Sopranistin Joyce DiDonato verströmt so noch mehr Esprit und Präsenz. Bei Kammermusik hingegen schätzen wir die etwas konzentriert-konsistentere Abbildung der Musiker der geschlossenen Modus: So spielt das Alan Berg Quartett bei Beethovens F-Dur Streichquartett umso intensiver wie aus einem Guss.

Hier spielt der DHS-1 stationär am Eversolo DAC-Z10. Dank seines hohen Schalldruckpegels sowie seiner geringen Induktivität und Impedanz empfiehlt er sich aber auch für den mobilen Einsatz.
Fazit
Der Audio DHS-1 hält phänomenal, was Palma verspricht: Dieser Kopfhörer kann sowohl offen als auch geschlossen betrieben werden – und ihm gelingt in beiden Modi eine Performance mit gleicher Klangsignatur. Diese bietet durchweg alle Pluspunkte eines offenen Kopfhörers: Die Wiedergabe besitzt eine wunderbare Offenheit, Luftigkeit und Weiträumigkeit. Sie punktet mit hervorragender Klarheit und Transparenz, glänzt mit vorzüglichem Auflösungsvermögen und bietet dadurch einen großartigen Detailreichtum. Dank der hochgradigen impulstreue und Präzision beeindruckt der DHS-1 zudem mit exzellenter Dynamik. Die Sauberkeit reicht bis zum Bass, der frei von Verdichtungseffekten ist und trotzdem mit Tiefgang und Kraft imponiert. Bei aller Konsistenz der Klangsignatur ist die Abbildung im offenen Modus geringfügig weiträumiger sowie luftiger und die Wiedergabe im geschlossenen Modus ein Quäntchen druckvoller. Der Vergleich beider Betriebsarten gelingt im Nu, weil der Wechsel schnell und einfach durch ein Drehen der Ohrmuschabdeckungen gelingt. So ist die Wiedergabe des DHS-1 offen wie geschlossen eine Offenbarung.
Test & Text: Volker Frech
Fotos: Simone Maier
Klasse: Referenzklasse
Preis/Leistung: angemessen
98 of 100
99 of 100
100 of 100

Technische Daten
| Modell: | Palma Audio DHS-1 |
|---|---|
| Produktkategorie: | Kopfhörer |
| Preise: | 2.195,00 € |
| Garantie: | 3 Jahre |
| Ausführungen: | - Gehäuse: Sapieli-Echtholz - Bügel, Polster, Ohrmuschelabdeckung: Schwarz |
| Vertrieb: | AudioNEXT, Essen Tel.: +49 (0)201 9939404 www.audionext.de www.audiodomain.de |
| Gewicht: | - Kopfhörer: 495 g (ohne Kabel) - unsymmetrisches Kabel mit 6,35 mm-Klinkenstecker: 65 kg - unsymmetrisches Kabel mit 3,5 mm-Klinkenstecker: 24 kg - symmetrisches Kabel mit Pentaconn-Stecker: 28 kgkg (mit Kabel) |
| Prinzip: | - elektrodynamische Schallwandlung - offene oder geschlossene Bauweise (konvertierbar) - ohrumschließend (Over-Ear) - beidseitig geführtes Kabel, abnehmbar |
| Treiber: | 50 mm, elektrodynamisch |
| Impedanz: | 32 Ohm |
| Frequenzgang: | - offener Modus: 5 Hz - 30 kHz (Herstellerangabe) - geschlossener Modus: 10 Hz - 30 kHz (Herstellerangabe) |
| Kennschalldruckpegel: | - offener Modus: 102 dB @1 W / 1 m (Herstellerangabe) - geschlossener Modus: 104 dB @1 W / 1 m (Herstellerangabe) |
| Verzerrung: | - offener Modus: 0,06% @1 kHz / 110 dB SPL:(Herstellerangabe) - geschlossener Modus: 0,08% @1 kHz / 110 dB SPL (Herstellerangabe) |
| Anschluss: | 2,5 mm Mono-Klinkenbuchsen für beidseitig geführtes, abnehmbares Kabel |
| Lieferumfang: | - Palma Audio DHS-1 - 1 unsymmetrisches Kabel (2,5 mm Mono-Klinkenstecker auf 3,5 mm Stereo-Klinkenstecker, Länge: 1,2 m) - 1 unsymmetrisches Kabel (2,5 mm Mono-Klinkenstecker auf 6,35 mm Stereo-Klinkenstecker, Länge: 2,8 m) - 1 symmetrisches Kabel (2,5 mm Mono-Klinkenstecker auf 4,4 mm Pentaconn-Stecker, Länge: 1,2 m) - 1 Stoffbeutel für Kopfhörer - 1 Stoffbeutel für Kabel - Transportcase - Bedienungsanleitung (englisch, Spanisch) - Frequenzgang-Messdiagramm |
| Pros und Contras: | + offener und geschlossener Betrieb möglich + einfache und schnelle Änderung der Betriebsart + gleiche Klangsignatur in beiden Betriebsarten + überaus offene, luftige Wiedergabe + weiträumige, immersive 3D-Abbildung + hervorragende Klarheit und Transparenz + ausgezeichnete Plastizität der Darstellung + vorzügliches Auflösungsvermögen + großartiger Detailreichtum + exzellente Dynamik + hochgradige impulstreue und Präzision + tiefreichende, kraftvolle Basswiedergabe + stimmige, runde, musikalische Wiedergabe + hoher Schalldruckpegel und geringe Impedanz für mobilen Betrieb + 3 verschiedene Kabel im Lieferumfang + Kabel sind unempfindlich gegen Mikrofonie-Effekte + edles Design + superbe Material- und Verarbeitungsqualität + hoher Tragekomfort - gute, aber keine komplette Abschottung im geschlossenen Betrieb |
| Benotung: | |
| Klang (60%): | 98/100 |
| Praxis (20%): | 99/100 |
| Ausstattung (20%): | 100/100 |
| Gesamtnote: | 99/100 |
| Klasse: | Referenzklassse |
| Preis/Leistung: | angemessen |
| Getestet mit: | - mobiler Kopfhörerverstärker/DAC: Cayin RU7 - stationäre Kopfhörerverstärker: SPL Phonitor xe, Lehmannaudio Linear - Streaming-Vorstufe: Lumin P1 Mini - Signalkabel: Audioquest Black Beauty XLR, Audioquest Black Beauty XLR - Netzkabel: Audioquest Monsoon - Streaming-Dienst: Qobuz |














































