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12. Mai 2026
von Volker Frech
RedakteurSchlicht und einfach? Von wegen! Die aufgeräumt auftretende Ascendo Live 6 Hummingbird hat es an und in sich: Ihr breitbandiges Koaxial-Chassis agiert wie eine ideale Punktschallquelle, das clevere verborgene Tiefton-System liefert passend einen agil-tiefreichenden Bass, bordeigene Verstärker sorgen für die kraftvolle Performance, der DSP ermöglicht Klangoptimierung und Raumkorrektur – und der zuschaltbare Rear-Tweeter liefert auf Wunsch ein Luftigkeits-Plus. Zu welch audiophiler Exzellenz das führt, zeigt die Live 6 Hummingbird im Test.

Die Ascendo Live 6 Hummingbird präsentiert sich mit ihrem Clean Design als optisch aufgeräumt-dezenter Lautsprecher.
Ascendos neuester Lautsprecher liefert mit seiner Modellbezeichnung gleich zwei Verheißungen: Wenn’s live klingen soll, muss die Wiedergabe wie echt wirken – und das setzt voraus, dass die 63 Kilo wiegende Hummingbird wie ihr 21.000-fach leichterer Namensgeber, der Kolibri, agiert: schnell und präzise, dynamisch und kraftvoll, mühelos und stimmig. Das läuft auf den idealen Lautsprecher hinaus. Ihm ist Ascendo seit drei Jahrzehnten forschend auf der Spur, und die fränkische Manufaktur ist längst auf der richtigen Fährte: Ascendos Entwicklung von Lautsprechern mit hoher Leistungsfähigkeit und perfektem Zeitverhalten wurde vom Bundesforschungsministerium gefördert und vom Land Baden-Württemberg prämiert. Dieses Forschungsprojekt führte zu Technologien, mit denen Ascendo im Heimkino- wie im HiFi-Bereich für Furore sorgt und von denen etwa das AIA Immersive 5.1 System sowie die Aktiv-Lautsprecher Live 15 und D6 Active profitierten, die wir bereits im Test hatten. Auch die Live 6 Hummingbird baut auf diesem Know-how auf, bietet aber maßgebliche Neuerungen.

Das matte Finish ist makellos appliziert und trägt zum klaren Design der Hummingbird bei. Die sanft abgerundeten Ecken und Kanten sorgen für eine noch größere optische Geschmeidigkeit.
Schlanke Klangsäule mit reichlich Volumen
Optisch setzt die Hummingbird die Linie der D6 Active und vor allem der D7 Active fort: Sie präsentiert sich mit ihrem aufgeräumten Design und der dynamischen Schrägung des Korpus als dezente und schlanke Klangsäule. Die Geschmeidigkeit des Auftritts befördern auch die sanft gerundeten Ecken und Kanten sowie die makellose matte Lackierung. Unser Modell ist in Weiß gehalten, alternativ ist die Hummingbird in Schwarz erhältlich – und auf Wunsch auch in einer RAL-Farbe oder sogar als Hochglanzversion mit echtem Klavierlack-Finish. Das gute Design und die gelungene Proportionierung täuschen darüber hinweg, dass dieser Lautsprecher hinter seiner 25 Zentimeter schmalen Schallwand reichlich Volumen bietet: Er ragt 123 Zentimeter in die Höhe und erstreckt sich 47 Zentimeter in die Tiefe. Dieser Korpus besteht speziellem, stark verdichtetem MDF, das Ascendo hier mit einer imposanten Wandstärke von 22 Millimetern verbaut. Die Verstrebungen und die Kammer-Unterteilung im Innern bringen es gar auf 30 Millimeter.

Die Hummingbird im Halbprofil und in der Rückansicht. Hier erkennt man das große Korpusvolumen, das durch die schlanke Front und die gute Proportionierung des Lautsprechers clever kaschiert wird.
Koax-Chassis aus eigener Entwicklung
Dieser massive, fast schon monolithisch anmutende Korpus erfährt nun auf der Front zwei optische Kontrapunkte. Der eine ist das einzig sichtbare Chassis der Hummingbird: ein Koaxial-Treiber. Bei dieser Schallwandler-Art ist der Hochtöner im Zentrum des Mitteltöners positioniert. Die Schallanteile der Chassis werden also vom gleichen Ort abgestrahlt – homogen und zudem zeitrichtig, weil der Hochtöner gegenüber dem Mitteltöner leicht nach hinten versetzt ist. Der Koax agiert also wie eine Ein-Punkt-Quelle – ganz so, wie auch in der Natur jedes Schallereignis, das wir hören, von einem Entstehungspunkt auf unsere Ohren zukommt. Dadurch bietet ein Koax eine sehr kohärente Wiedergabe. Die auf dem Mark erhältlichen Modelle haben dem Ascendo-Anspruch aber nicht mehr genügt – und so hat die Manufaktur zweieinhalb Jahre in die Entwicklung eines eigenen Koax investiert. Dieses 6,5-Zoll-Chassis schallwandelt nun mit einem Seidenkalotten-Hochtöner und einem Kohlefaser-Konusmitteltöner hochauflösend und verzerrungsarm, impulstreu-dynamisch – und ohne die sonst übliche Frequenz-Senke bei zehn Kilohertz.

Das selbstentwickelte Koax-Chassis kombiniert den Hoch- und den Mitteltieftöner. So agiert es als Punkt-Schallquelle und liefert einen homogenen, räumlichen, natürlichen Klang – und das über einen weiten Frequenzbereich, da dieser Koax sehr breitbandig bis hin in den Bassbereich eingesetzt wird.
Woofer-Duo in ausgefuchstem Bass-System
Dazu spielt dieser Koax weit runter bis zu Frequenzgefilden um 100 Herz, also bis hin zum mittleren Bass. Damit agiert das Koax-Chassis also sehr breitbandig. Das wiederum befördert die Homogenität und Natürlichkeit der Wiedergabe, insbesondere bei Stimmen, und sorgt zudem für eine sehr gute Räumlichkeit der Abbildung. Unter diesem Koax sitzt auf der Schallwand nun der zweite optische Kontrapunkt: der Port der Bassreflexabstimmung. Diesen Bass liefern zwei Sechs-Zoll-Woofer, die im Innern des Korpus versteckt sind. Dadurch bleibt das Clean Design der Hummingbird gewahrt. Der eigentliche Sinn ist ein anderer: Die Tieftöner agieren in einem ausgebufften, von Ascendo entwickelten und einst patentierten Bandpass-System. Die Woofer sind, nebeneinanderliegend, in eine horizontale Trennwand eingebaut. Nach oben strahlt das Woofer-Duo in eine Reflexkammer ab, also in ein Gehäuse, das durch den Bassreflexkanal samt Port ventiliert ist. Nach unten schallen die beiden Tieftöner hingegen in eine Druckkammer, also in ein komplett geschlossenes Gehäuse.
Treiber-Trio agiert als Einheit
Damit ist die Hummingbird eigentlich ein geschlossener Lautsprecher und profitiert im Bass vom besseren Impulsverhalten, das geschlossenen Konstruktionen attestiert wird. Die vorderseitige Schallabstrahlung der Tiefton-Chassis wird nun durch die Bassreflexkammer beeinflusst, weil der Schall allein über ihr Bassreflexrohr austreten kann. Dieser Kanal hat eine Filterwirkung, im Zusammenspiel mit beiden Korpus-Kammern ergibt sich ein Bandpass: Er lässt nur Frequenzen in einem definierten Bereich passieren, sperrt also alle höheren und tieferen Frequenzen, die außerhalb dieses definierten Bereichs liegen. Der Bandpass ist nun so berechnet, dass er mit seinem abgestrahlten Bass-Frequenzbereich genau an den Mitteltieftöner vom Koax-Chassis ankoppelt. Die Treiber weisen zudem ein ähnliches Masse/Antriebsverhältnis auf. Dadurch spielen diese drei Treiber quasi wie eine Einheit. Mit dieser ebenso aufwändigen wie ausgefuchsten Lösung gelingt der Hummingbird laut Ascendo eine extrem tiefreichende und impulstreue Basswiedergabe bei konstanten Gruppenlaufzeiten. Das verheißt Präzision und Druck bis runter zu den untersten Frequenzen.

Unter dem Koax ist der frontseitige Bassreflex-Port positioniert. Er ventiliert die obere der beiden Korpuskammern für den Bass. In dieses Bassreflex-Gehäuse strahlen zwei innseitig liegende Tieftöner mit ihren Membran-Vorderseiten. Rückseitig strahlen die beiden Tieftöner hingegen in ein geschlossenes Gehäuse. Zusammen ergibt das ein komplexes Bandpass-System.
Zuschaltbarer Dipol-Hochtöner
Zusätzlich zum frontalen Koax und zum versteckten Woofer-Duo besitzt die Hummingbird auf ihrer Rückseite nun noch einen zweiten Tweeter. Hier hat sich Ascendo für einen Magnetostaten entschieden: Die Schallwandlung übernimmt also eine extrem leichte Folie, die ungemein agil und darum überaus impulstreu agiert. Dieser Hochtöner ist zu- oder abschaltbar. Wer ihn aktiviert, erreicht ab den mittleren Höhen einen Dipol-Effekt: Zum Direktschall des vorderseitigen Koax-Hochtöners kommt nun noch der indirekte Schall des rückseitig abstrahlenden Tweeters. Das erhöht den Diffusschall-Anteil in den oberen Oktaven. Akustisch bewirkt das eine gesteigerte Räumlichkeit und eine noch größere Luftigkeit der Wiedergabe. Dies zahlt sich gerade in einem Ambiente aus, in dem der Höhenanteil stark bedämpft ist, sorgt aber generell für leichtes Frische-Plus. Bei der Hummingbird kann man mithilfe des Wahlschalters nun sogar noch die Phase dieses rückseitigen Hochtons umdrehen: Je nach Wandabstand des Lautsprechers entfaltet der Zusatz-Tweeters invertiert oder nichtinvertiert mehr Effekt.

Der rückseitige Tweeter ist zu- oder abschaltbar. Mit ihm ergibt sich im Hochton ein Dipol, was der Wiedergabe noch mehr Luftigkeit und Weiträumigkeit verleiht. Dafür eignet sich bestens ein Magnetostat, weil er mit einer massarmen, agilen Membran sehr impulstreu schallwandelt.
Bereits an Bord: High End-Verstärker …
Als Aktiv-Lautsprecher hat die Hummingbird die Audio-Verstärker bereits an Bord. Das ist vorteilhaft, weil so eine stimmig auf die Chassis angepasste und abgestimmte Amplifizierungs-Elektronik für die Signalkräftigung sorgt. Ascendo setzt hier auf eine selbstentwickelte Verstärkertechnik, die in allen Aktiv-Lautsprechern der Franken eingesetzt wird und aufgrund ihrer Qualität auch seit geraumer Zeit als eigenständige Endstufen-Elektronik für passive Lautsprecher angeboten wird. In jeder Hummingbird sitzen, nach einer ebenfalls selbst entwickelten und gebauten Vorstufe, zwei diskrete physische Endstufen, die mit exzellenten Class-D-Verstärkern agieren. Die eine liefert für den Koax im Hochton 400 Watt und im Mittelton 800 Watt, die andere ist ausschließlich für den Tiefton zuständig und stellt hier gebrückt bis zu 2.500 Watt zur Verfügung. Das ergibt zusammen eine allersatteste Gesamtleistung von 3.700 Watt – für jede einzelne Hummingbird! Diese enorme Leistungsfähigkeit ist die Voraussetzung für eine kraftvoll-souveräne, sauber-verzerrungsarme und dynamisch-agile Wiedergabe.
… und Soundprozessor für Raumkorrektur und Klanganpassung
Damit diese pure Power auch optimal ein- und umgesetzt wird, paart Ascendo die High End-Hochleistungsverstärker mit einer ausgefeilten DSP-Steuerung. Diese Speaker-Management Technologie ermöglicht eine Laufzeitanpassung, sodass die Chassis ohne Zeitversatz agieren und ihr Schall am Hörplatz ein stimmiges ganzes ergibt. Zudem ermöglicht das Soundprocessing im Verbund mit einer selbstentwickelten Audio-Software eine Frequenzgang-Optimierung: Die Chassis lassen sich so aufeinander abstimmen und in den Überlappungsbereichen anpassen, dass sie auch in dem Raum, in dem die Hummingbird spielt, wie ein einziger Breitbänder agieren und ein homogener Klang entsteht. Das Zimmer hat nämlich durch seine Geometrie, seine Bausubstanz und seine Einrichtung entscheidenden Einfluss auf den Klang: Durch das Ambiente kann die Wiedergabe akustisch hell bis grell oder muffig-matt ausfallen, manche Bassfrequenzen werden durch sogenannte Raum-Moden überbetont oder sind unterrepräsentiert. Diese Defizite lassen sich nun ausgleichen.

Das Mikrofon für die Einmessung. Mit ihr erreicht die Hummingbird ihre optimale Performance. Dabei wird jeder einzelne Lautsprecher an den Raum und den genauen Standort im Zimmer angepasst. So lassen sich Defizite des Raums ausgleichen – und so kann die Hummingbird in jedem Ambiente schallwandeln.
Einmessung vor Ort
Dafür wird der Raum des Kunden durch einen Fachhändler oder Ascendo-Mitarbeiter vermessen. Das vollführt bei uns Produktionsleiter Michael Rissling mithilfe der Ascendo-Software „Room Tool“, einem Mess-Mikrofon – und viel Know-how. Über die Lautsprecher wird ein Frequenz-Sweep wiedergegeben: ein Ton, der bei den tiefsten Bässen starten und dann zu höchsten Höhen strebt. Diesen Frequenz-Sweep nimmt das Mikrofon auf, das im Raum am Hörplatz positioniert ist. Die Software wertet die aufgenommenen Audio-Daten aus und zeigt Frequenzgang und Wiedergabeverhalten an. Diese Einmessung führt Rissling für jeden Treiber getrennt durch, also separat für Hoch-, Mittel und Tiefton, aber auch immer wieder für den ganzen Lautsprecher. So kann Rissling zuerst die Chassis optimal aufeinander abstimmen, also die Frequenzweiche gestalten. Zum zweiten werden die Einflüsse des Raums minimiert, also Frequenzberge oder -täler nivelliert. So ist die Hummingbird, wie alle Aktiv-Lautsprecher von Ascendo, an jeden Raum anpassbar und spielt selbst in einer ungünstigen Aufstellung.
Aufwändige Anpassung
Bei der Einmessung werden nämlich auch beide Lautsprecher einzeln behandelt: Nachdem der linke Lautsprecher, der seitlich hin zu einer Fensterfront positioniert ist, eingemessen und seine Frequenzweiche optimiert ist, werden diese Daten zum rechten Lautsprecher übertragen. Er grenzt seitlich aber an eine Wand und ein Regal. Aufgrund dieses Ambiente-Unterschieds agiert er mit und in dem Raum anders – und bedarf deshalb einer eigenen Anpassung. Erst nachdem beide Lautsprecher nicht nur jeder für sich, sondern auch als Paar homogen und stimmig spielen, ist die Raumeinmessung abgeschlossen. Nach einer Über-Nacht-Einspielzeit erfolgt Tags darauf die Feinjustierung: Die abermaligen Messungen zeigen, dass sich leichte Veränderungen ergeben haben. Sie werden nun korrigiert. Überdies wird nun noch in einer Hörsession der Klang behutsamen angepasst – um gegebenenfalls eine noch bessere Sprachverständlichkeit zu erzielen, aber auch, um generell auf das Klangideal des Kunden einzugehen. Dank dieses insgesamt aufwändigen Verfahrens kann die Hummingbird nun ihr Potenzial vollends ausspielen.

Das Terminal der Hummingbird. Oben ist der Schalter für den Dipol-Hochtöner platziert. Unten stehen zum Anschluss einer Analog-Quelle zwei symmetrische XLR-Inputs parat. Der zweite Input kann beispielsweise als „Kino-Eingang“ genutzt werden, wenn man fürs Home Cinema-Event einen AV-Receiver anschließen muss, weil der eigentliche Zuspieler keine Kino-Schleife besitzt. Einen digitalen Audio-Eingang besitzt die Hummingbird nicht. Die drei RJ45-Ports dienen allein der Programmierung und der Verbindung der Lautsprecher untereinander. Diese Daisy-Chain-Lösung ermöglicht auch die Einbindung eines Centers, wenn man die Lautsprecher für den Heimkino-Betrieb nutzt.
Die Ascendo Live 6 Hummingbird in der Praxis
In unserem Hörraum stehen die beiden Lautsprecher gut 2,60 Meter auseinander, haben einen Wandabstand von 35 Zentimetern und eine Distanz zum Sofa von 2,70 Metern. Als Quelle setzen wir den Lumin P2 ein und streamen via Qobuz „Slinky Thing“ von Donald Fagen. Der ehemalige Mastermind von Steely Dan hat hier mit seiner Band eine lässig-funkige Jazzrock-Nummer eingespielt – und die Hummingbird glänzt gleich ab dem ersten Takt der Musik mit exzellenter Darstellung und Durchhörbarkeit. Den Song startet ein instrumentales Quintett, das bestens positioniert auf der imaginären Bühne steht: Hinten zentral Drummer Earl Cooke Jr., davor Bassist Joe Martin, links Gitarrist John Herington, rechts Michael Leonhart am Keyboard, mittig dann Fagen mit kurzen gedämpften Synthesizer-Einwürfen. Diese superbe und großzügige räumliche Breiten- und Tiefenstaffelung bietet im Verbund mit der offenen, luftigen Wiedergabe jedem Musiker völligen Freiraum. Zudem ist die Performance der Hummingbird derart sauber, klar und transparent, dass wir jede Feinheit registrieren.
Mächtige Leichtigkeit
Das beginnt bei den knackig-präzisen Drums: Die Hi-Hat ist mit einer derartigen Crispheit zu vernehmen, dass wir fasziniert verfolgen, wie Earl Cooke die zumeist geschlossenen Doppelbecken immer wieder für einzelne Beats öffnet und so den Groove unterstützt. Ihn befördern aber auch die Bassdrum mit sattem, aber megatrockenem Punch und die Snare, sich souverän durchsetzt, obwohl Cooke sie nur moderat anschlägt. Bei diesen Drumset erleben wir auch schon die tolle Dynamikfähigkeit der Hummingbird. Für den Groove sorgt aber ebenso der Bass: Joe Martin spielt ein variierendes Fünf-Ton-Motiv mit markanten Stopps und Pausen, liefert damit ein volles Fundament, lässt den anderen Instrumenten trotzdem viel Luft – und zeigt zugleich mit dem großen Ton-Ambitus des Motivs die charakteristischen Klangcharaktere des Kontrabasses von drahtig-knurrend in den tiefen Regionen bis singend-näselnd in den hohen Lagen. Die Hummingbird präsentiert uns diesen Bass mit mächtiger Leichtigkeit: druckvoll, schubstark und tiefreichend, zugleich aber absolut aufgeräumt, konturiert und trockenen.

Den Hochton liefert eine Seidenkalotte, den Mitteltiefton ein Kohlefaser-Konus. Die ihn einfassende Sicke besteht aus beschichtetem Gewebe. Die Schrauben, mit denen das Chassis im Gehäuse fixiert ist, bestehen aus nichtmagnetischem Stahl. Auch die sonstigen Metallteile im und am Korpus sind – bis auf die Bodenplatte des Fußes – nichtmagnetisch, um das Entstehen jeglicher fremder Magnetfelder zu verhindern.
Durchhörbarkeit und Gegenwärtigkeit
Dabei hören wir über den reinen Ton hinaus auch die Anzupf- und Spielgeräusche: Sie sind wichtig, denn sie vermitteln uns das Gefühl, dass Joe Martin wirklich und livehaftig sein Instrument spielt. Wir nehmen so auch das Materialität dieses Instruments wahr: Der typische Klang von dicken, metallumsponnenen Saiten sowie das Resonieren der Töne dank des Holzes von Hals und Hohlkorpus lassen uns das Instrument sofort als Kontrabass erkennen. Diese Durchhörbarkeit und Gegenwärtigkeit erleben wir auch bei den anderen Instrumenten: Bei John Heringtons E-Gitarre genießen wir den tollen Wha-Wha-Effekt, mit dem der Saiten-Meister seine Einwürfe veredelt, bei den Keyboards baden wir in Michael Leonharts herrlich silbrigem Sound, der sein Tasteninstrument sofort als Clavinet ausweist. Diese Präsenz und Transparenz bleiben auch im weiteren Verlauf des Songs erhalten, obwohl insgesamt elf Musiker mitwirken – darunter eine komplette Bläsersektion und ein Background-Chor. Trotz des mitunter sehr dichten Satzes bleiben selbst zarteste Details heraushörbar.
Absolute Aufgeräumtheit
So folgen wir fasziniert etwa dem allmählichen Ausklingen des Ride-Beckens, bei dem das schwingende Metall stetig die Klangfarbe ändert. Auch das Vibraphon mit seinen glockigen, fast sphärischen Tönen ist eine Attraktion. Diese schwebend-vibrierenden Töne können schnell zu einem Klangmatsch führen und andere Instrumente verunklaren, doch die Hummingbird bewahrt auch hier die absolute Aufgeräumtheit. Ins Grinsen kommen wir dann beim Chorgesang: Hier können wir selbst die Mittelstimmen heraushören und so verstehen, welche ausgebuffen Stimmverläufe und sich daraus ergebende Harmonien Fagen hier einkomponiert hat. Wenn man Musik völlig versteht, macht sie gleich doppelt Spaß – und die Hummingbird macht’s möglich. Sie meistert auch den kniffligen Lead-Gesang: Fagen hat einen leichten S-Fehler und doppelt seine Gesangsspuren. Dadurch wirkt seine Stimme in manchen Wiedergaben ein wenig schemenhaft. Der Hummingbird gelingt es mit ihrer Auflösungsfähigkeit, Präzision und Stimmigkeit aber, dieser Stimme einen Körper zu geben: Fagen steht als Frontmann aus Fleisch und Blut vor uns.

Das Firmenlogo ist aufwändig in eine eloxierte Aluminium-Platte gefräst, die wie eine Intarsie in den Korpus eingelegt ist. Dieser Korpus ruht auf einer etwas kleiner dimensionierten MDF-Platte. Zur Vibrationsminimierung ist eine dämpfende Trennschicht eingezogen. Zuunterst folgt die großflächige Bodenplatte. Sie besteht aus 16 Millimeter dickem, hochfestem Werkzeugstahl. Die Ankopplung an den Boden übernehmen ebenfalls dämpfende, passen gedrehte Füße und Konterstücke aus dem schwingungsbsorbierenden Werkstoff Polyamid6.
Stimmigkeit durch Präzision und Homogenität
Je länger wir diese Nummer genießen, desto mehr fällt uns eben diese Stimmigkeit auf: Die Musiker spielen absolut auf den Punkt, sie agieren als Einheit, und mit dieser Präzision und Homogenität stellt uns die Hummingbird die ganze Band auch in den Raum. Dies wirkt sich auch auf die Vitalität der Wiedergabe aus: Ein Zeitversatz zwischen den Chassis eines Lautsprechers führt nicht nur zu einer Minderung der Klarheit, sondern auch zu einem Verlust an Frische. Und so strotzen Fagen und sein Cracks hier geradezu vor Lebendigkeit. Schnell stellen wir zudem fest, dass die Musik gar nicht in unserem Zimmer stattfindet: Dank der tollen Auflösungsfähigkeit und dem Detailreichtum der Hummingbird registrieren wir über die Stimmen und Instrumente hinaus auch die Akustik des Aufnahmeraums, in dem sie aufgenommen wurden. Wir hören „Slinky Thing“ nicht in unserem Ambiente, sondern sind dank der Abbildungskraft der Hummingbird bei den Musikern im Studio.
Performance-Plus durch Zusatz-Tweeter
Dabei haben wir bis jetzt noch nicht einmal den zusätzlichen Tweeter eingesetzt. Den aktivieren wir jetzt – und ja: So bekommt die Performance einen Push hin zu noch größerer Luftigkeit, Leichtigkeit, Frische und Räumlichkeit. Die Veränderung ist aber selbst in der bei uns wirksameren gegenphasigen Schalterstellung moderat – und das ist auch gut so: Der Effekt soll ja nicht überwiegen. Dieses Performance-Plus behalten wir auch bei, um mit der Hummingbird nun Musik verschiedenster Genres zu hören – und dabei alle Pluspunkte bestätigt zu finden. Beim „Arabian Desert Groove“ begeistert sie uns zuerst mit ihrer dynamischen Fulminanz: Schlagzeug-Großmeister Charly Antolini zeigt uns hier ein perfekt intoniertes Schlagzeug, das uns mit seinem ansatzlosen Attack gleich zu Beginn zusammenzucken lässt. Diese Power, Perkussivität und physische Präsenz hat ein Schlagzeug in der Realität! Gleich darauf massiert uns der mördertiefe E-Bass von Wolfgang Schmid den Magen – und trotzdem bleibt die Wiedergabe absolut aufgeräumt.

Der in das Metall gefräste Kolibri ziert die Hummingbird rückseitig. Die Abdeckung, die den Zugang zu den Tieftönern kaschiert ist hochgradig vibrationsresistent: Sie besteht eigentlich aus zwei Acht-Millimeter-Aluminium-Platten mit dazwischen eingezogener Dämpfungsschicht.
Klarer Klangkosmos
So ist auch Electronica Marke Trentemøller ein Fest: Bei „Evil Dub“ schweben trotz heftiger und schwerer Subbass-Beats die Sound-Layer, die der Däne darüber kunstvoll schichtet, völlig ätherisch und schwerelos. Auf ihnen wiederum entfaltet sich ein Universum aus flirrenden Samples, die an verschiedensten Stellen im Raum aufploppen und wieder verschwinden: Dieses Fiepsen, Knistern, Knarze samt der aus Stimmen und Wortfetzen bestehende Samples tragen dazu bei, uns immersiv in diesen klaren Klangkosmos einzuhüllen – was die Hummingbird mit ihrer exzellenten Räumlichkeit bestens befördert. So bereitet sie uns auch einen wunderbaren Abend in der Oper: Nadine Sierra singt die Wahnsinnsszene „O giusto cielo! … Il dolce suono“ aus Gaetano Donizettis Oper „Lucia di Lammermoor“. Die Eröffnung der Arie übernimmt das Orchester – und wir sitzen sofort im Turiner Auditorium Toscanini RAI, weil die Saalatmosphäre von den Aufnahmemikrofonen eingefangen wurde und die Hummingbird die Schallreflexionen des Konzertsaals wiedergibt.
Immersive Abbildungskraft
Diese Abbildungskraft setzt sich beim Bühnengeschehen fort: Wir hören im Orchester bei den Streichern jeden Bogenstrich, auch beim nun intonierenden Chor können wir die Sänger klar verorten. So sind Orchester und Chor als dreidimensionale Klangkörper und Sängerverbund wahrnehmbar – und eben nicht als platt-amorphe Klangkulisse. Davor setzt nun Nadine Sierra ein – und beweist mit traumhafter Gegenwärtigkeit und Ausstrahlung, warum sie für ihre attraktive Stimme und ihre makellose Technik gefeiert wird. Mit warmem Timbre und herrlichem Schmelz erinnert sie sich als langsam wahnsinnig werdende Lucia an ihren geliebten Edgardo. Wir nehmen dabei jede Stimmwendung und jeden vokalen Kunstgriff vom Glissando bis zum Vibrato wahr, ebenso ihre Bewegungsgeräusche, weil die Sopranistin sich bei ihrem Vortrag leicht nach vorn, nach hinten und zu den Seiten bewegt – und selbst Sierras zarte Atmer vor jedem Gesangseinsatz. So erleben wir einen glanzvollen Opernabend im prachtvollen Turiner Theater.

Die Ascendo Live 6 Hummingbird im Hörraum: Hier spielt der Aktivlautsprecher mit dem Streaming-DAC Lumin P2 – und das ergibt bereits eine komplette Klangkette.
Fazit
Die aufgeräumt auftretende Ascendo Live 6 Hummingbird liefert eine ebenso aufgeräumte Performance in audiophiler Exzellenz. Dafür sorgen das als breitbandige Punkt-Schallquelle agierende Koax-Chassis, das passend anschließende komplexe Tiefton-System und die kraftvollen High End-Hochleistungsverstärker samt DSP-Einheit. Durch das Soundprocessing wird die eh schon auf Stimmigkeit hin entwickelte Hummingbird per Einmessung im Raum abermals optimiert und auf das Ambiente hin angepasst. Als Ergebnis bietet dieser Drei-Wege-Lautsprecher eine immens klare und transparente Performance mit herausragender Durchhörbarkeit. Er spielt dabei ungemein homogen, stimmig und natürlich. Die Wiedergabe glänzt durch herrliche Offenheit und Luftigkeit. Der Hummingbird gelingt eine superbe Abbildung mit immersiver räumlicher Darstellung und großzügiger Breiten- und Tiefenstaffelung der imaginierten Bühne. Dazu imponiert sie mit vitaler Frische und fulminanter Dynamik. Die Aufgeräumtheit verdankt sich ebenso dem druckvoll-schubstarken, tiefreichenden, zugleich akkurat-konturierten Bass. Der zuschaltbarer Dipol-Hochtöner ermöglich schließlich ein Plus an Luftigkeit und Räumlichkeit. Mit all diesen Highlights sorgt die Live 6 Hummingbird für klarste Klang-Exzellenz.
Test & Text: Volker Frech
Fotos: Simone Maier
Klasse: Referenzklasse
Preis/Leistung: sehr gut
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Technische Daten
| Modell: | Ascendo Live 6 Hummingbird |
|---|---|
| Produktkategorie: | Standlautsprecher |
| Preise: | - 25.000,00 € / Paar (Standard-Version in Mattschwarz oder Mattweiß) - Mattlackierung in RAL-Farbton: gg. Aufpreis, auf Anfrage - Klavierlack: gg, Aufpreis, auf Anfrage |
| Garantie: | 2 Jahre für Elektronik / 5 Jahre für Treiber (für den Erstbesitzer) |
| Ausführungen: | - Mattlack Schwarz - Mattlack Weiß - Mattlack RAL - Klavierlack |
| Vertrieb: | ASCENDO Immersive Audio GmbH, Heilsbronn Tel.: +49 721 95139929 www.ascendo.de |
| Abmessungen (HBT): | 1.230 x 245 x 465 mm |
| Gewicht: | 63 kg / Stück |
| Bauart: | 3 Wege, aktiv, Bandpass (Bassreflex/Druckkammer-Kombination) |
| Koaxial-Chassis: | - Hochtöner: 1 x 25 mm (Kalotte, Seidenmembran) - Mitteltöner: 1 x 170 mm (Konus, Kohlefasermembran) |
| TOS-Hochtöner: | 1 x Magnetotstat (ca. 51 x 26 mm) |
| Tieftöner: | 2 x 152 mm (Konus, Papiermembran) |
| Frequenzbereich: | 20 - 35.000 Hz (Herstellerangabe) |
| Trennfrequenzen: | variabel anpassbar, ca. 100 Hz / ca. 1.200 Hz |
| Eingänge/Schnittstellen: | 2 x analog (symmetrisch, XLR) 3 x digital (RJ45) für Service, Programmierung und Signaldatenweiterleitung via Daisy-Chain |
| Lieferumfang: | - Ascendo Live 6 Hummingbird - Netzwerk-Kabel - Netzkabel - Abdeckungen (schwarz, magnetisch haftend) - Einmessung und Raumkorrektur vor Ort |
| Pros und Contras: | + exzellente Durchhörbarkeit selbst bei hohen Pegeln + saubere, klare und transparente Performance + ungemein homogene, stimmige, natürliche Wiedergabe + hohe Auflösungsfähigkeit mit großem Detailreichtum + herrliche Offenheit und Luftigkeit + herausragende Präsenz und Plastizität von Stimmen und Instrumenten + superbe Abbildung mit immersiver räumlicher Darstellung + großzügige Breiten- und Tiefenstaffelung + hochgradige Präzision + fulminante Dynamik + druckvoll-schubstarker, tiefreichender und zugleich akkurat-konturierter Bass + zuschaltbarer Dipol-Hochtöner für größere Luftigkeit und Räumlichkeit + Einmessung vor Ort und Anpassung an den Hörraum (Raumakustik-Korrektur) - keine Schnittstelle für digitale Audio-Zuspielung |
| Benotung: | |
| Klang (60%): | 98/100 |
| Praxis (20%): | 98/100 |
| Ausstattung (20%): | 99/100 |
| Gesamtnote: | 98/100 |
| Klasse: | Referenzklasse |
| Preis/Leistung: | sehr gut |
| Getestet mit: | - Streaming-DAC: Lumin P2 - Signalkabel: High End Masterclass - Netzkabel: High End Masterclass - Musik-Steamingdienst: Qobuz |








































