Home » Tests » Gauder Akustik Capello 80 DV – Präzisionswunder mit pfiffiger Raumanpassung
7. Mai 2026
von Volker Frech
RedakteurInnovation in nuce: In der Capello 80 DV konzentriert Gauder die fundamentalen Finessen und das aktuelle Know-how der schwäbischen Manufaktur. Der Standlautsprecher punktet mit Hochton-Zeitkorrektur, Raumanpassung per Bass Control und Bass Extension sowie symmetrischer Weiche samt steilflankigen Filtern, paart die feinen Features mit komplett neuen Treibern und packt die geballte Technologie in ein edel-elegantes Gehäuse. In der Capello 80 DV treffen diese Delikatessen nun auf ein 2,5-Wege-Design. Wie sie klingt, zeigt unser Test.

Die Gauder Capello 80 DV präsentiert sich als edel-elegante Klangsäule und strahlt bereits optisch ihre Hochwertigkeit aus.
Gauder Akustik gehört seit fast drei Dekaden zum deutschen Schallwandler-Adel: Mastermind Roland Gauder entwickelte und fertigte seine Lautsprecher ab 1997 zuerst im Zeichen der Traditionsmarke Isophon, um seine Arbeit ab 2013 unter eigenem Namen fortzusetzen. Der Spirit ist der gleiche geblieben: Gauder setzt als Doktor der Physik bei allen Aspekten der Lautsprechertechnik konsequent auf naturwissenschaftlich-mathematisch basierte Lösungen – und so sind Gauder-Schallwandler berühmt für ihre akustische Akkuratesse und Präzision. Dieser Anspruch gilt auch für die Herstellung: Gauder Akustik baut als Manufaktur mit eigener Schreinerei und Lackiererei die Lautsprecher im eigenen Haus auf höchstem Fertigungs- und Materialniveau – und was im eigenen Werk im schwäbischen Renningen nicht machbar ist, wird in Kooperation mit ausgesuchten Spezialisten produziert. All das trifft auch auf die Capello 80 DV zu, die alle grundlegenden und aktuellen Gauder-Innovationen mitbringt und nun zu Gast beim lite-Magazin ist.

Der Standlautsprecher punktet mit perfekten Proportionen, einer ebenso geschmeidigen wie markant geschwungenen Tropfenform und einer superben Hochglanz-Lackierung.
Edel-elegante Klangsäule
In unserer Redaktion zieht der bildschöne Standlautsprecher gleich die Blicke auf sich: Die Capello 80 DV präsentiert sich als edel-elegante Klangsäule. Der gut ein Meter aufragende, 28 Zentimeter breite und 34 Zentimeter tiefe Korpus hat die Gauder-typische Tropfenform, die sich mit markant geschwungenen Wangen nach hinten stark verjüngt. Dieses gerundete Design minimiert Schallreflexionen im Gehäuse und maximiert die Steifheit und Robustheit. Zur mechanischen Stabilität und zur akustischen Stilstellung tragen ebenso die mehrschichtige Korpus-Konstruktion mit Sandfüllung sowie zwei zusätzlich eingezogene Versteifungsbretter bei – wie auch die starke Bedämpfung der geschlossenen Mittelton-Gehäusekammer. All dies ist im Innern verborgen. Sichtbar ist hingegen die saubere Lackierung: Die Capello 80 DV ist mit einem strahlend weißen Klavierlack veredelt. Dieses herrliche High Gloss-Finish wird ausnahmsweise von einer Klavierbaufirma appliziert, weil sich der Hochglanz-Lack nicht mit dem sonst bei Gauder verwendeten Mattlack verträgt und eine eigene Produktionshalle erfordern würde.
Design-Alternativen und Double Vision-Version
Als farbliche Finish-Alternative bietet Gauder die Capello 80 DV in schwarzem Klavierlack an. Der Korpus kann aber ebenso mit Echtholzfurnier bekleidet werden – etwa Olive, Walnuss oder Palisander. Über diese Anmutungs-Entscheidung hinaus hat der Kunde die Wahl zwischen zwei Varianten: Neben der knapp 10.000 Euro kostenden Standard-Ausführung gibt es gegen einen Aufpreis von 2.000 Euro die DV-Version, in der die Capello 80 auch bei uns auftritt: Diese „Double Vision“-Version ist mit noch feiner selektierte Bauteilen bestückt, hochwertiger sind auch die Innenverkabelung mit den von Gauder hergestellten Clearwater-Kabeln und die WBT-Anschlussklemmen, deren Kurzschluss-Brücken nun rhodiniert statt vergoldet sind. Diese getunte DV-Version liefert laut Gauder eine noch feinere und räumlichere Wiedergabe und wird wegen des deutlichen Performance-Plus als lohnende Investition empfohlen. Hierfür muss man sich aber gleich beim Kauf entscheiden: Die Änderungen für die Double Vision-Version sind so aufwendig, dass ein nachträgliches Upgrade nicht möglich ist.

Frontal zeigt die Capello 80 DV ihre aufragende Schlankheit, seitlich und hinten präsentiert sie dann ihre geschwungene Eleganz – und zu allen Seiten glänzt sie mit einem sauber appliziertem Klavierlack.
2,5 Wege für Exzellenz und Effizienz
Unveränderlich ist die Bauweise als 2,5-Wege-Lautspecher. Dieses Prinzip ermöglicht eine exzellente Klangqualität bei hoher Effizienz und Leistungsfähigkeit. Hierfür sorgt ein Woofer-Teamwork: Unterhalb eines Hochtöners kooperieren ein Mitteltieftöner und ein Tieftöner, der nur im Bassbereich mitspielt und ab einer bestimmten Frequenz allmählich aussteigt. Weil für den Bass die doppelte Membranfläche zur Verfügung steht, erzielt man im Tiefton mehr Pegel und größeren Tiefgang. Und weil der Mitteltieftöner alle Frequenzen bis zum Hochtonbereich übernimmt, erreicht die Zweieinhalb-Wege-Lösung eine ähnliche Homogenität wie ein Zwei-Wege-System. Damit die Zweieinhalb-Wege-Lösung funktioniert, setzt Gauder auf verschiedene Woofer und ebenso auf verschiedene Volumina, auf die diese Woofer spielen: Der Mitteltieftöner agiert in einem eigenen geschlossenen Gehäuse, der Tieftöner hingegen arbeitet in einem ventilierten Volumen, also einem Bassreflex-Gehäuse. Der Port, über den die Bassreflexabstimmung vorgenommen wird und der Austritt des Luftstroms geschieht, wurde in die Gehäuseunterseite integriert. Das ist optisch und auffällig und ermöglicht akustisch eine gleichmäßige Abstrahlung.
Agiler Mitteltieftöner
Auf der Schallwand sind der Mitteltieftöner und der Tieftöner direkt untereinander platziert und erst einmal nicht voneinander zu unterscheiden. Kein Wunder: Im Prinzip handelt es sich um den gleichen Woofer – allerdings in zwei verschiedenen Ausführungen. Das 17-Zentimeter durchmessende „XPulse-Chassis“ ist eine neue Eigenentwicklung: Statt der zuvor bei Gauder favorisierten Keramik-Kalotte schwingt hier nun eine mattschwarze Membran aus leichtem, zugleich aber sehr verwindungssteifen Aluminium, das durch eine rückseitige Polymer-Beschichtung bedämpft ist. Diese Membran kann aufgrund ihrer Beschaffenheit ohne akustische Zickigkeiten weiter hinauf spielen als das frühere Keramik-Modell. So agiert der Mitteltieftöner der Capello 80 DV rauf bis zu sehr hohen 3,5 Kilohertz. Dafür ist aber auch eine passende Motorisierung nötig. Deshalb ist die Mitteltiefton-Version dieses Chassis mit einem extrem starken Antrieb ausgerüstet. Er ermöglicht mit seinem Beschleunigungsvermögen das Schnell-Schwingen der Membran und damit die hohe Auflösung und Impulstreue, die für Gauder das oberste Entwicklungskriterium ist.

Für Mitten und Bässe kommt der gleiche neue XPulse-Woofer mit schwarzer Alu-Membran zum Zuge – allerdings in verschiedenen Ausführungen, die an den Aufgabenbereich angepasst sind: Oben spielt der Mittetieftöner mit leichterer Membran und kräftigerem Antrieb auf ein geschlossenes Gehäuse-Volumen. Unten agiert der nur im Bass unterstützende Tieftöner mit schwererer Membran und schwächerem Antrieb innerhalb eines Bassreflex-Gehäuses.
Bass-Spezialist für die Tiefton-Unterstützung
Im Tiefton kommt dieses XPulse-Chassis nun in einer anderen Ausführung zum Zug. Für den Bass muss die Membran-Masse größer sein, um eine tiefere Resonanzfrequenz zu erreichen. Sie bestimmt, ab welcher Frequenz das Chassis Schall abstrahlt. Neben der schwereren Membran besitzt die Tieftöner-Variante einen schwächeren Antrieb mit kleineren Magneten. Dies verhindert eine zu hohe elektrische Dämpfung, die die Resonanzfrequenz nach oben treibt, wenn das Chassis eingebaut ist. Ein schwächerer Magnet ermöglicht also die Schallwandlung tiefster Frequenzen. Anders herum: Mit starkem Magnet macht eine Box keinen Bass, er ist die teuerste Möglichkeit, eine Basswiedergabe zu verhindern. Die Tiefton-Version des XPulse-Chassis unterstützt den Mtteltieftöner in der Capello 80 DV nun allein im untersten Frequenzbereich, der bei 35 Hertz beginnt. Der Tieftöner klinkt sich dann bei 144 Herz aus – also bei einer Gauder-typisch sehr niedrige Übergangsfrequenz. Dies sorgt zusammen mit der Breitbandigkeit des Mitteltieftöners für eine homogene Wiedergabe.
Schneller Tweeter mit sanftem Timbre
Über den neuen Konus-Woofern thront nun ein ebenso frischer Kalotten-Tweeter: Hier kommt ein handselektierter hochauflösender Hochtöner zum Einsatz, den Gauder in Zusammenarbeit mit einem saarländischen Schallwandler-Spezialisten entwickelt hat und auch dort fertigen lässt. In der Capello 80 DV wird standardmäßig eine Version mit geringgewichtiger, 25 Millimeter durchmessender Aluminium-Kalotte eingebaut. Als auch nachrüstbares Upgrade ist hier eine noch leichtere Variante mit Beryllium-Membran möglich. Doch schon der Alu-Ausführung attestiert Gauder eine impulstreue Schallwandlung mit hartem Attack – aber sanftem Timbre. Dies liegt auch am Antrieb mit neuer Spezial-Schwingspule: Dank einer besonderen Wickelmethode, die eine extra hierfür konstruierte Maschine ermöglicht, ist die Schwingspule extrem klein und leicht. Durch ein neuartiges Klebeverfahren wird die Spule beim Aufwickeln nicht nicht deformiert und bleibt perfekt rund. Dank dieser Präzision kann der Luftspalt im Antrieb kleiner ausfallen. Dies erhöht die magnetische Kraft, damit die Beschleunigungsfähigkeit – und somit die Auflösungsfähigkeit des Hochtöners bei zugleich reduzierten Verzerrungen.

Den Hochton schallwandelt eine neue 25 Millimeter durchmessender Aluminium-Kalotte. Zum Schutz der empfindlichen Membran sitzt der Tweeter hinter Gittern.
Hochton-Verzögerung für stimmiges Zusammenspiel
Ein Hochtöner ist seinen Mitspielern in den Mitten und Bässen zeitlich immer ein wenig voraus, weil die Woofer durch einen Spulen-bewehrten Tiefpassfilter der Frequenzweiche gebremst werden. Diesen Zeitversatz gleichen viele Lautsprecher-Hersteller durch eine leichte Neigung der Schallwand aus: So ist der Tweeter gegenüber den anderen Chassis geometrisch leicht zurückversetzt. Das führt aber nach Gauders Erkenntnis zu Verzerrungen durch Reflexions- und Beugungseffekten. Deswegen hat Gauder hierfür ein hochpräzises elektrisches Verzögerungsfilter entwickelt. Diese „Time Delay Control“ (TDC) korrigiert frequenzabhängig den Zeitversatz zwischen Hochtöner und Tiefmitteltöner. Durch diese Zeitkorrektur besorgt die TDC im Zusammenspiel mit der Frequenzweiche eine stimmige Impulswiedergabe. Auch bei der akustischen Phase soll es durch die bruchlose Wiedergabe keine Verzerrungen mehr geben. Dieses TDC-Verzögerungsfilter, das zuerst in den Top-Modellen der Manufaktur eingesetzt wurde, ziert nun ebenso die Modelle der Capello-Serie – und stellt laut Gauder den eigentlichen technologischen Sprung auch der Capello 80 DV dar.
Spezial-Weiche mit steilen Filtern und symmetrischem Design
Damit sind wir bereits beim Thema „Frequenzweiche“. Hier ist Gauder seit jeher bekannt für seine extrem steilflankige Filter-Auslegung. Dadurch haben die Chassis eine minimierte Frequenz-Überlappung in ihren jeweiligen Übergangsbereichen, so dass sie sich hier nicht gegenseitig akustisch stören. Mit aufwändigen Schaltungen zielt Gauder auch auf ein lineares Phasengangverhalten. So kommen bei der Capello 80 DV steilflankig abtrennende Filter mit 60 Dezibel pro Oktave zum Einsatz, um den Chassis präzise ihren Einsatzbereich vorzugeben und ihnen durch diese Passgenauigkeit zu hoher Belastbarkeit und Impulstreue zu verhelfen. Die für diese Weiche eingesetzten 38 Bauteile sind von bester Qualität und stammen durchweg von en Premium-Herstellern Mundorf und IT. Zudem setzt Gauder auf ein symmetrisches Weichendesign: Die Chassis sind mit ihrem Minuspol nie direkt gen Masse geführt, weil dazwischen noch eine Tiefpass-Sektion eingesetzt ist. Diese Einbettung der Chassis in eine sie umgebende Weiche verringert die Rückwirkung des Lautsprechers auf den Verstärker und verbessert die Mittenauflösung.

Per „Bass Control“ kann man den gesamten Bass-Bereich verändern: Durch Umstecken der Brücke wird der Pegel um 1,5 Dezibel angehoben oder abgesenkt. Hier ist die Brücke so gesteckt, dass der Bass linear bleibt.
Zwei Optionen zur Bass-Optimierung
Um dem Kunden ein Anpassung des Lautsprechers an den Raum oder an eigene Klangvorstellungen zu ermöglichen, ist die Capello 80 DV mit einem zweiteiligen Bass-Management anpassbar. Die „Bass Control“ erlaubt eine Veränderung des gesamten Bassbereichs zwischen 20 und 150 Hertz: Durch Umstecken einer Brücke am rückseitigen Terminal lässt sich der Bass-Pegel um 1,5 Dezibel anheben, absenken oder linear beibehalten. Zudem ist der Lautsprecher mit Gauders „Bass Extension“ ausgestattet. Diese elektrische Hochpassfilterung wirkt ausschließlich in der untersten Oktave zwischen 30 und 70 Hertz. In diesem Bereich treten die meisten raumbedingten Probleme auf. Zur Anpassung gibt es für jeden der beiden Lautsprecher vier verschiedene einsteckbare Module und eine Bücke. Ohne jegliche Steckverbindung fällt die Capello 80 DV bereits bei recht hohen Frequenzen im Bass ab und liefert keinen Tiefbass. Mit den Modulen und der Brücke gelingt hingegen eine abgestufte lineare Steigerung des Basses um bis zu vier Dezibel.

Das Stecker-Set für die Bass Extension: Mit den vier Modulen lässt sich getrennt für jeden der beiden Lautsprecher der Tiefbass anheben – um ein (rot), zwei (blau), drei (grün) und dreieinhalb (weiß) Dezibel. Steckt man statt der Module die ebenfalls mitgelieferte Brücke, wir die unterste Oktave sogar um vier Dezibel gestärkt. Hat man das für den Raum passende Modul gefunden, kann dieser Stecker dann beim Fachhändler käuflich erworben werden.
Die Gauder Akustik Capello 80 DV in der Praxis
Was das alles bewirkt, erfahren wir nun im Hörraum. Hier schließen wir die Capello 80 DV an unsren Hegel H360 an. Als Zuspieler dient der Streaming-DAC Lumin P2. Nach gebührender Einspielzeit streamen wir via Quobuz „Birds“ von Dominique Fils-Aimé. Der Neo Soul-Song stellt eigentlich ihre attraktive Stimme in den Vordergrund, doch die erste Attraktion der Nummer ist die Instrumental-Einleitung: Jaques Roy spielt auf dem Kontrabass ein absteigendes Motiv mit finalem ausgehaltenem und dann abgestopptem Ton, die folgende Pause füllt ein vielhändiger Handclap. Schon diese markante Sequenz, die variiert wiederholt wird und ab nun dem ganzen Song unterlegt ist, lässt uns staunen: Bereits dieser Bass hat eine ungemeine Präsenz. Statt amorpher Klänge hören wir zusätzlich zum eigentlichen Ton das Metall angeschlagener Saiten, das Holz des Instrumenten-Korpus, die typischen Spielgeräusche, die beim Greifen, Anzupfen und Abstoppen der Saiten entstehen – und den komplexen Klangcharakter, für den Bassisten den Kontrabass lieben.
Präzise Tiefton-Kraft dank Bass Extension
Dieser Bass ist in den höheren Lagen näselnd, in den mittleren Regionen knurrig und in den unteren Gefilden voluminös-bassreich, dabei aber trocken. Hier fehlt uns im Freqenz-Souterrain doch etwas Schub. Darum heben wir nun mit der Bass Control den gesamten Tieftonbereich an. Mh… das ist beim untersten Ton des Bassmotivs nun satt, bei den höheren Tönen aber zu stark. Probieren wir es stattdessen mit der Bass Extension, die allein in der untersten Oktave wirkt. Wir probieren uns durch die vier verschiedenen Stecker und die Brücke , steigern den Bass also um ein, zwei, drei, dreieinhalb und schließlich vier Dezibel – und erleben Erstaunliches: Der Bass gewinnt wirklich nur in den unteren Regionen an Volumen, bewahrt aber seine tolle Konturiertheit: Er hat schlicht mehr Kraft, ohne massig, bräsig oder aufgedickt zu sein. Hier wird also tatsächlich nur Energie, die der Verstärker liefert, in diesen Bassbereich quasi verschoben. Das ist top!

Hier ist der rote Stecker der Bass Extension gesteckt. Dies bewirkt im Frequenzbereich von 30 bis 70 Hertz eine moderate Kräftigung um ein Dezibel.
Hervorragende Imaginationskraft
Wir landen letztlich beim blauen Bass Extension-Stecker mit einer Tiefton-Kräftigung von zwei Dezibel. Jetzt hat „Birds“ einen herrlichen Tiefgang, der Bass besitzt die Kontrabass-typische mächtige Leichtigkeit, er ist physisch am Körper spürbar – ohne zu wummern und zu dröhnen. Deshalb ist auch das musikalische Geschehen, dass ich auf diesem Bassfundament abspielt, absolut aufgeräumt. Das beginnt bei der Raumabbildung: Bereits durch den Bass registrieren wir die Schallreflexionen des großdimensionierten Aufnahme-Studios und werden in das Ambiente des geräumigen Pariser Opus-Studios versetzt. Die Imaginationskraft der Capello 80 DV ist hervorragend. Wir erfahren mit dieser Wiedergabe auch eine wunderbare Weite und Offenheit. Den Konserven-Handclaps hingegen wurde ein künstlicher, stärkerer Hall unterlegt. Auch das entlarvt dieser feinauflösende Lautsprecher sofort. Mit diesem intensiveren Hall entfalten die Handgeräusche aber eine umso imposantere Wirkung – zumal sie ansatzlos aus dem Nichts kommen. Hier deutet die Capello 80 DV auch gleich mal ihre dynamische Klasse a
Phänomenale physische Präsenz
Dann setzt Dominique Fils-Aimé ein, besser: Wir wissen, dass sie gleich einsetzen wird, weil die kanadische Sängerin vor dem ersten Ton die Lippen zum Gesang öffnet. Es ist ein ganz leises Geräusch, aber die hochtransparente Capello 80 DV macht es mit Leichtigkeit hörbar. Die Sängerin beginnt nun mit einem kurzen gesummtes Intro – und dieses zart gehauchte, sanfte „mmmmhhh“ sorgt gleich für Gänsehaut: Fils-Aimé erzeugt damit eine berührende Nähe und Intimität: Es ist, als sänge sie nur für uns. Die Capello 80 DV befördert diese Illusion, weil sie auch der Sängerin eine phänomenale physische Präsenz verleiht. Die Kanadierin scheint direkt vor uns zu stehen. Sie verzaubert uns mit ihrer sonoren, tieftimbrierten Stimme und fasziniert uns mit ihrer Gesang: Die Töne sind mal fast nur dahingeatmet, dann wieder intensiv-eindringlich gesungen, mal erotisch reibend und gurrend, mal unschuldig-engelsgleich gesäuselt – und oft mit herrlichen blue notes gespickt.

Der elegante Korpus ist auf zwei Metalltraversen gelagert. Optisch lässt dies den Lautsprecher scheinbar schweben. Die Ausleger sorgen zudem für eine erhöhte Standsicherheit. Durch einschraubbare und damit höhenverstellbare Spikes kann man eine Unebenheit des Untergrunds ausgleichen und einen kippelfreier Stand erreichen. Die Traversen samt Spikes sorgen auch für den nötigen Abstand zum Boden, damit der nach untern gerichtete Port der Bassreflex-Abstimmung den ventilierten Tiefton-Schallanteil in alle Richtungen abstrahlen kann.
Klarheit und Materialität
Ihren Solo-Gesang unterlegt Fils-Aimé mit zweiten und dritten Background-Stimmen. Dank der immensen Klarheit und Transparenz hören wir jeden Ton selbst der Mittelstimme und können die herrlichen Melodieverläufe und Akkord-Harmonien genießen. Diese Chor-Stimmen sind zudem eindrucksvoll im Stereo-Panorama verteilt und auch in der Tiefe gestaffelt. Das intensiviert das dreidimensionale Erlebnis. Im Hintergrund passiert nun ein perkussives Hörspiel: Drummer Étienne Miousse klopft immer wieder mit den Händen auf eine Tom-Tom-Trommel, setzt atmosphärisch ein Vibraslap ein, bei dem lose Metallstifte in einem Holzkästchen vibrieren und dadurch ein Schnarr-Geräusch erzeugen, er sorgt mit schnell gewendetem Rainstick für ein rasches Rauschen und setzt immer wieder mit einem Shaker kurze Akzente. Das alles wissen wir, weil wir dank der plastischen Abbildungskraft der Capello 80 DV all diese Percussion-Instrumente auch in ihrer Materialität wahrnehmen und förmlich vor uns sehen können – obwohl sie an verschiedensten Stellen im Hintergrund es Raums erklingen und abermals die 3D-Darstellung verstärken.
Exzellente Dynamik
Dass die Capello 80 DV ebenso im großen Maßstab glänzt, erfahren wir bei John McLaughlins Live-Aufnahme von „Here Come The Jiis“ beim Montreux Jazz Festival 2022. Der Gitarren-Großmeister und seine Begleitband werden hier von der kubanischen Sängerin und Pianistin Jany McPherson unterstützt. Das Quintett liefert eine mitreißende Performance – und die Capello 80 DV vermittelt diese begeisternde Frische und Vitalität auch dank ihrer exzellenten Dynamik. Schon der realistische Publikumsapplaus versetzt uns mitten ins Auditorium Stravinski. Auf der Bühne liefert Drummer Nicolas Viccaro einen großartigen Drum-Groove, seine Bassdrum hat sattes Volumen und Tiefgang, aber ebenso einen klaren Kick, die Toms punkten mit tollem Punch, und die Snare setzt sich mit perfektem Attack durch, klingt aber nicht schneidend. Davor spielt leicht links postierte Étienne Mbappé seinen Fünfsaiter – mit Handschuhen, weil er den glatteren Sound mag. Trotzdem ist der Bass selbst in den schnellen Passagen wunderbar definiert und bietet ein druckvolles Fundament.

Für den Verstärkeranschluss setzt Gauder auf WBT NextGen-Klemmen. Bei dieser DV-Version des Lautsprechers kommen besonders hochwertige Versionen zum Einsatz. Auch die Kurzschluss-Brücken sind hier rhondiniert statt vergoldet. Wenn man diese Brücken entfernt, ist der Lautsprecher Bi-Wiring- und Bi-Amping-fähig.
Breite und tiefe Bühne
Bald treten die anderen Musiker hinzu: Rechts Keyboarder Gary Husband, links Jany McPherson am Flügel, schließlich in der Mitte McLaughlins Gitarre. Die Capello 80 DV stellt diese Band auf eine wunderbar breite und tiefe Bühne – und rückt die Musiker dabei nicht zu nah an uns heran. So bleibt die Darstellung realistisch. Nach einem spannenden, James-Bond-artigen Intro wird der Song flott: Die Tasten- und Gitarrenfraktion spielt mit Melodien und Skalen ein Frage-Antwort-Spiel, während Bass und Schlagzeug aberwitzige Rhythmus-Patterns darunterlegen. Trotzdem bleibt das musikalische Geschehen absolut klar und durchhörbar. Trotz des vertrackten Drummings mit massivem Ride- und Crash-Becken-Einsatz ist die Wiedergabe rund und ohne jegliche Schärfe, dabei aber ungemein feinauflösend, so dass wir die ausgebufften Schlagfolgen, die Viccaro auf der Hi-Hat spielt, mit jeder Stick-Berührung des metallischen Doppelbeckens heraushören können. Auch dieses Drum-Kit wirkt dank der tollen Dynamik der Capello 80 DV echt: So druckvoll klingt ein Schlagzeug im Live-Einsatz!

Dank des bodenseitigen Ports der Bassreflexabstimmung ist die Capello 80 DV weniger kritisch hinsichtlich einer wandnäheren Aufstellung.
Miteißende Livehaftigkeit
Der Capello 80 DV gelingt dabei ein Paradox: Sie liefert völlig unaufgeregt eine mitreißende Wiedergabe. Die Darstellung ist ausgewogen, stimmig und homogen, hier zahlt sich auch die breitbandige Auslegung des Mitteltieftöners aus. Die Höhen sind crisp und brillant, sodass wir auch kleinste Details wahrnehmen, sie bleiben dabei dabei aber frei von jeglicher Härte oder Schärfe. Und so merken wir nach wenigen Takten, dass wir unwillkürlich mit dem Körper mitwippen: Trotz aller musikalischen Komplexität und dynamischen Intensität dieser Live-Aufnahme ist die Wiedergabe absolut entspannt. Ruhepunkt und Höhepunkt ist dann die Gesangpassage im Mittelteil der Nummer: Jany McPherson übernimmt bei dieser mehrstimmigen Einlage den Lead-Gesang, sie zeigt mit ihrer warmen, sonoren Stimme ihre vokale Klasse – und wir bekommen wieder eine Gänsehaut, weil die Capello 80 DV auch hier für eine herrliche Präsenz der Musiker sorgt und ausgezeichnet die Livehaftigkeit der Performance transportiert – bis hin zum begeisterten Schlussapplaus des Publikums.

Die Gauder Capello 80 DV im Hörtest: Hier spielt sie mit dem Streaming-DAC Lumin P2 und dem Vollverstärker Luxman L-505Z.
Fazit
Die Gauder Capello 80 DV glänzt gleich dreifach: optisch, technisch und akustisch. Im Design punktet sie mit ihrer edel-eleganten Erscheinung. Technisch ist sie mit den Top-Technologien der schwäbischen Manufaktur sowie komplett neu entwickelten Treibern ausgestattet und punktet in der noch hochwertiger realisierten DV-Version mit einem abermaligen Klang-Zugewinn. Dank dieser Plus-Punkte imponiert der Zweieinhalb-Wege-Lautsprecher mit immenser Präzision und anspringender Dynamik, herrlicher Homogenität, ausgezeichneter Klarheit und Transparenz, exzellenter Auflösung und großem Detailreichtum. So präsentiert uns die Capello 80 DV die Musiker und ihre Instrumente mit toller Gegenwärtigkeit auf einer wunderbar geräumigen Bühne. Die Durchhörbarkeit wird dabei auch durch den kraftvollen, zugleich überaus konturierten Bass ermöglicht. Mithilfe der Bass Control lässt sich dieser Tiefton an der Raum anpassen und in der untersten Oktave mit verschiedenen Modulen der ausgefuchsten Bass Extension gezielt erweitern und verstärken. Dabei ist Wiedergabe absolut entspannt – und so liefert die Gauder Capello 80 DV völlig unaufgeregt eine mitreißende Wiedergabe.
Test & Text: Volker Frech
Fotos: Simone Maier
Klasse: Referenzklasse
Preis/Leistung: gut
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Technische Daten
| Modell: | Gauder Akustik Capello 80 DV |
|---|---|
| Produktkategorie: | Standlautsprecher |
| Preise: | - Standard: 9.998,00 € / Paar - Aufpreis Double Vision-Version: 2.000,00 € / Paar - Aufpreis Bass Extension-Modul: N.N. - Aufpreis Beryllium-Hochtöner-Version: 5.000,00 € / Paar - Aufpreis Anti-Dröhn-Filter: 299,00 € / Paar - Aufpreis Bespannrahmen: 198,00 € / Paar |
| Garantie: | 10 Jahre (bei Einsendend der Garantiekarte) |
| Ausführungen: | - Klavierlack Schwarz - Klavierlack Weiß - Echtholzfurnier: Olive, Walnuss |
| Vertrieb: | Gauder Akustik, Renningen Tel.: +49 7159 920161 gauderakustik.com |
| Abmessungen (HBT): | - 1.090 x 250 x 420 mm (mit Sockel und Füße) - 1.040 x 284 x 340 mm (ohne Sockel und Füßen) |
| Gewicht: | 24 kg / Stück |
| Bauart: | 2,5 Wege, passiv, Bassreflex |
| Impedanz: | 4 Ω |
| Hochtöner: | 1 x 25 mm (Kalotte, Aluminium) |
| Mitteltieftöner: | 1 x 170 mm, Gauder XPulse (Konus, Aluminium-Membran mit Polymer-Beschichtung) |
| Tieftöner: | 1 x 170 mm, Gauder XPulse (Konus, Aluminium-Membran mit Polymer-Beschichtung) |
| Frequenzbereich: | 35 - 25.000 Hz (Herstellerangabe) |
| Trennfrequenzen: | 144 Hz, 3.400 Hz (Herstellerangabe) |
| max. Belastbarkeit: | 190 W (Herstellerangabe) |
| Lieferumfang: | - Gauder Akustik Capello 80 DV - Handschuhe - Reinigungstuch - 8 Spiketeller - Dosenlibelle - Bedienungsanleitung (Deutsch, Englisch) |
| Optionales Zubehör/Upgrades: | - Double Vision-Version: 2.000,00 € / Paar - Bass Extension-Modul: N.N. - Beryllium-Hochtöner-Version: 5.000,00 € / Paar - Anti-Dröhn-Filter: 299,00 € / Paar - Bespannrahmen (magnetisch haftend): 198,00 € / Paar |
| Pros und Contras: | + immense Präzision + anspringende Dynamik + herrliche Homogenität + ausgezeichnete Klarheit und Transparenz + exzellente Auflösung, großer Detailreichtum + tolle Präsenz der Musiker und Instrumente + sehr geräumige Bühnendarstellung + kraftvoller, überaus konturierter Bass + Bass Control: dreifach einstellbarer Gesamtbass-Pegel (20-150 Hz) + Bass Extension: mit Modulen anpassbarer unterer Bass (30-70 Hz) + TDC-Zeitkorrektur im Hochton für perfekte Impulswiedergabe + Bi-Wiring-Terminal mit WBT NextGen-Anschlussklemmen + edel-elegantes Design + ausgezeichnete Material- und Fertigungsqualität + entspanntes, ermüdungsfreies Hören - Bass-Extension-Modul ist aufpreispflichtig |
| Benotung: | |
| Klang (60%): | 97/100 |
| Praxis (20%): | 98/100 |
| Ausstattung (20%): | 97/100 |
| Gesamtnote: | 97/100 |
| Klasse: | Referenzklasse |
| Preis/Leistung: | gut |
| Getestet mit: | - Streaming-DAC: Lumin P2 - Verstärker: Luxman L-505Z, Hegel H360, Unitra WSH-805 - Signalkabel: Audioquest Black Beauty XLR - Lautsprecherkabel: Audioquest Rocket 88 - Netzkabel: Audioquest Monsoon - Musik-Steamingdienst: Qobuz |














































