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Mit „Hackney Diamonds“ haben sich die Rolling Stones 2023 eindrucksvoll zurückgemeldet. Dabei verbinden sie klassischen Rock mit überraschenden Kollaborationen und frischem Songwriting. Die Schallplatte entfaltet eine Mischung aus energiegeladenen Singles, atmosphärischen Momenten und nostalgischen Anklängen an frühere Jahrzehnte der Band. Besonders spannend ist die Beteiligung prominenter Gäste sowie die mysteriöse Ankündigung des Albums. Hier beleuchten wir die Songstruktur, die Vinyl-Editionen und die Besonderheiten im Detail.

Im Test hatten wir die Clear-Green-Edition des 2023 erschienene Albums „Hackney Diamonds“.

Vinyl erlebt mit Veröffentlichungen wie „Hackney Diamonds“ eine weitere kulturelle Aufwertung, insbesondere im Katalog der Rolling Stones, die seit den 1960er Jahren Rockgeschichte schreiben. Alben wie „Let It Bleed“, „Sticky Fingers“, „Exile on Main St.“ oder „Steel Wheels“ stehen exemplarisch für die stilistische Vielfalt und den weltweiten Erfolg. Das 2023 erschienene Album wurde eher mysteriös angekündigt – als kryptische Zeitungsannonce. Mit einigen versteckt eingebauten Songtiteln wie „Satisfaction“ und „Gimme Shelter“ wurde hier der fiktive Glasreparaturservice Hackney Diamonds beworben.
Funfact: Hackney Diamonds beschreibt umgangssprachlich zerbrochenes Glas bei einem Einbruch. Eine Inszenierung, die die Erwartungshaltung enorm verstärkte. Entsprechend wurde die Produktion lange geheim gehalten, was die Spekulationen über Gäste und Aufnahmesessions zusätzlich anheizte. Aufgelegt wurde das Album letztlich in verschiedenen Vinyl-Editionen, die von klassischem Schwarz bis zu farbigen Sonderpressungen reichen. Für diese Rezension haben wir die Clear Green-Edition auf unseren Plattenspieler gelegt und hatten bereits vom ersten Song an Spaß.

Besonders spannend ist die Beteiligung prominenter Gäste sowie die mysteriöse Ankündigung des Albums. Erwähnenswert ist auch, dass während der Produktion bereits einige Songs für das Nachfolge-Werk „Foreign Tongues“ entstanden.

Bewusst konstruiertes Spannungsfeld

The A-Seite eröffnet mit einer bewusst dynamischen Dramaturgie, die die Band in unmittelbarer Spiellaune zeigt. „Angry“ fungiert als energiegeladener Einstieg, getragen von klaren Gitarrenriffs und einem direkten, fast stadiontauglichen Refrain. „Get Close“ wirkt im Anschluss rhythmisch verspielter und setzt stärker auf Groove und subtilere Spannungsentwicklung, wodurch ein Kontrast zum Opener entsteht. „Depending On You“ bildet schließlich einen melodischeren Ruhepol, der sich stärker auf emotionale Nuancen konzentriert. Insgesamt entsteht eine meiner Meinung nach sehr gut gewählte Abfolge, die zwischen Druck und Leichtigkeit wechselt. Die Produktion legt Wert auf Transparenz, sodass Schlagzeug, Bass und Gitarren klar voneinander abgrenzbar bleiben. Gleichzeitig zeigt sich ein bewusst zeitgemäßer Sound, der jedoch die klassische Handschrift der Band nicht verliert. Diese ersten drei Songs etablieren damit sowohl Energie als auch narrative Tiefe für das weitere Album. Insbesondere die Abfolge der Tracks wirkt wie ein bewusst konstruiertes Spannungsfeld zwischen klassischem Rock und moderner Produktion.

Sattes Grün. Alternativ gibt es das Vinyl aber auch in Lila, Blau, Schwarz oder als Splatter-Variante.

Fließender Übergang

Die weiteren A-Seiten-Stücke von „Hackney Diamonds“ verschieben den Fokus hin zu mehr stilistischer Vielfalt. „Bite My Head Off“ zeigt sich deutlich rauer und aggressiver, mit punkigen Einflüssen und einem bewusst schneidenden Sounddesign, was den Kontrast zur ersten Trio-Abfolge verstärkt. „Whole Wide World“ öffnet den Klangraum anschließend wieder und setzt auf eine sich langsam entfaltende, hymnische Struktur, die klassische Stadionqualitäten besitzt. „Dreamy Skies“ bildet schließlich einen sanften Gegenpol, getragen von warmen Gitarrenflächen und einer fast nostalgischen Stimmung, die das Tempo deutlich reduziert. Eine Dreierkombination, die wie ein emotionaler Bogen zwischen Härte, Größe und Introspektion erscheint. Die Produktion bleibt dabei klar und detailreich, jedes Instrument behält seinen Raum. Gleichzeitig entsteht ein fließender Übergang, der die Abfolge organisch wirken lässt. Besonders auffällig ist die Art, mit der die Band unterschiedliche Stimmungen miteinander verbindet, ohne den roten Faden zu verlieren. So erhält die A-Seite eine Tiefe, die über reine Songstruktur hinausgeht.

Alle Songtitel finden sich (gut lesbar) auf der Rückseite des Covers.

Dynamik & Spannung

Die ersten drei Titel der B-Seite zeigen die erzählerische und musikalische Reife der Rolling Stones in einer stärker reflektierten Form. „Mess It Up“ bringt eine rhythmisch betonte Energie ein, die stark auf Groove und präzise gesetzte Akzente setzt. „Live By The Sword“ besitzt besondere historische Bedeutung, da hier noch Charlie Watts und Bill Wyman dabei sind, was dem Stück zusätzlich emotionale Tiefe verleiht. „Driving Me Too Hard“ wirkt dagegen moderner und druckvoll produziert, mit klarer Struktur und einem Fokus auf Dynamik und Spannung. Diese drei Songs bilden einen schöner Übergang zwischen Vergangenheit und Gegenwart und zeigen die Band in einem Spannungsfeld aus Tradition und Weiterentwicklung. Die Produktion bleibt warm, aber kontrolliert, wodurch die Instrumentierung klar hervortritt. Besonders auffällig ist die Balance zwischen nostalgischen Elementen und zeitgemäßer Klangästhetik. Dadurch wirkt die Abfolge geschlossen und dennoch vielseitig, was die dramaturgische Struktur des Albums zusätzlich stärkt.

Für diese Rezension legten wir das Album auf unseren Elac Miracord 60. Als Verstärker fungierte der Luxman L-505Z und als Lautsprecher die Audio Physic Midex.

Vokale Intensität

Die letzten drei Stücke der B-Seite runden „Hackney Diamonds“ dann konsequent ab und verbinden emotionale Höhepunkte mit klassischem Blues-Erbe. „Tell Me Straight“ wirkt direkt und reduziert. Alles mit einer fokussierten Struktur, die den Song bewusst auf das Wesentliche reduziert. „Sweet Sounds Of Heaven“ entfaltet sich als heimliches Highlight des Albums und gewinnt durch die Beteiligung von Lady Gaga eine außergewöhnliche vokale Intensität, die Gospel- und Soul-Elemente miteinander verbindet. „Rolling Stone Blues“ greift schließlich die Wurzeln der Band auf und schließt das Album mit einer Rückbindung an den klassischen Blues. Parallel dazu unterstreichen die verschiedenen Vinyl-Editionen den Sammlercharakter des Albums, darunter farbige Pressungen und exklusive Varianten. Besonders die hier getestete Clear Green Vinyl Edition bietet eine visuell markante Ausgestaltung, die das Hörerlebnis zusätzlich ästhetisch erweitert. Spannend ist, dass während der Produktionsphase weitere Songs entstanden, die für das für Juli 2026 angekündigte Folgealbum „Foreign Tongues“ vorgesehen sind.

Einmal aufklappen bitte: Passend zum Albumtitel glitzert der Stones-Schriftzug diamantenähnlich.

Fazit

„Hackney Diamonds“ zeigt die Rolling Stones als weiterhin kreative und überraschend vielseitige Band, die klassische Rockelemente mit modernen Einflüssen verbindet. Klanglich gehört diese Scheibe ganz sicher zu den besseren modernen Produktionen. Um ehrlich zu sein, handelt es sich nicht um die beste Aufnehme aller Zeiten, im oberen Drittel der Bewertungsskala befindet sie sich aber allemal. Also gutes Futter für bessere HiFi-Systeme.
Die Mischung aus energiegeladenen Tracks, emotionalen Momenten und prominenten Gästen ergibt zudem ein ausgewogenes Gesamtbild. Die diversen Vinyl-Editionen, etwa die Clear Green-Pressung, unterstreichen den Sammlerwert. Trotz ihres Alters gelingt der Band ein bemerkenswert frischer und zeitgemäßer Auftritt, der lange nachwirkt. Der gern gesagte Satz „Diese Scheibe gehört in jede bessere Vinyl-Sammlung“ ist hier auf jeden Fall passend.

Test & Text: Roman Maier
Fotos: Simone Maier

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