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Chefredakteur

Speziell in der heutigen Zeit, in der der Computer in vielen Haushalten die Quelle der gesamten Musik- und Videosammlung ist, erleben kompakte und zugleich klangstarke Aktivboxen einen echten Boom und sind gefragter denn je. Diesen Trend hat das HiFi-Traditionsunternehmen KEF akribisch analysiert und einen Lautsprecher entwickelt, der den erwähnten Anforderungen zu 100 Prozent entspricht und ein paar Extras auf Lager hat, die uns ziemlich überraschten.

„Der neue KEF X300A Digital Hi-Fi-Lautsprecher ist der ideale Partner für einen PC oder Mac Desktop-Computer oder Laptop. Die Lautsprecher lassen sich unkompliziert via USB an den Computer anschließen und bieten eine hochauflösende 96 kHz/24 Bit Datenverarbeitung und Lautsprechervernetzung für hochwertigen Klang von der Quelle bis zur Ausgabe“. Mit diesen Worten leitet KEF die Vorstellung seiner brandneuen, kompakten Aktivbox ein. Für einen Schallwandler mit den Abmessungen eines konventionellen Regallautsprechers klingt diese Aussage schon einmal sehr vielversprechend. Doch KEFs X300A hat noch viel mehr auf Lager …

 

 

Audiophiler DA-Wandler
Die eigentliche Kernaussage des Herstellers ist also, dass es sich hier genau genommen um eine vollwertige Komplettanlage handelt, was sich bereits nach einem kurzen Blick auf das rückseitig platzierte Anschlussmodul bestätigt. Hier gilt unser Hauptaugenmerk aber zunächst der bereits angesprochenen USB-Buchse, die laut KEF digitale Signale bis zu einer Samplingfrequenz von 96 Kilohertz entgegennimmt. Um dies, und somit die bestmögliche Audioqualität zu erreichen, spendierten die Briten ihrer Box einen erstklassigen DA-Wandler, der in dieser Güte sonst nur in hochwertigen Digitalverstärkern zum Einsatz kommt. Dieser ist im Übrigen so programmiert, dass er den internen, zumeist minderwertigeren Converter seines Zuspielers (PC oder Mac) umgeht und sich stattdessen selbst um die Wandlung des Quellmaterials kümmert. Auch das beweist  ganz klar, dass es sich hier nicht um einen „simplen“ Aktivlautsprecher, sondern um eine edle All-In-One-Einheit handelt, die konzipiert wurde, um Musik in höchster Klanggüte wiederzugeben.

Trotz der enormen Anforderungen bleibt die X300A aber nicht ausschließlich digitalen Quellen als Spielpartner vorbehalten, sondern gewährt auch analog gespeisten Zuspielern – über den unterhalb des USB-Ports befindlichen Aux-In – Zugang. Somit können beispielsweise auch mobile Quellen wie Smartphones, Tablet-PCs oder MP3-Player direkt und ohne Umwege an KEFs schickem Alleskönner betrieben werden.

Mit nur einem Kabel wird das Handy oder der Laptop mit einer X300A verbunden und schon kann es losgehen. Einfacher geht es nun wirklich nicht.

Mit nur einem Kabel wird das Handy oder der Laptop mit einer X300A verbunden und schon kann es losgehen. Der integrierte DA-Wandler leistet hervorragende Arbeit und ist in der Lage Quellmaterial bis zu einer Samplingfrequenz von 96 Kilohertz zu verarbeiten – und zwar ohne, dass dafür eine Einstellung gewählt oder ein Treiber installiert werden muss. Einfacher geht es nun wirklich nicht.

 

 

Doppel-Endstufe
Die X300A kann über ein einziges Kabel, also direkt mit dem Computer oder dem Handy verbunden werden und schon ist die Anlage komplett. Ein unschätzbarer Vorteil einer Aktivbox, denn so spart man Raum und obendrein viel Geld für den Kauf einer externen Verstärkereinheit. Und es kommt noch besser, denn anders als die meisten Aktivboxen besitzt jede X300A einen audiophilen Twin Class AB-Verstärker mit Ringkerntransformator. Letzterer ist dafür zuständig ein dynamischeres Klangbild zu generieren und Störgeräusche und elektromagnetische Interferenzen auf ein Minimum zu reduzieren. Genau genommen bedeutet dies aber auch, und jetzt werden die Profis hellhörig, dass sich jede X300A gleich zweier Endstufeneinheiten (inklusiver eigener Frequenzweiche) erfreut, die sich jeweils für die separate Befeuerung der Hochton- und der Tiefmitteltoneinheit zuständig zeigen. Eine aufwändige aber geniale Lösung, die in den meisten, dann allerdings deutlich hochpreisigeren Tonstudio-Abhörmonitoren genutzt wird. KEFs Verständnis nach ist dies allerdings zwingend notwendig, denn nur so können Verstärker und Treiber für die bestmögliche Klangperformance perfekt aufeinander zugeschnitten werden.

Dank ihrer eleganten Erscheinung macht die X300A auch auf dem Rack, dem Lautsprecherständer oder dem Lowboard eine gute Figur.

Dank ihrer eleganten Erscheinung macht die X300A auch auf dem Rack, dem Lautsprecherständer oder dem Lowboard eine gute Figur.

 

 

Das Uni-Q
Die Einhaltung der eigenen Überzeugung hat bei KEF oberste Priorität – und diese heisst „phasengenaue Abstrahlung“. Folgt man der KEF-Philosophie, kann diese im Idealfall dann auch nur durch eine Art Koaxial-Chassis erzielt werden. So entwickelten die KEF-Ingenieure bereits vor vielen Jahren eine Punktschallquelle, die unter dem Namen “Uni-Q” weltbekannt wurde und dessen stete Weiterentwicklung oberstes Ziel der britischen Klangspezialisten ist. So ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die aktuellste Version des inzwischen in der HiFi-Welt mit Legendenstatus versehenen Uni-Qs auch in unserem Testmodell wiederfindet. Dieses wartet im Vergleich zum letzten Vorgänger mit gleich mit mehreren Updates auf, von denen die verbesserte Antriebstechnik zu allererst Erwähnung finden muss. Diese erfreut sich nämlich eines größeren und leistungsstärkeren Hochtöners mit Alu-Kalotte, der einen Durchmesser von 25 Millimetern aufweist. Wie von KEF gewohnt, wird dieser von der sogenannten “Tangerine-Waveguide” vor mechanischer Beschädigung geschützt, die zugleich als Schallführung dient. Seinen Platz findet der Hochtöner dann, wie gewohnt mittig in dem ihn umgebenden Mittel-/Tiefton-Schwingsystem. Dabei setzt KEF auch hier auf eine Aluminium-Membran, wobei selbige im Vergleich zu seinem Vorläufer von einem Magneten in doppelter Dimension und deutlich größeren Alu-Schwingspulen angetrieben wird. Die Gründe dafür sind triftig, schließlich geht es um nichts weniger als den bestmöglichen Klang. Dazu passt dann auch die nochmals verbesserte Aufhängung des Schwingsystems. Hier setzt das 1962 gegründete Unternehmen in der X300A, wie übrigens in allen anderen aktuellen Baureihen, auf eine neue, um 90-Grad abgewinkelte Sickenkonstruktion. Diese wiederum ermöglicht eine weiter nach vorn ausgerichtete Aufhängung, was laut Hersteller zu einer noch sauberen und agileren Wiedergabe führt, als bei den bereits sehr effizienten Vorgänger-Modellen.

KEFs inzwischen legendäres Uni-Q ist mittig in die leicht glänzende Schallwand der X300A eingelassen. Seine Sicke wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewöhnlich. Doch die vielen kleinen Erhebungen helfen die vom Hochtöner abgegebenen Schallanteile verfärbungsfrei zu übertragen.

KEFs inzwischen legendäres Uni-Q ist mittig in die leicht glänzende Schallwand der X300A eingelassen. Seine Sicke wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewöhnlich. Doch die vielen kleinen Erhebungen helfen die vom Hochtöner abgegebenen Schallanteile verfärbungsfrei zu übertragen.

 

 

Gehäuse / Oberfläche
Wenn man sich ein KEF-Produkt zulegt, kann man sicher sein, dass man höchste Qualität erhält – und das in jeder Beziehung. Das Erreichen des höchsten Standards gilt demnach natürlich auch für das Gehäuse, dass bei der X300A aus etwa 20 Millimeter starken MDF-Platten gefertigt wurde. Ein Material, das gerne für den Bau hochwertigster Lautsprecher eingesetzt wird, vereint es doch hervorragende Verarbeitungseigenschaften und hohe Dämpfungswerte bei zugleich enormer Stabilität. Und da letzteres bei KEF einen besonderen Stellenwert genießt, entschieden sich die britischen Entwickler den Korpus der ihrer neuen Multifunktionsbox durch zusätzliche Verstrebungen weiter zu verstärken. Von aussen aber fehlt von der Massivität jede Spur. Im Gegenteil, denn auf dem Schreibtisch macht die X300A eher eine elegante, fast schon filigrane Figur. Verantwortlich dafür zeichnen sich die sanften Gehäuserundungen, die zeitlos-schicke und makellos aufgetragene Gunmetal-Folie (die einen auf den ersten Blick an gebürstetes Metall glauben lassen) sowie die matt-glänzende, spiegelglatte Schallwand, die dem bereits beschriebenen Uni-Q als ideale Herberge dient.

Gunmetal bezeichnet KEF die Farbe seiner Gehäuse. Dabei erinnert der Farbton an eine gebürstete Metalloberfläche.

Gunmetal bezeichnet KEF die Farbe seiner Gehäuse. Dabei erinnert der Farbton an eine gebürstete Metalloberfläche. Aufgrund ihrer besonderen Struktur kann der Farbton je nach Lichteinfall etwas variieren.

 

 

Inbetriebnahme
Einfacher als in diesem Fall könnte die Installation bzw. der Aufbau der HiFi-Anlage gar nicht sein. Denn haben die beiden X300A ihren Platz gefunden, gilt es beide mit Strom und den Slave (via mitgeliefertem USB-Kabel) mit dem Master zu verbinden. Ein Vorgang, der kinderleicht durchzuführen ist und den man von der Installation fast jedes Desktop-Lautsprechers kennt. Und jetzt ist der schwierigste Teil auch schon erledigt, denn nun fehlt nur noch der Anschluss der gewählten Quelle via USB oder Aux-In. Ist auch dies erledigt, folgt der mit der Auswahl des dem Einsatzort entsprechenden EQ-Modi der letzte Schritt. Das ist einfacher, als es vielleicht zunächst klingt und wird über einen kleinen Umschalter erledigt, der sich auf der Geräterückseite des Masters befindet. Sind die X300A auf einem Lautsprecherständer platziert, sollte die Einstellung „Stand“ gewählt werden. Stehen die KEF-Schallwandler hingegen auf dem Schreibtisch, Rack oder im Regal, erweist „Desk“ als Ideallösung. Soll es etwas mehr Bass sein? Kein Problem, platzieren Sie die X300A einfach näher an der Rückwand oder experimentieren Sie einfach mit den zum Lieferumfang gehörigen Schaustoff-Zylindern am rückseitigen Reflexport.

DAs Anschlußfeld ist sehr übersichtlich gehalten und bietet analogen wie digitalen Quellen Zugang.

Das Anschlussfeld des Masters ist sehr übersichtlich gehalten und bietet analogen wie digitalen Quellen Zugang. Die Lautstärke lässt sich über den kleinen Regler (System Gain) oder auch über die angeschlossene Quelle justieren.

 

 

KEF X300A im Klangtest
Inzwischen sind die Lautsprecher ausgiebig begutachtet, beschrieben und haben auch die obligatorische Einspielzeit hinter sich gebracht. Das heisst, es ist an der Zeit für einen ausführlichen Hörtest. Diesen starten wir mit Lisa Stansfields Soulklassiker „All Woman“ vom Rechner – und natürlich in CD-Qualität. Und schon fetzt es richtig los, denn bereits hier, obwohl noch bei relativ niedriger Lautstärke gefahren, geht die X300A überraschend temperamentvoll zu Werke und deutet an, dass sie in Sachen Raumabbildung und Präzision hervorragendes zu bieten hat. Als wir den Pegel schließlich etwas erhöhen, kristallisiert sich auch schnell heraus, dass die Stärken der britischen Aktivbox eindeutlig in den erwähnten Disziplinen zu finden sind sind. So wird nun eine Klangbühne aufgebaut, die bei einem Lautsprecher dieser Größe in dieser Art keineswegs zu erwarten war und die sowohl Künstlerin wie Begleitband sauber gestaffelt positioniert. Eindeutig ein Verdienst der exzellenten Tiefenstaffelung und der zeitrichtigen Wiedergabe des hier eingesetzten Uni-Q-Chassis, dass die dargestellte virtuelle Bühne realistisch und mit scharf umrissenen akustischen Details, wie beispielsweise der perfekten Differenzierung der einzelnen Instrumente füllt. Übrigens ebenfalls ein Resultat, das Lautsprecher dieser Größe eher selten erreichen. Aber weiter im Test: Diesmal mit Allan Taylors „Midnight Call“ in einer Abtastrate von 96 Kilohertz – wenn man so will, der mehr als der doppelten CD-Qualität. Dabei handelt es sich zwar um einen eher ruhigeren Titel, doch das Bisschen an Information reicht vollkommen aus, um zu verdeutlichen mit welcher Sorgfalt und Akkuratesse die X300A die ihr anvertrauten Audioinformationen behandelt. So erleben wir nun eine penibel ausbalancierte und perfekt ausgeleuchtete Mitten- und Höhenwiedergabe, die man sonst eher von den Feingeistern unter den Schallwandlern kennt. Doch sie nur in diese Schublade zu stecken wäre falsch. Dies wird nach einem erneuten Wechsel der Quelle dann schnell überdeutlich. Mit Daft Punks „Something About Us“ geht es diesmal deutlich handfester zur Sache, und auch hier weiß das silberfarbene Schallwandler-Duo mit den ihm übertragenen Signalen umzugehen. So überrascht die X300A mit einer Basswiedergabe, deren Klarheit, Tiefe und Körperhaftigkeit einfach mitreisst. Im Mittenbereich zeigt sie sich darüber hinaus angenehm prägnant und überzeugt durch maximale Verfärbungsfreiheit und eine hohe Spielfreude. Das macht Spaß und ist eindeutig der perfekten Anpassung sämtlicher hier eingesetzter Komponenten, wie den Hoch- und Mitteltieftönern, KEFs cleverer Schallführung und des anfangs beschriebenen Twin Class AB-Verstärkers zu verdanken.

Desktop-Orchester: All you need is X300A.

Desktop-Orchester: All you need is X300A.

 

 

Fazit
Mit der X300A offerieren die Briten einen Desktop-Speaker, der die KEF-typischen Züge wie anspringende Dynamik, Präzision und eine sehr hohe Detailtreue ganz klar in den Vordergrund stellt. Und es wird noch besser, denn neben seiner hervorragenden Klangqualität zeigt sich die X300A auch noch exzellent ausgestattet, wobei der integrierte und als unumstritten hochwertig zu bezeichnende DA-Wandler dass absolute Highlight dieser Box darstellt. Wer also nach sehr gutem und agilem Klang am Schreibtisch, dem Hobbyraum oder in kleineren Wohnräumen giert, der sollte sich KEFs schicke Alleskönner unbedingt einmal näher ansehen/anhören. Uns brachte die X300A während unseres Hörtests jedenfalls jede Menge Spaß und gute Laune.

 

Test: Roman Maier

 

 

Modell:KEF
X300A
Produktkategorie:Regallautsprecher, aktiv
Preis:799,00 Euro/Set
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:Gunmetall-silber
Vertrieb:GP Acoustics, Essen
Tel.: 0201 / 170390
www.kef-audio.de
Abmessungen (HBT):280 x 180 x 243 mm
Gewicht:7,5 Kg / Stück
Prinzip/Bauart:Zwei-Wege/Bassreflex
Chassis:25 mm Hochtöner
130mm Tief-/Mitteltöner
Quellen/Eingänge:1 x USB
1 x Analog (3,5mm Stereoklinke)
Leistung:2 x 50 W Tief-/Mittelton
2 x 20 W Hochton
Sonstiges:Lautstärkeregelung
integrierter DAC
Balanceregler
Zubehör: Schaumstoffzylinder
Benotung:
Praxis (70%):1,0
Ausstattung (30%):1,1
Gesamtnote:1,0
Klasse:Oberklasse
Preis-/Leistungsehr gut

 

 

 

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