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Redakteur

Subwoofer gehören zu einem Heimkinosetup. Punkt. Doch auch HiFi-Fans wünschen sich in der Regel mächtig Druck in der Musikwiedergabe und integrieren immer häufiger einen Subwoofer in ihre Wiedergabekette. Mit dem Sumiko S9 haben wir ein Exemplar gefunden, das in beide Welten passt. Zeitgleich und doch unabhängig voneinander …

Leistungsstarke Subwoofer können auch chic und wohnraumtauglich sein. Sumiko liefert mit seinem S9 den Beweis.

Leistungsstarke Subwoofer können auch chic und wohnraumtauglich sein. Sumiko liefert mit seinem S9 den Beweis.

Die Zeiten, in denen Subwoofer klobig, unansehnlich und schlussendlich optisch ziemlich unattraktiv waren, sind vorbei. Zum Glück, denn zu einem gelungenen (Heim-)Kinoerlebnis oder zur mitreißenden Stereo-Performance gehört guter Bass einfach dazu. Und wenn es um gute Basswiedergabe geht, kommt man an einem aktiven Subwoofer kaum vorbei. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Die im Subwoofer eingesetzte Elektronik und Mechanik ist perfekt aufeinander abgestimmt. Durch anpassbare Regler und Filter ist in den allermeisten Fällen obendrein ein deutlich besseres Ergebnis erzielbar, als wenn der Tieftonbereich ausschließlich den passiv betriebenen Hauptlautsprechern überlassen wird.

Auch ohne Gewebeabdeckung kann sich der vergleichsweise kompakte S9 in jedem Wohnraum "blicken" lassen.

Auch ohne Gewebeabdeckung kann sich der vergleichsweise kompakte S9 in jedem Wohnraum “blicken” lassen.

Kooperation zweier Schwergewichte

Sumiko? Da war war doch was. Richtig! Sumiko ist dieser Hersteller, der seit dreißig Jahren Tonabnehmer für Plattenspieler produziert, die zu den besten und damit leider auch teuersten der Welt gehören. Nun aber versucht sich das traditionsreiche Unternehmen aus San Francisco in einem anderen Bereich der Hi-Fidelen Unterhaltungselektronik: An Subwoofern. Von Tonabnehmern zu Subwoofern, ein großer und gewagter Schritt sollte man meinen. Doch der Prozess in beiden Geräten ist im Kern der gleiche: Mechanische in elektrische Energie wandeln, beziehungsweise umgekehrt. Das ist zugegebenermaßen eine sehr trivialisierte Darstellung, da sich die Anforderungen doch immens unterscheiden. Und genau deswegen hat Sumiko das Projekt auch nicht allein verwirklicht, sondern mit einem Partner. Und zwar mit niemand geringerem als dem italienischen Lautsprecherspezialisten Sonus faber, der seinerseits für technisch, optisch und haptisch nahe der absoluten Perfektion designte Lautsprecher bekannt ist. Was kommt wohl dabei heraus, wenn zwei Schwergewichte wie Sumiko und Sonus faber kooperieren, um eine Serie von Bassmeistern zu entwickeln, die gemessen an den Produkten ihrer jeweiligen Hauptgeschäftsfelder auch noch erfreulich bezahlbar ist? Wir haben es ausprobiert und uns den größten der drei Woofer, den Sumiko S9, mal genauer angesehen.

Sehr edel: Das oberseitig platzierte Sumiko-Logo leuchtet im Betrieb sanft auf.

Sehr edel: Das oberseitig platzierte Sumiko-Logo leuchtet im Betrieb sanft auf.

HiFi- und Mehrkanal – zeitgleich und doch unabhängig

Zwar ist der S9 der größte der drei neuen Subwoofer aus dem Sumiko-Programm, mit einer Kantenlänge von 35 Zentimetern zeigt er sich jedoch erfreulich kompakt. So kompakt, dass er auch in kleineren Räumen zum Einsatz kommen kann und das Ambiente nicht zu sehr dominiert. Viel kleiner dürfte das Gehäuse aber auch gar nicht sein, denn dann wären die beiden 10-Zoll Membranen auf Unter- und Vorderseite kaum noch unter zu bringen. Aktiv angesteuert wird die nach unten abstrahlende Membran, die vordere hingegen ist eine sogenannte Passivmembran, die sich gegenläufig zur anderen bewegt. Auf diesem Konstruktionsprinzip – irgendwo zwischen geschlossenem und offenen Gehäuse – beruhend, versucht der Hersteller die Vorteile beider Bauarten miteinander zu vereinen: Einerseits wird die schallabstrahlende Fläche durch die Passivmembran verdoppelt andererseits werden störende Strömungsgeräusche am Bassreflexport verhindert. Die berühmte Impulstreue und Schnelligkeit eines Subwoofers mit geschlossenem Gehäuse bleiben so erhalten, bei gleichzeitig beeindruckendem Tiefgang. Damit soll sich der S9 neben dem Betrieb im Heimkino auch besonders in der Musikwiedergabe eignen. Die Anforderungen in beiden Disziplinen sind zwar ähnlich, jedoch nicht vollständig deckungsgleich. Während es beim Filmton häufig auf Maximallautstärke und das berühmte Flattern der Hosenbeine ankommt, ist im High-End-Audio eher ein Höchstmaß an Präzision gefragt. Der Sumiko S9 bedient beide Anforderungen konsequent: Die zwei Cinch-Eingänge auf der Rückseite, betitelt mit „LFE“ und „Line“ sind zum parallelen Anschluss an zwei Verstärker ausgelegt. So wird der AV-Receiver für den Filmbetrieb mit dem “LFE-Eingang” und der Stereo-Verstärker zum Musikhören am “Line-In” angeschlossen. Beide Zugänge sind in ihrer Eingangsempfindlichkeit übrigens getrennt einstellbar, so dass die einmal festgelegte Einstellung nicht verändert werden muss, sobald zwei Setups betrieben werden. Die Einstellung der Übergangsfrequenz hingegen teilen sich beide Eingänge wieder, ebenso die Einstellung der Phase auf 0° oder 180°. In der Praxis sollte der Sub also zunächst auf den in diesem Zusammenhang meist eher unflexibleren Stereo-Verstärker eingestellt werden, bevor die Einmessung des Surround-Receivers durchgeführt wird. Apropos unflexible Stereo-Verstärker: Sollte der Amp nämlich weder einen Subwoofer-Ausgang, noch einen geregelten Cinch-Ausgang besitzen, lässt sie der S9 trotzdem nicht im Stich, denn er verfügt über einen sogenannten Hochpegel-Eingang, über er einfach parallel zu den Lautsprechern angeschlossen wird. Ein passendes Kabel (auf Speakon-Stecker) ist natürlich im Lieferumfang enthalten. Neben einem harten Netzschalter, der den S9 komplett ausschaltet und so beim Stromsparen hilft, ist natürlich auch eine bequeme Einschaltautomatik vorhanden, über die die kräftige Elektronik bei anliegendem Signal selbstständig aus dem Standby-Schlaf erweckt wird. Ist der Sub eingeschaltet, erkennt man das am oberseitig platzierten, nun weiß illuminierten Sumiko-Logo, das in eine kleine Metallapplikation graviert ist und dem ohnehin erstklassig gefertigten Gerät den letzten Schliff verleiht. Nun muss der Sumiko S9 noch zeigen, ob er klanglich hält was er optisch verspricht.

Das seine Schallanteile nach unten abgebende Chassis ist aktiv angetrieben und sorgt so für jede Menge Hör-und Körperschall.

Das seine Schallanteile nach unten abgebende Chassis ist aktiv angetrieben und sorgt so für jede Menge Hör-und Körperschall.

Das Aktivmodul des S9: Mit allem ausgestattet, was ein Subwoofer heutzutage hergeben sollte. Mehr noch, denn über die beiden Niederpegeleingänge LFE (1) und Line (2) lassen sich AV-Receiver und HiFi-Verstärker zeitgleich mit dem S9 verbinden.

Das Aktivmodul des S9: Mit allem ausgestattet, was ein Subwoofer heutzutage hergeben sollte. Mehr noch, denn über die beiden Niederpegeleingänge Line (1) und LFE (2) lassen sich HiFi-Verstärker und AV-Receiver zeitgleich mit dem S9 verbinden.

Neben der Einstellung der gewünschten Übergangsfrequenz und des passenden Pegels, ist die Positionierung des Subwoofers im Raum von enormer Bedeutung. Wir haben einmal ein paar Tipps zur pefrekten Subwoofer-Positionierung und -Einstellung zusammengetragen:

Anschluss: Zuerst wird der S9 mittels gut geschirmtem und ausreichend langem Cinchkabel mit dem Verstärker verbunden. Benutzen Sie hierfür den in der Regel gelb markierten Sub-Out am AV-Receiver und die LFE-Input-Buchse am Sumiko-Sub

Positionierung: Wichtig ist, dass sich ihr neuer Subwoofer harmonisch in das Klangbild einfügt und dabei weder zu dominant noch zurückhaltend agiert. Von der Aufstellung in der Zimmerecke ist deshalb dringend abzuraten, denn hier haben Raumresonanzen ihr Maximum. Das wiederum kann zu Dröhneffekten und wummerigen, unpräzisen Bassläufen führen, die einem dann schnell den Spaß am Heimkino- bzw. Musikerlebnis verderben. Ziehen Sie den Sub deshalb so weit wie möglich aus der Zimmerecke. Nehmen Sie sich etwas Zeit und probieren Sie verschiedene Plätze aus. Wichtig: schon um wenige Zentimeter verschoben, kann sich ein völlig anderes Klangbild ergeben.

Trennfrequenz: Mittels des am Anschlussmodul befindlichen Reglers wird der Übergang zwischen Lautsprecher und Bassmeister bestimmt. Verfügt Ihr AV-Receiver über die Möglichkeit der Trennfrequenzwahl, drehen Sie den Regler an Ihrem neuen Subwoofer bis zum Ende auf und wählen Sie die gewünschte Trennung im Menü des AV-Gerätes. Diese sollte bei kompakten Boxen bei 100 bis 120 Hertz und bei größeren, bassgewaltigeren Standboxen zwischen 80 und 100 Hertz liegen.

Phaseneinstellung: Dieser wird leider zumeist kaum Bedeutung beigemessen. Dabei ist sie enorm wichtig, denn der Phasenregler zeichnet sich für die punktgenaue Angleichung des Subs an die mitspielenden Lautsprecher verantwortlich. Denn ist der Subwoofer in einem anderen Abstand als die Boxen zur Referenzposition aufgestellt, können sich unterschiedliche Laufzeiten ergeben. Mit einer justierbaren Phasenregelung lässt sich der Bassist dann an seine Mitspieler angleichen. Idealerweise geht man hier zu zweit vor. Während eine Person an der Referenzposition sitzt und dem Testton (idealerweise ein wiederkehrendes Basssignal) lauscht, dreht die zweite Person langsam am Phasenregler. Die richtige Einstellung ist gefunden, sobald der Bass am lautesten erscheint. Hat ihr Subwoofer „nur“ einen Phasenumkehrschalter, lässt sich die Feinjustage auch die Verringerung bzw. Vergrösserung des Abstandes zum Hörplatz vornehmen.

Im Surroundsetup übernimmt nun der AV-Receiver dann den Rest der Arbeit. Für das Stereo-Setup muss die optimale Einstellung des S9 hingegen selbst gefunden werden. Und hier lohnt es sich definitiv ein wenig Zeit zu investieren, denn hat man die passende Einstellung einmal gefunden, fügt sich der Sumiko wunderbar in das Klangbild ein. Musikhören wird dann zur wahren Freude. Davon konnten wir uns in diesem Praxistest überzeugen. Beispielsweise über den üppigen Tieftonanteil im Titelsong des – vor kurzem erschienenen und letzten – David-Bowie-Albums „Blackstar“. Hier wandelt der S9 alle ihm übergebenen Frequenzanteile beeindruckend natürlich in knochentrockenen und präzisen Schall, der einen während der knapp zehn Minuten dauernden Reise fast in eine Art Trance fallen lasst. Hier hat sich die Einbindung eines Subs in eine Stereo-Kette auf jeden Fall richtig gelohnt. Musikalisch weniger melancholisch, dafür aber nicht weniger spektakulär liefert der Sumiko dann das Tieftonfundament zu Doyle Bramhall II und Citizen Copes großartiger Version von „Bullet And A Target“ beim Crossroads Guitar Festival 2013. Die richtige Lautstärke vorausgesetzt, fühlt man sich dabei regelrecht in den Madison Square Garden versetzt, wo einem die Gitarren um den Ohren schwirren und sich die Bassdrum angenehm in der Magengegend bemerkbar macht. Richtig abgestimmt kommt so schnell echtes Live-Feeling auf. Körperlich fühlbar bleibt die Performance des S9 auch im Filmeinsatz. Der S9 liefert hier – trotz seiner vergleichsweise kompakten Abmessungen – tatsächlich abgrundtiefe Bässe. Mehr als das, denn die nun erlebte Tieftonperformance versetzt nicht nur den Hörer in Verzückung, sondern lässt auch Wände und Decken wackeln. Zeitgleich wirkt das akustische Geschehen weder angestrengt noch unpräzise, sondern stets kontrolliert und einfach nur korrekt. Selbst dann, wenn dem Basswürfel alles abverlangt wird, wie im Showdown des Robert-Rodriguez´-Horror-Streifens „Planet Terror“, in dem nicht nur der Kampf gegen die Zombies einiges an Krach verursacht, sondern auch der erstklassige Soundtrack seinem Teil zum Klangvergnügen beisteuert. Wow! Auch diese Gratwanderung zwischen Präzision und brachialer Gewalt bringt den S9 nicht im Ansatz aus dem Tritt, sondern sorgt für ein rundum gelungenes Filmerlebnis.

Über das Finden der perfekten Subwoofer-Positionierung ließen sich ganze Bücher verfassen. Probieren Sie einfach mehrere Positionen im Raum aus.

Über das Finden der perfekten Subwoofer-Positionierung ließen sich ganze Bücher verfassen. Probieren Sie einfach mehrere Positionen im Raum aus.

Clever gelöst: Das in der Front platzierte 10-Zoll-Chassis wird passiv angetrieben. So verdoppelt der S9 seine Membranfläche und bietet dennoch die Vorteile eines geschlossenen Subwoofer-Gehäuses.

Clever gelöst: Das in der Front platzierte 10-Zoll-Chassis wird passiv angetrieben. So verdoppelt der S9 seine Membranfläche und bietet dennoch die Vorteile eines geschlossenen Subwoofer-Gehäuses.

Fazit

Sumiko liefert mit dem größten seiner drei Erstlinge einen Subwoofer ab, wie er im Buche steht: Einerseits groß genug, um ordentlich Druck zu entfachen – andererseits klein genug, um sich auch im Wohnzimmer wohlzufühlen. Dabei noch erstklassig verarbeitet, so dass man ihn dort auch gern aufstellt. Dank zwei regelbarer Eingänge ist er zudem flexibler als die meisten Artgenossen und mit einem Preis von knapp 1000 Euro auch noch erfreulich erschwinglich.

Test & Text: Jonas Bednarz
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1+
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

98 %

95 %

96 %

160127.Sumiko-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Sumiko
S9
Produktkategorie:Aktiv-Subwoofer
Preis:999,00 Euro
Garantie:3 Jahre auf Elektronik,
5 Jahre auf Treiber
Ausführungen:- weiss (Hochglanz)
- schwarz (Hochglanz)
Vertrieb:Audio Reference, Hamburg
Tel.: 040 / 53320359
www.audio-reference.de
Abmessungen (HBT):405 x 355 x 411 mm
Gewicht:21 Kg
Tieftöner:1 x 260 mm (Aktiv)
1 x 260 mm (Passiv)
Leistung:- 350 Watt (RMS)
- 700 Watt (Impuls)
Bauart:geschlossen
Prinzip:Front-/Downfire
Frequenzbereich:30 - 120 Hz
Phaseneinstellung:0/180°
Lieferumfang:- Sumiko S9
- Gewebeabdeckung
- Bedienungsanleitung
- Netzkabel
- Speakon-Kabel
Besonderes:- 2 Niederpegeleingänge
- separater LFE-Pegelregler
- Speakon-Connector
- erstklassige Verarbeitung
- Hochglanzlackierung
- tiefe Bassabstimmung
- reichlich Leistungsreserven
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1+
Klasse:Oberklasse
Preis-/LeistungSehr gut

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