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Ein scheinbar zufälliges Zusammentreffen von acht Menschen im Wilden Westen, in einem behaglich wirkenden Roadstop im verschneiten Wyoming. Irgendwo im Nirgendwo. Es hätte alles... The Hateful 8 – Kammerspiel in fünf Akten

Ein scheinbar zufälliges Zusammentreffen von acht Menschen im Wilden Westen, in einem behaglich wirkenden Roadstop im verschneiten Wyoming. Irgendwo im Nirgendwo. Es hätte alles so idyllisch sein können, wie auf einer österreichischen Almhütte zum Apresski, bis alles – wie man es erwarten darf – ganz anders kommt.

Kopfgeldjäger John „Der Henker“ Ruth (Kurt Russell) befindet sich auf unangenehmer Kutschfahrt. (© Universum Film)

Kopfgeldjäger John „Der Henker“ Ruth (Kurt Russell) befindet sich auf unangenehmer Kutschfahrt. (© Universum Film)

 

Von der nahenden Schneefront getrieben ist die Postkutsche mit dem Lenker O.B. (James Parks) gehalten, ordentlich Tempo zu machen. Bis der 6- Spanner durch die Sitzblockade des Nordstaaten-Majors Marquis Warren (Samuel L. Jackson) genötigt wird, anzuhalten. Wie es als ordentlicher Kopfgeldjäger um 1860 zum guten Ton gehört, thront der Major auf drei zur Fahndung ausgeschriebenen Toten. Da er jedoch ohne Pferd nicht weiterkommt, sieht sich der Major gezwungen, die Fahrgäste John „den Henker“ Ruth (Kurt Russell), ebenfalls Kopfgeldjäger, mit seiner lebenden Fracht Daisy Domergue (Jennifer Jason Lee) darum zu bitten, seine tote Fracht aufzuladen und mitfahren zu dürfen. Sehr zum Unmut der Reisegesellschaft. Widerwillig wird jedoch zugestimmt.

 

Da noch Platz in der Kutsche ist, bietet es sich ja förmlich an, diesen noch zu füllen. Nach einem charmanten Faustschlag vom Major gegen die Kinnspitze von Daisy fegt es diese samt John Ruth, welcher an Daisy gefesselt ist, bei voller Fahrt aus der Kutsche. Dieser überraschende Zwischenstopp bietet Chris „Der Sheriff“ Mannix (Walton Goggins) die Gelegenheit, sich der illustren Reisegesellschaft anzuschließen. Nicht ohne vorher natürlich ausführlich darstellen zu müssen, warum ausgerechnet er jetzt auch noch mitfahren muss.

Einer der Gründe dafür ist die berüchtigte Gesetzlose Daisy Domergue Jennifer Jason Leigh, die Ruth festgenommen hat. (© Universum Film)

Einer der Gründe dafür ist die berüchtigte Gesetzlose Daisy Domergue Jennifer Jason Leigh, die Ruth festgenommen hat. (© Universum Film)

Schlussendlich schafft es der muntere Haufen aber noch rechtzeitig vor dem Blizzard zum Roadstop „Minnies Miederwarenladen“, um hier einzukehren. Dort treffen sie jedoch nicht wie üblich auf Betreiberin Minnie Mink, sondern auf ihren mexikanischen Vertreter Bob „Der Mexikaner“ (Demian Bichir), der ihnen erklärt, dass Minnie „unpässlich“ sei. Des Weiteren glänzen in der kleinen Blockhütte durch Anwesenheit: der Konföderierten-General Sanford „Sandy“ Smithers (Bruce Dern), Oswaldo Morbay (Tim Roth), der beauftragte Henker der Stadt Red Rock sowie Cowboy Joe Gage (Michael Madsen). Die Hasserfüllten haben nun zueinander gefunden…

Noch angespannter wird es, als mit Marquis Warren (Samuel L. Jackson, r.) ein weiterer Kopfgeldjäger auftaucht und die Kutsche wecks Mitreise anhält. (© Universum Film)

Noch angespannter wird es, als mit Marquis Warren (Samuel L. Jackson, r.) ein weiterer Kopfgeldjäger auftaucht und die Kutsche wecks Mitreise anhält. (© Universum Film)

Ein tödliches Kammerspiel

Was erst anmutet wie ein Wild-Western-Roadmovie in einer Kutsche, entwickelt sich in der zweiten Hälfte zum fesselnden Kammerspiel. Tarantino wendet sich dabei nach „Django Unchained“ ein weiteres Mal dem Genre des Westerns zu. Und man darf dem Meister der ausgedehnten Filmkunst dafür durchaus dankbar sein. Alle treu ergebenen Tarantino-Fans werden auch im achten Film von ihrem Regisseur und Drehbuchautor nicht enttäuscht. In Szene gesetzte Darsteller haben genügend Zeit, ihre Charaktere mit Leben zu füllen. Gewohnt lange, aber diesmal nicht langatmige, Dialoge füllen die Szenen. Und diese ergeben durchaus einen Sinn, es wird nicht nur des Reden willens geredet. Am Ende des Films schließt sich so mancher Kreis. Und es macht Spaß, dem zu folgen.

Aufgrund eines aufziehenden Schneesturms wird die Reise allerdings bei

Aufgrund eines aufziehenden Schneesturms wird die Reise allerdings bei „Minnies Miederwarenladen“ unterbrochen. (© Universum Film)

Und Spaß macht auch Kurt Russell als unerbittlicher Kopfgeldjäger John Ruth, der in seiner Rolle überzeugt. Der imposante und einprägsame Schnauzer untermalt seine charakterstarke Rolle. Das Zusammenspiel mit Samuel L Jackson in der Kutsche kommt genial daher. Einzig das wenig authentisch wirkende Geruckel der Fahrgastkabine und die viel zu neuen Geschirre der Pferde trüben ein wenig das Gesamtbild der Unterhaltung.

Dort treffen die Reisenden, inklusive des zwischenzeitlich dazu gestoßenen, selbsternannten Sheriffs Chris Mannix (Walton Goggins) auf diverse Anwesende. (© Universum Film)

Dort treffen die Reisenden, inklusive des zwischenzeitlich dazu gestoßenen, selbsternannten Sheriffs Chris Mannix (Walton Goggins) auf diverse Anwesende. (© Universum Film)

Kammerspiele haben ihren Reiz. Man fragt sich jedes Mal, wie ein Regisseur es schaffen will, den Zuschauer zu binden, wenn die Szenerie nicht wechselt. Hier holt sich der Film von den ausdrucksstarken Charakteren die Anziehungskraft. The Hateful 8 reiht sich neben Klassikern des Kammerspiels wie „Die Zwölf Geschworenen“, „Das Fenster zum Hof“ oder „Der Gott des Gemetzels“ ein. Selbstverständlich auf Tarantinos ganz eigene Art. Mit der musikalisch untermalten Anfangsszene (Ennio Morricone, „Once upon a Time in the West“) fühlt man sich zurückversetzt. Zurückversetzt zu dieser unvergesslichen Westernhymne mit der Mundharmonika. Schier endlos verharrt die Kamera auf das am Wegesrand stehende Kruzifix. Immer wieder schafft es Morricone, die musikalische Untermalung passend, aber nicht aufdringlich in den Film einfließen zu lassen. Das wird honoriert mit dem Golden Globe und gekrönt mit dem Oscar für die beste Filmmusik.

Schnell kommt es untereinander zu Spannungen, wie hier zwischen Mannix (Walton Goggins, r.) und Oswaldo Mobray (Tim Roth). (© Universum Film)

Schnell kommt es untereinander zu Spannungen, wie hier zwischen Mannix (Walton Goggins, r.) und Oswaldo Mobray (Tim Roth). (© Universum Film)

Großartig sind auch die Landschaftsszenen in The Hateful 8. Die Weitläufigkeit der verschneiten Landschaft Wyomings wird eindrucksvoll ins Bild gesetzt und so greift Robert Richardson zumindest eine Oscar-Nominierung für die Beste Kamera ab. Bonusmaterial ist auch vorhanden und umfasst 13 Minuten. Der klassische Einblick hinter die Kulissen und der Zauber von 70mm. Aber nach 167 Minuten Spieldauer des Films geht das in Ordnung.

Zudem scheinen alle Personen irgendeinen geheimen Plan zu haben - vor allem Joe

Zudem scheinen alle Personen irgendeinen geheimen Plan zu haben – vor allem Joe „Der Cowboy“ Gage (Michael Madsen) ist ein Mysterium. (© Universum Film)

Fazit

Tarantino gelingt ein Spannungsbogen und man möchte dringend wissen, wer welche Rolle in diesem „Versteckspiel“ auf engstem Raum einnimmt. Dabei greift Tarantino so ganz nebenbei Themen wie Rassenhass, Selbstsucht und Habgier auf. Aber im Gegensatz zu „Django Unchained“ wird der Rassenhass dem Zuschauer nicht plakativ gegen den Kopf geschleudert, sondern viel subtiler und mit einem Augenzwinkern vorgeführt. Alles was aus der Tarantino-Filmschmiede kommt, muss nicht gleich gehypt werden, aber mich – und ich bin kein Quentin-Tarantino-Jünger – hat The Hateful 8 im Vollen überzeugt.

„The Hateful 8“ ist ab dem 30. Mai 2016 als DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film erhältlich.

Genre
Western

Altersfreigabe
ab 16 Jahren

Laufzeit
ca. 167 Minuten

Regie
Quentin Tarantino

Cast
Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Walton Goggins, Demian Bichir, Tim Roth, Michael Madsen, Bruce Dern

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