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Im mittelalterlichen Norwegen tobt ein Machtkampf zwischen König und Kirche. Als der König diesem zum Opfer fällt, kann nur noch sein Sohn im Säuglingsalter... The Last King – Eiskalter Machtkampf in Norwegen

Im mittelalterlichen Norwegen tobt ein Machtkampf zwischen König und Kirche. Als der König diesem zum Opfer fällt, kann nur noch sein Sohn im Säuglingsalter die Zukunft Norwegens retten – doch dazu ist er auf die Hilfe zweier mutiger Krieger angewiesen.

Im frühen 13. Jahrhundert wird Norwegen von einem Bürgerkrieg beherrscht. (© Koch Films)

Im frühen 13. Jahrhundert wird Norwegen von einem Bürgerkrieg beherrscht. (© Koch Films)

Im frühen 13. Jahrhundert wird Norwegen von einem Bürgerkrieg beherrscht. Die Bagler, eine kirchenpolitische Partei, wagen den Aufstand gegen die regierenden Birkebeiner und ihren König Håkon Sverreson. Letzterer ist ihr primäres Ziel, um ein Machtvakuum zu schaffen und sofort selbst zu füllen – allen voran der finstere Verräter Gisle (Pål Sverre Valheim Hagen) tut sich in dieser Hinsicht hervor. Im Jahre 1204 gelingt ein Giftanschlag auf Sverresson und seine familiäre Linie scheint beendet. Doch der König hat einen unehelichen Sohn, den Säugling Håkon Håkonsson, was er seinen Getreuen mit seinen letzten Worten mitteilt. Dieser Sohn könnte den Thron von seinem Vater übernehmen, allerdings muss er dazu erst einmal in Sicherheit gebracht werden.

Dabei wird der König von Gisle (Pål Sverre Valheim Hagen, r.) an die Bagler verraten. (© Koch Films)

Dabei wird der König von Gisle (Pål Sverre Valheim Hagen, r.) an die Bagler verraten. (© Koch Films)

Denn durch Gisle haben inzwischen auch die Bagler vom Thronerben erfahren und trachten dem Jungen nach dem Leben. Weil dieser zuvor bereits schon einmal von den beiden Birkebeinern Skjervald (Jakob Oftebro) und Torstein (Kristofer Hivju) an einen geheimen Ort gebracht wurde, überfallen die Bagler Skjervalds Hof und bedrohen seine Familie, um den Aufenthaltsort des Königssohns zu erfahren. Obwohl Skjervald das Geheimnis preisgibt, werden seine Frau und seiner kleiner Sohn getötet. Von Zorn und Trauer gepackt flieht Skjervald, um die Leibwächter des Jungen zu warnen. Doch ein weiterer Verräter kennt den Weg und die Bagler überraschen die Birkebeiner. Im Chaos gelingt Torstein und Skjervald mit dem Baby die Flucht. Auf sich allein gestellt, müssen sie sich durch die verschneite norwegische Bergwelt schlagen, um die Zukunft Norwegens zu retten – wobei Skjervald auch noch eine ganz persönliche Mission verfolgt…

Geschichte und Fantasie

Obwohl The Last King wie eine Mischung aus Fantasy und Action wirkt (und damit sicherlich auch Fans von „Game of Thrones“ gefallen dürfte), basiert das Geschehen auf einem bekannten Teil norwegischer Geschichte. Bis heute gedenken die Norweger der waghalsigen Abenteuer von Skjervald und Torstein, indem sie diverse Skirennen austragen. Insofern wird es dem Publikum im Herkunftsland vermutlich deutlich einfacher fallen, die unterschiedlichen Figuren und ihre Rolle in der Handlung zu erfassen. Denn das ist gar nicht so einfach, wenn man mit den Rahmenbedingungen der Story nicht besonders gut vertraut ist und sich auf einmal mit diversen Charakteren konfrontiert wird. Grundsätzlich ist das aber gar nicht schlimm, denn der Film will primär gar keinen Geschichtsunterricht (hierfür wären einige Kampfszenen wohl auch etwas zu gewalttägig) liefern und folgt letztlich den üblichen dramaturgischen Mustern, wobei er vor allem das Schicksal von Skjervald in den Fokus rückt – in gewisser Weise liegt hier auch eine Parallele zum Film „Pathfinder“, mit dem Regisseur Nils Gaup den Durchbruch schaffte. Schnell wird dabei deutlich, dass er sich gemeinsam mit seinem Gefährten Torstein primär ein Fernduell mit dem sehr unsympathisch angelegten Gisle liefern wird. Skjervald nimmt das allerdings nicht so genau und hat – nachvollziehbar – eine ganze Reihe persönlicher Feinde auf seiner Liste. Diese innere Zerrissenheit zwischen Trauer und Wut bringt Jakob Oftebro („Wie auf Erden“, „Einer nach dem anderen“) sehr überzeugend rüber, während Kristofer Hivju („Game of Thrones“, „Einer nach dem anderen“) den humorvollen und schlagkräftigen Krieger gibt.

Doch der König hatte einen kleinen Sohn, der nun die Bagler - und Gisle - vom Thron trennt. (© Koch Films)

Doch der König hatte einen kleinen Sohn, der nun die Bagler – und Gisle – vom Thron trennt. (© Koch Films)

Das Auftreten der Hauptdarsteller sorgt dann auch dafür, dass man trotz der historischen Realität keine dröge Geschichte erwartet. Bis auf eine leichtes Ungleichgewicht gegen Ende des Films, das sich erst ein wenig zieht und dann fast schon überschlägt, ist The Last King ist eine durchaus rasante Angelegenheit. Insbesondere, wenn Skjervald und Torstein auf Ski ihren Verfolgern ein Schnippchen schlagen. Auch wenn das teilweise an Verfolgungsjagden à la James Bond erinnert, ist es gar nicht so weit hergeholt. Tatsächlich wurden Ski nämlich schon vor über 4000 Jahren benutzt, wenngleich diese sich ebenso wie die während der im Film beschriebenen Epoche natürlich noch deutlich von den heutigen Sportgeräten unterschieden. Unter König Sverres, dem Goßvater des im Film geretteten Håkon Håkonsson, gab es auch vermutlich erstmals Skisoldaten wie Skjervald und Torstein. „Erfinder“ dieser Ausrüstung war Sverres aber wohl nicht: Angeblich wurde der Wikingerkönig Ragnar Lodbrok (der Protagonist der „Vikings“-Serie) einige Jahrhunderte früher schon von norwegischen Bauern auf Skiern besiegt, die den Wikingern im tiefen Schnee überlegen waren – ein sich auch im Film wiederfindendes Motiv. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurden Ski wohl auch deshalb auch für die Armeen der an den Alpen liegenden Länder interessant.

Die beiden Birkebeiner-Krieger Skjervald (Jakob Oftebro) und Torstein (Kristofer Hivju) setzen alles daran, den Königssohn rechtzeitig zum Königshof zu bringen. (© Koch Films)

Die beiden Birkebeiner-Krieger Skjervald (Jakob Oftebro) und Torstein (Kristofer Hivju) setzen alles daran, den Königssohn rechtzeitig zum Königshof zu bringen. (© Koch Films)

Schließlich verfügen auch die über ein ähnlich atemberaubendes Panorama, dessen verschneite Landschaften in The Last King wunderbar anzusehen in Szene gesetzt werden. Wenn die Kamera einfach nur den sich in von Wäldern gesäumten Tälern sammelnden Nebel einfängt oder den trauernden Skjervald vor einem von Nordlichtern verzauberten Himmel zeigt, macht sich die hervorragende Qualität der Blu-ray besonders gut bemerkbar. Der Ton ist trotz 5.1-DTS-HD-Master in einigen Dialogen vielleicht ein wenig zu leise geraten, zeigt sich ansonsten aber vor allem in den Actionszenen sehr präsent und räumlich. Erstaunlicherweise gibt es neben der deutschen Tonspur keine englische Variante – sondern den norwegischen Originalton.
Im Bonusmaterial gibt es mit einigen Trailern und einer Galerie leider nicht allzu viel zu sehen, obwohl sich hier der Bezug zur Geschichte Norwegens natürlich angeboten hätte.

Skjervald (Jakob Oftebro) verfolgt dabei allerdings auch noch eine ganz persönliche Mission... (© Koch Films)

Skjervald (Jakob Oftebro) verfolgt dabei allerdings auch noch eine ganz persönliche Mission… (© Koch Films)

Fazit

Geschichte kann auch spannend sein: Mit The Last King erzählt Nils Gaup ein bedeutendes Kapitel norwegischer Geschichte dank künstlerischer Freiheit äußerst packend und actiongeladen. Dabei kommt weder die wunderschöne skandinavische Landschaft noch handfester Nahkampf zu kurz. Insbesondere Fans von „Game of Thrones“ oder „Vikings“ dürften vom norwegischen Abenteuerfilm sehr gut unterhalten werden.

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„The Last King — Der Erbe des Königs“ ist als DVD und Blu-ray (auch als hochwertiges Steelbook) im Vertrieb von Koch Films erhältlich.

Genre
Action/Abenteuer

Altersfreigabe
ab 12 Jahren

Laufzeit
ca. 99 Minuten

Regie
Nils Gaup

Cast
Kristofer Hiyju, Jakob Oftebro, Pål Sverre Hagen, Thorbjørn Harr, Benjamin Helstad, Ane Ulimoen Øverli

80 %

95 %

85 %

80 %

45 %

81 %

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