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Redakteur

Wer wenig Raum zu Verfügung hat oder nicht bereit ist seiner Musikanlage viel Platz einzuräumen, für den bietet sich der Einsatz kompakter Regallautsprecher in besonderer Weise an. Die kleinsten unter den „richtigen“ Schallwandlern klingen in der Regel auch deutlich besser als ihre WLAN- oder Bluetooth-Pendanten. Damit sind sie die erste Wahl für anspruchsvolle HiFi-Einsteiger. Dass man sich diesbezüglich auch in finanzieller Hinsicht nicht übernehmen muss, zeigt Q Acoustics mit seiner zierlichen 3010.

Gerade einmal 23,5 Zentimeter hoch aber trotzdem erwachsen bestückt: die Q Acoustics 3010.

Eines ist uns in unseren bisherigen Tests gleich aufgefallen: Der britische Hersteller Q Acoustics ist erfrischend anders als die Konkurrenz, was vermutlich einer der Gründe ist, weshalb man die HiFi-Branche in den vergangenen 12 Jahren von hinten aufgerollt hat. Im Jahre 2006 gegründet, stellt Q Acoustics heute ein modernes Unternehmen dar. Eines, das nicht von anspruchsvollsten HiFi-Enthusiasten gegründet wurde, denen nichts in der HiFi-Welt gut genug klang, sondern von musikbegeisterten Geschäftsleuten. Ihr Ziel war jedoch keineswegs niedriger gesteckt als das der Enthusiasten. Zwar ging es von Anfang an nicht darum den besten Schallwandler der Welt zu bauen, sondern schlicht darum die besten Lautsprecher ihrer jeweiligen Klasse zu entwickeln. Lautsprecher, die hervorragend klingen, dabei aber bezahlbar bleiben und damit der breiten Masse zugänglich werden. Ein fast schon bescheidenes Ziel, nicht wahr? Nicht unbedingt, ein großer Vorteil dieser Vorgehensweise ist nämlich, dass die Engländer aktuellen Trends und Entwicklungen unvoreingenommen begegnen, ohne zuerst auf ideologische Vorbelastungen oder alte Strukturen Rücksicht nehmen zu müssen. Die handwerkliche Arbeit ist bei Q Acoustics übrigens keinesfalls schlechter als die alter Traditionsunternehmen, selbstverständlich kümmern sich auch bei Q Acoustics Profis um die Entwicklung, Fertigung und insbesondere natürlich auch um den Vertrieb der eigenen Produkte. So überrascht es auch nicht, dass Lautsprecher der jungen Marke, die hierzulande sogar erst seit vier Jahren so richtig aktiv ist, mittlerweile in tausenden Wohnungen in Europa und der ganzen Welt zu finden sind.

Sorgfältiges Design – innen und außen

Die kompakte Q Acoustics 3010 ist der kleinste klassische Lautsprecher der 3000er-Serie. Klein bedeutet im Fall der 3010 tatsächlich kompakt, mit 23 x 20 x 15 Zentimetern passt die kleine Zwei-Wege-Box in jede Wohnung und in jedes Regal. Dabei muss man sie gar nicht unbedingt in einem Regal verstecken: Ich würde eher empfehlen, die kleine 3010 selbstbewusst zu präsentieren, auch wenn Sie sonst vielleicht nicht so viel mit Technik oder HiFi am Hut haben. Die kleinen Lautsprecher sind wirklich schick. Aus allen Blickrichtungen sind die Seitenverhältnisse und Proportionen stimmig, sie erinnern an einen klassischen Lautsprecher – ohne dabei altbacken zu wirken. Schlichte, langweilige oder eckige Kisten sind sie jedoch nicht. Im Gegenteil, die Übergänge der Seitenwänden zum Boden und zur Oberseite zeigen sich großzügig gerundet, das gibt dem Lautsprecher eine elegante und moderne Erscheinung. Unterstrichen wird dieser Eindruck von den magnetisch befestigten Membranabdeckungen, sie sind übrigens ein gutes Stück kleiner als die Schallwand. Eine gute Lösung, so verschwindet die Technik aus dem Blickfeld, während das im unteren Gehäuseabteil platzierte Q-Acoustics-Logo weiterhin angemessen in Szene gesetzt wird. Nebenbei bildet die mattschwarze Stoffbespannung einen schönen Kontrast zur anthrazitfarbenen Front, die sich ihrerseits wiederum gelungen vom mattschwarzen Gehäuse abhebt. Wem das Farbdesign nicht zusagt, für den hält Q Acoustics alternativ drei weitere Varianten zur Auswahl bereit: Hochglanz-Schwarz, Hochglanz-Weiß und Walnuss. Mein Favorit ist die vorliegende Variante mit dem Namen „Graphit“.
Um dem Einsatzzweck Rechnung zu tragen, ist der Korpus im Innern mit Streben verstärkt. So wird eine maximale Festigkeit gewährleistet und Gehäusevibrationen vorgebeugt. Das wiederum sorgt für optimale Arbeitsbedingung der Chassis.

Die 3010er ist mit einem 25-Millimeter-Hochtöner und einem 100er Tiefmitteltöner ausgestattet.

Technik hat die 3010 auch zu bieten

Die Chassis der 3010, auch Treiber genannt, verstecken sich unter besagten Abdeckungen. Selbstverständlich sind auch sie sorgfältig in das Design des Lautsprechers integriert und besorgen die Wandlung elektrischer Signale in hörbaren Schall. Natürlich sind beide Schallwandler, gemeint sind der kleine Hochtöner und der größere Tief-/Mitteltöner, ohne sichtbare Verschraubungen in die Front des Gehäuses eingelassen. Keine Spur von störenden Schraubenköpfen etc. Eingefasst werden sie von breiten schwarzen Ringen, wobei sich der Hoch- und Tieftonring leicht überschneiden und damit eine optische Verbindung herstellen. Ein Design, das den Lautsprechern einen funktionalen, modernen und gleichzeitig professionellen, technischen Look verleiht, der mich unweigerlich an Tonstudios denken lässt. Damit der Klang hält, was die Optik der Lautsprecher verspricht, sind beide Chassis von modernster Bauart. Für eine impulstreue Wiedergabe besteht die Membran des fast schon zierlichen, 100 Millimeter durchmessenden Tiefmitteltöners aus einem Gemisch aus Papier- und Aramidfasern. Eine Kombination, die für hohe Stabilität sorgt, zugleich aber auch ein extrem niedriges Gewicht aufweist. So hat der Magnetantrieb leichtes Spiel die beschriebene Membran auszulenken und so hörbaren Schall zu erzeugen. „Beatmet“ wird der Tieftöner durch die rückseitig platzierte Bassreflexöffnung. Über sie addiert sich ein Teil der Tieftonenergie zum Hörschall, die ansonsten im Innern des Gehäuses verblieben wäre. Clever, so kann auch bei kleinen Gehäuseabmessungen eine tiefreichende Bassperformance realisiert werden. Der Hochtöner ist mit seinen 25 Millimetern Durchmesser verhältnismäßig groß. Das liegt an der besonderen Bauform, beim Tweeter handelt es sich nämlich weder um eine Kalotte, noch um einen Ringradiator. Das „High Frequency De-Cupler“ getaufte Chassis verbindet stattdessen die Vorteile beider Bauformen. Das soll für eine präzise und detaillierte, zugleich aber auch ausgewogene Wiedergabe sorgen. Zum gleichen Zweck wurde der Hochtöner auch vom Rest des Gehäuses entkoppelt, diese Konstruktion hält tieffrequente Schwingungen des Tieftonchassis ab und bietet dem Hochtöner optimale Arbeitsbedingungen. Um beide mit entsprechenden Signalen zu versorgen, befindet sich auf der Rückseite des Lautsprechers ein solides Anschlussterminal mit eigenwilliger Geometrie: Die beiden Schraubklemmen des großzügig dimensionierten Kontaktfelds stehen sich gegenüber, statt wie üblich nebeneinander positioniert zu sein. Dadurch stehen weder Anschlussterminal noch Schraubklemmen nach hinten über, sondern enden bündig mit dem Gehäuse. So ist der Lautsprecher tatsächlich aus allen Richtungen eine ansehnliche Erscheinung.

Clever gelöst: das rückseitig platzierte Anschlussfeld ist mit massiven Schraubklemmen bestückt, die seitlich in die dafür vorgesehene Vertiefung eingelassen wurden.

Feintuning für besten Klang

Guter Sound hat mehrere Komponenten. Neben der Auswahl der neuen Lautsprecher ist deren Aufstellung entscheidend für ein gelungenes Klangerlebnis. Als Wandler elektrischer in mechanische Energie stellen Lautsprecher ein zentrales und besonders anspruchsvolles Glied der HiFi-Kette dar. Ihrer Aufstellung sollte man daher etwas Sorgfalt zukommen lassen. Bei der Positionierung kann man sich an die Anleitung der Q Acoustics 3010 halten, auch hieran haben die Entwickler gedacht. Für die kleine 3010, wie auch für die bereits von uns getestete 3020, wird eine Befestigung an der Wand oder auf passenden Lautsprecherständern empfohlen. Der Hochtöner sollte sich dabei etwa auf Ohrhöhe des Zuhörers befinden, der Abstand zur Rückwand mindestens 20 Zentimeter betragen. Da letzteres bei der Wandmontage und meist auch bei der Regalaufstellung nicht möglich ist, liegen den Lautsprechern Schaumstoffstöpsel bei, mit denen die Bassreflexöffnungen auf der Rückseite verschlossen werden können. So wird eventuelles Dröhnen des Basses verhindert. Der Abstand zu den Seitenwänden darf gern etwas größer ausfallen, das verleiht dem Klang ein bisschen mehr Räumlichkeit. Diese wird durch die leichte Ausrichtung auf den Hörplatz nochmals unterstützt. Alles in allem sollten Lautsprecher und Referenzplatz am Ende ein etwa gleichseitiges Dreieck bilden, so wird der beste Stereo-Klang erzielt. Aber auch hier gilt selbstverständlich, dass erlaubt ist, was gefällt – beziehungsweise was in den eigenen Räumlichkeiten möglich ist. Fehlt also noch der Anschluss an einen passenden Verstärker, in unserem Fall an einen kompakten Marantz Lifestyle AV-Receiver. Auch darauf geht die Bedienungsanleitung der Lautsprecher ein, so dass dieser einfache Schritt ebenfalls schnell erledigt ist und dem Hörvergnügen nun nichts mehr im Wege steht.

Die 3010er lassen sich wahlweise an der Wand, auf dem Lowboard oder auf entsprechenden Lautsprecherständern platzieren.

Zubehörtipp

Die Einhaltung sämtlicher Grundprinzipien beim Lautsprecherbau und der Einsatz hochwertigster Materialien, das sind die obersten Prinzipien, nach denen Q Acoustics-Produkte entwickelt und produziert werden. Vorgaben, die im gleichem Umfanng für die eingesetzte Innenverkabelung gelten. Mit dem Zubehörspezialisten QED hat Q Acoustics einen Partner gefunden, dessen Signalleiter den hohen hohen Eigenansprüchen genügen und die das Privileg genießen in der 3000er-Serie und andern Schallwandlern der Briten eingesetzt zu werden. Um dem 3010ern die beste Klangperformance zu entlocken, empfiehlt Q Acoustics seine Boxen mittels QED-Kabel mit dem vorhandenen Verstärker/Receiver zu verbinden. Planen Sie deshalb unbedingt ein paar Euro für passendes Zubehör ein. Dass das nicht zwingend teuer sein muss, beweist das in unserem Test genutzte QED XT 25, welches bereits für 9,90 Euro pro Meter zu haben ist, sich flexibel verlegen lässt und klanglich neutral auftritt.

Das QED XT 25 zeigte sich in unserem Test für den Signaltransfer zur 3010 verantwortlich.

Überraschung gelungen

Schon beim ersten Anspielen der kompakten 3010 ist mir – das ist tatsächlich nicht übertrieben – der Unterkiefer runtergeklappt. Spielt Musik, machen die winzigen Lautsprecher ihre Größe im Nu vergessen und lassen den Hörer in erstklassigem Sound baden. Angespornt von den ersten Tönen habe ich dann meine Test-Playlist mit eigentlich schon längst ausgenudelten Vorführ-Klassikern durchlaufen lassen und das eine oder andere Mal gestaunt. So breiten die Q Acoustics 3010 das eigentlich völlig zu Unrecht zum HiFi-Anlagen-Vorführer degradierte „No Sanctuary Here“ von Chris Jones sofort glasklar und raumfüllend auf einem üppigen Bassfundament auf. Während der brillante und detaillierte Klang für solch kompakte Lautsprecher noch irgendwie üblich ist, überraschen die 3010 durch sauber geführte Bassläufe, die auch größeren Lautsprechern gut stehen würde. Bei der Reproduktion tiefer Frequenzen ist Membranfläche und Gehäusevolumen eigentlich durch nichts zu ersetzen, die Q Acoustics 3010 scheint sich an der begrenzten Fläche und des damit einhergehenden niedrigen Volumens allerdings nicht besonders zu stören. Die 3010 spielt einfach.

Obwohl gerade einmal knapp 10 Zentimeter durchmessend, sorgte das Tief-/Mittelton-Chassis der 3010er für unerwarteten Tiefgang.

Ebenso gut schlagen sich die zeitlos gestylten Kompaktlinge aus Großbritannien anschließend in der Reproduktion des vermutlich weniger bekannten aber nicht weniger großartigen Songs „I´m Free Now“ von Morphine. Einem Trio mit ungewöhnlicher Besetzung, neben Gesang und Schlagzeug spielten die Bandmitglieder hier einen zweiseitigen Bass und ein Saxophon als Melodie-Instrumente. Dabei herausgekommen ist ein eigenständiger und unverwechselbarer Sound – und genau den wissen die kompakten Lautsprecher hervorragend in den Raum zu liefern. Es gelingt ihnen sofort, die melancholische Stimmung der Band in den Hörraum zu transportieren, zugleich aber auch durch erstklassige Klangeigenschaften zu überzeugen und mir ein ungeahntes Musikerlebnis zu verschaffen. Dabei erschaffen die 3010er auch jetzt ein erstaunlich voluminöses Fundament, auf das der natürlich wirkende Gesang gebaut wird, während das Saxophon frei durch den Raum zu fliegen scheint. So macht das zuhören wirklich Spaß. Bei hoher Lautstärke fällt mir im folgenden Dire-Straits-Klassiker „Money For Nothing“ dann die Leadgitarre auf, die vielleicht etwas harscher klingt als gewohnt. In Anbetracht des mittlerweile aber wirklich sehr hohen Lautstärkepegels geht eine solch kleine Unsauberkeit aber durchaus in Ordnung. Überhaupt machen die Q Acoustics einen erstaunlich soliden Eindruck bei höheren Lautstärken. Zwar arbeitet die Tieftonmembran hier sicht- und fühlbar, vermittelt zugleich aber nicht den Eindruck sich leicht in Bedrängnis bringen zu lassen. Etwas gediegener geht es anschließend mit „Rolling In The Deep“ vom phantastischen Adele Live-Album aus der Royal Albert Hall weiter. Eine Platte, die beeindruckend lebendig produziert wurde und jede Menge Emotionen der Sängerin und des Publikums einfängt. Eben diese Emotionen bringt die 3010 wenig später absolut glaubhaft in den Hörraum und lässt mich mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Einerseits freue ich mich, dass dieses hervorragende Konzert konserviert wurde, andererseits hätte ich es wirklich gern live in der legendären Albert Hall erlebt.

Das Schmuckstück der 3000er-Serie, der sogenannte De-Couopler-Hochtöner, Selbstverständlich kommt dieser auch in der 3010 zum Einsatz.

Fazit

Mit der 3010 ist dem jungen Britischen Hersteller Q Acoustics ein großer Wurf gelungen. Der kompakte Zwei-Wege-Lautsprecher wirkt schick, modern und hochwertig und ist für 149 Euro auch noch überraschend preisgünstig. Trotz ihrer zierlichen Abmessungen klingen die 3010er zudem erstaunlich erwachsen. Fein aufgelöst und dynamisch zeigen sie sich selbst bei bassintensiver Musik nicht überfordert. Im Gegenteil, die Q Acoustics sind durchaus in der Lage jede Menge Emotionen in den Hörraum zu bringen. Allein schon deshalb macht die 3010 enorm viel Spaß und wird zur heissen Empfehlung für den Einsatz in kleineren Hörräumen.

Test & Text: Jonas Bednarz
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Einstiegsklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

97 %

94 %

90 %

180401.Q Acoustics-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Q Acoustics
3010
Produktkategorie:Regallautsprecher
Preis:298 Euro / Paar
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- Hochglanz weiß
- Hochglanz schwarz
- Walnuss
- Graphit
Vertrieb:IDC Klaassen, Lünen
Tel.: 0231 / 9 86 02 85
www.idc-klaassen.com
Abmessungen (HBT):235 x 200 x 150 mm
Gewicht:3,6 Kg/Stück
Prinzip:2-Wege-Reflexgehäuse
Hochtöner:25 mm
Tieftöner:100 mm
Frequenzbereich:68 Hz - 22 kHz
Übergangsfrequenz:2,8 kHz
Empfindlichkeit:86 dB
Lieferumfang:- 1 Paar 3010
- magnetisch gehaltene Gewebeabdeckungen
- Gummifüßchen
- Baumwollhandschuhe
- Bassreflexverschlüsse (Schaumstoff)
- Anleitung
Besonderes:- Hochglanz-Lackierung (wahlweise)
- hohe Grundtondynamik
- griffiger Grundton
- ausgewogene Hoch-/Mitteltonsektion
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,1
Gesamtnote:1,0
Klasse:Einstiegsklasse
Preis-/Leistunghervorragend

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