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Mission impossible? Bei der Entwicklung der Concept 300 hat Q Acoustics die Latte ziemlich hoch gelegt: Der Kompaktlautsprecher soll genauso kompromisslos, klangvoll und elegant sein wie sein großer Bruder, der überaus erfolgreiche Stand-Schallwandler Concept 500. Dafür wurden einige Features des Flaggschiffs übernommen – aber auch pfiffige frische Lösungen gefunden, etwa die famose Federung und die clevere Stativ-Konstruktion. Wir haben die Finessen dieses Zwei Wege-Wandlers erforscht.

Die Q Acoustics Concept 300 ist durch ihre markante, aber trotzdem dezent-elegante Anmutung auch optisch herausragend, durch die filigranen Füße besitzt sie sogar eine Leichtigkeit.

„So befreien Sie sich von negativen Schwingungen“ – klingt wie ein Selbsthilfe-Ratgeber, ist es auch, passt aber wunderbar zum Thema Schallwandler-Konstruktion: Resonanzen und Vibrationen jenseits der Membranbewegung gehören zu den großen Klangverderbern eines Lautsprechers. So sorgen die Schwingungen des Gehäuses dafür, dass manche Frequenzen betont oder ausgelöscht werden und phasenfalsche Sound-Additive entstehen, worunter auch die räumliche Abbildung leidet. Gehäuseschwingungen gilt es also zu vermeiden und zu neutralisieren – und hier hat sich Q Acoustics für die Concept 300 einiges einfallen lassen.

Das gerundete Design, die charakteristische Gehäusetiefe und die Holz-Lack-Kombination sorgen für den hohen Wiedererkennungswert der Concept 300.

Harmonisch-modernes Design mit aparter Oberflächen-Kombination

Das erfährt man schon, wenn man diese imposante Box betrachtet, beklopft und hochhebt. Die Concept 300 wiegt satte 15 Kilo, sie reagiert auf Knöchelkontakt mit einem trockenen „Pock“ und strahlt auf Anhieb eine ungemeine Solidität, ja, Massivität aus: Ihre Dickwandigkeit kann man geradezu sehen. Dabei wirkt dieser Lautsprecher keinesfalls klobig, ganz im Gegenteil. Dem Designer Kieron Dunk ist es gelungen, trotz der durchaus stattlichen Maße von 36 mal 22 mal 40 Zentimetern einen harmonisch geformten, durch die Tiefe des Korpus schlank anmutenden Lautsprecher zu kreieren, dessen Formgebung eng an die Concept 500 angelehnt ist. Die starken Rundungen der Übergänge von den Wangen zur Decke und zum Boden, aber auch die sanfte Wölbung der Front verleihen der Concept 300 eine elegante Geschmeidigkeit und Modernität. Hinzu tritt eine sehr geschmackvolle Oberflächen-Kombination, die für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt, aber trotzdem Dezenz verströmt: Der vordere und größere Teil des Korpus ist farbig lackiert, der hintere hingegen mit Echtholz furniert. Das führt zu den aparten Paarungen Schwarz/Rosenholz, Weiß/Eiche und Silber/Ebenholz. Unser Testmodell ist in Weiß/Eiche gehalten, der Übergang der Flächen ist perfekt – und genauso makellos erweist die umhüllende Hochglanzlackierung, die dem Lautsprecher einen noblen Glanz gibt. Die Concept 300 strahlt eine Hochwertigkeit aus, die definitiv zur Aufwertung des Ambientes beiträgt – dieser Lautsprecher ist ein echter Hingucker.

Die Holz-Lack-Kombination und das versiegelnde High-Gloss-Finish sind perfekt ausgeführt. Hier ist die Variante Weiß / Eiche zu sehen, alternative gibt es die Versionen Schwarz / Rosenholz und Silber / Ebenholz.

Einzigartiges Gel-Gehäuse

Die erahnbare Dickwandigkeit, von der wir vorhin sprachen, ist vom Flaggschiff Concept 500 übernommen – und eigentlich es handelt sich hierbei um eine Mehrwandigkeit. Dies ist eine Idee des renommierten Entwicklers Karl-Heinz Fink, der die Concept-Serie für Q Acoustics konzipiert hat. Fink treibt besonders die Vermeidung von Gehäuseresonanzen um, und hier wählt er einen außergewöhnlichen Weg: Fink setzt ein Gehäuse in ein zweites Gehäuse und isoliert den inneren vom äußeren Korpus durch ein nichtaushärtendes Gel. Diese Gel-Schicht absorbiert die Vibrationen der Wandungen und wandelt sie in Wärme um. „Gelcore“ nennt Fink dieses pfiffige Prinzip, Anwendung findet es bereits bei der Q Acoustics Concept 20 und der Q Acoustics Concept 40 . Bei der Q Acoustics Concept 500 hat Fink es dann auf die Spitze getrieben, indem er drei MDF-Gehäuse ineinandergesteckt und durch zwei Gel-Schichten voneinander entkoppelt hat. Deshalb heißt das Ganze jetzt „Dual Gelcore“ – und dieses „Box in der Box in der Box“-Prinzip hat Fink nun auch bei der Concept 300 angewandt.

Die Dual Gelcore-Lösung: Drei MDF-Schichten bilden mit zwei Gel-Lagen ein resonanzarmes Gehäuse.

Seismische Stillegung

Das „Dual Gelcore“-Prinzip hilft vor allem bei höherfrequenten Gehäuseresonanzen. Um auch tiefere Schwingungen unschädlich zu machen, besitzt die Concept 300 eine spezielle Punkt-zu-Punkt-Gehäuseversteifung: Es werden nur jene Korpusteile miteinander verbunden, deren Kontakt unerlässlich ist. Diese ausgesuchten Versteifungen bürgen dafür, dass der ungewollten Schwingungsenergie so wenig Verbreitungswege wie möglich geboten werden. Die punktuellen Versteifungen bewirken abermals eine verminderte Schallabstrahlung an der Gehäuseoberfläche. Was nun noch an Restschwingung verblieben ist, wird durch das nächste Vibrations-Hindernis neutralisiert: das entkoppelnde Federungssystem. Es widerspricht der gängigen Ansicht, dass es akustisch optimal ist, einen Kompaktlautsprecher und seinen Standfuß fest miteinander zu verschrauben und zudem mit Spikes vom Fußboden zu entkoppeln. Diese starre Verbindung sorgt zwar dafür, dass Vibrationen des Lautsprechers zum Boden hin abgeleitet werden – aber leider werden ebenso die ständigen Schwingungen des Untergrunds zum Lautsprecher geführt. Bei der Concept 300 wird diese Schwingungsübertragung durch eine spezielle Basisplatte unterbunden und damit eine abermalige seismische Stillegung erreicht. Die Platte bildet den Boden der Box und trägt das ganze Gewicht des Lautsprechers – und zwar auf vier Federn. Diese Federn besitzen eine genau auf die Masse der Box abgestimmte Nachgiebigkeit. So können sie Vibrationen effektiv absorbieren. Zur Steigerung der Wirkung sind die Federn mit einem ebenfalls auf das Gewicht der Concept 300 abgestimmten elastischen Werkstoff gedämpft. Er besitzt eine hohe Energieaufnahmekapazität und ermöglicht damit eine effektive Stoßisolierung. Die Unterseite der Basisplatte ist ebenfalls mit einer puffernden Gummierung versehen. Auf sie wird nun die Trägerplatte des Standfußes geschraubt – und der erweist sich als spannende Konstruktion.

Der Boden der Box zeigt eine schwarz gummierte Bodenplatte. Auf ihr ruht das gesamte Gehäuse – und zwar auf vier Federn, die die Vibrationen des Korpus, aber auch mechanische Anregungen von außen in Wärme verwandeln und damit unschädlich machen.

Quasi-Standlautsprecher – dank integralem Fuß

Beim Fuß setzt sich das Konzept der Vibrationsvermeidung fort. Die ästhetisch reizvolle, filigrane Dreibeinkonstruktion mit Metalldraht-Verspannung ist nämlich kein gestalterischer Selbstzweck, sondern löst die Probleme, die herkömmliche Füße aus Stahlrohren oder MDF aufweisen. Diese gängigen Ständertypen bieten eine relativ große Oberfläche, die zum Schwingen angeregt werden kann – da sind sie wieder, die klangschädlichen Vibrationen. Zudem ist die übliche Anbindung an den Untergrund mit vier Füßchen oder Spikes kippeliger, eine Dreipunkt-Lagerung hingegen hat immer und sofort besten Bodenkontakt und lässt sich zudem leichter waagerecht ausrichten. All diese Argumente führten zum Tensegrity-Standfuß: Dieses Wort vereint die Begriffe „tension“ (Zugspannung) und „integrity“ (Ganzheit, Zusammenhalt) und meint eine selbsttragende Konstruktion aus Elementen, die unter Druck oder Zug stehen. Im Fall des Tensegrity-Standfußes sind es drei massive Edelstahlstäbe, die sich einzeln und damit präzise ausrichten lassen und hernach durch die kunstvolle Verspannung mit Edelstahl-Drahtseilen in Position gehalten und unter Druck gesetzt werden. Dadurch, aber auch durch die geringe Oberfläche der schlanken Beine, werden Oberflächenbewegungen und Vibrationen minimiert. Der Tensegrity-Standfuß wurde extra für die Concept 300 entwickelt, deshalb ist er integraler Teil des Schallwandlers – und somit ist diese Kompaktbox im Grunde ein kleiner Standlautsprecher. Der Fuß ist also obligat, beim Übergang der Beine zum Boden hat man hingegen die Wahl: Entweder verwendet man allein die einschraubbaren, höhenverstellbaren Spikes, oder man stülpt den Metalldornen die ebenfalls mitgelieferten Gummifüße über, was bei Parkett und ähnlichen Untergründen die bodenschonende Variante ist.

Der Tensegrity-Standfuß: Die filigrane, mit Drahtseilen verspannte Konstruktion sorgt für die luftige Anmutung, ist aber in erster Linie eine Fortsetzung des Schwingungsvermeidungs-Konzepts dieses Lautsprechers.

Zwei Chassis für zwei Wege

Kommen wir endlich zu den Teilen, die bei der Concept 300 schwingen sollen: die Chassis. Sie erscheinen uns von der großen Concept 500 vertraut. Den Hochton bis 30 Kilohertz liefert auch bei der 300er ein 28-Millimeter-Tweeter mit einer federleichten Textilkalotte. Sie ist mit einer besonders breite Sicke eingespannt, damit sie nicht in einem engen Bereich bündelt, sondern in einem großen Winkel abstrahlt. So soll die Concept 300 auch außerhalb des „Sweet Spot“ genannten optimalen Hörplatzes ein räumliches und detailreiches Klangbild liefern. Der Tweeter sitzt in einer leicht hornförmigen Platte, diese Schallführung sorgt für eine gute Anbinden der vom Tweeter bewegten Luft an die Umgebungsluft, also eine akustische Impedanz-Anpassung. Auch beim Hochtöner wurde, na klar, Vibrationsvermeidung betrieben: Eine Gummidichtung besorgt die mechanische Entkopplung des Tweeters vom Gehäuse. Deshalb kann der Hochtöner auch nahe an den Mitteltieftöner heranrücken. Das ist gut, denn je geringer der Abstand der Chassis ist, desto homogener wird die Wiedergabe. Ab 2,5 Kilohertz übernimmt der Mitteltieftöner die Schallwandlung. Er verrichtet seine Arbeit mit einem beschichteten Papier-Konus. Papier ist ein hervorragendes Membran-Materialien – wegen des niedrigen Gewichts, der hohen Steifigkeit und der schwingungsdämpfenden Eigenschaft. Den nun noch verbleibenden Membran-Resonanzen macht die Einspannung in Form einer speziellen Gummisicke den Garaus. Das 165-Millimeter-Chassis ist ebenfalls der Concept 500 entlehnt, allerdings sitzt hier ein deutlich größerer Magnet im Antrieb. So kann der Mitteltieftöner trotz des kleineren Gehäusevolumens ein gutes Bassvermögen bis 55 Hertz bieten.

Die Nähe der beiden Chassis befördert die homogene Wiedergabe der Concept 300. Der Tweeter sorgt dabei mit seiner breiten Sicke und der sanften Schallführung für einen definierten, aber nicht zu stark gebündelten Hochton. Der darunter sitzende Mitteltieftöner ist nicht von vorn mit unschönen, sichtbaren Schrauben fixiert, sondern von hinten mit federgespannten Bolzen befestigt.

Klangabstimmung und Soundanpassung

Zu dieser Fundament-Fähigkeit trägt auch die Bassreflexabstimmung bei, die man an der Rohrmündung auf der Boxenrückseite erkennt. Über das Rohr findet ein definierter Luftaustausch zwischen dem Gehäuseinneren und der Umgebung statt, mit dieser Maßnahme wird der untere Bassbereich eines Lautsprechers gekräftigt. Diese Klangabstimmung ist – im Gegensatz zur Concept 500, bei der die Bassreflexöffnungen mit Stopfen verschlossen werden können – unveränderbar. Bei den Höhen hingegen erlaubt die Concept 300 eine Soundanpassung: Auf dem Terminal, das unter dem Bassreflexport positioniert ist, finden wir drei kleine Buchsen und einen umsteckbaren Jumper. Mit ihm kann man sich entweder für eine neutrale Wiedergabe entscheiden oder für eine leichte Betonung der Höhen um ein halbes Dezibel. Dafür muss natürlich erst mal das Musiksignal zu der Concept 300 gelangen – und hierfür steht ein Quadrupel exzellenter Anschlussklemmen zur Verfügung. Sie erlauben Bi-Wiring oder Bi-Amping, wer die Boxen derart betreiben möchte, entfernt die ab Werk eingesetzten Brücken zwischen den Hochton- und Tiefton-Anschlüssen. Die Klemmen sind mit großen und griffigen Überwurfmuttern ausgerüstet, die beim Anziehen eine perfekte Gängigkeit aufweisen. Auch das unterstreicht die erstklassige Material- und Fertigungsqualität dieses Lautsprechers. Die Kabelaufnahmen sind großzügig dimensioniert, so können auch querschnittstarke Litzen verwendet werden, natürlich passen an die Klemmen auch Kabel, die mit Kabelschuhen oder Bananensteckern konfektioniert sind. Wir haben die Boxen mit dem Lautsprecherkabel QED Reference XT 40 an unseren Verstärker Hegel 360 angeschlossen – und jetzt kann es fast schon losgehen.

Mit dem steckbaren Jumper lässt sich der Höhenanteil der Wiedergabe anpassen.

Aufstellung und Ausrichtung

Fast bedeutet: Wir verschrauben erst mal die beiden Boxen mit den Tensegrity-Füßen. Sie werden bereits fertig vormontierten und mit den Stahlseilen verspannt geliefert – prima! Die Aufstellung nimmt man wegen der filigranen Fußkonstruktion und der federnden Lagerung des Lautsprechers bitte behutsam vor. Wir haben einen Abstand der Boxen zueinander von 2,30 Metern, zum Hörplatz sind es 2,80 Meter, von der Wand sind die Lautsprecher 54 Zentimeter entfernt. Das sind Maße, wie wir sie auch für Standlautsprecher wählen – mal sehen, ob die Concept 300 trotzdem ein homogenes Klangbild liefert. Die Einwinklung wählen wir dafür so, dass die Chassis noch nicht völlig auf den Sweet Spot ausgerichtet sind.

Die Q Acoustics Concept 300 ist mit vier höchstwertigen Anschlüssen ausgestattet. Sie eignet sich deshalb für Bi-Wiring und Bi-Amping.

Die Q Acoustics Concept 300 in der Praxis

Ob die Aufstellung stimmt, überprüfen wir mit einem Klassiker in punkto Songs und Sound: „Tales Of Mystery And Imagination“ von dem Alan Parsons Project. Parsons war Tonassistent bei den Beatles-LPs „Abbey Road“ sowie „Let It Be“ und hat sich spätestens als Tontechniker bei den Pink Floyd-Alben „Atom Heart Mother” und „The Dark Side Of The Moon“ einen legendären Ruf erworben. Auf „Tales“ widmet er sich dem Schaffen des düsteren Dichters Edgar Allan Poe. Das Konzeptalbum startet mit „A Dream Within a Dream“ und beginnt in der CD-Version mit einer eindrucksvollen Rezitation von Poe-Zitaten. Schon dieser Vortrag lässt uns gebannt in die vormalige Leere vor uns schauen: Da ist keine Leere mehr, da sitzt nun der berühmte Orson Welles und zieht uns mit seinem perfekt inszenierten Vortrag in seinen Bann. Wir kennen diese Einleitung gut und wollten sie eigentlich nur zur Positionierung der Lautsprecher benutzen, aber jetzt hängen wir wie gefesselt an den Lippen des Schauspielers, weil die Concept 300 den magischen Erzähler – trotz des starken Halls der Aufnahme – so lebensecht in unseren Hörraum setzt. Die Faszination geht dann mit der Musik weiter: Bei den jetzt immer lauter werdenden, knochentrocken-abgestoppten Basstönen hören wir, wie die Membran arbeitet – aber das ist nicht der Mitteltieftöner der Concept 300, sondern der Woofer der Bassverstärkerbox von Joe Puerta, der bei diesem Track den Viersaiter gespielt hat. Das haben wir so auch noch nicht heraushören können. Dann setzt das Schlagzeug ein – und bestärkt uns in der Wahrnehmung, dass die Concept 300 deutlich größer klingt als sie ist. Das Klangbild ist voluminös, bleibt aber trotzdem natürlich, bei dem jetzt nachfolgenden dramatischen Song „The Raven“ punktet die kompakte Box dann auch mit sattem Punch und beeindruckendem Tiefton. Die Kraft jedes Schlages spüren wir am Körper und selbst bei den Polstern unseres Redaktionssofas. Dabei behält die Concept 300 auch bei hoher Lautstärke die volle Kontrolle: Trotz der üppigen Besetzung, die sieben Rockmusiker, einen Chor und ein Orchester umfasst, sind die Band, die Sänger und der Klangkörper sauber zu hören und zu orten. Da verschwimmt nichts, da wird nichts verunklart. Die Resonanzbekämpfung bei der Entwicklung hat sich also wirklich gelohnt!

Die Verspannung der Drahtseile ist technisch clever gelöst und optisch ansprechend realisiert.

Abbild ohne Grenzen

Die Concept 300 zeigt aber auch auf, dass dieses 1976 exzellent aufgenommene und 1987 remixte Alan Parsons-Album doch seine Limitierungen hat. Das offenbart sich krass mit dem Wechsel zum 2013 produzierten Track „Hey Now“ des britischen Trip Hop-Trios London Grammar: Hier kann die Kompaktbox ihr verblüffende Bassfähigkeit bei den synthetischen Tiefsttönen so richtig unter Beweis stellen. Wir sind echt baff, welche physische Kraft hier auf uns wirkt! Auch jetzt geht dies nicht zu Lasten der Klarheit. Die Concept 300 vollführt die Schallwandlung mit einer wunderbaren Gelassenheit, das sorgt für eine sehr schöne Entspanntheit beim Zuhören. Ein weiteres Highlight dieses Schallwandlers ist die immense Transparenz der Wiedergabe – das wird direkt mit den ersten Tönen klar: Die Gitarre mit ihren trocken-abgedämpften, perlenden Einzeltönen und das eher als Effekt denn als Drums genutzte Schlagzeug sind mit Hall und Echo veredelt, sodass die Töne und Schläge durch den Raum wabern, von rechts nach links und wieder zurück geworfen werden und sich dann in die Tiefe des Raumes entfernen. Wir erfahren mit dieser Abbildung eine große Offenheit und Freiheit, die Abbildung der Wiedergabe setzt sich über die Begrenzungen unseres Hörraums hinweg. Der dabei gezeigte Detailreichtum, der bis hin zu den kleinen Reflexionen des Halls reicht, ist atemberaubend! Hinzu kommt eine wunderbare Präzision. Der in Lautstärke und Intensität leicht variierende Anschlag der Gitarrensaiten ist so exakt, plastisch und realistisch wiedergegeben, dass wir dem Gitarristen Dan Rothman geradezu beim Spielen auf die Finger sehen.

Die Rundungen des Gehäuses finden in der sanft gewölbten Front ihre Fortsetzung.

Das Dreibein sorgt für Klarheits-Plus

Die Concept 300 besitzt ein derartiges Auflösungsvermögen, dass sich selbst kleinste Veränderungen bemerkbar machen. Wir haben über die Spikes der Standfüße nun mal die mitgelieferten Gummifüßchen gezogen – und zu unserer Verwunderung gewinnt die Wiedergabe nun sogar noch ein Quäntchen an Bass und Homogenität. Was passiert dann erst, wenn wir die Kompaktlautsprecher mal ohne ihre zwingend zugehörigen Standfüße betreiben? Wir schrauben sie also von den Dreibeinen ab und stellen die Concept 300 auf herkömmliche Füße mit Metallrohr-Konstruktion. Oha – das ist ein merklicher Rückschritt in punkto Präzision, Transparenz und räumlicher Abbildung. Der immer noch üppige Bass hat nicht mehr die herrliche Definiertheit, er verunklart die bisher exzellent hörbaren und verortbaren Instrumente. Auch die bei London Grammars „Hey Now“ deutlich im Vordergrund stehende Sängerin Hannah Reid büßt etwas ihrer herausragenden Präsenz ein: Die Nuancen ihrer warmen, mal leicht gehauchten, dann etwas angerauten Stimme, die Hörbarkeit ihres Atems, ihrer Lippenbewegungen – all das ist nun nicht mehr derart selbstverständlich hörbar, sondern schwerer wahrnehmbar. Also: Zurück auf die zugehörigen Füße! Was bewirkt nun die Möglichkeit, zugunsten einer leichten Höhenbetonung den Jumper auf der Rückseite umstecken zu können? Bei „Hey Now“ empfinden wir dies als eine Intensivierung der Räumlichkeit. Die Concept 300 liefert schon in der Normaleinstellung eine holografische Abbildung, mit der Anhebung nimmt die Plastizität der Stimme, aber auch der Instrumente noch zu, sie wirken noch greifbarer. Das bestätigt sich auch beim Quercheck mit klassischer Orchestermusik: Bei George Gershwins Klavierkonzert mit Kirill Gerstein und dem St. Louis Symphony Orchestra werden die Klangfarben des Flügels, aber auch die Anschlagsdifferenzierung des Pianisten besser abgebildet, auch der Klangkörper wirkt in den einzelnen Instrumentengruppen noch definierter. Diese Klangeinstellung hängt natürlich stark vom Hörraum ab. Bei uns führt diese leichte Betonung zu einem vollendeten Hörerlebnis.

Die magnetisch haftenden Abdeckungen der Boxen folgenden in ihrer Form den Rundungen des Korpus.

Fazit

Das Ziel der Q Acoustics Concept 300 war eine quasi verkleinerte Concept 500 – und dieses Vorhaben ist beeindruckend gelungen. Der Kompaktlautsprecher glänzt mit Präzision und Transparenz, imponiert aber insbesondere durch ein Volumen und eine Basskraft, mit der sich die Bassreflex-abgestimmte 300er als eine Art Miniaturisierung des Flaggschiffs präsentiert. Kein Wunder, denn hier sind von der 500er etliche Features zur Vibrationsminimierung übernommen worden, dazu gesellen sich einige neue Entwicklungen – etwa die bodenseitige Lagerung auf Federn oder der Tensegrity-Standfuß, der das Schwingungsvermeidungs-Konzept der Concept 300 fortsetzt und deshalb fest zu diesem Schallwandler dazugehört. Dank dieses Konzepts behält der Zwei-Wege-Lautsprecher selbst bei hohen Pegeln Klarheit und Kontrolle. Dadurch bietet die 300 in allen Hörsituationen einen exzellenten Detailreichtum, eine atemberaubende Auflösung und eine herausragende räumliche Abbildung. Auch optisch ist die Verwandtschaft zur großen 500 klar zu erkennen, etwa an dem gerundeten Korpus-Design oder an der markant-aparten Lack/Holz-Kombination der Oberfläche. Die Verwandtschaft ist eindeutig – und somit bietet die Concept 300 Exzellenz im Kompakt-Format.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen, Herstellerbild

Gesamtnote: 98/100
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: gut

98

97

98

190812.Q Acoustics-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Q Acoustics
Concept 300
Produktkategorie:Kompaktlautsprecher
Preis:3.748,00 Euro / Paar
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- Schwarz / Rosenholz (Hochglanz)
- Weiß / Eiche (Hochglanz)
- Silber / Ebenholz (Hochglanz)
Vertrieb:IDC Klaassen, Lünen
Tel.: 0231 / 9 86 02 85
www.idc-klaassen.com
Abmessungen (HBT):- Concept 300 Lautsprecher: 355 x 220 x 400 mm
- Concept 300 Standfuß: 690 x 492 x 430 mm
Gewicht:- Concept 300 Lautsprecher: 14,5 kg / Stück
- Concept 300 Standfuß: 3,9 / Stück
Prinzip:2-Wege, Bassreflex
Impedanz:6 Ohm
Empfohlene Verstärkerleistung:25 - 200 W
Hochtöner:1 x 28 mm (Gewebe-Kalottenmebran)
Tieftöner:1 x 165 mm (beschichtete Papier-Konusmembran)
Frequenzbereich:55 Hz - 30 kHz (Herstellerangabe)
Übergangsfrequenz:2.500 Hz
Empfindlichkeit:86 dB (Herstellerangabe)
Bodenanbindung:- Spikes
- Gummifüße
Lieferumfang:- Q Acoustics Concept 300
- Tensegrity-Standfuß inkl. Spikes und Gummifüßen
- Reinigungstuch
- Lautsprecherabdeckungen
Pros und Contras:+ natürliches, volumenreiches Klangbild mit exzellenter Transparenz und Räumlichkeit
+ hervorragende Verarbeitungs- und Materialqualität
+ durchdachtes Schwingungsdämpfungs-Konzept mit Dual Gelcore-Gehäuse, Point 2 Point-Gehäuseversteifungen, entkoppelndem Federungssystem und Tensegrity-Standfüßen
+ innovative Standfuß-Lösung
+ Hochton per Steckbrücke veränderbar
+ sehr gutes Design

- keine Stopfen (wie bei der Concept 500) für die Veränderung der Bassreflexabstimmung
Benotung:
Klang (60%):98/100
Praxis (20%):97/100
Ausstattung (20%):98/100
Gesamtnote:98/100
Klasse:Referenzklasse
Preis/Leistunggut

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