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Redakteur
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Zurück in die Zukunft: Der High End-Pionier Audio Research setzt beim 75 Watt starken Vollverstärker GSi75 optisch auf eine Verneigung vor der eigenen Vergangenheit und technisch auf eine Kombination aus hochberühmter Röhrentechnik und HiRes-fähigen Digitalschnittstellen. Höhepunkt sind hier der DSD-fähige USB-Port und der Upsampling-fähige DAC. Analog glänzt der Amp mit drei Line-Inputs, einer Phono-Vorstufe und einem Kopfhörerverstärker. Eine All-in-One-Lösung für Tradition und Moderne – doch liefert der Audio Research Gsi75 auch den legendären Klang?

Feinster Retro-Style: Der Audio Research Gsi75 ist optisch im Vintage-Look – und verweist auf die firmeneigene Verstärker-Vergangenheit.

Audio Research hat die Gefahr erkannt: Mit herkömmlichem HiFi allein gerät man heute, auch mit höchstem Streben und besten Produkten, in eine Sackgasse. Der amerikanische Audiohersteller, 1970 in Minneapolis gegründet und damit einer der ältesten kontinuierlich bestehenden US-Hersteller dieser Branche, ist bislang bekannt für den Ansatz, die Grenze des Machbaren in der Musikwiedergabe immer wieder zu verschieben – mit High End-Komponenten, die zumeist in Röhrentechnik realisiert sind und für ihre herausragende Klangqualität gerühmt werden, aber vorwiegend an analoge Audiophile adressiert sind. Mit dem Audio Research Gsi75 aus der aktuellen G-Serie bauen die Amerikaner deshalb nun eine Brücke in die Zukunft. Dieser omnipotente Vollverstärker bietet jene Digitalschnittstellen, ohne die ein Amp des 21. Jahrhunderts kaum noch auskommt. Dabei hat Audio Research den eigenen Anspruch beibehalten und bietet außergewöhnliche Features, um auch im Digitalen eine herausragende Klangqualität erreichen zu können. Zeit, sich diesen Amp näher anzusehen.

Röhren-Power: Sechs glimmende Vakuum-Kolben besorgen die Leistungsverstärkung.

Das Design: Verneigung vor der Vergangenheit

Die Anmutung des Audio Research Gsi75 scheint das vorhin Geschriebene Lügen zu strafen: Hier herrscht Retro-Design pur. Audio Research hat sich bei der Gestaltung an den ersten Modellen der Firmengeschichte orientiert. Das erklärt die Art der großformatigen Frontplatte aus gebürstetem Aluminium und die dahinterliegenden großen massiven Tragegriffe, beides Features aus einer Zeit, als Audio Research-Produkte wie 19-Zoll-Rackkomponenten gestaltet und dimensioniert waren. Die ehedem nüchtern-kantige Optik ist nun allerdings elegant abgerundet. Auch die Bedienelemente verströmen mit ihrer silbernen Fläche und der schwarzen Kunststoffeinfassung feinsten Vintage-Style. Außen sitzen zwei große, schwere, aber wunderbar leichtgängigen Drehknöpfe für die Quellenwahl und die Lautstärkeregelung. Dazwischen sind fünf kleinere, runde Taster aufgereiht, mit denen man den Audio Research Gsi75 ein- und ausschaltet, das Menü mit den Einstellungen aufruft, den Amp in den Mono-Betrieb versetzt, ihn stumm schaltet oder das Musiksignal vom Lautsprecherausgang hin zum Kopfhörerausgang dirigiert. Dem Retro-Look entsprechend zeigt das Display unter den Bedienknöpfen mit grün leuchtenden, leicht pixeligen LED-Elementen die aktuelle Einstellung des Audio Research Gsi75 an, ergänzende Auskünfte geben die rechts und links am Rand des Anzeigefelds positionierten acht Einzel-LED. Sie verraten uns den aktuellen Betriebszustand, den Arbeitsmodus des DAC und die erfolgte Aktivierung der Bias-Einstellung. Soweit die Front des Verstärkers. Wer die robuste, 26 mal 48 Zentimeter messende Stirnseite von vorn betrachtet, vermutet nun dahinter ein Monstrum an Verstärker. Doch hinter dieser opulenten Front geht es filigraner weiter. Der Verstärker besteht eigentlich aus einem relativ schlanken Grundgehäuse, auf dem in typischer Manier die charakteristischen Röhrenverstärker-Bauteile unter eigenen Abdeckungen sitzen: Einerseits der Trafo und die Ausgangsübertrager, andererseits die sechs Glimmkolben, die ihre Arbeit unter einem schützenden Gitterkorb verrichten.

Hinter der großen Frontplatte sitzt ein eigentlich schlanker Verstärkerkorpus, die schwarzen Hauben bedecken die aufgesetzten Übertrager und Röhren.

Die Verstärkerschaltung: Alles Röhre?

Audio Research gilt zwar als Verfechter des Vakuum-Kolbens, trotzdem verrichtet im Gsi75 auch alternative Technik den Verstärkerdienst. Dies ist generell nichts Ungewöhnliches bei den Amerikanern. So ist die Phono-Stufe des Audio Research Gsi75 mit Operationsverstärkern realisiert, also mit analogen integrierten Schaltungsbausteinen. Die Vorstufe des Verstärker ist sogar in Halbleitertechnik mit Transistoren ausgeführt. Die Hauptverstärkung übernimmt aber ein Team von sechs Röhren. Zwei kleinere 6H30 kommen bei der Treiber- und Phasenumkehrstufe zum Einsatz. Der Treiber verstärkt das Musiksignal so weit, dass damit die Endstufe richtig ausgesteuert werden kann. Die Phasenumkehrstufe erzeugt ein zweites, um 180 Grad phasengedrehtes Signal. Das originale und das invertierte Signal werden nun zu jeweils zwei Endstufen-Röhren geführt. Sie verstärken im Verbund jeweils eine Halbwelle des Musiksignals. Am Ende werden die beiden verstärkten Musiksignal-Teile über den Ausgangsübertrager wieder zu einem Signal zusammengeführt. Es handelt sich hier also um eine Gegentakt-Endstufe, die im Class AB-Betrieb arbeitet – genauer: in Class AB1-Schaltung, die auch als Ultralinear-Betrieb bezeichnet wird. Damit das sauber geschieht, müssen die paarweise zusammenarbeitenden Röhren aber gleiche Betriebswerte aufweisen. Bei einem derart komplexen mechanischen Wunderwerk wie der Elektronenröhre unterliegt die Fertigung jedoch Toleranzen. Deswegen werden die Röhren geprüft, nur Exemplare mit gleichem Verhalten kommen dann als Paar zum Einsatz. Diese Selektion nennt man „Matching“. Im Audio Research Gsi75 übernehmen insgesamt vier KT150 als Leistungsröhren die Amplifikation. Dieser Röhrentyp ist ein Nachfolger der berühmten KT88. Die wiederum ist eine sogenannte Strahlpentode oder Beam-Power-Tetrode, die gerne in Gitarrenverstärkern eingesetzt wird. Sie ist aber eine ebenso beliebte Bestückung für High End-Röhrenverstärker, man attestiert ihr eine fantastische Auflösung und Durchzeichnung, aber auch einen schlanken Grundton. Die KT150 ist nun die kraftvollere Version – und ein Quartett dieses Röhrentyps verhilft dem Audio Research Gsi75 zu starken maximalen 75 Watt. Wer meint, das sei nicht laut: Schon Röhrenverstärker mit 5 Watt können in jeder Hinsicht zu Verständigungsproblemen mit dem Nachbarn führen. Die Verstärkerleistung wird aber zugunsten der Röhrenschonung und der Klangqualität nicht vollständig ausgenutzt, eingestellt. Wer das ändern möchte, hat die Möglichkeit: Über Trim-Potis, die in die Wangen des Gerätegehäuses eingelassen sind, und mithilfe des beigegebenen Werkzeugs kann man die Bias-Einstellung für jede Röhren ändern, also den Ruhestrom und damit den Arbeitspunkt der Röhren modifizieren. Das sollte man aber nur mit entsprechendem Fachwissen tun. Der Normalanwender dürfte aber mit der werkseitig vorgenommenen Justage glücklich werden. Unser Testexemplar ist vom Vertrieb mit den etwas kleineren, leicht brillanter klingenden KT120-Röhren bestückt und optimiert – und trotzdem höllelaut, das sei jetzt schon verraten. Verstärkerseitig ist also alles klar – doch bietet der Audio Research Gsi75 nun außer Amplifikation?

Runde Taster und Knöpfe in Silber mit schwarzer Einfassung, grünes LED-Display runden den Retro-Charme des Audio Research Gsi75 ab.

Analoge Eingänge und digitale Schnittstellen

Seine Anwendungsvielfalt offenbart der Audio Research Gsi75 auf der Rückseite. Die analogen Sektion umfasst vier Inputs, gleich der erste wird das Herz der Vinylisten höherschlagen lassen: Der Verstärker bietet einen Phono-Eingang sowohl für Moving Magnet- als auch für Moving Coil-Plattenspieler. Hier passen so gut wie alle MM- oder MC-Modelle, denn zum einen kann man bei der Phono-Vorstufe zwischen den beiden Gain-Einstellungen „Low“ (45 Dezibel) und „High“ (63 Dezibel) wählen, zum anderen bietet der Amp die Möglichkeit, die Impedanz an das Abtastsystem des Plattenspielers anzupassen. Natürlich besitzt der Verstärker zugunsten eines brummfreien Betriebs auch eine Erdungsklemme. Es folgen drei nichtsymmetrische analoge Line-Pegel-Eingänge, eine symmetrische Anschlussmöglichkeit ist hingegen nicht vorgesehen. Diese insgesamt vier Analog-Zugänge sollten genügen, um alle traditionelle HiFi-Quellen einzubinden. Nun zur Digitalsektion, die den Audio Research Gsi75 fit für Gegenwart und Zukunft macht: Hier offeriert der Verstärker mit dem elektrischen koaxialen Input und der optischen Toslink-Buchse zwei S/PDIF-Schnittstellen. Über diese Zuspielwege akzeptiert der nachfolgende DAC PCM-Signale bis 96 Kilohertz/24 Bit. Das HiRes-Glanzstück ist aber der USB-B-Port: Über diese Schnittstelle können vom Rechner PCM-Signale bis 384 Kilohertz/24 Bit zugespielt werden. Zudem geht hier auch das alternative Format DSD bis DSD128 sowie DSD DoP. Dieses „DSD-over-PCM“ bezeichnet DSD-Dateien, die in PCM-Container verpackt sind. Wer den Audio Research Gsi75 von seinem Computer aus füttert, muss als PC-Besitzer erst eine Treiber von der Hersteller-Homepage herunterladen (hier geht es zur Download-Seite) und installieren. Als Mac-Besitzer benötigt man keinen Treiber, allerdings unterstützt MacOS kein natives DSD, sondern funktioniert nur, wenn die DSD-Dateien in PCM eingepackt werden – also DSD DoP. Das ist rechenintensiv, weswegen je nach MacOS -Betriebssystemversion DSD128 nicht möglich ist, ebenso funktionieren deshalb auch nicht alle PCM-Auflösungen.

Digitale Dreifaltigkeit: Ein optischer und ein elektrischer S/PDIF-Eingang sowie ein USB-B-Port bieten Zugang für HiRes-Files.

Klangfinessen: Upsampling und Filterwahl

Um PCM-Files mit nicht ganz so hoher Auflösung auf die Beine zu helfen, vollführt der Digital-Analog-Konverter auf Wunsch zuerst ein Upsampling. Dies ist eine Vervielfachung der Abtastrate: CD-artige Signale mit 44,1 Kilohertz oder Vielfachem hiervon werden nun mit 352,8 Kilohertz abgetastet, Signale mit 48 Kilohertz oder Vielfachem hiervon werden jetzt mit 384 Kilohertz gelesen – für jede Signalart also ein eigenes und damit sauberes Upsampling ohne Quantisierungsfehler. Der Sinn der Sache: Durch die Erhöhung der Abtastraten können die eingesetzten Filter subtiler arbeiten. Die Filter sind beim Umwandeln der digitalen Daten in analoge Töne unverzichtbar, sie müssen alle entstehenden Audio-Artefakte fernhalten, die nicht zur originalen Musik gehört. Je höher die Samplingrate, desto flacher können diese Filter ausgelegt werden, sie müssen nicht so radikal steilflankig filtern. Dieser Kniff verbessert den Klang. In eine ähnliche Richtung geht die Möglichkeit, die Filtercharakteristik des DAC zu verändern. Hier hat man die Wahl zwischen „Fast“ und „Slow“. Da gibt es kein richtig oder falsch, man kann selbst herausfinden, welche Einstellung man klanglich bevorzugt.

Das Display zeigt es an: Das eingehende digitale File wird durch den Upsampler auf 384 Kilohertz gebracht, die höhere Abtastrate ermöglicht eine klanglich bessere Verarbeitung der Musikdaten.

Kopfhörer-Ausgang

Das All-in-One-Paket des Audio Research Gsi75 wird durch einen Kopfhörer-Verstärker abgerundet. Prima, denn das ist heutzutage leider kein Standard mehr. Die Buchse ist zudem dankenswerterweise für große Klinke ausgelegt, auch das ist nicht mehr selbstverständlich. Schön, dass Audio Research hier bei Bewährten Standards bleibt. Zudem ist der Ausgang so ausgelegt, dass der Verstärker mit den verschiedensten Kopfhörertypen klarkommt. Wer nun diesen Anschluss sucht: Er befindet sich auf der rechten Gehäuseseite hinter den Bias-Potentiometern.

Auf der rechten Seite ist der Kopfhörereingang positioniert – gleich hinter den beiden versenkten Trim-Potis für die Bias-Einstellung.

Fernbedienung mit Feature-Plus

Zum Verstärker gehört eine hochqualitative Fernbedienung, die aufgrund ihrer durchgängig metallenen Machart und dem daraus resultierende Gewicht von über 307 Gramm eigentlich waffenscheinpflichtig ist. Das passt zum Verstärker, wie auch das Design in gebürstetem Silber und mattem Schwarz sehr stimmig ist. Die durch die Metallblende ragenden weichen Gummi-Tasten haben viel Spiel und einen wenig definierten Druckpunkt. Auch die Anordnung der immerhin 27 Tasten dürfte gerne etwas übersichtlicher sein. Abgesehen davon bieten die Tasten einen echten Mehrwert: Über die Fernbedienung lassen sich mehr Funktionen aufrufen als über die Gerätefront. Zusätzliche Features sind die Impedanzanpassung an das Abtastsystem des Plattenspielers, die Gain-Anpassung des Phono-Eingangs, die Aktivierung und Deaktivierung des Upsamplings, die Wahl der DAC-Filtereinstellung, die Veränderung der Balance, die Bias-Einstellung, die Helligkeitseinstellung des Displays und die Anzeige der Röhren-Betriebsstunden: Die KT120 sollte nach etwa 3.000 Stunden ausgewechselt werden, die K6H30 ist nach rund 4.000 Stunden fällig.

Edel und aufwändig:Die Fernbedienung ist durch und durch aus Metall, sämtliche Schriftzeichen auf der Blende sind graviert und mit Farbe ausgefüllt.

Lautsprecher-Terminal und Hausvernetzungs-Schnittstelle

Für den Betrieb muss der Verstärker unbedingt an Lautsprecher angeschlossen werden. Hier bietet der Audio Research Gsi75 Klemmen aus Vollmetall. Wer „normale“ Transistoranschlüsse gewöhnt ist, wird sich hier ein wenig wundern: Pro Seite gibt es drei Anschlüsse statt der gängigen zwei. Der üblicherweise mit „-“ gekennzeichnete Pol findet beim Gsi75 seine Entsprechung in der mit „0 Ohm“ ausgewiesenen, schwarz beringten Klemme. Der sonst mit „+“ gekennzeichnete Pol ist beim Gsi75 in zwei Optionen unterteilt, weil Röhrenverstärker bezüglich der angehängten Lautsprecherlast empfindlicher reagieren als Transistorverstärker. Wenn die anzuschließende Lautsprecherbox eine Impedanz von 4 Ohm hat, wird sie beim Gsi75 an die rotberingte Klemme mit der Angabe „4 Ohm“ angeschlossen, wenn die Impedanz 8 Ohm beträgt, an die rotberingte Klemme mit der Angabe „8 Ohm“. Nun gibt es auch Zwischenfälle oder Boxen, deren Impedanz mit der Angabe „4 … 8 Ohm“ beziffert ist. Hier hilft ausprobieren, welche Variante zum besseren Klangergebnis führt. Mit den gut positionierten Klemmen aus vergoldetem Vollmetall ist das kein Problem – außer, man möchte blanke Litze verwenden. Die Aufnahmen sind leider quer statt längs ausgerichtet, das macht das Einführen ein wenig schwerer. Zudem sind die Aufnahmen nur mittelgroß, das Einfädeln von querschnittstarken Signalleitern ist dann doch etwas schwieriger. Völlig unkompliziert ist hingegen der etwaige Anschluss des Amps an die Hausvernetzung: Über die RS-232 Buchse, die auch als Com-Schnittstelle bekannt ist, kann der Audio Research Gsi75 in das heimischen Automatisations-System, etwa von Creston, integriert werden. Über einen IR-Input lässt sich der Amp zudem an ein IR-Repeater-System anschließen.

Die Lautsprecher-Anschlusssektion, hier für den rechten Kanal: Je nach Impedanz schließt man den Plus-Leiter des Kabels an die 4 Ohm- oder an die 8 Ohm-Klemme an.

Der Audio Research GSi75 in der Praxis

Röhrenverstärker sind nichts für eilige Menschen, das macht einem der Audio Research Gsi75 gleich klar. Nach dem Einschalten benötigt er knapp eine Minute, bis er bereit ist. Das liegt an den Röhren: Diese empfindlichen Bauteile werden langsam erwärmt, bis sie ihre Betriebstemperatur erreicht haben. Der sanfte Start schont die Röhren und verlängert damit ihre Lebensdauer beträchtlich. Der Audio Research Gsi75 ist während dieses Warm-Up-Prozesses im Mute-Modus. Sobald die entsprechende Anzeige ihr Blinken einstellt, kann es losgehen. Wir schaltet die Mute-Schutzschaltung per Taster aus – und es bleibt stumm, denn der wir haben noch keine Musik gestartet, weil wir erst mal hören wollen, wie geräuschhaft der Verstärker im Leerlauf ist. Röhren wird ja nachgesagt, dass sie stärker rauschen als Transistoren. Das ist per se richtig, das Rauschverhalten des Verstärkers hängt aber stark von der konkreten Aufbau der Schaltung sowie von der Güte und Dimensionierung der Bauteilen ab. Bei Audio Research herrscht da größter Sachverstand und Qualitätsdenken – und das hört man. Wer es ausprobiert, sollte anschließend nicht vergessen, den Verstärker wieder leise zustellen, denn dieses Kraftwerk spielt höllelaut. Sagten wir das bereits? Wir erleben es mit „Desert Island“ von Nanna Øland Fabricius. Die dänische Sängerin ist besser bekannt als „Oh Land“, unter diesem Künstlernamen macht sie Elektropop, der „bei Desert Island“ elegisch ausfällt. Wir hören den Track zuerst von LP, nachdem wir für unseren ELAC Miracord 90 Anniversary den korrekten Gain eingestellt und die richtige Impedanz gefunden haben. Der Verstärker steht gerade mal auf Stufe 50 von 103, doch der abgrundtiefe Bass und die elektronisch verfremdeten Beats dieser Aufnahme sind schon so stark, dass sie regelrecht auf den Körper drücken und den Boden leicht vibrieren lassen. Was für eine kraftvolle Wiedergabe!

In unserem Modell besorgen vier KT120-Röhren die Verstärkung, sie sind etwas etwas kleiner und klingen leicht brillanter als die normalerweise eingesetzten KT150.

Den Verstärker lässt das kalt, er serviert uns statt dessen Oh Lands Stimme mit einer unglaublichen physischen Präsenz. Die Sängerin wird zur Sirene – im besten Sinne: Ihr betörender, elfengleicher Gesang hat eine unglaubliche Anziehungskraft, auch die zarten Atemgeräusche, die leise gehauchten Silben am Ende jeder Phrase sind eine Attraktion – und dieser Stimme können wir fast bis in die Tiefen der Unendlichkeit nachspüren, weil Oh Lands Stimme in einen Hall kathedralischen Ausmaßes gehüllt ist. Der Verstärker lässt uns diese Weite und Tiefe des Raums eindrucksvoll erleben. Die nun noch wie aus dem Hintergrund und fast von Oben herabschwebenden Engelsstimmen der weiblichen Chorstimmen bekräftigen diesen Eindruck von Offenheit und Grenzenlosigkeit. Bald darauf kommen elektronischen Beats und vertrackte Hochgeschwindigkeits-Percussion dazu, der komplexe Rhythmus-Teppich wird gnadenlos präzise und mit tollem Punch abgebildet – doch richtig hart erwischt uns das Klavier: Sein Sound ist durch die Produktion derart auf die Spitze getrieben worden, dass der Anschlag der Akkorde fast schon ein Hämmern ist – und der Audio Research Gsi75 liefert auch hier gnadenlos. Von wegen weiche Röhre! Dabei ist der Klang aber nie harsch, auch nicht bei den zirpend-knisternden elektronischen Störgeräuschen, die Oh Land dem Track unterlegt. Der Verstärker holt das alles raus, wie auch das sanfte Rauschen, das allein auf der Gesangsspur zu Beginn zu hören ist, doch der Audio Research Gsi75 vermeidet jegliche Überbetonung. Das gilt auch nach dem Wechsel zur CD, wir hören den gleichen Track nun also über den Line-Eingang des Verstärkers. Die Ruhe und Kraft, mit der dieser Amp verstärkt, ist dieselbe, in punkto Punch und Präzision wird es sogar noch ein wenig besser.

Die Analog-Sektion bietet einen Phono-Eingang mit Erdungsklemme. Bei den drei Line-Eingängen kann der dritte (SE3) umprogrammiert werden, so dass der bordeigenen Prozessor ausgeschaltet ist. Dann kann der Audio Research Gsi75 in Kombination für den Heimkino-Betrieb mit einem externen Mehrkanal-Prozessor eingesetzt werden – als Verstärker für den linken und rechten Frontlautsprecher.

Dieser Eindruck ändert sich, wenn wir von der Boxen-Beschallung mit der Canton Anniversary 45 zum Genuss per Kopfhörer übergehen: Hier steht die Phono-Wiedergabe der CD-Wiedergabe in nichts nach – und in beiden Fällen erleben wir Dank des MrSpeakers Aeon Flow-Magnetostaten auch mit dem Kopfhörer das exzellente Klangbild, das der Verstärker liefert. Nun wechseln wir bei der CD-Wiedergabe mal die Filtercharakteristik des DAC von „Slow“ auf „Fast“. Ja, auch das macht einen hörbaren Unterschied! Während die Musik im „Slow“-Modus etwas basskräftiger, weicher und ruhiger ist, ist sie im „Fast“-Betrieb etwas schlanker, dafür aber leicht zupackender und härter. Gilt das alles auch für andere Musikstücke? Wir gehen das ganze Programm nun mal mit der fett produzierten Rockblues-Nummer „I’m Not Giving In“ von Thorbjorn Risager & The Black Tornado auf, die acht Musiker lassen es hier richtig krachen – und hier beeindruckt der Verstärker noch weitaus mehr mit seiner Kraft und Ruhe: Die Wiedergabe ist auch bei brachialen Lautstärken trotz des deutlich spürbaren Drucks auf der Brust völlig entspannt, frei von Härten oder Kompressionseffekten. So kann sich die immense Dynamik, die bei diesem Song gerade dem Schlagzeug innewohnt, frei entfalten. Toll!

Die Phono-Stufe ist für MM- und MC-Plattenspieler ausgelegt. Dementsprechend kann man den Gain einstellen – und, wie hier, den Verstärker sogar in fünf Stufen an die Impedanz des Tonabnehmer-Systems anpassen.

Mit seinen Digitalschnittstellen zeigt der Audio Research Gsi75, wie transparent und detailreich er auch bei HiRes-Files agiert, wir hören Ryan Sheridans Hit „Jigsaw“ in DSD128, die von kräftigem Gesang, flotten Akustik-Gitarren, sattem Bass und treibender Percussion getragene Nummer klingt ungemein sauber, und gerade die Gitarre hat eine toll Klarheit und Crispheit. Ein Leckerbissen fehlt uns nun noch: Was bringt nun das Usampling? Wir haben dafür Nicolaus Harnoncourts neuere 2004er-Einspielung des „Messias“ von Georg Friedrich Händel mit dem Arnold Schoenberg Chor und dem Concentus Musicus Wien ausgesucht. Das „Halleluja“ in originaler CD-Qualität, damals eine hervorragende Aufnahme, hört sich auch nach heutigen Maßstäben immer noch richtig gut an – aber was für ein Unterschied, wenn man das Upsampling aktiviert und die Abtastung mit 384 Kilohertz erfolgt! Die Sänger und Instrumentalisten klingen, als hätten sie eine Frischzellenkur genossen, die Stimmen strahlen mehr, erscheinen intensiver. Im Ganzen hat die Wiedergabe nun noch etwas an Definition gewonnen – und so sitzen wir nach der finalen Lobpreisung schwer begeistert vor diesem Verstärker. Halleluja!

Der Audio Research GSi75 im Betrieb: Vorne grüne LED, hinten glimmende Röhren.

Fazit

Famoser Volltreffer: Mit dem Vollverstärker GSi75 hat Audio Research den audiophilen Brückenschlag in die Moderne geschafft. Der 75 Watt starke Röhren-Amp bietet mit seiner berühmt-bewährten Verstärkerschaltung eine beeindruckende Wiedergabe, die sich durch immense Kraft, große Ruhe, exzellente Dynamik und sehr gute Transparenz auszeichnet – sowohl bei der Zuspielung von LP oder drei Line-Quellen als auch bei der Wiedergabe über Boxen oder Kopfhörer. Dazu bietet der Audio Research GSi75 eine digitale Delikatessenabteilung für HiRes-Files. Hier ist über den USB-Eingang neben PCM 384 Kilohertz/24 Bit sogar DSD128 möglich. Glanzstück ist dabei der Upsampler, der auch Files von normaler CD-Qualität auf ein neues klangliches Niveau hebt. Der Audio Research Gsi75 trägt somit trotz seines Retro-Designs den legendären Ruf des amerikanischen Amp-Herstellers in die Gegenwart und Zukunft.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1+
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen

96 %

92 %

96 %

180822.Audio Research GSi75-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Audio Research
GSi75
Produktkategorie:Stereo-Vollverstärker
Preis:20.000,00 Euro
Garantie:2 Jahre (5 Jahre bei Registrierung)
Ausführungen:Silber/Schwarz
Vertrieb:Audio Reference, Hamburg
Tel.: 040 / 53320359
www.audio-reference.de
Abmessungen (HBT):263 x 483 x 518 mm
Gewicht:25,0 kg
Leistung:2 x 75 W
Maximale Samplingrate/
Auflösung:
- USB: PCM 384 kHz/24 Bit bzw. 352,8 kHz/24 Bit, DSD128
- S/PDIF: PCM 96 kHz/24 Bit
Eingänge analog:1 x Phono MM/MC (Cinch)
3 x Line (Cinch)
1 x IR (Mini-Klinke, 3,5 mm)
Eingänge digital:1 x S/PDIF optisch (Toslink)
1 x S/PDIF elektrisch (Cinch)
1 x USB Typ B
1 x RS-232 (9-polig)
Ausgänge analog:1 x Lautsprecher (4 Ohm, 8 Ohm)
Ausgänge digital:1 x RS-232 (9-polig)
Lieferumfang:- Audio Research GSi75
- Fernbedienung
- 2 Batterien (AAA)
- Trimmerschlüssel zum Bias-Justieren
- Kreuzschlitz-Schraubendreher
- 4 Ersatzsicherungen
- 3 Pakete mit 6 Ersatzschrauben
- Netzkabel (2,40 m)
- Bedienungsanleitung (Englisch)
- Garantiekarte
- Prüfzertifikat
Besonderes:- exzellente Abbildung, Auflösung und Dynamik
- ausgezeichnete Verarbeitung
- DSD-fähig bis DSD128
- Upsampling-Funktion auf PCM 384 kHz bzw. 352,8 kHz
- Phono-Verstärker für MM und MC, in Gain und Impedanz einstellbar
- Kopfhörerverstärker mit 6,35 mm-Klinkenbuchse
- kein symmetrischer Eingang
- Bias einstellbar
- hochqualitative Fernbedienung
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1+
Gesamtnote:1+
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungsverhältins:angemessen

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