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Mit der zunehmenden Digitalisierung der Musik wird er immer wichtiger: der Konverter, der die Nullen und Einsen bei der Wiedergabe wieder in Töne und Klänge verwandelt. Hier erweist sich „The Discrete DAC“ von MSB als audiophiler HiRes-Artist: Er wandelt bis zu wahnwitzigen PCM 3.072 Kilohertz/32 Bit und DSD512, kann durch seinen modularen Aufbau alle digitalen Schnittstellen bieten, ist mit einem Netzwerk-Einschub sogar streamingfähig – und soll trotzdem gerade mal das Einstiegsmodell des kalifornischen High End-Herstellers sein. Unglaublich – und deshalb steigen wir ein!

Der MSB The Discrete DAC ist in Mattsilber zu haben – oder in Mattschwarz wie die beiden darunter abgebildeten Netzteile.

Beim digitalen Audio geht es durchaus übersichtlich zu: Es gibt zwar viele Hersteller, die einen Digital-Analog-Umsetzer anbieten oder einen DAC in ihre Komponenten integrieren. Doch es existieren nur wenige Firmen, die die grundlegenden Wandler-Bausteine und Konverter-Lösungen überhaupt konzipieren und produzieren. Und die wenigsten setzten dabei wie MSB auf die sogenannte „Ladder-DAC“-Lösung. Die Technologie ist echtes triple-a: audiophil, avanciert, aufwändig. Diese Tribute kennzeichnen aber eigentlich alle Kreationen von MSB Technology. Die Kalifornier leisten seit über dreißig Jahren Pionierarbeit im Digital-Audio-Bereich und gehören hier mit ihrem Können und ihrem Qualitätsanspruch seit Langem zur Speerspitze. Das hauseigene Ingenieur-Team liefert deshalb auch Software- und Hardware-Lösungen für andere Hersteller, doch natürlich kommt das Know-how vor allem den eigenen Produkten zugute. Deren Realisation fällt in punkto Technik- und Materialeinsatz durchweg kompromisslos aus, weshalb MSB-Komponenten auch preislich ein mitunter exklusives Vergnügen sind. So ist „The Discrete DAC“ das Einstiegsmodell des kalifornischen High End-Herstellers – und kostet in der Grundausstattung knapp 12.000 Euro. Was der DAC dafür bietet und was darüber hinaus noch möglich ist, schauen wir uns jetzt an.

Das Firmenloge ist in das massive Gehäuse eingraviert.

Aus dem Vollen gefräst

Zur näheren Betrachtung nehmen wir den Discrete erst einmal in die Hand – besser: wir scheitern bei dem Versuch, ihn mal eben hochzuheben, denn dieser schlanke, flache DAC wiegt nahezu neun Kilogramm! Kein Wunder: Das Gehäuse ist aus einem Block Aluminium gefräst. Uff! Üppiges Alu ist aber kein bloßer Selbstzweck, so erreicht MSB eine gute Abschirmung gegen hochfrequente elektromagnetische Felder. Zur Block-Fräsung kommt nun noch die Gehäuse-Gravur: Das Firmenlogo auf der Oberseite, die dezenten Zeichen über den Bedientastern und die schlanke Zierlinien der Seiten sind ebenfalls aus dem Aluminium geschnitten und unterstreichen die noble Anmutung des matt eloxierten Gehäuses. Unser Testmodell ist in Silber gehalten, alternativ ist das Gerät aber auch in Schwarz zu haben. Der monolithische Charakter des Discrete DAC wird durch die überaus aufgeräumte Front verstärkt: Mit drei Tastern zur Linken und einem Drehgeber zur Rechten finden wir auf der Vorderseite gerade mal vier Bedienelemente.

Zur definierten Ankopplung an den Untergrund werden alle MSB-Komponenten auf Spikes gestellt. Das gilt auch, wenn mehrere MSB-Komponenten aufeinander gestellt werden. In die hierfür vorgesehenen Vertiefungen kann man Geräteschutzplättchen einlegen, um ein Verkratzen durch die metalldornen zu verhindern.

Haptische Sensation

Zuerst zu den Tastern: Über den mittleren der drei silberglänzenden Druckknöpfe gelangt man in den Setup-Modus, hier kann man dann mithilfe der beiden äußeren Taster und dem Drehgeber die Anpassungen des DAC vornehmen: Die Helligkeit und die Abschaltung des Displays, die Einstellung der Anfangslautstärke, die Deaktivierung der Lautstärkeregelung und die Festlegung des Output-Levels zur optimalen Anpassung an den nachfolgenden Verstärker. Den Abschluss macht der Switch-Mode: Entweder können wir die Eingänge rein manuell auswählen oder wir nutzen den Komfort der automatischen Eingangserkennung. Der DAC schaltet dann auf jene Quelle um, von der aktuell ein Signal eingeht. Nun zum Drehgeber. Er ist so schlicht und matt gehalten wie das Gehäuse, bei der Bedienung erweist er sich aber als haptische Sensation: Das Lautstärkerad läuft herrlich leicht, die Drehbewegung wird dabei durch eine ultrafeine Rastung dezent strukturiert: Jede Kleinstetappe entspricht der Veränderung um ein Dezibel, das Spektrum reicht von 0 bis 106. Die Lautstärkesteuerung lässt sich über das Menü abschalten, dies bietet sich an, wenn man den Pegel ausschließlich über den Verstärker regeln möchte.

Der Drehgeber ist mit seiner perfekten Gängigkeit ein haptischer Hochgenuss.

Aufwändige Anzeige: das Display

Zentral in die Front eingelassen ist schließlich das Display. Es ist in OLED-Technik realisiert, die vierstellige Anzeige gibt ihre Informationen mit großen Pixeln wieder. Diese Darstellungsweise ist nicht besonders elegant, aber sehr gut lesbar, auch in größerer Entfernung. In der Grundeinstellung wird uns erst der gerade gewählte Eingang angezeigt, dann die Samplingrate und die Bittiefe des hier laufenden Tracks und schließlich die aktuelle Lautstärke. Hört sich alles ganz unspektakulär an – aber welchen Aufwand MSB mit diesem Display treibt, bleibt dem Auge verborgen: Damit die Anzeige keinen Einfluss auf andere Baugruppen und damit auf den Klang hat, ist das Display speziell geschirmt und hat eine Bildwiederholungsrate, die auf den Takt der internen Arbeitsprozesse des DAC abgestimmt ist, um auch hier störende Differenzen im Timing zu vermeiden.

Das Display erlaubt aus jedem Winkel und auch aus großer Entfernung eine sehr gute Lesbarkeit der angezeigten Informationen.

Modularer Aufbau für extremes HiRes …

Erscheint der Discrete DAC uns bislang wie ein Monolith, so belehrt uns ein Blick auf sein Inneres und auf seine Rückseite eines Besseren: Dieser DAC ist modular. Hier kann im Prinzip eingesetzt werden, was gewünscht wird, und ausgetauscht werden, was irgendwann mal nicht mehr Stand der Technik ist. Den Kern des Discrete DAC wird dieses Schicksal mit Sicherheit erst in allerfernster Zukunft ereilen: Der Wandler ist per se in der Lage, HiRes-Files bis zu der unvorstellbaren PCM-Qualität 3.072 Kilohertz/32 Bit zu konvertieren. 3.072 – das ist nahezu die siebzigfache Samplingrate der CD! Und ein Mehrfaches dessen, was die Konverter der Konkurrenz können. Auch bei dem großen alternativen Digital-Format DSD ist der Discrete DAC überaus zukunftsfest. Hier vermag er bis zu DSD512 zu wandeln, das ist Achtfach-DSD – und zwar nativ, also ohne irgendeine Umwandlung oder Verpackung in das Containerformat DoP (DSD over PCM). Das sind Qualitäten, für die es softwareseitig nur wenige oder noch gar keine Files gibt. Doch auch bei der Hardware ist diese Güte bislang unerreicht – und genau deshalb ist der Discrete DAC modular aufgebaut.

Als Digitalquellen-Anschlüsse bietet der Discrete DAC eine AES/EBU-Buchse (XLR), eine koaxiale S/PDIF-Buchse und zwei optische Toslink-Eingänge. Mit dem daneben platzierten BNC-Anschluss kann ein anderes Geräte mit der internen Clock des Discrete DAC synchronisiert werden. Rechts sind die beiden bereits mit Einschüben belegten Modul-Slots zu sehen. Links befinden sich die beiden XLR-Buchsen des symmetrischen analogen Line-Ausgangs.

… und für maximale Flexibilität

MSB hat bei der Entscheidung für das Modul-Konzept daran gedacht, dass neben der Güte der HiRes-Files auch die Qualität der Hardware steigt. Deshalb sind die Schnittstellen-Komponenten austauschbar. Im Prinzip ist der Discrete DAC frei konfigurierbar, in der Praxis gibt es eine Standard-Grundausstattung. Als Anschlüsse sehen wir eine AES/EBU-Schnittstelle in Form einer XLR-Buchse. Dies ist die Profi-Schnittstelle, wie sie im Tonstudio Standard ist und nur bei sehr ausgesuchten High End- und HiFi-Zuspielern geboten wird. Im normalen Consumer-Bereich sind hingegen die nächsten Buchsen gängig: die beiden optischen Toslink-Eingänge und der elektrische koaxial-Anschluss. Gemäß der S/PDIF-Defintion der Schnittstellen ist Toslink auf 96 Kilohertz limitiert, der Koaxial- und der AES/EBU-Eingang sind für 192 Kilohertz ausgelegt. DSD geht an diesen Schnittstellen bis DSD64 im DoP-Verfahren. Hier sieht man schon: Die Limitationen betreffen die Hardware-Peripherie – und darum ist es clever, diese austauschbar zu halten. Das geht ganz ausdrücklich über die beiden Modulschächte, die an der rechten Rückseite Platz für zwei Einschübe bietet. Sie sind optional, und hier hat der kaufende Kunde eine breite Auswahl.

Der Discrete DAC besitzt zwei Steckplätze für zusätzliche Digital-Module. Sie werden eingesteckt und mit einer mechanischen Verriegelung arretiert – ganz ohne Werkzeug. Diese optionalen Module kann man auch nachträglich einbauen. Hier sind links das USB-Modul und rechts der Renderer für das LAN-Streaming zu sehen.

Module für alle digitalen Fälle

Das Modul-Repertoire umfasst einen optischen plus elektrischen S/PDIF-Einschub, einen AES/EBU-Einschub, ein I²S-Modul, um Digital-Zuspieler über I²S-Schnittstellen anbinden zu können – aber die beiden wohl interessantesten Einschübe, die auch in unserem Testmodell eingesetzt wurden, sind das USB-Modul und der Renderer. Dank des USB-Moduls können wir unseren Computer oder unseren Laptop anschließen, über diesen Weg geht PCM 768 Kilohertz/32 Bit, Quad-DSD (also DSD256) – und hierüber wird auch das MQA-Format unterstützt. Der Renderer eröffnet uns dann einen weiteren wichtigen Weg der Zuspielung: Mit ihm wird der Discrete DAC netzwerk- und streamingfähig. Über die RJ45-Buchse können wir ihn in unser LAN einbinden und nun Musik von einem NAS-Festplattenspeicher oder einem anderen Musik-File-Depot, das in dieses Netzwerk integriert ist, abspielen – und zwar ebenfalls bis PCM 768 Kilohertz/32 Bit und DSD DSD256. Das sind schlichtweg Wahnsinn-Werte! Mit diesen Einschüben wird der Discrete DAC zur digitalen Zentrale der heimischen Klangkette. Zur Steuerung des Renderers hat MSB keine eigene App, hier wählt man eine audiophile und HiRes-fähige Musikmanagement-Software wie Audirvana, JRiver oder Roon: Die Wandler von MSB besitzen mittlerweile nämlich samt und sonders die Roon Ready-Zertifizierung. Für sämtliche Software gilt: Während auf Windows-Rechnern DSD-Files ohne Wenn und Aber abspielt werden, können Apple-Computern wegen des MacOS-Betriebssystems DSD-Files nur über den DoP-Weg handhaben.

Goldener Riegel: Das Prime DAC-Modul ist das Herzstück jedes MSB-Konverters. Im Discrete DAC arbeiten zwei dieser Module, je einer für den rechten und linken Kanal.

Präzisions-Instrumente: DAC …

Modular – das ist auch das Stichwort für den inneren Aufbau des Discrete DAC. Neben der Input-Sektionen sind ebenso die Module DAC, Clock und Output austauschbar. Werfen wir einen Blick in das Herz des Wandlers. Hier wirken zwei Einheiten des Prime DAC. Dieses Modul erinnert optisch an einen Goldriegel – und dieser edle Quader birgt die zentrale Technologie von MSB: den Konverter in sogenanntem Ladder-Aufbau. Ein Ladder-DAC bestehen aus einem Netzwerk höchstpräziser Widerstände, ihre Toleranzen sind zugunsten größter Exaktheit ungemein eng. Die Fertigung und Selektion dieser Resistoren ist ebenso ein Preistreiber wie die benötigte Menge an Bauteilen: Das Netzwerk umfasst derart viele Widerstände, dass die Schaltung auch augenzwinkernd als „Resistorengrab“ bezeichnet wird. Die Anordnung der Widerstände erinnert an eine Leiter, daher rührt der Name Ladder-DAC. Und da dieser DAC – anders als die von fast allen anderen Herstellern verwendeten Delta-Sigma-Wandler – mit diskreten Bauteilen aufgebaut ist, stammt von hier der Name unseres Test-DAC: „The Discrete“. Ladder-DACs sind sogenannte Multi-Bit-Konverter, sie arbeiten wesentlich präziser und benötigen weitaus weniger Filterung in der Nachbearbeitung als die mit Ein-Bit-Technik arbeitenden Delta-Sigma-Wandler. Deshalb gelten die Ladder-DACs als akustisch überlegen – wenn die Widerstände exakt gefertigt sind. Genau darin liegt die Kernkompetenz des Prime DAC-Moduls. Es ist zuerst für den Referenz-Konverter von MSB entwickelt worden, jetzt kommt es auch bei unserem Einsteiger-Modell zum Zuge – und zwar für mit einem Prime DAC-Modul für jeden Stereo-Kanal.

Zum Discrete DAC gehört auch eine hochwertige Fernbedienung. Sie ist wie der Konverter aus Aluminium gefertigt und gefräst. Auch hier ist die Lautstärke-Einstellung mit dem Drehrad ein echter Genuss. Im Innern sitzt statt einer Batterie ein Akku. Er wird über das mitgelieferte Mikro-USB-Kabel und einem USB-Ladestecker, der in jedem Smartphone-bewehrten Haushalt existiert, aufgeladen.

… und Clock

Nicht minder pingelig sind die Kalifornier beim Timing. Sie verzichten auf die gängige Technik, bei der der Zuspieler den digitalen Datenstrom zum Konverter sendet und auch den Takt vorgibt, mit dem der DAC arbeiten soll. Stattdessen wird das Signal erst zwischengespeichert und nun mit einem selbsterzeugten Takt versehen. Dieses Re-Clocking steigert die Präzision der Datenverarbeitung, weil es nicht zu Taktschwankungen und -verschiebungen zwischen den Geräten kommt, welche zu Ungenauigkeiten und Fehlern beim Lesen der Daten führen – dem gefürchteten Jitter. Kurz noch zum letzten Modul, dem Ausgang: MSB setzt hier auf einen symmetrischen Line-Ausgang, das ist die hochwertigste analoge Anschlussart. Die hier ausgehenden Signale sollen so stark sein, dass der DAC direkt an eine Endstufe angeschlossen werden kann – auch deshalb ergibt die Lautstärke-Regelungsmöglichkeit des DAC Sinn. Wer ihn an hingegen einen normalen Vollverstärker-Eingang anschließt, sollte laut Empfehlung von MSB erst einmal über das Menü den Output-Pegel auf „Low“ absenken.

Das Netzteil steht dem DAC in punkto Robustheit kaum nach. Auf der Rückseite der Stromversorgung finden wir die Anschlüsse – und den An/Aus-Schalter, der auch den DAC in und außer Betrieb setzt.

I Got The Power: Das Netzteil

Seine Kraft schöpft der Discrete DAC auch aus seinem Netzteil. Es ist ausgelagert, dies ist bei empfindlicher Elektronik vorteilhaft, weil sie so ungestört von den elektromagnetischen Einstreuungen bleibt, die eine direkt benachbarte Stromversorgung unweigerlich verursacht. Das Netzteil folgt, wie der Discrete DAC, dem Aus-dem Vollen-Prinzip: Die Stromversorgung ist in einem mattschwarz eloxierten Ganzmetall-Gehäuse untergebracht, in das die Areale für die Bauteile ausgefräst sind. Auch hier herrscht also maximaler Aufwand, um durch Materialwahl und Schwerstbauweise jegliche Gehäuseschwingung sowie Emission elektromagnetischer Störschwingungen zu unterbinden. Natürlich sind auch die verwendeten Bauteile ordentliche Gewichtstreiber, allen voran das Herzstück, der Ringkerntransformator. Er beansprucht mehr als ein Viertel des vorhandenen Platzes und sorgt dafür, dass der Discrete DAC mit sauber-stabilem Strom versorgt wird. Dies geschieht über die rückseitige Vierpol-Buchse. Mit einem „Dual Link Power“-Kabel geht es dann in den DAC. Wer den Konverter mit einem einzigen Netzteil betreibt, schaltet den mitgelieferten Adapter dazwischen, damit sowohl die Analog- als auch die Digitalsektion versorgt werden. Die beiden Sektionen können aber auch getrennt mit je einem einzelnen Netzteil betrieben werden. Dies soll einen deutlichen klanglichen Zugewinn zeitigen. Wir sind gespannt – und deshalb hören wir uns den Discrete DAC jetzt auch an.

Adapter-Lösung: Wer den Discrete DAC mit nur einem Netzteil betreibt, steckt einen Adapter zwischen das Versorgungskabel und die beiden Stromversorgungs-Buchsen des DAC. So werden die analogen und digitalen Sektionen gemeinsam bestromt.

So klingt der MSB The Discrete DAC

MSB empfiehlt eine Einspielzeit von mindestens 100 Stunden, weil sich die Klangqualität in dieser Zeit deutlich steigere. Wir sind deshalb froh, dass uns der deutsche Vertrieb ein bereits eingespieltes Exemplar zur Verfügung stellt. Trotzdem heißt es, Geduld zu haben: Der DAC soll nach dem Einschalten drei bis fünf Stunden Zeit bekommen, um seine optimale Betriebstemperatur zu erreichen. Zur Geduldsprobe gesellt sich eine kleine Überraschung: Wir müssen den Discrete DAC in den obersten Volumenbereichen fahren, um beim nachfolgenden Vollverstärker, dem Schweizer Nobel-Amp Neukomm CPA 155S, im normalen Pegelbereich zu liegen. Ja, so verhält es sich bei anderen Edel-Konvertern auch, insofern hätten wir damit rechnen können. Nun aber geht es ab: Wir starten mit „Trashbox“ von DePhazz, die Band aus Heidelberg hat den Song 2014 live im Berliner A-Trane gespielt und liefert hier einen genial groovenden Mix aus Lounge, Jazz, Soul, Latin und Trip-Hop. Im Vordergrund steht Sängerin Pat Appleton – und die hat mal so richtig Sex in der Stimme. Appleton beginnt den Song mit einem reibeisig-gutturalen „Hmm … You’re Stickin’ To My Finger“, da läuft uns schon die erste Gänsehaut über den Rücken. Das liegt in erster Linie an Appleton und an der tollen Produktion der Aufnahme, aber eben auch an der Güte des Files und der Qualität seiner Wandlung und Wiedergabe. Wir haben den HiRes-Song in 192 Kilohertz/24 Bit über das USB-Modul des DAC zugespielt. Wenn wir die Aufnahme nun hingegen in der File-Qualität 44,1 Kilohertz/16 Bit hören, büßt der Song die ganz große, grandiose Auflösung, Durchsichtigkeit und Direktheit ein, die wir gerade noch so genossen haben. Das führt dazu, dass Pat Appleton etwas an Sex-Appeal verliert, und auch ihre Combo, bestehend aus Saxophon, Keyboard, Kontrabass und Schlagzeug, klingt nun etwas distanzierter, etwas matter. Unglaublich, welchen Unterschied der DAC mit diesen zwei File-Qualitäten aufzeigen kann!

Große Augen beim akustischen Erlebnis

Deshalb hören wir uns alternativ das Scherzo aus dem Flötenkonzert des amerikanischen Gegenwartskomponisten Christopher Rouse an, gespielt von Katherine Bryan und begleitet vom Royal Scottish National Orchestra unter Jac van Steen. Die Aufnahme haben wir ebenfalls in 192 Kilohertz/24 Bit, wir spielen sie aber zur Abwechslung von unserem Server und über den Renderer des Discrete DAC zu. Auch hier sitzen wir mit großen Augen vor dem akustischen Ereignis: In allergrößter akustischen Reinheit, Ruhe und Klarheit werden wir direkt mit der dramatischen Eröffnung konfrontiert: Ein Warnton der Bläser, darüber wogende Streicher wie bei Wagners Fliegendem Holländer – und dahinter ein Schlagwerker, der uns kurz darauf mit einem knappen Hieb auf seine Percussion überrascht, weshalb wir plötzlich kerzengerade auf dem Sofa sitzen. Dabei hören wir auf sehr gemäßigter Lautstärke – was für eine Dynamik! Der MSB The Discrete DAC lehrt uns, dass Dynamik eigentlich nichts mit Lautstärke zu tun hat, sondern mit Geschwindigkeit – und das ist eben das große Plus eines schnellen und präzisen Konverters, der diese Dynamik aus einem hochauflösenden Files wieder herausholen kann. Dazu kommt die hervorragende plastische Abbildung des Orchesters und die herrlich holografische Darstellung der Solistin: Katherine Bryan ist uns so nah, dass wir jeden Atmer wahrnehmen, jeden Hauch, mit dem sie in das Mundstück bläst und die Metallflöte in Schwingung versetzt. Diese Wiedergabe zieht uns völlig in den Bann! Wenn wir den gleichen Track nun aber über den auf 96 Kilohertz begrenzten Toslink-Eingang zuspielen, erleben wir wieder, wie bei der DePhazz-Aufnahme, was an Klangqualität und an Musikgenuss verloren geht. Der Discrete DAC liefert klare Argumente für HiRes höherer Güte.

Volle HiRes-Pracht: Der Renderer kann Flies bis PCM 768 Kilohertz/32 Bit und DSD256 über das heimische LAN empfangen und vom DAC wandeln lassen.

Doppelt klingt besser: der Discrete DAC mit zwei Netzteilen

Geht’s noch besser? Ja! Der Discrete DAC lässt sich ja zur getrennten Versorgung der analogen und der digitalen Sektion mit einem zusätzlichen zweiten Netzteil betreiben. Mit dieser Kraftwerksverdoppelung sorgt der DAC bei uns für Verblüffung: Wir haben noch das Flötenkonzert im Ohr, deshalb fangen wir mit dem Scherzo an – und erleben eine Wiedergabe, die abermals mehr Räumlichkeit bietet, die offener wirkt, das Orchester mit noch größerer Tiefe abbildet – und Katherine Bryans Flötenspiel noch lebendiger präsentiert. Die Formung ihres Flötentons durch die Lippenbewegung scheint uns fast sichtbar, bei ihrem Solo, bei dem das Orchester schweigt, erleben wir die Flötisten noch direkter, unmittelbarer, näher. Ihr virtuoses Spiel hat nun etwas mehr Spritzigkeit – und das gilt ebenso für das Tutti des Klangkörpers. Den gleichen Eindruck haben wir dann auch bei „Trashbox“ von DePhazz: Die Band scheint einen Zacken zugelegt zu haben. Kaum gehen wir wieder auf die Bestromung des Discrete DAC mit nur einem Netzteil zurück, spielt die Band wie mit angezogener Handbremse. Mit dem zweiten Netzteil haben DePhazz wieder den perfekten Groove. Der Bass klingt konturierter, die Drums knackiger, die ganze Band schlicht vitaler. Den Schritt zurück – sei es der Betrieb mit nur einem Netzteil oder gar der Austausch des Discrete DAC gegen die bisherige Konvertierungslösung – möchte man eigentlich gar nicht mehr machen.

Der MSB The Discrete DAC mit seinen Spielpartnern: Im Rack steht unter den beiden Netzteilen als Verstärker der Neukomm CPA 155S, als Lautsprecher kommen die Inklang 13.2 AdvancedLine in der F.A.Z.-Edition zum Einsatz.

Fazit

„The Discrete DAC“ von MSB erweist sich als Wunder-Wandler: Mit ausgefeilter Technologie wie dem Ladder-DAC-Prinzip oder dem Reclocking sowie mit kompromissloser Qualität bei Material und Fertigung gelingt ihm eine Konvertierung, die zu einem herausragenden musikalischen Erlebnis führt. Dazu befähigt ihn eine Wandlungs-Potenz, die bis PCM 3.072 Kilohertz/32 Bit und DSD512 reicht, womit der DAC absolut zukunftsfest ist. Damit er stets aktuell bleibt, ist er modular aufgebaut. Zur Standard-Ausstattung gehören die Schnittstellen AES/EBU, Toslink und Koax, über zwei frei bestückbare Slots lässt sich der Discrete DAC mit verschiedenen Modulen aufrüsten. Die interessantesten sind dabei der Renderer für LAN-Streaming und sowie der USB-Einschub. Mit diesen Modulen erreicht der DAC seine beste reale HiRes-Performance bis zu PCM Kilohertz/32 Bit und DSD256 – und mit diesen Modulen präsentiert sich der Discrete DAC dann auch als komplette digitale Zentrale der heimischen Anlage. Mit einem zweiten Netzteil lässt sich seine eh schon herausragende Klangqualität sogar noch steigern. Das alles hat seinen Preis. Wer sich nun fragt, ob es lohnt, soviel Geld für einen bloßen Wandler auszugeben, sollte sich diesen Konverter im Verbund mit einer stimmigen Klangkette anhören – und wird entdecken, welche Vitalität, Räumlichkeit und Transparenz grundsätzlich in der Musik steckt. Ein qualitativ nicht auf höchstem Niveau agierender Wandler vermag dies nicht umzusetzen und darzustellen. Dem Discrete DAC hingegen gelingt es beeindruckend.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Simone Maier, Herstellerbilder

Gesamtnote: 97/100
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen

97

97

96

190409.MSB-Testsiegel

Technische Daten

Modell:MSB
The Discrete DAC
Produktkategorie:Digital-Analog-Konverter
Preis:ca. 11.940 Euro (ohne Module)
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:Mattsilber eloxiert, Mattschwarz eloxiert
Vertrieb:HiFi 2 die 4, Leinzell
+49 7175 90 90 32
www.hifi2die4.de
Abmessungen (HxBxT):- ohne Spikes: 51 x 432 x 305 mm
- mit Spikes: 68 x 432 x 305 mm
Gewicht:- DAC: 8,6 kg (mit Modulen: 9,3 kg)
- Netzteil: 2,5 kg
Eingänge (digital):2 x optisch (TOSLink, SPDIF)
1 x elektrisch (Cinch, koaxial, SPDIF)
1 x AES/EBU (XLR)
2 x Slot für Erweiterungsmodul
Ausgänge (analog):1 x Line symmetrisch (XLR)
Ausgänge (digital):1 x Word Sync (BNC) zur Synchronisierung anderer Komponenten mit der Clock des Discrete DAC
1 x RS-232 (Mini-Klinkenbuchse) zur Triggerung aller MSB-Komponenten beim An/Aus-Schalten
Unterstützte Audio-Dateiformate:- PCM bis 3.072 kHz / 32 bit
- DSD bis DSD512
- WAV, FLAC, MP3, WMA u.v.a.
Maximale Samplingrate/
Auflösung
- PCM 768 kHz / 32 bit: USB, Renderer
- PCM 192 kHz / 24 bit: Coax, AES/EBU
- PCM 96 kHz / 24 bit: Toslink
- DSD256: USB, Renderer
- DSD64 (DoP): alle Schnittstellen
Lieferumfang:- MSB The Discrete DAC
- Fernbedienung
- Netzteil (Discrete Power Supply)
- Netzkabel
- Ladekabel USB-A/Micro-USB für den Akku der Fernbedienung
- 4er-Set Spikes, Geräteschutzplättchen, Spiketeller, Filzscheiben (selbstklebend)
- Bedienungsanleitung (Englisch)
Optionales Zubehör:- Erweiterungsmodule:
- USB (für DSD256, PCM 768 kHz / 32 bit, MQA), ca. 1.908 Euro
- Renderer (für LAN-Streaming), ca. 2.394 Euro
- S/PDIF (1 x optisch, 1x elektrisch, inkl. Word Sync-Ausgang)
- AES/EBU (XLR, inkl. Word Sync-Ausgang)
- Dual Pro I2S (2 I2S-Schnittstellen)
- zweites Discrete Power Supply zur getrennten Versorgung der analogen und digitalen Sektion
- Premier-Powerbase mit vier vollständig isolierten Netzteilen zur separaten Versorgung der digitalen Eingänge, des digitalen Prozessors, der Audio Clock und des DAC-Modules
Pros und Contras:+ herausragender Klang
+ exzellente Material- und Fertigungsqualität
+ modularer Aufbau
+ Wandlungsmöglichkeiten bis PCM 3.072 Kilohertz/32 Bit und DSD512

- Grundausstattung ohne USB-Anschluss
Benotung:
Klang (60%):97/100
Praxis (20%):97/100
Ausstattung (20%):96/100
Gesamtnote:97/100
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungangemessen

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