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Redakteur

Das Staunen ist groß: AVM, die auf Elektronik und Verstärkertechnik spezialisierte High End-Manufaktur, präsentiert Plattenspieler? Ja! Die Badener haben gleich zwei Riementriebler auf den Markt gebracht – und das lite magazin hat sich direkt die Luxus-Ausführung des großen Laufwerks ausgesucht: Den chromveredelten AVM Revolution R 5.3 Cellini. Dieses Magnum opus aus Malsch strahlt optisch gleich zweifach, weil auf dem glänzenden Chassis ein magisch leuchtender Teller thront. Wer nun näher hinguckt, entdeckt zahlreiche technische Finessen, die den Cellini auch zur akustischen Attraktion erheben.

Der Rotation R 5.3 ist das große Laufwerk von AVM – und leuchtet auf Knopfdruck in der Imagefarbe der malscher Manufaktur.

Es war alles ganz anders geplant: Ursprünglich wollte AVM-Chef Udo Besser seinen Sohn zu dessen 18. Geburtstag mit einem Plattenspieler überraschen. Doch schnell erwuchs daraus die Idee, erstmals ein Analoglaufwerk in das AVM-Portfolio aufzunehmen – nach fast 30 Jahren Firmengeschichte und trotz der Tatsache, dass das Top-Renommée der Badener eigentlich ihrer Elektronik-Expertise zu verdanken ist. Deshalb hat AVM es clever gemacht: Udo Besser und sein Team haben die Entwicklung des Plattenspielers übernommen, die genauen technischen Vorgaben geliefert und steuern auch etliche Komponenten für die Montage bei, die Ausführung hingegen obliegt den Spezialisten von EAT. Der tschechische Hersteller hat sich mit seinen hochwertigen Laufwerken einen erstklassigen Namen gemacht. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind zwei Vinyldreher, die mit dem Namen „Rotation“ schon ihre Bestimmung andeuten: zum einen der etwas kleinere Rotation R 2.3, zum anderen der große Rotation R 5.3, der technisch aufwändiger gestaltet ist und dem die optionale Adelung zur Chromversion „Cellini“ vorbehalten bleibt. Genau diese Sonderedition, die nach dem italienischen Renaissance-Künstler Benvenuto Cellini benannt ist, steht nun in unserem Testraum.

Die Cellini-Sonderedition glänzt mit verchromter Stirn- und Oberseite.

Ein Traum in Chrom

Die edle Erscheinung dieses Plattenspieler ist überwältigend: Durch die Verchromung spiegelt sich im Chassis das komplette mechanische Wunderwerk, das auf der Oberseite des Cellini montiert und ebenfalls auf Hochglanz poliert ist: Die fein gearbeitete zylindrische Tonarmbasis samt Lift, die aufwändige Anti-Skating-Vorrichtung mit Ausleger und Gewicht, das kardanische Lager des Tonarms, das außergewöhnliche Gegengewicht, die Tonarmauflage und natürlich das Tonarmrohr samt Kopfplatte, die das Nadelsystem trägt – was für ein Glanz und Widerschein! Die Chrombewehrung betrifft die Stirn- und Oberseite des Chassis, die Standard-Gehäuseausführung des Rotation R 5.3 ist hier mit handgeschliffenen eloxierten Aluminium-Zierteilen in Silber oder Schwarz ausgestattet. Die Verarbeitungsqualität ist, typisch AVM, exzellent. Das gilt auch für die Lackierung von Wangen und Rückseite, wo mit zwei Grundierungen sowie drei Oberschichten und bei der schwarzen Version sogar mit sieben Lackschichten ein extremer Aufwand geleistet wird. Unter dem Lack und den aufgesetzten Zierplatten verbirgt sich eine spezielle Zarge: Wo andere Hersteller preiswerteres MDF wählen, kommt bei AVM ein spezieller, hochverdichteter Materialmix aus Steinmehl, Holzfasern und Leim zum Zuge. Diese 60 Millimeter starke HDF-Composite-Zarge ergibt im Verbund mit den aufgeklebten Zierteilen ein Gehäuse in Mehrschichtaufbau, das immun gegen Schwingungen und Resonanzen ist. Auch die vier Füße, die unter das Gehäuse geschraubt werden und so eine absolut waagerechte Ausrichtung des Plattenspielers ermöglichen, verhindern die Schwingungsübertragung: Den zweiteiligen Metallrondellen wohnt eine Federkonstruktion inne, die die mechanische Schwingungen des Masselaufwerks oder alle von außen stammenden Vibrationen wie etwa Trittschall in Wärme umwandeln.

Die zweiteiligen Füße sind mit einer Federung versehen, so werden Vibrationen wirkungsvoll absorbiert. Rechts daneben sitzt der Kippschalter, mit dem die Tellerbeleuchtung an- und ausgeschaltet oder abgemildert wird.

Illuminations-Spektakel

Zurück zur Oberseite: Abseits der aufwändigen Armkonstruktion besitzt der Rotation R 5.3 ein auf Reduktion setzendes Design. Die Oberfläche birgt noch genau drei schön eingefasste Taster für das An- und Ausschalten sowie für die Wahl der Geschwindigkeit: entweder 33⅓ Umdrehungen pro Minute für Langspielplatten oder 45 UpM für Maxis und Singles. Schellackplatten, die 78 UpM erfordern, kann der Rotation R 5.3 also nicht abspielen. Ein in die Taster eingearbeiteter und bis zur Erreichung der Geschwindigkeit pulsierender blauer Lichtkranz quittiert die die Auswahl. Auch das ist ein optisches Highlight. Das eigentliche Illuminations-Spektakel ereignet sich allerdings gleich nebenan: Der gesamte mattierte Plattenteller erstrahlt in leuchtendem Blau. Gerade im Dunklen ist diese azurne, scheinbar schwebende Scheibe eine visuelle Sensation! Wer es dezenter mag, mildert diese Beleuchtung mithilfe eines Wippschalters, der auf der Unterseite des Rotation R 5.3 sitzt – oder schaltet das lichtspendende LED-Band ganz ab. Dieser Leuchtkörper-Ring sitzt unterhalb des Tellers auf der Zarge – und damit sind wir schon beim inneren Aufbau.

Die blaue Beleuchtung lässt sich von satt nach sanft verändern – oder auch ganz abschalten.

Cleverer Antrieb ohne Kippmoment

Um diesen Aufbau zu erforschen, nimmt man den vier Zentimeter dicken und über drei Kilogramm schweren Plattenteller ab. Mit ihrer Gewichtigkeit sorgt diese opake Acrylscheibe für einen ruhigen Lauf – wie auch die nun sichtbare Antriebskonstruktion: Hier kommt ein Subteller aus Aluminium zum Vorschein, er ist über einen Rundriemen mit dem Motor gekoppelt – und zwar auf eine pfiffige Weise, die AVM „Elipso Centric Belt Drive“ nennt und so funktioniert: Statt den Subteller nur mithilfe eines Pulleys anzutreiben, geschieht dies hier mit zwei gegenüberliegenden Rädern. Das eine sorgt aktiv für den Antrieb, denn es sitzt direkt auf dem Synchronmotor, das andere hingen läuft passiv mit. Genau zwischen den Pulleys ist der Subteller positioniert. Der Riemen, der um den Teller und die beiden Pulleys gespannt ist, beschreibt somit eine Ellipse. Der Subteller befindet sich im Zentrum dieser Ellipse und hat deshalb zweifachen, symmetrischen Kontakt zum gespannten Gummi. Durch diesen cleveren Kniff findet eine ausgewogene Kraftübertragung auf den Subteller statt. Er ist also keiner einseitigen Zugkraft ausgesetzt, wie es bei der normalen Ein-Pulley-Lösung der Fall ist. Dadurch ist die Plattentellerachse komplett zugentlastet, sie kann völlig neigungsfrei und ohne jegliches Kippmoment rotieren. Deshalb dreht sich die polierte Stahlachse auch fast reibungsfrei in der Lagerbuchse. Diese Aufnahme ist aus weichem Messing, um auch materialseitig ein geschmeidiges Gleiten zu gewährleisten. Durch die geringe Fertigungstoleranz von 0,01 Prozent ist gewährleistet, dass die Achse kein unnötiges Spiel hat und sich präzise dreht. Am Boden der Buchse ist allerdings ein ultrahartes Teflonplättchen als Lagerspiegel eingelassen, auf ihm rotiert das halbkugelförmige Ende der stählernen Achse – mit geringer Kontaktfläche und deshalb mit wenig Reibung. Für den guten Gleichlauf sorgt nun noch der Synchronmotor, der in das Chassis eingebettet wurde. Er ist soweit wie möglich vom empfindlichen Nadelsystem entfernt, um elektromagnetische Einflüsse zu vermeiden. Den Strom für dem Motor liefert ein externes Netzteil. Das Auslagern der Stromversorgung ist gut, weil so mögliche Einflüsse auf das Abtastsystem verhindert werden. Die Qualität des Steckernetzteils ist allerdings sehr einfach. Der zugehörige Anschluss ist in die Rückseite des Rotation R 5.3 eingelassen. Nach hinten weisend finden wir auch die Buchsen für die Signalausgabe samt der Erdungsklemme, das Anschlussterminal sitzt zugunsten kurzer Kabelwege direkt unter der Basis des Tonarms.

Der „Elipso Centric Belt Drive“ sorgt dafür, dass der Subteller und seine Achse frei von seitlichen Zugkräften rotiert.

Mechanisches Meisterstück: der Tonarm

Dieser speziell für den Rotation R 5.3 entwickelte Aluminium-Tonarm ist ein mechanisches Meisterstück. Mit seiner Eleganz sowie dem spiegelnden Glanz erweist er sich zudem als Design-Highlight dieses Plattenspielers. Der Zehn-Zöller gehört mit rund 15 Gramm bewegter Masse zu den mittelschweren Tonarmen. Er kann mit so gut wie jedem Abtastsystem, das auf dem Markt ist, betrieben werden. Schon bei der Kopfplatte, die das System beherbergt, sieht man den betriebenen Aufwand, und hier startet unsere Entdeckungsreise: Die Headshell hält den Abtaster mithilfe zweier Inbusschrauben, eine dritte verbindet diese Platte mit dem Tonarm. Diese Schraube ist in ihrer sehr schön gearbeiteten Führung nach vorne und hinten verschiebbar. Damit bietet diese Einpunkt-Fixierung die Möglichkeit, das Abtastsystem so einzustellen, dass zum einen die Nadel im optimalen Winkel zur Plattenrille steht und zum anderen auch die effektive Tonarmlänge stimmt, also der Abstand zwischen der Nadel und dem Lagerpunkt des Arms. Damit die Nadel nach vorn und hinten neigungsfrei ist, kann die gesamte Tonarmbasis in der Höhe verstellt werden, bis der sogenannte vertikalen Spurwinkel stimmt. Das geht einfach über zwei Schrauben, die in die Basis eingelassen sind. Damit die Nadel zudem auch keine seitliche Neigung hat, kann überdies das Tonarmrohr gedreht werden. Dafür ist es in der Rohrhülse, die im Bereich der Aufhängung sitzt, mit einer Fixierungsschraube versehen. Wer sie löst, kann einen möglichen sogenannten Azimuthfehler beheben. Somit bietet der Rotation R 5.3 alle Möglichkeiten zur perfekten Justage. Die darf man gerne dem Fachhändler überlassen – und kann sich einfach an der wunderbaren Mechanik erfreuen.

Der Tonarm und seine kardanische Aufhängung sind exzellent gefertigt und ein ästhetischer Genuss.

Kardanisches Edel-Lager

Dieser Genuss setzt sich bei der Aufhängung fort: Die Lagerung des Tonarms ist kardanisch. Das bedeutet: Zusätzlich zu der geschmeidigen horizontalen Rotation kann der Arm auch ultraleicht vertikale Bewegungen vollführen. Dafür ist seine Rohrhülse links und rechts mit Spikes bewehrt, diese Dorne sind mit zwei präzise angezogenen Spezialschrauben in der Halterung eingespannt. So entsteht eine bewegliche Verbindung mit minimaler Kontakt- und Reibungsfläche. Auch die Gewichtseinstellung, mit der man die exakte Auflagekraft justiert, ist erlesen aufwändig. Um selbst schwere Tonabnehmersysteme ausgleichen zu können, hat das große Gegengewicht einen Durchbruch, in dem ein Zusatzgewicht eingesetzt werden kann. Das Gegengewicht wird nun nicht etwa profan aufgesteckt und händisch eingedreht, nein: Statt dessen verschiebt man das Gewicht durch das Drehen einer Bewegungsschraube, die in das hintere Ende des Tonarmrohrs eingelassen ist. Hat man die richtige Auflagekraft erreicht, arretiert man das Gewicht mit der oben aufsitzenden Feststellschraube. Zum Anheben und Absenken des Arms besitzt der Rotation R 5.3 einen Tonarmlift. Er ist ölgedämpft, so senkt sich die Nadel sanft und langsam in die Plattenrille, selbst wenn man den Hebel abrupt umlegt. Sehr schön! Damit der Arm in seiner Ruheposition auch wirklich ruht, ist seine Ablage magnetisch, so wird der Arm unsichtbar-elegant gesichert. Damit der Arm auch während der Abtastung möglichst reibungsfrei läuft, besitzt der Rotation R 5.3 einen Anti-Skating-Mechanismus. Er gleicht jene Kraft aus, die beim Plattenabspielen auf die Nadel wirkt und sie zur inneren Seite der Rille hinzieht, was dem Klang schadet und das Vinyl schädigt. Auch der Anti-Skating-Mechanismus ist bei diesem Plattenspieler aufwändig realisiert: Der Kraftausgleich funktioniert über einen Faden, der einerseits am Tonarm befestigt ist, andererseits an einer Umlenkrolle. Aus diesem Rad ragt ein Ausleger, auf den nun ein kleines Gegengewicht geschoben wird. Über die Positionierung dieses Gewichts verändert man die Anti-Skating-Kraft. Ihre Einstellung hängt von dem Tonarm-Auflagegewicht ab – und das wiederum wird durch das verwendete Tonabnehmersystem bestimmt.

Formschön bis zur Spitze: Die fein justierbare Kopfplatte trägt das Abtastsystem. Hier beherbergt sie das Ortofon Cadenza Black.

Into The Groove: der Tonabnehmer

AVM liefert seine Plattenspieler ohne Tonabnehmer, man muss also noch ein passendes System erwerben. Hier berät und montiert der Fachhändler gerne. Wir haben uns von AVM gleich das Cadenza Black von Ortofon einsetzen und justieren lassen. Dies ist ein überaus hochwertiger MC-Abtaster. MC steht für „Moving Coil“, derartige Systeme sorgen für ein dynamischeres Klangbild gegenüber den verbreiteten MM (Moving Magnet)-Systemen, dafür sind sie auch teurer. Das Ortofon Cadenza Black schlägt mit rund 2.300 Euro zu Buche. Die Nadel ist ein Diamant mit Shibata-Schliff. Diese Schliff-Art wurde in den 1970ern von dem japanische Entwickler Norio Shibata erfunden, er arbeitete für JVC an der Quadrophonie-Wiedergabe per LP. Shibatas Ziel: Die Nadel sollte bei der Abtastung des Vinyls eine größere Kontaktfläche haben, ohne jedoch die Rille der Platte stärker zu beanspruchen. Die Vierkanalstereofonie hat sich nicht etabliert, der Shibata-Nadelschliff aber sehr wohl: Durch die größere Auflagefläche werden die Flanken der LP-Rille weniger belastet, die Abtastungsart kommt gerade den höheren Frequenzanteilen zugute, die Wiedergabe mit diesem Nadeltyp gilt als fein auflösend und sehr präzise. Daneben gibt es aber noch andere Schliffarten,die ebenfalls ihre Vorzüge haben. Die Wahl des Nadelschliffs und der Systemart hat also großen Einfluss auf die Art und Qualität der Wiedergabe, es gibt Vinylisten, die für verschiedene Musikstile verschiedene Systeme verwenden. Wir bleiben durchweg beim Ortofon Cadenza Black, man kann nämlich auch mit einem einzigen System glücklich werden.

Auch der Anti-Skating-Mechanismus ist aufwändig mit Faden, Umlenkrolle und Ausleger-Gewicht gestaltet.

Einrichtung und Aufstellung

Der Plattenspieler wird uns von AVM bereits mit eingerichtetem System geliefert, den Service darf man in dieser Preisklasse auch vom Fachhändler erwarten, bei dem man den Plattenspieler sowie das Abtastsystem erwirbt. Schließlich kostet die normale Version des Rotation R 5.3 ohne System 5.990 Euro, die Chrom-Sonderversion Rotation R 5.3 Cellini schlägt mit 7.490 Euro zu Buche. Wer Spaß an den Justage-Arbeiten hat, kann sie aber durchaus selbst vornehmen: Dank der hervorragenden Bedienungsanleitungen ist die komplette Einrichtung auch in Eigenregie gut machbar. Ein paar Aufstellungsratschläge sollte jeder beherzigen. Der Plattenspieler steht am besten auf einer planen, festen Fläche. Für den absolut waagerechten Stand nimmt man am besten eine Wasserwaage zu Hilfe. Durch die schraubbaren und damit höhenverstellbaren Füße gelingt nun leicht den Ausgleich. Die Füße dienen auch als Schwingungsdämpfer, trotzdem sollte man den Plattenspieler auf einen möglichst vibrationsarmen Untergrund stellen. Nach dem vorsichtigen Einsetzen des Sub-Plattentellers spannt man den Riemen um diesen Teller und um die beiden Pulleys, dann setzt man – ebenfalls vorsichtig, weil das Lager empfindlich ist – den Acrylteller ein. Zum Lieferumfang des Rotation R 5.3 gehört eine aufwändig gefertigte Haube, sie schützt vor Staub, ist aber auch ein mechanischer Bestandteil, der vibrieren und sich damit auf den Klang auswirken kann. Die meisten Vinylisten nehmen sie deshalb beim Plattenhören ab. Ein Plattenspieler benötigt einen Phono-Vorverstärker. Manche Verstärker haben eine solche Phono-Stufe integriert, ansonsten benötigt man eine externe Verstärker- und Entzerrer-Stufe, oft sind solche separaten Lösungen auch qualitativ hochwertiger. Wir haben uns den Vorverstärker AVM30 P 30 ausgesucht, diese Class-A-Phono-Vorstufe kann sowohl MM- als auch MC-Systeme handhaben. Zur Angleichung an das Abtastsystem gibt es verschiedene einsetzbare Widerstands-Adapter, für das relativ leise Ortofon Cadenza Black setzen wir die 100 Ohm-Adapter ein – und nun kann es losgehen.

Das Gegengewicht wird über einen Schraubmechanismus präzise verschoben.

So klingt der AVM Rotation R 5.3 Cellini

Sagen wir doch zuerst mal, was nicht klingt: das LED-Band. Die Beleuchtung des Plattenspielers hat absolut keine akustische Auswirkung auf die Performanz. Außerdem vernehmen wir keinerlei Geräusch des laufenden Motors, ebenso kein Brummen durch Einstreuungen. Sauber! Und: Wir hören nicht den Tonträger. Bei exzellenten Abtastsystemen vernimmt man eben selten jenes Knistern und Knacken, das bei preiswerten Tonabnehmern oft präsent und störend ist, obwohl sich die Schallplatte noch in gutem Zustand befindet. Wir hören also ausschließlich Musik – und das ist ein Gemeinschaftswerk: Das Laufwerk muss schon eine gewisse Exzellenz haben, damit die tonalen Fähigkeiten des Abtasters vollumfänglich zur Geltung kommen. Das klappt hier ausgezeichnet. Wir legen von Patricia Barber die sehr eigene, aber auch sehr schöne jazzige Fassung des Beatles-Klassikers „Fool On The Hill“ auf – und die Wiedergabe ist schlicht ein Hochgenuss. Patricia Barber beginnt den Song allein mit Gesang und Klavier. Die Jazz-Chanteuse intoniert die vertrauten Zeilen „Day After Day, Alone On A Hill“, und schon dieser gefühlvoll und warmherzig gesungene Anfang verleitet uns dazu, die Augen zu schließen. Patricia Barber scheint jetzt vor uns an ihrem Piano zu sitzen, ihre attraktive Stimme vereinnahmt uns geradezu – dieser Frau möchte man ewig zuhören! Dabei klingt der Gesang sehr natürlich und harmoniert perfekt mit ihrem Klavierspiel. Das haben wir auch schon ganz anders gehört, nämlich als Zerfaserung in einen leicht dominanten Vokalvortrag und ein dahinter ertönendes Tasteninstrument. Mit dem Rotation R 5.3 hingegen ist die Wiedergabe wunderbar organisch, ausbalanciert, stimmig.

Das Laufwerk wird zum Schutz vor Staub mit einer hochwertige Haube aus Acrylglas geliefert, die aufwändig mit angeschraubten Dämpfern versehen ist. Links neben dem Plattenspieler steht der Phono-Vorverstärker AVM30 P 30.

Livehaftiger Eindruck

Es lohnt sich auch, genauer auf das Klavier zu hören: Die Wiedergabe bietet uns all die herrlichen Klangfarben, die dieses Instrument zu bieten hat, die seine Abbildung aber auch schwierig machen. Hier bekommen wir den ganzen Kosmos an tonalen Kolorierungen geboten. Dazu macht der Rotation R 5.3 jeden noch so kleinen Dynamikwechsel im Anschlag hörbar: Wenn Barber einzelne Töne oder Akkorde akzentuiert und nuanciert, erleben wir diese Intensitätsabstufung, als säßen wir live in nächster Nähe. Das ist eine tolle Feindynamik, die uns der Plattenspieler liefert! Der intensive physische Eindruck entsteht aber auch durch die ungemein transparente, detailreiche und räumliche Abbildung. Das gelingt, wie die Dynamikdarstellung, nur durch große Akkuratesse – und auch hier glänzt das AVM-Laufwerk: Mit dem Einsetzen von Bass und Schlagzeug haben wir endgültig das Gefühl, bei den Musikern im Aufnahmestudio zu sein. Beide Instrumente sind weiter hinten positioniert, wir nehmen eine schöne Tiefe des imaginierten Raums wahr. Trotzdem verblüfft uns insbesondere das Schlagzeug mit seiner Präsenz: Obwohl Drummer Mark Walker sich nicht in den Vordergrund spielt, können wir alle Finessen, mit denen er sein Spiel etwa auf dem Ride-Becken dezent anreichert, mühelos heraushören. Der Bass hingegen lässt uns aufgrund seines Volumens aufhorchen: Der Song wurde von Michael Arnopol mit einem voll tönenden Kontrabass eingespielt, ja, das wussten wir – aber den Tieftöner haben wir in dieser Fülle so auch noch nicht gehört. Es ist schon verblüffend, wie ein exzellenter Plattenspieler einen die bekannten Vinylschätze neu vor Ohren führt! Die Basswiedergabe ist dabei sehr konturiert, auch hier wahrt der Rotation R 5.3 die Präzision, um hier ein Optimum zu erreichen, reduzieren wir ganz geringfügig die Auflagekraft – jetzt ist es perfekt.

Mit den Tastern schaltet man den Rotation R 5.3 an oder aus und wählt die Geschwindigkeit. Ein blauer Lichtkranz hebt den den betätigten Taster optisch hervor.

Feingeist mit Muskeln

Der Rotation R 5.3 beschränkt sich aber keinesfalls auf die Rolle als Feingeist. Wenn es die Musik hergibt, zeigt er seine Muskeln. Die Rolling Stones haben mit „Rough Justice“ einen richtig rau und nach vorne rockenden Opener auf ihrem „A Bigger Bang“-Album – und hier zeigt der Plattenspieler, dass er auch grobdynamisch alles meistert, was in der Rille steckt: Die Gitarre von Keith Richards hat genau die richtige Portion Dreck und richtig Druck. So klingt eine amtlich eingespielte und aufgenommene Rock’N’Roll-Gitarre! Der dann einsetzende Bass von Darryl Jones sorgt für ein amtliches Fundament und sorgt für ordentlich Schub, auch hier beweist der AVM wieder sein Tieftonvermögen. Schließlich kommt auch Drummer Charlie Watts dazu. Sein Schlagzeug klingt hier richtig vital, dynamisch und kraftstrotzend. Auch das haben wir schon anders gehört, nämlich leicht scheppernd bis nervös-nervig. Nichts davon erleben wir mit dem Rotation R 5.3: Hier hat, angefangen vom satt knallenden Snare-Kessel bis zur fett-voluminösen Bass-Drum, das gesamte Drum-Kit richtig Power. Die gesamte Instrumentalsektion spielt wie aus einem Guss, knackig, frisch und lebendig. Zusammen mit dem immer noch viril klingende Mick Jagger, liefern die Herren hier ein echtes Brett, mit flottem Tempo, aber ohne Stress oder Hektik. Das ist eine weitere großartige und entscheidende Qualität dieses Plattenspielers: Das Klangbild ist souverän-entspannt, alles ist auf dem Punkt, das Timing stimmt. So kann man entspannt Musik hören, stundenlang.

Der AVM Rotation R 5.3 ist ein echter Hingucker, passt sich aber zugleich wunderbar in das heimische Ambiente ein.

Fazit

Mit dem Rotation R 5.3 hat AVM seine exzellente Expertise nun auch auf den Bereich der analogen Masse-Laufwerke ausgeweitet. Dieser Plattenspieler besticht auf Anhieb mit seinem attraktiven klaren Design, seinem blau beleuchteten Plattenteller und seinem herrlich gearbeiteten Zehn-Zoll-Arm, der ein mechanisches Meisterwerk ist. In der chromveredelten Cellini-Sonderausführung des Rotation R 5.3 ist diese Optik durch den spiegelnden Glanz geradezu atemberaubend attraktiv. Das klangliche Können steht dem in nichts nach: Der Rotation R 5.3 erweist sich als audiophile Attraktion. Mit technischen Finessen wie der aufwändigen kardanischen Lagerung des superben Tonarms oder dem „Elipso Centric Belt Drive“-Antrieb, der die Achse von jeglicher Zugkraft entlastet, sorgt dieses Laufwerk dafür, dass Top-Nadelsysteme ihre Extraklasse ohne Limitierungen auszuspielen können. Bei uns übernahm das Ortofon Cadenza Black die Abtastung, mit ihm liefert der Rotation R 5.3 eine wunderbar natürliche, entspannte Wiedergabe, die sehr präzise und detailreich ist, die mit ihrer immensen Dynamik für große Lebendigkeit sorgt und mit einem voluminösen Bass punktet, der bei aller Kraft immer kontrolliert-konturiert ist. Je länger man mit diesem Plattenspieler Musik hört, desto selbstverständlicher wird sein Preis.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 97/100
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen

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190612.AVM-Testsiegel

Technische Daten

Modell:AVM
Rotation R 5.3
Produktkategorie:Plattenspieler
Preise:- Standardversion: 5.990,00 Euro (ohne System)
- Chrom-Sonderversion R 5.3 Cellini: 7.490,00 Euro (ohne System)
Garantie:2 Jahre (nach Registrierung: 3 Jahre)
Ausführungen:Silber, Schwarz, Chrom-Sonderversion „Cellini“
Vertrieb:AVM Audio Video Manufaktur GmbH, Malsch
Tel.: +49 (0) 7246 30991-0
avm.audio/de
Abmessungen (HBT):175 x 470 x 390 mm (inklusive Arm)
Gewicht:- Plattenspieler komplett: 12,9 kg
- Chassis: 9,6 kg
- Teller: 3,3 kg
Prinzip:- Laufwerk: Masse-Prinzip
- Antrieb: Riemenantrieb
Tonarm:AVM, 10 Zoll
Tonabnehmer (optional):- Ortofon Cadenza Black (MC)
- andere Modelle möglich
Geschwindigkeiten:33⅓ UpM, 45 UpM
Lieferumfang:- AVM Rotation R 5.3
- Staubschutzhaube
- Netzteil 15V DC / 1.6 A
- Anti-Skating-Gewicht
- Single-Adapter
- Cinch-Kabel
- Gegengewicht + zusätzlicher Einsatz für Gegengewicht
- 2 Anti-Skating-Fäden
- Anti-Skating-Mechanismus
- Single-Puck
- Justierschablone
- Inbus-Schlüssel (1,5 mm, 2 mm, 2,5 mm)
- Bedienungsanleitung
- Weiße Baumwollhandschuhe
- Reinigungstuch
Pros und Contras:+ exzellenter, natürlicher Klang mit kraftvoll-kontrolliertem Bass
+ herausragendes Design
+ hervorragende Verarbeitung
+ symmetrischer Riemenantrieb, darum keine einseitige Zugkraft auf die Achse
+ eindrucksvolle Beleuchtung des Plattentellers
+ vibrationsdämpfende, höhenverstellbare Füße

- keine 78 UpM für Schelllack-Platten
- sehr einfaches Stecker-Schaltnetzteil
Benotung:
Klang (60%):97/100
Praxis (20%):97/100
Ausstattung (20%):97/100
Gesamtnote:97/100
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungangemessen

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