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Redakteur
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Manche starten gleich mit dem Opus Magnum: Der erste Plattenspieler, den Avid 1999 präsentierte und der prompt den exzellenten Ruf des britischen Analog-Spezialisten begründete, ist der Avid Acutus. Mit seiner einzigartigen Subchassis-Konstruktion, dem speziellen Federungssystem, dem außergewöhnlichen Inverslager, dem Doppelriemen-Antrieb und der Auslagerung von Netzteil und Motor bietet dieses Referenzlaufwerk alle Features, für die ein audiophiler Avid steht. Was sie in Summe bewirken und in welch grandioser Klangqualität der Acutus mit einem edlen Arm und einem noblen Nadelsystem die Musik aus der Plattenrille holt, erleben wir in diesem Test.

Ein Traum in Chrom: Der glänzende Avid Acutus SP hat trotz seines gewichtigen Tellers eine ästhetisch-luftige Anmutung.

Natürlich passiert auch bei Avid nichts von jetzt auf gleich. Dem sofortigen Erfolg des Erstlings-Laufwerks gingen etliche Jahre des Studierens, Ausprobierens und Perfektionierens voraus. Conrad Mas, Gründer, Geschäftsführer und Entwickler von Avid, hat für seine Vision, den bestmöglichen Plattenspieler zu bauen, Universitäten und Ingenieurbüros sowie Gießereien und Kunststoff fertigende Firmen konsultiert, mit dem gewonnenen Know-How die Konstruktion gestartet – und den daraus resultierenden Prototypen dann knapp eine Dekade lang optimiert. Herausgekommen ist der Acutus, der etliche ungewöhnliche Lösungen mit bewährten Prinzipien kombiniert.

Das Subchassis ist auf drei Federn gelagert, sie sitzen in den drei Chromtürmen des Acutus. Unter jedem Zylinder sitzt ein schraubbarer Standfuß, so ist das Laufwerk an drei Punkten höhenverstellbar.

Bewährtes bleibt: das Subchassis-Prinzip

Zum Bewährten gehört das grundlegende Subchassis-Prinzip, nach dem der Acutus funktioniert: Bei dieser Plattenspieler-Art werden alle unerwünschten Vibrationen buchstäblich abgefedert. Deshalb besteht ein solcher Plattenspieler aus einem äußeren Gehäuse und einem inneren Gehäuse, dem Subchassis. Es ist auf Federn gelagert, sie sind die einzigen Kontaktpunkte zum äußeren Gehäuse. Auf dem Subchassis sind nun alle Teile des Plattenspielers montiert, die empfindlich auf mechanische Schwingungen reagieren, also der Tonarm und der Plattenteller samt Lager. Durch die Federung sind sie geschützt: Externe Einflüsse wie Bodenvibrationen werden ebenso absorbiert wie feine interne Schwingungen, die der Plattenspieler beim Abspielvorgang selbst erzeugt. All diese Vibrationen können nun nicht mehr auf die Plattenspielernadel einwirken. Das Abtastsystem überträgt also allein das Musiksignal. Daraus resultiert ein unverfälschtes, stabiles und ruhiges Klangbild. Wie ist das Subchassis-Prinzip nun beim Avid Acutus SP realisiert?

In jedem Chromturm sitzt eine Feder, sie sorgt für die vertikale Lagerung.

Ästhetisch-luftiges Design

Während die meisten Subchassis-Hersteller ihre Vibrationen hemmende Mechanik in einer kompakten Kiste mit Holz- oder Chromverkleidung verstecken, stellt Avid seine Federung mit einem ästhetisch-luftigen Design geradewegs zur Schau. Das beginnt schon bei dem Außengehäuse, dessen Basis aus einer 1,8 Zentimeter dicken, metallenen Grundplatte besteht. Ihre elegante Form ist im Prinzip ein tailliert-geschwungenes Dreieck. Doch zur Linken ist diese Platte um eine halbrunde Einfassung für den Motor erweitert, und zur Front hin führt eine sich verjüngende Zunge zu einer kleinen, eingelassenen Libelle. Mit dieser Wasserwaage kann man überprüfen, ob die Basis des Avid Acutus horizontal ausgerichtet ist. Diese Nivellierung nimmt man über die drei höhenverstellbaren Füße vor, die als verchromte, zahnbewehrte Edel-Rondelle unter die Basis geschraubt sind. Oberseitig ragen hier nun drei Zylinder in die Höhe. In ihnen sitzt der Federmechanismus, auf dem das Subchassis ruht. Die Spannung dieser Federn lässt sich mit einem mitgelieferten Sechskant-Schraubendreher justieren, so bekommt man einerseits das Subchassis exakt in die Waagerechte, andererseits lässt sich so die Schwingfrequenz der Federn verändern und auf den eingebauten Tonarm abstimmen. Diese Federlagerung auf drei Punkten sorgt für ein kontrolliertes Schwingen des Subchassis nach oben und unten.

Gegen seitliche Bewegungen wirkt jeweils ein Gummiring – so wird das Subchassis in Position gehalten.

Kontrollierte Bewegung

Seitliche Bewegungen hingegen werden mit einem besonderen Kniff kontrolliert: Von jedem federführenden Zylinder des äußeren Gehäuses wird ein Gummiring zum Subchassis gezogen. Dadurch entsteht eine definierte dreifache Verspannung, sie unterbindet laterale Auslenkungen und stabilisiert damit die gesamte federnde Aufhängung. Gummiriemen spielen beim Avid Acutus also mehrfach eine Rolle – so ist auch der Motor von einem Gummiring umgeben, er fungiert als dämpfende Kontaktfläche zwischen der zylindrischen Motordose und der Aufnahme der Basisplatte, in die der Antrieb eingepasst wird. Damit der ebenfalls höhenverstellbare Motor hier fest und präzise sitzt, wird er mithilfe eines weiteren Gummirings an das Chassis angepresst. Schließlich gibt es noch zwei weitere Gummiringe: Der Motor treibt den Plattenteller über Riemen an – und zwar ungewöhnlicherweise gleich über ein Rundring-Duo. Durch die Verdopplung der Riemen erhöht sich die Zugkraft. Diese Veränderung der Kraftverhältnisse beeinflusst auch den Klang und äußert sich in einem leichten Zugewinn an Bass und Dynamik.

Das federnd gelagerte Subchassis ist aus spezialbeschichtetem Alu-Druckguss gefertigt. Dies macht die komplexe Pfeilform mit Vertiefungen und Verstrebungen möglich.

Staunenswertes Stockwerk: das Subchassis

Auf die federbewehrte Basis wird nun das Subchassis aufgesetzt – quasi als erste Etage. Dieses „Stockwerk“ ist ein staunenswertes Gebilde aus Aluminium-Guss: Die Pfeil-förmige Plattform für das Lager und den Tonarm wird dreidimensional durch etliche Verstrebungen und Vertiefungen mechanisch stabilisiert und klanglich neutralisiert. Dieses Subchassis ist absolut klangtot. Die linke Pfeil-Flanke besitzt eine Aussparung, damit das Subchassis keinen Kontakt zum benachbarten Motor hat. Auf dem Schaft des Pfeils, also dem Ausleger, sitzt die Aufnahme für den Tonarm, der hier montiert wird. Diese Aufnahme wird beim Avid Acutus SP standardmäßig für Modelle des britischen Premium-Herstellers SME gefräst. Sie ist aber auch für Arme anderer Hersteller geeignet, die sich an die SME-Maße als Quasi-Norm halten. Avid bietet außerdem verschiedene Adapter für andere Arme an. Die brauchen wir aber nicht, denn unser Testmodell ist mit dem SME IV bestückt. Er ist die etwas preisgünstigere und für ausgesprochene Subchassis-Laufwerke zumeist als besser erachtete Alternative zum SME-Flaggschiff „V“. Der kardanisch aufgehängte Tonarm des IV besteht aus einem Druckguss-Magnesiumrohr. Es wird in einem Stück gefertigt, die Kopfplatte ist also nicht angesetzt. Unter diese Headshell kommt bei unserem Testmodell das Goldring Ethos, dies ist das neue Top-Moving Coil-System des deutschen Tonabnehmer-Spezialisten. Das Ethos besitzt einen aus dem vollen gefrästen Aluminium-Korpus mit nackt auf den Nadelträger geklebtem Diamant. Er besitzt einen „Vital-Linienkontakt“-Schliff, das ist ein Schliff der „Line-Contact“-Art, bei der eine mehr oder minder lange und sehr schmale Fläche auf den Rillenflanken der Platte aufliegt. Flaggschiff von Goldring, Top-Modell von SME – Avid setzt sowohl beim Nadelsystem als auch beim Tonarm gerne auf renommierte Hersteller. Conrad Mas arbeitet aber längst an der Vollendung eigener Arme und Abtaster. Prototypen wurden schon auf diversen Messen vorgestellt, es laufen in der Branche Wetten, wann der Perfektionist Mas sie endlich zur Serienreife bringt.

Auf der konischen Spindel des Inverslagers thront eine ultraharte Kugel aus Wolframcarbid.

Präzisions-Wunderwerk: das Lager

Ausgereift ist hingegen das exzellent gemachte Lager. Dessen Präzision und Gleitfähigkeit ist mitentscheidend für die Laufruhe des Plattenspielers. Avid setzt hier prinzipiell auf ein aufwändiges Inverslager, das mit einer Toleranz von einem halben Tausendstel Inch gefertigt wird. Dieses Präzisions-Prunkstück haben wir erstmals bei dem von uns getesteten Avid Sequel SP kennengelernt. Beim Inverslager ist die Lagerachse in das Laufwerk eingebaut und ragt nach oben heraus, der Plattenteller wird auf diese Spindel aufgesetzt. Um die Kontaktflächen und damit die Reibung möglichst gering zu halten, ist die Edelstahlspindel konisch geformt, aufgrund dieser sanften Verjüngung zur Spitze hin hat sie nur wenig Berührungsfläche zu den Seiten der Trägerhülse, die über die Spindel gestülpt wird. Auf diese Trägerhülse wird dann der Teller aufgesetzt. Die Spitze der Spindel und das Kanalende der Trägerhülse bilden die wichtige Kontaktstelle, die über Wohl und Wehe entscheidet – weniger pathetisch gesagt: Dieser Übergang bestimmt, wie leicht der Plattenteller sich drehen kann. Bei Avids Inverslager ist diese Kontaktfläche auf einen Punkt minimiert: ein kleiner Saphir, der in den Boden der Hülse eingelassen ist, berührt eine Kugel aus Wolframcarbid, die auf der Spindelspitze thront. Wolframcarbid ist außerordentlich hart, darum verträgt es die punktuelle Belastung mit einem Saphir als Gegenstück. Dank dieser material- und fertigungsintensiven Ein-Punkt-Lagerung dreht sich der Plattenteller nahezu reibungsfrei. Die Masse der metallenen Trägerhülse – sie wiegt 732 Gramm – steigert die Stabilität der Drehung.

Die Lagerbuchse ist das Gegenstück zur Spindel. In den Boden der Lagerbuchse ist ein kleiner Saphir eingelassen, er allein hat Kontakt mit der Wolframcarbid-Kugel.

Plattenteller und Klemme: Ableit-System für Vibrationen

Dazu trägt in noch größerem Maß der Plattenteller bei. Beim Avid Acutus wiegt er knapp neun Kilogramm. Damit der mit Nickel und Chrom beschichtete Aluminium-Teller nicht in Schwingung gerät, ist er oberseitig mit einem Kunststoff-Granulat überzogen, welches die darunter liegende, schwarz anodisierte Aluminium-Schicht bedeckt. Durch diese Materialfolge mit abgestuft zunehmender Härte sollen Resonanzen erst gar nicht durch den Teller wandern, sondern den widerstandsärmeren Weg nehmen und direkt über das Lager abgeleitet werden. Wichtig ist dafür die mächtige, schwergewichtige Plattenklemme aus verchromtem Edelstahl. Wenn man sie auf den bronzene Gewindedorn der Lagerhülse aufschraubt, entsteht eine feste, Vibrationen leicht abführende Verbindung zwischen Lager, Langspielplatte und Plattenteller. Damit das Vinyl optimal auf den Teller angedrückt wird, ist die Klemme mit gleich zwei Anpressmechanismen versehen. Mit dem oberen Knauf stellt man den optimalen Kontakt zum Lager her, mit der unteren Scheibe erzeugt man den perfekten Anpressdruck auf die LP. Das Plattenlabel bleibt dabei unversehrt, dafür sorgt die freilaufenden Andruckscheibe der Klemme.

Die Unterseite des Plattentellers: Hier werden die beiden Rundriemen aufgespannt. Der zwischenzeitlich eingesetzte silberne Führungsstift hilft, die Riemen nun auch über das Antriebsrad des Motors zu ziehen.

Stark-stabiler Antrieb: ausgelagerter Motor …

Damit alles rund läuft, muss neben der Mechanik des Plattenspielers auch die Motorik stimmen – und die hängt nicht unwesentlich vom Motor und dem ihn mit Strom versorgenden Netzteil ab. Zuerst zum Motor: Hier ist ein ausgelagerter Antrieb, der vom Gehäuse mechanisch entkoppelt ist, von Vorteil. Avid löst das beim Acutus so: Der Motor ist in einer eigenen Dose untergebracht, die wiederum mit einem Gummiring umgeben ist. Er ist der Vibrationspuffer zum Chassis, denn der Motor wird in die linke Aussparung der Basisplatte eingepasst und, wie vorhin schon beschrieben, durch einen Gummi-Spannring an das Chassis angepresst. Dieser in Handarbeit gefertigte Motor ist ein echtes Kraftwerk: Er ist etwa zehnmal stärker ausgelegt, als er für den Betrieb des Plattenspielers sein müsste, zudem punktet er mit der großen Stabilität seiner Drehgeschwindigkeit.

Der kräftige Antrieb ist in einer separaten Motordose untergebracht, sie schmiegt sich in die Aussparung des Chassis. Dazwischen sitzt ein Gummiring für die Vibrationspufferung, der andere Ring presst den Motor an die Basis. Damit alles perfekt passt, ist auch die Motordose höhenverstellbar.

… und externe Stromversorgung

Der exakte Gleichlauf ist aber ebenso von einer konstant-stabilen Stromversorgung abhängig. Die besorgt beim Acutus mittlerweile eine DSP Vari-SPeed Steuereinheit. Sie ist, seit der Acutus auf dem Markt ist, die einzige wirkliche Veränderung des Plattenspielers. Deshalb ist seine Bezeichnung seither um das Kürzel „SP“ erweitert. Das DSP-Netzteil verwandelt mit seiner Schaltung den alles andere als sauberen Strom, der aus der Steckdose kommt, in die nötige schwankungsfrei-saubere Wechselspannung für den Motor. Außerdem sorgt eine elektronische Steuerung dafür, dass der Antrieb eine ultragenaue und vollkommen stabile Drehzahl aufweist. Diese DSP Vari-SPeed Steuereinheit ist dem Plattenspieler in punkto Solidität und Verarbeitung absolut ebenbürtig. Durch die aufwändig gearbeitete und gestaltete Front aus schwarzem, gebürstetem Aluminium ist das Netzteil auch optisch sehr präsentabel. Zum Motor führt ein stoffummanteltes und robustes Kabel, das mit einer Länge von 1,30 Metern eine Aufstellung in ziemlicher Entfernung vom Plattenspieler erlaubt. Das ist gut, weil Netzteile – auch bei sorgsamer Gehäuseabschirmung – durch ihre elektromagnetischen Felder dem überaus zarten Audiosignal des Plattenspielers ein Brummen oder Sirren beifügen können. So hingegen kann man das Netzteil auf Distanz halten, zudem bietet die Kabellänge mehr Freiheit bei der Aufstellung. Damit die Steuereinheit ihre Arbeit aufnehmen kann, muss man aber erst mal den Netzschalter finden: Er sitzt auf der Gehäuseunterseite. Die Einstellung der Geschwindigkeit geschieht hingegen über die Front: Hier gibt es zwei Taster für 33 1/3 und 45 Umdrehungen pro Minute. Sehr schön: Wer beide Tasten zugleich und über eine längere Zeit drückt, kann dann die Geschwindigkeit kalibrieren. Für diese Feineinstellung ist allerdings zusätzlich ein Stroboskop nötig.

Das externe Netzteil liefert dem Acutus hochsauberen Strom und sorgt mit seiner Steuerungselektronik für perfekt-stabilen Gleichlauf.

Aufbau und Einstellung

Wer ein Laufwerk in dieser Preisliga erwirbt, darf für den Aufbau und die Justierung gerne den Händler in Anspruch nehmen. Als testende Redaktion nimmt man diese Einstellarbeiten hingegen mitunter selbst vor. Als Erstes bringen wir den Avid Acutus SP in eine absolut horizontale Standposition. Die kleine Libelle an der Grundplatte ist leider nicht besonders präzise, hier sollte man eine ausgewachsenere Wasserwaage einsetzen. Die bietet der Fachhandel als Zubehör an, auch Avid hat dafür mit dem Level 45 ein Edel-Werkzeug im Portfolio. Eine Libelle benötig man sowieso noch einmal, um ebenso das Subchassis samt aufgesetztem Plattenteller in die Waagerechte zu bringen. Diese Nivellierung gelingt auch durch leichte Veränderung der Spannung der drei Federn mit dem mitgelieferten Sechskant-Schraubendreher. Tipp vom Vertrieb: Diese Federspannung sollte grundsätzlich so eingestellt sein, dass die Gummiringe von den Rondellen zum Chassis hin eine leichte Steigung aufweisen. Später kann man hier dann ein klangliches Feintuning mit Abstimmung auf das Nadelsystem betreiben. Nachdem das Chassis steht, schrauben wir unter die Kopfplatte des Arms das Abtastsystem, dabei achten wir sehr genau darauf, dass der Abtaster in alle Richtungen absolut gerade sitzt, also weder zu den Seiten noch nach vorn oder hinten eine Neigung hat, und auch keinen Spurwinkelfehler aufweist: Das System muss parallel zur Rille ausgerichtet sein. Dafür gibt es eine Einstellschablone. Sie liegt dem SME IV-Arm ebenso bei wie das nötige Werkzeug, um den Tonarm auf die richtige Höhe zu bringen und ihn auch in der Horizontalen soweit nach vorn oder hinten verschieben zu können, bis laut Einstellschablone die korrekte Position der Nadel erreicht ist. Nun balancieren wir den Arm aus, bis er in der Waagerechten schwebt, danach erlaubt ein kleines Rädchen am hinteren Ende des Arms die feine Verschiebung seines Gewichtsblocks hin zur Nadel. So wird beim SME IV sehr geschmeidig, aber mechanisch auch sehr aufwändig die richtige Auflagekraft für das Nadelsystem eingestellt. Für das Goldring Ethos beträgt der Nennwert 1,75 Gramm, wir haben die Auflagekraft aber später ein wenig erhöht, das zeitigt einen voluminöseren Bass. Abschließend wählt man die Antiskating-Kraft, die beim SME IV praktischerweise den gleichen Wert haben soll wie die nominell eingestellte Auflagekraft.

Der Avid Acutus ist für Neun-Zoll-Tonarme ausgelegt, standardmäßig wird er für Modelle des renommierten britischen Herstellers SME vorbereitet – in unserem Test ist der SME IV montiert.

So klingt der Avid Acutus SP

Wir bieten dem Acutus zur Entfaltung seines Klangvermögens eine angemessene Klangkette: Als Phono-Vorverstärker kommt der SteinMusic Stateline Phono 2 Signature zum Zuge. Die weitere Amplifizierung übernimmt dann der Hegel H360. Als Schallwandler dienen zwei Focal Scala Utopia EVO. Damit sich alles einspielen kann und das Abtastsystem genügend Rillendurchläufe absolviert, lassen wir tagelang eine LP laufen und betreten dabei alle 17 Minuten den Hörraum, um die Plattenseite wieder von vorne abzuspielen. Dabei bekommt man natürlich schon mit, wie der Avid Acutus grundlegend klingt: Wir erleben gleich bei der ersten Runde, mit welch fantastischer Entspanntheit der Plattenspieler „Walking On The Moon“ in der Jazzfusion-Version des Yuri Honing-Trio präsentiert. Eine ungemeine Ruhe geht von dieser Wiedergabe aus, als hätten die Musiker sich alle Zeit der Welt genommen. Wir haben diese Aufnahme schon mit anderen Plattenspielern gehört, wo dieses relaxte Feeling schlicht fehlt. Vor allem: Es wird von Mal zu Mal besser, und nachdem die Nadel eingespielt ist, hat man das Gefühlt, die Musiker hätten sich zu einer zweiten Aufnahme entschlossen, weil die erste dem Warmspielen gedient hat und erst jetzt alles rund läuft. Diese Entspanntheit ist natürlich auch auf die große Laufruhe des Acutus zurückzuführen. Dazu gesellt sich eine immense Klarheit und Transparenz: Das Goldring Ethos sorgt in Exzellenz für eine störungsfreie Abtastung. Da ist kein nervig-nervöses Knistern oder Knacken zu hören, obwohl die Platte schon einige Abspielungen auch mit dieser Nadelschliffart hinter sich hat. Ebenso hören wir kaum ein Rauschen und keine tieffrequenten Laufgeräusch. Dabei haben wir am Phono-Vorverstärker noch nicht mal den Subsonic-Filter aktiviert. Der Acutus liefert uns also den reinen Musikgenuss – und der ist gewaltig, weil wir mit einem unglaublichen Detailreichtum verwöhnt werden. Schon die einleitenden Schlagzeug-Schläge auf die Snare kommen mit einer derartigen Präsenz, Präzision und Dynamik, dass wir unwillkürlich zusammenzucken. Holla! Selbst den Snare-Teppich, der für das Rasselgeräusch dieser Trommel charakteristisch ist, kann man nach jedem Schlag noch ganz leise nachklingen hören. Das ist grandios! Auch das Anschlagen der Felle mit den Holzschlegeln und das Ausklingen der Trommeln – angefangen von der High Tom rechts bis zur Stand Tom links – präsentiert uns der Acutus mit atemberaubendem Realismus und herausragender Plastizität. Wer je ein echtes Schlagzeug aus nächster Nähe erlebt hat, wird hier nickend und staunend zustimmen: So klingt es live!

In unserem Test ist der Acutus mit dem Edel-Abtaster Goldring Ethos bestückt.

Atemberaubende Transparenz

Diese Livehaftigkeit gilt natürlich auch für den Bass: Der Tieftöner von Tony Overwater hat genau jene knurrig-knochige Trockenheit, die für einen Kontrabass charakteristisch ist. Der tolle Ton wird durch Overwaters ungemeine Virtuosität komplettiert: Der Bassist zeigt sein ganzes Können, das von Ausflügen über das Griffbrett über das gekonnte Spiel mit Obertönen bis hin zu Tapping-Passagen reicht, bei denen der Ton allein durch das plötzliche Niederdrücken einer oder mehrerer Saiten mit der Greifhand entsteht. Wir haben das Gefühl, direkt vor Overwater zu stehen und ihm auf die Finger sehen zu können – diese exakt-detailreiche akustische Wiedergabe ruft geradezu optische Bilder hervor. Wow! Das gilt erst recht für den Saxofonisten Yuri Honing, der in der tollen räumlichen Staffelung des Trios im Vordergrund steht: Hier fasziniert uns das Vibrieren des Rohrblatts, das mitverantwortlich für die Tonbildung und für den typische Saxofon-Klang ist: Dieses rauhe Anblasen, gepaart mit der Tonformung durch den metallenen Saxofon-Korpus, ist wunderbar wahrzunehmen, abgerundet wird die Abbildung durch das leichte Klacken, sobald Honing mit der Klappenmechanik die Tonlöcher verschließt. Es ist alles da, um die perfekte Illusion zu bieten. Aus Neugier haben wir nun mal die Plattenklemme abgeschraubt – und der Unterschied ist verblüffend: Die Ruhe ist nun wirklich gestört. Wir hören mehr Nebengeräusche, die Klarheit erfährt dadurch eine leichte, aber merkliche Trübung, die Wiedergabe wirkt ein wenig nervöser. Also: Schnell wieder die Klemme drauf! Da wir gerade beim Ausprobieren sind, nehmen wir auch mal einen der beiden Antriebsriemen ab. Ja, da geht schon ein wenig an dynamischer Durchschlagskraft verloren. Der Verlust ist nicht dramatisch, aber merklich. Die erwarteten Basseinbußen hingegen können wir nicht attestieren. Trotzdem: Mit dem zweitem Riemen ist es schöner – und so gönnen wir uns nun noch die Wanderung in andere Genres.

Der fertig montierte und justierte Avid Acutus SP ist mit dem SME IV-Tonarm und dem Goldring Ethos ein audiophiles Referenz-Laufwerk.

Immenser Tiefton

Wir legen die von schön tiefen, synthetischen Bässen durchzogene Elektronik-Nummer „Desert Island“ von Oh Land auf, allein um zu testen, wie es um die Tieftonwiedergabe steht. Die war bei der Mondbeschreitung mit dem Yuri Honing-Trio doch etwas begrenzt, obwohl wir, wie gesagt, das Auflagegewicht schon ein wenig erhöht haben. Bei „Desert Island“ hingegen zeigt der Acutus, dass er einen Bass liefern kann, der das Mobiliar zum Zittern bringt. Dabei bleibt der Plattenspieler aber Herr der Lage, er spielt immer noch ruhig und transparent, der Klang ist – bei aller Basskraft – wunderbar ausgewogen. Ausgezeichnet! Wir nutzen deshalb diese Aufnahme, um noch ein wenig mit der Impedanz- und Kapazitätsanpassung zu experimentieren, dafür haben wir mal den einen, mal den anderen Wert erhöht, der Phono-Vorverstärker bietet hier eine Vielzahl von Möglichkeiten. Die Auswirkungen halten sich allerdings im Rahmen: Das Goldring Ethos bestätigt seinen Ruf, hier ziemlich tolerant zu agieren und sich sein exzellentes Abtastergebnis nicht so leicht verderben zu lassen. Am Ende kehren wir zu den Anfangswerten 100 Ohm und 150 Pikofarad zurück, so ist die Wiedergabe am stimmigsten – und so hören wir nun noch ein wenig Klassik.

Die massive Klemme besitzt mit dem schraubbaren Knauf und der gerändelten Mutter einen zweiteiligen Anpress-Mechanismus. Die Klemme stellt einerseits den optimalen Kontakt von Platte und Teller her und leitet andererseits Vibrationen in Richtung Achse ab.

Perfekte Illusion

Wir legen „Il core vi dono“ auf, die Mezzosopranistin Eline Denice Risager und der Bariton Thomas Sigh singen, begleitet von den LiveStrings unter der Leitung von Jesper Nordin, diese Arie aus Wolfgang Amadeus Mozarts Treuetest-Oper „Così fan tutte“. Thomas Sigh eröffnet die Arie in der Rolle des verkleideten Guglielmo, der mit Charme und schmeichelnden Worten Dorabella, die Verlobte seines Freundes, verführen will – und er wickelt auch uns um den Finger: Wir genießen eine ungemein intensive, herrlich körperhafte und nuancenreiche Darstellung. Thomas Sigh und die kurz darauf einsetzende Eline Denice Risager wirken derart realistisch, dass unser Fotograf, der gerade im Raum mit dem Rücken zur Anlage steht und eigentlich mit etwas ganz anderem beschäftigt ist, sich mit großen Augen umdreht, weil die Illusion so perfekt ist. Kein Wunder: Wir hören nahe vor uns ihren Atem, ihr Luftholen und können geradezu spüren, wie sich bei den beiden Sängern der Brustkorb beim Luftholen weitet – wer je in einer Oper nahe der Bühne saß, wird diese physische Wirkung von Sängern kennen. Auch das hinter dem Sängerpaar positionierte Kammerorchester ist absolut plastisch. Durch die kleine Besetzung können wir einzelne Streicher aus dem Geigenverbund orten und hören, wie der Bogenstrich mal mit mehr Schärfe, mal mit sanfter Geschmeidigkeit ausgeführt wird, wobei die Violinen schön von den seitlich sitzenden Celli und Kontrabässen gestützt werden. Nun spielen wir mithilfe des Sechskantschraubendrehers ein klein wenig mit der Federspannung – und so erreichen wir noch ein wenig mehr Klarheit. Davon profitiert auch die räumliche Wiedergabe: Die Distanz zwischen Orchestern und Sängern und der fein wiedergegebene Hall spannen uns nun in Perfektion einen herrlichen Konzertsaal auf – und der Avid Acutus setzt uns hier auf die besten Plätze.

Der Avid Acutus SP mit seinen Spielpartnern: Die Verstärkung übernehmen die Phono-Vorstufe SteinMusic Stateline Phono 2 Signature und der Vollverstärker Hegel H360, die Schallwandlung besorgen zwei Focal Scala Utopia EVO.

Fazit

Der Acutus SP bietet alle Top-Features, die einen Avid ausmachen: die außergewöhnliche Subchassis-Konstruktion mit speziellem Federungssystem samt Stabilisierung gegen seitliche Schwingungen, das außergewöhnliche und aufwändige Inverslager, welches kleinste Kontaktflächen und damit geringste Reibung aufweist, den Doppelriemen-Antrieb für mehr Dynamik – und nicht zuletzt den kraftvoll-überdimensionierten, gleichlaufoptimierten Motor sowie die ausgelagerte Stromversorgung, die für hochreine Spannung sorgt und dank elektronischer Steuerung für eine überaus konstante Drehzahl bürgt. In Summe ergeben diese Features ein audiophiles Referenzlaufwerk, das sich durch eine enorme Laufruhe auszeichnet und bei passender Tonarm- und Abtasterwahl eine exzellente Schallplatten-Wiedergabe ermöglicht. In unserem Test kamen der SME IV und das Goldring Ethos zum Zuge – und derart komplettiert bietet der Acutus ein natürlich-entspanntes Klangbild mit atemberaubender Plastizität, exzellenter Dynamik, wunderbarer Transparenz, herrlichem Detailreichtum und toller Räumlichkeit. Im Test haben wir mit diesem Plattenspieler einen magischen Musikgenuss erlebt – und dieser Hörspaß versöhnt auch mit dem Preis, denn mit dem Avid Acutus SP hat man ein Laufwerk fürs Leben.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 98/100
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen

98

96

98

191018.Avid Acutus-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Avid
Acutus SP
Produktkategorie:Plattenspieler
Preis:Testmodell-Ausstattung:
- Avid Acutus SP: ab 15.000,00 Euro
- SME IV: auf Anfrage
- Goldring Ethos: 1.100,00 Euro
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:Chrom, Schwarz (Special Edition)
Vertrieb:IDC Klaassen, Lünen
Tel.: +49 231 / 9 86 02 85
www.idc-klaassen.com
Abmessungen (HBT):- Laufwerk (Aufstellfläche): 410 x 360 mm (B x T)
- Laufwerk (über alles): 210 x 460 x 400 mm
- Netzteil: 95 x 250 x 215 mm
Gewichte:- Teller: 8,8 kg
- Klemme: 0,3 kg
- Motor: 1,5 kg
- Chassis: 9,3 kg
- Laufwerk komplett: 19,9 kg
- Netzteil: 3,5 kg
Prinzip:- Laufwerk: Subchassis-Prinzip (Drei-Punkt-Federlagerung)
- Lager: Inverslager (Spindel: Edelstahl, Lagerdorn: Wolframcarbit / Saphir)
- Antrieb: Riemenantrieb (Doppelriemen)
Tonarmbasis:standardgefräst für SME (Adapter auf Bestellung)
Tonarm (optional):SME IV o.a. 9-Zoll-Tonarm
Tonabnehmer (optional):Goldring Ethos o.a.
Geschwindigkeiten:33 ⅓ und 45 UpM
Lieferumfang:- Avid Acutus SP
- externes Netzteil inklusive Steuerelektronik
- Motor-Stromversorgungskabel (1,30)
- Netzkabel (2,00 m)
- Signalkabel (DIN-Stecker, 1,10 m)
- 2 Antriebsriemen, rund
- 1 Fitting zum Anlegen der Antriebsriemen
- 3 Fixierungsringe
- Plattenklemme
- Sechskant-Schraubendreher für die Einstellung der Federung
- Handschuhe
- Bedienungsanleitung (Englisch)
Pros und Kontras:- überragender Klang
- edles Design
- ausgezeichnete Verarbeitung
- aufwändiges Motorkonzept mit externem Netzteil und kalibrierbarer Geschwindigkeitssteuerung
- Doppelriemen-Antrieb
- höhenverstellbare Füße für den Niveauausgleich
- Federspannung des Chassis einstellbar

- Libelle des Chassis ist unpräzise
- Aufziehen der beiden Riemen erfordert Fingerspitzengefühl
Benotung:
Klang (60%):98/100
Praxis (20%):96/100
Ausstattung (20%):98/100
Gesamtnote:98/100
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungangemessen

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