von

Redakteur
English
Zur Übersetzung unserer Seiten nutzen wir Google Translate. Dazu wird eine Verbindung zu Google-Servern hergestellt und Daten werden übertragen (weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung). Wenn Sie damit einverstanden sind, können Sie über folgenden Button Google Translate aktivieren.

Mit dem legendären TD 160 hat Thorens früh das Subchassis-Prinzip und den Riemenantrieb kombiniert – und damit vor einem halben Jahrhundert einen Klassiker der Vinylwiedergabe kreiert. Nun erlebt dieses Erfolgsmodell seine Wiedergeburt: Der Thorens TD 1601 lehnt sich optisch wie technisch an das Top-Laufwerk an, interpretiert es allerdings neu und erweist sich mit etlichen Innovationen und Features wie dem motorisierten Lift und der automatischen Endabschaltung als pfiffige Weiterentwicklung. Was diese retro-moderne Reinkarnation noch zu bieten hat, zeigen wir in diesem Test.

Retro-Charme: Der Thorens TD1601 setzt beim Design auf die klassische Vollverkleidung und den Look des legendären TD 160.

Zurück in die Zukunft – so lässt sich die Entwicklung bei dem Traditionsunternehmen Thorens zusammenfassen: Die Übernahme durch Gunter Kürten und die Umsiedlung nach Deutschland im Jahre 2018 führten zu eine Rückbesinnung auf die Markenzeichen und zu einer Renovierung des Portfolios. Das erste Ergebnis dieser Neuausrichtung ist der TD 1601 – und hier ist schon der Name eine Anspielung auf die Abstammung: Er verweist auf den TD 160, mit dem Thorens 1972 eine gelungene Kombination aus gefedertem Schwingchassis und Riemenantrieb präsentierte und damit ein Erfolgsmodelle kreierte, das bis heute gesucht und teuer gehandelt wird. Doch reines Retro ist für den Neustart natürlich zu wenig. Deshalb bietet der TD 1601 neben dem beliebten Design und dem bewährten Grundprinzip zahlreiche Innovationen, er ist somit eine Neuinterpretation des Klassikers. Thorens-CEO Gunter Kürten hat die lite-Redaktion vor Kurzem persönlich besucht, um diese Plattenspieler-Premiere vorzustellen, nun schauen wir uns diesen beeindruckenden Vinyldreher im Detail an.

Klare Aufteilung: Das schwarz Tonarmboard ist optisch abgesetzt vom aluglänzenden Plattenteller-Areal. Dabei

Formvollendet: Das Design

Während viele Laufwerke heute eher luftige Konstrukte sind, die ihre Mechanik zur Schau stellen, setzt der TD 1601 auf die klassische, formvollendete Verkleidung der Technik. Der Plattenspieler besitzt eine voluminöse Zarge, die eine Fläche von 45 mal 37 Zentimeter beansprucht und wahlweise in wunderschönem schwarzem Klavierlack oder in ebenfalls hochglänzendem Nussbaum gehalten ist. Schon diese massive, knapp zwei Zentimeter dicke Einfassung verleiht dem TD 1601 eine edle Autorität, die makellose Verarbeitung intensiviert die noble Ausstrahlung. Die Formschönheit setzt sich bei der Haube fort. Die stabile Acryl-Abdeckung des TD 1601 verjüngt sich nach oben hin sanft, alle Ecken und Kanten sind abgerundet, der Kunststoff ist leicht getönt und mattiert. Diese Haube rundet das Design würdig ab. Zudem gehört sie zum Lieferumfang, viele andere Hersteller lassen sich den Staubschutz hingegen extra bezahlen. Die Haube des TD 1601 lässt sich geschmeidig bewegen, überdies hält sie ab einem Öffnungswinkel von 45 Grad ihre Position. Das wird alle Vinylfreunde freuen, die ihren Plattenspieler im Rack oder Audiomöbel aufstellen möchten und aus Furcht vor dem Herabfallen bisher auf eine schützende Haube verzichtet haben. Wer den Verzicht trotzdem üben möchte: Der Staubschutz ist ohne Werkzeug im Nu abnehmbar. Werfen wir nun einen Blick unter die Haube.

Der zweiteilige Aluminium-Plattenteller ist ein mechanisches Präzisionswerk.

Definierter Swing: Das Subchassis

Eingefasst von der Zarge präsentiert uns der TD 1601 einen klaren, bildschönen Aufbau: rechts ein schmales mattschwarzes Tonarm-Bord, auf dem der Aluminium-Arm samt Basis thront, links das Areal des Plattentellers, das von einer silbermatt-vornehm glänzenden Deckplatte definiert wird. Diese Platte hat es in sich: Sie ist eine spezielle Sandwich-Konstruktion, die im Kern aus dämpfendem Kunststoff besteht, der beidseitig mit Aluminium belegt ist. Dieser Schicht-Aufbau verhindert die Entstehung und Übertragung von Schwingungen. Dabei hat die Platte weder Kontakt zum Motor noch einen Berührungspunkt mit dem Lager des Plattentellers oder dem Tonarm-Bord. Diese Entkopplung erlebt man, wenn man sanft das Bord niederdrückt, weil der Plattenteller sich synchron mitbewegt und mitfedert. Teller und Bord sitzen also auf einer gemeinsamen Platte, dem sogenannten Subchassis, das durch drei Kegelfedern von dem äußeren Chassis des Plattenspielers entkoppelt ist. Die sich verjüngenden, also kegelförmigen Stoßdämpfer immunisieren die empfindlichen Baugruppen und hier insbesondere die Abtastnadel gegen Erschütterungen von außen. Zudem absorbieren die Federn auch die vom Plattenspieler selbst erzeugten Schwingungen, die im Zuge der Abtastung entstehen. Diese Subchassis-Konstruktion gilt zusammen mit dem Riemenantrieb als klassisches Charakteristikum eines Thorens-Plattenspielers. Der auch beim legendären Vorgänger TD 160 verwendete Aufbau hat nun allerdings einige Verfeinerungen und Weiterentwicklungen erfahren: Die Stahlfedern hängen jetzt nicht mehr am Subchassis, sondern sind am Boden des Hauptchassis montiert, sodass das komplette Subchassis nun schwimmend auf den Federn gelagert ist. Die Stoßdämpfer lassen sich von unten in ihrer Federkraft verstellen, dies ermöglicht eine Höheneinstellung des Chassis. Die Federn sind mit Akustikschaum bedämpft, damit sie nicht ihrerseits das Subchassis anregen. Eine zusätzliche Stabilisierung des Chassis bewirkt ein ebenfalls mit Akustikschaum bedämpfter Stahlfaden, der zwischen Tellerlager und Tonarmbasis gespannt ist. Er gleicht die Zugkraft aus, die vom genau gegenüberliegend platzierten Motor auf den Teller und damit auf das gesamte Subchassis ausgeübt wird. Dies schützt vor seitlichen Taumelbewegungen, wie sie beim alten TD 160 auftraten. Das Subchassis des TD 1601 schwingt nun ausschließlich und definiert in vertikaler Richtung.

Wer den äußeren Plattenteller abnimmt, entdeckt den Motor, der exklusiv auf dem Boden des TD 1601 verankert ist. Der Motor treibt über seinen Pully und den flachen Riemen den Subteller an.

Präzisionswerke: Synchronmotor und zweiteiliger Teller

À propos Motor: Für den präzisen Antrieb sorgt ein hochwertiger Synchronmotor von Allied Motion, der auch in vielen exklusiven Modellen anderer Marken verbaut wird. Den exakten Gleichlauf und eine konstante Drehzahl bewirkt hingegen eine aufwändige elektronische Motorsteuerung. Sie wurde von dem Elektronik-Spezialisten Walter Fuchs entwickelt, der unter anderem für Fink Audio Consulting tätig ist. Sollte es bei den Drehzahlen doch einmal zu Abweichungen kommen: Sie lassen sich durch zwei Trimmschrauben auf der Rückseite des Plattenspielers exakt auf 33 1/3 und 45 Umdrehungen pro Minute kalibrieren. Der Motor hat keinen Kontakt zum Subchassis. Damit nehmen seine mechanischen Vibrationen auch keinen Einfluss auf die Abtastung. Zur weiteren Beruhigung ruht er in seiner Motordose auf einem Silikondämpfer. Die Dose wiederum ist auf der Bodenplatte montiert – mittels zweier Schrauben, die in Führungsschlitzen sitzen. Wenn man diese Schrauben löst, lässt sich der Motor ein wenig versetzen. Dadurch kann man die Spannung des Antriebsriemens optimieren. Der TD 1601 ist also ein Riementriebler. Ein flacher, geschliffener Präzisionsriemen aus Gummi überträgt die Drehung des Motors auf den Plattenteller. Auch dies stellt eine mechanische Entkopplung dar. Der gespannte Riemen ist auf Anhieb nicht sichtbar. Dafür muss man den Plattenteller abnehmen – und dieser aus Aluminium gefertigte Teller präsentiert sich als massives und zugleich exakt gearbeitetes Präzisionswerk: Es ist ein Zweiteiler, bestehend aus einem bereits montierten Innenteller und einem abnehmbaren Außenteller, der mit 3,2 Kilogramm ein ordentliches Gewicht auf die Waage bringt. Die Fertigung ist derart exakt, dass dieser Hauptteller beim Auflegen absolut horizontal zu führen ist, um ein Verkanten mit dem Subteller zu vermeiden. Diese Passgenauigkeit ist herausragend! Hier hat Thorens eine Manufaktur in Taiwan gefunden, die diese Top-Qualität liefert.

Die Geschwindigkeitssteuerung des TD1601 erlaubt eine Umschaltung zwischen 33⅓ und 45 Umdrehungen pro Minute.

Top-Tonarm

With A Little Help From My Friends – dieses Motto gilt auch für den Tonarm. Mit dem TP 92 kommt ein Neun-Zoll-Präzisionsarm zum Einsatz. Konzipiert hat ihn vor einigen Jahren der gefragte Industrial-Designer Helmut Thiele, etabliert hat er sich nicht nur bei Thorens: Auch bei andere Hersteller und manche Turntable-Tuner greifen gerne auf diesen mittelschweren Drehtonarm zurück, der allein schon rund 1.000 Euro kostet. In seiner silbermatten Ausführung und mit seiner gradlinige Konstruktion passt er perfekt zum Design des TD 1601– und wartet ebenso mit einigen Kniffen auf. Das gerade Armrohr besteht aus kalt verdichtetem, achtfach geschichtetem und eloxiertem Spezialaluminium. Im Inneren verborgen steckt zur weiteren Bedämpfung ein zweites Rohr aus Kunststoff. Auch ein über den Arm gezogener Ring dient dieser Resonanzdämpfung. Deshalb sollte man seinen Spieltrieb im Zaum halten und diesen Ring in seiner exakt bestimmten Position lassen. Vorne mündet der Arm in eine kleine Kopfplatte, die mit einer Schraube Kontakt zum Rohr hat und mit zwei Schrauben das daruntergesetzte Nadelsystem fixiert. Bemerkenswert ist die Verkabelung: Zusätzlich zu den vier Drähtchen, die für den Anschluss des Abtastsystems nötig sind, sehen wir hier ein schwarzes Kabel, das mit der Headshell verbunden ist. Es soll eventuell auftretende Potentialspannungen ausgleichen, die sich negativ auf das empfindliche elektrische Signal auswirken kann, welches durch die Drähte im Rohr geleitet wird. Dieses Rohr sitzt am hinteren Ende in einer kardanischen Aufhängung, deren Lager von dem japanischen Spezialisten Minibea stammen. Die Fixierung des Arms ist flott zu lösen, dies erlaubt eine einfache Optimierung der Armlänge. Auch in der Höhe ist der gesamte TP 92 mit wenigen Handgriffen an der Basis verstellbar.

Der TD 1601 ist mit dem Neun-Zoll-Tonarm TP 92 ausgestattet. Der Ring um das Aluminium-Rohr dient exakt an dieser Stelle der Resonanzdämpfung.

Tiefergelegtes Gegengewicht und abstraktes Anti-Skating

Auffällig ist das Gegengewicht: Es wird nicht auf das hintere Ende des Rohrs aufgeschraubt, sondern auf eine etwas tiefer liegende Aufnahme. So ist das Gewicht auf einem Niveau mit dem Horizontallager des Arms und auch in etwa auf Höhe der Plattenoberfläche. Diese Tieferlegung bewirkt eine größere horizontale Stabilisierung des Arms. Das Gewicht ist mit einem frei drehbaren Skalierungsring versehen. So kann man ohne Hilfe einer Tonarmwaage die Auflagekraft einstellen, die ja bei jedem Tonabnehmersystem eine andere ist. Nichtsdestotrotz liefert Thorens eine einfache Waage mit – das ist vorbildlich! Der TP 92 ist nun noch mit einem Antiskating-Mechanismus ausgestattet. Er gleicht die beim Plattenabspielen entstehenden Kräfte aus, die den Tonarm nach innen ziehen. So belastet die Nadel stärker die innere Flanke der Plattenrille, dies ist weder für die Platte gut noch für das Abtastergebnis. Den Ausgleich dieses Skatings nimmt man über die kleine gerändelte Stellschraube an der Tonarmbasis vor. Mit ihr wird die Entfernung zweier im Innern verborgenen Ferritmagnete kontaktlos und reibungsfrei verändert. Welche Antiskating-Kraft man einstellt, hängt wie beim Gewicht von dem eingesetzten Abtastsystem ab. Leider zeigt der TP 92 die aktuelle Einstellung nur abstrakt über eine Skala mit sechs Strichen an. Zur Ermittlung der benötigten Kraft rät die Bedienungsanleitung zur Verwendung einer Messschallplatte. Dies ist etwas für Spezialisten, die Einstellung sollte deshalb der Händler vornehmen – zumal man bei ihm wohl auch das Abtastsystem erwerben wird.

Die kardanische Tonarmaufhängung sorgt mit zwei zueinander rechtwinkligen Drehlagern dafür, dass der Arm ausbalanciert ist. Das Gegengewicht ist nicht auf den Tonarm aufgeschraubt, sondern sitzt auf einer tiefer gelegenen Aufnahme. Vor dem Gewicht sitzt ein Skalierungsrad, mit ihm gelingt die Einstellung der zum Abtastsystem passenden Auflagekraft. Ein Hebel zum Heben und Senken des Arms ist beim TD 1601 nicht nötig: Er besitzt einen motorisierten Lift.

Feines MC-System, exzellente Anschlüsse

Der TD 1601 wird nämlich ab Werk ohne Tonabnehmer geliefert, was bei hochwertigen Plattenspielern üblich ist. Der Kunde hat also die freie Wahl. Thorens präsentiert ab August mit dem TAS 1600 ein eigenes und eigens für den TD 1601 entwickeltes Moving Coil-System. Zurzeit bieten die Bergisch Gladbacher an, den Plattenspieler mit dem Audio-Technica AT33EV zu bestücken und fertig eingestellt zu liefern. Auch unser Testmodell ist mit diesem sehr guten Moving Coil-System ausgestattet, das allein knapp 500 Euro kostet. Es besitzt einen Nadelträger aus extra hartem und festem Duraluminium, an dessen Ende ein nackter Diamant mit elliptischem Schliff eingesetzt ist. Dafür steht das „E“ in der Modellbezeichnung. Das „V“ erklärt sich hingegen aus der außergewöhnlichen Anordnung der Spulen: Sie ergeben, wenn man das System von vorn betrachtet, ein auf den Kopf gestelltes „V“. Die Spulen befinden sich damit oberhalb der Kontaktstelle von Nadelträger und Spulenträger. Audio-Technica schreibt dieser Anordnung eine optimierte Kanaltrennung zu, die in einer besseren räumlichen Abbildung resultiert. Moving Coil-Systeme haben einen geringeren Output als die stärkeren, aber weniger fein auflösenden Moving Magnet-Abtaster. Das AT33EV ist aber selbst für MC-Verhältnisse ein leises System. Es benötigt also eine entsprechend hohe Verstärkung der nachfolgenden Phono-Stufe. Hierfür präsentiert der TD 1601 exzellente Anschlussmöglichkeiten: Wir finden den üblichen unsymmetrischen Ausgang via Cinch-Buchsen plus Erdungsklemme, darüber hinaus bietet der Plattenspieler aber auch einen symmetrischen Ausgang in Form zweier XLR-Buchsen. Dies ist auch in der Spitzenklasse eine selten anzutreffender Ausgang. Wenn der Phono-Verstärker es ermöglicht, ist diese Verbindung vorzuziehen – insbesondere, wenn der Verstärker etwas weiter entfernt steht. Ab etwa zwei Metern sind unsymmetrische Cinch-Kabel sehr empfänglich für Einstreuungen, die sich als Störgeräusche wie Sirren und Brummen niederschlagen.

Der TD 1601 kann mit verschieden Abtastern ausgestattet werden. Unser Testmodell ist mit dem Moving Coil-System Audio-Technica AT33EV MC bestückt. Demnächst bringt Thorens ein eigenes, speziell für den TD1601 konzipiertes MC-System heraus.

Externes Premium-Netzteil

Neben den Audio-Ausgängen finden wir noch den dreipoligen Anschluss für das 16 Volt-Netzteil. Es ist ausgelagert, was sehr vorteilhaft ist: Stromversorgungen erzeugen nämlich per se elektromagnetische Felder, die das empfindliche Audiosignal beeinflussen. Der sensible Musikstrom wird vom Abtaster bis zum Phono-Verstärker auch noch über einen beträchtlich langen Kabelweg geführt, der quasi wie eine Antenne wirkt. Das begünstigt zusätzlich die Einstreuung von Störgeräuschen. Eine externe Stromversorgung ermöglicht ihre Aufstellung abseits des Plattenspielers, so dass diese Gefahr gebannt ist. Das Netzteil des TD 1601 ist nun nicht nur extern, sondern auch exquisit: Das Gehäuse bietet eine gute Abschirmung, ein Blick auf das Innenleben der ebenfalls von Walter Fuchs entwickelten Schaltung zeigt uns zudem beste Bauteile. Ein überaus satt dimensionierter Ringkerntransformator und eine üppige Siebung ergeben zusammen einen starken und reservenreichen Stromlieferanten. Prima, denn auch für Plattenspieler gilt, dass eine kraftvolle und qualitative Versorgung die Basis für den guten Klang ist.

Das externe Netzteil ist üppig dimensioniert und versorgt den TD 1601 mit hochreinem Strom. Die Auslagerung erlaubt es, die Stromversorgung weit entfernt vom sensiblen Plattenspieler zu platzieren.

Komfortbedienung: elektronischer Lift und Endabschaltung

Kommen wir zur Bedienung des TD 1601. Sie gelingt über vier Taster, die perfekt in die Alu-Dibond-Platte eingelassen sind. Die drei linken Taster dienen dem Starten und Stoppen des Motors sowie der Auswahl der Geschwindigkeit, also entweder 33 1/3 oder 45 Umdrehungen pro Minute. Nun zum rechts positioniert Schalter: Mit ihm betätigt man den automatischen Lift. Der Tonarm des TD 1601 braucht deshalb keinen manuellen Hebel. Ein Tipp genügt, schon hört man die Motorisierung arbeiten, die den Arm hebt oder senkt. Wo der Arm steht, zeigt ein farbiger Lichtring an, der den Lift-Taster umgibt: Leuchtet er grün, ist der Arm oben, leuchtet er rot, ist der Arm abgesenkt. Diese Automatik ist durchaus sinnvoll, weil der Tonarm durch die weiche Federung sensibel auf mechanische Bewegungen reagiert. Der elektronische Lift ist eines von zwei Ausstattungsmerkmalen, die der semi-automatische TD 1601 der rein manuellen Version TD 1600 voraushat. Das zweite Komfortplus ist die selbsttätige Endabschaltung: Erreicht die Nadel am Plattenende die Auslaufrille, geht der Tonarm automatisch nach oben. Zugleich wird der Antriebsmotor abgestellt, der Plattenteller kommt allmählich zum Stillstand. So muss man nicht alle paar Minuten zum Plattenspieler eilen, um die sonst ewig währende Rotation der Platte und die ebenso unaufhörlichlich-unnütze Abtastung durch die Nadel zu beenden.

Der TD 1601 verfügt über eine motorisierten Tonarm-Lift, mit einem Tastendruck wir der Arm sanft angehoben oder abgesenkt.

Aufbau und Einrichtung

Wir stehen aber erst einmal am Anfang: dem Aufbau. Der TD 1601 ein Subchassis-Plattenspieler, deshalb ist er nicht wie ein Masselaufwerk oder wie ein Brettspieler auf einen massiven Untergrund angewiesen. Ihm genügt eine stabile Stellfläche, die allerdings waagerecht sein sollte. Um hier eine perfekte Aufstellung zu erreichen, sind alle drei Füße des TD 1601 höhenverstellbar. Diese großen, hochwertigen Füße tragen durch ihre Konstruktion auch zur Schwingungsabsorption bei. Der Aufbau geht nun fix: Wir lösen zuerst die Transportsicherungsschrauben neben dem Innenteller. Dann ziehen wir den Flachriemen über den Innenteller und den Pulley des Motors. Der Riemen muss dabei eher am unteren Bereich des Tellerrands entlanglaufen, damit er auch am Pully reibungsfrei rotiert. Tipp von Thorens-Chef Gunter Kürten: Nach dem Aufziehen des Riemens den Außenteller verkehrt herum auf den Innenteller legen, und den Teller sanft Drehen – so kann man den Lauf zu kontrollieren. Nun setzen wir vorsichtig den Außenteller richtig herum auf, darauf legen wir die Gummimatte. Die Haube lässt sich ohne Werkzeug mit den beiden Scharnieren zusammenstecken und in die Halterungen des Plattenspielers einschieben. Nun stellen wir den Tonarm ein. Das von Thorens für diesen Test mitgelieferte System ist bereits unter die Headshell geschraubt und justiert. Deshalb bringen wir direkt den Tonarm in die Waagerechte. Wir schrauben am hinteren Ende des Arms das Gegengewicht auf, wobei das Skalierungsrad nach vorne zeigt. Wir drehen das Gewicht in Richtung Tonarm, bis der Arm frei schwebend in horizontaler Balance ist. Das erfordert ein vorsichtiges Hantieren und öfters eine zwischenzeitliche Kontrolle. Wenn der Arm genau waagerecht ist, drehen wir allein das Skalierungsrad, bis die „0“ nach oben zeigt. Am Rad wie auch am Arm finden wir zur genauen Einstellung Markierungsstriche. Nun drehen wir wieder am Gegengewicht, wobei das Skalierungsrad frei mitläuft. Das eingebaute System Audio-Technica AT33EV verlangt eine Auflagekraft von zwei Gramm, wenn dementsprechend die „2“ auf dem Skalierungsrad nach oben weist, ist diese Auflagekraft erreicht. Das Antiskating belassen wir auf der von Thorens geleisteten Voreinstellung. Nun schließen wir noch das Netzteil an und verbinden den TD 1601 mit dem Phono-Vorverstärker Lehmannaudio Decade. Hier stellen wir den für das AT33EV empfohlenen Abschlusswiderstand von 100 Ohm ein. Der Decade füttert mit dem von ihm optimierten Phono-Signal nun unseren Vollverstärker Arcam FMJ A29, der wiederum treibt ein Paar Standlautsprecher Audio Physic Tempo 3i an.

Über den üblichen unsymmetrischen Ausgang hinaus bietet der TD 1601 einen symmetrischen Anschluss.

Der Thorens TD 1601 in der Praxis

Beim Aufbauen hat uns die weiche Federung des Subchassis etwas skeptisch gemacht, weil es dadurch sehr leicht in Schwingung gerät. Im Betrieb hingegen kann der TD 1601 alle Zweifel ausräumen – und mehr als das: die Wirkkraft des Verbunds aus Federung, Dämpfung und Absorption versetzt uns echt ins Staunen: Wir können vor unserem schwedischen Leichtbau-Bord, auf dem der TD 1601 steht, mit dem Fuß aufstampfen, Sprünge vollführen – das beeindruckt einzig den Mieter unter uns. Der Thorens hingegen steckt das alles locker weg und hält die Schwingungen von seinem Subchassis fern. Sogar wenn wir den Plattenspieler direkt auf unseren vibrationsfreudigen Laminatboden stellen, passiert absolut nichts. Deshalb können wir es uns leisten, am Phono-Vorverstärker den Rumpelfilter auszuschalten. Er dient der Ausschaltung des tieffrequenten Trittschalls und auch jener bassreichen Laufgeräusche, die oft beim Abtasten der Auslaufrille auftreten. Zum Test der Auswirkung gehen wir direkt mal zum Ende unser aufgelegten Schallplatte – und wirklich: Der TD 1601 agiert auch nun unglaublich ruhig und rumpelfrei. Schöner Nebeneffekt: Durch das Ausschalten des Filters gewinnen wir einen im Bass etwas runderen Ton. Zudem legen wir am Decade den „High“-Schalter um und sorgen so für eine höhere Verstärkung. Das AT33EV-System liefert wirklich einen geringen Output, sodass wir anfangs unseren Vollverstärker doch etwas weiter aufdrehen mussten. Mit dem aktivierten „High“-Modus stimmt nun alles – und das hört man.

Zur genauen Einstellung der beiden Geschwindigkeiten besitzt der TD 1601 rückseitig zwei Justageschrauben.

Gelassenheit und Ruhe

Wir haben als erstes Aimee Manns Album „Lost in Space“ aufgelegt, wir besitzen die Scheiben in der „Original Master Recording-Edition“ von Mobile Fidelity. Die LP startet mit „Humpty Dumpty“, einer melancholischen Nummer, die mit einer instrumentalen Einleitung der Band beginnt. Schon bei diesen wenigen Takten erleben wir eine wunderbare Selbstverständlichkeit der Wiedergabe, eine Gelassenheit und Ruhe, die sofort zu einer Entspannung beim Zuhören führt – und dazu, dass wir uns bereits nach wenigen Takten im Sofa zurücklehnen. Die Band steht schön gestaffelt vor uns: Weiter hinten das Schlagzeug, davor Bass und das Piano, die E-Gitarre hingegen steht uns schon nah, sie prägt auch dieses Intro mit einem Slide-Guitar-Solo. Wir hören dabei ein zartes Rauschen. Es stammt aber nicht von der Platte oder dem Abtastvorgang, sondern von dem Verstärker, den Michael Lockwood zum Erreichen dieses singenden, warm verzerrten Solo-Sounds in der Vorstufe aufgerissen hat – und sobald Lockwood eine kurze Pause in der Melodie setzt oder die Gitarre verklingen lässt, ist dieses Rauschen zu vernehmen Ja, so klingt ein echter Gitarren-Amp! Von solchen Feinheiten gibt es einige zu entdecken, auch beim Drumming von John Sands: Obwohl sein Schlagzeug im Hintergrund positioniert ist, besitzt es eine wunderbare Präsenz, gerade die silbrige HiHat, mit der Sands das schleppende Tempo des Songs betont, ist ein Genuss. Doch auch die Toms und die Snare sind, obwohl Sands sie eher dezent schlägt, klar und definiert heraushörbar und behaupten sich problemlos im Gesamtsound, obwohl dieser nach und nach durch weitere hinzutertende Instrumente verdichtet wird.

Die Einstellung gelingt mit der mitgelieferten Stroboskop-Scheibe und der Beleuchtung durch eine Glühbirne, die das (für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar) nötige Flackern mit der 50 Hertz-Frequenz liefert.

Präzision, Transparenz und Dynamik

Eine solch anstrengungslose Präsenz auch kleiner oder leiserer Schallereignisse gelingt durch Präzision, Transparenz und Dynamik. Hier macht sich die Abtastung durch ein Moving Coil-System bezahlt, das in punkto Auflösung einem Moving Magnet-System überlegen ist. Diese Präzision wahrt dann aber auch der TD 1601. Er widerlegt dadurch die Ansicht, dass Plattenspieler mit Subchassis-Aufbau eine schwammigere Wiedergabe liefern. Dafür müssen die seitlichen Schwingungen unterbunden werden – und genau diesen konstruktiven Fortschritt gegenüber dem Vorgänger, dem TD 160, hat Thorens ja hier vollzogen. Von der Exaktheit profitiert auch und insbesondere die Basswiedergabe: Der Tiefton ist von Beginn an voll und sonor, in getragenen halben Noten liefert der Bass ein wunderbares Fundament. Im Zwischenteil begibt er sich dann in tiefere Lagen des Griffbretts – und entfaltet nun ein richtig mächtiges Volumen. Beeindruckend ist dabei ist aber auch die Konturiertheit;: Der Bass wird nicht breiig, sondern behält seine Definition. Dadurch bleibt auch der Gesamtklang transparent, ohne vom Bass verunklart zu werden. Im Vordergrund steht bei allem natürlich der Gesang von Aimee Mann. Auch ihre Stimme profitiert von der sauberen Arbeit, die der TD 1601 leistet: Die Reinheit ihres Gesangs kommt durch die Klarheit der Wiedergabe besonders gut zur Geltung, die Stimme hat eine sehr schöne Brillanz, ohne zu grell zu wirken. Die Strahlkraft und Präsenz lässt sich allerdings noch ein wenig steigern: Wir haben die Gummimatte, mit dem der Plattenteller des TD 1601 standardmäßig belegt ist, durch die optionale Ledermatte ausgetauscht. Das verändert auf wundersame Weise die Wiedergabe: Neben der gesteigerten Gegenwärtigkeit von Aimee Mann erleben wir eine etwas größere Luftigkeit, die gesamte Abbildung hat etwas mehr Breite und Weite, die Instrumente – und hier vor allem das Schlagzeug – legen einen Tick an Intensität zu. Der Thorens TD 1601 kann also auch solch scheinbar kleine Veränderungen klanglich abbilden – und erweist sich damit als audiophiles Präzisionsinstrument.

Der TD 1601 mit seinen Spielpartnern: Als Phono-Vorverstärker dient der Lehmannaudio Decade, der prima an das montierte MC-System des TD 1601 anpassbar ist.

Fazit

Der Thorens TD 1601 ist das eindrucksvolle Comeback eines Klassikers – oder besser: eine rundherum gelungene Reinkarnation. Denn unter dem Retro-Design, das eng an den erfolgreichen TD 160 angelehnt ist, verbergen sich etliche Neuentwicklungen und Features, die diesen riemengetriebene Plattenspieler zu einem Top-Modell der Spitzenklasse machen. Dazu gehören die Modifizierung der Subchassis-Federung samt effektiver Unterbindung seitlicher Schwingungen, die Auslagerung des hochwertigen Netzteils, der Einsatz eines erstklassigen Motors, die Verwendung des Top-Tonarms TP 92, der zweiteilige Plattenteller inklusive Präzisionslager und die – allerdings nicht zum Lieferumfang gehörende – Ausstattung mit einem sehr guten MC-System. Daraus resultiert eine Abtastung und Wiedergabe, die eine ungemeine Ruhe und Selbstverständlichkeit ausstrahlt und klanglich mit ausgezeichneter Klarheit, Präzision und Dynamik punktet. Zu dieser Klangqualität kommen Komfort-Features wie der motorisierte Lift und die automatische Endabschaltung sowie eine üppige Ausstattung, die vom zusätzlichen symmetrischen Ausgang bis zur mitgelieferten Haube reicht. So ist Thorens ein rundherum beeindruckendes Spitzenlaufwerk gelungen. Gute Nachricht für Puristen: Als TD 1600 gibt es diesen Plattenspieler auch ohne motorisierten Lift und Endabschaltung.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Simone Maier

Gesamtnote: 94/95
Klasse: Spitzenklasse
Preis/Leistung: sehr gut

94

93

95

200522.Thorens-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Thorens
TD 1601
Produktkategorie:Plattenspieler
Preis:- TD 1601 ohne System: 2.999,00 Euro
- TD 1601 mit Audio-Technica AT33EV: 3.449,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Schwarz (Hochglanz)
- Nussbaum (Hochglanz)
Vertrieb:Thorens GmbH, Bergisch Gladbach
Tel.: +49 2204 / 867 77 20
www.thorens.com
Abmessungen (HBT):180 x 454 x 369 mm
Gewicht:- Thorens TD 1601 (inkl. Teller und Haube): 11,2 kg
- Plattenteller: 4,2 kg (Außenteller: 3,2 kg)
- Netzteil: 1,8 kg
Prinzip:- Laufwerk: Subchassis
- Antrieb: Riemenantrieb
Geschwindigkeiten:- 33 ⅓ Upm
- 45 Upm
Tonarm:Thorens TP 92 (9 Zoll)
Tonabnehmer:wird ohne Tonabnehmer geliefert oder zur Zeit mit Audio-Technica AT33EV
Ausgang (analog)1 x symmetrisch (XLR)
1 x unsymmetrisch (Cinch)
Lieferumfang:- Thorens TD 1601
- externes Netzteil
- Antriebsriemen (flach)
- Gummimatte
- Staubschutzhaube
-Tonarmwaage
- Stroboskop-Scheibe/Einstellschablone für Tonarm und Tonabnehmer
- Puck
- Bedienungsanleitung (Deutsch, Englisch, Russisch, Französisch, Chinesisch)
Pros und Kontras:+ sehr guter Klang
+ enorme Laufruhe
+ ausgezeichnete Verarbeitung
+ aufwändiges externes Netzteil
+ symmetrischer Ausgang
+ Geschwindigkeits-Kalibrierung
+ elektronischer Lift
+ Endabschaltung
+ höhenverstellbare Füße für den Niveauausgleich
+ Staubschutzhaube im Lieferumfang

- Antiskating ohne Mess-Schallplatte nicht einstellbar
Benotung:
Klang (60%):94/95
Praxis (20%):93/95
Ausstattung (20%):95/95
Gesamtnote:94/95
Klasse:Spitzenklasse
Preis/Leistung:sehr gut

lite - DAS LIFESTYLE & TECHNIK MAGAZIN Über uns | Impressum | Datenschutz | Kontakt