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Redakteur
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Wer sich als Einsteiger im HiFi-Bereich umsieht, steht angesichts des oft begrenzten Budgets häufig vor einem Dilemma. Investiert man in „echte“ Lautsprecher oder wählt man die das Konto schonende Option eines günstigen Bluetooth-Speakers? Wer hier ambitioniert unterwegs ist, hat es natürlich auf ein Stereo-Setup abgesehen – und könnte mit der Oberon 3 von Dali genau die richtige Lösung finden.

Die Oberon 3 von Dali verkörpert all das, was man von einem Kompaktlautsprecher erwartet.

Die Oberon 3 von Dali verkörpert all das, was man von einem Kompaktlautsprecher erwartet.

 

Die kürzlich mit dem Roast-Award als „Kompaktlautsprecher des Jahres“ ausgezeichnete Oberon 3 von Dali verkörpert all das, was man von einem Lautsprecher erwartet: Moderne Optik, hochwertiges Material in einem sorgfältig erarbeiteten Konzept und natürlich ein audiophiler Klang. Damit ist sie nicht allein. Die Oberon-Serie umfasst jeweils zwei Stand- und Regallautsprecher, dazu kommen ein Center und ein On-Wall-Speaker. Letztere sind vor allem für den Heimkino-Betrieb prädestiniert, wovon auch wir uns bereits im Test des 5.1-Setups überzeugen konnten. Natürlich sind die (meisten) Familienmitglieder auch problemlos als Stereo-Paar für die Musikwiedergabe geeignet. Die beiden Standboxen, das Flaggschiff Oberon 7 und die etwas kleinere Oberon 5, haben uns diesbezüglich bereits zum Test besucht.

Nun soll also die Oberon 3 als größere der beiden Regallautsprecher die bisherigen, positiven Eindrücke bestätigen. Mit dem günstigen Stückpreis von 279 Euro verkörpert auch sie den primären Ansatz der Oberon-Familie, die sich vor allem als Einsteiger-Serie versteht. Jahrelang war dafür die Zensor-Linie zuständig, die nun eine Ablösung erfährt. Überhaupt geht Dali – die Abkürzung steht für Danish Audiophile Loudspeaker Industries – in letzter Zeit öfter mal ein paar neue Wege, was unter anderem der Schritt Richtung Streaming mit dem ebenfalls bereits getesteten Soundsystem Callisto 6 C verdeutlicht. Mit der Oberon-Serie wird das Rad aber auch nicht unbedingt neu erfunden, sondern vielmehr modernisiert und punktuell verbessert. Dabei bleibt sich Dali aber auch in gewissen Punkten treu und die Oberon 3 ist sofort als Kind der Dänen zu erkennen.

Design als Wohlfühlfaktor

Fast schon selbstverständlich glänzt auch die Oberon 3 mit ihrem Look im skandinavischen Design. Darunter versteht man vor allem klare Linien und eine grundsätzlich unverschnörkelte Struktur. Dieser eher schlichte und neutrale Look kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn man die Integration in viele unterschiedliche Wohnraumwelten ermöglichen möchte. Dabei muss es aber nicht unbedingt langweilig und uniform werden. Die Oberon 3 sorgt mit insgesamt vier verfügbaren Ausführungen für eine attraktive Farbpalette. Neben der besonders zurückhaltenden Variante in Weiß sind auch drei Versionen in Holzoptik zu haben: Schwarze Esche, helle Eiche und dunkle Walnuss verleihen den kompakten Schallwandlern direkt ein edles Antlitz.

Die Oberon 3 glänzt mit ihrem Look im skandinavischen Design.

Die Oberon 3 glänzt mit ihrem Look im skandinavischen Design.

Dass dabei aufgrund der finanziell gesteckten Grenzen statt Echtholz eine preisgünstigere Vinylfolie zum Einsatz kommt, tut dem hübschen Äußeren der Oberon 3 keinen Abbruch. Dafür sorgt auch die Option, auf Wunsch gegen einen Aufpreis von ca. 30 Euro pro Stück die Farbgebung der sanft abgerundeten Frontabdeckung zu variieren. Standardmäßig gibt es zu Weiß und heller Eiche eine graumelierte Stoffblende, für die schwarze Esche und die dunkle Walnuss ist eine schwarze Variante vorgesehen. Zusätzlich zu diesen beiden Optionen gibt es auch eine weiße Abdeckung, die jedoch in jedem Fall zugekauft werden muss.

Mit der graumelierten Stoffblende bricht Dali bei der Oberon 3 mit der klassischen Farbgebung.

Mit der graumelierten Stoffblende bricht Dali bei der Oberon 3 mit der klassischen Farbgebung.

Die Oberon 3 sieht allerdings auch ohne Frontblende gut aus, die lackierte Schallwand selbst und die darin positionierte Holzfasermembran des Mitteltieftöners setzen nämlich bereits gelungene Akzente. Hinter dem grauen Stoff ist die Front stets weiß gehalten, die beiden dunklen Alternativen verfügen über ein schwarzes Gegenstück. Damit aber nicht genug, mit einer kleinen Fuge setzt sich die Schallwand vom restlichen Gehäuse ab. Hier lässt sich dann auch die wie üblich exzellente Verarbeitung der Oberon 3 ablesen. Die Folierung ist sehr sauber aufgetragen und trägt damit effektiv zum hervorragenden Gesamtbild bei.

Griff ins obere Regal

Die Basis für die ansehnliche Optik bildet ein Gehäuse aus stabilem MDF, das im Inneren sorgfältig gedämpft ist. So werden unerwünschte Schallwellen verhindert und die Treiber tun das, was man von ihnen erwartet. Die Oberon 3 ist im Zwei-Wege-Prinzip konstruiert, wir haben es also mit einem Hochtöner und eine Mitteltieftöner zu tun. Ersterer misst 29 Millimeter im Durchmesser und verfügt über eine Gewebekalotte. Das kennt man in der Form bereits von Dali, trotzdem soll es sich hier nicht um einen simplen Technologietransfer aus höherpreisigen Serien handeln. Stattdessen sei die Neuentwicklung erfolgt, um das Gewicht des verhältnismäßig großen Hochtöners zu reduzieren und ihm dadurch einen höheren Schalldruck bei geringerer Auslenkung zu ermöglichen.

Beim Hochtöner handelt es sich um eine Neuentwicklung für die Oberon 3.

Beim Hochtöner handelt es sich um eine Neuentwicklung für die Oberon 3.

Zudem sollte die Bandbreite im unteren Frequenzbereich optimiert werden, um den Übergang zum Mitteltieftöner möglichst fließend zu gestalten. Dabei kommt auch die Frontplatte ins Spiel, die für ein Abstrahlverhalten in großem Winkel sorgen soll. So ergibt sich – reguläre räumliche Bedingungen vorausgesetzt – ein relativ großer Sweet Spot, was die Aufstellung der Oberon 3 vereinfacht. Lediglich ungefähr auf Ohrhöhe sollte sich der Tweeter befinden, hier machen ein paar Zentimeter Höhenunterschied einen deutlichen Unterschied. Ansonsten sind die Kompaktlautsprecher weitgehend anspruchslos, auch bei der Eindrehung zum Hörplatz muss nicht millimetergenau experimentiert werden. Sogar der angesichts des rückseitigen Bassreflexports notwendige Wandabstand fällt ziemlich gering aus. Einige Zentimeter reichen hier schon, um dem kraftvollen Mitteltieftöner ein adäquates Arbeitsumfeld zu bieten.

Ein Novum sorgt für Antrieb

Hier haben wir es mit einem 18-Zentimeter-Exemplar zu tun, das natürlich die für Dali-Schallwandler typische, rötlich-braune Holzfasermembran besitzt. Dieses Material sorgt für eine hohe Steifigkeit bei niedrigem Gewicht und ist für klaren und präzisen Klang bekannt. Durch die verhältnismäßig große Membranfläche kommt zudem ein kraftvolles Auftreten zustande, das auch vom Antrieb des Chassis profitiert. Hier sorgen die Oberon-Lautsprecher für Aufsehen, da sie trotz des günstigen Preisrahmens mit einem SMC-Magnetsystem ausgerüstet sind. Hier kommt dann wieder der Technologie-Transfer zum Tragen, von dem die preisgünstigen Modelle der großen Hersteller profitieren. Die Abkürzung SMC steht für „Soft Magnetic Compound“ und beschreibt ein magnetisches Pulver, das zu Magneten geformt wird und dabei nicht elektrisch leitet. Dadurch sollen Verzerrungen reduziert werden und der Antrieb effektiver und zielgerichteter ausfallen.

Der Mitteltieftöner besitzt die für Dali-Schallwandler typische, rötlich-braune Holzfasermembran.

Der Mitteltieftöner besitzt die für Dali-Schallwandler typische, rötlich-braune Holzfasermembran.

Um diesen Vorteil nicht gleich wieder zu verlieren, verfügt der Mitteltieftöner über eine besonders weiche und flexible Gummisicke, die weder Hub noch Schwingverhalten im Wege steht und so für knackigen Mitten und druckvollen Bass sorgen soll. Dazu gehört auch das Zusammenspiel mit dem rückseitig ins Gehäuse eingelassenen Bassreflexport, der die Tieftonqualitäten der Oberon 3 noch einmal verstärkt. Ein hohes Anspruchsniveau, das auch von den robusten Schraubklemmen unterstrichen wird. Natürlich handelt es sich hier nicht um besonders spektakuläre Exemplare, die in dieser Preisklasse aber auch längst nicht selbstverständlich sind. Die spannende Frage ist nun also, ob die Kompaktlautsprecher auch klanglich mit größeren und/oder höherpreisigen Modellen mithalten können.

Angenehm mitreißend

Angesichts des eher unaufgeregten Designs der Oberon 3 lassen wir es auch im Hörtest zunächst etwas ruhiger angehen. Mark Knopfler macht deshalb den Anfang und wir spielen den Kompaktlautsprechern „Broken Bones“ zu. Der Titel schafft mit dem entspannten Groove des voluminösen Basses und der tiefen, warmen Gesangsstimme Knopflers direkt eine angenehme Atmosphäre. Die passt hervorragend zu den Qualitäten der Dalis, die hier ebenfalls sehr souverän und warmherzig aufspielen. Beste Voraussetzungen für lange Hörsessions also, zumal die Stimmenwiedergabe stets natürlich wirkt und sich nicht künstlich aufdrängt. Zwar sind die Oberon 3 durchaus in der Lage, das Hörzimmer großflächig zu vereinnahmen – sie tun das jedoch auf eine sehr angenehme Art und Weise.

Die robusten Schraubklemmen ermöglichen einen sicheren Anschluss der Lautsprecherkabel.

Die robusten Schraubklemmen ermöglichen einen sicheren Anschluss der Lautsprecherkabel.

Dabei hilft ihnen auch die große und sauber gestaffelte virtuelle Bühne, die sogar bei höheren Pegeln nicht an Präzision verliert. Angesichts der kompakten Abmessungen ist das nicht selbstverständlich, unter Berücksichtigung der Ausstattungsqualitäten aber auch nicht völlig überraschend. Größere Standlautsprecher mit entsprechendem Qualitätsanspruch sind den kompakten Oberon 3 natürlich zwangsläufig noch einen Schritt voraus, die verhältnismäßig große Membranfläche ihrer Treiber zahlt sich jedoch absolut aus. Das macht sich unter anderem bei „Sway“ und „Naive“ von The Kooks bemerkbar. Die Instrumente verteilen sich auch in der Tiefe des Raums punktgenau, ohne dabei die Bindung zueinander zu verlieren. Selbst bei quantitativ hoher Band-Besetzung wird der stets im Zentrum positionierte Gesang nicht bedrängt, sondern darf sich auf einem satten Tieftonfundament entfalten. Dabei klingen sie dank des exzellenten Grundtons stets ernstzunehmend und voluminös.

Spielfreude bis ins letzte Eck

Auch die Dynamik kommt bei den Oberon 3 nicht zu kurz. Ihre Spielfreude und Agilität verleiht dem „Changing Of The Guards“-Cover von The Gaslight Anthem eine ganz neue Qualität. Schon im relativ zurückhaltenden Intro versprühen die Dalis eine mitreißende Energie, bis nach rund dreißig Sekunden alle Stricke reißen. Sofort legen die Kompaktboxen mit Vollgas los, mit sattem Bass, knackigen Drums und einem offenen Hochtonbereich, der scheinbar keine Grenzen kennt. Die verzerrten Gitarrenmelodien und -soli tanzen hier förmlich durch die Luft, ohne dabei unkontrolliert davonzufliegen. Egal, wie wild es auch werden mag, die Oberon 3 behält jederzeit mit langer Leine die Kontrolle.

Die besonders weiche und flexible Gummisicke soll für knackigen Mitten und druckvollen Bass sorgen.

Die besonders weiche und flexible Gummisicke soll für knackigen Mitten und druckvollen Bass sorgen.

Diese Souveränität stellt sie sogar beim hymnischen „Howl“ von Biffy Clyro unter Beweis, obwohl sie es hier nicht nur mit der Stimme von Sänger Simon Neil zu tun bekommt. Dessen teilweise fast schon ins aggressive Shouten kippender Gesang wird durch etwas gesetztere, aber umso voluminösere Backing Vocals begleitet, die so manche Box der Einstiegsklasse etwas stiefmütterlich behandelt. Für die Oberon 3 stellt diese Konstellation jedoch keinerlei Probleme dar. Mit überschäumender Begeisterung widmen sie sich auch diesem Aspekt und schaffen es so, dem opulenten Charakter des Titels wirklich gerecht zu werden. Ihre hohe Detailtreue bringt jede noch so kleine Nuance kristallklar zum Vorschein, rückt sie an den richtigen Platz und präsentiert folgerichtig ein exzellentes Klangbild, mit dem sie sich angesichts ihres hervorragenden Preis-Leistungsverhältnisses schon ziemlich deutlich unter Wert verkaufen.

Die kompakte Oberon 3 beweist, dass ein schmales Budget nicht zwangsläufig mit Kompromissbereitschaft einhergehen muss.

Die kompakte Oberon 3 beweist, dass ein schmales Budget nicht zwangsläufig mit Kompromissbereitschaft einhergehen muss.

Fazit

Der im wahrsten Sinne des Wortes ausgezeichnete Kompaktlautsprecher Oberon 3 mag auf dem Papier ein Einsteiger-Modell sein, entpuppt sich aber schnell als auch für ambitionierte Ansprüche geeigneter Schallwandler. Dali stellt hier einmal mehr unter Beweis, dass ein schmales Budget nicht zwangsläufig mit Kompromissbereitschaft einhergehen muss. In Sachen Optik und Verarbeitung sind die Oberon 3 sowieso über jeden Zweifel erhaben. Klanglich liefern sie eine sehr präzise Detailzeichnung, eine überaus natürliche Stimmenwiedergabe und einen satten, kraftvollen Tiefton. So liefern sie ein Paradebeispiel dafür, was mit ausgeprägtem Know-How machbar ist.

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 79/80
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

79

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Technische Daten

Modell:Dali Oberon 3
Produktkategorie:Kompaktlautsprecher
Preis:558 Euro / Paar
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- Esche Schwarz
- Eiche hell
- Walnuss dunkel
- Weiß
Vertrieb:DALI GmbH, Bensheim
Tel.: 06251 / 9 44 80 77
www.dali-deutschland.de
Abmessungen (HBT):350 x 200 x 315 mm
Gewicht:6,3 kg / Stück
Prinzip:Zwei-Wege, Bassreflex
Hochtöner:1 x 29 mm (Gewebekalotte)
Mitteltieftöner:1 x 180 mm (Holzfaser-Membran)
Frequenzbereich:47 Hz - 26 kHz (Herstellerangabe)
Trennfrequenz:2.400 Hz (Herstellerangabe)
Lieferumfang:- Dali Oberon 3
- Lautsprecherabdeckung
- Bedienungsanleitung
- Gummifüße
Pro und Kontra:+ exzellente Verarbeitung
+ flexible Aufstellung
+ sehr gute Stereo-Bühne
+ kraftvoller Tiefton
+ feine Hochtonauflösung
+ attraktiver Preis
Benotung:
Klang (60%):79/80
Praxis (20%):79/80
Ausstattung (20%):79/80
Gesamtnote:79/80
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistunghervorragend

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