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Mit der L82 Classic erweitert JBL seine an die „Goldene HiFi-Zeit“ angelehnte Classic-Serie. Zur Vintage-Optik kommt neueste Technik – und natürlich darf eine separate Hochtonregelung nicht fehlen. Die Verarbeitung ist sehr gut, die Ausstattung üppig und klanglich hauen diese Zwei-Wege-Regallautsprecher mal so richtig einen raus.

Optisch ist die L82 Classic an den bereits 1970 vorgestellten 4310 Pro Studio Monitor von JBL angelehnt.

Als JBL die L100 aus den 70ern vor etwa drei Jahren als L100 Classic neu auflegte, zog das durch die weltweite Audio-Presse. Ein Lautsprecher aus der guten alten HiFi-Zeit. Einer, dem Konventionen völlig egal zu sein scheinen. Größe, Farbe, Form – alles nebensächlich. Hier gilt nur eines, der Sound! Wer hier einen akkurat und neutral aufspielenden Lautsprecher erwartet, liegt allerdings etwas daneben. Die L100 Classic haut eher auf die Pauke. Statt ultrapräzise und fein, spielt sie laut, warm, bassstark, unverzerrt und macht unglaublichen Spaß. Nur ist sie für viele Wohnräume schlicht zu groß. Den Kundenwunsch nach einer wohnraumtauglicheren Variante erfüllt JBL jetzt mit Regallautsprecher-Version der L100, der L82 Classic. Bis auf die Größe gleicht sie der L100 Classic auf den ersten Blick fast wie ein Haar dem anderen. Jetzt wird herausgefunden, wo – mal abgesehen vom physischen Volumen – die großen Unterschiede liegen.

Auch die Abdeckung der L82 Classic kommt mit Quadrex-Form-Elementen. Das edel gestaltete JBL-Logo prangt leicht vertieft links unten.

Kleiner, aber perfekt proportioniert

Beginnen wir beim Offensichtlichen, der Größe: Mit einer Bauhöhe von 473 Millimetern ist die L82 satte 16 Zentimeter niedriger als ihr großes Geschwister. Die je 280 Millimeter in Breite und Tiefe (ohne Grill) passen da perfekt und lassen meinen Testgast wohlproportioniert erscheinen. Verfügbar ist die Zwei-Wege-Box in hübschem Walnussfurnier, wobei die Abdeckung in drei verschiedenen Varianten zu haben ist. Hier stehen Blau, Orange und Schwarz zur Auswahl. Wie unschwer zu erkennen, habe ich mich für letztgenannte Ausführung entscheiden. Da die Quadrex-Foam-Elemente auf der Abdeckung in beiden Modellen gleichdimensioniert sind, kommt die kleine L82 mit 112 statt 170 kleiner Quadrate aus. In beiden Modellen sitzt die Foam-Matrix auf einem hölzernen Rahmen. Er schließt perfekt mit dem Gehäuse ab und wird durch vier kleine, rundliche Kunststoffstifte an der Schallwand gehalten. Das kennt man von Lautsprechern aus den 70er- und 80-Jahren.

Die etwas größere, in Drei-Wege-Version ausgeführte, L100 Classic hatten wir auch bereits im Test.

Mehr Bass …

Die Schallwand zeigt dann die nächsten Unterschiede: Die L82 Classic ist ein Zwei-Wege-Lautsprecher. Auffällig ist dabei der große, 20 Zentimeter durchmessende Weißkegel-Tieftöner mit seiner markanten, rauen Papiermembran und der großen wulstigen Sicke. Das verspricht schonmal jede Menge Dampf im unteren Frequenzbereich. Entsprechende Unterstützung erhält der Woofer hier durch die direkt über ihm eingelassene Reflex-Öffnung. Besagtes Basschassis strahlt den produzierten Schall nämlich nach vorn wie nach hinten ab. Durch die geschickte Dimensionierung des sogenannten Slipstream-Ports wird der nach hinten abgestrahlte hier nochmal verstärkt und ins Freie entlassen. Die frontseitige Platzierung macht die JBL dabei unabhängiger vom Abstand zur Rückwand und erlaubt eine wandnahe Aufstellung des Lautsprechers. Rechts neben der großen Ventilierung sitzt der 25 Millimeter-Tweeter mit seiner Titan-Kalotte und der schützenden Brücke. Auch eine Hommage an die goldene HiFi-Zeit. Um den Schall möglichst gerichtet zu führen, sitzt der Hochtöner zentral in einer ihn umgebenden Schallführung.

Der markante 8-Zoll Weißkegel-Tieftöner verspricht Punch, Dynamik und einen adäquaten Tiefgang.

Feinarbeit

Ebenfalls aus der Zeit gefallen scheint der frontseitig eingelassene Regler zur Justage der Hochtonintensität. Diese erfolgt laut beiliegender Anleitung immer in Relation zur Bassperformance. Früher gab es das häufiger, heute hat kaum noch ein Lautsprecher ein solches Tool an Bord. Je nach Raumgeometrie, Einrichtung, dem bevorzugten Musikgenre oder dem eigenen Hörgeschmack kann dieser Regler ein mächtiges Werkzeug sein. JBL empfiehlt den Regler vor der Einrichtung auf der „0dB-Stellung zu belassen und alle weiteren Änderungen erst dann vorzunehmen, wenn die Lautsprecher ihren finalen Platz gefunden haben.
Aufgestellt und eingewinkelt ist die L82 Classic dagegen in wenigen Augenblicken. Platziert werden sie idealerweise auf den optional erhältlichen Stativen mit der Bezeichnung JS-80. Idealerweise deshalb, weil die speziell für das Zusammenspiel mit den L82 konzipiert wurden. Die luftigen Ständer sind erstaunlich stabil gebaut und so konstruiert, dass die Lautsprecher leicht nach hinten geneigt auf ihnen platziert werden können.

DIe L82 Classic ist u.a. mit einem Regler zur Hochtonanpassung ausgestattet.

L82 Classic im Stereodreieck

In meinem Testaufbau stehen beide Schallwandler etwa 2,50 Meter auseinander. Etwa drei Meter entfernt sitze ich, fast das klassische Stereo-Dreieck also. Auf dem Sessel sitzend, befinden sich die Hochtöner leicht unter Ohrhöhe. Durch besagte Neigung, strahlen sie aber direkt aufs Ohr. Was dabei sofort auffällt: Die JBLs verlangen Aufmerksamkeit bei der Ausrichtung. Die leichte Ausrichtung auf den Hörplatz genügt der L82 Classic nicht, sie fordert das volle Gehör. Also winkle ich sie direkt auf die Referenzposition aus. So ausgerichtet, sitze ich dann voll im Fokus einer sehr schön aufgezogenen Klangbühne. Sitzt man etwas weiter entfernt als ich, könnte die etwas weiter nach außen gewählte Ausrichtung sogar die bessere Wahl sein. Probieren Sie es einfach mal aus. Idealerweise gehen Sie dabei zu zweit vor. Während der Hörer der Musik lauscht, dreht die zweite Person die beiden L82 Classic in kleinen Zentimeterschritten nach aussen.

Auch dank der frontseitig eingelassenen Reflex-Öffnung lässt sich die L82 Classic vergleichsweise wandnah betreiben, ohne dass sie zu übermäßigem Wummern neigt.

Raum im Raum

Das passt sehr gut, weshalb ich den JBLs erstmal ein bisschen Zeit zum Einspielen gönne. Wie sich zwei Tage später herausstellt, benötigen sie diese Zeit auch. Die zuvor schon überraschend gute Räumlichkeit erstreckt sich nun noch ein wenig in die Tiefe. Nicht übertrieben tief aber eben tief genug, um die Aufstellung der Eagles im Klassiker „Hotel California“ mit geschlossenen Augen nachvollziehen zu können. Vorn mittig Don Henley, rechts nebenan Glen Frey an der Gitarre, noch weiter rechts Joe Walsch. Die Tiefe macht sich schließlich durch die markanten Bongos links hinter Don Henley bemerkbar. Die Staffelung ist wirklich gut – auch im anschließend angespielten „Walk This Way“ von Aerosmith im Zusammenspiel mit Slash und Dave Grohl. Rock und Temperament pur. By the way: Wer diese Version noch nicht kennt, sollte sich dieses Video unbedingt mal bei Youtube anschauen … und idealerweise gleich mal laut aufdrehen.

Breite und Tiefe

Den L82 Classic, die in meinem Test vom Auralic Streaming-Verstärker Polaris zu Höchstleistungen amplifiziert werden, macht das überhaupt nichts aus. Im Gegenteil, sie wollen getrieben werden. Also Lautstärke rauf und gib ihm. Harte Gitarrenriffs, die kratzige Stimme Steven Taylors und die perfekten Schlagzeugeinsätze des Foo Fighters-Frontmanns Dave Grohl machen den Hörraum innerhalb von Sekunden zur bebenden Konzerthalle. Was man hier vielleicht nicht erwarten würde, ist die breit aufgespannte Bühne, auf der sich die Rock-Legenden verteilen. Steven Taylor ist dabei mal links, mal mittig, mal rechts unterwegs. Slash verweilt zumeist im Zentrum, während das Schlagzeug sofort rechts hinten zu orten ist. Was mir neben der akustischen Staffelung aber noch besser gefällt, sind die Härte und Impulskraft, mit der dieser Klassiker der Rockgeschichte reproduziert wird. Das macht so richtig Spaß und sorgt dafür, dass ich mir den Song gleich mehrfach gebe.

Anschlussseitig stellt JBL einfache Single-Wire-Buchsen zu Verfügung.

Sofort animierende Spaßbringer

In diesem Zusammenhang möchte ich kurz auf meinen früheren Test der größeren L100 Classic zu sprechen kommen: Dieser attestierte ich, dass sie in Sachen Stimmfarbe nicht ganz korrekt reproduziert. Das ist bei der L82 Classic ganz ähnlich. Auch sie ist kein Feingeist. Wer feinste Details und millimetergenaue Präzision verlangt, wird mit diesem Schallwandler vermutlich nicht ganz glücklich. Wer aber gern losrockt, der ist hier auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Die L82 Classic ist ein Spaßbringer. Sie kann laut, schreit aber nicht an und bringt einen sofort dazu im Takt mitzuwippen – vorausgesetzt, man hat die richtige Stellung der Hochtonanpassung gewählt. In unserem Hörraum, in etwa wie ein modern eingerichtetes Wohnzimmer bedämpft, ist die 0dB-Stellung tatsächlich die, die mir klanglich am besten gefällt. Stehen große, schwere Polstermöbel im Raum, und/oder gibt es schwere Vorhänge und Teppiche, lohnt es sich den Hochton etwas „aufzudrehen“.

Die Stative mit der Bezeichnung JS-80 sind perfekt auf die L82 Classic zugeschnitten und sind optional für rund 100 Euro/Stück zu erwerben.

Punchiger Grundton

Mein Tipp: Spielen Sie einfach ein bisschen mit dem Regler – idealerweise zum Test auch mal mit der Wiedergabe von Marschmusik oder einer Operette. In besagter 0dB-Stellung gehen Hoch- und Mittelton bei mir harmonisch ineinander über. Im Grundton ist die Zwei-Wege-Box knackig und spielt sogar vergleichsweise tief runter, sie ist aber niemals fett. Das ist übrigens ein Vorurteil, das den „alten“ JBL-Modellen anhaftet. Auf die L82 Classic trifft das aber ausdrücklich nicht zu. Nein, zu fett klingen meine Testgäste ganz sicher nicht. Die 82er bietet zwar ein ordentliches Volumen, sie wirkt aber niemals zu wummerig oder anstrengend. Übrigens auch nicht, wenn man sie nahe der Wand aufstellt. In meinem Test habe ich sie zunächst im Abstand von etwa 35 Zentimetern zur Wand im Rücken platziert. Dafür werde ich dafür mit einer warmen, voluminösen Bassperformance belohnt. Und mit einer tollen Abstimmung und glücklicherweise auch mit einem punchigen Grundton.

Weg von der Wand

Das gefällt mir richtig gut, kann dem einen oder anderen vielleicht aber auch schon zuviel des Guten sein. Hier lohnt es auf jeden Fall ein bisschen zu experimentieren. Nur wenige Zentimeter weiter in den Raum gerückt, wirkt das Klangbild nun etwas freier, klarer und weniger voluminös. In Aerosmiths „Dream On“ gereicht das der Stimmwiedergabe zum Vorteil. Die markante Klaviermelodie füllt nun den Raum, begleitet vom dediziert eingesetzten Schlagzeug. Alles übrigens wieder auf einer sehr schön strukturierten Klangbühne. Links das Klavier, rechts daneben das Schlagzeug. Diese Klarheit ist schön, man erkauft sie sich aber auch ein wenig auf Kosten der Bassintensität. Wer es etwas puristischer mag, für den wird diese Aufstellungsvariante vermutlich die passendere sein. Welches letztlich die richtige Platzierung ist, hängt vom bevorzugt gehörten Musikgenre und vom eigenen Hörgeschmack ab. Beides hat seine individuellen Vorzüge. Es empfiehlt sich also auch das einfach mal ausprobieren.

Die Lautsprecherabdeckung sitzt auf einem hölzernen Rahmen, der einfach vor die Schallwand der L82 Classic gesteckt wird.

Ran an die Wand

Auch wenn zweitere Variante etwas „schlanker“ und vielleicht auch etwas detaillierter erscheint, gefällt mir die wandnähere Aufstellung doch besser. Also rücke ich die JBLs wieder näher an die Rückwand. Sofort wird alles wieder etwas voluminöser, zugleich aber auch aggressiver. Das kann aber auch an Slashs Gitarreneinlage liegen, die den Song jetzt dominiert. Wow, das schreit förmlich nach einer weiteren Lautstärkeerhöhung, die ich umgehend umsetze. Jetzt rockt die Bude noch mehr. Wie laut es tatsächlich ist, wird mir erst klar, als das Telefon schellt. Ich höre davon zwar nichts, werde aber auf das rote Blicklicht aufmerksam. OK, das war dann wohl doch etwas zu laut. Nur für mich, nicht aber für die L82 Classic, die spielt selbst deutlich oberhalb der Zimmerlautstärke quasi unverzerrt weiter. Eine weitere Sache, die man von JBL kennt – und die hat sich im Gegensatz zu bereits erwähntem Vorurteil glücklicherweise nicht geändert.

Entnimmt man die Abdeckung, wird der Retro-Charme der L82 Classic nochmals unterstrichen.

Fazit

Die L82 Classic ist ein echter Rocker und uneingeschränkter Spaßmacher. Der Look ist Retro, der Sound deutlich moderner. Zwar kann die JBL ihre DNA nicht verhehlen, klanglich ist sie aber eher in Richtung aktueller Hörgewohnheiten getrimmt. Die liegen nicht mehr auf dem allertiefsten Abstieg in den Basskeller, sondern eher auf Leistung, Punch, Dynamik und den berühmten Kick in der Magengrube. All das verspricht und liefert dieser JBL-Regallautsprecher! Wer also einen preislich fair kalkulierten Lautsprecher im Vintage-Look sucht, der seine Stärken schon visuell suggeriert, der wird an der L82 Classic kaum vorbei kommen.

Test & Text: Roman Maier
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 94/95
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

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Technische Daten

Modell:JBL
L82 Classic
Produktkategorie:Regallautsprecher
Preis:2.200,00 Euro / Paar
107,00 Euro (zusätzliche Abdeckung/Paar)
Ausführung:- Walnuss

Abdeckung:
- Orange
- Schwarz
- Blau
Vertrieb:Harman Luxury Group
www.jblsynthesis.com
Abmessungen (HBT):473 x 281 x 296 mm
Gewicht:13,2 kg / Stück
Bauart:Zwei-Wege, Bassreflex
Hochtöner:25 mm
Tiefmitteltöner:200 mm
Frequenzbereich:44 Hz - 40 kHz (Herstellerangabe)
Empf. Verstärkerleistung:25 - 150 Watt
Lieferumfang:- L82 Classic
- Abdeckungen (Quadrex-Foam)
- Anleitung

- JS-80 Lautsprecher-Ständer optional (um 100 Euro/Stück)
Pros und Contras:+ Hochtonanpassung
+ sehr gute Verarbeitung
+ dynamischer Grundton
+ realistische Bühnendarstellung
+ Retro-Design
+ hohe Agilität
+ enorme Impulskraft

- leicht verfärbte Klangfarben
Benotung:
Klang (60%):93/95
Praxis (20%):94/95
Ausstattung (20%):94/95
Gesamtnote:94/94
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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