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Dynamik, Lebendigkeit und Individualität stehen bei der Orbid Sound Telesto im Fokus. Genau wie ihr Hersteller selbst setzt sie damit auf Tugenden, die etwas Abseits der gängigen Normen des Massenmarktes liegen. Doch gerade hier lassen sich schließlich oft die interessantesten Dinge entdecken. Ob das auch auf diese Standlautsprecher von Orbid Sound zutrifft, wird unser Praxistest zeigen.

Mit frei wählbarem Lack und zusätzlichen Optionen, lassen sich die Telesto umfangreich individualisieren.

Das Konzept der Entfernung vom Massenmarkt macht sich optisch allerdings nicht auf den ersten Blick offensichtlich. Grundsätzlich folgt die Telesto den gängigen Normen eines Standlautsprechers. Besonders ausgefallene Formen oder eigenwillige Designexzesse, wird man hier nicht finden. Die Unterschiede zu vielen vergleichbaren Modellen findet man bei Orbid Sound eher in kleineren Details. Da wäre zum Beispiel die Dimensionierung. Die Grundfläche der Telesto ist mit Kantenlängen von 25 Zentimetern in Breite und Tiefe quadratisch ausgelegt. Anders als viele heute recht schmal, aber tief gestaltete Lautsprecher, wirken sie so geringfügig stämmiger. Gleichzeitig ist die Höhe mit etwa 95 Zentimetern ein wenig niedriger als bei vielen Standlautsprechern. So wirken die Proportionen im allgemeinen stimmig und die Telesto lassen sich beispielsweise auch unter Dachschrägen noch gut aufstellen. Die Platzierung geschieht dann im Normalfall direkt auf der Bodenplatte des Gehäuses. Füße oder Spikes sind nicht vorhanden, doch so genannte „Schwingungsdämpfer“ werden als Zubehör angeboten.

Optik ganz nach Wunsch

Ein großer Unterschied zwischen Produkten von Orbid Sound und Lautsprecher anderer Marken ist allerdings die individuelle Anpassung. Bevor die Schallwandler der Wahl für den jeweiligen Nutzer gebaut werden, darf dieser zwischen verschiedenen Optionen bezüglich deren Optik und Ausstattung entscheiden. Neben den bereits angesprochenen Schwingungsdämpfern, die besonders für die Aufstellung auf harten Böden zu empfehlen sind, bezieht sich das auch auf die Abdeckungen. Prinzipiell werden Orbid Sound Lautsprecher mit einem freien Blick auf die Treiber ausgeliefert. Das bedeutet gleichzeitig eine glatte Schallwand. Sollte man sich also für eine Stoffabdeckung entscheiden, werden beim Bau die entsprechenden Halterungen eingesetzt. Außerdem lassen sich die Tieftöner auf Wunsch mit einem Satz Zierringen aus Aluminium umranden. Am meisten lässt sich die Telesto aber durch die gewünschte Farbe individualisieren. Neben seidenmattem oder Strukturlack in weiß und schwarz, bietet der Hersteller die Standboxen auch in jeder beliebigen RAL-Farbe an.

Neben den Standards Weiß und Schwarz, jeweils in Strukturlack oder seidenmatt, bietet Ordid Sound auch die Lackierung in jeder RAL-Farbe an. Auch Zierringe für die Tieftöner, Abdeckungen und Absorberfüße können auf Wunsch mitgeordert werden.

Ein Fest an Möglichkeiten

Farbwahl, Zierringe, Abdeckungen und Schwingungsdämpfer sind bei der Telesto allerdings leider nicht genereller Bestandteil des Lieferumfangs, sondern optional. Mit Mehrkosten im zweistelligen Bereich für die verschiedenen Extras bleibt Orbid Sound bei seiner Preisgestaltung allerdings mehr als fair. Und schließlich folgt auf die Auswahl der verschiedenen Anpassungen ja auch zusätzliche Handarbeit des Manufakturbetriebes im baden-württembergischen Balingen. Insgesamt sind die gebotenen Optionen, allen voran die freie Farbwahl, eine tolle Möglichkeit die eigene Anlage besonders nahtlos in das heimische Interieur zu integrieren. Auch bei der Wahl des angeschlossenen Verstärkers stehen dem geneigten Nutzer zahlreiche Optionen offen. Mit einer Dauerbelastbarkeit von 140 Watt und einem spitzenmäßigen Wirkungsgrad von satten 94 dB, braucht es nicht übermäßig viel Power, um die Telesto zum arbeiten zu bringen. Ob man dann Bananenstecker, Kabelschuhe oder die blanken Litzen an den festen Schraubterminals anschließen möchte, ist ebenfalls dem Nutzer selbst überlassen.

Tiefton-Turbulenzen

Was man auf der Rückseite hingegen nicht finden wird, ist eine Bassreflexöffnung. Diese wird bei der Telesto nämlich an der Unterkante der Front eingelassen. Das macht auch die Aufstellung der Standlautsprecher einen Ticken einfacher, da der Wandabstand so ein wenig kleiner gehalten werden kann. Mit Hilfe der Bassreflexabstimmung sollen die Lautsprecher dann einen Frequenzbereich von 30 Hertz bis 20 Kilohertz abdecken. Wer es untenrum ein wenig kräftiger mag, sollte hier also gut bedient sein. Das zeigen auch die beiden großen Tieftöner der Telesto. Orbid Sound spricht hier von 8-Zoll-Chassis. Das ist technisch korrekt, auch wenn ein Zoll hier für Sicke und Fassung der Treiber draufgehen. Dennoch sind die 170-Millimeter-Membranen im Doppelpack natürlich eine klare Ansage. Auffällig sind hier auch die glänzenden Dustcaps, die im Zentrum der Papiermembranen sitzen. Für die korrekte Signalverteilung des Drei-Wege-Systems entwickelte Orbid Sound dann eine Frequenzweiche, die mit Bauteilen von Mundorf bestückt wird.

Die beiden großen Tieftöner geben die Breite der Schallwand vor. Dank viel Membranfläche und gutem Wirkungsgrad bieten die Telesto auch bei weniger Leistung gute Pegel.

Wellenreiter

Für den mittleren Frequenzbereich zeigt sich eine 100-Millimeter Membran verantwortlich. Direkt über dem 5-Zoll-Korb des Mitteltöners schließt dann bereits die Fassung des Hochtöner nahtlos an. Ein ausgeprägt gestalteter Waveguide, den man in seiner Form schon beinahe als Horn beschreiben könnte, sorgt hier für ein gleichmäßiges Abstrahlverhalten und trägt seinen Teil zum hohen Wirkungsgrad der Telesto bei. Für die eigentliche Schallwandlung verwendet Orbid Sound dann eine Kalotte mit einem Durchmesser von einem Zoll. Fans eines besonders cleanen Looks werden sich vielleicht an den sichtbaren und teils leicht hervorstehenden Schrauben rund um die vier Treiber des Lautsprechers stören. Doch prinzipiell erhalten sie so ein wenig charmantes Old-School Flair, das gerade in letzter Zeit wieder viele Freunde gefunden hat. So gibt sich die Telesto insgesamt erfreulich unprätentiös. Sie ist kein Lautsprecher, der sein Dasein einzig als Dekoration in spärlich eingerichteten Lofts fristet. Sie soll in erster Linie Spaß beim Musikören machen.

Die Kalotte des Hochtöners sitz im Zentrum eines ausgeprägten Waveguides. Die Mittelton-Membran mit 100-Millimeter Durchmesser, schafft einen gleichmäßigen Übergang zu den beiden Basstreibern.

Orbid Sound Telesto – Klangspaß ohne Umwege

Ob ihnen das gelingt, müssen die beiden Standboxen in unserem Hörraum zeigen. Im Zusammenspiel mit dem Center Nova, den Effeklautsprechern Triton und dem Terra II Subwoofer, konnten wir die Telesto vor einiger Zeit bereits auf ihre Surroundqualitäten überprüfen. Nun aber müssen sie sich im Stereobetrieb beweisen. Orbid Sound empfiehlt einen Hörabstand von mindestens zweieinhalb Metern und eine Raumgröße bis 30 Quadratmeter. Anforderungen die scheinbar wie gemacht für unseren Hörraum sind, wo die Telesto mit einem Streaming-Vollverstärker verbunden werden. Leicht auf den Hörplatz eingewinkelt und mit einem Abstand von etwa 25 Zentimetern zur rückwärtigen Wand, legen die Lautsprecher sehr beschwingt los. Das bereits zweite Doppelalbum der Red Hot Chili Peppers in diesem Jahr, „Return of the Dream Canteen“, scheint den Telesto wunderbar entgegen zu kommen. Sofort fluten die beiden den Hörraum mit herrlich körperhaftem Bass und wunderbar knackig-dynamischen Drums.

Durch die Bassreflexöffnung an der Front lässt sich die Telesto flexibel aufstellen, ohne dass der druckvolle Tiefbass leidet.

Macht Druck

Energisches Kopfnicken zum sauber fließenden Beat und beschwingtes Wippen mit dem Fuß sind die unweigerliche Folge des flotten Einstiegs. Anthony Kiedis‘ Gesang wird zentral in den Raum gestellt, während die Bassdrum immer wieder mit kräftigem Durchzug nach vorne schnellt. Das helle Krachen der Drumsticks auf die Becken erschallt zackig und liefert schöne Obertöne. So wirkt das ganze Spiel angenehm lebendig und schon nach wenigen Momenten ertappt man sich dabei, wie die Hand ein ums andere Mal zur Fernbedienung wandert, um noch ein wenig mehr Pegel zu bekommen. Damit haben die Telesto auch keinerlei Probleme. Schon mit recht wenig Leistung seitens des Verstärkers generieren die beiden Lautsprecher einen ansehnlichen Schalldruck, ohne in Unsauberkeiten abzurutschen. Hier ist auf jeden Fall das Potential gegeben, sich einmal richtig vom erzeugten Schall durchkneten zu lassen. Gleichzeitig steigt damit aber natürlich die Gefahr, sich bei den Nachbarn unbeliebt zu machen.

I wanna rock!

Mir macht das hochenergetische Spiel unserer beiden Testkandidaten wirklich Spaß und bringt mich auf einen Gedanken. Lebendigkeit und Druck der Telesto könnte selbst den oft sehr dynamisch komprimierten Alben von Danko Jones auf die Sprünge helfen. Also wird schnell auf das Album „Below the Belt“ getippt, an dem sich Orbid Sounds Powerplayer die Zähne ausbeißen dürfen. Doch auch hier haben die Lautsprecher scheinbar leichtes Spiel. Die schnellen Gitarren wirken kräftig und satt, während auch hier besonders die Becken mit ihren krachenden Einsätzen eine schöne Frische an den Tag legen. Der Bass reicht bis tief nach unten, wirkt voll, rund und fährt gut in den Körper. Das passt herrlich zum energisch-rotzigen Rocksound der Kanadier, auch wenn Räumlichkeit und Ortung noch Luft nach oben haben. Ist das hohe Audiophile Kunst? Keineswegs. Macht diese leicht krawallige Spielweise Spaß? Mir persönlich auf jeden Fall.

Wer die Treiber des 3-Wege-Systems mit einer Abdeckung verhüllen möchte, sollte dies schon beim Bestellen beachten. Die benötigten Halterungen müssen bereits beim Bau der Lautsprecher integriert werden.

Kampfansage

Die unheimlich direkte Art der beiden 3-Wege-Lautsprecher macht sie mir einfach sympathisch. Hier gibt es keine verkopfte Analyse von belanglosen Kleinigkeiten und keinerlei Zurückhaltung. „Full of Regret“ schleudern die Teleso mit Durchzug und Nachdruck in den Hörraum. Dabei scheinen sie ihr Publikum nochmals beinahe ein wenig herauszufordern. „Komm schon, mach noch ein bisschen lauter“ Da geht noch mehr!“ Davon will ich mich nicht einschüchtern lassen. Stattdessen stille ich den Pegelhunger der beiden damit, ihnen noch mehr Leistung in den weit aufgerissenen Schlund zu werfen. Die Treiber danken es mit noch mehr Pegel, noch mehr Druck und noch packenderer Dynamik. Nach einem kurzen Durchschnaufen geht es mit „Level Select“ von Pizza Hotline mit treibenden Electro-Sounds weiter. Wie zu erwarten legen die Lautsprecher auch hier eine enorme Lebendigkeit an den Tag. Flinke Percussions werden mit donnernden Bässen und feinen Synthy-Effekten kombiniert, die über einer soliden Basis fülliger Keyboardklänge schweben.

Großes Kino

Der unvermittelte Einsatz der einzelnen Komponenten erzeugt eine sofortige Reaktion beim Hörer. Seinen es das Mitwippen zum Beat, oder das leichte Grinsen im Gesicht, das man bei der Unbeschwertheit und dem Elan der Lautsprecher einfach nicht unterdrücken kann. Mit dem Wechsel zu Howard Shores „Lord of the Rings“ Soundtrack, zeigen die Standboxen aber, dass sie auch die sanfteren Klänge beherrschen. Holzbläser erklingen bei „Gilraen’s Memorial“ mit angenehm natürlichen Klangfarben, während sahnige Streicher sachte dahinfließen. Ihr feines Vibrato wirkt dann einahe wie ein kurzes Luftholen, bevor die anschwellenden Blechbläser letztlich wunderbar episch im Fellowship Thema eruptieren. Das Orchester fügt sich dabei schlüssig zusammen, auch wenn dabei vielleicht nicht jedes noch so kleine Detail offenbart wird. Diese Kompromisslosigkeit mag vielleicht nicht jedem Nutzer vollends gefallen. Doch wer sich für diese Art begeistern kann und einfach Spaß an seiner Musiksammlung haben möchte, kommt hier sicher auf seine Kosten.

Viel braucht es nicht, um mit den Telesto Spaß zu haben. Ausgelegt für Räume bis 30 Quadratmeter, ist sie für maximal 200 Watt Impulsleistung ausgelegt.

Fazit

Mit der Telesto liefert Orbid Sound einen Lautsprecher, der sich durch seine vielen Möglichkeiten zur Individualisierung bereits erfreulich vom Mainstream abheben kann. Doch besonders die unprätentiöse, ehrliche Art dieses Lautsprechers zeichnet ihn in der heutigen Zeit aus. Seine Lebendigkeit und Dynamik machen jede Menge Spaß, dem dank gutem Wirkungsgrad und hoher Pegelfestigkeit nur schwer Grenzen zu setzen sind. Die Telesto bietet Individualität statt Einheitsbrei, mit der Orbid Sound sicher viele begeistern wird, die etwas anderes als die Lösung von der Stange suchen.

Test & Text: Philipp Schneckenburger
Fotos: Branislav Ćakić

Gesamtnote: 88/90
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

88 of 90

89 of 90

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Technische Daten

Modelle:Orbid Sound Telesto
Gerätekategorie:Standlautsprecher
Preis:ab 990 Euro
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- Schwarz
- Weiß
- RAl-Farben
Vertrieb:Orbid Sound, Balingen
07433 3910122
www.orbid-sound.de
Abmessungen (H x B x T):950 x 252 x 252 mm
Gewicht:18,5 kg
Bauart:3-Wege, Bassreflex, passiv
Anschlüsse:Single-Wire Schraubklemmen
Impedanz:4 Ohm
Bestückung:1 x 1 Zoll Hochtöner
1 x 5 Zoll Mitteltöner
2 x 8 Zoll Tieftöner
Frequenzgang:30Hz – 20 kHz (Herstellerangabe)
Impuls-/ Dauerbelastbarkeit:200/140 Watt (Herstellerangabe)
Lieferumfang:1 x Telesto
Pro & Contra:+ ausgezeichnete Dynamik
+ lebendiger Sound
+ tonal neutral
+ sehr pegelfest
+ kräftiger Bass
+ individuelle Farbwahl
+ schöne Auflösung
+ gut dimensioniert

- Abdeckungen und Füße nur optional
Benotung:
Klang (60%):88/90
Praxis (20%):89/90
Ausstattung (20%):88/90
Gesamtnote:88/90
Klasse:Oberklasse
Preis/Leistung:hervorragend
Getestet mit:AVM Inspiration AS 2.3
Innuos ZENmini Mk3
QED Reference XT40

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